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Danzig – Danzig (1988)

Da ich mich, wie hier schon oft erwähnt wurde, erst in den späten 80er Jahren intensiver mit härterer Rockmusik beschäftigt habe, gehört dieses Album sicherlich zu meinen frühen Erfahrungen im Metal-Genre und zählt wohl zu den unauslöschlichen Alben in meiner ewigen Top 20 der „Heavy-Hitliste“. Eigentlich bevorzuge ich eher die „alternativen Hard-Rock-Welten“ als den klassischen Metal, von dem ich aber auch nicht wirklich viel kenne. Dennoch zähle ich dieses Album mit seiner Mischung aus Heavy, etwas Bluesrock und Punk zum nicht klassischen Heavy Metal, auch wenn es vor allem Heavy Metal ist und wohl ganz Wacken problemlos zum Tanzen bringen würde.

Das Songmaterial ist richtig gut – es rockt, wirkt teils dystopisch, manche nennen es sogar teuflisch, ist auf sehr einfache Weise melodiös und überzeugt von Anfang bis Ende. Egal ob bei „Twist of Cain“, „Not of this World“ oder „She Ride“, den ich neben „Mother“ immer als eines der besten Stücke in Erinnerung habe. „Soul of Fire“ rockt genauso gut wie „Mother“ und hätte mich wie dieser jedes Mal auf die Tanzfläche einer Oberhausener Disko von den späten 80er bis in die späten 90er Jahre gezogen. „Am I Evil“ ist noch eine Stufe härter, aber irgendwie sagt mir der Song trotz der starken Gitarrenarbeit nicht ganz so zu.

Daran schließt „Mother“ an. Der Song gehört für mich einfach zu den ganz wichtigen Stücken in meiner ewigen Bestenliste, da es kaum einen Diskobesuch in Oberhausen gab, bei dem ich nicht zu diesem Titel tanzen konnte. Egal ob MCR, Daddy, Blue Moon oder Raskalnikov – „Mother“ war immer dabei. Ein weiteres Lied, das ich ähnlich schätze, ist „Vagabounds“ von New Model Army. „Mother“ bleibt für mich ein einfach guter Rocksong, der mich jedes Mal aufs Neue mitreißt.

Bei „Possession“ gefällt mir die eher schlichte Darbietung von Glenn Danzig, dem ehemaligen Sänger der Misfits, nicht ganz so gut – vielleicht trifft der Song einfach nicht meinen Geschmack. Das sehr atmosphärisch beginnende „End of Time“, das dann schnell an Härte gewinnt, entspricht hingegen eher meinem Stil. Rhythmus, Gitarrenarbeit und das Gesamtbild stimmen hier.

Mit „The Hunter“ geht es gradlinig weiter – das ist wirklich klassischer Heavy Metal. Und mit „Evil Thing“ rockt das Album kraftvoll zum Abschluss.

Sicherlich ist dieses Album in der ersten Hälfte stärker, und nach „Mother“ lässt die Kraft etwas nach. Dennoch ist das bereits Heavy Metal auf sehr hohem Niveau und bleibt deshalb auch in meiner ewigen Heavy-Hitliste weit vorn. (436)

Dapayk & Padberg - Sweet Nothings (2012)

Das Elektro-Duo und Ehepaar Niklas Worgt und Eva Padberg machen auf „Sweet Nothings“ elektronische Musik mit und ohne Gesang – und das, wie ich finde, richtig gut. Der Sound ist gelungen, die Melodien sind treibend und tanzbar, die Songs meist entspannt, mit darübergehauchtem oder gelegtem Gesang. Bisher habe ich keinen schlechten Song von dieser CD in meiner Playlist entdeckt. Mal sehen, ob ich sie komplett durchhören kann.

Bei „Too Lazey“ singen die beiden gemeinsam zu durchaus tanzbaren Klängen aus den Bereichen Deep House, Dubstep oder Drum and Bass. (Ich kenne mich mit der Einordnung elektronischer Clubmusik kaum aus – für mich ist das entweder Clubmusik zum Tanzen, entspannter Sound zum Chillen oder elektronische Musik, die zum Hören und Entdecken einlädt, oder eben eintöniger und nerviger Techno. Manchmal mischen die Künstler diese Stile gerne.) Auch bei „Play“ lädt der Beat direkt zum Tanzen oder zumindest zum Mitwippen auf dem Stuhl ein. Die Auswahl der Beatklänge finde ich bei Niklas Worgt sehr gelungen – es sind keine Sounds, die man schon zu oft gehört hat. Und was ich immer wieder betone, wenn es zutrifft: Die Stücke halten ihre Länge durch. Das heißt, trotz längerer Laufzeit bleiben sie abwechslungsreich gestaltet.

„Sweet Nothings“ ist ruhiger, aber auch nur im Ansatz, denn unter den chilligen Glockentönen tauchen schnell gute Tanztakte auf. Trotzdem ist der Song entspannter als die beiden vorherigen, ohne die Lust zum Tanzen zu brechen. Mit echtem Techno-Beat, jedoch wieder mit elegant hinzugefügten Elementen, bietet „Fluffy Cloud“ eine steigende Intensität, die zwar langsam anzieht, aber wenn man erst einmal im Rhythmus gefangen ist, lässt einen der Song nicht mehr los. Etwas poppiger und verspielter klingt „Endless Game“. Einen kleinen Durchhänger habe ich beim Hören von „The Sun Came Up“ – da wird es mir etwas zu einfach (als Einzelsong hat der Titel aber mal funktioniert).

Zwischenspiel: „Razorskit“ erinnert mich an Orbital. „Berlin Summer Nights“ hatte ich erst vor Kurzem zum ersten Mal gehört und fand den Song ausgesprochen mitreißend. Auch jetzt ist es wieder eine schöne, chillige Clubtanznummer. Etwas Kraftwerk-Feeling kommt bei den Klängen von „Take This Scissors“ auf, und der Song gefällt mir richtig gut. Eine ganz tolle Nummer ist „Backyard“. Dieser Song geht zwar schon fast in Richtung Pop, doch wenn Pop so wäre, würde ich mehr hören. Ebenfalls eine gute, poppige Dancefloornummer ist „Continental Drift“. Und bevor ich es vergesse – als singendes Fotomodell macht Eva Padberg ihre Sache richtig gut. Man sollte eine Person ja auch nicht auf nur eine Tätigkeit beschränken. Mit dem weiteren coolen Dancefloortrack „Driveby Beauty“ endet das Album.

So mag ich meine elektronische Tanzmusik. (264)

Julian Dawson – Move over Darling (1998)

Gefühlt seit sehr langer Zeit höre ich die Musik von Julian Dawson. Zum ersten Mal habe ich ihn in einer WDR-TV-Show mit Jürgen von der Lippe als musikalischen Gast kennengelernt. Das Album „The Luckiest Man in the Western World“ kaufte ich damals, und Julian Dawson begegnete einem, wenn man sich auch für die Musik von BAP interessierte, irgendwie Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre immer wieder – er war Teil der Kölner Szene geworden. Dann gelang ihm mit „How Can I Sleep Without You“ und der CD „Fragile as China“ der Durchbruch mit einer Solotournee und einem ausverkauften Konzert im Kölner E-Werk.

Irgendwann wurde es ruhig um ihn, doch Julian Dawson tourte weiterhin mit Band, solo und als Mitglied von Ian Matthews' Plainsong. Danach wurde es erneut etwas stiller um ihn, aber durch seine regelmäßigen Konzerte in der Stadt Kempen, wo er einst als junger Familienvater wohnte, blieb er dennoch präsent. Da Julian bei seinen Auftritten gerne viel erzählt, erfuhr man auch, dass er ein Buch über Nicky Hopkins verfasst hat. Kein Geringerer als Spencer Davis bat ihn sogar, ein ähnliches Buch über sich zu schreiben. Außerdem kann Julian Dawson auch viel über Dan Penn erzählen, der auf zwei Songs des Albums mitwirkte.

Bei Live-Auftritten spielt Dawson neben eigenen Songs gerne auch bekannte und unbekannte Stücke seiner persönlichen musikalischen Helden. Er verfügt offenbar über ein schier unendliches Repertoire.

„Move over Darling“ ist ein akustisches Album, das Julian Dawson größtenteils zusammen mit seinem Produzenten Steuart Smith eingespielt hat. Bei vier Songs spielt Richard Thompson Gitarre. Außerdem sind bei drei Songs The Roaches, Mark Hohnson und Stewart Lerman zu hören.

Neben Eigenkompositionen finden sich drei Coverstücke auf der Platte: „Move over Darling“, „All the King’s Horses“ und „It’s Not Time Now“.

Den Song, den ich mir bei jedem seiner Konzerte wünsche, ist „If I Needed Rain“ – ein grandioses, unaufdringliches und doch so eindringliches Singer-Songwriter/Americana-Stück, für mich ein Lied für die Ewigkeit. Es ist ein eindeutiger Beweis dafür, welch großartiger Songschreiber Julian Dawson ist. Und mit diesem wunderschönen Americana-Stück eines Engländers beginnt das Album.

Der Titelsong „Move over Darling“ ist eine Covernummer, die ursprünglich für Doris Day geschrieben wurde. In Julian Dawsons Interpretation hat sie zwar immer noch den Charakter eines Evergreens, wirkt aber mit einem Hauch von Folkfeeling weniger kitschig und eher lieblich.

Das Album enthält viele Songs, die eine starke weibliche Perspektive einnehmen oder Männergeschichten erzählen, die ebenfalls von Beziehungskonflikten geprägt sind. Textlich ist „Every Tear’s a Weapon“ sicherlich so ein Stück, und diese feinen, modernen Rock’n’Roll-Schlager sind wohl auch der Grund, warum gerade Frauen Julian Dawsons Musik so mögen. Bei seinen Konzerten habe ich oft den Eindruck, dass Frauen deutlich in der Überzahl sind. Dabei hat Julian Dawson selbst einmal von sich behauptet, in Beziehungssachen ein Problemfall zu sein. Doch so etwas kann ja auch anziehend wirken.

Zusammen mit seinem Idol Dan Penn schrieb er „Waiting for the Moon“, das im Country-Folk-Stil besonders schön klingt.

Die Liebe zur amerikanischen Songkultur zeigt sich auch in „It Came from Memphis“. Country, Rock’n’Roll und eine Hymne auf Elvis, Blues und Roots-Musik prägen den Song.

„All the King’s Horses“ stammt im Original von Aretha Franklin. Julian Dawson macht daraus einen leichten, ruhigen Folk-Gospel-Song – sehr elegant.

Ein typischer Julian-Dawson-Song ist „Ghost of His Own Name“. Hier hört man den Stil des Songwriters deutlich heraus, und man spürt, dass sich hinter der akustischen Fassade ein kraftvoller Rock-Pop-Song verbergen könnte. Solche Songs beherrscht er sehr gut.

Sehr schön, vielleicht etwas nah am Kitsch, aber mit einer eingängigen Melodie versehen, ist „Locked out of Paradise“.

Auf dieser CD klingen die neuen Songs auch nach Oldies – man kann kaum glauben, dass „Never Take a Fall“ nicht schon ein Genre-Klassiker ist. Eine wundervolle Akustik-Ballade.

Die dritte Covernummer ist „It’s Not Time Now“, zuerst von The Lovin’ Spoonful aufgenommen.

Eine echte Meisterleistung ist der Song „Pilgrims“, der auch auf einem Plainsong-Album verwendet wurde. Dieses sanfte Singer-Songwriter-Folk-Stück stimmt einfach in jeder Hinsicht. Ein Lied für die Ewigkeit.

Ein weiterer typischer Julian-Dawson-Song ist „Action Man“. Bei diesem Stück kann man aber auch meinen, dass er sich ein wenig zu viel selbst kopiert. Außerdem gibt es viele Songs, die bei Julian Dawson in seinen Solo-Shows live sehr gut ankommen, auf der Platte aber doch nicht ganz so funktionieren wollen.

Die sanfte Singer-Songwriter-Ballade „There’s More to Love“ beendet das Album.

Live gefallen mir diese Songs meist noch etwas besser – wohl auch, weil Julian Dawson dort ein guter Unterhalter ist. Auf der Platte sind mit „If I Needed Rain“ und „Pilgrims“ jedoch zwei seiner besten Stücke zu finden. Der Rest präsentiert Singer-Songwriter-Musik im sanften Gewand eines Musikers mit viel Erfahrung und Wissen über das, was er tut. Ich bewundere außerdem, dass Julian Dawson einfach immer weitermacht und nicht nur versucht, seine Musik an Frau und Mann zu bringen, sondern uns auch immer wieder die Ohren für die Musik seiner eigenen musikalischen Helden öffnet. (700)

Dirk Darmstaedter – Circumstances (2022)

Dirk Darmstaedter hat beeindruckende 26 Alben – sowohl solo als auch mit anderen Musikern – veröffentlicht. Sein größter Erfolg ist wohl der Song „Brand New Toy“ vom ersten Album der Jeremy Days. Auch auf den ersten beiden Alben der Jeremy Days befinden sich zahlreiche Stücke, die ich bis heute zu meinen Lieblingssongs zähle. Nach der Auflösung der Jeremy Days setzte er seine Karriere solo unter dem Namen „Me and Cassity“ sowie unter eigenem Namen fort. Außerdem nahm er zwei Alben mit Bernd Begemann auf.

Kurz vor der Pandemie unternahm er mit den Jeremy Days eine Reunion-Tour, die recht erfolgreich verlief. So kam 2021 überraschend ein neues Jeremy Days-Album heraus – selbst ich, ein echter Fan der Band, hatte davon zunächst nichts mitbekommen. Die dazu geplante Tour musste jedoch wegen zu geringer Ticketverkäufe abgesagt werden.

Die Songs auf dem Album „Cirumstances“ wurden teilweise bereits in den letzten zwei Jahren auf Streaming-Plattformen veröffentlicht, allerdings ohne große Resonanz. Mit „Cirumstances“ versucht er nun einfach, ein Album herauszubringen, ohne dafür – abgesehen von seiner eigenen Plattform – Werbung zu machen. Den physischen Tonträger gibt es ausschließlich in seinem Shop zu kaufen, dabei natürlich handsigniert und mit einem persönlichen Dankeschön für den Käufer.

Kommen wir nun zum Inhalt der Platte, die der Musiker bis auf wenige Ausnahmen alleine eingespielt und produziert hat. Unterstützung erhielt er lediglich von Lars Plogschties an den Drums und von Ben Schadow, der bei einem Song Bass und Gitarre spielte.

„Colourblind“ verführt mit seinem sanft schönen Klang direkt das Ohr des Hörers und ist ein gelungener Auftakt. Melancholische Töne prägen den zweiten Titel „Signal Lights“. „The Same“ ist ein typischer Darmstaedter-Song – gereifte Singer-Songwriter-Musik, irgendwo zwischen Pop, Americana und Rock. „Mars“ überzeugt von Anfang bis Ende als besonders schön arrangiertes Stück. Auch „Skipping Stones“ ist ein weiterer Einschmeichler mit gelungenem Arrangement. „Take a Win“ und „Lesser Things“ nehmen den Zuhörer ebenfalls gefangen.

Mit „The Circumstances“ folgt ein weiterer Höhepunkt des Albums. „Seven Eleven“ wurde gemeinsam mit Ben Schadow komponiert und eingespielt. „Castles“ und „Sad Ghost“ runden den rundum gelungenen Eindruck ab.

Dirk Darmstaedter bleibt damit ein unermüdlicher Kämpfer für das Schöne und Gute. Dafür danke ich ihm. Bitte nicht aufgeben! Dieses unkompliziert herausgebrachte Soloalbum hinterlässt bei mir mehr Spuren als das letzte Werk der Jeremy Days. (48)

Data Pop Vol:001 (2001) – Eine Compilation der Zeitschrift Spex

Die Data Pop Compilation der Spex scheint damals eine eigenständige Veröffentlichung gewesen zu sein, die nicht als Beilage zur Zeitschrift mitgegeben wurde. Auf jeden Fall konnte ich diesbezüglich keine anderen Hinweise finden, und die aufwendigere Hülle der CD im Jewelcase lässt dies ebenfalls vermuten.

Data Pop war in der Spex die Kolumne zur elektronischen (Techno-)Musik von Tobias Thomas. Daher stammt der Titel der CD und wohl auch das Bekenntnis, dass es sich bei der Zusammenstellung weniger um Indie-Musik, sondern eher um einen Sampler mit rein elektronischer Musik handelt. Ein Blick auf die Trackliste, die mir überwiegend wenig bekannte Namen zeigt, offenbart jedoch, dass auch Blumfeld, Phönix und The Notwist auf dem Sampler vertreten sind. Der einzige weitere Name, der mir musikalisch vertraut ist, ist Justus Köhnike. Die übrigen vertretenen Musiker und Bands sind mir weitgehend unbekannt. Genau das schätze ich an Samplern: Man kann viel Neues entdecken – oder auch eben nicht.

Mit entspannten Ambient-Tönen von Turner und dem Stück „Gopher“ beginnt die Compilation. Der Song entwickelt sich zu einem feinen Electronica-Stück, das mir sehr gut gefällt. Eine Mischung aus Electronica und Indiepop bietet „Your Love is like the Morning Sun“ von Justus Köhnike – ein feiner Sonntagsmorgen-Song. Bisher findet sich auf dem Sampler eher entspannte elektronische Musik, und das finde ich gut. Harte Bassbeats sind etwas für die Tanzfläche, groovender Sound und Wärme ausstrahlende elektronische Musik hingegen eignet sich bestens zum Zuhören zu Hause. So ist auch „(Water) Phone“ von Safety Scissors etwas für Fans entspannter Elektronik, wie sie auch Erlend Øye praktiziert und präsentiert.

Ein bisschen mehr im Indie-Elektronik-Pop-Bereich bewegt sich „Don't Think“ von Lali Puna. Der Song mit seinem Post-Punk-Feeling könnte genauso gut erst vor zwei Tagen aufgenommen worden sein. Tatsächlich hat sich der Sound in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Ein toller Song, der durch das Trip-Hop-Schlagzeug noch bereichert wird.

Es folgt „Suddenly“ von Herbert – auch hier begegnet einem ein lockerer, leichter Indie-Groove mit angenehmem Soultouch. Möglicherweise ist das Two Step; ich kenne mich in den Unterarten elektronischer Tanzmusik noch nicht sehr gut aus. Die Kompilation ist bis hierhin schon fein zusammengestellt und überrascht mich mit einer Auswahl eingängiger, unaufdringlicher, aber sehr sanfter und angenehmer Songs. Da alles jedoch eher im Ambient-Chill-Modus vor sich hinplätschert, kann es auf Dauer etwas langweilig werden. Wie ich immer schreibe: Als Einzelsongs sind die Stücke gut, aber hintereinander gespielt wirkt das Ganze schnell eintönig. „Tomorrow“ von Superpitcher ist ebenfalls ein sehr guter Song, keine Frage, doch weil er im Einheits-Tempo an sechster Stelle der CD steht, reiht er sich eher als sechster guter Song ein, der auf ähnliche Weise wirkt wie die vorherigen.

Daher ist es gut, dass der nächste Titel im Trip-Hop-Modus ziemlich gut funktioniert: „Nowehre bei mir“, und ich bin sehr überrascht, dass er von Blumfeld stammt. Gibt es also doch noch gute Blumfeld-Songs, die ich nicht kenne und die nicht durch Jochen Distelmeyers Texte zum unhörbaren poetischen Schlagerpop verkommen sind.

„Nugita“ von Hausmeister klingt ein wenig nach brasilianischer Musik, besticht aber durch eine ganz eigene, schwerelos leichte Dynamik. „Megarave“ ist eher minimalistisch im Minimal-Techno-Bereich und etwas zu spät dran, um mit lauteren Beats zu punkten. Von The Notwist folgt „Neon Golden“ im Console Remix. Ihr solltet langsam wissen, dass ich Console und The Notwist sehr mag. Obwohl der Titelsong des großartigen Albums „Neon Golden“ nie zu meinen Lieblingsstücken der Band gehörte, kommt er im Remix stark verändert und mit ordentlich Wumms daher – Rock und Elektronika verbinden sich zu einem sehr gelungenen Remix, der dem Song ein neues Soundgerüst verleiht.

„Perfect Lovers“ von Ghost/Phantom haut nicht gerade um. Manchmal gibt es diese „naiven“ elektronischen Songs, die an die Simplizität und Naivität vieler Lieder der Neuen Deutschen Welle erinnern – dieser Song ist so einer. Ich glaube, ohne Gesang würde er besser wirken.

Oh Gott – der Disco-Pop von „Bizarre Love Triangle“, einem New Order-Song, in der Fassung von Commercial Breakup feat. MJ Lan, ist kaum zu ertragen – das tut schon in den Ohren weh. Schnell weiter zu Phoenix: Den Song „Too Young“ gibt es im Zoot Woman Remix. Hier passen Remixer und Band sehr gut zusammen. Ich mag ja den entspannten Pop von Phoenix. Der letzte Song der Zusammenstellung von Tobias Thomas ist ein wundervoll entspannter, fast akustisch klingender Titel von Jan Potzek mit dem Namen „Weissgold“.

Bis auf einen totalen Fehlgriff ist diese Zusammenstellung Fans guter, leichter elektronischer Musik zu empfehlen. Wer es chillig und im Electronica/Ambient-Stil mag, kommt mit diesem Sampler voll auf seine Kosten. Gleichzeitig erinnert sie an die Zeitschrift „Spex“, die ich vermisse, und an die Zeit, als einer Musikzeitschrift noch eine CD mit „neuer Musik“ zum Entdecken beilag. Dadurch habe ich viel Neues gefunden. Heute, da es diese Zeitschrift nicht mehr gibt, muss ich auf Spotify zahlreiche Alben probehören – das geht auch, aber Musikzeitschrift plus guter CD-Kompilation war schon etwas Besonderes. Nicht alles, was das Internet vernichtet hat, hat es verdient, vernichtet zu sein. (459)

Dawes – Misadventures Of Doomscroller (2022)

Dawes ist eine Folk-Rock-Band, und ihr Album „Stories don’t End“ aus dem Jahr 2013 ist ihr erfolgreichstes Werk. Musikalisch erinnert es stark an die Musik von Jackson Browne und den Singer-Songwriter-Sound aus Los Angeles.

Anschließend wechselten sie gelegentlich den Produzenten und experimentierten mit ihrem Sound. Dadurch blieben zwar große Charterfolge aus, doch an ihrem Mut zur Veränderung änderte sich nichts. Auf „Misadventures of Doomscrollers“ werden ihre sonst eher kurzen Songs plötzlich länger und durch ausgedehnte instrumentale Passagen erweitert. Dennoch bleiben sie immer wieder dem Sound des Laurel Canyon treu.

Dem Singer-Songwriter-Rock bleiben sie ebenfalls verbunden, wie schon bei „Someone Else Café/Doomscroller Tries to Relax“, das an den Retro-Rock der 70er Jahre erinnert. Dieser klingt entspannt, lässig und macht Spaß. Das Fusion-Jazz-Rock-Instrumental in diesem Stück ist wirklich gelungen. Zurzeit mag ich Retro-Genres sehr, egal ob Psychedelic, Disco oder Post-Punk. Die Musik der Vergangenheit bietet einfach zu gute Vorlagen, um daraus nichts Neues zu schaffen. Auch „Comes in Waves“ bleibt diesem Sound treu: sanfter West-Coast-Rock, der wie aus der Zeit gefallen, aber dennoch im Hier und Jetzt angekommen wirkt. Positiv ist, dass der Sound eher Rock ist und nicht wieder in Americana und Folk verwurzelt – denn davon habe ich in letzter Zeit wohl schon fast zu viel gehört. So finde ich diesen sanften Rock ohne Country-Einschlag wirklich angenehm und einschmeichelnd. „Everything in Permanent“ ist ebenfalls gelungen. Wer früher viel die Eagles, Crosby, Stills and Nash und Co. gehört hat, könnte vielleicht sagen: „Alles schon gehabt und gehört.“ Da ich nicht zu diesen zähle, macht es mir dennoch Spaß.

Bei „Ghost in the Machine“ zieht die Rhythmusgruppe das Tempo deutlich an, und die Gitarren erinnern an die frühen Alben von Chicago. Der Tempowechsel kommt genau zur richtigen Zeit, da die vorherigen Songs doch recht ähnlich klangen.

Ruhiger wird es wieder bei „Joke in There Somewhere“. Das abschließende Stück „Sounds That No One Made/Doomscroller’s Sunrise“ rundet das Album elegant ab.

Jeder einzelne Song ist sehr gut. Auch wenn es nur sieben Stücke sind, fehlt es dem Album wie schon bei „Stories don’t End“ etwas an Abwechslung. Dennoch ist der Sound von Dawes durchweg gekonnt. (334)

Brigid Dawson and The Mothers Network - Ballad of Apes (2020)

Brigit Dawson ist Mitglied der Oh Sees und hat bereits mit Ty Segall sowie den Sunwatchers zusammengearbeitet. Nun hat sie sich auf Solopfaden begeben und beginnt ihr Album mit dem verträumten Psychfolk-Song „Is the Season for New Incarnation“. Der Gesang bleibt dabei sanft und verträumt, während der Bass bei „The Fool“ einen etwas rockigeren Rhythmus erhält. Größtenteils schlägt die Musik jedoch weiterhin die Richtung Singer-Songwriter-Hippie ein, wie sie auch vor fünfzig Jahren so gesungen und gespielt hätte werden können. Diese Musik eignet sich perfekt zum entspannten Chillen an sommerlichen Tagen im Freien, um das Leben ganz locker zu genießen. Das ändert sich auch bei „Carletta´s in Hats Again“ nicht. Psychfolk-Freunde, die es ruhig mögen, werden diese Platte besonders schätzen.

Mit „When My Day of the Crone Comes“ gelingt Brigit Dawson ein wirklich feiner Lo-Fi-Folksong. Der Titelsong „Ballet of Apes“ ist deutlich von der Liebe zum Jazz und zur Musik von Nina Simone geprägt. Dabei erzeugt sie mit möglichst einfachen Mitteln eine sehr dichte Atmosphäre und Spannung, die sich bis zum Ende des Stücks hält. Den Jazz hält sie nicht nur im Titel „Heartbreak Jazz“ präsent. Dort verbindet sich der Jazz mit dem Psychrock der frühen Stücke. Das Album endet mit „Trixxx“, das noch einmal harmonisch und sanft klingt.

Dieses Album richtet sich sicherlich nicht an ein breites Publikum, doch Psychfolk- und Dreampop-Fans werden an diesem zeitlos wirkenden Werk sicher große Freude haben. (381)

Dead Guitars – Shelter (2015)

Nachdem ich die Band „Twelve Drummers Drumming“ erfolgreich für mich wiederentdeckt hatte, wollte ich wissen, was die Bandmitglieder danach noch gemacht haben. Zwei Mitglieder von Twelve Drummers Drumming, Peter Brough und Ralf Assem, gründeten zusammen mit dem Sänger Carlo van Putten die Band Dead Guitars. „Shelter“ ist das letzte Album der Band, danach machten sie in den Formationen „White Rose Transmission“ und „Wide“ weiter Musik.

Das erste Stück „Heaven Seven“ ist richtig gut und dürfte Fans von Bands wie Marillion sowie alte New-Wave-Fans sehr erfreuen. Schöner, eingängiger Rock – für einen Indie-Rock-Akt, dessen meisten Fans in Mönchengladbach beheimatet sind, ist die Produktion schon beeindruckend und braucht sich vor internationalen Acts nicht zu verstecken. Eine tolle Nummer.  
Der zweite Song klingt wie eine Mischung aus Editors (bevor sie elektronischer wurden) und den Jeremy Days – somit trifft „Happy Sad“ genau meinen Geschmack.  
Für Progrock-Fans gibt es „Half Light/Hangout in Heaven“. Es folgt die Rock-Ballade „I Surrender“. „Bullet Proof“ präsentiert sich als leichte Indie-Rock-Nummer und ist etwas für Fans harmonischen Alternativrocks in der Tradition von Teenage Fanclub.

Da die Songs nicht nur richtig gut, sondern auch abwechslungsreich sind, sammelt Dead Guitars hier viele Pluspunkte bei mir. Ich werde ganz sicher nachhören, welche Musik auch „Wide“ und „White Rose Transmission“ machen – versprochen.

Gegenüber dem leichten Track „Bullet Proof“ bewegt sich „Mona Lisa“ eher im düsteren Post-Punk-Modus. Mit den ganzen Stilwechseln macht die Band wirklich Musik für viele Geschmäcker. Bei „Wooden Head“ klingen die Gitarren wieder freundlicher, die Musik ist erneut gehobener Indie-Rock. Man darf bei der Band einfach nicht vergessen, dass hier Jahrzehnte an Erfahrung als Musiker versammelt sind – und das hört man meiner Meinung nach auch.  
Mit softem Prog-Rock-Charme folgt „Mandy‘s House“. Danach wird bei „Love Rules“ nochmal fester gerockt – auch irgendwie proglastig –, aber diese Nummer sagt mir nicht ganz so zu. Das sanft melancholische „Traffic Lane“ zum Abschluss gefällt mir dagegen besser.

Nachdem das Wiederentdecken von „Twelve Drummers Drumming“ mit ihrem zweiten Album schon viel Spaß gemacht hatte, erscheint mir auch die Weiterentwicklung einiger Bandmitglieder als „Dead Guitars“ durchaus beeindruckend. So macht „Musik nachforschen“ richtig Spaß. Wirklich gute Platte. Tipp. (419)

Dear Reader - Rivonia (2013/Vinyl)

Indie-Folk-Pop mit Chorgesängen und viel ungestümer Kraft dahinter. Die damals in Berlin lebende südafrikanische Musikerin Cherilyn MacNeil präsentiert mal folkig-poppige, dann fast symphonische Lieder voller großer Emotionalität. Zum Glück sind diese stets abwechslungsreich und damit niemals langweilig. Schwungvoll und schön. (4)

Dekker – Slow Reveal (2019 – Tourausgabe)

Brookln Dekker ist der eine Part des Duos Rue Royale. Während seine Frau mit dem Mutterdasein beschäftigt ist und somit für Rue Royale wenig Zeit hat, begab sich Brookln auf Solopfaden. Über Bandcamp veröffentlichte er Musik, ging auf Wohnzimmertour und gewann mit vielen Livestreams während der Coronazeit ein neues Publikum. Es folgten Festivalauftritte. Neue Musik gibt es exklusiv von ihm auf Bandcamp, bei Tourneen und in seinem Shop. Die CD-Variante, die ich von „Slow Reveal“ besitze, ist die „Selbstgemachte“, die er auf seiner Wohnzimmertour Ende 2019 verkauft hatte.

„Tethered, Wrapped Around“ ist eine sehr schöne, ruhige Indie-Soul-Nummer. „No Standing Still“ könnte auch ein Rue Royale-Song sein: gefühlvoller Singer/Songwriter-Indiepop, bei dem man den feinen Soul in Brookln Dekkers Stimme deutlich hört. Schöner Indie-Folk findet sich in „Feel It“. Das sind einfach feine, gute Melodien, die einen mitnehmen und selbst bei eher ruhigem Songmaterial sehr gut unterhalten. Seine Variationen der Stimme, die er sehr gut beherrscht und einsetzt, tragen zum guten Gesamteindruck bei. Zudem ist er ein sehr guter Songautor – Stücke wie „This Here Island“ funktionieren auch mit wenig Instrumenteneinsatz wunderbar. Songs wie „I Follow My Feet“ könnten gut zu einer neuen Rue Royale-Platte gehören. Sanfter Indie klingt in „Difficult T Gauge“ an. Wieder mehr Singer/Songwriter-Folk findet sich in „Becoming, Become Me“. „Unwavering Routine“ und „A Pardon, A Transcendental Way“ verströmen bereits etwas Prog-Rock, allerdings auf sanfte Weise. Wieder mit schöner Akustikgitarre kommt „Unknown In The City Of Archers“ daher. Sanfter Abschluss ist „Maintain“.

Dekker bietet feinsten, nuancenreichen Indie-Folk und überzeugt dabei durchweg. (221)

Depeche Mode - Speak and Spell (1981)

Seit Dezember 2022 setze ich mich mit meiner musikalischen Vergangenheit auseinander, dabei komme ich auch an Depeche Mode nicht vorbei.

Depeche Mode war Geschwistermusik. Meine Schwester besaß alle Platten und hörte die Band auch regelmäßig. Später gingen die meisten Maxis in meinen Besitz über – nicht jedoch die frühen Alben, die sich jemand anderes gesichert hatte. Deshalb beginne ich jetzt mit dem Wiederentdecken.

„Speak and Spell“ ist das einzige Album mit Vince Clarke, der die meisten Songs schrieb und später mit Yazoo weitermachte. Der komplett elektronisch erzeugte Synthesizer-Sound wirkt heute auf mich teilweise eher „drollig“, zumal einige Stücke mehr vom Rock’n’Roll als vom New Wave geprägt sind. „No Disco“ zeigt bereits den typischen Yazoo-Sound. „Photographic“ gefällt mir, allerdings wirkt der Refrain leider etwas störend.

„Tora! Tora! Tora!“ und „Big Muff“ stammen aus der Feder von Martin Gore. „Big Muff“ überzeugt als Instrumentalstück, bei dem die an Kraftwerk erinnernden Sequenzer sehr angenehm klingen. „Any Second Now“ besticht durch seine Schlichtheit. An den ewigen Synthie-Pop-Hits „New Life“ und „Just Can’t Get Enough“ kommt man einfach nicht vorbei. Sie sind zwar gealtert, bieten aber immer noch ein mitreißendes Erlebnis. Für den internationalen Markt gab es zusätzlich den Song „Dreaming of Me“ und zwei B-Seiten, „Ice Machine“ und „Shout“. „Ice Machine“ ist dabei überraschend gut. (57)

Depeche Mode – A Broken Frame (1982/ Ausgabe CD + DVD 2009)

Ohne Vince Clarke, der zu „Yazoo“ wechselte, nahmen Depeche Mode als Trio ihr zweites Album auf.  
Die Musik zeigt bereits mit dem ersten Stück „Leave in Silence“ einen schwermütigeren Grundton als der Rock-’n’-Roll-Synthie-Pop des Debüts. „My Secret Garden“ ist ein erstes Highlight. Der Sound klingt zwar rein elektronisch, ist aber gut durchdacht und für 1982 technisch auf dem neuesten Stand. So funktionieren die Nummern wie „Monument“ und das instrumentale „Nothing to Fear“ als Elektro-Post-Pop sehr gut.  
„See You“ ist wieder mehr eine Popnummer mit frühem Rock-’n’-Roll-Appeal – als Single-Material durchaus erlaubt.  

Ruhiger und mit einem Hauch Reggae- und Dubsound kommt „Satellite“ daher. „Meaning of Love“ ist bester Synth-Pop mit Ohrwurmgarantie – hier gefällt mir auch der eher fröhliche, positive Grundton. „A Photograph of You“ – es muss ja auch mal einen weniger guten Song geben.  
Das komplexere „Shouldn’t Have Done That“ und „The Sun and the Rainfall“ runden das Album ordentlich ab.  
Als Elektronik-Pop-Album funktioniert diese zweite Arbeit von Depeche Mode gut und gefällt mir wesentlich besser als das Debüt. Viel von dem, was „Depeche Mode“ ausmacht, ist hier schon zu finden. Ein Wiederhören hat sich nach vielen Jahren wirklich gelohnt, denn nicht nur die Singleauskopplungen lohnen das Zuhören.  

Als Bonus bietet die DVD eine fast 30-minütige Dokumentation über diese Phase sowie einen Audio-Livemitschnitt mit sechs Songs. Gerade diese Livemitschnitte fand ich schon früher sehr gut, als sie auf Maxisingles erschienen sind. Live hat Depeche Mode für eine Elektronik-Band eine besondere Ausstrahlung. (71)

Alabaster DePlume – Come with fierce Grace (2023)

Aufgenommen in derselben Session wie das Vorgängeralbum „Gold“, improvisiert der Jazz-Alt-Saxophonspieler Alabaster DePlume (bürgerlicher Name Angus Fairbairn) gemeinsam mit 20 Musikern zwölf Stücke, an denen alle Beteiligten als Komponisten mitwirken.

Mich begeistert direkt das Eröffnungsstück „Sibomandi“, in dem Jazz, Soul und afrikanische Einflüsse sehr rhythmisch und soulig ineinanderfließen. Wenn sich moderner britischer Jazz so anhört, werde ich wirklich noch ein richtiger Fan – bisher haben es mir im Jazz eher die ruhigen, sanften Skandinavier angetan. Doch wie Alabaster DePlume Jazz, Neo-Soul und Trip-Hop-Loops miteinander verwebt und durch den afrikanischen Sänger Falle Nioke zu den Wurzeln afrikanischer Musik führt, dabei jedoch keine Weltmusik, sondern eher Drum-&-Bass-Musik erzeugt, ist wirklich beeindruckend. Den Sound dirigiert das Alt-Saxophon von Alabaster DePlume, dessen Spiel ich seit der Platte „To Cy & Lee: Instrumentals Vol. 1“ sehr schätze, vor allem den Song „Visit Croatia“. Ein toller Beginn – und es kann gerne so weitergehen.

Und so geht es auch weiter: „What Can it Take“ hat genau den Sound, den Rhythmus und das Wechselspiel von Lead- und Rhythmusinstrumenten, die ich mag. Faszinierend ist, dass dieser Jazz absolut tanzbar ist.

„To that Voice and Say“ hat tatsächlich etwas Trip-Hop-artiges. Menschen, die wissen, welche Musik ich derzeit in meiner Freizeit höre, könnten bei diesem Stück glauben, ich hätte mich davon beeinflussen lassen – was jedoch nicht möglich ist, da ich diese Musik erst jetzt entdecke. Trotzdem spüre ich eine tiefe Verbundenheit und Begeisterung für ähnliche Klänge. Alabaster DePlume macht das natürlich wesentlich professioneller, denn er ist ein Profi-Musiker, während ich ein Anfänger bin, der noch nicht einmal Noten lesen oder schreiben kann. Die Musik klingt, als ob Alabaster über Loops spielerisch Töne erkundet, was dem Ganzen eine enorme Intensität verleiht.

Diesen triphoppigen Neo-Soul-Jazz setzt das Stück „Greek Honey Slick“ meisterhaft fort.

Ruhiger, aber nicht minder gelungen, ist „To that Voice and Say“. Was für ein tolles Album – schon jetzt.

„Give me Away“ hüllt den Hörer in die Kraft eines rituellen Stammestanzes – man wird Teil einer kurzen Zeremonie und gibt sich dem einfachen Rhythmus hin. Am Ende der ersten Seite, mit dem Stück „Fall on Flowers“, scheint die Musik langsam in sich zusammenzufallen. Sanfter Soulgesang, der langsame Rhythmus eines Basses, dazu ein wenig Alt-Saxophon und Plattengeknister – all das zusammen ergibt „Did You Know“. Ein kurzes Zwischenspiel bildet „Levels of Human“. Den Songs tut es gut, dass sie meist unter sechs Minuten, oft sogar unter vier Minuten lang sind.

Wie ein Sonnenaufgang oder Untergang, auf jeden Fall wie ein Erwachen, klingt „Not even Sobbing“. Damit ist die zweite Seite wesentlich sanfter, weniger zum Tanzen, sondern eher zum Zurücklehnen und Genießen. Das setzt sich in dem sehr akustischen, aber durch das Zusammenspiel der Instrumente dennoch faszinierenden „The Best Thing in the World“ fort. Bei „Naked like Water“ wird es kurz etwas rockig, erhält aber noch einen starken ethnischen Klang. Der letzte Song der Platte, „Broken Again“, fügt sich wie ein Puzzlestück zusammen.

So darf gerne Musik improvisiert werden, so darf Jazz heute klingen und Genregrenzen einfach über Bord geworfen werden. Für mich ist es eines der besten Alben, die ich aktuell gehört habe – einfach, weil fast jeder Ton mich hundertprozentig anspricht und es die richtige Musik zum genau richtigen Zeitpunkt ist. Ein Volltreffer. (306)

dEUS – Worst Case Scenario (1994)

Die Mischung macht es, denn genau das sorgt dafür, dass die Musik der Belgier sich im Alternativrock von vielen anderen abhebt. Ihr Alternativrock ist nicht leicht einzuordnen – mal sind es feine Alternative-Rock-Nummern, doch es gibt auf dem Album auch Stücke, die eher an Tom Waits und schrägen Artrock mit coolem Groove erinnern.

Nach einem kurzen Intro geht es direkt heftig zur Sache mit dem schwungvollen, rhythmischen Indie-Headbanger „Suds & Soda“. Ein gelungener Einstieg! „w.c.s. (first draft)“ bietet den Rhythmus der Songs von G.Love & Special Sauce (langsamer Acoustic Funk) – mit einem Gesang, der an Tom Waits erinnert (Tom Waits wird auch später noch öfters erwähnt). Das hat Groove und funktioniert bestens. Fast schon verträumt beginnt „Jigsaw you“ – eine ganz feine, ruhige Indie-Nummer, bei der man denkt, man hätte die Platte gewechselt und höre nun eine ganz andere Band oder einen anderen Künstler. „Morticiachair“ ist wieder ganz anders – fast wild und ungestüm – ein Artrock-Monster, das erneut an Tom Waits denken lässt. Mir persönlich ist das Stück allerdings ein wenig zu wild. Da gefällt mir „Via“ schon besser. Ein toller Indie-Rock-Song, großartig arrangiert, der mich mitnimmt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Melancholie ist in „Right as Rain“ klar spürbar. In „Mute“ trifft Jazz-Rhythmik auf Nirvana: Der Song rockt am Anfang ordentlich, wird schnell wieder ruhig, nimmt langsam Fahrt auf und sorgt dann mit „Lets get lost“ noch einmal für richtiges Durchrocken. Emocore passt eigentlich sehr gut zur Musik von dEUS, da die Songs oft sehr emotional sind. Diese Beschreibung trifft besonders auf mein Lieblingsstück „Hotellounge (be the death of me)“ zu – eine grandiose Nummer, die ich seit dem ersten Hören vor fast 30 Jahren liebe. Eine kurze Rock-’n’-Roll-Einlage gibt es mit „Shake your Hip“ (42 Sekunden lang). Bei „Great American Nude“ stimmt die Mischung aus Art-Rock, Groove, Jazz und Tom Waits zu 100 Prozent – auch wenn das Stück vielleicht ein wenig zu lang geraten ist. „My Secret Hell“ beginnt wie eine Slowcore-Nummer der Red House Painters und hält diesen ruhigen Grundton bei, was das schöne Alternative-Rock-Stück bis zum Ende durchzieht. Zum Schluss gibt es noch etwas Schrilles mit „Divebomb Djingle“.

Fazit: Die schrägen Elemente machen die Band zwar zu etwas Besonderem im Alternativrock, doch ehrlich gesagt gefallen mir die klassischen Alternative-Rock-Nummern auf der CD am besten. Dennoch ist der Mix etwas Außergewöhnliches, und diese CD ist auf jeden Fall ein klasse Debüt-Album. (251)

dEUS – The Ideal Crash (1999)

Mit „Put the Feaks Up-Front“ beginnt das Album gleich mit einem starken Alternativ-Rocksong, der auch etwas von der Melancholie eines (guten) Radiohead-Songs hat. Ein toller Einstieg ins Album. Ich habe viele Jahre gebraucht, um ein weiteres Album der Band zu kaufen. Zwar fand ich das Album „Worst Case Scenario“ sehr gut, und „Suds and Soda“ sowie „Hotel Lounge“ sind für immer in meiner Playlist – trotzdem habe ich beim Kauf weiterer CDs lange gezögert. Dann konnte ich die Band jedoch live beim Traumzeit-Festival 2023 erleben und habe daraufhin gleich mehrere Alben nachgekauft.

Auch beim zweiten Stück „Sister Dew“ ist von den Tom Waits-Anleihen des ersten Albums nichts mehr zu hören – der Song ist einfach ein sehr schöner, ruhiger Rocksong. „One Advice, Space“ klingt wie eine Mischung aus Travis und Radiohead. Fast wie eine 70er-US-Rockballade klingt „The Magic Hour“, das am Ende aber eine ganz eigene dEUS-Note trägt. Damit zeigt das Album von Anfang an seine Vielseitigkeit, und die Songs sind bisher alle richtig gut. Ein kleines bisschen Space-Rock bringen sie auch mit „The Ideal Crash“ ein. Auch „Instant Street“ ist einfach ein schöner, toller Song – wieder mit modernisierter 70er-Note.

Auf dem Album überwiegen die ruhigen Stücke, was ich aber gar nicht so schlecht finde. Denn Songs wie „Magdalena“ sind von der Stimmung her so gelungen, dass man gerade diese eher gemächlichen Rocksongs gerne und mit zunehmender Begeisterung hört. Während ich das Album hörte, habe ich mir auch gleich die mir noch fehlenden Alben der Band bestellt (ich kann einfach nicht widerstehen). Statt „Hörerlebnisse“ sollte ich diese Texte vielleicht lieber als „Bekenntnisse eines Musiksüchtigen“ bezeichnen. Aber das Hören macht einfach sehr viel Spaß.

Ein moderner Rocksong ist „Everybody’s Weird“ – mal etwas schneller und wuchtiger, aber nicht hart. Fast am Ende des Albums findet sich dann doch ein Song mit Tom Waits-Charme: „Let’s see who goes down first“. Das Album klingt mit „Dream Sequence“ ruhig aus.

Dass das Album – obwohl es das erste auf einem Major-Label ist – nicht in den USA veröffentlicht wurde, liegt wohl daran, dass die Songs zu gut und zu lang sind. Es enthält eigentlich kein Single-Material (selbst einen Crossover-Knaller wie „Suds and Soda“ sucht man vergeblich). dEUS bieten eine anspruchsvolle Alternative für Rockfans. (365)


 

Die Braut haut ins Auge – Was nehm ich mit? (1995)

Die Band, gegründet von Bernadette Hengst, Peta Devlin, Katja Böhm und Barbara Haß (die bereits bei der Produktion dieser zweiten Platte nicht mehr dabei war), verstand es sehr gut, klugen, frechen und hochwertigen Indie-Pop zu machen. Das geschah lange bevor fünf Jahre später mit „Wir sind Helden“ und anderen der deutschsprachige Pop seinen Aufschwung erlebte. Sie waren also Wegbereiterinnen. Wenn man bedenkt, dass die Band anfangs Schwierigkeiten hatte, ein Label zu finden, wird deutlich, wie Labelbosse bis Mitte der 90er Jahre auf eine reine Frauenband mit deutschsprachigen Texten reagierten. Ich liebe die Band, die meine Schwester für mich entdeckt hat, vor allem wegen Liedern wie „Provisorisch“, „Ist sie ein Magnet?“ und „Mein Platz“. Das sind Songs, die ich schon beim ersten Hören sehr mochte und die ich jetzt, nach zugegeben viel zu langer Zeit, endlich wieder höre – das wird mit Sicherheit sehr schön. Da frage ich mich allerdings, wie Platten im Regal verschwinden können, obwohl man die darauf enthaltenen Lieder so mag, und wie es dazu kommt, dass man sie über Jahre hinweg nicht mehr hört. Ein unbeantwortbares Rätsel. Liegt es vielleicht daran, dass es einfach zu viel Musik gibt? Das kann doch eigentlich nicht sein, oder? Die Zeit reicht wohl einfach nicht aus, um 1500 Platten gleichzeitig gleichermaßen zu lieben – ein Jammer. Unsterblichkeit ist eben doch zu Recht erstrebenswert.

Der Pop von „Die Braut haut ins Auge“ zeichnet sich durch seine Stilvielfalt aus. So erinnert „Tandemsprung“ an eine Surfrock-Nummer aus den 60ern, angereichert mit etwas Punkrock. Eine ziemlich coole Mischung, dazu noch gut gespielt. Wer heute Cari Cari mag, dürfte diesen Song ebenfalls schätzen.

Der beeindruckende Poprock der Band zeigt sich besonders bei „Greenwich Village“. Locker, mit viel Schwung, Rhythmus und einer Menge Spaß – so liebe ich die Band.

Dann folgt mein Lieblingssong: „Provisorisch“. Sobald ich ihn höre, spüre ich ihn direkt bis unter die Schädeldecke – ein Song für die Ewigkeit. Super, schön, toll.

Der New Wave-Sound bei „Ist sie ein Magnet?“ ist ebenfalls einfach großartig. Oh, verdammt – warum habe ich das so lange nicht gehört? Vielleicht, damit ich es jetzt wieder umso intensiver genießen kann. Ich liebe es. Eigentlich hätte ich letztes Jahr zum „Lieblingsplatte-Konzert“ nach Düsseldorf gehen sollen. Verdammt.

Jetzt macht mir jeder Song auf dem Album wieder große Freude. Denn jeder Titel hat seine eigene Note, so zum Beispiel „Was nehm ich mit (wenn es Krieg gibt)“. Eine ganz tolle Pop-Rock-Nummer – und das auf Deutsch.

Bernadette Hengst habe ich auch als Solokünstlerin verfolgt, doch das hier macht einfach noch mehr Spaß, weil es viel rockiger und sehr stimmig ist.

Ein weiterer Knaller ist „Nichts ist für immer“. Toll – mein Geist schlägt gerade Purzelbäume in meinem Körper. Ich bin geflasht.

Mal Downtempo: „Wenn es dann vorbei ist“. Pop-Punkrock auf Englisch: „Stop Talking“ (ebenfalls gekonnt umgesetzt).

Glücklicherweise hat das Album viele Lieder, und der gute Eindruck hält durchgehend an. „Blätter und Menschen“ ist ein weiterer Song, bei dem einfach alles zusammenpasst – die Musik, die Produktion sowie die Texte. Das macht beim Hören einfach viel Freude. Dafür kann ich nur loben, loben, loben.

Schöner Pop-Rock ist auch „Mein Platz“. Alles ist mit Verstand gespielt – da wirkt nichts doof oder glattgebügelt, sondern einfach stimmig. Für mich gibt es bisher keinen Kritikpunkt. Das Album bleibt unterhaltsam und abwechslungsreich. „Liebe und Revolution“ erinnert fast schon an einen Blues. „The Say“ ist sogar ein kleiner Countrysong, vielleicht der einzige kleine Durchhänger. Darauf folgt jedoch wieder ein großartiger Titel: „Mondtag“ – allein der Name ist schon ein Gewinn.

Sanft klingt „Gute Nacht“, und als Epilog fungiert „Das war mein Leben“.

Eine tolle Platte – ich liebe sie (wieder und jetzt für immer). (558)

Diet Cig – Do you wonder about me? (2020)

Das New Yorker Duo Alex Luciano und Noah Bowman verströmt mit ihrem Eröffnungsstück „Thriving“ lockeren Indie-Pop. Obwohl man einen ähnlichen Sound schon oft gehört hat, macht der Song trotzdem viel Freude, weil er einfach gut ist und sehr gut funktioniert. Er nimmt den Hörer sofort mit, und genauso geht es mit dem ebenfalls großartigen „Who Are You“ toll weiter. Zeitlose Musik zum Mitgehen und Mitfeiern – Songs, bei denen man auf einem Sommerfestival bestimmt viel Spaß hat. Schon jetzt kann ich diese Band als eine sehr gute Neuentdeckung bezeichnen.

In den 90er Jahren fanden sich Songs von Bands wie Diet Cig auf fast jedem coolen amerikanischen Soundtrack und wurden ebenso oft als Untermalung in TV-Serien verwendet.

Auch „Night Terror“ erinnert daran, wie gut einige Bands früher einmal waren und wie manche heute leider – weil sie sich zu sehr dem Hörergeschmack angepasst haben – schrecklich langweilige Musik machen.

Umso besser, dass es Bands wie Diet Cig gibt, die auf einer ganzen Platte beweisen, wie schön diese Musik heute immer noch ist und wie gut sie funktioniert.

Ein bisschen schrammelig muss die Musik natürlich auch sein, und das ist sie bei „Broken Body“. Sanft und mit schönem Schlagwerk präsentiert sich „Makeout Interlude“. Punkrock können sie ebenfalls, zum Beispiel mit „Flash Flood“. Alternative Rock und Pop prägt „Worth the Wait“.

Ein besonderer Anspieltipp ist auch „Stare into the Sun“.

Eine tolle Platte mit großartiger Musik – ich bin Fan.(403)

Dinosaur jr. - Dinosaur (1985)

J Mascis, Lou Barlow und Murph sind langlebige Vertreter des Alternativrocks, und dies ist ihr Debütalbum als Dinosaur Jr.

Die jungen Dinosaur Jr. klingen auf diesem ersten Album noch etwas anders. Das liegt zum Teil daran, dass J Mascis in einer anderen Stimmlage singt oder Lou Barlow den Gesang übernimmt. Dies verändert zwar den Klang, wirkt jedoch keinesfalls schlechter. Das erste Stück, „Forget the Swan“, ist melodiöser, melancholischer Alternativrock, und der Refrain vereint bereits alles, was einen guten Dinosaur-Jr.-Song ausmacht. Produktionstechnisch klingt es noch schön schrammelig und erinnert an den frühen Indiesound der 1980er Jahre. Ein sehr gelungener Einstand.

Das Stück „Cats in the Bowl“ bewegt sich teils im Punkrock-Bereich, teils im sanfteren Rockmodus. Härter und dennoch typisch für Dinosaur Jr. ist „The Leaper“. Wer amerikanischen Alternativrock mag, schätzt Dinosaur Jr., weil die Band dem Genre zu seinem charakteristischen Stil und seiner Vielfalt verholfen hat, dabei aber immer einfache und gute Songs gemacht hat. Die Lieder nehmen den Hörer mit und variieren stilistisch stark. Zwischen ruhigen Passagen gibt es Ausbrüche von Screamo, Punkrock, Postrock und frühem Indie-New Wave zu hören.

So bietet die erste Albumseite mit Songs wie „Does It Float“ und „Pointless“ viel Abwechslung. Auch bei „Repulsion“ ist der typische Dinosaur-Jr.-Sound unverkennbar. Diesen Song könnte man als klassisches Beispiel für die Band vorspielen. Bei „Gargoyle“ hat wahrscheinlich Mark Kozelek von den Red House Painters einiges für sich entdeckt. Somit hat auch die Shoegaze-Szene bei diesem Album Einfluss genommen, was besonders in „Severed Lips“ spürbar ist. Härter wird es nochmal bei „Mountain Man“. Von der Melodie her bewegt sich „Quest“ bereits im Psychrock-Folk-Bereich.

Insgesamt ist dieses vielfältige und nie langweilige Debütalbum eines der besten Werke des amerikanischen Alternativrocks. (461)

Dinosaur jr – Green Mind (1991)

Einfach produziert, aber kraftvoll heruntergerockt, mit sympathischen Melodien und fast ganz ohne Hardcore-Aggressivität. Eigentlich ist es fast ein Soloalbum von J Mascis, da er die meisten Instrumente selbst gespielt hat. Nur bei vier Songs wurde er von seinem Schlagzeuger unterstützt.

Garagen-Alternativrock, so wie er sein sollte. (96)

Dire Straits – Dire Straits (1978)

Einfach gute Songs – das reicht, um ein gelungenes Album zu schaffen. Egal, was sich auf dem Markt tut, welche neuesten Trends oder Stilrichtungen gerade angesagt sind. Disco, Punk oder sonst etwas – das spielt keine Rolle. Ein Mix aus Rock, Lo-Fi und Country genügt, um zeitlose Songs zu schaffen, die nicht altern und niemals ermüden. Sie sind immer aktuell, weil sie keinem Trend folgen. Gute Musik. (61)

The Divine Comedy – Casanova (1996)

Ja, das ist Brit-Pop – man höre nur die erste Minute von „Something for the Weekend“. Aber nicht schlecht, da es mit Verve und Klasse vorgetragen wird und dieses schelmische, chansonhafte Element darüber liegt. „Becoming More Like Alfie“ entwickelt sich so zu einer ganz großen Popnummer. Bei Brit-Pop-Bands stoße ich allerdings auch öfter auf Songs, die mir weniger sagen oder einfach nicht mein Geschmack sind. So ist es zum Beispiel bei Blur: Einige Stücke finde ich wirklich richtig gut, andere hingegen kann beziehungsweise muss ich ignorieren. Ähnlich geht es mir bei „Middle Class Heroes“ – großes Theater, aber kein großer Song. Leider verwandelt sich das Album ab hier in britischen Dandy-Pop. Bei „In and Out in Paris and London“ vergeht mir auch ganz schnell der Spaß. Vielleicht ist das ja doch keine Platte für mich. Mastermind Neil Hannon baut seinen Varieté-Pop von Song zu Song leider immer weiter aus, überzeugt mich damit aber überhaupt nicht – auch nicht mit „Charge“. Mit dem akustischen „Songs of Love“ schmeichelt er sich hingegen wieder etwas bei mir ein. Da lassen die Beatles herzlich grüßen. „The Frog Princess“ ist wirklich witzig und wieder gekonnt. Ein weiterer netter Spaß beziehungsweise Chanson folgt mit „A Woman of the World“. Aber ich kann diese Göttliche Komödie wirklich nicht richtig ernst nehmen. Zum Hören bei Spotify ist das nett, aber auf CD oder Platte muss ich das nicht haben. Mit etwas James-Bond-Attitüde kommt „Through a Long and Sleepless Night“ daher. Zum Entspannen und daher ganz schön ist „Theme from Casanova“. Der Klassik-Pop-Song am Ende ist ebenfalls ziemlich dick aufgetragen – sicherlich mit voller Absicht vom Künstler. Trotzdem erreicht mich seine Kunst nur ab und an. Vielleicht fehlt mir wirklich die Ernsthaftigkeit bei dieser Komödie. Deshalb finde ich vieles einfach zu albern oder daneben. Insgesamt ist es zwar gut gemacht, aber eben nicht mein Ding – außer „Becoming More Like Alfie“. Diesen Song packe ich gerne in meine Playlist. (289)

Stella Donnelly – Flood (2022)

Mit „Lungs“ beginnt das zweite Album von Stella Donnelly mit einer schwungvollen und schönen Indie-Pop-Nummer. Darauf folgt ein Lied über das Ende einer Beziehung, das Sprechgesang enthält und im Refrain dennoch fröhlich bleibt, sowie ein musikalischer Liebesbrief, der entspannt und chillig wirkt.  

Das Album beschäftigt sich also mit Beziehungsthemen sowie Beobachtungen ihrer Mitmenschen und der Umwelt. Dabei kreiert Stella Donnelly wundervolle Melodien, die das Durchhören des Albums zu einem großen Vergnügen machen. Es vermittelt entspannte Lebenserfahrungen, passend untermalt von der Musik – ein Soundtrack für den Alltag.  

Besonders schön finde ich den sparsam eingesetzten Bläsersatz bei einigen Songs, der dem Klangbild zusätzliche Tiefe verleiht. Auch live ist das ein echtes Vergnügen. (32)

The Doobie Brothers – The Doobie Brothers (1971)

Den Einstieg mit dem Stück „Nobody“ finde ich sehr gelungen. Ein schöner Rocksong im Südstaatenstil (Southrock). Mehr im Country-Rock verwurzelt ist „Slippery St. Paul“. Zurück zum Highway-Rock geht es mit „Greenwood Creek“. Ich mag das Leichtfüßige im Sound der Musik. Unaufdringlich und mitreißend, Singer/Songwriter-Musik für Rockfans und all jene, die gern im Geiste endlose Highways entlangfahren. Dazu ist das alles auch noch gut musiziert. Der Akustikgitarrensound der Band ist sehr gelungen. Retro-Rock-Bands wie The Black Crowes machen es da nicht anders, zum Beispiel bei „It won´t be Right“. Die Rock-Ballade „Travelin’ Man“ erinnert an den L.A.-Rock der Eagles oder Steely Dan. Einige Studiomusiker von Steely Dan wechselten später sogar zu den Doobie Brothers. 

Das wieder etwas schwungvollere „Feelin’ down farther“ gefällt mir erneut sehr gut. Ruhig und erneut im Country-Rock-Style präsentiert sich „The Master“. 

Soul-Folk-Rock prägt „Growin’ a little each Day“. Eine echte Rocknummer und eher unspektakulär klingt „The Beehive State“ – wie eine Band von vielen. 

Für deutlich mehr Begeisterung sorgt dann der atmosphärische Hippierock von „Closer every Day“. Am Ende steht, eigentlich kein klassisches Outro mehr, der Abschluss dieses Debütalbums, das durchaus als gutes 70er-Jahre-Rockalbum überzeugt. (408)

The Dope – Hinterlandia (2013)

Rudi Maier und Franz Neugebauer bildeten das Indie-Rock-Duo „The Dope“. Inzwischen macht Rudi Maier als Burkini Beach deutlich sanftere Musik. Wer das Album „Hinterlandia“ gehört hat, muss es lieben und wundert sich zugleich, warum „The Dope“ nicht bekannter geworden sind. Solch gute Indie-Rock-Musik gibt es in Deutschland wirklich selten. Ein Jammer. Deshalb eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Die CD enthält 13 Songs. Wuchtige Gitarrenklänge prägen das Album, das dennoch nicht aggressiv wirkt, sondern eher verspielten Indie-Rock bietet. Meist bestehen die Songs aus Gesang, Gitarre und Schlagzeug, die gelegentlich durch DrumPads und Synthesizer ergänzt werden. Die Musik von „The Dope“ überzeugt auch durch überraschende Wendungen, die für viel Abwechslung sorgen. Vor allem ist es der Indie-Charme, verbunden mit ungestümem Schlagwerk und abwechslungsreichem Saitenspiel, der „The Dope“ so besonders und unverwechselbar macht.

Der Song „Blizzard the Kid“ beginnt als Indie-Folk-Nummer und steigert sich zu einem eher sanften Indie-Rock-Stück. Wie gesagt, die Mischung macht es. „Mines of Falun“ ist für mich ein typischer „The Dope“-Song, mit originellem Gitarrensound, eingängigen Melodien und einer leicht verzerrten Schrägheit – ein überdrehter Emocore-Sound. „Entirely Zipped“ ist wieder sanfter, bietet aber ebenfalls einen toll gespielten, akustisch geprägten Indiesound. Nach drei Songs ist man wirklich in die Band und ihr Album verliebt. Nach dem ebenfalls eher sanften „Sputnik Sweetheart“ wird es mit „American Girls“ deutlich härter. Auch „Narratorriors“ legt ordentlich los, bleibt dabei schön schräg und eigenwillig. Die Gitarrenarbeit bei diesem Song ist herausragend. Ein weiteres Highlight und mein Lieblingssong ist „Icarus the Crow“. Doch es gibt viele Highlights, die das Album so großartig machen. Dazu gehört auch „Strawberry Fields“, das mit den Beatles nichts gemeinsam hat, aber einfach Spaß macht. Ebenso macht es Freude, Songs wie „Monstertrucks“ zu hören. Der „Fuck-You-All-Song“ findet ebenfalls immer einen Platz in der Playlist – wir stimmen da einfach zu. Ein weiteres Highlight ist „Mother’s Boy Toyed with an Idea“, das ich als Anspieltipp empfehle, um neue Hörer mit der Band vertraut zu machen und für sie zu begeistern. Auch „Hollywood“ ist ein starkes Stück. Als Zugabe gibt es noch „....Mietraching“.

Ein Vergnügen, ein Muss. Eine tolle Platte. Übrigens ist das erste Album von „The Dope“, „Into the Woods“, ebenfalls großartig – vielleicht sogar noch ein bisschen besser, falls das überhaupt möglich ist. Ich bin ein großer Fan und traurig, dass seit 2013 nichts Neues von ihnen erschienen ist. Aber es gibt ja noch Sir Simon und Burkini Beach – sofern sie nach der Tourabsage im letzten Jahr nicht den Mut verloren haben, weiterzumachen, was wirklich sehr schade wäre. (339)

Robert Downey jr – The Futurist (2004)

Eine Lobhudelei.

Spätestens seit Robert Downey Jr. ein Comeback in der Serie „Ally McBeal“ feierte, musste man anerkennen, dass der Mann als Sänger durchaus einiges draufhat. Da freute ich mich direkt auf ein Soloalbum – und das völlig zu Recht. Wer die Pop-Balladen von Sting mag, wird die von Robert Downey Jr. lieben. Denn die Musik nimmt einen sofort mit und ist mehr als nur gefällig, sie ist richtig gut. Leider stieß Robert Downey Jr. mit seinen musikalischen Bemühungen, die ihm angeblich viel Kraft kosteten, auf zu wenig Gegenliebe, sodass es wohl bei diesem einen Album bleibt, was wirklich schade ist. Elf schöne Stücke Musik bleiben aber für immer mein Eigentum, die meisten davon auch in meiner Playlist. Ich mag dieses Album wirklich sehr.

Die meisten Songs hat Robert Downey Jr. selbst komponiert oder als Co-Autor geschrieben. Ausnahmen sind „Smile“ von Charlie Chaplin sowie „Your Move“ von Jon Anderson, das hier mit Textfragmenten von „Give Peace a Chance“ von Lennon und McCartney dargeboten wird. Ob es klug war, das Album unter dem Label „Sony Classical“ zu veröffentlichen, soll jeder für sich entscheiden. „Jazz“ wäre vielleicht passender gewesen – obwohl es alles Pop-Balladen auf hohem Niveau sind, teilweise mit Jazzeinschlag. Als Musiker konnte Downey unter anderem Vinnie Colaiuta, Charlie Haden und Jon Anderson ins Studio holen.

Schon bei „Man Like Me“ springt der Funke sofort über. Es ist Downeys wirklich tolle Stimme, das Klavier und die Streicher – großartig. Und es klingt tatsächlich wie die ruhigen, guten Songs von Sting, allerdings auf ebenbürtigem Niveau, und das ist das Außergewöhnliche an der Platte. Die Musik ist hervorragend arrangiert und gespielt. Auch „Broken“ ist total gelungen. Nicht nur Sting-, sondern auch Bryan Adams-Fans müssten einen Song wie „Kimberly Glide“ lieben und nach dem Hören sagen: „Ja, für einen singenden Schauspieler ist der richtig, richtig gut.“

Es ist wirklich alles sehr gelungen, was er da macht, und ich bin auch beim wiederholten Hören von Songs wie „The Futurist“ und den anderen begeistert. Das ist schöne Musik, es sind wirklich sehr gute Songs. Ich wiederhole mich, Entschuldigung.

So geht es in gleicher guter Weise mit „Little Clownz“ und „5:30“ weiter. Der Song „Your Move“ ist ja schon von Yes etwas ganz Besonderes, und diesen schafft auch Robert Downey Jr. nicht zu verhunzen. Ganz ruhige Pianoballade: „Details“. „Hannah“ ist ebenfalls gut, und nur weil die Songs am Anfang alle so stark, ziemlich sanft und ruhig gespielt sind, denkt man zunächst, dass es mit den schönen Balladen langsam ein Ende haben muss. Doch „Hannah“ überzeugt am Ende mit seinem Arrangement auf ganzer Länge. Das ist nicht nur ein guter, sondern ein weiterer sehr guter Song. Piano-Jazz: „Smile“.

Ein ganz tolles Album, das ich immer wieder gerne höre. So schade, dass Robert Downey Jr. kein weiteres Album gemacht hat. Herr Robert Downey Jr., Sie sollten da noch einmal in sich gehen. Sie sind doch inzwischen 20 Jahre älter geworden. Da juckt es doch bestimmt in den Fingern, sich mal wieder ans Klavier zu setzen, oder? Bitte. (405)

Nick Drake – Bryter Layter (1971)

Nick Drakes Alben zählen zu den besten Werken der Pop- und Rockgeschichte. Leider waren sie bei ihrem Erscheinen kommerziell allesamt Misserfolge, sodass der Künstler vom Kult um seine Musik nichts mehr mitbekam. Seine Alben sind traumhaft schöne akustische Meisterwerke, die Elemente aus Folk, Kammermusik und Jazz verbinden.

Die melancholischen und oft abgründigen Texte stehen im Kontrast zur Schönheit der Melodien, Instrumentierungen und Arrangements. Letztere werden durch Streicher und Cembalo, gespielt von John Cale, zu Chamberfolk und heben die Musik über den üblichen Singer-/Songwriter-Folk der 70er Jahre hinaus. Ich schätze diese Musik deutlich mehr als das ähnlich klingende, angebliche frühe Meisterwerk „Astral Weeks“ von Van Morrison, das mich mit seinen oft zu langen Stücken eher langweilt.

Bei „Bryter Layter“ braucht man nicht jeden Song einzeln zu betrachten, denn die zuvor beschriebenen Eigenschaften gelten für das gesamte Album. Es ist sanfte Musik für Träumer und Schöngeister. (239)

Nick Drake – Pink Moon (1972)

In nur zwei Tagen aufgenommen, begleitet Nick Drake seinen Gesang fast ausschließlich mit einer Akustikgitarre. Wie auch bei den beiden Vorgängeralben, die teilweise sogar mit Orchesterbegleitung entstanden sind, treffen hier erneut die Schönheit der Melodie und die Traurigkeit sowie Melancholie der Texte aufeinander. Die Schönheit gewinnt, wie es bei allen drei Alben, denn dies war sein letztes, immer der Fall ist.  
Die Musik ist sanfte, akustische Folk- und Singer-Songwriter-Musik, die unheimlich einnehmend wirkt. Elf Songs mit einer Gesamtspielzeit von 29 Minuten. Mittlerweile ist diese Musik ein zeitloser Klassiker. Tragische Figuren in der Musik, wie Nick Drake einer war, gab es immer und wird es vermutlich auch immer geben. Wir haben diesen Musikern, die uns ihre Kunst geschenkt haben, viel zu verdanken, und es gilt: Besser spät erkannt als nie.  (129)

The Dream Syndicate - The Universe Inside (2020)

Aus einem nächtlichen Jam, der etwa achtzig Minuten dauerte, entstand der Opener „The Regulator“, der mit seinen zwanzig Minuten für diese Band immer noch eine ungewöhnlich lange Länge hat. Der Anfang ist großartiger Psych- und Progrock, der trotz eines leichten Jazzfeelings sehr entspannt gespielt und zu hören ist, was für das Genre eher ungewöhnlich ist. Der Jazzeinfluss auf das Stück nimmt im Verlauf weiter zu, jedoch ohne in freies Instrumentenspiel abzugleiten, da vor allem Bläser eingesetzt werden. Zur Mitte hin wird das Stück rockiger, verschafft sich dann eine fast schon ruhige Phase, um schließlich gemächlich wieder Fahrt aufzunehmen. Ehrlich gesagt stört mich die Länge des Stücks kaum, denn es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören. Bei einem Livekonzert wäre ich begeistert, wenn ich das Stück in dieser Qualität und Länge erleben könnte, denn man kann sich wunderbar im entspannten Psychjazz-Rhythmus des Songs verlieren.

„The Longing“ ist eine gut gespielte Prog-Rock-Nummer. Hier singt Frontmann Steve Wynn richtig und der Song ist nur in der zweiten Hälfte instrumental gehalten. Das Stück geht nahtlos in den dritten Titel „Apropos Nothing“ über, in dem der Psych- und Progrock-Stil lässig fortgeführt wird. Dass dieser Stil so mühelos und entspannt klingt, ist eine Kunst für sich. Man hört gerne zu und hat Freude an der Musik, auch wenn der Gesang etwas mehr in den Vordergrund gerückt sein könnte.

Mit „Dusting of the Dust“ nimmt das Album wieder mehr Fahrt auf und wird rockiger, was dem Gesamtklang an dieser Stelle sehr gut tut. Das Stück ist von der Qualität her vergleichbar mit „The Regulator“, schafft es aber bei einer Länge von zehn Minuten nicht ganz, die Spannung so lange aufrechtzuerhalten. Abgeschlossen wird das Album mit „The Slowest Rendition“, einem etwas experimentelleren Stück mit wirklich gelungenen Soundideen.

Wer seinen Psych- und Progrock gerne etwas ausgedehnter hört, einen Mix aus Grateful Dead und Steven Wilson schätzt und dabei nicht überfordert werden möchte, ist mit diesem Album gut beraten. Ich mag es sehr. (556)

Dr. John, the night Tripper – GRIS-gris (1968)

Sehr passend höre ich das erste Dr. John-Album, nachdem ich mich gerade mit Ry Cooder, Taj Mahal, Captain Beefheart und Grateful Dead beschäftigt habe. Dass dies eher ein Zufall ist, finde ich sehr amüsant – manchmal liegen einfach die richtigen Platten zufällig auf dem richtigen Stapel.

Bei „Gris-Gris Gumbo Ya-Ya“ hört man sofort, wo die Mardi Gras-Beat ihren Sound gefunden hat. Auch Tom Waits-Fans werden hier auf ihre Kosten kommen. Beeindruckend sind die Songgestaltung und der Sprechgesang, der fast an Rap erinnert. „Danse Kalinda Ba Doom“ erinnert natürlich auch an die Neville Brothers und den Sound ihres Albums „Yellow Moon“. Produzent Daniel Lanois hat da sicherlich gut hingehört – von dieser Platte haben sich, glaube ich, viele inspirieren lassen. Voodoo-Soul-Blues-Rock – einfach genial, wieder so ein Ohrenöffner-Album. Jazz und Soul finden sich bei „Mama Roux“.

Alles ist sehr gut und seiner Zeit in vielem voraus, ebenso „Danse Fambeaux“. Besonders bei „Croker Countbullion“ entsteht ein genialer Mix aus Jazz, Südstaaten- und afrikanischer Folklore. Mit den zuvor genannten Alben im Einführungsabschnitt hat das aber kaum etwas zu tun. Es erschien lediglich zur gleichen Zeit, funktioniert aber ganz anders, da der Blues- und Country-Folkrock bei diesem Album eigentlich fast fehlt. Dennoch gibt es Bigband-Blues, nämlich auf „Jump Sturdy“, obwohl ich vorher erwähnt habe, dass dieser fehlt. Auch hier schafft es Dr. John, dem Blues eine eigene, etwas rauere Variation hinzuzufügen.

Ein weiterer Höhepunkt zum Schluss ist „I Walk on Guided Splinters“. Dieses Stück ist einfach großartig in der Gesamtmischung und genauso spannend zu hören. Selbst heute noch merkt man beim ersten Hören, dass es etwas ganz Besonderes ist. Mit seinem Debütalbum hat sich Dr. John einen festen Platz in der Musikgeschichte gesichert – zu Recht. Das Album war zwar zur Zeit der Veröffentlichung kein kommerzieller Erfolg, doch ein künstlerischer Meilenstein, der viele andere Künstler in der Folgezeit beeinflusst hat. (451)

Dry Cleaning – Stumpwork (2022)

Florence Shaw erzählt in einer fast emotionslosen Erzählstimme, die an eine Nachrichtensprecherin erinnert, ihre Beobachtungen, Geschichten und Wortverbindungen. Ihr Erzählstil – es ist kein Sprechgesang – ist das hervorstechende Merkmal von „Dry Cleaning“. Ihre Mitstreiter fügen spannende Melodien hinzu, die wohl auch ohne Shaws Erzählungen wirken würden. Doch macht gerade das Zusammenspiel das Ganze zu einem echten Hörerlebnis und nicht nur zu einer weiteren Post-Punk-Rock-Band. Es ist zudem ein Vorteil, das Werk auf CD oder Vinyl zu besitzen, da man sich so intensiver mit Shaws Texten auseinandersetzen kann. Zum Durchhören ist das Album zwar etwas anstrengend, als einzelne Songs in der „Playlist“ aber herausragend. (35)

Duran Duran – Seven and the ragged Tiger (1983)

„The Reflex“ ist eine Mischung aus Pop und Soul, eindeutig von den 80er Jahren geprägt und wirkt etwas überambitioniert oder vielleicht auch fehlkonstruiert, da der Refrain nicht recht zum Rest des Songs zu passen scheint. Trotzdem ist „The Reflex“ wohl der mit Abstand bekannteste Song des Albums. Bei „New Moon on Monday“ kommt neben der lieblichen Soulpop-Melodie auch noch etwas vom alten New Romantic-Stil zum Ausdruck. In „(I’m looking for) Cracks in the Pavement“ klingen sie erneut wie eine Mischung aus Roxy Music und Japan, was sich bei „I Take the Dice“ sogar noch verstärkt, da dieser Song wirklich wie eine Nummer von Japan klingt – hier orientiert sich Simon LeBon deutlich an David Sylvian. „Of Crime and Passion“ ist eine kantige Rock-Pop-Nummer, die mir jedoch wieder etwas zu simpel geraten ist. „Union of the State“ klingt wie Duran Duran und erinnert ebenfalls an Roxy Music, wobei eine Nummer wie diese schon zu oft zu hören war. Mit „Shadow on Your Side“ wird es nicht besser, eher schlechter – obwohl die Instrumentalpassagen eine gewisse musikalische Qualität aufweisen, reicht das nicht aus, um den Song vollständig zu tragen. Die kleine Ambient-Nummer „Tiger Tiger“ tut da richtig gut. Leider ist „The Seventh Stranger“ erneut ein qualitativer Tiefpunkt, sowohl was Sound als auch den Song selbst betrifft.  
Die 80er Jahre sind nicht jeder Platte förderlich, und dieses Album leidet stark unter dem typischen 80er-Sound. Es fehlt einfach an wirklich guten Songs – ein klangliches „klingt wie“ allein reicht hier nicht aus. (272)

Georg Dybowski – Simple doesn´t mean easy (2017)

Jazzgitarrist Georg Dybowski ist vor allem durch seine Arbeit mit dem Trio Chamberjazz bekannt. Auf dieser Solo-CD präsentiert er alte – bereits zuvor aufgenommene und gespielte – sowie neue Songs, die er allein an der Gitarre interpretiert.

Der Jazz von Georg Dybowski ist meist eine Wohltat für die Seele oder einfach die Freude daran, einem wirklich guten Gitarristen zuzuhören, der offenbar weniger mit dem Kopf als vielmehr mit dem Herzen seine Titel komponiert und benennt. So sind seine Songs häufig Personen oder Orten gewidmet und drücken die Zuneigung des Komponisten zu den jeweiligen „Helden“ seiner Stücke aus. Auch ein Ort kann ein Held sein und Gutes bewirken – jedenfalls für die Seele. Gleiches gilt für geliebte und geschätzte Mitmenschen. Weitere Inspirationsquellen findet er in Büchern sowie in den Werken anderer Musikerinnen und Musiker, die er schätzt.

Wer den Klang der akustischen Gitarre mag, dazu sanfte, schöne Melodien und das Gefühl, mit dem Song „Salut“ an einen Wohlfühlort gebracht zu werden, wird an dieser Musik große Freude haben. Diese Musik vereint Schönheit, Sanftheit und Emotion auf wunderbar eingängige Weise. Auch Liebhaber gepflegter Americana-Musik können mit „Simple doesn’t mean easy“ viel anfangen, ein Stück, für das der Begriff Ambient-Americana geschaffen wurde. Bereits nach zwei Songs war ich erneut total begeistert von der Musik Georg Dybowskis.

Besonders schön ist auch die Vielfalt der Stücke. Jeder Song erzählt mit warmen und wunderschön aufeinanderfolgenden Noten seine ganz eigene Geschichte, wie etwa der bezaubernde „Bonsoir Jacques“, der mit seinem Klang eher an klassische Gitarre als an Jazz erinnert. Gleiches gilt für „Die Burg in meinem Traum“, dem eine mittelalterliche Atmosphäre anhaftet. Ein weiterer Lieblingssong ist „Waiting for you“ – einfach schön.

Oft gehört und immer sehr geschätzt ist „Noah“. Dieses Stück drückt die Liebe zum eigenen Kind in Noten aus. Insgesamt ist die CD eine große Freude. Wer glaubt, Jazz sei nur verkopftes Notenklauben von Menschen, die ihre Instrumente besser beherrschen wollen als andere oder sich in endlosen Improvisationen verlieren, kennt die Vielfalt dieses Genres nicht. Für mich funktioniert Jazz am besten, wenn herausragende Kompositionen und Musikerinnen und Musiker zusammenkommen, um mit ihren Songs Emotionen zu wecken, den Hörer an andere Orte zu entführen, einzufangen, mitzunehmen und zu begeistern. Das ist hier etwa bei „Walzer für T.W.“ gut zu hören. Das Thema von „Frau Ute“ erklärt sich bereits im Titel.

Der Übergang vom melodiösen Jazz zu fast klassischen Kompositionen ist für Georg Dybowski normal. Ob er seine Musik selbst in solche Kategorien einordnet, weiß ich nicht. Mit „Frater Maus“ zeigt er eindrucksvoll sein Können auf der klassischen Gitarre.

Einfach schön ist auch seine Interpretation des Naturschauspiels „Sommerregen“. Der Abschluss mit „Kolja“ ist überaus gelungen.

Ich bin wieder einmal begeistert. Eine durchgehend schöne Sammlung von großartigen Stücken – ideal für Fans von Instrumentalmusik an der akustischen Gitarre und für alle, die wirklich gute Musik zu schätzen wissen.

Die Platten des Künstlers bestellen Sie am besten direkt beim Erzeuger: https://dybomusic.de/cd-shop/ (490)

Georg Dybowski/Fritz Roppel
- Space between Notes (2022)

Der Jazzgitarrist Georg Dybowski ist seit und sicher schon vor dem Abschluss seines Studiums der Jazzgitarre in Arnheim als Musiker aktiv – sowohl solo als auch als Teil verschiedener Gruppen, vor allem im Trio „Chamberjazz“, oder im Duo für Aufnahmen unterschiedlicher CDs. Ebenso ist er natürlich live zu erleben. Betrachtet man seine Webseite (www.dybomusic.de), fällt auf, dass im Laufe der Zeit eine breite Palette an Material entstanden ist.

Fritz Roppel, ebenfalls Mitglied von „Chamberjazz“, zählt zu den bekanntesten Bassspielern der Kölner Musikszene und ist darüber hinaus weithin anerkannt. Am liebsten spielt er Jazz, zupft aber auch für Schlager- und Unterhaltungskünstler die Saiten seines Basses.

Auf dieser CD spielen die beiden Musiker überwiegend Kompositionen von Georg Dybowski. Darüber hinaus sind Stücke von Fritz Roppel, Miles Davis und Mercer Ellington zu hören. Das Album wird als „intime Konversation zwischen Bass und Gitarre“ beschrieben.

Mit „Another Day“ nehmen sie einen Song aus ihrem Chamberjazz-Repertoire neu auf. Kenner des Trios erkennen die Nummer vom live eingespielten Debütalbum „Quite a Tale to Tell“, das in einem kleinen Programmkino in Oberhausen aufgenommen wurde. Auch in der Duo-Version funktioniert der Song sehr schön. „Kairos“ beginnt mit einer Bassdominanz, bevor die Gitarre wieder die Führung übernimmt – eine klassische Jazznummer, die wie immer bei Georg Dybowski mit viel Leichtigkeit dargeboten wird, ohne dabei einfache Hintergrundmusik zu sein. Die Virtuosität an den Instrumenten verlangt dennoch Aufmerksamkeit beim Zuhören.

Nicht alles klingt bei den beiden ausschließlich nach Jazz, denn es sind auch Blues-Elemente zu hören, etwa bei „Things ain´t what they used to be“ (Mercer Ellington). Dieser leichtfüßige Blues macht beim Hören großen Spaß.

„Mobile“ stammt ebenfalls aus dem Chamberjazz-Repertoire. Das abwechslungsreiche Stück funktioniert in der Duo-Version ausgezeichnet. Besonders schön ist hier der Folk-Einfluss zu hören, der neben dem Blues immer wieder im Schaffen der Musiker zum Ausdruck kommt. Wenn Fritz Roppel über die Saiten seines Basses streicht, entsteht ein wunderbarer Moment beim Hören dieser CD. Auch eine Neuinterpretation ist „Space“ – hier verschmelzen verschiedene Musikgenres zu etwas sehr Schönem. Genreunabhängig würde ich dieses Stück einfach als verdammt gute Musik und als einen wunderbaren Song bezeichnen.

„Blueberries and Red Wine“ bietet einen leichten Groove und eine entspannte Stimmung, die perfekt zum Titel passt. Diese Leichtigkeit setzt sich mit dem von Fritz Roppel komponierten „Carlinho´s Samba“ fort. Aus dem Werk von Miles Davis stammt „Nardis“. Vor allem reine Jazzfans werden sich bei diesem Stück und bei „Lydian Steps“ angesprochen fühlen. Am Ende folgt ein weiterer Blues, der auch im Titel darauf hinweist: „Weker´s Blues“.(368)

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