Vampire Weekend – Contra (2010)

Indie-Power-Pop der sich gerne bei Musikstilen und Gattungen der ganzen weiten Welt bedient, das ist Vampire Weekend und die Songs, wie schon das Eingangsstück „Horchata“ sorgen vor allem für gute Laune. Das haben sie mit dem Rock´n´Roll gemein, die Musik soll eine gute Stimmung hervorrufen – ob für ausgelassene Party/oder einfach um den Hörer an die Hand zu nehmen und aus dem Grau des Alltags zu holen. Genau dazu eignen sich die Songs, die sich mit südamerikanischen und afrikanischen Melodieelementen schmücken, ganz toll. Wer bei Songs wie „White Sky“ schlechte Laune hat – den kann man nicht helfen. 
„Holiday“ sprüht vor Lebensfreude und auch bei „California English“ will die Stimmung einfach nicht abflauen. Dass es bei so viel „Guter Laune“ nicht langweilig wird – ist eine weitere Könnerschaft von Vampire Weekend – langweilig wird es bei deren Party-Dauerschleife nicht. Es ist einfach zu leichtfüßig, zu gut produziert und arrangiert und ich kenne auch keine vergleichbare Band, die das so hinbekommen wie sie. Party-Songs sind eigentlich ja nicht mein Genre, aber einen Song wie „Taxi Cab“ kann man einfach nicht widerstehen. Jeder Songs ist eine Party, zu der man eigentlich nicht hinwollte, aber angekommen, hat man die beste Zeit seines Lebens. Die Rhythmen sind aber einfach auch zu mitreißend, auch bei „Run“. „Cousins“ ist Samba/Salsa-Rock – extra fein und wild. Auch mal mehr gerockt als bei den anderen Songs wird bei „Giving up the Gun“. Dass man mich mit fröhlichen Melodien voll begeistern kann, verdeutlicht „Diplomat´s Son“ so grandios. Und jede Party hat leider auch ein Ende und diese Party endet mit: „I think Ur a Contra“. Ein sanfter Absacker. War aber eine verdammt tolle Party. (241)

Michel van Dyke – Reincarnated (1994)

Dies ist das dritte englischsprachige Album von Michel van Dyke, der mich mit der Single „She comes at the end of the Day“ überzeugt hatte, die Platte zu kaufen. Der sanft melancholische Singer/Songwriter-Pop mit ebenfalls leichter Indie-Musik-Note (aber bei einem Major-Label unter Vertrag zu der Zeit) dieser Platte ist bei zu einem ständigen Begleiter geworden – die Platte höre ich, zumindest in Einzelteile, also seit über 30 Jahre und finde sie immer noch richtig gut. Trotz dem Michel van Dyke mit dem Nachfolgealbum „Kozmetica“ (1996) und mit dem Song „Womanchild“ einen weiteren kleinen Hit verbuchen konnte, wechselte er danach vom englischen ins deutsche und und seine Musik verlegte er eher in die Schlagerpopecke. Erfolgreich schrieb er zuvor auch Songs für die Band „Echt“ - was vielleicht auch den Schritt zur Folge hatte, dass er selbst seitdem in deutscher Sprache seine Alben produziert.

Aber zurück zu einer Lieblingsplatte. „Reincarnated“ wurde von Midge Ure produziert. Den Ton (melancholicher Pop) setzt das Album direkt gekonnt mit „Maybe I should leave“ - der von den vielen guten Songs dieser Platte einer der besten ist. Wie bei den Alben von den Jeremy Days finden ich ja dass dieses Album einen Britpop-Sound hat – ohne halt von Engländern zu stammen. Aber klingt halt so – ich schreib ja auch wenn Engländer Krautrock machen – das das so klingt und Engländer sind ja keine Krauts. Aber sofort macht mir der Song wieder ganz viel Freude. Liebe ich. 

Der Indie-Alternative-Sound, der der Platte nicht abzusprechen ist, hört man besonders bei Stücken wie „All I ever wanted“. 

Tolle Single und toller Song: „She comes at the End of the Day“ - zur Recht einer der Hits von Michel van Dyke.

Schon wirklich im Sound von den Jeremy Days kommt „Success“ daher - aber auch der Song ist gut und rockt ein wenig mehr. Die Begleitband bestand aus Christophe Buse (Drums), Stefan Gade (Bass), Steffen Haeferlinger (Gitarre), Jan-Christoph Scheibe (Keyboards – Der heute der Chorleiter des St.Pauli-Seniorenchors „Heaven can Wait“ ist - die Doku“Heaven can wait“ zum Chor unbedingt gucken!!!!). Beim letzten Lied hört man Bernadette Hengst auch singen.

Sehr sehr melancholisch: „I won´t forget“ - aber gerade diese Art Songs der Platte bleiben lange in Erinnerung. Nochmal Indie-Sound gibt’s bei „Confusing“ und ich finde es wirklich sehr schön wie er diesen Indie-Touch für seine tollen Popsongs nutzt. Das klingt dann doch nach mehr. 

Gut gefüllt ist auch dieses Album mit dreizehn Songs. Zur Halbzeit gibt’s mit „Juliet Forever“ ein Liebeslied, natürlich in dem fürs Album bestimmenden melancholischen Popstil. 

Dann doch mal was mit mehr Pop und Pep und vielleicht auch der fröhlichste Song der Platte – bei einem Titel wie „Good Time“ kann wohl selbst ein Dauermelancholiker nicht melancholisch sein. Auch der Michel hat mal eine „Gute Zeit“ verdient – und der Hörer mit dem Song auch. 

Das Album hat auch keinen so richtigen Durchhänger, auch das ganz schwungvoll geratene „Reincarnated“ nimmt einen für sich ein. 

Auch so ein Lieblingsstück – einfach so schöönnnn: „If I could cry“. Herzzerreißend. 

Schöner Song auch – so als Einzelstück – beim Durchhören der Platte ist er einer von Vielen: „When the Waves comes“.

Aber die ganzen sanften Stücke funktionieren einfach super, so auch „How to say goodbye“. 

Ein doch oft von mir überhörter Song – aber auch so richtig gut und fein: „It´s a Crime“.

Wenn ein Album nie ganz zur Seite gelegt wird, und dies über einen Zeitraum von über dreizig Jahre, dann kann es ja nicht schlecht sein. Tolle Musik und „Soundtrack of my Live“ seit 1994.

Herman van Veen – Inzwischen Alles Gute (1974)

Das erste deutsche Livealbum von Herman van Veen. Der Tausendsassa Alfred Biolek, der so manche musikalische Karriere den wichtigen ersten Anschubs gegeben hat, zeigte zu nächtlicher Zeit im ersten deutschen Fernsehen das Bühnenprogramm von Herman van Veen, der es wagte mit Geige und anrührenden Texten gegen Rockmusik und Schlagerallerlei anzutreten. Dann wagte es Karsten Jahnke ihm auf Deutschland Tournee zu schicken und auch im Radio wurden Herman van Veens Lieder gespielt. Das Ergebnis dieses Überraschungserfolgs ist dieses Live-Album, welches die letzten Skeptiker überzeugen sollte. Ein musikalischer Clown mit Anspruch, der gleichzeitig ein begnadeter Unterhalter ist, das und viel mehr ist Herman van Veen. Und schon nach der ersten Platte ein Live-Phänomen. 

Zaghafte Chansons, freche Texte, kluge und immer noch aus jeder Zeit fallende Instrumentierung entfalten auf der Bühne eine ungeheure Kraft und ein Song wie „Arm“ begeistert einfach durch Zeitlosigkeit und ist eine echte Neu/Wiederentdeckung (habe diese CD wirklich leider jahrzehntelang nicht mehr gehört gehabt – so ist dies auch ein Aufruf dazu, dass jeder mal sein CD/Platten-Regal entstaubt und die Regal-Leichen wiederbelebt. Da sind so viele Schätze, die wieder gehört und wiederentdeckt werden sollen – tut Euch den Gefallen). 
„Windstill“ auch sehr schön. Vielleicht bin ich jetzt auch einfach im richtigen Alter für diese Musik, auf jeden Fall gefällt mir das alles was ich da höre sehr. „Ohne Dich“ ist ein wunderschöner Singer/Songwriter-Song. Auch erwähnenswert ist die Aufnahmequalität, die sich kaum von einer Studioaufnahme unterscheidet. „Ich hab ein zärtliches Gefühl“ darf natürlich nicht fehlen – der liebenswerte sanfte Klassiker. Auch toll: „Gitarrensolo“. Das Stück zeigt auch, wie vielfältig und überraschend ein Bühnenauftritt von Herman van Veen bis heute ist. Die Musik von Herman van Veen funktionierte Gestern und sie funktioniert genauso Heute und ist bis Heute nicht einzuordnen. Es ist Kunst. Warum sollten gute Lieder auch keine Kunst sein – wenn sie einen genauso oder mehr inspirieren wie ein Bild eines großen Künstlers oder ein Gedicht eines großen Dichters. Und eine Live Performance ist ja längst gelebte Kunst. 
Nur beim letzten Stück: „Der Pianist“ da fehlen mir die Bilder – eine Clownerei, die man auch gesehen haben sollte. (165)

Herman van Veen – Seine besten Lieder (2003)

Dies ist eine Zusammenstellung von Liedern, die allesamt aus der Schaffensphase Herman van Veen´s in den 70er Jahren sind (dabei hat er natürlich auch in den 80er und 90er Jahren (und darüber hinaus) noch eine Vielzahl an Platten gemacht, deren Lieder aber (hierzulande) nicht mehr so eine Bekanntheit erreichten. Die Veröffentlichung gehört zur Reihe „Seine besten Lieder“ mit Zusammenstelllungen von bekannten Liedermachern (Georg Danzar, Konstantin Wecker, Ludwig Hirsch).

Chansons und Singer/Songwriter Song in deutscher Sprache, von einem Holländer gesungen und immer noch traut man einem männlichen Sänger kaum solche zärtlich schönen Texte zu (was ihm nicht nur dadurch wohl mit Leonard Cohen verbindet (vielleicht auch mit Hannes Wader und Konstantin Wecker – aber da treten die kaum zu verschließenden endlosen Lücken im Musikwissen des Schreibers auf).

Ab und an sollte man diese zeitlosen Songs hören, um zu prüfen ob man das Herz noch am rechten Fleck hat. Für mich bleibt Herman van Veen ein einmaliges Unikat.  (24)

Visage – Visage (1980)

Von Visage kannte ich bisher nur „Fade To Gray“ richtig. Obwohl der Song mich immer angesprochen hatte, fehlte bisher das Interesse auch mal in das weitere Material von Visage hineinzuhören. 

Mitch Ure und Rusty Egan waren mit dem Stil ihrer Band „Rhich Kids“ unzufrieden und wollten mehr elektronisch geprägte Rockmusik machen. Sie taten sich mit Steve Strange zusammen und es kamen nach und nach noch weitere Musiker hinzu, mit denen Demos und das Debutalbum produziert wurden. Da einige Musiker aus dem Umkreis von Gary Numan und Ultrafox stammten, wundert es erst nicht, dass ein Großteil der Songs sich wie eine Mischung aus deren Material anhört. Es kommen Vocoder zum Einsatz und die Musik hat durchaus tanzbare Parts. „Fade To Gray“ bleibt aber das wirkliche Ausnahmestück auf dem Album. (59)

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.