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M. Walking on the Water – Master Series (1998)

Wer ein wirklich gut zusammengestelltes Best-of-Album von „M. Walking on the Water“ haben möchte, liegt mit diesem Album genau richtig. Es ist mit siebzehn der besten Stücke der Band vollgepackt, macht viel Spaß und viele Songs bleiben noch lange im Kopf.

Die Band wurde in Krefeld von Markus Maria Jansen, Mike Pelzer und zwei weiteren Musikern gegründet. Das Genre der Band wird als Indie-Folk oder Punk-Folk bezeichnet. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum gilt als das meistverkaufte Indie-Album seiner Zeit (1988).

Bis 1998 nahm die Band sieben Alben und einige EPs auf. Es gab in der Bandgeschichte längere Pausen von bis zu 13 Jahren, doch zum 40-jährigen Jubiläum ist die Band wieder aktiv: Neben einer absolvierten Jubiläumstour wird auch ein neues Album veröffentlicht. Die alten Songs funktionieren heute noch genauso gut wie damals.

Die erste Single der Band, „Party in the Cemetery“, eröffnet die Songzusammenstellung schwungvoll und mit viel Partylaune. Akkordeon und Violine gehören ebenso zu den Hauptinstrumenten wie Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Wohl der größte Hit der Band ist der Song „Poison“ – und das auch zu Recht, obwohl er für einen Hit fast zu gut ist. Von der ersten Note, die der Bass spielt, nimmt der Song einen mit. Ein Supersong, der, einmal gehört, für immer im Gedächtnis bleibt – vielleicht in einem hinteren Hirnwinkel, aber so richtig vergessen wird dieser Song niemals.

Ein weiterer Indietitel, der sogar die Freunde düsterer Klänge anspricht und nicht weniger mitreißend ist als „Poison“, heißt „Holy Night of Rosemarie“. Die Band hat tatsächlich viele solcher echten Hits, was man auch auf ihren Konzerten merkt.

Denn auch „Misery“ reißt einen mit, allerdings etwas fröhlicher. Musik, die wirklich Spaß macht. Den Gesang teilen sich Markus Maria Jansen und Mike Pelzer. Irgendwie gefallen mir die von Pelzer gesungenen Stücke immer etwas besser – ich mag seine Stimme einfach sehr gern.

Schwungvoller Anarcho-Folk zeigt sich in „Anymore“, sogar mit Trompete. Mal etwas ruhiger, zurückhaltend und melancholisch schön ist „Day to Day“. Rock gibt es im New-Wave-Folk-Format mit „Linda Lee“. Wunderschöner Folk-Rock-Pop-Song ist „Island in the Sun“. „Lovemachine“ erinnert an einen Song von Philip Boa („Containerlove“) und reißt als Indie-Rock mit.

Etwas zu viel Jahrmarktklamauk für mich ist „Melitaah“, vielleicht aber als kleine, temporeiche Pausenmusik nach so vielen guten Songs ganz gut geeignet.

Wie gut M. Walking on the Water Rock und Folk mischen können, zeigt „Hole“. Die Rhythmusgruppe funktioniert bei dieser Band einfach sehr gut, sodass die Songs einen mitnehmen. Wenn sie dann noch so gut sind wie „Elysian“, macht Musik einfach nur Spaß – ohne reine Partymusik zu sein.

„Trouble“ fängt einen mit seiner Folk-/Rock-/Indie-Mischung ebenfalls sofort ein. Auch das ist ein richtiges Highlight der Band.

Etwas mehr auf Atmosphäre setzt der Song „Pluto“. Er ist als Song ganz spannend, wirkt aber ein wenig zu lang.

Die Downtempo-Nummer „The Sea“ erinnert fast an den Stil der siebziger Jahre. M. Walking on the Water haben ja auch einmal eine EP mit Prog-Rock-Coverversionen gemacht. Die schnelleren Songs machen insgesamt jedoch mehr Spaß, so auch „Caress Days“, der ebenfalls sehr gut funktioniert. Natürlich gilt das auch für den wunderbaren Walzer „Satellite Walz“, der als schöner musikalischer Absacker am Ende dient. Viele dieser Songs werden mir nie wieder aus der Playlist verschwinden. Musik fürs Leben. (624)

Madonna – Like a Virgin (1984/1985 – Europäische Vinyl-Pressung mit „Into the Groove“)

Habe ich die Single und das Album wegen der jeweiligen Cover-Fotografien gekauft oder weil die Musik so toll ist? Ich verweigere die Aussage. Aber ich habe „Material Girl“ und „Like a Virgin“ damals auch oft gehört. Ich war gerade 15 Jahre alt, als sie herauskamen, und das Nachfolgealbum „True Blue“ war wirklich ein ganz tolles Pop-Album, oder? Das hatte ich ebenfalls sofort bei Erscheinen gekauft, und vielleicht schreibe ich bald mehr dazu.

Musikalisch, sagen wir mal – vielleicht auch, weil diese Songs so oft gespielt und gehört wurden – hatte ich das Album gefühlt 30 Jahre nicht mehr in der Hand. Zwischendurch habe ich aber öfter meine Madonna-Singles wieder gehört, darunter „Like a Virgin“ und „Into the Groove“. Am besten hat mir jedoch „Live to Tell“ gefallen. Ich mag ihre Balladen eigentlich ganz gerne, und davon gibt es auf dem Album immerhin die Covernummer „Love Don’t Live Here Anymore“. „Into the Groove“ gab es nie auf den US-Ausgaben von Vinyl und CD – aus reinen rechtlichen Gründen. In Europa wurde der Song später einfach hinzugefügt.

Es kostet schon ein wenig Überwindung, mit dem Hören anzufangen. Bei den späteren Platten von Madonna (aber nicht den letzten) hätte ich damit weniger Probleme. Aber vielleicht macht es ja auch viel Freude, und das Album zählt zu den meistverkauften Alben überhaupt.

Pop und Konsum im leichten Disco-Rock’n’Roll – so klingt der Song „Material Girl“, tanzbar produziert von Nile Rodgers. Doch der Song hat sich wirklich selbst überholt. Da hilft es auch nichts, dass das Lied und das dazugehörige Video, in dem sich Madonna als neue Marilyn Monroe inszeniert, zu den bekanntesten Videos der 80er gehören.

Weil etwas harmloser, dafür aber auch etwas zurückhaltender und weniger aufdringlich, gefällt mir dagegen das von mir fast vergessene „Angel“ besser. Das ist mehr die Madonna, wie ich sie mag. Irgendwie klingt jetzt die Vinylplatte so, als würde sich mein Plattenspieler etwas zu schnell drehen. Will er die Sache schnell zu Ende bringen? Oder dachten sich die Produzenten, dass die Songs schneller abgespielt tanzbarer klingen und die Stimme besser wirkt?

Ohne „Like a Virgin“ wäre der Mythos um Madonna sicherlich nie so groß geworden, wie er es damals wurde. Es ist der Beginn einer riesigen Karriere. Aber der Song ist so verdammt simpel. Irgendwie singe ich beim Refrain im Kopf ganz kurz doch mit („hey!“). Er gehört einfach irgendwie zu „meiner Musik“, dagegen bin ich machtlos. Wirklich toll finde ich den Song heute aber nicht mehr.

Ich hatte es bei Madonna auch immer mehr mit den ruhigen Nummern und verstehe nicht, warum sie ihre Karriere nicht wie eine echte Diva beendet, indem sie sich von guten Musikern live nur noch die tollen ruhigen Stücke (sitzt oder steht dabei ruhig) für ihre Fans darbietet, statt ewig so zu tun, als könne sie noch mit den „Jungen“ mithalten. Das macht es auch schwer, noch Fan von ihr zu bleiben.

Die Mainstream-Radionummern, die nicht als Singles ausgewählt wurden, sind alle viel besser gealtert als die Hits. Selbst „Over and Over“ funktioniert noch einigermaßen als einfache Popnummer. Und „Love Don’t Live Here Anymore“ ist tatsächlich der Höhepunkt der ersten Plattenseite.

Das muss viel an Madonnas Sexappeal gelegen haben, dass das Album auch von Jungs gekauft wurde, denn alle Songs sind für den Jungsgeschmack eigentlich ziemlich uncool geraten. Balladen und Mainstream-Hits – und trotzdem war „Madonna“ einfach das Poster-Girl der 80er. Da weiß man dann aber auch, warum es eine Samantha Fox in die Charts schaffte, obwohl man die beiden Damen künstlerisch wirklich nicht miteinander vergleichen darf. Das Marketing war nicht ganz unähnlich.

Man muss der Platte aber auch eine gewisse Kurzweiligkeit zugestehen. Die erste Seite mit 20 Minuten Länge ging nämlich ruckzuck vorbei.

Wahrscheinlich, weil die zweite Seite im Original keinen Singlehit mehr zu bieten hatte, wurde „Into the Groove“ einfach hinzugefügt. Dieser Song, der eigentlich Filmmusik für den Film „Susan, verzweifelt gesucht“ war, eröffnet nun die zweite Plattenseite. Von den Singles funktioniert dieser Song mit seinem 80er- und Disco-Charme auch heute noch am besten. Der Groove bei „Into the Groove“ stimmt einfach.

Auch nett ist „Dress You Up“ – ein Popsong mit etwas Tanzflächentauglichkeit. Aber irgendwie ist Nile Rodgers’ Produktion zu glatt gebügelt, und deshalb klingt es für meine Ohren mehr nach Radiomusik.

Einen Song, der einfach „Shoo-Bee-Doo“ heißt, auf eine Platte zu bringen, ist schon mutig, oder nach den Singles war es einfach egal, was noch darauf landet. Der Song ist eine Ballade im Wiegenliedformat und wird noch etwas jazzig, soulig. Eigentlich ist er besser, als man vermuten würde. Aber weil ich mich überhaupt nicht mehr an ihn erinnere – wie an so vieles der zuvor gehörten Songs – scheint diese Musik sich auch nicht wirklich mit meinem Gehirn verbinden zu wollen, jedenfalls nicht mit dem Teil, der für Erinnerungen zuständig ist.

„Pretender“ kommt vom Groove her an „Into the Groove“ noch heran, ist aber vom Song her schwächer. „Into the Groove“ wurde als einziger Song nicht von Nile Rodgers, sondern von Madonna und Steve Bray produziert.

Wie „Stay“ klangen unheimlich viele Songs in den 80ern – der Song ist ein Paradebeispiel für den typischen 80er-Jahre-Pop.

Seite zwei bietet bis auf das hinzugefügte „Into the Groove“ eigentlich nur Single-B-Seiten-Material. Das Album kann deshalb einer kritischen Auseinandersetzung heute kaum standhalten. Trotzdem bleibt es ein Megaseller und ein kommerzieller musikalischer Meilenstein der 80er-Jahre. (589)

Madonna – True Blue (1986)

Mit „Like a Virgin“ hat sich Madonna zum Popstar entwickelt und nutzt dies auch zunehmend dazu, bei ihren Plattenproduktionen mitzubestimmen. Sie arbeitet nun lieber mit Produzenten zusammen, die sie selbst auswählt – wofür sie auch ein Händchen hat – und produziert mit. So sind jetzt Stephen Bray, der Co-Produzent von „Into the Groove“, sowie Patrick Leonard für den Sound und den Ton des Albums zuständig. Madonna fungiert zudem bei den Songs als Co-Autorin. Das Album wurde von ihrem damaligen Ehemann und Lebenspartner Sean Penn inspiriert. Da ich „Live to Tell“ schon immer mochte und auch weiterhin mag, hat das Album für mich jetzt schon einen wirklich guten Song zu bieten. Ich bin mir sicher, dass mir dieses Album beim erneuten Hören besser gefallen wird als „Like a Virgin“. Trotzdem bin ich gespannt.

„Papa Don’t Preach“ ist nach wie vor eine ordentliche Popnummer, ebenso wie „Open Your Heart“. Das sind keine Songs, die ich unbedingt täglich hören oder in meiner Playlist haben müsste, aber als Hintergrund-Radio-Pop funktionieren sie gut und verursachen keinen Ärger. Tatsächlich merkt man der Produktion an, dass sie meilenweit von den doch recht einfachen Discopopsounds der Nile-Rodgers-Produktion des Vorgängeralbums entfernt ist. Das aktuelle Album hat mehr Pep, klingt zeitloser und nicht mehr so typisch nach den frühen 80ern. Es zeigt fast schon, wie ein Pop-Album in den nächsten Jahren klingen sollte.

Bei „White Heat“ gilt das Gleiche wie bei den beiden zuvor genannten Songs: Auch dieser tut nicht weh.

„Live to Tell“, das wieder als Filmmusik für „Against All Odds“ („Gegen jede Chance“) entstanden ist – einem sehens- und hörenswerten Film, in dem Sean Penn die Hauptrolle spielte – finde ich ausgesprochen gut. Das Stück hat viel Gefühl, und die Musik funktioniert wunderbar. Wäre es nicht herrlich, wenn Madonna endlich einsähe, dass sie nicht mehr tanzen muss, sondern von einem Hocker aus, begleitet von einer wunderbaren Liveband, vielleicht sogar einem kleinen Orchester, ihre Balladen zum Besten geben könnte? Das wäre ihrem Talent und Charakter würdig. Und „Live to Tell“ ist für mich das erste musikalische Highlight auf diesem Album mit nachhaltiger Bedeutung.

„Where’s the Party“ ist ebenfalls nett, aber von der Zeit an Wertigkeit überholt. Der Song klingt noch richtig nach den 80ern. Trotzdem ist er ein Stück, das live super funktioniert und die Halle so richtig einheizen kann. Er erinnert ein wenig an eine Lionel-Richie-Nummer, fast schon wie „All Night Long“ in abgespeckter Version.

Allerdings ist auf diesem Album längst nicht alles gut gealtert. „True Blue“ ist fast schon eine zu einfache Nummer – eine Mischung aus Schlager und Rock ’n’ Roll.

„La Isla Bonita“ dagegen ist der typische Sommersong und wird sicherlich auch diesen Sommer noch funktionieren. Trotzdem kann ich mich für diese Songs nicht mehr richtig begeistern, denn die meisten haben die Zeit leider nicht überdauert.

Im Rock ’n’ Roll-Power-Pop-Gewand scheitert „Jimmy Jimmy“, weil er schlichtweg schlecht ist. Beeindruckend, dass ich früher so etwas gut fand. Nach dem Kauf habe ich das Album damals an manchen Tagen mehrmals gehört. Damals war ich ein großer Madonna-Fan und habe sie sogar für heute unvorstellbar günstiges Geld in der Westfalenhalle live gesehen. Ich erinnere mich noch, wie sie bei einem stark veränderten Auftritt von „Like a Virgin“ auf einem Bett lag und von dort sang – mehr weiß ich allerdings nicht mehr.

Insgesamt sind viele Songs schlechter gealtert, als ich gedacht hätte. Deshalb ist es auch kein Fehler gewesen, dass ich die CDs von „Like a Virgin“ und „True Blue“ bereits vor etwa 20 Jahren abgegeben habe. Damals konnte ich mit der Musik nichts mehr anfangen. Die Ausnahme ist „Live to Tell“, das ich sowohl als Maxi- als auch als Singleversion aufgehoben habe. Ich glaube aber, es gibt noch weitere Madonna-Alben, die mir gefallen werden. Die werde ich mir auch noch anhören. (590)

Magazine – Real Life (1978)

Howard Devoto war Gründungsmitglied der Buzzcocks, merkte jedoch schnell, dass seine Texte im lauten, wilden Punksound untergingen. Kurz nach dem Erscheinen der ersten EP verließ er die Band und gründete, inspiriert von „Low“ (David Bowie) und „The Idiot“ (Iggy Pop), seine eigene Band.

„Magazine“ hat einen Rocksound, dem der Punk nicht ganz ausgetrieben wurde – also Postpunk. Diese Platte klingt wie eine Mischung aus Iggy Pop und The Clash und zeigt in der ersten Hälfte noch einen starken Punkanteil. Die zweite Hälfte wird mit den Songs „Burst“ und „Motorcade“ etwas atmosphärischer. „The Great Beautician in the Sky“ ist ein abwechslungsreicher Stimmungsmix und zeigt, dass die Band auch keine Scheu vor Prog-Episoden im Repertoire hat. Es klingt fast so, als würde der Peter Gabriel der 70er Jahre plötzlich wie Clash-Sänger Joe Strummer singen.

„The Light pours out of me“ ist eine richtig gute Postpunk-Nummer. Mit Pianoklängen und Synthisound beginnt „Parade“ und beendet die Platte fast mit einem Art-Rock-Jazz-Feeling – könnte auch von Zappa stammen. Als Bonus kommt als erstes die Singlefassung von „Shot by Both Sides“ hinzu, die wirklich wie ein Iggy Pop-Song klingt. Auch der folgende Track „My Mind ain’t so open“ ist eine schnelle Punknummer, ebenso wie „Touch and Go“. Ein fetter Abschluss ist „Goldfinger“. So hat man den Bond-Song noch nicht gehört.

Insgesamt habe ich bei dieser Platte den gleichen ersten Eindruck wie beim Debüt von „Wire“. Da sucht eine Band noch nach ihrem Sound. Alles ist möglich. (47)

Taj Mahal – Taj Mahal (1968)

Blues-Rock mit einer guten Portion Garagen- und Südstaatenrock – das ist die Mischung, aus der der Song „Leaving Trunk“ besteht. Dabei macht der Song direkt richtig viel Spaß, weil er Blues und Rock in ihrer absolut zeitlosen und mitreißenden Art sehr gut vermittelt. Das ist ein wirklich gelungener Soloeinstand von Taj Mahal. Bei der Gitarrenarbeit, bei der Taj Mahal die Slidegitarre spielt, wird er von Jesse Ed Davies und Ry Cooder unterstützt, mit dem er zuvor bereits bei den Rising Sons zusammenspielte.

Klassischer Blues-Rock begegnet uns bei „Statesboro Blues“. Bei diesem und den weiteren Stücken handelt es sich um Songs anderer Bluesmusiker, die Taj Mahal jedoch größtenteils neu arrangiert hat. Ganz klassisch ist auch der Blues-Rock mit Mundharmonikaeinsatz am Anfang von „Checkin’ up on my Baby“. „Everybody’s got to change sometime“ dagegen ist ein Gospel-Rock-Stück.

Bei „E Z Rider“ wird wieder mehr gerockt, und das gefällt mir deutlich besser als der zwar gut gespielte, aber dennoch etwas gleich klingende Blues, der den größten Teil der Platte einnimmt. Wahrscheinlich ist Taj Mahal auch eher Bluesmusiker als Rockmusiker, doch seine Stimme passt auch bei Südstaatenrock-Songs hervorragend, was einfach viel Freude bereitet.

Anschließend geht es mit klassischem Blues weiter, zum Beispiel bei „Dust my Broom“. An den Songs von Robert Johnson kommt kein echter Bluesmusiker vorbei. Bei „Diving Duck Blues“, den er ebenfalls schon mit den Rising Sons gespielt hat – wie auch andere Songs der Platte – sind wir im Garagen-Rock-Stil. Auch diesen Stil mag ich sehr. Das Album beendet „The Celebrated Walkin’ Blues“, das mit einer Länge von über acht Minuten aufwartet. Hier macht mir der Blues dann richtig viel Freude.

Ich höre nicht viel Bluesmusik, weil sich für mich oft alles ähnlich anhört. Doch bei Taj Mahal bleibe ich erst einmal dran. Sein Blues hat etwas Besonderes. Und ich möchte wissen, wie er sich weiterentwickelt hat. (449)

Marching Band – Heart Juwel (2016)

Marching Band ist ein Indie-Pop-Rock-Duo, bestehend aus den schwedischen Musikern Eric Sunbring (Gitarre, Gesang) und Jacob Lind (Gitarre, Keyboards, Gesang). Bei Liveauftritten wurde das Duo durch die Musiker Benjamin Forsberg (Gesang, Gitarre), Ludvig Kennberg (Schlagzeug) und Gustav Nygren (Bass) ergänzt.

Ich kenne die Band schon seit einigen Jahren und schätze ihren unverwechselbaren Sound sowie die Leichtigkeit, mit der sie Indie-Rock machen, der eine ganz eigene Note hat. Allerdings fand ich den Bandnamen immer etwas unglücklich gewählt, denn bei einer Google-Suche nach „Marching Band“ werden vor allem Treffer zu Blaskapellen angezeigt. Das führt auch in anderen Suchmaschinen zu ähnlichen Ergebnissen. Um die Band zu finden, muss man die Suche daher mit zusätzlichen Informationen ergänzen.

Lange Zeit war ihr bis dahin letztes Album das aktuellste Werk, doch im Jahr 2024 erschien ein Nachfolgealbum. Ich konnte „Heart Jewel“ nur als Japanimport auf CD erwerben, da das Album nur dort als CD veröffentlicht wurde. Es enthält zudem ein zwölftes Stück als Bonus für Japan. Ansonsten ist das Album ausschließlich in digitaler Form über Bandcamp erhältlich. Dort lässt sich auch günstig die gesamte Diskografie der Band in derselben Art erwerben – das kann ich besonders Leuten empfehlen, die die Band bisher noch nicht kennen.

Mit „Creator (And I Notice)“ beginnt das Album wie gewohnt mit leichtgängigen, akustisch klingenden Indie-Singer/Songwriter-Pop, der irgendwo zwischen den Beatles und den Byrds liegt und wieder sehr bezaubernd ist.

Man könnte den Stil von Marching Band vielleicht als Lagerfeuer-Pop bezeichnen. Es ist einfach wunderbar, so wie der Song „Silver Screen“, der absolut fesselnd ist und durchaus das Potenzial für einen Radiohit hat, weil er mit viel Power gespielt wird. Er erinnert mich auch an „Town of Saints“ – falls das hier überhaupt jemand kennt.

Den Indie-Sound beherrschen sie ebenfalls, jedoch mit einer ganz eigenen Note. Auf dem Album perfektionieren sie diesen Stil noch mehr als auf ihren Vorgängeralben. Besonders hervorzuheben ist beispielsweise „Cocoon“.

Sanfter wird es bei „Come on Baby“ – ein zuckersüßer Mix aus Beach Boys und Kings of Convenience. Das Titelstück „Heart Jewel“ überzeugt mit mehr Power und diesem mitreißenden Schwung, den viele Stücke der Band gemeinsam haben.

„The Days Are Surely Over“ wirkt etwas verträumter. Die herrlichen Gesangsharmonien sind jedoch immer toll zu hören. Ein weiteres Merkmal der Musik ist, dass sich die Songs im Verlauf verändern – es wird nicht von Anfang bis Ende nur eine einzige Melodie durchgespielt, sondern verschiedene Ideen werden abwechselnd umgesetzt.

Mir macht der unbeschwerte Sound der Band einfach Spaß – es ist, als würde man einen Wohlfühlfilm schauen, nur eben in Form eines sehr guten Indie-Pop-Albums.

Hinzu kommt, dass die Musik zeitlos klingt, ohne dabei retro zu sein. Die Klänge wirken frisch, auch wenn man einige Vorbilder heraushören kann, beispielsweise bei „Are You Gonna Sing“.

„Sing and Play Guitar“ beginnt mit Synthesizersounds und spielt so ironisch gegen seinen Titel an. Beim Indie-Pop-Song „How Was the Western“ nehmen die elektronischen Klänge im hinteren Teil des Albums mehr Raum ein. Daher wäre bei einigen Stücken auch die Bezeichnung Folktronica passend.

Zum Abschluss gibt es noch zwei kontrastreiche Stücke: mit „Useful Idiot“ etwas Sanftes und zum Finale energischen Powerfolk bei „Divorce Him“. (587)

Bob Marley & The Wailers – Uprising (Vinyl/1980)

Das ist bereits das zwölfte und zugleich letzte Album von Bob Marley, das er zu Lebzeiten veröffentlichte. Dabei fällt mir auf, dass ich unbedingt mehr in seine früheren Alben hineinhören sollte, denn „Uprising“ ist zweifellos ein meisterhaftes Reggae-Album. Schon nach den ersten Klängen wird man von dieser positiven, fröhlichen und dennoch keineswegs oberflächlichen Musik begeistert. Wer benötigt da eigentlich noch zusätzliche Stimulanzien? Musik allein kann bereits alles bewirken. Die Songs sind so hervorragend produziert – Chris Blackwell hat sich als ausgezeichneter Produzent erwiesen. Doch es sind vor allem die vielen guten Stücke und besonders die herausragenden Titel wie „Pimper’s Paradise“, „Could You Be Loved“ und „Redemption Song“, die dieses Album so besonders machen – und zwar nicht nur für eingefleischte Reggae-Fans.(122)

Laura Marling - I speak because I can (2010)

Mit „Devil’s Spoke“ beginnt das Album der Folksängerin sehr gelungen. Der Song ist ein recht flotter und sehr amerikanisch klingender, mitreißender Folk-Titel. Kein Wunder, dass Mumford & Sons schnell auf die Sängerin aufmerksam wurden und mit ihr zusammenarbeiten wollten.

Sanfteren Folk bietet dagegen das folgende „Made my Maid“. Für eine Britin klingt auch dieser Song eher nach amerikanischem Singer-Songwriter-Material. Aber Musik kennt glücklicherweise keine Grenzen. Auch „Rambling Man“ setzt diesen Stil fort. Das ist eine sehr schöne Nummer, die sanft beginnt und eine feine dynamische Kraft entfaltet.

Americana- und Roots-Fans werden an den Songs von Laura Marling viel Freude haben, denn ihre Stücke sind feinster Folk und funktionieren durchweg sehr gut. Das gilt auch für „Blackberry Stone“, „Alpha Shallows“ und „Goodbye England (Covered in Snow)“. Das liegt unter anderem daran, dass die Songs sehr schön arrangiert sind und als akustischer Folk überzeugen, ohne übermäßig aufgemotzt zu wirken. Weniger ist eben meistens mehr, und gerade beim Folk trifft das auf jeden Fall zu. Selbst wenn sie nur von ein oder zwei Instrumenten im Gesang begleitet wird, findet Laura Marling stets den richtigen Ton. So sind auch die weiteren Songs „Hope in the Air“, „What he wrote“, „Darkness descends“ und der Titelsong „I speak because I can“ ein echter Hörgenuss. Deshalb kann man diese zweite Veröffentlichung von Laura Marling ohne Zweifel als einen „großen Wurf“ bezeichnen. (382)

Steve Martin & Edie Brickell - So Familar (2015)

Die zweite Platte des vor allem als Komiker bekannten Steve Martin und der Musikerin Edie Brickell, die Anfang der 90er-Jahre mit ihrer Band New Bohemians und dem Song „What I Am“ bekannt wurde, ist wie ihre erste Zusammenarbeit aus dem Jahr 2013 ein Bluegrass-Album. Dabei spielt Steve Martin Banjo, ein Instrument, das er bereits bei seinen frühen Auftritten als Comedian verwendet hatte, und Edie Brickell singt dazu. Die Musik der Songs haben die beiden gemeinsam geschrieben, während Edie Brickell allein für die Texte verantwortlich war. Produziert wurde das Album von Peter Asher, der bereits Linda Ronstadt und James Taylor bei ihren Aufnahmen unterstützte. Neben dem Banjo kommen auch Streicher und weitere Instrumente zum Einsatz.

Dass ich mich beim amerikanischen Folk immer etwas schwer tue, zu differenzieren, ob es sich nun um Singer/Songwriter, Americana, Bluegrass, Country oder andere Genres handelt, habe ich ja schon früher zugegeben. Diese Musik vereint all diese Elemente. Bereits das Titelstück „So Familiar“ ist sehr poppig und charttauglich – aber auf eine gute Art. Es handelt sich nicht einfach um Banjo-Spiel, wie man es aus Westernfilmen kennt, sondern um schöne Songs. Bei Titel Nummer drei, „Way Back in the Day“, ist sogar eine gefühlvolle Ballade möglich. Dieses Album zeigt modernen amerikanischen Folk in all seinen Facetten. Eine tolle Folk-Rock-Nummer ist „Won’t Go Back“, die einen schon beim ersten Ton mitnimmt. Auch nach dreißig Jahren, in denen das Debüt der New Bohemians veröffentlicht wurde, hat Edie Brickell ihre Stimme gut bewahrt und klingt in den Stücken eigentlich genauso wie damals. Eine weitere schöne, ruhige Nummer ist „I’m by Your Side“.

Das gesamte Album bietet rundum schöne Musik, die Spaß macht, unangestrengt klingt, perfekt zum Abschalten und Runterkommen geeignet ist und bei manchen Stücken sogar zum Mittanzen einlädt. „I Had a Vision“ ist zwar etwas zu ruhig dafür, dafür sehr schön und keineswegs kitschig trotz des Banjospiels. Auch „I Have You“ ist eher lieblich geraten, dabei allerdings durchaus zuckersüß. Dann zieht das Tempo wieder an, und beim Banjo wird zu „Another Round“ fröhlich gefiedelt. Eine ganz feine Folk-Nummer ist „Mine All Mine“. Mit viel Country-Charme kommt „Heart of the Dreamer“ daher – und das auf eine beeindruckend gute Weise. Jegliche Kritik fällt da schwer oder wirkt fast unmöglich. Einfach nur gute Musik und schöne Songs, so wie auch „My Baby“ und das abschließende „Heartbreaker“.

Vielleicht haben Steve Martin und Edie Brickell mir mit ihrer schönen Musik nicht das Herz gebrochen, dafür aber mit ihrem Album eingefangen und begeistert – was will man mehr von einer Platte? Und ihre erste gemeinsame Arbeit soll sogar noch besser sein. (379)

Marillion – Market Square Heroes (1982) + Script for a Jester´s Tear (1983)

Ich gebe zu, ich habe Marillion erst so richtig gekauft, als Fish weg war. Davor hatte ich zwar die Maxi mit den Singles „Garden Party“ und „Kayleigh“, aber richtig eingestiegen bin ich erst mit Steve Hogarth. Zu Fish-Zeiten klang die Band für mich zu sehr nach einer Genesis-Kopie. Jetzt höre ich mir in Ruhe die erste EP und das Debütalbum an. Man muss der Band zugutehalten, dass sie den Prog-Rock in den 80er Jahren gerettet hat.

Die EP „Market Square Heroes“ besteht aus zwei kurzen Stücken auf Seite 1 und einem langen auf Seite 2.

„Market Square Heroes“ rockt richtig gut, und man verliebt sich sofort in Fishs Stimme. Er klingt zwar wie eine perfekte Mischung aus Peter Gabriel und Phil Collins, aber das passt gut. Musikalisch sind die Vorbilder natürlich zu erkennen, doch ich finde, man darf ruhig wie sie klingen, wenn der Song trotzdem etwas Neues bietet. Genau das schafft „Market Square Heroes“. Betrachtet man, dass das Jahr 1982 war – also geprägt von Pop, New Wave, Synthpop und Eurodance – fällt der Song mindestens genauso aus der Zeit wie die Musik der Dire Straits, die ein paar Jahre zuvor schon ähnlich zeitlos wirkte, nur eben als Prog-Rock-Band. Und bei den Dire Straits hat das sehr gut funktioniert.

Theatralischer Progrock bietet „Three Boats Down from the Candy“. Da fehlt die Leichtigkeit von „Market Square Heroes“, weshalb mich das Stück heute nicht mehr so begeistert. Es erinnert zu sehr an Genesis und Yes, die ich schon kenne. Nur die später einsetzende Gitarrenarbeit hat ihren Reiz. Ansonsten ist es ein Versuch, Progrock in einen kürzeren Song zu pressen.

Gitarrist Steve Rothery, Bassist Pete Trewavas und Keyboarder Mark Kelly gehörten zu dieser Zeit bereits zur Band und sind bis heute Teil davon. Am Schlagzeug wechselte es anfangs häufiger: Erst spielte Mick Pointer, dann folgte 1984 Ian Mosley. Im Jahr 1983 besetzten sogar drei weitere Schlagzeuger den Platz.

„Grendel“ ist dann epischer Theater-Progrock – ein neunzehn Minuten langes Stück, das klingt, wie es viele Prog-Rock-Bands in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren schon gemacht haben. Ist es zu verschachtelt und kunstvoll, wird es, wie in anderen Musikgenres auch, schnell uninteressant für mich. Ich möchte meist einfach gut unterhalten werden. Natürlich ist die Gesangsleistung nicht schlecht, und „Grendel“ enthält einige gelungene Passagen – besonders, wenn es mehr wie Rockmusik klingt. Progrock-Fans wird das Stück sicherlich gefallen. Jedem das Seine.

Das Debütalbum „Script for a Jester´s Tear“ beginnt mit dem gleichnamigen Titelstück. Der Song zeigt die zwei Seiten von Marillion sehr gut: Sie klingen entweder wie bekannte Songs von Genesis oder rocken ordentlich, wobei sie in der zweiten Hälfte versuchen, dem Progrock einen moderneren Klang zu verleihen. Dabei verlieren sie sich jedoch wieder im Retro-Sound. Gut gemacht ist das Stück, aber eine eigene Identität gewinnt die Band so nicht, und es besteht die Gefahr, nur eine gut klingende Coverband zu sein. Auch ein ausgezeichneter Sänger kann das nicht verhindern.

„He Knows You Know“ startet vielversprechend mit einem härteren Sound und einer guten Grundmelodie. So könnte sich die Band tatsächlich einen eigenen Sound entwickeln. Tatsächlich erinnert mich der Song an später veröffentlichte Stücke von Porcupine Tree, die einige Jahre später den Progrock neu belebt haben. Nach „Market Square Heroes“ ist „He Knows You Know“ definitiv ein Stück, das mir gefällt.

„The Web“ rockt ebenfalls gut, doch der Song überzeugt nur teilweise, da er musikalisch nicht viel Neues bietet und sich auf bekannten Pfaden bewegt.

„Garden Party“ funktioniert nach wie vor. Das ist einfach eine gute Rockmelodie, die auch in den ruhigeren Passagen durch Fishs Gesangsleistung überzeugt.

Das mit dem atmosphärischen Rock ist auch bei „Chelsea Morning“ gut gelungen. Solange die Band den Rockanteil in ihren Songs hochhält, funktioniert das für mich besser als das Abarbeiten am theatralischen Progrock der frühen 70er-Jahre. Ich verstehe daher auch die Labelchefs, die der Band einen Heavy-Metal-Produzenten aufdrängen wollten. Dann hätten wir statt „Marillion“ vielleicht eine Band namens „Sauron“.

Da ich den eher ausgelassenen Rock von „Market Square Heroes“ mochte, nimmt mich auch das ähnlich gut rockende Stück „Forgotten Sons“ mit. Besonders ansteckend finde ich das Bassspiel von Pete Trewavas, das mich im Verlauf des Albums immer mehr in die Songs hineinzog.

Zusammengefasst ist das ein durchaus ordentliches Album. Ich kann persönlich aber wenig mit dem dramatischen und überkomplexen Progrock anfangen. Ich mag „Yes“, „Genesis“ und andere Bands dieses Genres – aber nur, wenn sie mir gute Songs und Melodien bieten. Deshalb gefiel mir dieses Album besonders dann, wenn die Band mehr rockte als proggte. (562)

Maximo Park - A Certain Trigger (2005)

Die ganzen Indie-Rockbands der 2000er Jahre wie Maximo Park, Arctic Monkeys und Kaiser Chiefs bringe ich nach wie vor wild durcheinander. Ich muss also mal wieder die Alben solcher Bands durchhören, um die Namen besser mit Alben und Songs zu verbinden. Mal schauen, ob mir das gelingt. Maximo Park macht den Anfang, und in loser Folge, so wie es meine Plattenkisten und CD-Stapel erlauben, werden nach und nach weitere dieser Bands folgen.

Das Album „A Certain Trigger“ ist das richtige, um sich Maximo Park wieder zu nähern, denn es ist das Debütalbum der Band. Mit 13 Songs auf etwa 40 Minuten wird es auf jeden Fall kurzweilig, denn die einzelnen Stücke können nicht allzu lang sein. Von Maximo Park weiß ich eigentlich nur, dass ich den Song „Books from Boxes“ vom zweiten Album „Our Earthly Pleasures“ total gerne mag. Dadurch habe ich wenigstens noch eine Erinnerung daran, wie der Sänger stimmlich klingt.

Wie viele Indie-Bands mischen Maximo Park in Songs wie „Signal and Sign“ Punkrock und Alternative-Rock zu einem etwas gefälligeren Mix zusammen, so dass die Musik durchaus charttauglich ist. Ein wenig heftiger geht es bei „Apply Some Pressure“ zu, aber auch hier macht die Musik eher Spaß und lädt zum ausgelassenen Tanzen ein – zum Pogen könnte sie jedoch auch geeignet sein.

Eher klassisch rockig ist dagegen „Graffiti“. Besonders gut gefällt mir das etwas emotionalere und gewitzt gespielte „Postcard of Painting“ – ein ganz toller Song, der länger im Gedächtnis bleibt und genauso gelungen ist wie das zuvor erwähnte „Books from Boxes“. Leider ist er schon fast zu kurz.

Auch „Going Missing“ ist schöner Indie-Pop-Rock und macht jede Menge Spaß. Dass all diese Songs nächstes Jahr 20 Jahre alt werden, lässt mich kurz nostalgisch werden und ein wenig alt fühlen. Die ungebrochene Frische der Songs ist jedoch sehr aufmunternd.

Maximo Park liefern hier einen guten Song nach dem anderen ab. „Going Missing“ ist ebenfalls ganz stark. Mit solchen Songs hebt man sich wirklich aus der Menge der Indie-Bands hervor.

„Limassol“ ist ein guter Rocksong. Ein weiterer Knaller ist „The Coast is Always Changing“ – ein ganz herausragender Titel. Das Schöne an solchen Songs ist, dass sie absolut zeitlos sind und einfach immer funktionieren. Sie könnten heute „neu“ erscheinen und würden einen genauso begeistern wie vor 20 oder 40 Jahren.

Selbst die runtergerockten Nummern wie „The Night I Lost My Head“ sind bei Maximo Park gut anzuhören und nehmen einen mit.

„Once, A Glimpse“ entwickelt sich dann doch zum Refrain hin zu einer fast punkrockigen Nummer. Noch eine Nummer mit Spaß-Punk-Britpop-Faktor ist „Now I’m All over the Shop“.

Etwas aus dem Rahmen fällt das Stück „Acrobat“, bei dem wohl der Keyboarder der Band musikalisch die Kontrolle übernommen hat. Es erinnert an den Indiesound der 80er Jahre.

Verabschieden tun sich Maximo Park mit einem fröhlichen Indie-Rock-Song: „Kiss You Better“. Besser hätte ein Indie-Rock-Debütalbum nicht enden können. Ich muss doch auch mal hören, was sie noch so gemacht haben und ob sie das Niveau halten konnten. (377)

Mazzy Star – She hangs brightly (1990)

Wer beim ersten Song „Halah“ nicht sofort an Lana Del Rey denkt, kennt sie vermutlich nicht. Der Klang ist sehr ähnlich: verträumte Gitarren in einer Wüstenlandschaft und ein ebenso leicht gelangweilt vorgetragener Gesang. Mit Lana Del Rey konnte ich mich bisher auch nicht richtig anfreunden, weshalb mir der Song nicht geholfen hat, Mazzy Star zu mögen. Doch das Duo legt bei „Blue Flower“ etwas mehr Power an den Tag, und auch Hope Sandovals Gesang strahlt mehr Energie aus als zuvor. Das gefällt mir besser, haut mich aber trotzdem nicht um.

Der Song „Ride It On“ geht mit Akustikgitarre und Gesang wieder ruhiger zu, bietet aber eine durchaus charmante Folk-Nummer. Das Titelstück „She Hangs Brightly“ hat musikalisch eine interessante Psychrock-Note, doch für mich passt der Gesang nicht ganz zu diesem Stil. Die Stimme von Hope Sandoval wirkt auf mich oft etwas störend, weil sie immer recht emotionslos und gleich bleibt. Es fehlen Ausbrüche, Zurückhaltung oder auch einmal ein Aufschrei. Für mich ist Musik immer etwas sehr Emotionales, so wie Bücher, Filme, Serien, Comics oder Bilder – eigentlich alles, was man als Kultur bezeichnet. Kultur muss auf mich emotional wirken.

Leichter Rock ’n’ Roll und Blues mit einem Hauch von Aloha-Hawaii gibt es bei „I’m Sailin’“. Es bleibt verträumter Rock, der gut gespielt ist. Sandovals musikalischer Partner David Roback hat schöne Melodien komponiert, etwa bei „Give You My Lovin’“. Langfristig erschlägt die angeblich „süß-melancholische“ Stimme von Hope Sandoval jedoch die Songs und dämpft damit mein Interesse. So fällt „Be My Angel“ mit seinem teils recht unangenehmen Gesang schnell ab. Das bluesiges „Taste Blood“ macht dagegen wieder mehr Freude.

„Ghost Highway“ ist erneut gut musizierter Rock, doch der Gesang reißt einen auch hier nicht richtig mit. Leider werden die (Psych-)Rock-Elemente auf den späteren Alben noch geringer, bis sie ganz verschwinden. Daher werde ich mich wohl nicht an weiteren Werken des Duos versuchen, denn die Rockelemente sind es, die mich beim Hören dieser Platte am meisten bei Laune halten. Die leicht säuselnden Blues-Nummern nerven mich mit der Zeit eher. So ist „Free“ wieder weniger mein Fall. Der Abschluss mit „Before I Sleep“ funktioniert am Ende aber noch einmal ganz gut.

Insgesamt gebe ich der Platte die Note „Befriedigend“. Für mehr reicht es bei mir nicht. Dennoch sollten alle Lana-Del-Rey-Fans, die Mazzy Star bisher nicht kannten, unbedingt einmal reinhören. (228)

MC5 - Kick out the Jams (live) – 1969

Lauter Rock mit Rock-’n’-Roll-Einschlag bildet das Grundgerüst des Songs „Ramblin’ Rose“. Die Band MC5 gilt als eine der frühesten Gruppen mit Punk-Charakter. Mitglieder waren Rob Tyner (Gesang), Fred Smith (Gitarre und Ehemann von Patti Smith), Wayne Kramer (Gitarre – später veröffentlichte er Soloalben und arbeitete unter anderem mit Marianne Faithfull und Mudhoney zusammen), Michael Davis (Bass) sowie Dennis Thompson (Schlagzeug). Eigentlich handelt es sich bei ihren Songs wie „Kick out the Jam“ um Hardrock – im Stil von The Who, dabei aber die amerikanische Variante. Könnte es sein, dass dies das erste Live-Album ist, auf dem das Wort „Motherfucker“ zu hören ist? Das weiß ich nicht genau, vermute es aber. Harter Blues-Rock ist „Come Together“. Hier klingen sie ähnlich wie später die Black Crowes, nur sind MC5 deutlich härter, als es diese jemals waren.

Bei „Tall/Rocket Reducer No.62“ wird das hohe Ansehen der Band deutlich. Natürlich ist MC5 wichtig für die Geschichte der Rockmusik, denn in ihrem Sound sind viele Elemente enthalten, die auch heute noch zum Spektrum der Rockmusik gehören. Rockmusik steht also nicht nur für The Who, Led Zeppelin, die Stones und Queen, sondern ebenso für MC5 – die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Genres Punk, Heavy Metal und Alternative-Rock spielten.

Der Song „Borderline“ erinnert mich sehr an The Who. Rob Tyner singt hier ähnlich wie Roger Daltrey. Noch einmal mit viel Blues: „Motor City is burning“. Hart gerockt ist „I want you right now“ – die Gitarrenarbeit von Smith und Kramer ist hier wirklich beeindruckend, sie konnten durchaus mit den Großen ihrer Zunft mithalten. Zum Abschluss folgt mit „Starship“ ein Rocksong, der etwas psychedelisch klingt. Die Musik von MC5 ist kaum in eine Schublade zu stecken, denn von Garagenrock bis Psychedelic ist alles vertreten. (442)

Zara McFarlane – Songs of an Unkown Tongue (2021)

Zara McFarlane ist eine britische Soul- und Jazzsängerin, die auf ihrem vierten Album unter anderem Jamaika, die Heimat ihrer Eltern, erkundet. Dabei ist kein Reggae-Album entstanden, sondern eine Mischung aus Art-Jazz und Pop mit Reggae- sowie leichten Dub-Elementen. Kluge Melodien, ihr gefühlvoller und gekonnter Gesang sowie ein Hauch von Elektronik machen die zehn Songs zu etwas Besonderem – einem gelungenen Grenzgänger zwischen Soul, Jazz und Pop, ohne dabei „anstrengend“ zu wirken. Dieses Werk wurde mit Kopf und Können geschaffen, jedoch ohne den Hörer zu überfordern. Bei Künstlerinnen wie Björk, um nur ein Beispiel zu nennen, habe ich manchmal den Eindruck, dass der Kunstwille die Hörbarkeit längst übertrifft. Davon ist Zara McFarlane zum Glück meilenweit entfernt. (89)

Bobby McFerrin (mit The Saint Paul Chamber Orchestra)– Paper Music (1995)

Ich liebe Bobby McFerrin nicht nur als Solokünstler, der scheinbar ganze Klangwelten allein durch den Gebrauch seiner Stimme zum Leben erwecken kann, sondern auch als großen Künstler, der sich gemeinsam mit anderen Musikern immer wieder auf neue Musik einlässt. Bei diesem Album fungiert er als Sänger und Dirigent eines Kammerorchesters und spielt ausgewählte klassische Musikstücke von Mozart, Luigi Boccherini, Gabriel Fauré, Igor Strawinsky, Antonio Vivaldi, Felix Mendelssohn, Johann Sebastian Bach und Peter Iljitsch Tschaikowsky. McFerrin wagt sich damit an die ganz großen Namen der klassischen Musik.

„La Nozze di Figaro (Ouvertüre)“ – bei diesem Stück merkt man, was für Popmusiker die Komponisten der Klassik waren. Obwohl es vielleicht selten oder nicht mit Absicht gehört wird, kennt man das Hauptthema der Ouvertüre von „Der Hochzeit des Figaro“ einfach. Bei diesem Stück übernimmt McFerrin auch vollständig die Rolle des Dirigenten und überlässt das Spielen der Instrumente dem Saint Chamber Orchestra.

Luigi Boccherini mag seltsamerweise keiner der bekanntesten Namen der klassischen Musik sein, aber das „String Quintet in E, Op. 11/5, G 275 – Minuet“ kennt trotzdem fast jeder. Ein wunderbares Stück, in dem Bobby McFerrin auch einen Gesangspart übernimmt – allerdings singt er nicht, sondern ersetzt mit seiner Stimme gesanglich einen Instrumentenpart. Sehr schöne Nummer.

Alles sind Klassiker, die man kennt, so auch die „Pavane, Op. 50“ von Gabriel Fauré. Ich kann zwar nie genau sagen, wann ich die Stücke gehört habe, vermutlich im Rahmen von Filmmusik oder Serien, doch das ist meisterhafte und sehr bekannte Musik, eben Popmusik. Auch hier wird das Orchester von Bobby McFerrin gesanglich begleitet, allerdings nur in kleinen Teilen und sehr zurückhaltend. Eine kluge Entscheidung.

Eigentlich dient diese CD vor allem dazu, dass McFerrin seine Fans für die Schönheit der klassischen Musik begeistert. Doch um seinen Fans auch etwas zu bieten, hilft er stimmlich ab und zu mit. Ich glaube aber, dass er lieber nur Dirigent geblieben wäre, doch das war dem Plattenlabel wohl zu gewagt, wenn man die CD als ein Bobby-McFerrin-Album verkaufen wollte. Auf jeden Fall gelingt die Rolle des Vermittlers bisher sehr gut, denn es ist einfach tolle Musik.

Etwas unbekannter ist vielleicht Strawinskys „Pulcinella Suite – Minuetto & Finale“. Es könnte aber auch, wie zuvor, gut als Filmmusik für einen Kostümfilm dienen. Unweigerlich fragt man sich dabei, was diese Komponisten heute für Musik machen würden, wenn sie zur Riege aktueller Musiker gehören würden – man weiß es nicht.

Das dreiteilige „Concerto in G Minor for 2 Cellos, RV 531“ von Vivaldi arbeitet ebenfalls mit Stimmen, überlässt aber den Streichern die Hauptarbeit. Die drei Teile gliedern sich in 1: Allegro, 2: Largo, 3: Allegro. Für mich ist dieses Stück eher unbekannt, doch ich glaube, dass ich genau diese Fassung schon einmal als Filmmusik gehört habe. Ich kann mich aber auch irren, da sich einige klassische Werke ähnlich anhören. Das Largo wirkt auf mich etwas zu ruhig und klingt fast wie Kirchenmusik. Das zweite Allegro bringt dann wieder Schwung in die Sache.

Dramatisch klingt „Mendelssohn: Midsummer Night's Dream, Op. 61 – Scherzo“ geradezu, hier herrscht viel Tempo. „Bach: Violin Concerto Nr. 1 in A Minor, BWV 1041 – 1. Allegro“ ist wieder nett und sehr gediegen, herausragende Musik für einen Film mit Adligen in Perücken und vielen Intrigen. Doch langsam beschleicht mich der Gedanke, dass McFerrin die Highlights alle am Anfang der CD platziert hat und sich die Stücke danach etwas ähneln. Das ist zwar schön, wird beim Durchhören an dieser Stelle jedoch etwas eintönig.

Mit dem allbekannten „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart folgt zum richtigen Zeitpunkt wieder ein Top-Hit der Klassik. Von „Der kleinen Nachtmusik“ hören wir hier sogar vier Sätze. Mozart geht ja fast immer.

Am Ende gibt es noch „Tschaikowsky: String Quartet Nr. 1 in D, Op. 11 – Andante Cantabile“. Hier finde ich den Einsatz von Bobby McFerrin als Sänger besonders passend. Das ist sehr schön und bildet einen gelungenen Abschluss der CD.

Wer nur selten Ausflüge in die klassische Musik macht, wird wohl ebenso erstaunt sein, wie diese Musik immer wieder begeistert und wie allgegenwärtig diese Lieder sind. Gerade die Evergreens der Klassik, die Bobby McFerrin für diese Aufnahmen ausgewählt hat, machen deutlich, dass es neben Pop, Rock und Jazz noch viele andere musikalische Welten zu entdecken gibt. Bei mir werden es wohl gelegentliche kurze Ausflüge bleiben, aber ab und zu werde ich es sicher tun. (631)


 

Meat Puppets – Up on the Sun (1985/Vinyl)

Alternative Rock mit Einflüssen von Psychedelic Rock und Post-Punk.  
Das dritte Album der Meat Puppets zeichnet sich durch einen klaren Klang aus und entfernt sich vom Hardcoresound der ersten Werke.  

Die Songs sind melodisch, teils virtuos aufgebaut und abwechslungsreich. Der akustische Sound verstärkt den Gesamteindruck zusätzlich, sodass das Trio sogar ein Progrock-Feeling erzeugt. Macht Spaß. (1)

George Michael – Faith (1987)

Mit Wham! konnte ich ja nichts anfangen, Schmusepop und dazu noch diese beiden viel zu gestylten und brav aussehenden Typen. Aber mit den Singles „I Want Your Sex“, „Faith“ und „Father Figure“ hat George Michael nicht nur mich als Hörer gewonnen, sondern wurde zu einem weltweiten Solo-Popgiganten, damals vielleicht nur mit Madonna vergleichbar. Und weil ich letztens in einen Livekonzert-Mitschnitt hineingeraten bin, bei dem George Michael „Father Figure“ performte, habe ich die CD mal wieder aus dem Regal geholt – diesen Song brauche ich in meiner Playlist. Zuvor hatte ich nur das Album „Older“ in der Playlist, das ja von vielen als „das“ George-Michael-Album gilt – ich bevorzuge aber eher die drei Singles von „Faith“ und den Song „Freedom“.  
An die anderen Songs des Albums kann ich mich kaum noch erinnern, da wird es wohl wirklich Zeit, dass ich das Album mal durchhöre.  
Beeindruckend ist auch, dass George Michael fast alle Songs selbst geschrieben, produziert und viele Instrumente selbst eingespielt hat. Nur bei einem Song hatte er einen Co-Autor. So emanzipiert sich jemand zum echten Künstler und beweist, dass er mehr ist als nur ein Posterboy.  

Das Album beginnt direkt mit meinen drei Lieblingssingles. Erst „Faith“ mit seinem locker-leichten Akustik-Pop-Feeling, dann das soulige und gefühlvolle „Father Figure“, gefolgt von „I Want Your Sex“. Der verlängernde „Part 2“ macht den Song eigentlich nicht besser, zeigt aber, dass Michael ein gutes Gespür für discotauglichen Sound hat. Mit über neun Minuten ist die Version allerdings viel zu lang – die Single reicht völlig aus.  
„One More Try“ ist eine etwas behäbige Pop-Ballade, die das Tempo des Albums senkt, aber der Song zeigt, welch guter Sänger George Michael war. „Hard Day“ bringt das Album zurück in den Disco-Modus, und ich mag die Produktion und den Aufbau des Songs sehr. Ebenfalls gelungen und richtig atmosphärisch ist „Hand to Mouth“.  
„Look at Your Hands“ ist leider richtig schlecht, klingt wie der Versuch, „amerikanisch“ zu klingen. Wenn er Pop im Madonna-Stil macht, kann er das richtig gut. Ähnlich gut funktioniert „Monkey“, allerdings wirkt dieser Song heute doch ziemlich aus der Zeit gefallen und ist Geschmackssache.  
Zum Abschluss endet das Album mit der Jazzballade „Kissing a Fool“. So richtig der letzte Song ist das jedoch nicht, denn danach folgen noch eine Remixfassung von „Hard Day“ und mit „A Last Request“ der dritte Teil von „I Want Your Sex“. (481)

Mikroboy – Eine Frage der Zeit (2011)

Mikroboy war eine deutschsprachige Indie-Pop-Band, die anfangs als Soloprojekt des Sängers Michel Ludes begann und zuletzt als Trio unterwegs war. 2016 erschien mit „Leicht“ das dritte und letzte Album der Band, die zuvor auch drei EPs veröffentlicht hatte.

Das Album startet mit „Immer auf der Suche“, einer schönen Pop-Rock-Nummer, die mich wegen des Gesangs von Michel Ludes und der Musik an charttaugliche Songs von Juli erinnert. Gleichzeitig weckt sie Assoziationen zu Sportfreunde Stiller und ClickClickDecker. Den Songanfängen merkt man an, dass Mikroboy ursprünglich ein Elektronik-Soloprojekt war. Genau wie der erste Song nimmt auch das zweite Stück den Hörer mit treibenden Melodien und einem einnehmenden Refrain direkt gefangen. Das sind wirklich Songs, die sehr gut funktionieren – egal, ob fürs Radio oder die große Festivalszene. Eigentlich hätte Mikroboy das Potenzial für mehr als nur drei Alben gehabt, denn ihre Musik bietet durchaus Hit-Potenzial und ist klar mainstreamtauglich. „Wann bleibst Du endlich“ erinnert an Jupiter Jones. Alles Hits – auch „Irgendwie unangenehm“.

Auch wenn es „nur“ wundervoller Pop ist, ist der Song „Es hat sich einiges getan“ gelungen. Solche Musik brauche ich manchmal einfach, auch ohne zu hohen Anspruch oder wenn es nicht meinem derzeitigen Lieblingsmusikgenre entspricht. Gerade auf Sommerfestivals machen Bands wie Mikroboy zwischen den „anspruchsvolleren Künstlern, wegen denen ich eigentlich auf das Festival gehe“, richtig Spaß. Man braucht eben auch Musik zum Spaßhaben, die einen „loslassen“ lässt und den Ernst des Lebens für einen Moment vergessen macht – dabei aber trotzdem emotional anspricht. Dafür sind die Songs von Mikroboy wirklich zu empfehlen. Die Musik nimmt mit. Vielleicht fehlt es etwas an Abwechslung, da fast jeder Song so charttauglich ist und kein Stück außerhalb des Hitmusters liegt – vielleicht können Mikroboy aber auch einfach nur Hits. „Solange der Mut den Zweifel schlägt“ ist auf jeden Fall so ein Song.

Mikroboy sind zudem ein trauriger Beweis dafür, dass sich bei den ESC-Vorentscheiden selten wirklich gute Bands durchsetzen können. Sie waren selbst bei einem dieser Vorentscheide aufgetreten und belegten dort den vorletzten Platz.

Dabei – und ich wiederhole mich – sind alle Songs Hits, auch „Ein einzelnes Atom“. Etwas im Pop-Balladen-Modus, etwa zum Schunkeln mit dem Festivalnachbarn oder der Nachbarin, ist „Du oder Ich (oder wir alle)“. Im Uptempo-Modus folgt „Angekommen“. Mit einnehmenden Gitarren, Schlagzeug und etwas mehr Indie-Power kommt „Lass mich irgendwas sein“ daher. Das ist ein „richtiger“ Hit, den man auch außerhalb des Radios gerne öfter hört. Etwas kitschiger, dafür mit einer längeren Spielzeit als 3:30 Minuten, ist „Alles was Du brauchst“.

So wie das Album als gutes deutschsprachiges Pop-Album funktioniert, funktioniert auch der Schlusssong „Atmen und Aushalten“. So lässt sich Popmusik sehr gut aushalten. Davon hätte es gerne mehr als drei Alben geben können – für alle, die Bands wie Jupiter Jones mögen und emotionale Texte nicht als Kitsch oder Schlagerpop missverstehen.(423)

Milagres – Glowing Mouth (2011)

Die New Yorker Band um Sänger Kyle Wilson macht Indiepop, bei dem die elektronischen Klänge leicht dominieren, wodurch der Sound mancher Songs an Dreampop erinnert. Da Kyle Wilson seine Stimme gerne in hohe Töne legt, klingt die Band zudem ein wenig wie The Temper Trap.

Ich weiß inzwischen nicht mehr genau, was mich zum Kauf der CD bewogen hat, aber da ich sie besitze, höre ich sie auch. Die ersten zwei Songs sind noch etwas zu unspektakulär, um mich richtig zu fesseln, doch mit dem Titelstück „Glowing Mouth“ wächst mein Interesse deutlich, denn das ist ein wirklich guter Song. Auch „Gente Beast“ macht Spaß, da hier mehr Folk-Elemente spürbar werden. Daher kann man den Sound der Band auch als Electronica bezeichnen, was sich bei „Lost in the Dark“ fortsetzt. Wenn die Musik weniger nach Synth-Pop und mehr akustisch klingt, passt das für mich besser zu den Songs. Sanfter Folk mit Pop-Charakter bietet „Fright of Thee“. Etwas theatralischer gestaltet sich „Moon on the Sea´s Gate“, das an Songs von Elbow erinnert. Diese Ähnlichkeit zu Elbow setzt sich bei „Gone“, „For Disposal“ und „To be imagined“ fort. „Doubted“ beschließt das Album, das ab der zweiten Hälfte sehr an Elbow erinnert und dadurch an Klasse gewinnt. Ich bin mir sicher, dass man die Songs nach mehrmaligem Hören nicht mehr missen möchte. Es ist nur zu hoffen, dass die Band weiterhin eine Band bleibt und sich nicht schnell zu reinem Elektroniksound mit Gesang entwickelt. Auf dem aktuellen Cover sind nur noch zwei Personen zu sehen, während Milagres zur Zeit dieses Debüts noch zu fünft waren. (274)

Charles Mingus – The Black Saint and the Sinner Lady (1963)

Ein kleines bisschen Geschichtsunterricht zum Jazz: Charles Mingus spielt Kontrabass und Klavier. Bei den Aufnahmen wird er von Jerome Richardson, Dick Hafer, Rolf Ericson, Richard Williams, Quentin Jackson und Don Butterfield (Blasinstrumente), Jaki Byard (Klavier), Jay Berliner (Gitarre) sowie Dannie Richmond (Schlagzeug) unterstützt. Das Album besteht aus drei Stücken mit jeweils etwa sieben Minuten Länge sowie einem Stück, das eine gesamte Plattenseite füllt.

„Track A – Solo Dancer“ beginnt direkt nach einem kurzen Schlagzeugeinsatz mit einem relativ vollen Bläsersatz und entwickelt dann einen Swing-Rhythmus, ohne dabei an Intensität zu verlieren. Die Bläser behalten einen aggressiven Ton bei, während die anderen Instrumente versuchen, dem Stück mehr Tempo zu geben. Dabei spielen die Bläser teilweise gegen den Rest der Band an und behalten dank ihrer Durchschlagskraft leicht die Oberhand. Es gibt jedoch auch einen sanfteren Abschnitt, in dem die Bläser sich schmeichelnd an die Zuhörer wenden. Darauf folgt ein schöner Swing-Teil, bei dem der Bass von Monk gut zur Geltung kommt, da er nur gegen eine einzelne Klarinette oder ein Altsaxophon anspielt. Die Intensität steigt erneut – spannend und wild, aber nicht mehr so dominant von den Bläsern wie zu Beginn – bevor das Stück plötzlich endet.

Sanfter gestaltet sich der Verlauf bei „Track B – Duete Solo-Dancers“. Hier wird gemeinsam getanzt, sich angelehnt und das Zusammenspiel erfolgt intimer. Nach einiger Zeit verändert sich das Stück jedoch wieder: Es entwickelt sich zu einem zunehmend wilden Tanz. Langeweile kommt bei diesem Jazz keinesfalls auf. Wer jedoch hauptsächlich harmonische und sanfte Hintergrundmusik bevorzugt, ist bei Charles Mingus falsch. Mingus ist keine leichte Kost, er fordert seinen Zuhörer heraus. Es geht nicht nur um Swing und Instrumentenbeherrschung, sondern auch um wildes Spiel – davon bietet Mingus reichlich. Gleichzeitig führt er den Hörer immer wieder zu den Wurzeln des Jazz zurück. Deshalb eignet sich seine Musik gut, um ein tieferes Verständnis für den Jazz zu entwickeln. Neueinsteiger werden nicht sofort abgeschreckt, sondern auf eine höhere Ebene der Möglichkeiten des Jazz mitgenommen.

Besonders die Pianoanteile, die auch als Intro für „Track C – Group Dancers“ dienen, ziehen den Hörer zunächst sanft an, bevor sie ihn mit etwas Neuem konfrontieren. Dieses Stück eignet sich wirklich hervorragend als erster Einblick in Mingus’ Musik.

Die zweite Seite umfasst das Medley „Mode D – Trio and Group Dancers, Mode E – Single Solos and Group Dances, Mode F – Group and Solo Dance“.

Charles Mingus bleibt dabei in seiner Rolle als Komponist und spielt Bass und Klavier eher im Hintergrund. Dominant ist meist der Bläsersatz, nur gelegentlich, wenn die Sologitarre von Jay Berliner im spanischen Stil gezupft wird und eindeutig der Tango gefeiert wird, verliert der Bläsersatz kurz seine Vorherrschaft. Gemeinsam erreichen alle Musiker eine beeindruckende Intensität. Themen der ersten Seite werden auf der zweiten Seite deutlich wieder aufgegriffen, weshalb die Spannung beim Hören etwas nachlässt. Auch das Saxophon-Solo wirkt etwas weniger intensiv oder ist vielleicht einfach nicht eingängig genug. Am Stück gespielt ist das für weniger geübte Jazzhörer gelegentlich etwas anstrengend.

Wenn die Musiker jedoch swingen, stimmt wieder alles: Dann können alle Instrumentalisten gemeinsam glänzen, und die Musik macht besonders in der zweiten Hälfte des Medleys wieder Freude.

Insgesamt ist das ein gutes Album, um einen ersten Einblick in das Werk eines der großen Altmeister der Jazzmusik zu bekommen. (584)

Minuteman – The Punch Line (1981)

Was Mike Watt, D. Boon und George Hurley in 17 Stücken, meist mit einer Länge von unter einer Minute, schaffen, ist eine Blaupause für den US-Punk-Rock und große Teile des Alternative-Rocks. In den Songs steckt so viel von dem, was ich am US-Punk-Rock schätze, und sie gehen zugleich weit darüber hinaus, da sie auch Spielarten wie Crossover einbeziehen. Es gab immer Musiker, die schon Jahre zuvor ahnten, was irgendwann zum Standard wird, und die Minutemen gehören zu diesen Musikern. Großartig. Ich werde mich jedoch hüten, die einzelnen Songs des Albums hier einzeln zu besprechen. Sagen wir einfach: Nie langweilig. Wer bisher glaubte, man könne in einer Minute keinen kompletten Song unterbringen, wird hier eines Besseren belehrt. Punk/Alternative-Rock-Klassiker.(473)

Mission of Burma – Signals, calls, and marches (1981) Wiederveröffentlichung von 2015 mit Booklet.

Die erste EP der Band enthält die folgenden Stücke: Die ersten vier Songs setzen sich aus den beiden Titeln ihrer ersten Singleveröffentlichung sowie aus zwei unveröffentlichten Liedern zusammen. „Academy Fight Song“ ist ein mitreißender, nach vorne treibender Alternativ-Punk-Rock-Song. „Max Ernst“ klingt eher nach Post-Punk. „Devotion“ und „Execution“ hingegen sind wieder dem Punkrock zuzuordnen.

Die eigentliche EP beginnt mit „That’s when I reach for my revolver“. Dieser Titel gilt als der erfolgreichste der Band und ist ein eher ruhiger Alternative-Rock-Song. „Outlaw“ ist dem Post-Punk zuzuordnen. „Fame and Fortune“ ist eher eine Punknummer, ebenso wie „This is not a photograph“. „Red“ ist ebenfalls eher punkig, besticht aber durch einen gelungenen Instrumentalpart.

„All world cowboy romance“ schließt die EP als instrumentale Post-Punk-Nummer ab.

Insgesamt bietet die EP einen sehr guten Einblick in den frühen Sound amerikanischer Alternativ-, Punk- und Post-Punk-Musik. Im Vergleich zu den lauten, verzerrten und stark bearbeiteten Liveauftritten von Mission of Burma wirkt der Klang der EP eher „weich“. Diese Diskrepanz verschreckte manche Fans, die zunächst nur die EP kannten und dann zu einem der Livekonzerte gingen. 52

Anaïs Mitchell - Anaïs Mitchell (2022)

Anaïs Mitchell ist vor allem als Singer/Songwriterin bekannt, die aus ihrem Album „Hadestown“ ein mehrfach ausgezeichnetes Musical geschaffen hat. Dieses hat neben zahlreichen Tony Awards auch einen Grammy gewonnen. Seit 2020, also zur Zeit der Aufnahmen zu diesem Album, ist sie zudem Mitglied des Trios „Bonny Light Horseman“, mit dem sie ein weiteres Album veröffentlicht hat.

Ich glaube, wir haben vor allem Justin Vernon (Bon Iver), Aaron Dessner (The National) und wohl auch Ed Sheeran zu verdanken, dass wir das Genre Mainstream-Folk immer häufiger hören können. Anfangs war das auch recht schön, denn man bekam klanglich hochwertig produzierte Singer/Songwriter-Musik auf hohem Niveau, wie zum Beispiel das von mir oft für solche Fälle herangezogene Album „Folklore“ von Taylor Swift. Da Mitchells Album bereits im Januar 2020 aufgenommen wurde, liegen diese beiden Platten zeitlich nicht weit auseinander und ergänzen sich wie Geschwisteralben. Anaïs Mitchell versteht es ebenso, schöne Songs zu schreiben und ansprechend – massentauglich – zu produzieren. Ihre Musik klingt dabei wie „Folk-Pop“.

Dieses Album vermittelt Wärme und Emotionen, doch trotz seiner Kürze weist es eine Schwäche auf, die vielen Folk-Pop-Alben eigen ist: Es klingt alles recht ähnlich. Es handelt sich fast ausschließlich um wunderschöne Einzelstücke, die sich in einer Playlist sehr gut machen. In der Gesamtfolge, selbst bei der kurzen Spielzeit von 37 Minuten, kann das jedoch etwas langweilig wirken. Dennoch ist es schöne Musik. (325)

Joni Mitchell – Dog eat Dog (1985)

Mit diesem Album wechselt Joni Mitchell zur anspruchsvollen Pop-/Rockmusik im Stil des Art Rock, auch wenn ich solche Genre-Einordnungen wenig schätze. Sie arbeitet mit Samples und elektronischen Sounds anstelle des Klaviers, legt die Gitarre beiseite und lässt Studiomusiker die E-Gitarre spielen. Außerdem holt sie sich Thomas Dolby ins Studio, der sicher einen großen Einfluss auf den hervorragenden Klang der Platte hat. Auch Joni Mitchells damaliger Lebensgefährte Larry Klein, Bassspieler und Coautor sowie Produzent, arbeitet weiterhin mit. In seiner langen Karriere hat er viele Auszeichnungen erhalten.

Die meisten Songs strahlen eine ruhige Atmosphäre aus, sind verspielt und zweifellos von britischen Art-Pop-Musikern jener Zeit beeinflusst. Gelegentlich fügt sie gesprochene Stimmen als kurze Fragmente ein, die jedoch sehr unaufdringlich wirken.

Zu diesem Zeitpunkt lässt sich Joni Mitchell als furchtlose Musikerin beschreiben, eine Rolle, in der sie sich stetig weiterentwickelt hat. Dabei behält sie die Kontrolle über ihr Werk, schützt sich aber nicht vor Einflüssen anderer, sondern saugt diese kontinuierlich auf.

Für die Background-Gesänge lädt sie weiterhin ihre alten Freunde aus Los Angeles ins Studio, darunter James Taylor und Don Henley, sowie großartige Musiker wie Vinnie Colaiuta, Wayne Shorter und Mike Landau.

Und ich liebe das Cover, das Joni Mitchell selbst gestaltet hat – bei ihr ist das Standard. (21)

Joni Mitchell - Night Ride Home (1991)

Wer die beiden vorherigen Alben „Dog eat Dog“ und „Chalk Mark in a Rainstorm“ kennt und mag (so wie ich), wird sich auch mit diesem Album recht schnell anfreunden können. Denn musikalisch bleibt sie dem Stil der Vorgänger treu. Ihr Singer/Songwriter-Art-Pop-Rock besticht durch eine ausgezeichnete anspruchsvolle Qualität, wie sie seinerzeit und teilweise auch heute noch bei Musikern wie Sting, Peter Gabriel, Paul Simon, Robbie Robertson und anderen Größen dieses Kalibers zu hören ist – sie heben die Popmusik auf eine höhere Ebene und machen sie zu etwas Besonderem. Sozusagen bringen diese Musiker einen Cinema-Arthouse-Touch in die populäre Musik. Viele sprechen dann gleich von Avantgarde – für mich ist das allerdings fast zu abstrakt oder besser gesagt falsch, denn Avantgarde bedeutet eher eine „radikale Veränderung“, während hier vielmehr der Anspruch an die jeweilige Kunstform erhöht wird. Aber kommen wir von der Kunst zurück zur Musik.

Der Titelsong ist gleich zu Beginn zu hören. Sanfter Singer/Songwriter-Pop beschreibt damit einen Großteil der Songs auf diesem Album. Die einzelnen Stücke sind sehr schön, doch über die gesamte Laufzeit fehlt dem Album etwas an Tempo- und Stilwechseln. Diese kommen zwar vor, aber zu selten. „Passion Play (When all the Slaves are free)“ ist so ein sehr schöner Art-Folk-Song. Da passt vieles. Auch in hellen, sanften Tönen erzählt Joni Mitchell die eher tragische Geschichte von „Cherokee Louise“. Hier finde ich ihre Stimme besonders wunderschön in Szene gesetzt. In diesem Song ist auch ein kurzer musikalischer Einfall eingebaut, bei dem ich zuerst dachte, mein Handy hätte einen neuen Klingelton – tatsächlich ist das aber Teil der Musik und wohl ein Klingelton, der von niemand anderem als Wayne Shorter gespielt wurde. Das hat mich sehr amüsiert.

Wie bereits zu Beginn erwähnt, bieten die Songs nicht viel Neues. Manche, wie „The Windfall“, sind zwar gut, klingen aber ähnlich wie bereits auf den beiden vorherigen Alben. Das ist bei der Qualität der Songs zwar nicht schlimm, dennoch fällt es auf.  

Auf ein Gedicht von Yeats basiert „Slouching Towards Bethlehem“. Das ist eine einfache Singer/Songwriter/Folk-Nummer, die aber gerade wegen ihrer Schlichtheit und Schönheit auffällt. Sanft, im Downtempo und recht lang geraten ist „Come in from the Cold“, der aber durch wunderbar arrangierte Gesangspassagen besticht. Dennoch ist der Song mit über sieben Minuten eindeutig zu lang.

Trotz aller Klasse wird es als Einzeltitel doch etwas langweilig. Die Beschreibung des Songs „Nothing Can Be Done“ habe ich schon bei den vorigen Stücken gegeben. Als Einzelstück ist er dennoch gut. So kann ich mich hier nur wiederholen – so wie es Joni Mitchell eben auch tut, jedoch mit Niveau.

Etwas jazziger in der Instrumentierung und Melodie, dabei weiterhin sehr leichtfüßig und eine willkommene Abwechslung ist „The Only Joy in Town“. Auch etwas raffinierter wirkt „Ray’s Dad’s Cadillac“, bei dem man fast einen Thomas-Dolby-Einfluss heraushören könnte, mit dem sie ja tatsächlich bei „Dog Eat Dog“ zusammengearbeitet hat.

Songs wie „Two Grey Rooms“ hört man seit den 70ern oft aus der L.A.-Songwriterszene. Doch bei Joni Mitchell wird diese Art des Songwritings einfach perfekt dargeboten.

So gibt es auf dem 14. Album von Joni Mitchell zwar nichts Neues oder einen Stilwechsel, doch dafür bekommt man genau das, was man an ihr besonders schätzt. Ich mag sie in dieser Phase ihres Schaffens eigentlich am liebsten. (374)

Moaning – Uneasy Laughter (2020)

Der Sound des Eingangsstücks „Ego“ besitzt viel Indie-Charme und erinnert an den Klang des Post-Punks der 1980er Jahre, rockt dabei aber auch richtig gut. Deshalb bleibe ich sehr interessiert und höre gerne weiter. Moaning sind ein Trio, bestehend aus Sean Solomon (Gesang, Gitarre), Pascal Stevenson (Bass, Synthesizer) und Andrew MacKelvie (Schlagzeug). Das Trio ist beim Sub Pop-Label unter Vertrag, einer guten Adresse für modernen Alternativrock. Den zeitgemäßen Alternativrock von Moaning höre ich gerne, denn sie übertragen den Sound des Alternativrocks der 1980er Jahre gekonnt in die Gegenwart. „Make It Stop“ ist ein herausragender Song, der an viele gute Stücke aus der Post-Punk- und Düsterrock-Ära erinnert und schlichtweg richtig gut ist.

Bei „Stranger“ kommen Fans von Joy Division durchaus auf ihre Kosten. „Running“ ist ein Paradebeispiel für guten Indierock mit Post-Punk-Elementen. Wirklich eine sehr gelungene Entdeckung. Shoegaze-Einflüsse sind ebenfalls zu hören, etwa bei „Connect the Dots“. Der Song „Fall in Love“ steht erneut im Retro-Indierock-Modus und erinnert im Gesang an Joy Division. Auch die weiteren Stücke funktionieren richtig gut, darunter „Coincidence or Fate“ und „What Separates Us“. Egal, ob man Fan von The Twilight Sad, Joy Division oder The Cure ist – für Liebhaber dieser Bands sollten die Songs von Moaning wirklich interessant sein. Sie erfinden das Rad zwar nicht neu, erweitern das Genre aber um sehr gelungene neue Stücke und das über ein ganzes Album hinweg, ohne dabei auch nur eine Spur von Langeweile aufkommen zu lassen. Alles funktioniert: „Keep Out“ und auch das etwas sanftere „Saving Face“. Den kurzen, knackigen Rausschmeißer am Ende bildet „Say Something“.

Wer atmosphärischen Alternativ-Indie-Rock mit viel Charme der 1980er Jahre hören möchte, ist mit „Moaning“ bestens beraten. Eine feine Neuentdeckung. (480)

Moderat – Moderat (2009)

Moderat setzt sich aus dem Musiker Sascha Ring („Apparat“) sowie dem DJ-Duo Gernot Bronsert und Sebastian Szary („Modeselektor“) zusammen. Das Projekt existierte bereits seit 2002, trennte sich jedoch und kam später wieder zusammen. 2009 erschien dann ihr erstes Album.

Treibende Beats verbinden sich mit einem gewissen Anspruch, der über reine Dancefloor-Elektronik hinausgeht. Moderat schafft anspruchsvolle elektronische Musik, ohne dabei in das „zeitgenössische“ Genre abzudriften – also mehr Musik als Kunst, so beschreibe ich diese Art von Club-Elektronik, wie Moderat sie macht, und das ausgesprochen gut. Das Album beginnt mit dieser Musik im Stück „A New Arrow“.

Rhythmisch und dynamisch, auch für Elektronica-Fans interessant: „Rusty Nails“ – hier erklingt zudem Gesang, der von Sascha Ring stammt. Somit ist Moderat kein rein instrumentales Projekt. Auch „Rusty Nails“ entspricht der Art elektronischer Clubmusik, die ich sehr schätze. Das Stück funktioniert sowohl auf der Tanzfläche als auch in der Lounge oder einfach über Kopfhörer.

Maschinen-Stampf-Elektronik bietet „Seamonkey“ – eine Empfehlung für Kraftwerk-Fans. Beim Stück „Slow Match“ ist der Sänger Paul St. Hilaire als Gast dabei. Obwohl ich die elektronischen Klänge bei Moderat sehr liebe – es sind einfach gute Sounds und Rhythmusideen – stören mich die Gesangspassagen in „Slow Match“ etwas; mir wäre eine rein instrumentale Version lieber gewesen.

„3 Minutes off“ sorgt für eine Ambient-Pause. Electronica-Feinkost mit eingesprengten Big Beats bietet „Nasty Silence“ – ein sehr gelungenes Rhythmus- und Soundspiel. Gemeinsam mit Delle alias Eased From Seed spielen Moderat „Sick with It“. Dieses Stück mit Gastmusiker kann mich allerdings nicht überzeugen, da ich Agro-Elektro-Pop weniger mag.

„Porc #1“ beeindruckt mit starkem Gitarrensound, und „Porc #2“ ist ebenfalls ein gelungener Elektro-/Rock-Hybrid. Deshalb funktioniert die Musik von Moderat auch so gut bei vielen Zielgruppen – einfach weil es sehr gute Musik ist. Nur das Ende wirkt etwas misslungen, aber nur leicht.

Vielleicht ist „Les grandes Marches“ tatsächlich eine Hommage an Jean-Michel Jarre, nicht zuletzt wegen des französischen Titels, oder es erschien einfach passend. Auf jeden Fall ist es ein weiteres elektronisches Highlight.

„Berlin“ ist kurz gehalten, wirkt etwas düster-melancholisch, hebt sich danach aber wieder auf. Nach einem langsamen Einstieg wird „No. 22“ schön treibend – das Stück ordnet sich eher in die Ambient- statt in die Tanzmusik ein.

Mit etwas mehr Rhythmusschlagkraft folgt „Out of Sight“. Der Titel ist nicht sehr schnell, wird jedoch von der Stimme Sascha Rings getragen, deren sanfter Gesang hervorragend zur Musik von Moderat passt.

Ich habe auch jeweils eine Platte von „Apparat“ und „Modeselektor“ gehört, doch das Hörerlebnis war nicht so intensiv wie bei dieser Zusammenarbeit. Als Trio sind Moderat einfach ein sehr gutes Elektro-Projekt, irgendwo zwischen moderner Clubmusik und Nils Frahm. (575)

Moderat - III (2016)

Die Gruppe Moderat besteht aus dem Musiker Sascha Ring, der unter dem Namen „Apparat“ Musik macht, sowie aus den beiden DJs Gernot Bronsert und Sebastian Szary, die als „Modeselektor“ bekannt sind.  
Der Sound von Moderat ist elektronische Musik, die – auch wenn diese Beschreibung etwas vereinfacht wirkt – Anspruch hat.  

Das Album beginnt mit dem Song „Eating Hooks“, der zunächst durch sanfte Töne, Klänge und Noises besticht, bevor er in eine ebenso sanfte Elektro-Soul-Nummer übergeht. Dieses Songkonstrukt funktioniert sehr gut, weil es dem Pop durch seinen Anspruch eine besondere Note verleiht. Noch besser zeigt Moderat dies mit dem zweiten Stück „Running“, das moderne Elektromusikströmungen meisterhaft ins Popsong-Format überführt, ohne dabei wirklich zu einem gewöhnlichen Popsong zu werden.  

Ein Lied wie „Finder“ kann sowohl in Clubs für volle Tanzflächen sorgen als auch einfach als eigenständiger Song überzeugen. Obwohl es eher mit Dancebeats ausgestattet ist als als anspruchsvoller Popsong daherzukommen, funktioniert es bei Moderat bestens, weil die Sounds, Klänge und der Song als Ganzes gelungen sind.  

Ambitionierte Clubmusik stellt „Ghostmother“ dar. Selbst Freunde klassischer Synthesizermusik müssen anerkennen, dass es Moderat gelingt, das bisher Übliche in der elektronischen Musik zu übertreffen und für das Genre auf mehreren Ebenen Großes zu leisten. Im Vergleich zu vielem, was ich aus der elektronischen Musik kenne, ist das noch einmal eine Steigerung.  

Ein wenig verwundert darf man schon sein, dass man trotz der überragenden Qualität auch der kürzeren Stücke wie etwa „Reminder“ diese nicht häufiger im Radio hört. Gerade dieser Song würde dort genauso gut hingehören wie Pop-Songs von Rihanna oder Ed Sheeran. Vielleicht höre ich aber einfach die falschen Radiosender, obwohl ich mittlerweile beim Radio 1 des RBB gelandet bin, der wirklich gute Musik spielt.  

„The Fool“ ist um Längen besser als Songs in ähnlicher Spielweise von The Weeknd und Co. Ein echter Klassiker für die Ewigkeit ist „Intruder“ – ganz großartig und mein Lieblingsstück des Albums.  

Noch mehr gelöst von Popsongstrukturen und hin zu außergewöhnlichen elektronischen Musikwelten ist das Stück „Animal Trails“. Das wieder etwas sanftere „Ethereal“ ist, wie der Rest des Albums, einfach nur sehr gut. Ich bin ein großer Fan dieses Albums, wirklich begeistert. Dieses Live zu erleben, würde mich sehr freuen. (394)

Modern Studies – The Weight of the Sun (2020)

Das Album beginnt mit einem schönen Folksong: „Photograph“. Der Musikstil der schottischen Band um Sängerin Emily Scott wird als Indie- oder Chamber-Folk bezeichnet. Direkt mit dem Debütalbum „Swell to Great“ landete die Band in zahlreichen Bestenlisten, und schon das Eröffnungsstück weckt die Hoffnung, eine weitere großartige Band entdeckt zu haben. Denn dieser Folk verbindet sich wunderbar mit dem, was man an anspruchsvoller Rockmusik schätzt – es klingt einfach nach mehr als das, was im Genre üblich ist.

Das zweite Stück „Run for Cover“ ist etwas eingängiger und sogar recht radiotauglich, zeigt aber zugleich, dass es sich bei „Modern Studies“ nicht nur um eine gute Rockband handelt, sondern dass sie auch sanft rocken können.

Die Vorschusslorbeeren, die „Modern Studies“ mit diesen beiden Liedern bei mir sofort hatten, verspielen sie jedoch mit dem dritten Song „Heavy Water“, der so nah am Schlagerpop ist, wie es nur geht. Zum Glück habe ich das Album nicht gleich nach dem ersten Song gekauft, sondern erst einmal in Ruhe weitergehört – manchmal lohnt sich das Vorabstreamen eines Albums ja doch. „She“ ist zwar gut musiziert, bietet als Song aber nichts Neues.

Das wieder mehr im Folkbereich angesiedelte und sanftere „Corridors“ gefällt mir hingegen sehr gut. Als anspruchsvolle Folkmusik mag ich das sehr, und da überzeugt die Band. So macht sie auch mit „Signs of Use“ entspannt weiter. Hoffen wir, dass die Ausflüge ins Popgenre von der Band nicht zu oft unternommen werden, sondern eher dazu dienen, dem Plattenlabel Hoffnung auf mehr Mainstream-Erfolg zu geben. Ihren Kammer-Folk beherrschen sie richtig gut: Er ist entspannend, entschleunigend und so fein, wie es sonst Lambchop oder The Slow Show schaffen.

Mit „Brother“ kommt sogar ein leichtes Psychedelic-Rock-Feeling auf, das an Canterbury Folk/Rock erinnert. Dass die Band teilweise mit Doppelgesang von Sängerin Emily Scott und dem Sänger Rob St. John arbeitet, verleiht ihr zudem einen schönen Touch. Die Platte entwickelt sich somit doch zur Kaufempfehlung, denn der dritte Song scheint tatsächlich ein Ausrutscher im Material dieser Platte zu sein. Alle anderen Songs funktionieren ziemlich gut, so auch „Back to the City“. Wer das Album von Beth Gibbons mochte, sollte auch mit diesem Album etwas anfangen können – auch wenn es musikalisch eher in Richtung Folk und eher an Kate Bush als an Talk Talk erinnert.

Ein wenig zu lieblich ist dann noch „Jaqueline“ geraten, doch irgendwie ist diese Nettigkeit fast schon wieder sympathisch, auch wenn es nahe am Kitsch liegt. Einen Stilwechsel zum flotten Indie-Folk bietet „Spaces“, bei dem das Tempo etwas angezogen wird. Erhaben klingt dann wieder das Ende der Platte mit „Shape of Light“ – vielleicht etwas zu süßlich-schön, aber eben doch irgendwie schön. Wie ein kölscher Sänger einst sang: „Von mir aus, nenn es doch Kitsch.“ Eine feine Entdeckung. (495)

Mo`Horizons – Come touch the Sun (1999)

Mark „Foh“ Wetzler und Ralf Droesemeyer sind musizierende Produzenten und Mixer, die ihre Songs gemeinsam mit anderen Musikern einspielen. Dadurch wirkt die Musik von Mo´Horizons akustischer und natürlicher als die von vielen anderen Musikern, die groovige Loungemusik produzieren. Das erste Stück der CD „Yes Baby Yes“ wurde sogar auf lokalen Dancefloors gespielt (und ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, von wem der Song ist und wie er heißt – da muss ich dem Vorschlags-Algorithmus von Spotify danken. So bin ich auch an die CD gekommen). Die Musik groovt, mal ist es schöner Soul/Funk, mal Jazz oder Bossa Nova, und alles ist für einen entspannten Abend gemixt. Die beiden Produzenten bezeichnen ihren Stil als Acid Jazz.

Die CD ist nicht wirklich eintönig, aber bei einer Laufzeit von 72 Minuten verliert man beim ersten Durchhören schon einmal die Geduld mit dem einen oder anderen Stück. Warum müssen solche Clubsongs eigentlich immer die Fünf-Minuten-Grenze überschreiten, obwohl sie meist nur aus einer einzigen guten Idee bestehen, die endlos in die Länge gezogen wird? Dreieinhalb Minuten würden da auch reichen. Somit eignen sich die Songs gut als Hintergrundmusik, und einzelne Stücke können in einer Playlist glänzen. Das klingt jetzt wie meine „1995“-Kruder & Dorfmeister-Besprechung, aber hier ist diese CD eindeutig besser, weil durch die Gesangsparts und die teilweise natürliche Instrumentierung alles lebendiger und homogener wirkt.

Es klingt nicht nach einem heruntergespielten DJ-Set, sondern nach einer Bandproduktion, und der klare Sound der Produktion ist großartig. Hannover hat wirklich Glück mit seinen Musikern (aber irgendetwas muss Hannover ja auch haben :-). „Yes Baby Yes“ gehört in jede gute Songsammlung.

Momma – Household Name (2022)

Indie-Alternative-Rock von vier jungen Musikerinnen, die mit ihrer dritten Platte eine besondere Note setzen. Wenn ihr „Breeders“ und „Smashing Pumpkins“ mögt, seid ihr bei Momma genau richtig. Dieses Album sollte auf keinen Fall übersehen werden. (13)

Christy Moore – The Early Years 1969 – 81 (2020)

Christy Moore ist einer der bekanntesten Folkmusiker Irlands. Zusammen mit Musikern wie Andy Irvine und Dónal Lunny wurde er durch seine Mitarbeit in der Band „Planxty“ weithin bekannt und wird von vielen Mitmusikern sehr geschätzt.

Diese Songsammlung entstand, weil Universal Music Irland den Katalog von Tara Records erworben hat, zu dem auch viele Aufnahmen von Moore und Planxty gehören. Das Label bot Moore die Möglichkeit, eine Sammlung seines Frühwerks herauszubringen. Gemeinsam mit Stan Roche machte sich Moore daran, die Mischung aus Studio- und Liveaufnahmen sowie bisher unveröffentlichtem Material zusammenzustellen. Für mich ist dies ein guter Einstieg in das Werk von Christy Moore, den ich zuvor nur als Mitmusiker bei einigen Stücken und mit einem einzelnen Titel von einem Sampler kannte. Ich bin gespannt. Durch seinen Wikipedia-Eintrag habe ich außerdem erfahren, dass Luka Bloom, eigentlich Barry Moore, sein Bruder ist.

Was die irische Folkmusik ausmacht – das Trommeln, das Fiedeln und den Gesang – bringt „Home by Bearna´“ ganz großartig auf den Punkt. Ich mag den irischen Folk auch, weil ich Mittelalter- und Fantasygeschichten sehr schätze und diese Musik dazu einfach den passenden Soundtrack bildet. Vor allem schätze ich ihn aber, weil es gute, meist akustische Musik ist, die Geschichten erzählt und zum Feiern einlädt, dabei Herz und Seele zeigt. Auch „Lanigan´s Ball“ gefällt mir sehr – das ist bester Folk. Dabei wird mir bewusst, dass es viel mehr als nur die Dubliners und die Chieftains gibt. Es ist eigentlich schade, wie oft man nur die bekanntesten Musiker eines Genres kennt. Percussion und Gesang eröffnen „Limerick Rake“, dann kommt ein Saiteninstrument hinzu. Das Einzige, was schnell etwas langweilig wird, ist die meist sehr ähnliche Gesangsmelodie – eigentlich wechseln bei diesen Stücken nur die Begleitarten der Instrumente, der Rest bleibt recht ähnlich. Natürlich gibt es Unterschiede in den Details, doch im Grunde ähneln sich die Stücke sehr. Ich werde daher die 42 Titel in vier Sessions hören und nicht am Stück, das macht das Durchhören sicher einfacher.

Mit fast asiatisch anmutenden Zitterklängen der Saiten beginnt „Johnny Jump Up“, ein recht einfach gespieltes Stück. Trommelschläge begleiten das sanfte „Tippin´ it up to Nancy“. Mal in einen zarten Ton gehüllt, aber trotzdem schön ist „Rambling Robin“. Ebenfalls sehr schön ist „Little Musgrave“. Auch „Nancy Spain“ gefällt, obwohl alles recht ähnlich klingt – als Einzelstücke sind die Songs jedoch wunderbar. Nur mit Stimme gibt es „Wave Up to the Shore“.

„What Put Up the Blood“ mischt Folk mit Rock und sorgt damit zur rechten Zeit für Abwechslung. Der Song ist sehr gut.

Danach folgt die erste Liveaufnahme der Songsammlung, überwiegend wohl von TV-Auftritten. „John O´Dreams“ ist Singer/Songwriter-Folk. Ebenfalls nur mit Gesang und Gitarre, aber traditioneller gehalten, ist „Trip to Jerusalem“.

Mit Country-Elementen folgt „SACCO & VANZETTI“. Anschließend gibt es vier weitere Liveaufnahmen von 1980 aus der Abbey Tavern. Den Anfang macht „1913 Massacre“, das im Original wie das vorangegangene Stück aus der Feder von Woody Guthrie stammt. Die weiteren Titel sind „The Ballad of Tim Evans“ – ein recht eindrucksvoller Song –, „The Pages That I Read Make Me Sadder“ (hier beeinträchtigt das einsetzende Piano leider den Song) und „I Wish I Was in England“. Alles Folksongs mit oft deutlichem irischem Einschlag.

„Joe McCann“ folgt – wir haben den irischen Folk mit Mittelalter-Anklängen längst hinter uns gelassen und der Großteil der Songs ist nun Folk mit Gitarre und Gesang als Hauptbestandteile. Bei dieser Art von Folk wird es mir, ähnlich wie bei amerikanischer Countrymusik, relativ schnell langweilig, wenn zu viele Stücke hintereinander laufen. Dennoch werden einige Lieder in einer Playlist als einzelne Titel sehr gut funktionieren.

Manchmal beeindruckt Christy Moore mit wirklich großartigem Gitarrenspiel und hebt Songs wie „Hey Sandy“ über das Mittelmaß hinaus. Darauf folgt „The Crack Was Ninety in the Isle of Man“ – beide Werke sind Liveaufnahmen (Dublin, 1978).

CD 1 von 2 endet mit „The Cliffs of Dooneen“, einem weiteres sehr schönem traditionellen irischen Folkstück.

„One Last Cold Kiss, Trip to Roscoff“ ist eine gelungene Folkrock-Nummer. Mit etwas mehr Rockelementen finde ich irischen Folk durchaus reizvoll. Davon könnte es auf der zweiten CD gerne mehr geben. Das Stück stammt aus dem Jahr 1975. Es folgt „The Raggle Taggle Gypsy/Tabhair Dom Do aámh“. Das ist klassischer irischer Folk mit Gesang, Fiedel und Gitarre. Der zweite Teil des Songs ist instrumental und sehr schön. „The Moving On Song (Go! Move! Shift!)“ ist ein weiterer typischer Irishfolksong. Davon gibt es natürlich viele, und viele klingen recht ähnlich. Das ist eine Schwäche der Sammlung – es sind einfach zu viele Songs, sodass es irgendwann eintönig werden kann. Wie ich jedoch immer schreibe: In einer gemischten Playlist sind diese Lieder als Einzeltitel sehr gut. Und „The Moving On Song“ ist durchaus kein schlechter Song, klingt aber eben sehr vertraut im Irishfolk-Stil. Eine Platte mit etwa 16 Titeln weniger hätte wohl weniger Ermüdungserscheinungen hervorgerufen.

Sehr sanft und unglaublich schön ist „Black Is the Colour of My True Love´s Hair“ (live). Es tauchen immer wieder plötzlich Highlights aus der Vielzahl der Stücke auf. Sehr traditionell ist „Spancihill“. Wenn Christy Moore ganz sanft singt und Gitarre spielt, ist das auch bei „The Foxy Devil“ wunderschön.

Wieder live eingespielt ist „Clyde´s Bonnie Hill“ – ebenfalls sanft und sehr schön. Solche Folkballaden beherrscht er. „January Man“ folgt ebenso gekonnt. Danach gibt es vier weitere Liveaufnahmen, beginnend mit „The Sun Is Burning“ – eine weitere Ballade. Langsam hätte ich allerdings gerne wieder etwas mehr Tempo, obwohl die Songs alle sehr gut sind. „House Down in Carne (The Ballad of Nuke Power)“ ist ein Song für die irische Anti-Atomkraft-Bewegung. Für die Arbeiterbewegung steht „The Workers Are Being Used Again“ – eine Liveaufnahme, typisch irischer Folksong mit leichtem Country-Einschlag. Hoffentlich ist bekannt, dass die Countrymusik aus Einflüssen vieler Einwanderer aus Amerika entstanden ist.

Ebenfalls live sind „The Dark Eyed Sailor“ – und immer wenn Christy Moore die sanften Songs spielt, fesselt er mich damit aufs Neue. Er zaubert förmlich. „Boys of Mullabawn“ ist ebenfalls sehr ruhig und zurückhaltend instrumental begleitet. „Bogey´s Bonnie Belle“ ist der Song, der mich auf Christy Moore aufmerksam gemacht hat – ebenfalls ein sanftes Stück. Es war auch auf dem „Common Ground“-Sampler, den ich sehr schätze.

Viele der herzlichen, ein wenig traurig klingenden Songs singt Christy Moore sehr oft, so auch „Galttee Mountain Boy“. Auch bei den ruhigen Liedern funktionieren einige besser als andere, und ein weiterer sehr guter Titel ist „Dalesman´s Litany“. An diesem Punkt wünscht man sich allerdings mal wieder einen flotten Song, da die vorangegangenen alle eher ruhig waren. Doch dieser Wunsch wird mit „Disportee (Plane Wreck at Los Gatos)“ noch nicht erfüllt – der Song vermittelt eher Pubgemütlichkeit.

„Avondale“ ist erneut ein sanftes Stück. Mit etwas mehr Tempo und Temperament folgen „Chricklewood“ und „The Ballad of James Larkin“. Zum Schluss steht „Paddy on the Road“ – ein klassischer Folksong, der aber mit viel Spaß und einem Augenzwinkern gespielt wird. Ein schöner Abschluss.

Insgesamt sind 42 Songs eine große Anzahl, die bei der ersten Begegnung alle recht ähnlich klingen. Dennoch sind viele dabei, die als einzelne Titel in einer Playlist wirklich glänzen können. Ich finde, man sollte einfach mehr irische Folkmusiker aus Irland kennen und nicht nur die Pogues, Chieftains und Dubliners. (524)

Thurston Moore - Rock n Roll Consciousness (2017)

„Exalted“ beginnt sehr ruhig, gewinnt dann an Tempo und entwickelt sich zu einer gelungenen Alternativ-Rock-Nummer mit einem gewissen Krautrock-Charme. Ab Minute sechs kommt eine deutliche Portion Post-Rock hinzu, und ab Minute sieben wird schließlich auch gesungen. Genau so gefällt mir Thurston Moores Musik richtig gut. „Cusp“ startet direkt mit hohem Tempo, bleibt dabei aber im Gesang sehr zurückhaltend und ruhig. Es erinnert an Songs von Dinosaur Jr. und Yo La Tengo. Eigentlich macht Moore genau dort weiter, wo er mit seiner alten Band aufgehört hat, und so wie er es solo umsetzt, gefällt es mir sogar mindestens genauso gut, vielleicht sogar etwas besser. Bei Sonic Youth hat mich oft gestört, in welche Richtung ihre Musik auf den Alben ging – zu viel Experimentelles oder zu viel Aufmerksamkeit für einfach nur laute, krachige Stücke finde ich für einen guten Song oft zu wenig. Das gilt bei mir auch für Fugazi. Eigentlich finde ich solche Bands toll, aber nicht alle ihre Songs sprechen mich an. Dieses Album ist für mich echter amerikanischer Alternativ-Rock nach meinem Geschmack. „Turn On“ macht genauso weiter, und seine Band, bestehend aus Debbie Googe, James Sedwards und Steve Shelley, unterstützt Moore bei den Songs hervorragend. Im Vergleich zu manchen Shoegaze-Kollegen ist Moores Musik auch innerhalb eines Songs immer schön abwechslungsreich – „Turn On“ ist dafür ein hervorragendes Beispiel. selbst bei einer Länge von über zehn Minuten wird es nie langweilig. Das ist richtig gut, und nach drei Liedern mag ich das Album schon sehr (es sind insgesamt nur fünf Stücke darauf). Die Gitarrenarbeit, zum Beispiel bei „Smoke of Dreams“, ist großartig – was für ein genialer Song. „Aphrodite“ ist schon bemerkenswert, wie Moore in einem Song fast all das zusammenführt, was ich an den verschiedenen Rockgenres gerade besonders schätze: Post-Rock, Shoegaze, Psychedelic und Krautrock verschmelzen zu einer gelungenen Alternativ-Rock-Mischung. Eine Platte, die für mich wie gemacht ist. Danke dafür und großes Lob. (343)

Giorgio Moroder – Cat People – Motion Picture Soundtrack (1982)

Hauptgrund für den Kauf dieser CD ist der Titeltrack „Cat People (Putting Out Fire)“ von Moroder und David Bowie. Den Song gibt es zwar in einer anderen Fassung auf dem Album „Let´s Dance“, doch getanzt wurde immer zu dieser Version, was wohl am Moroder-Effekt liegt. Mir gefällt die rockige Version auf Bowies Album jedoch auch sehr gut.

Im Anschluss folgen Stücke aus der Filmmusik von Moroder. Diese eignen sich weniger für die Disco, sondern dienen ausschließlich dazu, die Atmosphäre des Films zu untermalen.

„The Autopsy“ ist von der Stimmung her sehr unheimlich, was sich durch den Einsatz von Synthesizern hervorragend vermitteln lässt. Das Stück enthält sogar einen echten Schockmoment.

„Irena´s Theme“ ist hingegen ein richtiger Song. Er beginnt als mysteriöse Soundtrackmusik, entwickelt sich dann jedoch zu einem leicht melancholischen, instrumentalen Popsong, der an französischen Synthpop erinnert.

Das kurze Stück „Night Rabbit“ wirkt wieder unheimlich und leicht experimentell.

„Leopard Tree Dream“ untermalt ein mysteriöses Traumszenario mit einer Popsong-Atmosphäre, in der sich auch Motive aus dem Song „Cat People“ wiederfinden.

„Paul´s Theme (Jogging Chase)“ verbindet Spannung mit Synthpop.

„The Myth“ stellt eine ruhigere Wiederholung der Melodie von „Cat People“ dar und setzt dabei stark auf Atmosphäre. „To the Bridge“ erinnert wiederum an „Paul´s Theme“ mit derselben Wirkung. Solche Synthesizer-Filmmusik war in den 80ern öfter zu hören und erinnert sowohl an die Filmmusik von John Carpenter als auch an die Musik der TV-Serie „Miami Vice“.

Eine passende musikalische Untermalung für eine unheimliche Verwandlung bietet „Transformation Seduction“. Als eigenständiger Song funktioniert es jedoch nicht.

Zum Abschluss gibt es noch einen kurzen, düsteren, instrumentalen Popsong: „Bring the Pod“. (677)

Van Morrison – Wavelength (1978)

Wie die Singer/Songwriter aus Los Angeles kann natürlich auch Van Morrison Musik machen, und genauso klingt das erste Stück der Platte. Dabei erstaunt, dass es im ersten Song „Kingdom Hall“ um Morrisons Kindheit in Belfast geht. Musikalisch wird Morrison unter anderem von Robert Tensch (Jeff Beck Group, Humble Pie), Peter Bardens (Carmel) und Garth Hudson (The Band) unterstützt.

Soul und Folk, wie es eigentlich nur Van Morrison kann – mit viel Pfiff und Schwung, sodass es großen Spaß macht: „Checkin´ it Out“.

Das Singer-Songwriter-Stück „Natalia“ verbindet Soul- und Pop-Elemente und ist ebenfalls gut gelungen. Für mich ist Van Morrison immer besser und interessanter gewesen als Bob Dylan oder Neil Young. Auf jeden Fall ist Morrison der bessere Sänger, und seine Musik ist meist auch zugänglicher – zumindest meiner Meinung nach.

Nach einem Paul-Simon-Arrangement klingt „Venice U.S.A.“. Vielleicht ist es wirklich passender, Morrison mit Paul Simon zu vergleichen, statt mit Dylan und Young. Diese beiden fallen mir im Zusammenhang mit Morrison vielleicht nur ein, weil sie ebenfalls unaufhörlich viele Alben veröffentlichen. Es erscheint mir unmöglich, alle ihre Platten zumindest einmal im Leben zu hören. Das ist, glaube ich, einfach nicht mehr machbar.

Mit Pop-Sound geht es angenehm weiter mit „Lifetimes“. Es ist nachvollziehbar, dass dieses leichte, aber sehr gute Album bis dahin das erfolgreichste seiner Karriere wurde. Ich habe es erst durch das Durchblättern einer alten Musikzeitschrift entdeckt – was gut ist, denn genau so mag ich Van Morrison richtig gerne.

Die zweite Albumseite wird sehr gefühlvoll mit „Wavelength“ eröffnet, das nach einem ruhigen Introteil doch noch zu einem flotten Pop-Rock-Stück wird.

Das Album gefällt mir wirklich gut, auch das eher ruhige, mit viel Gefühl gesungene „Santa Fee/Beautiful Obsession“. Ebenfalls sehr schön, gefühlvoll und hervorragend instrumentiert ist „Hungry for Your Love“.

Vielleicht ist „Take It Where You Find It“ am Ende dann doch etwas zu schmalzig – und zudem auf acht Minuten Länge gezogen. Aber weil Van Morrison singt, hat es dennoch seinen Reiz. Allerdings fehlte der zweiten Seite ein wenig an schwungvolleren Stücken.

Trotzdem ist „Wavelength“ sicherlich eines der besten Alben, die ich bisher von Van Morrison gehört habe. Doch wie gesagt: Ich bräuchte wohl noch zwei Leben, um mir sein Gesamtwerk anzuhören. Ganz zu schweigen von dem von Dylan und Young. Vielleicht bin ich dafür auch schon zu alt. (637)

Mother´s Finest – Mother Factor (1978)

Die Platte startet sehr funkig mit einem leichten Discovibe: „Can´t fight that feeling“.  
Eher Mainstream-Funkrock ist „Tell me“, während „Watch My Stylin´“ als Disco-Rock funktioniert. Solche Songs hatten sicher Einfluss auf Gruppen wie Cameo. Dabei fällt mir auf, dass Cameo zwar ihre größten Erfolge ab Mitte der 80er Jahre hatten, aber bereits zeitgleich mit Mother’s Finest aktiv waren. Ich lerne also nie aus.  

Die Soulballade „Love Changes“ erinnert mich an Titel von Womack & Womack und Tina Turner. Sängerin Joyce Kennedy verfügt über eine wirklich tolle Stimme.  

„Don´t wanna come back“ ist wieder ein typischer Funk-Rock-Song mit Steve Wonder-Tasteninstrumenten im Hintergrund.  

Schön soulig ist „Give it Up“, auch hier klingt es nach Steve Wonder-Style Funk und Soul. Trotzdem ist es eine gute Nummer.  
Der Bass ist verdammt funkig, aber die Nummer „Mr. Goodbar“ schafft es nicht, mich mitzunehmen.  

Das eher soulige „I can´t believe“ trifft wieder eher meinen Geschmack. Den Abschluss bildet „More and More“, das ein bisschen zu sehr auf Mainstream getrimmt ist.  

Da ich Mother’s Finest bisher eigentlich nur durch den klassischen Rocksong „Baby Love“ kannte, ist diese Platte für mich eine kleine Überraschung, vor allem weil mir die Soulnummern sehr gefallen. Gleichzeitig schätze ich aber auch den Funk-Rock weiter. Manche Kritiker bezeichneten das Album damals abfällig als Disco-Platte. Das wird dem Werk jedoch nicht gerecht, denn das Material ist viel zu vielfältig.(155)

Motorpsycho – Lobotomizer (1991)

Debütalbum. Zu diesem Zeitpunkt bestand das Trio aus Bent Sæther (Gesang, Bass), Hans Magnus „Snah“ Ryan (Gitarre, Gesang) sowie dem Schlagzeuger Kjell Runar „Killer“ Jensen.

Anfangs waren Motorpsycho noch nicht ganz die Psychrock-Band mit starken Progrock-Elementen, die die meisten Fans heute kennen. Zu Beginn waren sie vor allem eine „laute“ Band, doch bereits damals unterschieden sie sich von anderen Heavy-Metal-Bands jener Zeit. Der kurze Titeltrack „Lobotomizer“ besitzt einen feinen Retro-Rock-Touch mit Geige und Akustikgitarre, der dennoch deutlich nach Motorpsycho klingt.

Dann wird es sehr intensiv mit Heavy Metal: Bei „Grinder“ übernimmt Bent Sæthers Gesang, der den Metal-Track zugleich rockig wirken lässt. Auch hier waren Motorpsycho schon schwer einzuordnen. Der Metal-Anteil ist zwar recht groß, doch das macht großen Spaß und klingt großartig.

Und wie großartig ist „Hoghwash“! Warum habe ich diese CD so lange im Regal versteckt? Habe ich den Song früher etwa nicht gemocht? Das kann eigentlich nicht sein! Wer guten Hardrock schätzt, muss „Hoghwash“ lieben – der Song macht einfach viel Freude. Wenn dann noch die Orgel mitsingt, ist das der typische Siebziger-Rock, wie ihn die Band später oft zitierte, nur mit dem genialen, intensiven Bassspiel von Bent Sæther. Einfach verdammt gute Rockmusik. Mit knapp über acht Minuten Länge ist das Stück schon ein typischer Song der Band. Davon gibt es auf dem Debütalbum noch zwei weitere.

Mit schleppendem, aber schepperndem Schlagzeug kommt „Home of the Brave“ daher, dazu wird düster gerockt. Der Song wirkt eigenständig, ist dennoch Heavy Metal und mehr als das. Noiserock-Elemente sind hier eingewoben.

Einen echten Rocksong-Knaller im Indie-Rock-Stil präsentieren die drei Norweger mit „Frances“. Danach folgt wieder schwerer Rock: „Wasted“ mit Blues-Einschlag. Eine kurze Akustiknummer findet sich in „Eternity“.

Zum Abschluss gibt es noch etwas Längeres: „TFC“ ist fast zwölf Minuten lang. Das Stück beginnt fast wie eine Shoegaze-Nummer, wird dann schnell sehr heftig und richtet sich eher an Sonic-Youth-Fans. Wenn Bass und Gesang einsetzen, wechselt die Stimmung zu düsterem Bluesrock, um anschließend wieder aggressiv und kraftvoll zu rocken. Der Song spiegelt wie das gesamte Album einen guten Mix wider. Ich glaube, dieses Album ist im Laufe der Zeit wirklich gewachsen – vielleicht braucht es einen „erfahrenen“ Hörer, um es vollständig zu verstehen. (546)

Motorpsycho – 
8 soothing Songs for Ruth (1992)

Das zweite Studioalbum von Motorpsycho setzt sich aus den Songs der Mini-LP „Soothie“ und Stücken der Single „3 Songs for Rut“ zusammen. Musikalisch bewegt sich die Band auf diesem Album, ebenso wie beim Vorgänger, noch auf den Pfaden von Hardrock und Grunge, wobei auch Prog- und Psychedelic-Elemente zu entdecken sind. Mit „Lighthouse Girl“ und „Step Inside“ finden sich zudem zwei längere Stücke auf der CD. Ich bin gespannt, ob mich diese Platte ebenso begeistert wie zuvor „Lobotomizer“.

„Have Fun“ bietet guten, härteren, aber sehr melodischen Rock und macht beim Hören großen Spaß. Können Motorpsycho bitte eine Tour machen, bei der sie ausschließlich Songs der ersten drei Alben spielen? Das wäre, glaube ich, ein Fest. Jetzt weiß ich wieder, warum ich damals vom Auftritt im Zentrum Altenberg so begeistert war – weil sie da einfach großartig gerockt haben. Ihr Hippie-Psych-Rock ist zwar auch gut, doch mit der Energie solcher Rocksongs überzeugen sie noch viel mehr.

„Loaded“ macht ebenfalls keine Gefangenen. Im Sound stecken bereits alle Elemente, die Motorpsycho bis heute ausmachen – nur spielt die Band hier mit etwas mehr Aggressivität. Vom Können an den Instrumenten und beim Songwriting beeindruckt ihr Frühwerk schon sehr.

Dann folgt „Lighthouse Girl“. Darin sind deutliche Elemente aus Alternative- und Post-Rock verarbeitet. Auch in diesem Stück wird gerockt, als gäbe es kein Morgen, wenn auch nicht durchgehend. Das fast zehn Minuten lange Stück enthält zudem einige schöne, sanfte Passagen – es ist eine wahre Wundertüte voller typischer Motorpsycho-Sounds.

„Sister Confusion“ ist melodischer und eher dem Grunge als dem Heavy Metal zuzuordnen. Auch dieser Song überzeugt sehr.

Ein echter Rock-Hammer und einfach genial ist „The Wait“. So einen Motorpsycho-Song liebe ich besonders, vor allem live gespielt.

Zu Beginn von „Step Inside“ gibt es leichte Hippie-Klänge, doch nur kurz, denn der Song rockt dann gnadenlos gut. Das Album reiht sich für mich in eine Reihe mit dem „Temple of the Dog“-Album ein: moderner Rock und einfach ganz großartig. Was Bent Sæther, Hans Magnus Ryan und Håkon Gebhardt an den Instrumenten leisten, ist echtes Rockkino. Einfach der pure Wahnsinn.

Zum Abschluss gibt es noch eine Rock-Version von „California Dreamin´“. Als Fun-Zugabe macht dieser Rocker auch richtig Spaß.

Ein Mega-Album – ich freue mich jetzt schon darauf, „Demon Box“ und die „Mountain EP“ wiederzuentdecken. (598)

Motorpsycho – Phanerothyme (2001)

Bester Neo-Hippierock mit Ohrwurmgarantie. Mit Bläsersatz, Streichern und weiteren Instrumenten erweitert meine Lieblingsrockband ihr musikalisches Universum und schafft Musik von zeitloser Schönheit, die zugleich tief in der langen Geschichte der Rockmusik verwurzelt ist.

Besser geht es nicht. Ein echtes Meisterwerk. Ich bin jemand, der Psychedelic Rock sehr schätzt, obwohl ich bis heute nie einen Joint geraucht oder berauschende Pilze gegessen habe. Auch nüchtern lässt sich diese aus dem Konsum bewusstseinsverändernder Mittel entstandene, herausragende Stilrichtung der Rockmusik problemlos genießen. (65)

Motorpsycho & Stale Storlokken – En Konsert for Folk Fest (2015/Vinyl/DVD)

Für das größte Kulturfestival in Trondheim wurden Motorpsycho und Ståle Storløkken eingeladen, ein Konzert in einer Kathedrale zu geben. Die beiden waren zuvor mit dem Album „The Dead Defying Unicorn“ auf Tour gewesen. Das Konzert fand mit großem Chor, Ståle an der restaurierten Kirchenorgel und den zwei Streichern der „Sheriffs of Nothingness“ (ein Name, den ich sehr mag) statt. Gesungen wurde auf Norwegisch.

Das Konzert wurde als Doppelalbum auf Vinyl veröffentlicht, ergänzt durch eine CD, eine DVD und ein umfangreiches Booklet. Diese Ausgabe ist auf 2000 Exemplare limitiert.

Die Platte beginnt etwas ungewöhnlich mit einer kurzen „Erläuterung“ und Glockengeläut, bevor es nach etwa vier Minuten richtig losgeht. Ståle Storløkken übernimmt und behält während des größten Teils des Konzerts die zentrale Rolle an der großen Kirchenorgel. Die übrige Musik wird drumherum aufgebaut. Im ersten Stück kommt der Chor hinzu, und es entsteht eine düster klingende Atmosphäre. Motorpsycho stößt hinzu und formt das Stück zu einer echten Rocknummer. So wird schon früh klar, was die folgenden Stücke bieten: prog-rockige Live-Musik, komponiert für eine Kirche. Die Soundqualität ist zwar nicht auf höchstem Niveau, aber gut, was sicherlich an der Komplexität des Raums und der Vielzahl sowie Vielfalt der eingesetzten Instrumente liegt.

Seite 2, auf der nur das Stück „Lykkepilegrim“ zu hören ist, beginnt ruhig. Es ist ungewöhnlich, dass der Gesang komplett von den Chormitgliedern übernommen wird. Der Song steigert sich allmählich zum Prog-Rock-Oper-Opus.

Die Zusammenarbeit von Motorpsycho und Ståle Storløkken hat sicherlich das Motorpsycho-Universum erweitert. Dennoch empfinde ich manches – ähnlich wie bei „The Dead Defying Unicorn“ – als zu pathetisch und mit zu wenig Melodie oder Rockenergie gespielt. Hardcore-Prog-Rock-Fans sehen das möglicherweise anders: Sie werden begeistert sein und sich selig an die Glanzzeit von Emerson, Lake & Palmer und Co. erinnern.

Viele Käufer kritisieren die Verpackung der LPs. Durch den umfangreichen Inhalt sind die äußeren Cover-Hüllen sehr eng geworden, was bei den Vinyls automatisch zu einer „Wellenform“ führt. Bei mir hat dies jedoch keine Auswirkungen auf die Abspielqualität.

Seite 3 konzentriert sich auf Orgel und Chor und vermittelt eine klassisch dramatische Schwere.

Seite 4 bringt noch einmal alle Protagonisten zur Geltung. Über die gesamte Dauer empfand ich es jedoch als zu viel Kirchenorgel und Chor und zu wenig Motorpsycho. Die zwei letzten Stücke setzen allerdings positive Akzente und sind sehr gelungen.

Vielleicht liegt das daran, dass man die gesamte Aufführung nur hört und nicht sieht. Deshalb habe ich auch einen Blick in die hochgelobte DVD geworfen. Die visuelle Begleitung verleiht dem Konzert eine zusätzliche Dimension. Man ist dabei, wenn dieses Opus gespielt wird, sieht die Protagonisten und den bespielten Raum. Das macht sehr viel mehr Freude, als das reine Hören, und wertet das Konzertereignis deutlich auf.

Mein Tipp lautet daher: Zuerst das Konzert und die Dokumentation ansehen, danach das Vinyl auflegen oder die CD hören. (90)

Bob Mould – Distortion: The Best of 1989 – 2019 (2020) ClearVinyl-Ausgabe

Best of-Album aus seiner Zeit nach Hüsker Dü. Es enthält nicht nur Solostücke, sondern auch sechs Songs von Sugar sowie ein Stück unter dem Anagramm LoudBomb.

Kaum ein Musiker hat den Alternative Rock aus den USA so geprägt wie Bob Mould. Nach der Auflösung von Hüsker Dü hat er einfach immer weitergemacht und dabei mehrere weitere Glanzstücke geschaffen. Viele davon sind auf „Distortion“ zu finden. Anfang der 2000er Jahre hat Bob Mould als LoudBomb auch elektronischer Musik eine Chance gegeben – und das wirklich gut. Das bringt eine willkommene Abwechslung in sein ansonsten vom Alternative Rock geprägtes Werk.

Bei Bob Mould bin ich immer wieder überrascht, wie viel er geschaffen hat, und dass mir doch immer wieder das eine oder andere Album fehlt. (Update: Da es „Distortion“ inzwischen auch als Gesamtbox mit zusätzlicher Live-Platte gibt und ich mir diese zugelegt habe, besteht dieses Problem aktuell nicht mehr.) Seit ich das erste Mal „See a Little Light“ gehört habe, bin ich Fan und bleibe es einfach – genauso wie er wohl nie aufhören wird, immer weiter zu musizieren. (5)

The Mountain Goats – Through this fire across from Peter Barden (2025)

Das Album mit einer Ouvertüre namens „Overture“ zu beginnen, ist eine gelungene Idee. Die Ouvertüre selbst ist sehr gelungen und zeigt, dass sich „The Mountain Goats“ musikalisch deutlich weiterentwickelt haben, weit über einfache Singer-Songwriter-Indie-Songs hinaus. Ihre Musik besteht nicht mehr nur aus Gitarre, Bass und Gesang, sondern erreicht auf diesem Album bereits ein Power-Pop-Format. Insgesamt handelt es sich um schöne Indie-Alternative-Singer-Songwriter-Musik. „Fishing Boat“ funktioniert wie ein guter Lambchop-Song, und die Stimme von John Darnielle erinnert an Kurt Wagner.

Die Songs erzählen eine zusammenhängende Geschichte über ein gekentertes Schiff, wobei der Erzähler der Kapitän ist. Besonders beeindruckt mich der kraftvolle, fast schon orchestral wirkende Gesamtsound des Titels. Der Stil ändert sich mit dem nächsten Song „Cold as Night“, der ein sehr gelungener Rocksong ist. Mit „Dawn of Revelation“ setzt sich der Rock-Charakter fort, der im Verlauf immer ungestümer wird.

Danach wird es wieder sanfter, zum Beispiel bei „Your Bandage“, das in Richtung eines schönen Alt-Country-Folks geht. Schon jetzt bin ich von dem Album begeistert und freue mich, „The Mountain Goats“ endlich einmal ein ganzes Album lang zuhören zu können. Einige Songs hatte ich bereits in meiner Playlist, aber zum Album-Hören bin ich bisher nicht gekommen. Wenn ich mir nun den gesamten Backkatalog der Band anhören möchte, wartet noch viel Musik auf mich.

Der Song „Peru“ ist einfach wunderschön, ein großartiges Stück, das mich mit seiner Leichtigkeit sofort fesselt. Er ist weder Indie noch Rock, sondern einfach ein fantastischer Song. Auch „Through the Fire“ höre ich sehr gern, und meine Begeisterung für das Album wächst stetig – genau die Musik, die ich mag!

Sehr schön und fast „süß“ ist „Rocks in my Pockets“. Ein guter Song folgt hier auf den nächsten. Bei „Armies of the Lord“ fühle ich mich tatsächlich betört von der wundervollen Musik. Das sind einfach gute Songs von beeindruckender Qualität, die sich dabei nie aufdrängen. Gute Songs sind eben gute Musik.

So sanft und schön ist auch „Your Glow“ – einfach tolle Musik.

Wer „Lambchop“ mag, wird auch „The Lady from Shanghai 2“ lieben. Am Ende der Platte gibt es mit „Broken to begin with“ noch einmal einen sehr rockigen Song.

Insgesamt ein super Album! (671)

Wolfgang Müller – Die Nacht ist vorbei (2021)

Wolfgang Müller gehört zu den vielen unbekannten Künstlern, die längst mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Er ist jemand, der sich nicht leicht tut und das auch betont. Seine Arbeit ist „schwerste Arbeit“, denn jedes Album könnte das letzte sein, da sie so viel Anstrengung und Kraft kostet. Bitte nicht aufgeben, Wolfgang Müller, mach weiter. Wir brauchen deine Alltagspoesie, um den Alltag zu bewältigen.

„Immer noch Fahrrad“ ist ein wunderschönes Lied über das Älterwerden, aus der Sicht eines Kindes, das sich um seine Eltern sorgt. Wer schreibt schon Songs über solche Themen, und schaffen es dabei auch noch so schön? Mit „Immer noch Fahrrad“, das bei einer der Hamburger Küchensessions entstanden ist, hat er mich sofort beeindruckt. Außerdem kann man ihn als Vater der „Unter meinen Bett“-Reihe feiern. Obwohl ihn die Fertigstellung der ersten Ausgabe und das Konzert so viel Kraft gekostet haben, dass er die Reihe an den ebenso wunderbaren Francesco Wilking weitergegeben hat. Trotzdem gilt auch für „Unter meinen Bett“ mein unendlicher Dank.

Müller veröffentlicht seine Alben selbst und teilt seine Beobachtungen auch auf Facebook. Er hadert mit dem Musikerleben, das heute so schwer geworden ist. Eine Platte zu produzieren ist zu einem finanziellen Risiko für jeden Musiker geworden, ebenso wie die Organisation einer Tour. Leider musste er aus diesem Grund die geplante Tour zu seinem aktuellen Album absagen. Dafür hat er vor Kurzem ein Akustikalbum aufgenommen, das bereits bestellt wurde.

Kommen wir nun zur neuen Platte: Sie enthält 10 Songs, die man in nur 31 Minuten hören kann. Zum Glück wirken diese 31 Minuten deutlich länger, denn in dieser kurzen Zeit gibt es viel zu entdecken. Viel Poetry, viel Musik, die nach unglaublicher Leichtigkeit klingt, während die Texte teilweise von einem erbitterten Kampf erzählen: dem Kampf, einfach in dieser Welt zu bestehen. Einige Stücke sind fast gesprochene Poesie, begleitet von feinen Klängen – neue Beatpoetry sozusagen.

„Zu Rosa“ besitzt das, was die besten Songs der „Unter meinen Bett“-Reihe auszeichnet, allerdings ohne kindgerechte Texte, aber mit derselben glücklichen Wirkung, durch die auch Erwachsene große Freude beim Hören empfinden. Musikalisch strahlt das Album für Wolfgang Müller eine neue Leichtigkeit aus. Es klingt wie „ClickClickDecker“ trifft auf „Tom Liwa“.

Am besten macht man sich selbst ein Bild, indem man direkt bei ihm unter „www.wolfgangmueller.info“ bestellt. Dabei macht man nichts falsch und unterstützt jemanden, der es wahrlich verdient, bekannter zu sein.

Wolfgang Müller - Fast wie Neu (2023)

Die Tour wurde abgesagt, dafür ist ein Akustikalbum mit meist bekannten Songs neu aufgenommen worden. Das ist doch etwas Besonderes. Es ist Musik pur von Sänger und Songschreiber, nämlich nur Gesang und Gitarre. Für Musik-Puristen und Unplugged-Fans ist das eine wahre Freude, aber auch eine weitere Gelegenheit, den Musiker Wolfgang Müller und seine Songs neu zu entdecken. Wer dies bisher noch nicht getan hat, sollte es jetzt endlich nachholen. Dann fällt es dem Musiker auch wieder leichter, auf Tour zu gehen und das Musiker-Dasein an sich zu genießen. Denn mit beidem hadert Sänger und Musikautor Wolfgang Müller gerne. Das schrieb er sich auch schon in einem Buch von der Seele. Wir hoffen, dass nach diesem Album noch weitere folgen werden. Und wenn nicht – dann haben wir zumindest diese Platte mit zwölf Songs, die auf zwei Plattenseiten jeweils zu sechs Stücken verteilt sind. Gerade auf seiner Webseite habe ich außerdem gelesen, dass im Oktober ein neues Album erscheint.

Das einzig neue Stück trägt den Titel „Dunkelhäuser“ – ein wundervolles Beispiel deutschsprachiger Songschreiberei. Das trifft natürlich auf jeden Song zu, doch das sparsame, akustische musikalische Grundgerüst tut den Texten besonders gut, weil man sich noch mehr als sonst auf sie konzentrieren und sie einfach genießen kann. Aber auch die Melodien sind bei Wolfgang Müller nicht bloße Begleitung guter Texte – sie geben den Ton an und schaffen die Atmosphäre, in der die Worte sich entfalten dürfen. Die weiteren Songs stammen aus den Alben „In der Zwischenzeit“ (2007), „Gegen den Strom“ (2009), „Auf die Welt“ (2015), „Die sicherste Art zu Reisen“ (2018) und „Die Nacht ist vorbei“ (2021).

Wolfgang Müller ist keiner, der besonders „cool“, „verschroben“, „rockig“, „punkig“ oder „witzig“ daherkommt. Er ist ein Songpoet, ähnlich wie auf ganz andere Art, und doch wieder sehr ähnlich, Hannes Wittmer (Spaceman Spiff). Sanfte Melodien, Schönheit, Alltag, Sehnsüchte, Sinnfragen, Beschreibungen und alles, was das Dichterherz sonst so hervorbringt, steckt er in seine Texte – und das mit Können und Kunstfertigkeit. Da fragt man sich, warum Wolfgang Müller nicht viel mehr bekannt und gehört wird. Diese Musik ist viel zu schade, um nur von einem kleinen, gut informierten Kreis an Hörern entdeckt zu werden. Sein Gitarrenspiel ist übrigens schon allein bei Songs wie „See Mitten im Wald“ den Kauf der Platte wert. (378)

Peter Murphy – Wild Birds 1985 - 1995 (2000)

Da ich „Cuts You Up“ schon immer mochte und mich allmählich auch durch die Platten von „Bauhaus“ höre, die mir ebenfalls gefallen, war es an der Zeit, mir einen umfassenderen Überblick über das weitere Solo-Werk von Peter Murphy zu verschaffen. Dieses Best-Of besteht aus Material der ersten Hälfte seiner Soloproduktionen, da er seit 2001 wieder aktiver ist und in diesem Jahr (2025) mit „Silver Shade“ nach einer zehnjährigen Pause sein elftes Album veröffentlicht hat. Die Compilation enthält Songs der ersten fünf Alben.

Zu „Cuts You Up“ habe ich unzählige Male getanzt – wer in den frühen 90ern donnerstags im Music Circus Ruhr war, hat mich zu diesem Song Woche für Woche tanzen sehen. Ein wunderschöner Indie-Pop-Song, ein Stück für die Ewigkeit, das vom Album „Deep“ (1989) stammt. „Subway“ wiederum ist ein gut gemachter, melancholischer Düsterballade-Song vom Album „Cascade“ (1995), der nach einem langsamen Anfang etwas tanzbarer wird.

„The Scarlet Thing in You“ ist vom gleichen Album, und hier entdecke ich fast eine ganz neue Seite an Peter Murphy. Er spielt einen schönen, fast akustischen Pop-Rock-Song, der wirklich sehr gelungen ist. Diesen Stil hatte er aber auch schon früher drauf, wie „Indigo Eyes“ vom Album „Love Hysteria“ (1988) beweist. Aus dem Jahr 1992 stammt „Keep Me from Harm“ vom Album „Holy Smoke“; die ersten Klänge erinnern fast an einen älteren Song von David Sylvian, und tatsächlich hat der Song den Charme eines Stücks von „Japan“. New Romantic in den 90ern. „Final Solution“ hat richtig Power, und hier orientiert er sich ein wenig an Iggy Pop und Lou Reed. Dieser Song stammt vom Album „Should the World Fail to Fall Apart“ von 1986 und ist damit das älteste Stück der Sammlung.

Die stilistische Vielfalt macht das Best-Of abwechslungsreich. Peter Murphy beherrscht viele Spielarten der Rockmusik. Fans von Billy Idol könnten „Deep Ocean Fast Sea“ vom Album „Deep“ (1989) mögen. Sehr schön ist auch die Ballade „Strange Kind of Love“ (ebenfalls „Deep“, 1989).

Auch die langsameren Nummern überzeugen. „Hit Song“ ist ganz fein, wenn auch fast schon etwas kitschig („Holy Smoke“, 1992). Anspruchsvoller ist da „Huuvola“ vom Album „Cascade“ (1995), atmosphärisch und eine Mischung aus David Sylvian und Peter Gabriel.

Im Bereich Art-Pop findet sich „All Night Long“ („Love Hysteria“, 1988), das alles hat, was man sich wünscht. Zwar klingt vieles vertraut und erinnert an Bekanntes, aber da Peter Murphy das auch gut umsetzt, stört das keineswegs. Ich glaube, ich werde mir die Alben komplett anhören müssen. Es gibt einfach zu viel gute Musik, und fast täglich entdeckt man Neues, das man hören möchte – stöhn –, aber es gibt Schlimmeres auf der Welt. So ist auch „Dragnet Drag“ vom Album „Love Hysteria“ ein feiner, ruhiger Indie-Rock-Song mit gewissem Anspruch.

Ein weiterer feiner Hit, wieder im soften Rockstil wie „The Scarlet Thing in You“, ist „I’ll Fall with Your Knife“ („Cascade“, 1995).

„The Sweetest Drop“ („Holy Smoke“, 1992) ist ein weiterer New Romantic-Song. Art-Prog-Düster-Rock bietet „Roll Call“ vom Album „Deep“ (1989). Zum Schluss: „Jemal (Version Two)“ wird in dieser Sammlung zum ersten Mal veröffentlicht – ein anspruchsvoller Art-Rock-Song.

Beeindruckend, was Peter Murphy innerhalb von zehn Jahren an Alben geschaffen hat. Nach diesen Appetithäppchen werde ich, wie gesagt, sicher noch mehr von ihm hören – die Alben sind bereits bestellt. Es hat mir offensichtlich sehr gut gefallen. (557)

Muse – The Resistance (2009)

Einfach mal ein Album von Muse kaufen, anhören und dann beurteilen, ob das etwas für mich ist. Das war wohl der Grund für den Kauf des Albums. Ich kenne wirklich kaum etwas von Muse – die sind mir eher vom Namen als von ihrer Musik her bekannt. In den frühen 2000er Jahren gab es einfach zu viele Bands im Indie-Rock-Bereich, von denen die meisten aber, glaube ich, bei Major-Labels unter Vertrag standen. Sie klangen also eher wie Indie-Bands. Ich verwechsele auch Bands wie Maxïmo Park gerne mit anderen – irgendwie schafft es mein Gehirn nicht, sie alle einzeln richtig einzuordnen. Nur The Kooks – dank ihres Sängers – und Mando Diao – weil ich sie einmal gut fand und dann nicht mehr viel damit anfangen konnte – sind bei mir noch richtig abgespeichert. Aber neben Muse und Maxïmo Park gibt es ja noch Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Strokes und viele mehr – und all diese Bands konnte ich bisher nicht richtig abspeichern, nur teilweise und jeweils mit sehr wenig von ihren Liedern. Keine Absicht, aber so ist es nun mal.

Also einfach mal eine CD von Muse hören. Es ist Album Nummer fünf und damit so etwas wie ein Mittelstück ihres Schaffens.

„Uprising“ klingt so, als wollten Muse den Sound von Mando Diao elektronisch bearbeiten und ihn zu einer kraftvollen Power-Pop-Rock-Nummer machen, dann aber im Refrain gesanglich melancholisch mit einem Radiohead-Touch versehen. Ich weiß nicht, ob mir das gefallen soll. Irgendwie wirkt es auf mich zu gewollt. Andere Hörer werden es sicherlich als mitreißend empfinden. Mich lässt es eher kalt.

Ich glaube, wenn ich „Resistance“ mit seinem Stil-Mischmasch nur bei Spotify gehört hätte, wäre ich jetzt schon an dem Punkt, das Hören abzubrechen. Denn ich denke, mit Muse und dem Album werde ich keinen Spaß haben. Das ist nicht mein Stil, obwohl viele Zutaten eigentlich stimmen. Aber ich habe all das schon besser gehört und vor allem ohne diesen aufdringlichen Touch.

Da ich die CD jetzt aber anhöre und mir kein zu schnelles abschließendes Urteil bilden möchte, höre ich weiter.

„Undisclosed Desires“ finde ich gut, weil es sich vom Sound her mehr wie ein R&B- und Soul-Pop-Stück anhört und einfach nur Pop ist, nicht aufgesetzte Rockmusik wie bei den vorherigen Stücken. Der Song bleibt in der Playlist.

Sanft beginnt „State of Eurasia (+ Collateral Damage)“ mit einem Klavier, das an „Let it Be“ erinnert. Das Stück wird zunehmend symphonisch und klingt schließlich wie eine Queen-Kopie. Wieder drückt das bei mir den „Das ist zu viel“-Knopf, weil es einfach zu viel des Guten ist.

Dann folgt mit „Guiding Light“ noch ein Rock-/Pop-Schlager, den ich ganz unerträglich finde. Bei „Unnatural Selection“ kommt zum Album-Mix noch eine Hardcore-Rock-Nummer hinzu, aber ich verzweifle nur an dem, was ich höre. Ich breche den Song einfach ab.

„MK Ultra“ ist Power-Rock. Obwohl auch nicht schlecht, lässt mich der Song trotzdem kalt. Natürlich bin ich von vielem, was ich zuvor gehört habe, jetzt genervt, und da fällt es schwer, noch objektiv weiterzuhören. Aber ich glaube, der Hauptfehler der Musik auf der CD ist, dass sie mich emotional überhaupt nicht packt. Es ist wie der elektronische Party-Pop, den Coldplay heute nur noch produzieren. Wenn Musik nur noch wie ein Hollywood-Blockbuster konzipiert wird, kann ich damit selten etwas anfangen. Deshalb wird es auch KI-generierte Musik mit mir schwer haben – zum Glück.

Der Anfang von „I Belong to You (+ Mon Cœur S'Ouvre À Ta Voix)“ lässt mich aber aufhorchen. Verpackt als Chanson plus Rock funktioniert der Mix etwas besser und macht auf jeden Fall Spaß zu hören, auch wenn es wieder viel weniger pompös sein könnte.

Zum Abschluss folgt dann noch eine dreiteilige Symphonie: „Exogenesis“. Wie befürchtet, finde ich die auch nicht besonders gut. Pompöser moderner Rock, wie Muse ihn machen, ist nichts für mich. Ende der Durchsage, CD wird zurückgegeben. (639)

Musikexpress/Sounds präsentiert: Sounds of 96, 
Vol 1 (Beilagen-CD)

Ich fand den neuen Trend zu Beilagen-CDs bei Musikzeitschriften ab Mitte der 90er Jahre sehr schön. Damals gab es noch keine kuratierten Playlists als Stream, und man bekam für kleines Geld eine neue CD mit Musik zum Entdecken. Leider ist dieser Trend in Zeiten von Streaming-Diensten und dem Rückgang der Printmedien stark zurückgegangen. Trotzdem sind viele solcher CDs erschienen, die man heutzutage immer noch nachträglich hören kann. Hier also die „erste“ Beilagen-CD der Zeitschrift Musikexpress/Sounds aus dem Jahr 1996 – sie war mit fast einer Stunde Spielzeit sehr gut gefüllt (damals waren die Plattenlabels noch großzügig). Die CD ist wie die erste Beilagen-CD der Zeitschrift Rolling Stone reichhaltig mit Bands und Musik aus den 90ern bestückt. Machen wir also eine Reise zurück in diese Zeit.

Der erste Track stammt von „Daibello“. Das Stück heißt „Eleven“ und ist eine elektronische Art-Pop-Nummer. Hinter dem Namen Daibello steckt die kanadische Musikerin Lisa Dal Bello, die seit 1979 zunächst unter ihrem eigenen Namen und ab 1984 unter dem Namen Daibello Musik macht. Sie bewegt sich durch verschiedene Musikgenres wie Pop, Art-Rock (man bezeichnete sie sogar mal als kanadische Kate Bush) und Alternative. Mit ihrem 1996 erschienenen Album, von dem auch „Eleven“ stammt, versuchte sie ein letztes Comeback – danach zog sie sich aus dem Musikgeschäft zurück.

Über die Band des zweiten Stücks muss ich weniger schreiben. Es handelt sich um die Foo Fighters mit dem Song „I’ll Stick Around“. Ich finde, dass Dave Grohl sich bei seiner Musik oft etwas zu einfach macht. Die Zutaten seines Alternative-Rocks wirken auf mich meist zu simpel und irgendwie habe ich das alles schon mal gehört – meistens sogar ein wenig besser. Mit den Foo Fighters werde ich irgendwie nie so richtig warm. Dabei ist „I’ll Stick Around“ gar nicht mal wirklich schlecht, aber eben, wie gesagt, alles schon mal gehört.

Viel lieber höre ich „High and Dry“ von Radiohead. Den mochte ich schon immer sehr und ich schätze die frühen Alben von Radiohead, als sie noch eine echte Rockband waren, sehr. Später wurde es mir mit dem vielen Elektrogefrickel allerdings etwas zu langweilig. Deshalb betrachte ich die Wiederbelebung unter dem Namen „The Smile“ als Schritt in die richtige Richtung. Aber zurück zu „High and Dry“ – ein Supersong, auch heute noch!

Nachdem wir schon Foo Fighters und Radiohead hatten, folgt als nächstes Blur. Wer da behauptet, die 90er seien kein gutes Jahrzehnt für Rockmusik gewesen, irrt sich gewaltig. Blur steuern mit „Entertain Me“ eine solide Brit-Rock-Nummer zur CD bei. Allerdings ist der Stil nicht ganz mein Ding – das liegt bei mir generell an Damon Albarn. Einige seiner Songs finde ich richtig gut, andere werfe ich schnell aus der Playlist. Man muss ja nicht alles mögen.

Dubstar kannte ich zuvor kaum. Das Trio besteht aber bis heute. Das Stück „Anywhere“ klingt so, wie Disco-Brit-Pop eben klingt: eingängig und zum Mitsingen, besonders wenn man schon ein paar Pints intus hat. Es tut nicht weh und macht Laune, kann aber in einer Playlist auch schnell untergehen.

Dein Cyan war mir vorher unbekannt. Laut Internet waren sie die einzige deutsche Trip-Hop-Band. So, so. Der Song „44 Magnum“ klingt nach ruhigem Elektro und könnte auch gut in eine düstere Playlist passen. Dein Cyan waren ein Duo aus Nürnberg.

Mit Cassandra Wilson ist eine Jazzmusikerin auf der CD vertreten, die es auch liebt, Pop- und Rocknummern in feine Jazzsongs umzuwandeln. So auch bei „Love is Blindness“, das im Original von U2 stammt. Da ich mich zurzeit gefühlt an U2 sattgehört habe, gefällt mir diese Interpretation sehr gut – irgendwann werde ich U2 aber auch wieder hören.

Speech ist mir bereits seit seinem Engagement bei dem Musikerkollektiv „Arrested Development“ bekannt. Solo hat er ebenfalls schönen, poppigen Hip-Hop gemacht, dem glücklicherweise jede Gangster-Attitüde fehlt. Auf seinem Debütalbum „Speech“ finden sich zahlreiche Perlen. „Impressed Tid Bits of Dope Hits“ gehört leider nicht dazu – hier haben die Kuratoren der CD meiner Meinung nach versagt.

Nach dem Hip-Hop folgt Funk-Jazz-Rock aus Hannover mit „Be“. Kanntet ihr die Band nicht? Ich auch nicht, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Musiker Hannover hervorgebracht hat. Be haben zwei Alben veröffentlicht, und „Black Rain“ stammt von ihrem Debütalbum „Bold“. Die Produktion des Stücks ist beachtlich. Der Song klingt richtig gut, fast wie etwas von Alabama 3 (die mit dem Sopranos-Titelsong). Man muss sich mit diesem Song wirklich nicht verstecken.

Die spanischen Heroes del Silencio gelten eigentlich als One-Hit-Wonder. „Entre dos Tierras“ hat damals jeder gehört, und jeder fand den Song super – was bis heute so geblieben ist. Doch kennt oder hört noch jemand weitere Lieder von ihnen? Eigentlich nicht. So wird auch „Avalancha“ wohl selten gehört worden sein. Dabei ist das ein ordentlicher Rocksong. Aber mal ehrlich, übertreibt Sänger Enrique Ortiz de Landazuri nicht immer etwas mit seiner Ausdrucksstärke? Ein wenig weniger Pathos im Gesang hätte dem Song sicherlich gutgetan. Nach dem gleichnamigen Album „Avalancha“ war es dann allerdings auch um die Band geschehen.

Von Waltari kannte ich immer nur den Namen, wusste aber vor dem Hören des Songs „The Stage“ nicht, was mich erwartet. Ich hatte eigentlich etwas Krachiges erwartet, stattdessen gab es einen ganz eingängigen Crossover-Popsong. Der Gesang erinnert an einen ruhigen Rap-Song aus den 80ern namens „I Need Love“ von L.L. Cool J. Nett, aber ein wenig zu sehr auf einen Hit ausgerichtet und daher etwas weichgespült.

Mr Ed Jumps the Gun (ebenfalls Crossover) sind nur 56 Sekunden lang zu hören mit einem albernen Partykracher: „Don’t Haha (Demo)“.

Zum Crossover-Genre gehörten auch Thump. Thump kamen wie H-Blockx und Mr Ed Jumps the Gun aus Deutschland. Der Song „Red Alert“ funktioniert wie viele Crossover-Songs: harte Gitarren, gemischt mit Hip-Hop-Gesang. Meist nervt mich der Hip-Hop-Gesang im Genre, obwohl es immer erfreuliche Ausnahmen gab. Selbst mit einigen Bands, die ich früher mochte, tue ich mich heute schwer. Zum Beispiel kann ich Faith No More mittlerweile auch nicht mehr richtig genießen – irgendwann fangen die Songs an, tierisch zu nerven. Und auch „Red Alert“ ist schnell nervig.

Zum Schluss der CD: Helge Schneider. Als Oberhausener ist mir Helge Schneider natürlich lange bekannt, und ich habe ihn auch schon öfter als normalen Bürger durch die Stadt laufen sehen. Helge finde ich teilweise ganz witzig, teilweise anstrengend. Aber ich glaube, er ist auf jeden Fall eine echte Persönlichkeit, die sich von den anderen Ruhrgebietsoriginalen unterscheidet. Zwar gibt es hier einige Herbert Knebels, aber Helge Schneider ist wirklich einzigartig. „Die Aktentasche“ ist eine fein erzählte Comedy-Geschichte. Er ist tatsächlich sehr witzig.  (253)

Musikexpress/Sounds präsentiert: (Sounds) of 96 vol.2 (1996)

Direkt „Everything Falls Apart“ von Dog’s Eye View hat mich dazu gebracht, die ganze CD der Band zu kaufen. Das ist einfach guter, mitreißender Pop/Rock, und stimmlich erinnert Sänger Peter Stuart an seinen Entdecker Adam Duritz (Counting Crows). Auch die Leichtigkeit der Counting Crows und Hootie and the Blowfish haben Dog’s Eye View übernommen. Ein guter Song, eine gute Band, und auch das Solowerk von Peter Stuart empfehle ich bei dieser Gelegenheit direkt mit. Lohnt sich, entdeckt zu werden. Deshalb mag ich Zeitschriften-Beilagen-CDs – es gibt etwas zu entdecken oder eben auch nicht.

„God’s Mistake“ von Tears for Fears. Aus einer ursprünglich New-Wave- und später Art-Rock-Band ist irgendwann ein Pop-Vehikel geworden. Der Song klingt wie viele, die wir im Radio hören können: tut nicht weh, ist harmlos. Aber hatten sie nicht früher wirklich gute Songs auf ihren Alben?

„Sitting on Top of the World“ von Amanda Marshall. Heartland-Rock bietet Amanda Marshall hier. Schön charttauglich, aber eine der guten Sorten. Mit ihrem Debütalbum, von dem dieser Song stammt, konnte sie zwei weitere Songs in internationale Top-Ten-Charts bringen.

„We Don’t Need Nobody Else“ von Whipping Boy. Sanfter Alternative-Rock mit eher gesprochenem Gesang. Gefällt mir ganz gut. Da lohnt sich vielleicht eine nähere Beschäftigung mit der Band aus Irland.

„Men in Black“ von Frank Black. Der Frontmann der Pixies auf Solopfaden hat bisher mehr Soloalben veröffentlicht, als man denkt (auch unter den Namen Black Francis und Frank Black & The Catholics). „Men in Black“ ist eine heruntergerockte Punkrock-Nummer – davon gibt es viele.

„Flüssing (Diamant Mix)“ von Fleischmann. Ich bin kein großer oder überhaupt kein Fan der „Neuen Deutschen Härte“. Fleischmann aus Berlin gehören zu den Gründern dieses Genres. Schon nach den ersten Textzeilen entschließe ich mich, das Hören einzustellen. Das brauche ich überhaupt nicht.

Dann doch lieber Rap von den Fugees – auch wenn das Stück „Fu-Gee-La“ so gar nicht mein Geschmack ist. Beats – aber sehr eintönig.

„Hippy Hippy Shake“ von Big Soul. Big Soul bieten mit diesem Song eine Crossover-Mischung aus Alternative Rock, Funk und West Coast Rock – eine Kombination, die in den 90ern und frühen 2000er Jahren von einigen Bands genutzt wurde, um vielleicht wenigstens mit einem Song in den Charts zu landen.

Oh, ich liebe Die Sterne und ich liebe „Was hat Dich bloß so ruiniert“. Alternative-Rock aus der Hamburger Schule in Deutschland – richtig gut!

An die Beach Boys erinnern The High Lamas mit ihrem verträumten „Literature is Fluff“. Schon wegen des Songtitels muss man das wenigstens sympathisch finden.

„Uneingeladene Gefühle“ von den Lassie Singers. Aus Berlin und zwischen Hamburger Schule und Neuer Deutscher Welle angesiedelt (laut Wikipedia) – gefällt mir der Song als deutschsprachiger Indie-Rock eigentlich ganz gut. Vielleicht also auch Zeit, die Lassie Singers mal wieder neu zu entdecken.

George Clinton ist auf seinem Gebiet – dem Funk – so etwas wie ein Heiliger. Von vielen geliebt, verehrt und nachgeeifert. Mich konnte er bisher mit seiner Musik jedoch nicht überzeugen. 1996 macht er Rap, wie es viele tun, und so ist auch „Hard as Steel“ ein Rap-Song von vielen. Brauche ich nicht.

Die Manic Street Preachers möchte ich noch besser kennenlernen, und dazu passt der gut gerockte „Kevin Carter“.

„Ekstase“ von Gagu ist nochmal kräftig und hart gerockt. Aber das ist auch alles, was man Gutes über den Song sagen kann.

Zum Abschluss des Samplers macht „Das Licht (das auf mich scheint und aus dem Kühlschrank meiner Küche kommt)“ von Samba doch mehr Spaß. Irgendwie zwischen Stoppok und Hamburger Schule. Mal wieder eine Band aus Münster.  (501)

My Bee´s Garden – Hunt the Sleeper (2010)

Bevor die Französin Melody Prochet als „Melody’s Echo Chamber“ bekannt wurde, war sie Mitglied in der Indieband „My Bee’s Garden“. Diese Band verbindet Indiepop mit Shoegaze- und Dream-Pop-Elementen, doch diese Mischung spricht mich als Hörer nicht immer an. Bekannte und geschätzte Künstlerinnen dieses Genres überzeugen mich oft nicht, da ich Gitarren und Gesang mit viel Hall häufig als langweilig oder anstrengend empfinde.

Das erste Stück „Lone Wolf’s Home“ gefällt mir allerdings sehr gut, weil es eine angenehme Leichtigkeit im Indie-Pop verströmt. So muss Indie-Pop klingen, der nicht zu aufdringlich zum Tanzen auffordert, sondern eher wie die guten Songs von Bands wie den „Cardigans“ einen Sixties-Touch besitzt und sich auch gut bei einer Tasse Kaffee im Café genießen lässt.

„Alison“ ist ebenfalls ganz gefällig, doch hier kommt der Dream-Pop-Einfluss stärker zum Vorschein, wodurch der Song etwas anstrengender wirkt.

Beim dritten Stück „Favorite Lion“ erklingen die Gitarren klarer und schneller. Mit seinem verstärkten Sixties-Pop-Charme funktioniert der Song wieder sehr schön.

Dream-Pop kommt mir besonders gut entgegen, wenn er von gut gespieltem Klavier begleitet wird. So mag ich das kurze „Les Memes Histories“ sehr, das dem Album zudem eine gewisse Reife verleiht.

Dream-Pop gemischt mit Shoegaze habe ich leider schon zu oft gehört und konnte meist wenig damit anfangen, so auch bei „The Noise It Makes“.

Wieder etwas mehr Indie-Pop, aber gleichzeitig Musik, die man sich gut in einem französischen Experimentalfilm vorstellen kann, bietet „Bud and Deanie“. Der Song klingt nach Musik der 60er und 70er Jahre und ist teilweise sogar mit einem klassischen Disco-Bass versehen. Letztlich ist es jedoch nicht mein Geschmack.

Dafür ist „Hunt the Sleeper“ sehr gelungen und zeigt, wie viel Kunst sich in einen kleinen Indie-Pop-Retro-Song packen lässt.

Das Album kann ich Fans von The Cardigans und Saint Etienne empfehlen.

„Sailor Mood“ ist ruhig und verträumt, ohne wirklich anstrengend zu sein, und bringt sogar ein bisschen Psych-Folk in den Mix.

Mit „All of a Sudden“ gibt es nochmals einen lockeren Indie-Pop-Song, und mit „Half Asleep“ endet Melodys erstes Album auf einem guten Abschluss.

Verträumter French-Sixties-Pop – obwohl ich solche Musik auf der Länge einer CD meist eher langweilig oder einfach nicht meins finde, überzeugt mich dieses Album doch recht gut. Songs wie „Lone Wolf’s Home“ und „Hunt the Sleeper“ gehören sogar zu meinen Favoriten und finden sich in meiner Playlist wieder. (676)

My bloody Valentine – Loveless (Remaster 1991/2021)

Ich höre zunächst nur die erste CD mit dem Remaster der originalen 1630-Tapes. Es gibt auch noch eine CD mit der Platte als Remaster der originalen Halfspeed-Analog-Master.

Das zweite Album der Band hat zwei Jahre gebraucht, um aufgenommen zu werden. Dabei wurden 19 verschiedene Studios aufgesucht und genutzt, was das Plattenlabel Creation beinahe in den Ruin getrieben hätte. Das Album gilt als Meilenstein des Shoegazing-Genres, weshalb ich ein wenig Respekt vor dem Anhören habe – denn oft empfinde ich dieses Genre beim Durchhören einer Platte als etwas anstrengend oder langweilig. Mal sehen, ob auch dieser „Meilenstein“ dazu gehört oder ob er zu den besseren Platten dieses Genres zählt.

„Only Shallow“ ist schon einmal schön krachig und kann problemlos mit Alternativ-Rocksongs der späten 80er und frühen 90er Jahre mithalten. Dabei kommen mir Bands wie Sonic Youth, Breeders und Throwing Muses in den Sinn. Das Album besteht also nicht nur aus langsamem Gitarrengeschrammel und endlosen Soundwänden, sondern mischt auch Post-Rock und Alternativrock. Der Gesang von Belinda Butcher ist jedoch – leider wie so oft und als Markenzeichen des Shoegazing – kaum verständlich aufgenommen, sodass er im zweiten Stück „Loomer“ komplett im Geschrammel untergeht.

Ein schönes Zwischenspiel ist „Touched“. „To Know Here When“ ist wegen seiner völlig verzerrten Darbietung der Musik schon wieder auf seine Weise gut – auch wenn es mehr nach kaputter Soundwiedergabe klingt. Bei diesem Stück sollte man auf keinen Fall Rückschlüsse auf die Wiedergabefähigkeit der eigenen Anlage ziehen. Unverzerrt wiedergegeben wäre das Stück, glaube ich, sogar fünfmal schöner. Ja, der verzerrte Sound der Songs ist nicht ganz mein Geschmack. Dadurch verlieren eigentlich schöne Stücke wie „When You Sleep“ etwas von ihrem ursprünglichen Charme. Hier wünsche ich mir die unverzerrte Coverversion gleich dahinter. Die Platte ist jedoch keineswegs zu langsam oder zu langsam gespielt. Nur die Art der „verzerrten, übersteuerten und im Rausch untergehenden“ Musik entspricht nicht meinen Vorlieben. Meiner Meinung nach könnte die Platte so viel besser sein, wenn die Band die Songs etwas konventioneller runtergerockt hätte. Auch „I Only Said“ finde ich eigentlich richtig gut. Eigentlich...

„Come In Alone“ gefällt mir musikalisch besser. Vielleicht höre ich mir danach doch noch das Halfspeed-Master an, vielleicht wurde dort ja auch am Sound mehr gearbeitet. „Sometimes“ finde ich ebenfalls ganz gut. Natürlich erinnert die Musik auch sofort an Yo La Tengo. Teilweise ist der experimentelle Sound sogar spannend, doch der schiefe Klang beim Stück „Blown A Wish“ ist wieder etwas störend. Manchmal kann man es mir einfach nicht recht machen. Mancher Folk und Rock ist mir zu poppig produziert, während ich bei heruntergerotztem Punk eine bessere Produktion begrüßen würde und bei manchen Alternativrock- und Shoegazing-Stücken weniger Dissonanzen und Übersteuerungen im Sound bevorzuge. Mit meinem Geschmack ist das wirklich schwierig.

Schön krachig ist auch „What You Want“, doch auch dort hätte ich gerne mehr Details im Sound gehört statt kaum verständlichem Text, Gitarrengeschrammel und etwas Bass. „Soon“ finde ich am Ende richtig gut und es macht mir Spaß.

Eigentlich sind das tolle Songs, nur die Produktion oder die Darbietung ist nicht ganz mein Geschmack. Dennoch sind auf dem Album sicherlich Stücke dabei, die in einer guten Alternativrock-Sammlung nicht fehlen dürfen. Und zum Glück ist es kein langweiliges Album wie manch anderes Shoegazing- oder Slowcore-Album. Dieses Album darf man wirklich nicht dazu zählen. (348)

Jasmine Myra – Horizons (2022)

Die Britin Jasmine Myra spielt Saxophon und Flöte, ist Komponistin und Bandleaderin. Sie gehört zu der immer größer werdenden Zahl neuer englischer Jazzmusiker, die es schaffen, den Jazz nicht nur am Leben zu erhalten, sondern ihn auch zu modernisieren. Dies gelingt Myra ganz hervorragend mit eleganten Jazzstücken wie dem titelgebenden „Horizons“. Melodiös, einnehmend und dabei doch an Größen wie Pat Metheny erinnernd. Ich glaube, dass das entspannte und elegante, niemals aggressive Element in Myras Musik einen wichtigen Teil ihres Erfolgs ausmacht. Es handelt sich um anspruchsvollen Jazz, der sich ebenso gut in einer Lounge oder an einem Sonntagmorgen im Wohnzimmer hören lässt. Ich persönlich bin kein Fan von eher sperrigem und improvisiertem Jazz. Ich bevorzuge melodische und emotionale Stücke, die Stimmungen transportieren und dabei eine hohe Qualität in der Beherrschung der Instrumente zeigen. Zusammen mit zwölf weiteren Musikern – darunter ein Streichquartett, Gitarre, Harfe, Klavier, Schlagzeug und Kontrabass – wurde das Album aufgenommen und bietet genau das, was ich gerade beschrieben habe: die Eigenschaften, die ein gutes Jazzstück für mich ausmachen. Diese Qualität ist bei allen Songs der CD spürbar. Eine tolle Entdeckung. Zudem hat Myra bereits ein zweites Album fertiggestellt. (335)

My Sister Grenadine – Spare Parts (2013)

Durch einen Sampler und einen guten Song wurde ich auf „My Sister Grenadine“ aufmerksam. Das Trio bestand aus Angelina Kartsaki, Felix Koch und Vincenz Kokot. Sie spielen Ukulele, Violine, Trompete (groß und klein), Perkussion, Piano, Glockenspiel, Keyboard, Melodica, singende Säge, Schreibmaschine, Plastiktüte und singen. Aktuell ist das Trio allerdings zum Duo geschrumpft.

„Anthem for“ ist minimalistischer Folk, Minimal Singer/Songwriter-Folk im Stil von „Survival Kid“. Die Instrumentierung ist in beiden Stücken sehr zurückhaltend eingesetzt. Bei „The Island“ funktioniert das Konzept besser, da der Song mehr Atmosphäre bietet. Irgendwie wirken die Stücke alle ein wenig so, als würde jemand versuchen, die Musik und den Stil von „The Notwist“ zu kopieren und auf ein Minimum zu reduzieren. Auch bei „A Tree“ gelingt das gut, und langsam gewöhne ich mich an den Minimal-Indie-Folk des Trios. Den Song mag ich.

Etwas ausgelassener, fast schon fröhlich und mit mehr Schwung kommt „Rickety Rackety“ daher. „Porcelain“ ist der Song, den ich von einem Sampler kannte und der mich dazu verleitet hat, die CD zu kaufen – mit elf Jahren Verspätung zu hören, denn ich gebe jedem eine Chance, der mir einmal einen guten Song vorgespielt hat. Manchmal dauert es eben etwas länger. Tatsächlich ist „Porcelain“ ein sehr guter Indie-Folk-Song, bei dem der Vergleich mit The Notwist durchaus zutreffend ist. Was die Songs ausmacht, ist die musikalische Umsetzung und die Atmosphäre, in die sie einen versetzen.

„Noah You or Me“ ist mit 3:46 Minuten das längste Stück der Platte. Hier wird der minimalistische, melancholische Singer/Songwriter-Folk aufs Wesentliche reduziert – eher etwas für das Lagerfeuer. Darauf folgt mit 1:17 Minuten das kürzeste Stück: „The Birdwatcher’s Wife“, ein kurzes, gut gelungenes A-Cappella-Stück. „Modern Art“ gestaltet sich im Gesang dann ausgewogener und funktioniert.

Es ist schon interessant: Bei manchen Platten wünsche ich mir, dass sie auf eine einfache, akustische Art reduziert wären. Bei „My Sister Grenadine“ dürfte die Produktion für mich allerdings etwas ausgefeilter sein, doch das würde der Band ihr Erkennungsmerkmal nehmen.

Gut gelungen ist „Scissors“, dieser Song macht wirklich Spaß. Die Band erinnert mich an „Burkini Beach“, denn was Melancholie und Einfachheit angeht, haben sie einiges gemeinsam. Die gute Stimmung, die „Scissors“ entfacht, erreicht „Earth Lovers Shampoo“ nicht.

Durch die Atmosphäre, die der Song erschafft, ist auch „Plans“ wieder ein sehr guter Song. Sanfter Indie-Folk trumpft teils schön auf bei „Theories“. „Stairs“ hingegen ist nicht so mein Fall, der Folk wirkt mir dort zu einfach. Das fünfzehnte und letzte Stück ist „Matter of Fact“ – ein schön sanfter Abschluss.

Elf Stücke dieses Albums werde ich in meiner Playlist behalten, vier flogen heraus. Es ist also genügend Gutes auf dieser Platte zu finden, und ich werde irgendwann hören, wie sich der Sound der Band (bzw. des Duos) heute anhört. (485)

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