U2 - „Under a Blood Red Sky“ (1983)
Legendäre Live-Platte von U2, als sie mit ihrem New-Wave-Einschlag noch richtig rockten und irgendwie fast noch „alternativ“ waren. Bis Ende der 80er Jahre konnte ich U2 problemlos zusammen mit The Cure und The Clash auf Kassette mixen.
Deshalb gehöre ich wohl zu denen, die der noch jungen Band U2 immer noch deutlich mehr abgewinnen können als dem späteren U2, die predigen, Stadien füllen und inzwischen zur anerkannten Rockelite gehören. Ich gebe zwar zu, dass ich mir bis in die 2000er Jahre brav jedes neue Album gekauft habe, doch das tatsächliche Hören der Songs ist recht selten geworden.
Umso mehr macht es Spaß, dieses Album wiederzuentdecken. Dabei gibt es wirklich viel zu entdecken, denn natürlich sind die Songs auf Seite 2 der Platte die meistgehörten. Aber „11 O’Clock Tick Tock“ und „I Will Follow“ sorgen als New-Wave-Rock-Stücke für jede Menge Laune, und der Instrumentalpart des erstgenannten Songs ist richtig klasse. Auch „Party Girl“ macht immer wieder Spaß, gewinnt aber vor allem durch die Liveatmosphäre.
Beim Hören von „Sunday Bloody Sunday“ fühlt man sich als „Alter Sack“, der man heute ist, noch einmal zurückversetzt ins Jahr 1989 und tanzt dabei den Teufel von der Seele. Ein brillanter Song und eine noch brillantere Liveaufnahme – ein absolutes Lieblingsstück. „The Electric Rock“ nimmt man mit, aber eigentlich freut man sich schon auf „New Year’s Day“ und den stillen Star der Platte mit dem Titel „40“, den ich absolut liebe.
Früher war vieles eben doch besser – U2 auf jeden Fall. Meistens stehlen Studioaufnahmen den Liveaufnahmen die Show, doch nur so machen „Sunday Bloody Sunday“, „New Year’s Day“ und „40“ richtig Spaß. Deshalb habe ich das Album zur Tour „War“ nie so richtig ernst genommen. -298


Ultrafox – Systems of Romance (1978)
Das letzte Ultrafox-Album mit John Foxx als Frontmann wurde von Conny Plank produziert und bietet frühen New-Wave-Rock. Dabei kommen Rhythmusmaschinen und Synthesizer zum Einsatz, die die Rock-Pop-Musik prägen.
Der Song „Dislocation“ überzeugt am meisten und hebt sich deutlich von den übrigen, weniger überzeugenden Stücken ab. „When You Walk Through Me“ eignet sich noch als hymnischer Rocksong. (58)

Ultravox – Vienna (1980)
John Fox war nicht mehr dabei. Midge Ure wurde zum neuen Frontmann der Band, und mit der Hinwendung zum Synthie-Pop gelang der kommerzielle Durchbruch bereits mit dem vierten Album.
Das Album beginnt mit dem rockigen Instrumentalstück „Astradyne“, trotz des Einsatzes von Synthesizern. Bei „New Europeans“ mischen sich New Wave und der Klang der New Romantics. „Private Lives“ erinnert an Duran Duran und Japan, erhält jedoch durch eine Prise Rock eine eigene Note. Auch „Passing Strangers“ klingt stark von Japan beeinflusst.
Mit „Sleepwalk“ findet sich wohl der erste Song, der richtig nach Ultrafox klingt: schnelle Synthie-Rhythmen, kraftvoll und eingängig – ein echtes Singlematerial. Die zweite Seite eröffnet „Mr X“, ein leicht düsterer Synthie-Song, der die Könnerschaft der Gruppe an den elektronischen Tasteninstrumenten demonstriert. Zudem zeigt er, dass die Band die Ratschläge und Tipps von Conny Plank sehr gut angenommen hat. Besonders prägnant fällt hier die elektronisch verzerrte Geige von Billy Currie ins Ohr.
Mit einem leichten orientalischen Einschlag präsentiert sich „Eastern Promise“ mit einigen guten Soundideen. Im Vergleich zu den Titeln der ersten Albumseite zeigt die Band hier zunehmend Experimentierfreude, was der Platte sehr zugutekommt.
Der Höhepunkt und ein immer wieder großer Genuss ist „Vienna“. Den Abschluss bildet „All Stood Still“ – Synthie-Pop-Rock mit New-Wave-Elementen, ebenfalls ein starker Song. (315)

UNCLE – The Road: Part 1 (2017)
UNCLE ist ein Musikprojekt des Musikers James Lavelle, der jedoch auch mit anderen Künstlern zusammen an den UNCLE-Alben arbeitet und seine Stücke gerne von Gastsängerinnen und -sängern veredeln lässt. Bei „The Road: Part 1“ sind dies Eska, Twiggy Ramirez, Mark Lanegan, Elliott Power, Keaton Henson und weitere.
Eine schöne, anspruchsvolle Popballade präsentiert sich gleich zu Beginn mit „Farewell“. Sie ist zwar nicht außergewöhnlich, überzeugt aber dennoch so sehr, dass sie im Vergleich zu anderen Songs dieser Art nicht unangenehm auffällt. Handwerklich gut gemacht und produziert, ohne sich jedoch wirklich aus der großen Menge ähnlicher Stücke hervorzuheben.
Mit Streichern beginnt „Looking for the Rain“. Mit der Stimme von Mark Lanegan wird diese Popnummer etwas Besonderes, doch der Kontrast zwischen Musik und Gesang ist so groß, dass es am Ende nicht ganz zusammenpasst. Auf der Deluxe-Edition der CD gibt es eine zweite CD mit den Instrumentalversionen der Stücke. Vielleicht funktioniert der Song dort besser. Fast wünscht man sich bei diesem Stück fast lieber Kylie Minogue als Sängerin – zur Musik hätte das besser gepasst. Die Produktion wirkt zudem etwas zu glatt, bedenkt man, dass UNCLE früher auch DJ Shadow als Mitglied hatte und ursprünglich eher dem Trip-Hop zugeordnet wurde. Offenbar ist die Wiederbelebung von UNCLE durch James Lavelle diesmal etwas poppiger ausgefallen.
Aber Stück Nummer Drei, „Cowboys or Indians“, funktioniert zumindest als Art-Pop und wenn die Dancebeats einsetzen, ist das richtig gut.
Die eher ruhigen Nummern prägen die Platte, auch „No Where to Run/Bandits“ ist vergleichsweise ruhig, überrascht aber durch das Schlagzeug mit einem schönen Rock-Drive. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Stück zu einem der Höhepunkte der Platte.
Die Popballade „Stole Enough“ bleibt ohne Besonderheit. Viel besser gefällt mir der Rhythmus des eher in Richtung Dancefloor-Techno gehenden Songs „Arms Lengths“. Der Gesang mindert dort allerdings die Qualität des Stücks. Ich werde sicher häufiger die Instrumentalversion auf der zweiten CD hören.
Etwas vom Sound der ersten UNCLE-CD „Psyence Fiction“ erinnert das melancholische „Sonata“. Bei diesem Stück könnte man sich gut wieder Thom Yorke als Sänger vorstellen. Doch Keaton Henson macht seine Sache stimmlich auch sehr gut. Für mich das zweite Highlight.
Das Titelstück „The Road“ bewegt sich irgendwo zwischen Pop und Retro-Rock. Die rockigen Passagen machen Spaß, doch insgesamt ist der Song wenig originell, sondern erinnert zu sehr an Bekanntes. „Sunrise (Always Comes Around)“ bleibt dem radiofreundlichen Dancefloor-Charme treu, der sich fast über die gesamte Plattenlänge zieht. Das ist nicht schlecht, entspricht aber genau dem Pop, für den ich nur das Radio einschalten muss, um ihn zu hören. Zum Lieblingssong wird es nicht, und ich fürchte, es wird nicht lange in meiner Playlist bleiben.
Der Abschlusstitel „Sick Lullaby“ setzt erneut auf eine reduzierte Instrumentierung mit Streichern, Gesang, ein wenig Klavier und einigen Effekten.
Der Gesamteindruck der CD ist leider eher enttäuschend. Es gibt zwar Highlights wie „No Where to Run/Bandits“ und „Sonata“, doch der Großteil der Songs ist Mainstreampop, wie man ihn überall hört. Daher weiß ich nicht, ob ich mich auf „The Road: Part 2“ freuen soll oder lieber öfter wieder „Psyence Fiction“ hören werde. (542)

Underworld – Underneath the Radar (1988)
Die Transformation von der Band „Freur“ (größter Hit „Doot Doot“) hin zum Elektronik-Projekt „Underworld“ dauerte zwei Alben. Denn die ersten beiden Alben von Underworld klingen eigentlich noch sehr nach der Musik, die Karl Hyde und Rick Smith als Freur zusammen gemacht haben. Gut produzierter Pop mit gelungenen Synthesizer-Passagen und Songs, die durchaus charttauglich gewesen wären, denen aber meist etwas fehlte.
Als Underworld versuchten Hyde und Smith noch stärker als mit Freur, den Geschmack ihrer Zeit zu treffen. Europäischer Disco-Soul, durchaus gut produziert, erinnert teilweise an das, was Thomas Dolby zu dieser Zeit machte – peppig, aber dennoch klingen die ersten beiden Songs der Platte „Glory! Glory“ und „Call me No. 1“ sehr nach Durchschnittspop der 80er Jahre. Doch „Call me No. 1“ besitzt durchaus Dancefloor-Qualität, was vor allem am gelungenen Funk des Stücks liegt.
Verlassen wir die Tanzfläche, klingt die Band wieder stärker nach Freur, selbst wenn der wirklich gut gespielte Funk-Bass von Baz Allen dazukommt. Das schafft Atmosphäre und ist für mich angenehmer zu hören, zum Beispiel bei „Rubber Ball“. Den Disco-Funk-Pop-Rock beherrscht die Band ebenfalls und setzt ihn gezielt ein: „Show some Emotion“ ist ein erstes Highlight. Zwar vielleicht etwas brav, aber ich mag eben braven Pop.
Danach wird das Tempo wieder erhöht, und ein weiteres mittelmäßiges, aber flottes Popsong erklingt: „Underneath the Radar“. Die kurze Nummer „Miracle Party“ ist wieder flott, bietet aber nicht mehr als einen durchschnittlichen Popsong, ebenso „I need a Doctor“. Sanftere Klänge liefert „Bright White Flame“. „Pray“ erreicht dann nochmals die Qualität, die sich bereits bei „Show some Emotion“ zeigte – sanft, recht elektronisch und stimmungsvoll gelungen.
Der funkige Pop will für mich einfach nicht richtig funktionieren. Er klingt oft zu simpel heruntergespielt, auch wenn die Instrumentalteile der Band insgesamt gut gelingen. Man hat dieses Genre einfach zu oft in ähnlicher Weise gehört.
Warum „Underworld“ mit dieser Musik keinen wirklichen Erfolg hatten, erscheint verständlich. Die Musik zu dieser Zeit hatte noch kein markantes Alleinstellungsmerkmal. Abgesehen davon, dass die Musiker endlich bekannt werden wollten und dafür maßgeschneiderten, aber leider simplen Pop produzierten, bietet die Platte nichts Besonderes.
Mit dem zweiten Album „Change the Weather“ versuchten sie es ein Jahr später auf die gleiche Art nochmals – trotz aufwendigerer Eigenproduktion scheiterte auch dieses. Auch hier handelt es sich um gut produzierten, meist jedoch nur mittelmäßigen Pop-Rock. Ein wenig lässt sich bei dem Song „Original Songs“ schon erahnen, wohin die Reise später gehen wird. Dieser Titel besitzt tatsächlich Hitpotenzial.
Insofern war es für mich eine gute Entscheidung, diese beiden Alben nicht zu kaufen und sie stattdessen jetzt einfach einmal bei einem Streamingdienst durchzuhören. Wer hören möchte, was Karl Hyde und Rick Smith als Freur machten, kann gerne reinhören und findet vielleicht das eine oder andere kleine Highlight. Wer jedoch die spätere Klangwelt von „Underworld“ erleben will, sollte lieber bis zum Album „Dubnobasswithmyheadman“ (1993) warten. Erst dort ist die Transformation abgeschlossen und etwas Neues entstanden. (462)
Urge Overkill – Exit the Dragon (1995)
Mit der Cover-Nummer des Neil Diamond-Songs „Girl, you be a Woman soon“, der im Soundtrack des Kultfilms „Pulp Fiction“ verwendet wurde, erlangte die Band um Nash Kato und Eddie „King“ Roeser größere Bekanntheit – obwohl sie in Amerika in der Alternative-Rock-Szene schon länger bekannt waren und deren erste EP und Platte von Steve Albini produziert worden war.
Dies ist das fünfte Album der Band – nach der Tour zur Platte löste sich die Band für einige Zeit auf, um 2011 und 2022 für zwei weitere Platten wiederbelebt zu werden.
Ich habe die Musik der Platte und der Band als recht gut in Erinnerung, nur habe ich diese schon lange nicht mehr gehört. Ein Wiederentdecken.
Mit einem Song der schon im Stonerrock-Bereich angelegt ist, beginnt das Album: „Jaywalkin“. Hat aber auch einen Garagen-Rock-Teil und der Refrain klingt nach ZZtop.
Sehr gut gerockt ist „The Break“ – hat auch diesen ZZtop-Drive und ist aber von Vorne bis Hinten richtig gut mitnehmend und ist geleichzeit sehr schön im klassischen Rock-Modus gehalten und nicht zu glatt gebügelt produziert. Die Nummer hat auch was von den Gitarren her von einem Rolling Stones Song.
Etwas härterer Rocker: „Need some Air“.
Ich glaube „Somebodys Else´s Body“ war auch ein Single-Hit. Vielleicht mochte ich den Song aber damals auch einfach sehr und habe diesen deswegen öfters als andere Songs gehört und noch vom Titel her gut in Erinnerung. Und ja, das ist eine mitnehmende Rock-Pop-Nummer. Und ich verlieb mich sofort wieder in den Song – der bleibt jetzt für immer in der Playlist.
Alternative-Rock-Nummer die schon an Dinosaur jr erinnert: „Honestly Flies“. Auch sehr gut.
Bei „This is no Place“ mischt sich der Garagen-Rock auch mit dem Sound von Dinosaur jr und das funktioniert richtig gut. Das Album macht grade richtig Spaß.
Das Tempo wird bei „The Mistake“ etwas herausgenommen und dadurch hat das Album ein schönes Abwechslungsreichtum und lässt so bisher gut durchhören – aber an der Stelle haben wir auch erst die Hälfte der Songs des Albums gehört.
Garagen-Rock mit 70er-Rockfeeling: „Take me“. Rockt. „View of the Rain“ – Singer/Songwriter-Rock ziemlich sanft gespielt. Einfach guter zeitloser Rock und deshalb funktioniert das Album wirklich sehr gut, aber selbst bei der Klasse der Songs stellt sich nach zehn Songs langsam ein Sättigungsgefühl beim Hören ein, weil „Last Night/Tomorrow“ zwar gut ist – aber auch ein Song ist, denn es ähnlich schon oft zu hören gab und die zweite Hälfte des Songs, die wieder im Retro-Rock-Bereich fischt, haut mich sogar ganz aus dem Song raus. „Tin Foil“ gefällt mir da im Alternative-Rock-Gewand wieder viel besser.
Fast Folk-Rock und deshalb für Abwechslung sorgend: „Monopoly“. Und der Song bleibt mit seinem Refrain auch etwas länger beim Hörer hängen.
Eigentlich auch ein gutes Stück ist „And you´ll say“ – das rockt, hat ein gutes Songwriting, aber von solchen Stücken gibt es einfach zu viele. Als Einzelstück in der Playlist wird es sich aber gut machen.
Mit „Digital Black Epilouge“ endet das sehr gute Rock-Album und da klingt die Musik so lässig, als wäre es irgendwann Anfang der 70er Jahre und ich würde den Greatful Death zuhören. (734)
