
Robert Palmer – Sneakin Sally through the Alley (1974)
Das erste Soloalbum von Robert Palmer, der zuvor drei Alben mit „Vinegar Joe“ aufgenommen hat, wurde mit vielen Gastmusikern produziert, darunter Lowell George (Little Feat), Steve Winwood, Art Neville als Teil von The Meters und weitere. Die Songs bestehen teils aus Eigenkompositionen, enthalten aber auch Coverversionen von Stücken von Lowell George und Allen Toussaint.
„Sailing Shoes“ klingt wie ein kraftvolles, leicht rockiges Soul-Stück, dessen Sound durch den Einsatz von Keyboards an die Platten von Stevie Wonder erinnert. Das zweite Stück „Hey Julia“ hat mich dann richtig überzeugt – ein schön einfach gespielter Soul-Pop-Song, dazu dieser herrliche Robert-Palmer-Gesang, wie ihn eigentlich nur er hervorbringen konnte. Gute Robert-Palmer-Songs zeichneten sich auch später durch eine solche Lockerheit und Leichtigkeit aus, als stünde Palmer live auf der Bühne, würde eine großartige Party veranstalten und alle Anwesenden hätten einen riesigen Spaß. Vermutlich gelang ihm sein großer Erfolg erst richtig, als er seinen Songs einen Reggae-Touch verlieh.
Ich mag aber auch den Rhythm-&-Soul-Robert Palmer sehr. Wie Steve Winwood ist er jemand, der dieses Genre meisterhaft verstanden und bereichert hat, weshalb mir auch der Titeltrack „Sneakin’ Sally Through the Alley“ großen Spaß macht. „Get Outside“ ist ebenfalls eine Blues-Rock-Nummer, die dem Hörer viel Freude bereitet, wenn er sie entdeckt hat. Danach ist „Blackmail“ für mich wieder etwas zu simpel geraten. Der Südstaaten-Rock funktioniert mit Palmer als Frontmann sehr gut, ebenso wie „How Much Fun“. Dabei wird deutlich, dass Palmer hier wirklich zeitlose Musik geschaffen hat. „From Whisper to a Scream“ schließt nahtlos an die Qualität von „How Much Fun“ an. Das abschließende „Through It All There’s You“ dauert sogar ganze zwölf Minuten.
Für mich besticht dieses Album durch seine Mischung aus Rock, Soul, Rhythm & Blues und die unwiderstehliche Stimme von Robert Palmer. (142)

Robert Palmer – Don´t Explain (1990)
Das Album „Don´t Explain“ enthält satte achtzehn Songs. Den Reigen eröffnet die schwungvolle Rocknummer „Your Mother Should Have Told You“. Mit „Light Years“ setzt sich der Rocksound fort. Die Gitarristen Steven Stevens und Eddie Martinez treiben auch „You Can´t Get Enough of a Good Thing“ kraftvoll voran.
Mit „Dreams to Remember“ hält endlich der Soul auf dem Album Einzug – dies ist die Stärke des Sängers Robert Palmer. Dabei setzt er weiterhin auf Rocksound statt auf für Soul typische Bläser oder leisere Töne. Auch bei „You´re Amazing“ rockt er energisch, als wollte er Bon Jovi Konkurrenz machen. Hier entsteht endgültig der Eindruck, als strebe er mit voller Kraft einen Platz in den amerikanischen Charts an.
Ein Stimmungswechsel folgt mit „Mess Around“, bei dem der typische Palmer-Sound durchschimmert – ein geschickt arrangierter Popsoul. „Happiness“ sorgt mit seinem fröhlichen Groove für gute Laune und macht einfach Spaß.
„History“ ist eine tolle Achterbahnfahrt, die fast ausschließlich von der Stimme getragen wird. Danach folgt eine weitere große Covernummer und Charterfolg: zusammen mit UB40 „I´ll Be Your Baby Tonight“. Unwiderstehlich.
„Housework“ ist ein witziger Ausflug nach Südamerika und auf die Azoren.
Großer Soul erklingt bei „Mercy Mercy Me/I Want You“. Mit „Don´t Explain“ wechselt die Stimmung zum Orchestraljazz und Jazzgesang. So geht es dann mit „Aeroplane“ etwas temporeicher weiter, gefolgt von Barjazz bei „People Will Say We´re in Love“.
„Not a Word“ ist eine Bossa-Nova-Nummer, die durch einen schönen Instrumentalteil punktet. Big-Band-Sound hatte bisher noch gefehlt – auch das beherrscht Palmer mit den Stücken „Top 40“, „You´re So Desirable“ und „You´re My Thrill“.
Das Album teilt sich letztendlich in drei Teile auf. Auf den ersten Teil mit starkem Rockeinschlag hätte man gut verzichten können. Dennoch war es schön, dieses Album einmal wieder ausgegraben zu haben. Es machte erneut Spaß, es zu hören. (42)

_pappmaché – Zwischen King Grill und Porsche Zentrum (2012)
Christoph Kohlhöfer, der unter dem Namen _pappmaché diese Platte geschrieben, eingespielt und produziert hat, war mir zuvor nur durch einen Song aus den „Hamburger Küchensessions“ bekannt. Ich wollte deshalb mehr von ihm hören. Soweit ich weiß, gibt es nur dieses eine Album; danach musiziert er als Teil von „Van Kraut“ weiter.
Der Song „Beschlagene Scheiben“ ist ein erster Titel, der mich durch sein zugespitztes Finale beim Anhören gut mitnimmt. Auffällig ist ansonsten die spärliche Instrumentierung, die meiner Meinung nach eine Schwäche darstellt. Einsetzendes Schlagzeug hätte vielen Songs mehr Tempo und Ausdruck verliehen. Auch Kohlhöfers Gesang, der am Anfang jedes Liedes ähnlich klingt, sorgt nicht für große Abwechslung.
Hier geht es aber vor allem um Text und Stimmung, die zunächst recht pessimistisch ist – eine Feierlaune kommt beim Hören also nicht auf. Das macht das Album eher zu einer Platte, die man hören sollte, wenn man gerade Lust darauf hat. Wer Gisbert zu Knyphausen mag, könnte daran Gefallen finden. Mir persönlich ist das Album insgesamt zu gleichförmig; einzelne Songs hingegen können in einer Playlist gut funktionieren.
Besonders die Stücke „Meditativer Punksong (Teilhabe)“ und „Pixelfeld“ sollten auf jeden Fall gehört werden, denn sie sind richtig gut. (120)

Pearl Jam - Vs. (1993)
Pearl Jam nähern sich dem Punkrock nicht erst ein Jahr später mit „Spin the Black Circle“ an. Auch „Go“ trägt davon schon ordentlich etwas in sich. Schön ungestüm – so mag ich meinen Rock. Dabei bleibt der Song melodiös, spannend und kraftvoll. Ein großartiger Einstieg, der vom Sound des Vorgängeralbums „Ten“ so weit entfernt ist, dass man nur verblüfft, aber total begeistert diesen Beginn des zweiten Albums der Lieblingsband genießen kann. Mit „Alive“ und „Jeremy“ haben sie sich für alle Ewigkeit einen Platz an vorderster Stelle meiner Bestenliste gesichert.
Direkt weiter geht es kraftvoll und gut mit „Animal“. Die Band ist härter und aggressiver geworden, doch ihr Sound ist so großartig, dass man es einfach genießt. Und so geht es über einen großen Teil des Albums weiter. Viele Songs, die man immer wieder gerne hört, folgen. Ein Wahnsinnsalbum – noch immer.
Wer mag den Song „Daughter“ nicht? Keiner, hoffe ich, denn sonst stimmt etwas mit dir nicht. Dieses wunderbar akustisch klingende Lied ist ein absolutes Lieblingsstück von mir – Musik, die für mich gemacht scheint. Gefolgt wird dieses Meisterwerk von einem tollen Rocksong: „Glorified G“. Wie sehr ich dieses Album liebe und wie viel Spaß es immer noch macht! Da vergesse ich für einen Moment die gestiegenen, für mich unbezahlbaren Ticketpreise und das eher ernüchternde letzte Album, für das Pearl Jam, ihr Manager und das Label bei Erscheinen auf Vinyl bis zu 50 Euro und mehr verlangten (die CD war auch nicht günstig). Und das bei einer Band, die sich einst für faire Ticketpreise eingesetzt hat.
Aber natürlich lenkt auch „Dissident“ von solchen Gedanken ab – ebenfalls großartig. Gefolgt von „W.M.A.“, das mich mit seinem Schlagzeugspiel immer wieder beeindruckt und begeistert. Danach wird es nochmal richtig heftig und wild, was aber ebenfalls sehr gut ist: „Blood“. Darauf folgt das großartige „Rear View Mirror“. Alles toller Rock, zeitlos und jede einzelne Nummer ein Song für die Ewigkeit. Mit diesen Songs gewinnen Pearl Jam mich immer wieder.
Ein wenig funky wird es auch, gemischt mit viel Rock: „Rats“. Diesen Song übersieht man gern, wenn man an das Album denkt, dabei ist er ebenfalls richtig gut – vielleicht einfach, weil es so viele gute Stücke darauf gibt.
Eine weitere Singer/Songwriter-Ballade folgt mit „Elderly Woman Behind the Counter in a Small Town“. Zusammen mit „Daughter“ und „Crazy Mary“ (vom „Sweet Relief“-Sampler) konnte ich diesen Song immer und immer wieder hören. Ursprünglich komme ich musikalisch eher aus der akustischen und folkigen Ecke – das lässt sich auch kaum anders erklären, wenn Thom Paces „Maybe“ meine erste Single war.
Dies ist auch ein Text voller niederrheinischer Abschweifungen. Doch bald endet diese Lobhudelei. „Leash“ erinnert am stärksten an den Sound von „Ten“ und hat eher das Potenzial für eine Single-B-Seite – auch nicht schlecht. Sanft klingt das Album dann mit „Indifference“ aus. Für mich ist dieses Album und bleibt es – ebenso wie „Ten“, der „Singles“-Soundtrack und das „Temple of the Dog“-Album – ein absoluter Höhepunkt. Eine so große Begeisterung für Musik kann man kaum empfinden, und deshalb ist diese Musik auch ein Teil meines persönlichen Soundtracks. (499)

Pearl Jam – Vitalogy (1994)
Pearl Jam – das dritte Album. Nachdem sie sich mit den beiden Vorgängeralben von den Erwartungen ihres Labels frei gespielt haben, können sie nun relativ unbeeinträchtigt ihre Musik weiterentwickeln. Sie müssen nicht mehr unbedingt klassischen Grunge spielen. Dementsprechend entwickeln sie ihren Sound nicht mehr weiter, wie sie es noch bei „Vs.“ getan haben. Stattdessen machen sie eher einen Schritt zurück, denn ihr „neuer Sound“ ist eine Rückbesinnung auf Punkrock, Rockmusik und Singer/Songwriter-Songs. Dabei setzen sie auf Unberechenbarkeit. Das macht „Vitalogy“ auch als Album besonders spannend.
„Last Exit“ ist einfach ein großartiger Rocksong, der durch die rockigen Gitarren und den immer besonderen Gesang von Eddie Vedder wunderbar funktioniert. Wie oft haben Post-Grunge-Bands wie Creed, Nickelback oder Bush versucht, ihn zu kopieren – manche gut, andere weniger. Einige haben den Post-Grunge-Stil sogar ziemlich schnell gegen Mainstream-Rock getauscht. Vedder hat das höchstens auf seinem letzten Soloalbum getan. Im Punkrock-Modus mit „Spin the Black Circle“ können Pearl Jam richtig heftig losrocken und überraschen damit sicher einige Fans, die ein weiteres „Alive“, „Jeremy“ oder „Rear View Mirror“ erwartet haben. Ab jetzt machen Pearl Jam auch Punkrock – und zwar gerne und gut.
„Not for You“ hat noch einen Rest von Grunge-Rock oder ist zumindest ein guter Alternative-Rock-Song. Es macht mir wirklich wieder viel Freude, diese Musik zu hören – ich habe sie viel zu lange ignoriert. Das gilt eigentlich für fast alle Pearl-Jam-Alben, außer den ersten beiden – ähnlich wie bei Radiohead. Die ersten beiden habe ich oft und gerne gehört. In den gesamten 90er Jahren war ich ein echter Pearl-Jam-Fan, habe mir jedes Album gekauft, gehört und genossen. Die meisten habe ich dann allerdings recht schnell ins Regal gestellt und dort liegen lassen. Doch nachdem ich jetzt fast 500 Platten mehr oder weniger zufällig (oder durch Schicksal) und weil sie gerade im richtigen Stapel lagen, durchgehört habe, erlaube ich mir, einigen meiner Favoriten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Aber keine Sorge, auch die anderen Stapel werden dabei nach und nach bearbeitet.
„Tremor Christ“ mit seinen schrägen, melancholischen Gitarren und etwas theatralischem Gesang trifft nicht ganz meinen Geschmack. Dafür gefällt mir die Singer/Songwriter-Rockballade „Nothingman“ richtig gut. Das Tempo wird mit „Whipping“ mächtig aufgedreht, ein ungestümer und gelungener schneller Rocksong. Das kurze Zwischenspiel „Pry, To“ ist dagegen eher überflüssig. Ganz groß und ein tolles Beispiel für einen wirklich guten Pearl-Jam-Song ist „Corduroy“. Dieser Song bleibt nicht wie einige andere fest im Ohr, macht aber beim Wiederhören umso mehr Freude.
Das eigentümlich schräge Zwischenspiel „Bugs“ folgt, dann harter Rock mit „Satan’s Bed“. Einen hinreißenden Song für die Ewigkeit bieten sie mit „Better Man“. „Aye Davanita“ ist eine kurze, fast instrumentale Nummer. Danach folgt mit „Immortality“ ein weiterer moderner Rockklassiker, bei dem einfach alles stimmt. Am Ende steht „Hey Foxymophandlemama, That’s Me“ – ein seltsamer Titel und eher eine unnötige Collage aus Geräuschen, Stimmen und Musik.
Insgesamt ist das Album eine gute und passende Fortsetzung des mit „Vs.“ eingeschlagenen Weges: einfach guter Rock, der nicht mehr zwangsläufig dem Grunge-Klischee oder -Sound folgen muss. Eine Grunge-Band werden Pearl Jam trotzdem für alle Zeit bleiben. (498)

Pearl Jam – No Code (1996)
Album Nummer vier – der mit „Vitalogy“ eingeschlagene Weg mit vielfältigen Rock-Songs wird konsequent weiterverfolgt. Am Schlagzeug ist jetzt Jack Irons zu hören.
Mehr auf Atmosphäre als auf Rock ausgelegt ist das ruhige „Sometimes“. Den Refrain finde ich aber besonders stark. Ein bisschen klingt der Song so, als hätte die Demofassung für die Platte einfach ausgereicht. Ein außergewöhnlicher Einstieg ins Album.
Mit „Hail, Hail, Hail“ wird dann wieder richtig losgerockt. Allerdings bietet der Song dem Fan wenig Neues – derartige Stücke kennt man vom Vorgängeralbum zur Genüge. Bei anderen Bands mit Alternativrock-Ausrichtung wäre „Hail, Hail, Hail“ hingegen sicherlich etwas Herausragendes. So ist das, wenn man ein verwöhnter Fan ist.
Lieber mag ich da das folkige „Who We Are“. Pearl Jam spielt Lagerfeuermusik. „In My Tree“ ist ein richtig guter Song, den ich früher immer überhört habe – vermutlich, weil mir dieser außergewöhnliche Rocksong bisher nicht aufgefallen war. Pearl Jam mit Psychrock-Einfluss.
Bei „Smile“ wird behauptet, die Band habe zu viel bei Neil Young abgeschaut, mit dem sie zuvor dessen Album „Mirror Ball“ aufgenommen hat. Mir ist das völlig egal, denn „Smile“ ist ein Supersong und einer der besten des Albums. Musikalisch klingt der Song halt nach einem Neil Young-Stück oder einem typischen Rocksong – so klingen nämlich viele Songs. Da ich aktuell ein großer Fan von „The Tragically Hip“ bin, die ebenfalls diesen typischen Neil Young/Pearl Jam-Rock-Mix spielen, scheint das einfach die richtige Art von Rock für mich zu sein. Auch die vor zwei Jahren – wenn auch zu spät – entdeckten „Someday Jacob“ übernehmen viel von Neil Youngs Stil, und auch da gefällt mir das richtig gut. Denn in beiden Fällen, und so auch bei Pearl Jam, entsteht trotz der Einflüsse etwas Eigenes.
Sehr gelungen ist auch das im Americana-Stil angelegte „Off He Goes“.
„Habit“ ist dann ein Song für die Grunge- und Punkrock-Fraktion. Weil er so ungestüm und rau daherkommt, finde ich ihn wirklich beachtlich. Er rüttelt den Hörer nach den eher ruhigen Stücken zuvor wieder wach. Vom Rock-Song-Drive her gefällt mir auch „Red Mosquito“ sehr gut. Mit diesem Album wird Pearl Jam zur All-American-Band – hier kann sich jeder zuhause fühlen. Wer gute Rockmusik mag, wird definitiv bedient.
Ein weiterer kurzer Punkrock-Ausflug ist „Lukin“. Danach schlägt das Album wieder sanfte Töne an: „Present Tense“. Der Song hat jedoch ein düsteres Herz und entpuppt sich als wirklich gelungen.
Rock im Stonerrock-Stil gibt es bei „Mankind“, bei dem mal Stone Gossard singt – damit entsteht ein weiterer Ausnahmesong des Albums. Ein Zwischenspiel bildet „I’m Open“.
Den Abschluss macht „Around the Bend“ – das ist schon sehr nah am Kitsch oder besser gesagt, es ist Kitsch.
Tatsächlich ist das ein für Pearl Jam verhältnismäßig uneinheitliches Album, dem irgendwie ein festes Konzept fehlt. Dafür öffnet sich die Band einem breiteren Publikum. Für gute Songs ist dennoch reichlich gesorgt. Vielleicht spiegelt der Albumtitel „No Code“ genau das wider – keine Zugehörigkeit, keine gemeinsame Linie? (522)

Pearl Jam – Yield (1998)
Album Nummer fünf, erneut produziert von Brandon O'Brien. Wenn ich mir die Titelliste anschaue, erinnere ich mich am besten an die Songs „Wishlist“ (den ich sehr mag) und die erste Singleauskopplung „Do the Evolution“ (die mir damals etwas zu aggressiv erschien und nicht ganz mein Fall ist). Beide Stücke zeigen jedoch sehr gut, wie aus der Grunge-Band inzwischen eine Rockband mit Balladen und Punkrock geworden ist.
Die Band lebt von ihrer Vielfalt und erreicht damit ein ebenso vielfältiges Publikum. Die einen mögen eher die eine Art von Songs, während die anderen die andere bevorzugen oder einfach alles schätzen, was die Band um Eddie Vedder zu bieten hat.
Punkrock gibt es zum Beispiel bei „Brain of J“. Die Band bestand bei dieser Platte aus der Stammbesetzung: Eddie Vedder (Gesang, Gitarre), Jeff Ament (Bass), Stone Gossard (Gitarre), Mike McCready (Gitarre) und dem Schlagzeuger Jack Irons (Red Hot Chili Peppers).
Mehr Alternative-Rock gefällt mir persönlich besser, etwa bei „Faithful“. Oft habe ich die CD nicht im Player gehabt, denn an Songs wie „Faithful“ und „No Way“ fehlt mir jede Erinnerung – dabei sind beides gute Pearl-Jam-Rocksongs.
Mit „Given to Fly“ und „Wishlist“ bekommt das Album einen etwas sanfteren Ton. „Given to Fly“ verfügt aber auch über einen guten rockigen Part, und „Wishlist“ gehört zu den Songs der Band, die lange im Gedächtnis bleiben und immer wieder gerne gehört werden. Auch „Pilate“ fügt sich mit seinen sanften Anteilen sehr schön in diesen Teil ein und überrascht mich positiv. Diesen Song hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm und finde ihn jetzt gerade sehr gut.
Wieder etwas wilder und im Punkmodus ist „Do the Evolution“. Der Song enthält zwar einen wirklich guten, kürzeren Teil, funktioniert für mich als Ganzes jedoch nicht.
Das Zwischenspiel „Untitled“, den guten Rocksongs „MFC“ sowie der Americana-Nummer „Low Light“ – wunderschön – runden das Album weiter ab.
Und ich weiß genau, warum Pearl Jam zu meinen absoluten Lieblingsbands gehört: weil sie Musik machen, als wäre sie genau für mich geschaffen. Geerdet, rockig, mitreißend, manchmal höchst emotional und manchmal einfach nur wunderbar losgerockt – und dabei immer eindeutig als Pearl Jam zu erkennen. Was ihre Entscheidung betrifft, neue Vinylausgaben der aktuellen Platte zu für mich viel zu hohen Preisen zu verkaufen oder die Höhe ihrer Konzertticketpreise – damit haben sie mich als absoluten Fan etwas verloren. Aber wie gesagt: geerdeter Rock mit dem gewissen Etwas, fest verankert im Alternative- und Punkrock – das gefällt mir weiterhin sehr gut.
So kommt mir auch „In Hidding“ sehr gut vor, und ich sehe „Push me, pull me“ nur als Zwischenspiel (eigentlich überflüssig) an. Den Rausschmeißer „All those Yesterdays“ lasse ich mir gerne gefallen – früher wäre das einer dieser typischen B-Seiten-Songs der Band gewesen oder ein Stück, das sie nur als Single ihren Fanclub-Mitgliedern zugeschickt hätten (einen Fanclub habe ich übrigens auch). Nach einer Pause wird noch ein wenig locker herumimprovisiert, fast ein wenig Jazz.
Ein gutes Album mit vielen schönen Songs, die ich viel zu selten gehört habe. Das möchte ich jetzt gerne ändern. (606)
Pearl Jam – Binaural (2000)
Album sechs mit Matt Cameron neu am Schlagzeug. Persönliche Probleme zweier Bandmitglieder führten dazu, dass sich die Arbeiten im Studio etwas hinzogen. Außerdem wollte die Band mit dem Album etwas Neues ausprobieren. Der Plan war wohl, den Psych- und Progrock etwas auszukundschaften und in den Bandsound einzubringen.
Mit „Breakerball“ beginnt das Album mit einem rauen Rocksong, der Garagenrock und Punkrock verbindet. Gleiches gilt für „God´s Dice“. Das sind harte, kurze Rocknummern – nicht mehr und nicht weniger.
„Evacuation“ klingt mehr nach dem Sound der zwei Vorgängeralben und funktioniert so auch ganz gut, ohne das Tempo der Platte groß zu mindern.
Mir fällt beim Hören der Platte auf, dass ich sie bisher sehr selten gehört hatte. Die Songs kommen mir fast so vor, als würde ich sie zum ersten Mal hören.
„Light Years“ ist dann Pearl Jam, wie ich sie mag – etwas leicht melancholischer Alternative Rock mit gutem Rockgroove. „Light Years“ ist richtig gut.
„Nothing as it Seems“ erinnert beim genauen Hinhören wirklich an ein Stück von Pink Floyd. Den Song kenne ich tatsächlich ziemlich gut, allerdings in der Version von Stone Gossard vom „Twenty“-Soundtrackalbum. Auch diesen Rocksong mag ich sehr gern. Teils hat er auch etwas von Soundgarden und Radiohead. Wirklich ein cooles Stück.
Singer-Songwriter-Rock gibt es auch: „Thin Air“. Machen Pearl Jam Rockmusik auf dem Album – egal wie – dann gefällt mir das wirklich gut. Nur die zwei Punkrockstücke am Anfang waren eigentlich unnötig.
Den psychrockigen Einschlag des Albums in der Musik von Pearl Jam empfinde ich als sehr erfrischend und habe beim Hören richtig Spaß daran. Weil auch „Insignificance“ etwas vom modernen Psychrock von Radiohead hat, mag ich den Song besonders gern.
Groovt man sich in das Album hinein, wird man begeistert sein. Ich glaube, das Album funktioniert vielleicht nicht direkt beim ersten Hören, weil es doch mehr Aufmerksamkeit vom Hörer verlangt. Auch „Of the Girl“ ist großartig. Das Album hat wirklich das Potenzial, eines meiner meistgeliebten Pearl-Jam-Alben zu werden.
Die Rockkracher wie „Grievance“ sind auch nicht wirklich schlecht, aber solche Songs gab es auf den Vorgängeralben schon zur Genüge, und daran hört man sich schnell satt. Trotzdem ist „Grievance“ ein Rockkracher.
Knurrige, raue Rocknummer: „Rival“. Die hat aber auch etwas – ich glaube, weil sie einfach von den Instrumenten zu gut gespielt ist.
„Sleight of Hand“ ist eine anspruchsvollere Rocknummer und wird von Eddie Vedder sehr sanft gesungen.
Ein Zwischenspiel mit Ukulele: „Soon Forget“. Die Ukulele half Vedder angeblich dabei, seine Schreibblockade zu überwinden.
„Parting Ways“ bietet noch einmal melancholischen Psychrock im Pearl-Jam-Stil. Ich mag das. Warum sollte eine Band wie Pearl Jam nicht auch mal experimentell klingen? Ich finde es immer gut, wenn sich Bands Neues wagen, ohne dabei gleich wie eine komplett andere Band zu klingen. Durch ihre Vielfältigkeit, die sich Pearl Jam mit den fünf Alben zuvor erarbeitet hat – Grunge, Punkrock, Singer-Songwriter – fügen sie mit „Binaural“ dem Mix nun etwas Neues hinzu. (687)


Katy J. Pearson – Sound of the Morning (2022)
Die CD beginnt direkt mit dem Titelstück „Sound of the Morning“, das wunderschönen Singer/Songwriter-Folk bietet. „Talk over Town“ steigert das Tempo und präsentiert sich als eingängiger Pop-Rock, der an „The War on Drugs“ erinnert und einen Hauch von Psychedelic Rock aufweist. Den Sound der 70er Jahre hält Katy J. Pearson mit „Riverbed“ gekonnt aufrecht, wobei sie dabei an L.A.-Rock erinnert. Ein zeitloser Popsong ist „Howl“. Mit „Confession“ lässt sie die Vergangenheit, die sie in den ersten Tracks thematisiert hat, hinter sich und wandelt die Musik in Indiepop um, sodass beim Hören keine Langeweile aufkommt. Mit „The Hour“ folgt eine weitere Singer/Songwriter-Nummer. „Float“ klingt leicht nach Fleetwood Mac, was vermutlich an ihrem Gesang erinnert, der an Stevie Nicks angelehnt ist. Auch kräftigen Indie-Poprock beherrscht sie, wie „Alligator“ zeigt. Nahtlos schließt daran das groovende „Game of Cards“ an. Die Vielseitigkeit ist die große Stärke dieses Albums, und dennoch verbindet alle Songs, dass sie erdig und zeitlos sind – egal, wann man diese Musik hört, sie passt immer. Noch einmal etwas ruhiger präsentiert sich „Storm to Pass“. Mit „Willow’s Song“ endet diese rundum gelungene Sammlung von Liedern. (148)

Pere Ubu – The Modern Dance (1978/Vinyl)
„Non-alignment Pact“ klingt nach einem überdrehten, hyperaktiven Sänger, der seine Texte mit einer Mischung aus Patti Smith und Punkrock von der Seele schreit. Der Titel verspricht bereits, dass die Band zu keinem und niemandem so richtig dazugehören will. Der Titeltrack „The Modern Dance“ verstärkt diesen Eindruck und verbindet die Einflüsse von Talking Heads und Post-Punk zu einer kompletten Mischung. Hier trifft hyperaktiver Punkrock auf eine nicht zu unterschätzende künstlerische Fertigkeit.
„Laughing“ mit seinen schrägen Bläsern ist ein überzeugender Beweis dafür, dass Art Rock ebenfalls gut zu ihrer Musik passt. Bei Stück Nummer vier, „Street Waves“, ist ein Vergleich mit CAN nicht abwegig – experimentelle Rockmusik beziehungsweise Krautrock. Pere Ubu selbst bezeichnete ihren Stil als Avant-Garage. Mir gefallen die rauen Sound-Tüftelleien sehr, die manchmal sogar Zweifel an der Funktionsfähigkeit meines Plattenspielers aufkommen lassen.
Wer zuerst ein frühes Patti-Smith-Album und anschließend ein CAN-Album gehört hat, ist für Pere Ubu definitiv gut gerüstet. Mir gefällt das alles sehr gut. Bei „Chinese Radiation“ klingt Sänger David Thomas noch einmal deutlich nach David Byrne, der versucht, die Massen zu animieren. Und ganz plötzlich wird der Song am Ende sehr ruhig. Pere Ubu können immer wieder überraschen.
Seite zwei setzt genauso unterhaltsam und experimentell fort. Der Rock ist experimentell, aber zugleich schön melodiös. Von dieser Gruppe möchte ich auf jeden Fall mehr hören. Eine von vielen guten Spätentdeckungen.(116)

Tom Petty and the Heartbreakers – Damn the Torpedoes (1979)
Tom Petty wurde mir erst durch „Free Fallin'“ wirklich bekannt, obwohl ich wusste, dass er schon länger Musik machte. Seine erste Platte erschien 1976 und bescherte ihm den Durchbruch, was verständlich ist – die Mischung macht es aus. Der Sound erinnert an einen rockigen Neil Young und an Springsteen, der gemeinsam mit Dylan musiziert hätte. Dieses Album wird dem Genre „Heartland Rock“ zugerechnet. „Heartland Rock“ ist geradliniger Rock mit Einflüssen aus Roots, Country und Blues, und die Songs sprechen die Sprache der Arbeiter. John Mellencamp und Bruce Springsteen hätten alle Lieder genauso singen können. Die Musik ist eingängig, hat den richtigen Schwung und kommuniziert auf Augenhöhe mit dem Hörer. Hier singt jemand, der genau weiß, wovon er spricht, ohne von oben herab zu wirken wie ein Superstar, der angebetet werden will. Geradliniger amerikanischer Rock. Nicht schlecht, doch Tom Petty und seine Heartbreakers können das noch viel besser – es sollten noch einige großartige Alben folgen. Auf „Damn the Torpedoes“ hört man übrigens amüsant, wie Petty versucht, noch wie Dylan zu klingen; seine eigene Stimme suchte er hier noch. (115)

Tom Petty and the Heartbreakers – Into the great wide Open (1991)
Nach dem erfolgreichen Soloalbum „Full Moon Fever“ (1989) erschien anschließend dieses achte Album gemeinsam mit den Heartbreakers. Die Band setzte sich zu diesem Zeitpunkt zusammen aus Tom Petty (Gesang, Gitarre, Piano, Percussion), Mike Campbell (Gitarre, Keyboards, Backgroundgesang), Benmont Tench (Piano, Synthesizer, Akkordeon) sowie Stan Lynch (Schlagzeug, Percussion). Wie bei „Full Moon Fever“ wurde auch dieses Album von Jeff Lynne mitproduziert.
Mit „Learning to Fly“ und dem Titelstück „Into the Great Wide Open“ schuf Tom Petty zwei Songs, die man Anfang der 90er Jahre einfach nicht überhören konnte. Beide Stücke sind wirklich gelungen und wurden deshalb immer wieder gern gehört. „Learning to Fly“ trägt selbstverständlich den typischen Klang einer Jeff Lynne-Produktion. Ähnlich klingen Songs von George Harrison, Roy Orbison und natürlich von den Traveling Wilburys, der Supergroup, in der Tom Petty zusammen mit Harrison, Orbison, Lynne und Bob Dylan spielte.
Der Song „Learning to Fly“ fesselt sofort mit seiner eingängigen Grundmelodie, und der Refrain ist einfach großartig. Unabhängig vom bevorzugten Musikgenre zieht dieser Song einen in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los.
Auch andere Titel als die beiden großen Singles des Albums haben ihren Reiz. Das etwas rockigere „Kings Highway“ ist ein wirklich guter Song – typischer Heartland-Rock von hoher Qualität. Einen solchen Song hinzubekommen, gelingt nicht einmal einem Bruce Springsteen so leicht. Gleich danach folgt der zweite Überhit des Albums, „Into the Great Wide Open“. Etwas melancholischer im Stil erzählt der Song die Geschichte eines aufsteigenden Stars, der auch tief fallen kann. Diese Geschichte ist auf beeindruckende Weise musikalisch umgesetzt.
Weitere Highlights sind die schwungvolle Rock-Ballade „Two Gunslingers“, der Country-Rock „The Dark of the Sun“ und der dramatische Rocksong „All or Nothin’“. Ein weiteres schönes Beispiel für sanften, gelungenen Folkrock ist „All the Wrong Reasons“. Ebenfalls sehr gut gelingt der Rocksong „Too Good to Be True“. Das Songmaterial ist in Tempo und Atmosphäre abwechslungsreich gestaltet, sodass man gerne weiterhört und nicht schon nach dem fünften Lied gelangweilt abschaltet. Aus diesem Grund haben sich viele Songs auch bei mir nachhaltig eingeprägt. Obwohl ich die CD schon länger nicht mehr komplett gehört habe, erinnere ich mich noch gut an viele Titel.
Der Sound vieler Lieder ist fest in der Geschichte der Rockmusik verankert; nach wenigen Takten fühlt man sich in vertrauter Umgebung. Das gilt auch für die etwas schnelleren Songs wie „Out in the Cold“. Ein weiterer erstklassiger Heartland-Rock-Song ist „You and I Will Meet Again“. Bei Tom Petty erlebe ich Ähnliches wie bei John Hiatt: Wenn sie ein gutes Album abliefern, fühlt man sich beim Hören einfach wohl. Es klingt einerseits vertraut, enthält aber stets wieder richtig gute Songs. Das kann man nicht schlecht finden, sondern stets genießen – bei jedem Hören.
Im Rock-’n’-Roll-/Country-Rock-Mix überzeugt „Makin' Some Noise“. Sehr stark präsentiert sich auch der abschließende Song „Built to Last“ – ein großartiger Titel.
Dieses Album macht auch heute noch viel Freude und gehört für mich einfach zum Soundtrack meines Lebens. (508)

The Phantom Band –
The Wants (2010)
„The Wants“ ist das zweite Album der Schotten. Es folgten dann noch zwei weitere. Seitdem ihnen ihr gesamtes Tour-Equipment nach einem Auftritt in Lille gestohlen wurde, hat es keine weiteren Konzerte oder Veröffentlichungen gegeben. Die Bandmitglieder sind jedoch weiterhin mit anderen Projekten aktiv.
Die CD beginnt mit „A Glamour“ und stellt die Frage, welche Musik The Phantom Band eigentlich macht. Allgemein wird ihre Musik als Indie-Rock bezeichnet. Das trifft zwar zu, aber irgendwie steckt noch mehr dahinter, denn der elektronisch aufpolierte Rock von The Phantom Band weist auch Anklänge an Art-Rock auf – allerdings in einem modernen Gewand. „A Glamour“ überzeugt durch einen starken Rhythmus und eine ausgewogene Instrumentierung. Es rockt, aber eben anders als bei traditionellen Rockbands. Elemente von Krautrock und Psychedelic finden sich im Stück „O“ wieder. Diese Mischung setzt sich, allerdings mehr im folkigen Indie-Stil, in „Everybody knows it’s true“ fort – der Song erinnert sogar ein wenig an Tuung und Efterklang.
Mit einer Länge von acht Minuten und neunzehn Sekunden folgt das längste Stück des Albums: „The None of One“. Dieser Song ist für mich typisch für The Phantom Band – er kombiniert hypnotische Rhythmen mit geradeaus gerockter Energie. The Phantom Band mussten live wirklich etwas zu bieten gehabt haben, denn solche Songs würden bei Konzerten sicherlich eine enorme Kraft entfalten – so stelle ich es mir zumindest vor. Die Krautrock-Synths empfinde ich als echte Bereicherung der Musik, sie heben die Stimmung von Anfang an. „Mr. Natural“ klingt wie ein mitreißender Indie-Rocksong mit einem Hauch nostalgischen Synth-Sounds.
Wer es gerne etwas folkiger mag, kommt bei „Come away in the Dark“ auf seine Kosten. Auch hier sorgt ein treibender Elektrobeat für Rhythmus, verbunden mit einer überraschenden Leichtigkeit. „Walls“ ist ein großartiger Folktronica-Song – definitiv etwas für Efterklang-Fans. Der Krautrock-Synth dominiert auch zu Beginn von „Into the Corn“ und bildet das prägende Rhythmusinstrument in diesem eingängigen Rocksong. Als grandioses Finale folgt mit „Goodnight Arrow“ ein fast schon progrockartiges Stück.
Das Album ist abwechslungsreich, durchweg gut komponiert und bietet Fans verschiedener Stilrichtungen etwas. Obwohl vieles bekannt klingt, setzt The Phantom Band die Einflüsse gekonnt neu zusammen und schafft so eine eigene Klangwelt. (246)

Phantom Planet - Devastor (2020)
Phantom Planet bieten mit „Balisong“ Power-Pop-Rock, doch dem Song fehlt es an Originalität. Er strotzt zwar vor Kraft, erinnert mich jedoch an vieles, das ich schon zu oft gehört habe. Mit etwas mehr Lässigkeit rocken Phantom Planet beim Stück „Party Animal“ weiter. Dieser Song erinnert mich an Joan Jett und zahlreiche coole Rocknummern aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern. Er könnte auch von Blondie stammen. Nach einer zwölfjährigen Pause hat die Band dieses vierte Album aufgenommen, wobei Phantom Planet vor allem Bekanntheit erlangte, weil Songs ihrer ersten Alben in bekannten TV-Serien verwendet wurden.
Mit „Only One“ klingt die Band sehr lässig und liefert ein schönes Pop-Stück ab. Es ist wirklich gut, geht ins Ohr und ist massenkompatibel, ohne dabei banal zu wirken. Vielleicht sind Phantom Planet einfach bessere Pop-Musiker als Rocker.
Wenn sie Power-Pop-Rock machen, klingen sie oft nach zu vielen anderen Bands und Songs, die ich bereits kenne. So erinnert „Leave a Little Light On“ an Queen und Glamrock. Neue Interpreten, die in diesem Stil überzeugen, sind für mich selten, meist langweilt mich das.
Doch wie gesagt: Pop können sie. Auch „Times Move On“ überzeugt – die Stimme von Alex Greenwald harmoniert hier wunderbar mit den kraftvollen Rock-Pop-Gitarren. Bitte mehr davon.
Klassischen Rock beherrschen sie vielleicht ebenfalls. „Through the Trees“ ist auf jeden Fall besser gelungen als die anderen Rockstücke. Im Refrain verleihen sie dem Song jedoch einen Glam-Rock-Touch, als hätten sie im Vorfeld der Studioaufnahmen eine Überdosis Queen gehört.
Die sanfte Pop-Rock-Ballade „Torture Me“ wird gegen Ende noch einmal kraftvoll, was sehr angenehm ist. „Dead Dead End“ bewegt sich irgendwo zwischen Paul McCartney und Elvis Costello – wie erwähnt, fast alles schon einmal gehört.
Auch Achtziger-Jahre-Pop ist vertreten: „Waiting for the Lights to Change“ bringt Piano und Streicher ins Spiel, und mit „Gold Body Spray“ folgt ein klassisches, sehr ruhiges Stück für Melancholiker.
Am Ende gibt es mit „ROTK“ noch etwas für Indie-Rock-Fans. Dieser Song ist nochmal besser gelungen und klingt ein wenig so, als würde Jack White mal eine Nummer mit Power-Rock-Einlagen machen.
Dieses Album ist eine ziemliche Wundertüte. Der Retrorock will so richtig nicht funktionieren, während Phantom Planet Pop gut machen. Doch davon findet man auf dem Album leider zu wenig. Insgesamt reicht es gerade so für ausreichend Qualität, mehr aber auch nicht. Besser, man hört einfach nochmal ihr Pop-Rock-Highlight „California“ – dieser Song funktioniert einfach immer. (532)

The Piano has been drinking – Der Märchenprinz (1992)
Tom Waits-Songs auf Kölscher Mundart interpretiert und mit lokalen Details versehen – das war das Markenzeichen von „The Piano Has Been Drinking“, der Band um die Musiker Gerd Köster, Frank Höcker (Schröders Roadshow) und Matthias Keul. Ab dem zweiten Album wurden immer mehr Eigenkompositionen veröffentlicht, so auch beim dritten und leider letzten Studioalbum.
Der Einfluss von Tom Waits ist bei „The Piano Has Been Drinking“ weiterhin deutlich zu hören, zum Beispiel bei „Alley Cat Blues“. Mein Lieblingsstück der CD ist jedoch eine sanfte Kölsch-Rock-Nummer mit dem Titel „Ich rase op de Stell“ – ein großartiger Song. Ebenfalls sehr gelungen und herausragend ist „Der Märchenprinz“. Das einzige echte Tom Waits-Cover auf dem Album ist „Kopp en dr Sand“, das ebenfalls wie ein Stück von Tom Waits klingt. Eine Instrumentalnummer ist „If she only knew“. Auch „El Mädche“ ist eine sehr gelungene Komposition. Danach wird es karnevalistisch und politisch mit „Saddamalaaf“, das bei den Liveauftritten zur Zeit der Veröffentlichung der CD immer für großen Spaß sorgte.
Besonders gut gefallen mir nach all den Jahren noch die zeitlosen Songs, zu denen auch „Frisch uralt verknallt“ gehört. Eigentlich sind die meisten oder sogar alle Stücke ebenso zeitlos wie die Musik von Tom Waits. „Merowinger Hop“ macht ebenfalls viel Freude. Mit Jazz- und Blues-Elementen gefüllt ist „Anfürsich es et Blues“. Die CD endet ruhig und wunderschön mit „Zevill Jepäck“.
Wie gesagt, sehr gut gealterte Musik. Ich sollte unbedingt auch in die Werke hineinhören, die Gerd Köster danach noch veröffentlicht hat. (411)

Pianos become the Teeth – Wait for Love (2018)
„Pianos Become the Teeth“ machten auf ihren ersten Platten Post-Rock mit Screamo-Gesang. Mit dem Album „Keep You“ aus dem Jahr 2014 wandelte sich der Schreigesang zu emotionalem Gesang, und die Musik wurde noch melodiöser. Die Band bewegt sich damit zwischen Emocore und Prog, und genau das ist mein Ding. Die Songs auf „Keep You“ sind emotionaler Rock ganz ohne Kitsch. Das sind keine Rockballaden, die man als Singles verkaufen will, sondern einfach großartige Rocksongs (ähnlich wie „Clarity“ von Jimmy Eat World, das für mich ein weiterer Meilenstein dieser Art ist und immer wieder große Begeisterung weckt). Für mich ist ein guter Rocksong gut, egal ob Psych-Rock, Grunge, Post-Rock, Emocore, Folkrock, Alternativerock, Krautrock oder Progrock – am Ende sind es einfach gute Rocksongs.
Wie sieht es vier Jahre später bei „Pianos Become the Teeth“ aus? Kehren sie zum Screamo zurück, machen sie einfach so weiter oder wagen sie etwas ganz Neues?
„Fake Lighting“ eröffnet mit einer melodischen Rocknummer, das heißt, der Ton von „Keep You“ bleibt erhalten. Mit „Charisma“ wird das Tempo gesteigert. „Bitter Red“ ist eine kraftvolle Emocore-Nummer. Bei den folgenden Songs fällt auf, dass elektronische Klänge den Sound von „Pianos Become the Teeth“ zusätzlich erweitern.
Das zeigt sich besonders bei dem ruhigen „Bay of Dreams“, das wieder mehr Progrock-Elemente enthält. „Forever Sound“ wird von Akustikgitarre eröffnet – eine großartige Nummer. Mit „Bloody Sweet“ überzeugen sie erneut mit einer starken Rocknummer.
Das Album schließen „Manila“, „Love on Repeat“ und „Blue“ ab.
Ein sehr gelungenes neues Album, nicht nur für Fans von melodischem Rock, sondern sicher auch für Progrock- und Emocore-Fans sowie für alle, die Biffy Clyro und Incubus mögen. (52)

Pink Floyd – The Piper at the Gates of Dawn (1967)
Zu Beginn war Syd Barrett der klare Frontmann, und David Gilmour gehörte noch nicht zur Band. Die ersten Klänge von „Astronomy Dominé“ erinnern zwar schon an den typischen Sound späterer Pink-Floyd-Alben, dennoch ist die Musik der frühen Phase deutlich psychedelischer als die späteren Progressive-Rock-Alben. Der Klangteppich der Band ist jedoch bereits beim ersten Lied dicht und großflächig verwoben. Teilweise wirken die Songs wie eine wilde Mischung aus verschiedenen Pop- und Rockstilen der 1960er Jahre. So funktionieren „Lucifer Sam“ und weitere Titel der Platte sehr gut. „Matilda Mother“ erinnert sogar an die späten Beatles, deren Sound hier mit Elementen des Progressive Rock vermischt wird.
Klanglich ist das Album besonders spannend, weil es sehr effektvoll mit Dissonanzen und ungewöhnlichen Geräuschen arbeitet. Hinzu kommt das gekonnte Orgelspiel von Rick Wright, das der Musik eine besondere Note verleiht. Trotz der Mischung aus Psychedelic und Progressive Rock wirken Syd Barretts Songs durchweg unangestrengt und locker. Das unterscheidet sie von manch heutigen Vertretern dieses Genres, deren Stücke oft anstrengender wirken. Die Musik ist ungewöhnlich und voller kleiner Experimente, dabei aber verspielt und leichtfüßig.
„POW R. TOC H“ ist ein instrumentales Stück, das ich sehr gelungen finde. Danach folgt eine Komposition von Roger Waters, „Take Up Thy Stethoscope and Walk“, die sich gut in den Stil von Barrett einfügt. Der Stilmix des Songs funktioniert genauso gut wie bei den anderen Titeln des Albums.
Mit „Interstellar Overdrive“ klingt die Band sogar wie CAN und präsentiert mit diesem Song eine echte Krautrock-Nummer – faszinierend.
Die restlichen Stücke bieten Beat-, Psychedelic- und Folk-Einflüsse und heißen „The Gnome“, „Chapter 24“, „The Scarecrow“ und „Bike“. (336)

Pink Floyd – Meddle (1971/Remaster 2011)
Ein starker Einstieg gelingt mit „One of these Days“, einer instrumentalen Rocknummer, die für mich den typischen „Pink Floyd“-Sound verkörpert. Um sich mit der Band vertraut zu machen, ist dies auf jeden Fall der richtige Anfang.
„A Pillow of Winds“ ist eine ruhige Komposition, die sanft dahin schwebt. „Fearless“ überzeugt vor allem durch seine Instrumentalpassagen. „San Tropez“ nehme ich nicht allzu ernst; es handelt sich um eine verspielte Nummer mit Jazz-Anklängen. Ähnlich leicht geht es mit „Seamus“ weiter, einem Bluesstück, das von einem jaulenden Hund begleitet wird.
Darauf folgt die B-Seite mit dem Titel „Echoes“, die neben „One of these Days“ sicherlich den Pink-Floyd-Sound der kommenden Jahre prägt. (30)

Pink Floyd – Wish you where here (1975/neues Master von 2011).
Das Album beginnt mit dem fünfteiligen ersten Abschnitt von „Shine on You Crazy Diamond“. Der Beginn des Stücks gehört bereits zu den klassischen Momenten der Rockmusik, denn hier treffen Keyboard und Gitarre in perfekter Harmonie aufeinander. Im, sagen wir mal, für Pink Floyd typisch gut konstruierten Rockstil geht es dann ebenso hervorragend weiter, und das Stück bleibt dabei weitgehend instrumental. Ich finde die Musik auf diesem Album auch wieder gelungener als die auf dem für mich zu sehr durchkonstruierten „The Dark Side of the Moon“. Sie erinnert mehr an das fulminante „Echoes“ und an das für mich typischste aller Pink Floyd-Stücke, „One of These Days“, von der mindestens gleichwertigen Platte „Meddle“. So rockt das Stück noch drei weitere Teile lang weiter.
Soundtechnisch und produktionstechnisch steht das Album „The Dark Side of the Moon“ ebenfalls in nichts nach. Es ist beeindruckend produziert und klingt auch heute, unabhängig vom Mastering, ganz großartig. Wenn ein Song dann noch funktioniert, ist das eine echte Meisterleistung. Die Mischung aus Rock- und elektronischer Musik, wie sie Pink Floyd bei „Welcome to the Machine“ spielt, ist etwas ganz Besonderes und in dieser Qualität selten zu hören.
Ein sehr guter Rocksong ist „Have a Cigar“, sanfter ist das Titelstück „Wish You Were Here“ mit einem der bekanntesten Gitarren-Intros der Musikgeschichte. Bei „Shine on You Crazy Diamonds (Parts 6–9)“ zeigt sich gleich zu Beginn, warum die Stücke von Pink Floyd so gut als Filmmusik geeignet sind. Diese Rockmusik erzeugt Atmosphäre und überträgt ein Gefühl von Spannung auf den Zuhörer. Die Musik erzählt viel ohne Worte, und deshalb sind es bei mir vor allem die Melodien, die in Erinnerung bleiben, nicht die Textpassagen. Die Lyrics verändern sich wieder hin zu dem, was Pink Floyd früher als Psychrockband ausmachte. Sie sind eigentlich eher eine Mischung aus Psych- und Postrock, werden aber auch von Prog-Rock-Fans für sich vereinnahmt – jeder, wie er möchte. Im nächsten instrumentalen Teil des Songs wird deutlich, dass Pink Floyd auch gut „jammen“ können, fast schon im Jazz-Rock-Stil. Darauf folgt direkt ein elektronischer Part, der an ein Stück von Tangerine Dream erinnert. Man hat mich einmal dafür kritisiert, dass ich das erste Pink Floyd-Album als krautrockverwandt bezeichnet habe, da sie ja keine „deutsche Band“ sind. Trotzdem klingen für mich viele Teile von Pink Floyd nach Krautrock, so auch hier.
Mittlerweile mag ich dieses Album lieber als „The Dark Side of the Moon“ und „The Wall“. Früher war das noch anders. (443)

Pink Floyd – The Wall (1978)
Statt Songs handelt es sich eher um aneinandergereihte Songminiaturen, die zusammen ein Konzeptalbum ergeben sollen. Diese Miniaturen unterscheiden sich stark in ihrer Qualität, sodass das Hören über eine Länge von mehr als 80 Minuten mitunter anstrengend wird. Insgesamt ist von allem ein bisschen zu viel vorhanden, und was Roger Waters aus dem Album mit seinen zahlreichen, häufig recht größenwahnsinnigen Live-Inszenierungen gemacht hat, hat der Platte letztlich ebenfalls nicht gutgetan.
Es gibt einige wirklich großartige Momente auf „The Wall“, und „Another Brick in the Wall (Part 2)“ ist zweifellos ein zeitloser Hit, jedoch…(64)

Pink Mountaintops – Peacock Pools (2022)
Die Band aus Kanada hat bisher 38 Mitglieder gehabt und wird derzeit allein von Stephen McBean verwaltet. Wenn man zumindest versucht, den klassischen Rock etwas zu modernisieren, könnte der erste Song der Platte, „Nervous Breakdown“, als ein gelungener Versuch gewertet werden. Das ist Rock, aber mit einer frischen Indie-Pop-Note – gleichzeitig so kraftvoll, dass er nicht wirklich ins Mainstreamradio passen würde.
Danach wird das Album zu einer Hommage an den britischen Rock von den 1960er bis zu den 2000er Jahren. „Nikki Go Sudden“ weist einen schönen Brit-Pop-Einschlag auf und macht richtig Spaß. Das passt gut, da es sich um eine Hommage an einen britischen Musiker handelt. Songwriter Stephen McBean sorgt auf jeden Fall für Abwechslung, denn nach der sanften Brit-Rock-Nummer folgt mit „Balzing Eye“ ein kraftvoller Song, der eher an den Sound von Suede erinnert. Für einen Kanadier klingt das Album auf jeden Fall sehr britisch.
Anschließend gibt es klassischen britischen Pink-Floyd-Psychedelic-Rock mit „You Still Around?“. Zwar flotter, aber dennoch im Psychedelic-Rock verwurzelt, folgt „Shake the Dust“. Nur ein kurzes Zwischenspiel ist „Swollen Maps“.
Richtig gut gerockt wird es bei „Lights of the City“ – ein klasse Song. „Miss Sundown“ ist britischer Pop-Rock, genau die Art von Brit-Rock-Pop, der mir normalerweise eher selten gefällt. Hier bevorzuge ich den Brit-Pop-Sound à la Blur, wie er bei „Lady Inverted Cross“ deutlich zum Ausdruck kommt – diesen Song mag ich wieder richtig gern. Space-Rock bietet „Muscles“. Kurz und energisch ist „All the Death is Killing Me“, eine Hardrock-Nummer, die McBean ebenfalls beherrscht, die ich aber eher unnötig finde. Gutes gibt es zum Schluss noch mit der entspannten Country-Rock-Nummer mit britischem Akzent: „The Walk – Song for Amy“.
Ein schöner kanadischer Beitrag zum Brit-Pop. Ist das jetzt kulturelle Aneignung? (304)

Pixies – Surfa Rosa & Come on Pilgrim (1988)
Da das Minialbum „Come on Pilgrim“ ein Jahr vor „Surfa Rosa“ veröffentlicht wurde, beginne ich mit den Songs des Minialbums, um die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Die Pixies bestanden bei ihrer Gründung aus Black Francis (im wirklichen Leben Charles Michael Kittridge Thompson IV), Kim Deal (die am Bass sehr früh Kim Shattuck ablöste), Joey Santiago und David Lovering.
Das Minialbum „Come on Pilgrim“ wurde von Gary Smith produziert. „Caribou“ mit Surfrock-Gitarren und einem Schunkelpunkrock-Feeling ist ein sehr schöner Einstand und spiegelt den Sound der Band sehr gut wider – inklusive sanftem und geschrienem Gesang, aber auch der schrillen Melodiösität der Pixies. So mag ich sie richtig gern. „Vamos“ (eine weitere Version) ist schöner Garagenpunkrock. Was ich bei den Pixies immer besonders gut finde, ist, dass die Songs einfach gut klingen. Trotz ihrer Alternativrock- und Punkrock-Ambitionen sind sie vom Sound her unheimlich gut abgemischt, was Songs wie „Vamos“ deutlich an Qualität verleiht. Runtergerockt ist „Isla De Incanta“. Der Alternative-Rocksong „Ed is Dead“ klingt direkt wie Nirvana. Wenn man wie ich zuerst die Pixies gehört hat und dann Nirvana entdeckt hat, fällt auf, dass Nirvana immer irgendwie nach den Pixies klangen. So sind die Pixies sicherlich mitverantwortlich für den Sound des Grunge. Eine richtig gute Nummer ist „The Holiday Song“. Schriller Garagenrock kommt bei „Nimrod´s Son“ zum Ausdruck. „I’ve been tired“ macht ebenfalls richtig viel Spaß – schön schräger Rock, der einen einfach mitnimmt. Neben den Sugarcubes waren die Pixies auf diesem Gebiet wirklich eine Nummer für sich. Vom Gesang und Sound her hat Billy Corgan sicherlich auch viel für seine Songs mit den Smashing Pumpkins bei Tracks wie „Levitate Me“ von den Pixies gefunden. Ein sehr beeindruckender Einstand der Pixies, der auch heute noch wahnsinnig frisch klingt.
Nun kommen wir zur ersten „richtigen“ LP der Band, „Surfa Rosa“. „Bone Machine“ setzt den Ton für den Sound der Pixies – und vieler, die danach Alternative-Rock machten – sehr gut. Punkrock mit Indie-Note, gut gespielt und von den Rhythmen, dem Sound, der Schrillheit und dem Gesang einfach überzeugend. Das ist so etwas wie Sonic Youth in cool, und die Coolness des Sounds der Songs der Pixies hat sie tanzbar und hip gemacht – ein wenig so, wie Blondie es etwa zehn Jahre zuvor getan hat. Mehr Punkrock gibt es bei „Break my Body“. Es ist kaum zu glauben, wie prägend diese Musik für das Alternativ- und Indie-Rock-Geschehen der folgenden Jahre war. Schrammelig, fast instrumental und schnell klingt „Something against you“. Auch auf Punkpfaden bewegt sich „Broken Face“. „Gigantic“ ist eine der einprägsamen Nummern der Band, und Kim Deal darf hier singen. Der Song erinnert daran, dass Kim Deal sicherlich einen Einfluss auf den Klang der Band hatte, den sie mit ihrer eigenen Band „The Breeders“ weiterentwickelte. Das setzt sich auch im folgenden Stück „River Euphrates“ fort. Kult-Nummer ist „Where is my Mind?“. Einfach runtergerockt klingt „Cactus“. „Tony’s Theme“ ist ein wilder Rocksong. Eine Punkrock-Skizze ist „Oh my Golly“. Zwischenspiel ist „You fuckin’ Die...!“ Eine weitere Fassung von „Vamos“ folgt. Der schrille Garagenrock macht hier mehr Spaß als die zuvor gehörten Punkrock-Songs. „I’m amazed“ ist überstürzter Indiepunkrock. Schräg und gut ist der Abschluss mit dem Rausschmeißer „Brick is Red“.(479)
Plan B – Intensified! (1991)
+ The Greenhouse Effect (1989)
Ich hatte „Plan B“ tatsächlich erst 1991/92 mit „Intensified!“ kennen gelernt, und zwar durch den Tipp eines Freundes (Grüße an Oliver). Dabei war die Band um Gitarrist Johnny Haeusler schon seit 1984 aktiv, hatte vor diesem Album bereits drei Alben veröffentlicht und spielte zusammen mit den Ärzten. Außerdem war sie im Vorprogramm von The Clash, Ramones und Duran Duran zu sehen.
Ich habe das Album lange nicht gehört und erinnere es als frühe Crossover-Musik, die an die Red Hot Chili Peppers erinnert. Es kann aber auch sein, dass ich „Plan B“ im gleichen Topf wie die zur selben Zeit gehörte beziehungsweise entdeckte Band „Urban Dance Squad“ sehe. So setzte ich bei dem Album alles auf Wiederentdecken und lasse mich überraschen.
„Grab it“ klingt wie ein Song von The Cult. Frontmann Johnny Haeusler beschreibt den Sound des Albums im Nachhinein als sehr amerikanisch und etwas glatt. Dennoch funktioniert der Song als härtere Rocknummer, zu der man auch tanzen kann.
Hört man dagegen in das zwei Jahre zuvor erschienene Album „The Greenhouse Effect“ hinein, merkt man, dass neben Garagenrock mit ZZ-Top-Gitarren auch noch etwas von der Punkrauheit der Anfangszeit spürbar ist, bevor die Band einen Major-Label-Vertrag abschloss. Der erste Song dieses Albums, „Devil’s Train“, verführt mich direkt dazu, „The Greenhouse Effect“ weiterzuhören. Deshalb machen wir mit „Intensified!“ erst später im Text weiter.
Tatsächlich klingt der Sound des Albums nicht weniger amerikanisch als bei „Grab it“. Die Band rockt einfach eher im amerikanischen Rockstil als im britischen Punk, und die Gitarrenarbeit von Haeusler ist wirklich sehr beeindruckend, insbesondere im Stück „Run for Cover“.
Die Rockballade können „Plan B“ aber auch gekonnt: „Discontentment“ kann es mit den guten Songs von Fury in the Slaughterhouse aufnehmen. Tatsächlich sind „Plan B“ und Fury mit ihrem englischsprachigen Rock in den frühen 90er Jahren eine willkommene Ausnahme in der deutschen rockigen Popmusik-Szene, in der es damals nicht viel gab.
Zum Clash-ähnlichen Punkrock kommen „Plan B“ dann doch noch mit „Beam Me Up, Scotty“. Mit diesem lockeren, kraftvollen Partysong fanden sie nicht nur ihr Major-Label, sondern gewannen auch mein Herz. So macht Rockmusik wirklich Spaß.
Tatsächlich verändert sich der Sound des Albums und wird zunehmend zu einer Hommage an den britischen Punkrock. Auch „This is Not a Movie“ funktioniert dabei gut.
Sehr gelungen ist auch das temporeiche und vorwärtstreibende „Nothing Comes for Free“, an dem Fury-Fans sicher ihre Freude haben dürften.
Dann geht es zurück zum Garagenrock mit „Mad World“. Ein weiterer guter Rocksong ist „No More“. Weil die Rocksongs so gut gelingen, folgt mit „Stand Up“ der nächste, der sogar etwas von der Tanzflächentauglichkeit eines guten INXS-Songs hat. Das ist schon eine Auszeichnung.
Etwas sanfter gerockt, aber ebenfalls gelungen, ist „The Day to be Jesus“. Eigentlich machen „Plan B“ hier nichts falsch – ihre Rockmusik verbindet im Stil und Sound viele Einflüsse zu einem massentauglichen Mix guter Rockmusik, der sich zwischen Punkrock, ZZ Top, INXS und The Cult bewegt.
Diesen Stilmix hört man auch gut bei „Coming Back for More“ heraus.
Der Punkrock-Rausschmeißer heißt „Class of 1989“.
Beim digitalen Remaster des Albums gibt es noch zwei Bonusstücke: „It’s Easy to Condemn“ ist ein lockerer, ordentlicher Rocksong, und als Punkrock-Abschluss folgt „Haven’t Seen the World“.
Zurück zum eigentlichen Grund dieses Textes, dem zwei Jahre später erschienenen Album „Intensified!“. Ich hatte festgestellt, dass „Grab It“ ein wenig zu stark nach The Cult klingt.
Nun klingt es noch mehr nach dem tanzbaren Rock von INXS, wenn man „Wake Up“ hört. Im Refrain erinnert es aber immer noch an „Fury in the Slaughterhouse“. Rockmusik für ein größeres Publikum, sofern es gelingt, dieses zu erreichen.
Den Song „War Child“ mochte ich früher sehr gern, und auch heute hat er noch etwas. Als Versuch eines frühen Cross-Over-Songs wirkt er allerdings etwas aus der Zeit gefallen. Man merkt, dass 1991 eben auch schon 34 Jahre her ist.
Doch eine Softrockballade wie „Beggar and King“ bleibt zeitlos gut. Der Song ist wirklich schön. Wer auch The Silencers mag, wird den Song auf jeden Fall schätzen.
Wer Dan Reed Network (noch) kennt, weiß ungefähr, wie der Sound der Platte klingt. Der Refrain von „Couldn’t Care Less“ hat aber wieder die Qualität der besseren Fury-Songs. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber das trifft einfach gut zu – und wer kennt nicht die guten Songs von Fury in the Slaughterhouse?
Damit ist die CD nach langen Jahren des Nichthörens in der Kategorie „kann man immer noch gut hören“ einzuordnen. Es sind einige gute Songs drauf, und ich habe dadurch auch wieder ein wenig ins Vorgängeralbum reingehört, das ich sehr mag – also alles richtig gemacht.
Der mit Funk garnierte Rock wird auf dem Album verstärkt eingesetzt, etwa bei „Drop Dead“. Das ist etwas für H-Blockx-Fans. Da die H-Blockx aber nicht mehr so ganz meines sind – mit Ausnahme des Songs „Little Girl“ – ist das für mich eher weniger interessant.
Dieser 90er-Rock kann aber auch gut funktionieren, was „Like an Indian“ beweist. (Da bin ich mir allerdings nicht sicher, ob der Titel heute noch politisch korrekt ist. Ist da mit „Indian“ ein Inder gemeint oder ein Indianer? Indianer dürfen ja eigentlich nur noch von indigener Herkunft selbst so genannt werden. Ansonsten wäre das kulturelle Aneignung. Wir leben in verrückten Zeiten, in denen man sich darüber Gedanken macht, statt einfach respektvoll aufeinander zuzugehen – egal, wer jemand ist. Ich mache das so und komme damit gut zurecht, denke ich. Ich schweife ab.)
Dann wird der Sound doch etwas zu stark auf amerikanischen Pop-Rock getrimmt: „Hypnotize“ wäre damals aber als Single gar nicht schlecht angekommen.
Im Poprock-Stil geht es mit „Half a Man“ weiter, das wieder viel Laune macht. Noch besser gealtert ist ein weiterer alter Favorit von mir, der etwas weniger rockende Song „Here Comes Jean“. Die Band kann mit Akustikgitarre eigentlich auch gut umgehen, wobei sie dann wieder etwas wie „Fury“ klingt.
Danach wird noch einmal etwas härter gerockt, allerdings nur in der Härte, wie Bon Jovi so rocken. Der Song kommt über das Mittelmaß nicht hinaus. Als Hörer ist man langsam gesättigt, denn es ist schon Stück Nummer elf von vierzehn.
Ein weiterer echter Hit ist „Stopped by Reality“. Der funktioniert einfach gut und nimmt einen von Anfang bis Ende mit. Geht immer noch.
Ganz flott und poprockig sowie sehr gut produziert ist „Soulfaker“. So sollte man eine CD nicht vor ihrem Ende bewerten – immer erst alles hören.
Der überraschend melancholische Abgang gelingt mit „Bomb Me Happy“. Der Song entwickelt dann noch etwas Kraft und ist tatsächlich ein sehr schöner Abschluss für diese Platte.
Kein gerade zeitloses Album von „Plan B“, aber den typischen Mainstream-Rocksound der 90er Jahre hatten sie schon sehr früh in den 90ern gut drauf, fast prophetisch. Einige Songs funktionieren immer noch überraschend gut. Ich hatte Schlimmeres erwartet und bin jetzt sehr positiv überrascht. Ich werde die Platte auch brav wieder ins Regal stellen und nicht – wie befürchtet – versuchen, sie loszuwerden. (600)


The Police – Reggatta de Blanc (1979)
Das zweite Studioalbum von The Police besticht erneut durch eine gelungene Mischung aus New Wave, Reggae und Pop, die das Album besonders macht.
Beginnt ein Album mit einem Stück wie „Message in the Bottle“, kann wenig schiefgehen. Dieser Klassiker zeigt eindrucksvoll die Stärken der Band: gelungenes Songwriting sowie beeindruckendes Spiel an Schlagzeug, Bass und Gitarre. Dass sich der Reggae-Sound bei The Police eher nach Rock anhört, ist einfach überzeugend umgesetzt. Das instrumentale Titelstück „Reggatta de Blanc“ brachte der Band ihre erste Grammy-Nominierung in der Kategorie „bester Instrumentalsong“ ein.
„It’s All Right for You“ ist mir weniger präsent geblieben als andere Stücke der Band. Der Song ist ein recht konventioneller Rocksong, wirkt aber durch seinen Schwung angenehm lebendig. „Bring on the Night“ vermittelt, genau wie „Reggatta de Blanc“, ein unglaubliches Live-Gefühl. Beim Hören fühlt man sich direkt in einen Konzertsaal versetzt und singt kräftig mit der Band mit. Der Song „Deathwish“ ist ebenfalls etwas aus dem Gedächtnis entschwunden, macht aber sehr viel Freude.
Auch die zweite Albumseite beginnt mit einem großen Hit der Band: „Walking on the Moon“. Dieses Stück besticht durch unwiderstehliche Grooves und eingängige Textpassagen. „Any Other Day“ gehört zwar nicht zu den bekanntesten Songs der Band, überzeugt aber als gelungene Mischung aus New Wave und Punk. Wirklich schwache Songs sucht man auf dieser Platte vergeblich. Besonders mochte ich stets „The Bed’s Too Big Without You“. Die letzten drei Stücke sind mir aus der Erinnerung eher unbekannt, was sicherlich daran liegt, dass ich das Album lange nicht gehört habe.
„Contact“ hat seinen Reiz, überzeugt jedoch nicht auf voller Länge. „Does Everyone Stare“ sehe ich als eine ausgeklügelte Fingerübung an. „No Time This Time“ wirkt als schneller Abschluss etwas wie Füllmaterial und zeigt, dass der Song wohl nur zum Abrunden der Platte beigesteuert wurde. Dies schmälert die Qualität des Albums jedoch nicht, denn zwei Songs darauf sind es, die für immer geliebt werden. (266)
Polvo – Exploded Drawing (1996)
Lo-Fi-Indie-Alternative-Rock mit sehr guten Melodien – das ist auf jeden Fall der erste Eindruck, den ich nach den ersten Takten von „Fast Canoe“ habe. Wieder einmal richtig guter Alternative-Rock aus den USA, den ich bisher noch nicht kannte. „Fast Canoe“ ist eine überzeugende Nummer – melodiös, schrammelig und hervorragend gespielt. Ebenfalls großartig ist „Bridesmaid Blues“. Die stetigen Tempowechsel machen großen Spaß und sind sehr gekonnt umgesetzt. Bei diesem Stück fühle ich mich an die Stone Roses erinnert. „Feather of Forgiveness“ klingt ungestümer und erinnert eher an Sonic Youth. Fans von Thurston Moore werden die Band wahrscheinlich lieben. Danach werden die Songs schräg-akustisch und kürzer. Mit „Crumbling Down“ wird der Rock hingegen wieder kräftiger und härter. In Songs wie „Street Knowledge“ stecken zudem Krautrock-Rhythmen. Es folgt kraftvoller Punk-Rock mit „High-Wire Moves“, der während des Songs kurz gestoppt wird und dann drei Gänge langsamer weitermacht. Es sind gerade diese Tempowechsel, die die Musik vom Durchschnitt abheben und das Hören besonders spannend machen – denn dann geht es ganz schnell wieder heftig weiter. Etwas Ruhe bringt das Ambient-Stück „Monolith“. „In this Life“ besitzt einen schönen Bob Mould-Riff und erinnert insgesamt an Hüsker Dü und die frühen R.E.M. Es folgt weiteres Instrumentalstück mit „The Secret's Secret“. Punkig und postrockig kommt auch das kurze „Snowstorm in Iowa“ daher. Besonders viel Freude macht das Erdige der Aufnahmen – sie klingen, als wären sie live von der Bühne gespielt, und nehmen einen dadurch gut mit. So funktioniert ein Stück wie „The Purple Bear“ hervorragend. Etwas sanfter präsentiert sich „Taste of Your Mind“. Am Ende gibt es ein Opus Magnum mit „When Will You Die for the Last Time in My Dreams“. Das Gute an Polvo im Gegensatz zu anderen Math-Rock-Bands ist, dass sie nicht langweilen. Es gibt kein minutenlanges Rumgedrone, stattdessen macht das Schrammeln immer Sinn und erinnert eher an Alternative-, Punk-Rock und Post-Punk. Deshalb finde ich diese Entdeckung richtig gelungen. -294


Iggy Pop – Lust for Life (1977)
Während bei Pops Debütalbum „The Idiot“ die Musik noch von David Bowie komponiert wurde, übernahm Pop beim zweiten Album, das ebenfalls von Bowie produziert wurde, auch bei der Musik mehr Kontrolle. Das Ergebnis ist härterer Rock im Stil der 60er Jahre, der mich sehr an die Rolling Stones erinnert, jedoch kräftiger klingt und damit wieder stärker an den Sound der Stooges anknüpft. Es rockt mehr, als dass es Punk ist. Dadurch wirkt es wie eine Blaupause für den Britrock der 90er und frühen 2000er Jahre. Das Titelstück „Lust for Life“ und natürlich der Hitsong „The Passenger“ sind wohl den meisten bekannt. Daneben bietet das Album auch gelungene Überraschungen, wie den Song „Some Weird Sin“, der einen sehr ungewöhnlichen Rocksound hat. „Tonight“ kennt man sicherlich auch in einer anderen Version fast besser. Das Stück „Success“ klingt erneut nach den Stones und macht dabei viel Spaß. Eine ungewöhnliche Rockballade findet sich mit „Turn Blue“. Anschließend wird bei „Neighborhood Threat“ und „Fall in Love with Me“ noch einmal ordentlich gerockt; beide Songs habe ich besonders gern gehört. Mehr als nur ein solides Rockalbum eignet es sich für den Sound des Indierocks als ein Werk mit großem Vorbildcharakter. Bowie mit „Low“ und Iggy Pop, der bereits mit den Stooges den Weg für Punk geebnet hat, haben der Rockmusik damit einen großen Dienst erwiesen, da sich der Rock ab diesem Zeitpunkt zunehmend in weitere Subgenres aufspaltete und immer vielfältiger wurde. (340)

Iggy Pop – Brick by Brick (1990)
Wieder einer dieser seltsamen Zufälle. Gerade lese ich die Graphic Novel „Final Cut“ von Charles Burns und werde doch noch ein Fan von ihm, als mich dieses Cover anstrahlt. Seit Erscheinen des Albums ist „Candy“ ein ständiger Begleiter – genau wie die zwei anderen Stücke mit Kate Pierson als Gastsängerin, nämlich „Shiny Happy People“ (R.E.M.) und „Love Shack“ (B-52’s) – drei Songs für die Ewigkeit.
Das von Don Was produzierte Album bietet eine große Vielfalt an Stilrichtungen, sodass jeder seinen Lieblingssong finden kann. Als Gastmusiker waren unter anderem Slash, David Lindley und John Hiatt mit dabei.
„Home“ erinnert an Rock ’n’ Roll und Punkrock – ein wenig Iggy Pop im Ramones-Stil, aber mit Rockgitarren und Gitarrensolo. Dennoch springt bei mir der Funke nicht richtig über. Sanfterer Rock gefällt mir dagegen richtig gut, beispielsweise „Main Street Eyes“. Diesen Song habe ich leider oft überhört.
Härter gerockt klingt „I Won’t Crap Out“. Ein Song für die Ewigkeit ist „Candy“. Ebenfalls härter: „Crap Town“. Ich glaube, es liegt am Sound, den Don Was der Musik verpasst hat, dass die Stücke trotz rotzfrecher Attitüde nie wirklich wie Punk oder dreckiger Rock klingen. Das fügt sich nicht ganz stimmig zusammen. Andererseits konnten dadurch eher Nicht-Punker dem Album und Iggy Pop etwas abgewinnen – ich eingeschlossen, auch wenn ich 1990 noch kaum Punk hörte.
Mit Akustikgitarre und eher im Mainstreamrock angesiedelt, fast schon Countryrock wirkt „The Undefeated“. Fast schon ein bisschen zu kitschig. „Moonlight Lady“ ist dagegen einfach ein schöner Song, ungewöhnlich sanft für Iggy Pop, aber ich höre ihn immer sehr gern. Tatsächlich sind es nicht die (Punk-)Rock-Stücke, die mich dazu brachten, das Album oft aufzulegen, sondern eher Lieder wie „Candy“, „Moonlight Lady“ und das später erschienene „Starry Night“ – eher im Mainstream angesiedelt, aber dafür verdammt gut und zeitlos.
Stücke wie „Something Wild“ sind ebenfalls nicht schlecht, und einige Songs klingen, als wollten Iggy Pop und Don Was den Sound einer Tom Petty and the Heartbreakers-Platte nacheifern. „Neon Forest“ funktioniert als Rocknummer ganz gut und macht Spaß, allerdings haut mich der Refrain etwas aus dem Konzept. Insgesamt aber ein gelungener Rock-Drive.
Ein Song, der von Anfang bis Ende einfach nur Freude bereitet und wohl auch genau dafür gedacht ist, ist „Starry Night“. Großartig. Ein wenig affig wirkt „Pussy Powers“. Gerockt wird bei „My Baby Wants to Rock & Roll“, aber das ist nicht mein Geschmack. Lieber mag ich das eher akustisch gehaltene Titelstück „Brick by Brick“. Zum Schluss gelingt der Rock dann noch einmal sehr gut mit „Living on the Edge of the Night“.
Das Album enthält einfach einige Songs, die ich immer wieder gerne höre und auf die ich keinesfalls verzichten möchte. Das reicht doch aus, um eine Platte als gut zu bezeichnen – auch wenn nicht alles darauf gelungen ist. (539)
Porcupine Tree - On a Sunday of Live (1991)
Die Band gilt als Vorreiter einer neuen Generation von Prog-Rock-Gruppen. Bisher ist es mir jedoch nicht gelungen, mich mit ihren Alben und ihrer Musik richtig anzufreunden – was mich eigentlich wundert, denn der Kopf der Band, Steven Wilson, verfügt über einen sehr guten Musikgeschmack. Seine Verdienste als Vermittler von Musik, die er nicht selbst geschaffen hat, sind ebenfalls sehr lobenswert. Dennoch konnte mich seine Musik bisher nur begrenzt fesseln.
Ich habe nun beschlossen, den Bands dieser Prog-Rock-Generation, zu der auch Riverside, Gaspacho und The Pineapple Thief gehören, eine Chance zu geben. Dabei möchte ich mich durch einen Teil ihrer Diskografie hören und beginne deshalb mit dem ersten Album von Porcupine Tree – vielleicht springt der Funke ja doch noch über.
„Music for the Head“ dient für mich als Intro, und man hört gleich, dass Steven Wilson auch Keyboarder ist. So beginnt das Album mit ruhiger Synthesizer-Musik, die eher an die Berliner Schule als an Prog-Rock erinnert.
Mit achtzehn Einzelstücken ist das Album gut gefüllt, auch wenn einige davon recht kurz sind. Wahrscheinlich höre ich es in zwei Teilen. Das Stück „Jupiter Island“ beginnt geradezu hektisch, und der einsetzende Bass erinnert seltsamerweise an The Cure. Der Sound klingt eher wie frühe Achtziger als die vielschichtigen siebziger Jahre – was mich überrascht, da ich ganz andere Klänge erwartet hatte. Der Song wirkt allerdings auch ein wenig so, als sei sein Stil von New Wave und Post-Punk der frühen Achtziger übernommen.
Das Album ist in vier Teile gegliedert. Die ersten fünf Stücke bilden „First Love“, die Titel bis Nummer neun „Second Sight“, die Stücke bis Nummer vierzehn „Third Eye“ und der Rest „Fourth Bridge“. Das deutet darauf hin, dass das Album ursprünglich als Doppelalbum erschien (in einer Auflage von 1000 Stück). Mir fällt jetzt auf, dass diese Einteilung auch eine persönliche musikalische Entwicklung widerspiegeln könnte: „First Love“ beginnt mit Tangerine Dream, „Second Sight“ klingt nach The Cure – das erscheint mir durchaus plausibel.
„Third Eye Surfer“ ist ein kurzes, leicht psychedelisches Zwischenspiel. Nicht viel länger ist das folgende, eher ruhige Synthesizer-Stück „On the Sunday of Life“, das am Ende mit einem Drumsolo ergänzt wird. Den ersten Teil schließt „The Nostalgia Factory“ ab, eine Mischung aus Psychedelic und sanftem Postrock, die allerdings insgesamt noch etwas amateurhaft wirkt.
Der zweite Teil startet mit dem kurzen Krautrock-Synth-Psycho-Dialogstück „Space Transmission“ und dem noch kürzeren „Message from a Self-Destructing Turnip“. Darauf folgt das zehnminütige, sanft gerockte und mit zurückhaltendem Gesang versehene „Radioactive Toy“, das an Pink Floyd erinnert. Da Wilson jedoch nicht wagt, laut zu singen, ist es dennoch nicht ganz überzeugend. Das Album fällt es schwer, wirklich zu gefallen. Bei vielen Bands gilt das Debüt oft als ihr bestes Werk, bei Porcupine Tree scheint das jedoch nicht der Fall zu sein – es wirkt eher wie ein Testlauf. Man sollte allerdings berücksichtigen, dass Wilson das Album größtenteils allein produziert hat und dabei nur von drei weiteren Musikern (John Marshall, Solomon St. Jemain, Master Thimothy Masters) unterstützt wurde. Es ist somit eher ein Soloalbum von Steven Wilson.
Der zweite Teil endet mit „Nine Cats“, in dem Wilson eine leicht akustische Spacerock-Hymne im Stil von David Bowie versucht. Auf den eher dahinplätschernden und klangvollen „Hyme“ folgt zu Beginn des dritten Teils „Footprints“. Die Musik explodiert förmlich nach einem ruhigen Anfang, um dann wieder zu verstummen (deshalb sollte man die Lautstärke nicht zu hoch einstellen). Trotzdem wirkt auch dieses Stück nicht besonders überzeugend. Der Ambient- und Psychedelic-Rock des damals noch experimentierenden Steven Wilson will nicht recht begeistern, da er musikalisch schon sehr ausgetretene Pfade beschreitet. Radiohead schaffen ähnliche Klangwelten ab dem Album „OK Computer“ um einiges besser. Vielleicht ist es daher ein Glück, dass er für spätere Alben den erfahrenen Richard Barbieri (Japan, Rain Tree Crow, JBK) hinzuholte.
„Linton Samuel Dawson“ führt zurück zum Punkrock der frühen Achtziger und macht, ebenso wie die Post-Punk-Nummer „Jupiter Island“ zu Beginn des Albums, noch am meisten Spaß – trotz schwacher Gesangsleistung. Es folgt mit „And the Swallows Dance Above the Sun“ ein ordentlicher Art-Rock-Song. Das etwas schräg wirkende „Queen Quotes Crowley“ besticht durch einen guten Groove.
Der vierte Teil wird vom kurzen „No Luck with Rabbits“ eingeleitet. Auch „Begonia Seduction Scene“ ist kurz, überrascht aber mit akustischer Gitarre und ist eine kleine Psych-Folk-Nummer. Das ist eigentlich das erste Prog-Rock-Stück der Platte – davon hatte ich mehr erwartet, da ich nicht wusste, dass Steven Wilson beziehungsweise Porcupine Tree zunächst einen Ambient-/Psychrock-Mix produziert hatten.
„This Long Silence“ ist ein melancholischer Rocksong, der immerhin ganz ordentlich funktioniert. Das letzte Stück, „It Will Rain for a Million Years“, setzt ganz auf Atmosphäre und überzeugt am Ende vor allem durch die Arbeit an den Saiteninstrumenten.
Das Debütalbum ist im Grunde eine Neubearbeitung von Stücken, die Steven Wilson ursprünglich auf selbst produzierten Tapes veröffentlicht hatte. Vielleicht erklärt das, warum das Album eher wie ein musikalisches Skizzenbuch wirkt und weniger wie eine geschlossene Einheit. Zumindest überrascht es hier und da, kann aber nur kurzzeitig richtig begeistern. Einmaliges Hören reicht völlig aus.


The Power Station – The Power Station (1985)
Die Band bestand aus dem Sänger Robert Palmer, den Brüdern Andy und John Taylor von Duran Duran (Gitarre, Bass) sowie Tony Thompson am Schlagzeug und Bernard Edwards als Produzent von der Gruppe Chic. Vor dem Kauf dieser CD hatte ich mal wieder mehr Musik von Robert Palmer gehört, und die Maxi-Single von „Some Like It Hot“ habe ich immer bewahrt und gerne gehört. Die Stücke dieser Maxi finden sich auch im Bonusteil der CD wieder, zusammen mit dem Lied „Someday, Somehow, Someone’s Gonna Pay“ und Remix-Versionen von „Communication“.
Auch das reguläre Album beginnt mit „Some Like It Hot“. Dieser Power-Pop-Rock-Song gefällt mir wirklich immer noch sehr gut. Er hat den Schwung und die Kraft von „Wild Boys“ von Duran Duran, der auch mein Lieblingslied der Band ist. Hier passen die kraftvollen Drums, die Bläser und der gesamte Sound einfach sehr gut zusammen. „Murderess“ erinnert stark an „Addicted to Love“, mit dem Robert Palmer später großen Erfolg hatte. Genau solche Songs mag ich allerdings nicht mehr so sehr, weil Robert Palmer einfach viel mehr kann als diesen amerikanischen Hitparaden-Rock. Das soulige „Lonely Tonight“ trifft da eher meinen Geschmack, weil ich Robert Palmer auch für einen genialen Soul- und Jazzsänger halte. Allerdings schwächt auch hier der typische 80er-Jahre-Sound den Song etwas ab. „Communication“ ist als Soul-Pop leider nicht besonders gelungen.
Funk, Soul und Rock gibt es bei „Get It On (Bang a Gong)“ – ja, es handelt sich um eine Coverversion des T-Rex-Songs. Leider sinkt mit diesem Stück das Niveau der Platte auf einen Tiefpunkt. Der eher souligere Song „Go to Zero“ entspricht wieder mehr meinem Geschmack und gefällt mir besser, auch wenn der rockige Instrumentalteil in der Songmitte meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre.
Eine weitere Coverversion ist „Harvest for the World“, ursprünglich von den Isley Brothers. Auch diese scheitert an der für die 80er-Jahre typischen Produktionsweise, sodass ein eigentlich guter Song vergeudet wird. Langsam ärgere ich mich mehr als nur ein wenig über diese Platte.
Die Pop-Ballade „Still in Your Heart“ ist ganz nett.
Der Bonus-Song „Someday, Somehow, Someone’s Gonna Pay“ stammt vom Soundtrack des Films „Das Kommando“ mit Arnold Schwarzenegger. Die Rolle des Sängers übernimmt hier Michael Des Barres. Mit ihm klingt die Gruppe wie eine Mainstream-Hardrock-Band, was mir natürlich ebenfalls nicht gefällt. Solche Songs habe ich oft gehört und nie gemocht.
Das Album ist eher ärgerlich. Eigentlich hätte ich ohne den Rest gut weiterleben können, da ich ja die Maxi von „Some Like It Hot“ besitze. (256)
Prefab Sprout (Paddy McAloon) – I Trawl the Megahertz (2003)
Nach einer schweren Augenoperation suchte Paddy McAloon nach Beschäftigung und hörte dabei viel Radio. So entstand die Idee zu einem teilweise orchestralen, fast instrumentalen Album mit nur wenigen Worten. Er nutzte gesammeltes Material aus Radiosendungen, das er aufgenommen hatte, und ließ es in das Album einfließen. Anfangs wurde das Album unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, kurze Zeit später aber auch unter dem bekannten Namen Prefab Sprout.
Das Titelstück „I Trawl the Megahertz“ ist bereits eine komplette Vinylseite füllend – orchestral, mit einer Frauenstimme, die über der Musik sagt: „This is the Story of my Life….“. Warme Klänge prägen den Song. Neben dem Orchester fügen sich Jazzmelodien hinzu, die sehr schön kombiniert sind. Gesprochene Worte über Musik lassen mich allerdings immer zwiegespalten zurück – soll ich der Musik oder dem Text lauschen? Bei mir gewinnt meist die Musik, weshalb ich den gesprochenen Teil oft eher als störend empfinde. Das Stück ist eher zeitgenössische Musikkunst als ein Song. Dabei ist die Musik schön arrangiert, doch trotz all des Wohlklangs bewegt sie sich kaum weiter. Die Instrumentenzahl variiert zwar, doch die Melodie bleibt durchgängig gleich. So entsteht der Eindruck eines musikalischen Hörbuchs, der sich stark festsetzt. Dennoch klingt es schön, auch wenn es kein Stück ist, das ich häufig hören werde. Das ist wegen der gelungenen Musik schade, doch das Stück ist einfach zu lang geraten. Erst nach vierzehn Minuten wird es etwas variantenreicher – für mich jedoch zu spät, um das Stück noch als abwechslungsreich zu bezeichnen. Vielleicht offenbart es aber mehr, wenn man dem gesprochenen Text besondere Aufmerksamkeit schenkt.
Symphonischer und mit mehr Tempo folgt „Esprit De Corps“. Es ist instrumental, aber sehr gute orchestrale Musik, die an Mike Batt und die schnelleren Stücke von Brian Eno erinnert. Wer jedoch ein typisches Prefab Sprout-Album hören möchte, sollte lieber mit einem der anderen Werke beginnen. Dieses unterscheidet sich deutlich von den sonst so feingeschliffenen Songs von Paddy McAloon.
Kammermusik bietet „Fall From Grace“, das ebenfalls sehr gekonnt umgesetzt ist. Als Komponist beweist Paddy McAloon damit eindeutig sein Handwerk. Für die Orchester-Arrangements zeichnet David McGuinnes verantwortlich. Zehn Musiker waren an den Aufnahmen beteiligt, darunter die Streicher des Robert McFall Orchesters. Bei „We were poor….“ verbinden sich klassische Arrangements mit Jazz zu einem schönen Mix.
Die Musikstücke sind eindrucksvoll, mitreißend und begeisternd. Ganz besonders gefällt mir „Orchid 7“ – so mag ich zeitgenössische Musik.
„I’m 49“ ist das Stück, in dem einige der von McAloon gesammelten Radio-Samples verarbeitet wurden. Es erinnert an das Titelstück, ist aber mit unter vier Minuten angenehm kurz und deshalb überzeugend.
Die Kammermusik verbindet Klassik, Jazz und subtilen Pop mit Ambient-Elementen. Bei „Sleeping Rough“ hört man dann auch erstmals die sanft angenehme Stimme von Paddy McAloon, die sich trotz seines Alters kaum verändert hat. Er singt darin genauso leicht über die Musik, wie diese klingt.
„Ineffable“ ist wieder konzentriert gespielte Musik, und mit etwas mehr Tempo endet das Album schließlich mit „...but we were happy“.
Abgesehen vom zu lang geratenen Titelstück ist dies ein Album für Musikkenner, die mehr von Musik verlangen, als Pop- und Rockmusik im Allgemeinen bieten. Die kürzeren Instrumentalstücke dieser außergewöhnlichen Prefab Sprout-Platte werde ich lange in guter Erinnerung behalten und ebenso gerne immer wieder hören. (641)


Elvis Presley – Elvis Presley (1956)
Inspiriert durch den neuen „Elvis“-Film – bei dem ich tatsächlich zwei Stunden lang nicht erkannt habe, dass Colonel Parker von Tom Hanks gespielt wurde – höre ich mir nun auch das erste Elvis-Album an.
„Blue Suede Shoes“ ist natürlich gleich ein Rock-’n’-Roll-Klassiker, den ich sehr mag. Im Country-Balladen-Stil folgt „I’m Counting on You“. Dort erkennt man gut, wie geschickt Elvis die Einflüsse von Soul, Blues, Country und Schlager-Pop miteinander vermischt. Ein schneller Rockabilly-/Country-Mix ist in „I Got a Woman“ zu hören, während „One Sided Love Affair“ im Blues-/Rock-’n’-Roll-Stil gehalten ist. Die Schmacht-Ballade „I Love You Because“ rundet das Angebot ab. Für mich sind die Rock-’n’-Roll-/Country-Mix-Songs die Höhepunkte der Platte, denn man kann sie einfach so mitnehmen, und sie machen auf ihre Weise Spaß – zum Beispiel „Just Because“. So einfach und dennoch ein unauslöschlicher Welthit ist „Tutti Frutti“.
„Trying to Get to You“ und „I’m Gonna Sit Right Down and Cry (Over You)“ zeigen, wie Elvis mit seiner Stimme und seinem Gesangsstil jeden Country-Song zu einem Rock-’n’-Roll-Stück macht. „I’ll Never Let You Go (Darlin’)“ ist eine klassische Country-Schnulze.
Zu hören gibt es auch eine ungewöhnliche Version von „Blue Moon“, die ein weiteres Highlight darstellt und das einzige eher ruhige Stück der Platte ist, das ich wirklich mag. Zum Schluss folgt Rockabilly mit „Money Honey“.
Die Rock-’n’-Roll-Klassiker der Platte gefallen mir wirklich gut, ansonsten ist jedoch auch viel Ohrenschmalz dabei. Aber es ist, wie es ist: Elvis ist der King of Rock ’n’ Roll und wohl einer der ewigen Götter der populären Musik. (453)

Pretenders – The Pretenders (1978)
Alle aktuellen Musikströmungen aufnehmen und wiedergeben: Geschickt verbindet die Band um Chrissie Hynde auf ihrem vielbeachteten Debütalbum Rock, Punk, Pop und vereinzelt Reggae zu einem durchweg gelungenen Ganzen. Mit „Brass in Pocket“ zeigen sie zudem, dass sie gefällige Singles produzieren können. (12)

Primal Scream – Vanishing Point (1997)
Schottenrock zur Zeit des Trainspotting-Hypes. Das fünfte Album der schottischen Band wurde in drei Monaten aufgenommen und gemixt. Dabei nutzte die Band eine transportable Studioeinrichtung.
„Burning Wheel“ beginnt mit einer Geräuschkulisse, zu der allmählich eine erkennbare Melodie hinzukommt. Die Instrumente setzen ein, und der Britrock erklingt relativ gemäßigt. Rock mit einem leichten Rauschgefühl. Zum Line-up der Band gehörten Bassist Gary Mounfield, der zuvor bei den Stone Roses spielte, sowie Schlagzeuger Paul Mulraney.
„Get Duffy“ bietet sanften Lounge-Garagen-Rock, und hier beginnt das Album bei mir zu wirken. Produziert wurde es von Brendon Lynch und Andrew Weatherall. Der Mix aus Rock und Elektronik ist sehr gelungen. „Kowalski“ rockt wieder mehr und klingt klanglich ein wenig nach Radiohead-Alben ab „OK Computer“. Ich bin überrascht, dass die Band lange ohne Vocals arbeiten kann. Dass Andrew Sherwood, den ich erst kürzlich durch das erste Album der „New Age Steppers“ entdeckt hatte, von dem Album begeistert war und es neu gemixt hat, verstehe ich nun – denn der Sound entspricht bereits stark seinem Stil. Dance, Dub und Rock verbinden sich hier.
Wunderschön sanfte Rocknummer: „Star“. „If They Move, Kill ’Em“ ist hingegen deutlich mehr etwas für die Tanzfläche. Was für ein tolles Album – und wieder mal Schande über mein Haupt, dass ich es so spät entdeckt habe.
Ambient-Rock bietet „Out of the Void“. Bei dieser Musik macht gerade der Genre-Mix den Reiz aus. Da ich den alten Crossover-Mix aus Rock und Rap mittlerweile etwas altbacken finde und mich dafür nicht mehr so begeistern kann wie damals, als das noch Trend war, verbinde ich bis heute den Begriff „Crossover“ nur damit. Deshalb fällt es mir schwer, diesen Begriff auf andere Genre-Mixe anzuwenden.
Der Dub-Anteil wächst bei „Stuka“ noch, wird aber auf sehr melodiöse Weise eingesetzt. Ich liebe all die Sounds, die auf diesem Album verwendet werden.
Rock ohne Firlefanz, einfach mit „normalem“ Rockeinsatz: „Medication“. Da ich mich jedoch an den Firlefanz gewöhnt habe und ihn eigentlich gut fand, nehme ich den Song einfach so mit – er klingt zwar oft ähnlich wie schon gehört. Bei „Motorhead“ wird es dann etwas härter gerockt. Sänger Bobby Gillespie beschreibt das Album als alternativen Soundtrack zum gleichnamigen Film. So klingt seiner Meinung nach Psychrock-Hippie-Musik in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. „Motorhead“ hat zwar viel Schwung, fällt bei mir jedoch wegen der Hau-Drauf-Wirkung des Songs etwas ab.
Bei „Trainspotting“ weiß man sicherlich, worauf sich der Titel bezieht. Der Autor der Romanvorlage, Irvine Welsh, schrieb sogar das Drehbuch zum Videoclip des Songs „Kowalski“. Hier vereinen sich Hippie-Stimmung und Beats sehr gut.
„Long Life“ schließt das Album nochmals mit Ambient-Rock ab (mittlerweile gibt es eine erweiterte Fassung mit weiteren Songs). (559)

Prince and the Revolutions – Around the World in a Day (1985)
Nach „Purple Rain“ hatte Warner Records auf ein weiteres kommerzielles Popalbum gehofft, doch Prince ist nun einmal Prince und macht, was er will. Mit diesem siebten Album legte er ein psychedelisches Pop-Rock-Album vor und begeisterte mit neuen, stilprägenden Sounds. Erst mit diesem Werk wurde ich zum Prince-Fan. Die früheren Hits entdeckte ich eigentlich erst, als ich mich in Discotheken herumtrieb.
Der Titelsong „Around the World in a Day“ erhält durch einen leichten orientalischen Touch eine verspielte Hippie-Pop-Note. „Paisley Park“ ist einfach eine herausragende melancholische, dabei aber dennoch positiv klingende Pop-Rock-Nummer.
„Condition of the Heart“ folgt mit einem ausschweifenden Intro und zählt wohl zu den sanftesten und emotionalsten Balladen, die Prince je geschaffen hat.
Es folgt der Hit der Platte „Raspberry Beret“. Was für eine außergewöhnliche Popnummer – einfach, weil sie anders klingt, weil Prince andere Sounds nutzte und seine Songs auf besondere Weise zusammensetzte. Wundervoll. Wie kaum ein anderer schafft er es, R’n’B, Pop, Rock und Soul mühelos zu einer einzigartigen Mischung zu verbinden. Das ist Prince. Einzigartig.
Mit „Tambourine“ wird es funkig.
„America“ bietet diese Mischung aus Rockgitarre, Pop-Beats und Funk – einfach Prince – und ist eine in einem Song verpackte Kritik und Aufforderung an das Land der „Brave and Free“. Hit Nummer zwei des Albums folgt mit „Pop Life“ – ein wunderbarer Popsong.
Mit „The Ladder“ kommen wir einem Song wie „Purple Rain“ dann doch noch einmal sehr nahe. Mit „Temptation“ wird es einfach ausgelassen, und Prince rockt das Haus auf seine ganz eigene Weise.
Prince ist ein genialer Performer, doch was andere Künstler nicht konnten, nämlich meisterlich komponieren, produzieren und Instrumente spielen, das beherrschte Prince wie kein Zweiter seiner Popgeneration. Ein Meister der Musik. Ein Unsterblicher – und dies ist keine Übertreibung. (537)

Prince – Batman (1990)
Eigentlich hatte ich von OMD das Album „Organisation“ auf Vinyl gekauft (gebraucht). In der Hülle befand sich jedoch diese Platte. Das ist zwar ärgerlich, aber allein der Song „The Future“ tröstet über den Fehler des Verkäufers hinweg, der sicherlich keine Absicht war.
„The Future“ ist wirklich ein großartiger Song, und das Album klingt genau so, wie ich Prince sehr gerne mag: verspielter Soul-Rock, wie ihn wirklich nur Prince machen konnte. Auch „Electric Chair“ hält das Niveau hoch. Die herzzerreißende Ballade darf auf keinem amerikanischen Soundtrack mit Pop-Appeal fehlen, und dafür gibt es das Duett „The Arms of Orion“ mit Sheena Easton. Party-Pop, wie Prince ihn gerne und gut macht: „Partyman“. Ebenfalls ein wirklich großartiger Song ist „Vicki Waiting“. Diese unwiderstehliche Mischung aus Pop und Soul, immer irgendwie etwas außergewöhnlicher verpackt als bei anderen, ist wirklich richtig gut. Die Platte klingt ausgezeichnet und kann mit jeder heutigen Pop- und Elektro-Produktion problemlos mithalten.
Ich finde es nun wirklich gut, dass ich die Platte in der Hülle hatte, denn OMD hatte ich in letzter Zeit ausreichend gehört und eindeutig zu wenig Prince. Die Songs machen bisher richtig Spaß, bis vielleicht auf die Liebesballade „The Arms of Orion“, doch „Trust“ ist einfach die volle Prince-Party. „Lemon Crash“ ist nicht ganz mein Geschmack, aber wie der Song aufgebaut ist und wie gut und zeitlos die Sounds klingen, beeindruckt mich sehr. Da sind Klänge dabei, die ich gerne in meiner eigenen Sample-Sammlung hätte. Der bessere langsame Song der Platte ist „Scandalous“, was vor allem an der Gesangsleistung von Prince liegt. „Batdance“ ist als Electro-Dance-Pop-Sample-Song einfach klasse. Hier zeigt Prince, dass er jederzeit mit den Großen der Electro-Dance-Club-Szene hätte mithalten können.
Prince war ein echtes Musik-Genie und ist, da er auch sein eigener Songschreiber und Produzent war, weit höher einzustufen als vergleichbar erfolgreiche Musiker seiner Zeit wie Madonna und Michael Jackson. Das macht richtig Lust, wieder mehr vom echten Godfather of Soul-Pop zu hören. (312)

Propaganda – A Secret Wish (1985)
Synth-Pop aus Düsseldorf unter der Obhut des ZTT-Records-Labelchefs Trevor Horn: Effektvolle Produktionen und ein kraftvoller Sound sind das Markenzeichen des Labels, weshalb auch die Band, bestehend aus Ralf Dörper, Michael Mertens, Andreas Thein, Claudia Brücken und Susanne Freytag, auf ihrem Debütalbum davon reichlich bietet. Der Song „Dr. Mabuse“ war ihr größter Singlehit, an den auch „P-Machinery“ nicht anknüpfen konnte – dabei war gerade dieser Song für mich der Anlass, die CD zu kaufen und immer wieder zu hören.
„Dream within a Dream“ ist ein düsterer, gut arrangierter Synth-Pop-Song, der ein wenig an den Soundtrack eines Horrorfilms aus den 80er Jahren erinnert. Der Sprechgesang nervt mich heutzutage allerdings ein wenig – rein instrumental würde mir der Song voll und ganz genügen. Was mich heute an vielen Maxi-Versionen der 80er stört, ist auch eine Schwäche dieses Songs: Obwohl kaum noch etwas passiert, will das Stück einfach kein Ende nehmen. Den Grundrhythmus oder Beat des Songs finde ich ziemlich packend, er spricht mich als Hörer sehr an, doch insgesamt ist die Länge etwas zu ausgedehnt.
Dass es sich um ein 80er-Jahre-Album handelt, hört man bei „The Murder of Love“ sofort. Der Song funktioniert wie eine Nummer von „The Human League“, vermischt mit Euro-Dance. Dadurch klingt er ähnlich wie New Order zu dieser Zeit, nur eben etwas poppiger – wenn das überhaupt noch möglich ist. Bei „Jewel“ kommt dann noch der Sound der Electronic Body Music hinzu, was ja auch gut zu Düsseldorfern passt. In der Vinyl-Fassung ist der Song nur etwas über drei Minuten lang, auf CD wird er auf sechs Minuten gestreckt. Hier mag ich den elektropunkigen Appeal des Songs sehr gern. „Duel“ wurde ebenfalls als Single veröffentlicht und ist im Grunde nichts anderes als eine „schöne“, poppige Fassung von „Jewel“ – dennoch ein richtig guter Song.
„Frozen Faces“ ist als Nummer eigentlich ganz nett, sogar richtig gut, doch wenn man die alten Maxi-Singles der Band kennt, klingt alles so wie dieser Song und bietet nichts Neues. Es ist eine Tatsache, dass viele Veröffentlichungen auf ZTT Records immer wieder remixt und in verschiedenen Fassungen neu herausgebracht wurden. So klingt auch die CD, die ich gerade zum ersten Mal höre, der Vinyl-Fassung, die ich zuletzt in den 80ern gehört habe, sehr vertraut.
„P-Machinery“ ist wirklich mein neuer Lieblingssong der Band. Im Dezember hatte ich die Single wieder auf den Plattenteller gelegt, und der Song hat mir damals richtig gut gefallen. Er klingt auch heute noch überraschend frisch. „Sorry for Laughing“ versucht, etwas düsterer zu klingen, doch der poppige Refrain setzt sich gut dagegen durch. „The Chase“ ist hingegen eine recht entspannte Synth-Pop-Nummer.
Auf der CD ist eine über zehn Minuten lange Fassung von „Dr. Mabuse“ enthalten – also die wohl bekannteste Nummer der Band in einer ausufernden Version. Ich mag den Song immer noch, doch die fünfminütige Fassung reicht mir vollkommen. Die Langfassung auf der CD ist nicht wirklich mein Fall, obwohl sie an einer Stelle fast schon etwas David Lynch-artiges hat.
Insgesamt ist dies ein gutes Synth-Pop-Album, das immer noch wirklich Spaß macht. Allerdings haben sich die meisten Sounds der Platte einfach zu stark im Gedächtnis der Hörer verankert. Wer die Band aber erst jetzt entdeckt, könnte an dem Album großen Gefallen finden. (322)

Propaganda - A Secret Wish (1985) – Vinyl Fassung
Da ich die CD bereits hier verarbeitet habe, versuche ich mich an einer kurzen Version. Da die Vinyl- und CD-Fassungen der Songs jedoch tatsächlich auch Unterschiede aufweisen, empfand ich ein schnelles Wiederhören als keineswegs unnötig.
Außerdem habe ich im Wikipedia-Eintrag zum Album gelesen, dass das Label, weil Trevor Horn an der Produktion von „Welcome to the Pleasure Dome“ gebunden war, dem Tontechniker Stephen Lipson und der Band sehr viele Ressourcen zur Verfügung stellte. So sind als Gastmusiker Steve Howe, David Sylvian, Stewart Copeland und Glenn Gregory heimlich mit dabei. Das finde ich eine ziemlich beeindruckende Gästeliste.
Eine nette Idee finde ich, den ersten Titel „Dream within a Dream“ als Komponisten nur Edgar Allan Poe zu nennen. Und der Titel klingt jetzt auch von Vinyl wirklich gut. Mit zunehmender Dauer kommt er mir mit etwa acht Minuten Länge jedoch etwas zu lang vor, da musikalisch nicht mehr viel passiert und nur das Grundthema leicht variiert wird. Aber er klingt gut, richtig gut.
„The Murder of Love“ hat einen EBM-Rhythmus, der sich aber in einen Synth-Pop-Song wandelt – wenn auch mit etwas Düsternis, aber auch einem feinen Gitarrensolo garniert. Der Song kann mich jedoch nicht ganz fesseln, da er mir insgesamt zu harmlos erscheint.
„Jewel“ ist die wilde Version des darauf folgenden „Duel“ und klingt meiner Meinung nach auf Vinyl etwas besser als auf CD – ein wirklich feiner Elektronik-Body-Punk-Song. Wie EBM passt er ja auch zur musikalischen Heimat von Propaganda (Düsseldorf). Statt wie auf CD Claudia Brücken den Text einfach herausschreien zu lassen, bleibt er auf Vinyl instrumental und endet leider nur etwas übertrieben in einem Soundgewitter.
„Duel“ mag ich schon immer als 80er-Jahre-Popsong – mehr ist der Song nicht, aber dafür ein guter seiner Art. Der eine Instrumentalpart ist einfach wirklich sehr gelungen bei diesem Song. Ihr wisst sicher, welchen ich meine, wenn Ihr ihn hört.
„P-Machinery“ hat sich in den letzten Jahren zu meinem Lieblingslied der Band entwickelt – ein perfekter Synthi-Pop-Song.
„Sorry for Laughing“ hat nochmals EBM-Anklänge und ist eher nicht so mein Fall.
„Dr. Mabuse (First Life)“ ist ein Song, von dem es im typischen ZTT-Modus natürlich eine große Anzahl von Fassungen gibt. Vom Sound her ist er ganz typisch 80er Jahre, doch man hört am Hauptrhythmus, warum man dazu ordentlich tanzen kann. Auf der LP ist die Fassung auch in der Länge gut zu ertragen und geht nicht vollständig im Effektgewitter unter. Ein Hit.
„The Chase“ ist ganz nett, aber ein Musikstück, das man nach dem Hören schnell wieder vergisst.
„The Last World“ ist so etwas wie der Abspann der Platte, aber atmosphärisch sehr gelungen.
Die Vinyl-Fassung gefällt mir deutlich besser. Besonders, dass „Jewel“ instrumental bleibt und „Dr. Mabuse“ nicht ausufernd in die Länge gezogen wird, sind eindeutige Pluspunkte der Vinyl-Veröffentlichung. Weniger ist eben manchmal mehr. (588)

Public Image Lmt. - Plastic Box (1999)
Gekauft habe ich die Plastic Box, weil ich eigentlich das Album Metal Box (das zweite Album) haben wollte. Dieses war jedoch weder als CD noch auf Vinyl bezahlbar zu finden. Plastic Box bietet einen guten Überblick über das Schaffen von PIL und ergänzt die alten Aufnahmen teilweise durch Radioauftritte und B-Seiten, lässt aber auch einige Songs weg. Die erste CD umfasst die Zeit rund um die erste LP „First Issue“ (1978) mit Bonus-Tracks und einer Auslassung sowie zwei Songs von Metal Box und zwei Fassungen von „Death Disco“. Auf der zweiten CD befinden sich weitere Songs des zweiten Albums „Metal Box“ (1979) und das komplette dritte Studioalbum „Flowers of Romance“ (1981). CD 3 beinhaltet die Alben „This Is What You Want... This Is What You Get“ (1984) und „Album“ (1986). Auf der vierten CD sind nur noch wenige Songs der späteren Platten zusammengefügt, teilweise in der Maxi-Version und als BBC-Session.
Für diesen Text habe ich nur die erste CD gehört, also alles rund um die erste Platte „First Issue“ und zum Abschluss noch „Death Disco“. Sagen wir es so: John Lydon kann einfach Punkrock und hat sicherlich immer noch Einfluss auf alle, die sich danach an Punk und Post-Punk versucht haben. Einige Songs klingen daher immer noch beeindruckend frisch. Da mich der Schreigesang von Punk- und später Screamo-Bands meist mehr nervt als gefällt (der einzig wahre aggressive Sänger, den ich schätze, ist und bleibt Kurt Cobain – hört euch „In Utero“ an, dann kann man es nur bewundern), gibt es dafür einen gewissen Abzug im Gesamteindruck. Musikalisch sind hier aber feine Stücke dabei, die recht zeitlos wirken. Zwei der bei der „Peel Session“ gespielten Stücke sind ziemlich großartig (nur „Chant“ nervt mich sehr). „Death Disco“ überzeugt mit seinem treibenden Bass. Und mit den zwei Stücken von Metal Box sind wir im Post-Punk angekommen. (99)
Pulp – More (2025)
Bisher war ich kein großer Fan von „Pulp“ – ihr Britpop störte mich im Vergleich zu Blur oder Oasis doch etwas mehr. Da jedoch alle das Comeback-Album loben, gebe ich der Band und der Platte nun eine Chance.
Bei meiner Recherche davor war ich erstaunt, dass Pulp bereits seit 1983 Platten macht und erst durch die Britpop-Welle der 90er größere Bekanntheit erlangte. Natürlich war mir bekannt, dass Jarvis Cocker das Mastermind der Band ist und vermutlich genauso bekannt wie Damon Albarn oder die Oasis-Brüder.
„Spike Island“ lässt sich als zurückhaltender Power-Pop mit einer Prise Melancholie beschreiben, entwickelt im Refrain aber auch Single-Potenzial. Cockers Stimme klingt gereift. Ein wirklich gelungener Anfang.
Auch „Tina“ überzeugt mit abwechslungsreicher Gestaltung – der Song erinnert mit seinem 70er-Charme teils an David Bowie. Dabei ist er erstklassig produziert, fein arrangiert und verzichtet komplett auf Britpop-Klischees – einfach ein wirklich guter Song.
Nach der begeisternden neuen Platte von The Mountain Goats scheint mir auch das dritte Stück „Grown Ups“ ein weiteres Album-Highlight zu sein, das ich sicher noch oft hören werde. Wie bei den Mountain Goats handelt es sich um zeitlose Musik, die tief in der britischen Musik der frühen und späten 70er verwurzelt ist. Cockers Gesang, wenn er den Rockstar gibt, erinnert mich dabei immer an Bob Geldof zu Zeiten der Boomtown Rats. Diese Musik macht wirklich großen Spaß.
Das Album ist zudem abwechslungsreich: Mit „Slow Jam“ wird das Tempo gedrosselt, die Qualität bleibt aber hoch. Dieser Song hat Pop-Song-Feeling mit einer ganz besonderen Note, vielleicht Brit-Soul.
Auch die Club-Ballade mit Orchester „Farmers Market“ ist einfach bestens gelungen.
Noch einmal zurückhaltender Power-Pop findet sich in „My Sex“. Pulp gelingt es hier, viel von der Musik aus den 70er und 80er Jahren in die Gegenwart zu transportieren, ohne altmodisch zu wirken, aber dennoch Erinnerungen an diese Jahrzehnte zu wecken.
Disco-Feeling kommt mit „Got to Have Love“ hinzu.
Zurückhaltende Stücke wie „Background Noise“ tragen ebenfalls zum Album bei. Sie besitzen häufig, nicht nur als einziges Lied, eine gewisse Chanson-Note, die gut zu den Songs passt. Ich vermute, das einst etwas Überzogene früherer Pulp-Hits war es, das mich damals abschreckte. Doch offenbar bin ich zusammen mit Jarvis Cocker gereift, denn heute mag ich das. Zum guten Pop gehört wohl auch ein Hauch Theatralik – nicht immer, aber hin und wieder.
„Partial Eclipse“ ist vom ersten Ton an zeitlos schön. Ebenso beeindruckend ist die Ballade „The Hymn of the North“ mit Chilly Gonzales.
Das Album endet ruhig und charmant mit „A Sunset“.
Diese Musik setzt gelegentlich Theatralik und Pathos ein, übertreibt es damit im Comeback-Album aber nicht, sondern dosiert sorgfältig. Insgesamt ist es eine kleine Zeitreise in eine Epoche, in der Musik noch unkompliziert und gleichzeitig anspruchsvoll war und auf große Gefühle setzte. Doch eigentlich lässt sich das auch ganz einfach so zusammenfassen: Es sind gute Songs und gute Musik. Genau das ist es – ein sehr gutes Album mit starken Liedern. (672)


The Psychedelic Furs - The Psychedelic Furs (1980)
Sehr leise beginnt das Album mit „India“, entwickelt sich jedoch schnell zu einer Alternative-Rock-Nummer. Mir gefällt das sehr. „Sister Europe“ ist ein ruhiger, angenehmer Song. Der Gesang klingt hier mehr als nur leicht nach Bowie, wenn auch etwas rauer. Auch dieser Titel gefällt mir sehr. Dass es sich jetzt eher um melancholischen Rock statt um Rock mit Punk-Anklängen handelt, gefällt mir gut. „Imitation of Christ“ klingt musikalisch wie R.E.M., gesungen von jemandem, der viel erlebt, getrunken und geraucht zu haben scheint. Auch dieser Song spricht mich an. Bei „Fall“ kommt ein Funk-Bass hinzu, das Saxophon dröhnt, dazu gesellt sich ein eher punkiger Gesang — der klingt jetzt wie bei Sleaford Mods (genau so klingt der Sänger auch, jetzt habe ich es!). „Pulse“ erhöht noch einmal das Tempo und ist nun echter Punk. „We Love You“ macht gute Laune, und Alternative-Rock-Fans tanzen ebenso dazu wie der freundliche Punker von nebenan. Das Saxophon ist ein wirklich gelungener Bestandteil der Musik von „The Psychedelic Furs“. Meiner Meinung nach erinnert das nicht sofort an „Roxy Music“, da diese eher in Richtung Disco und Club gehen. Atmosphärischen Post-Punk bietet „Wedding Song“ — richtig gut. „Blacks/Radio“ bringt noch einmal Punkrock, ebenso wie „Flowers“. Auch hier hat sich das Hören und Entdecken gelohnt. In der Vergangenheit liegen viele Schätze vergraben – das sage ich ja immer wieder. Der Bonustrack „Susan´s Strange“ lohnt sich ebenfalls – eine weitere etwas rauere Alternative-Rock-Nummer, bei der man gut hört, wie weit die Band ihrer Zeit voraus war. Viele Bands, die Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre in diesem Stil experimentierten, klangen kaum anders. Gleiches gilt für „Soap Commercial“, das noch einmal stark an Sleaford Mods erinnert. „Mack the Knife“ ist erneut Rock mit einer spannenden Melodie. Den Abschluss bildet eine Demoversion von „Flowers“. (112)