Saga – Saga (1978)

Flotter Beginn mit „How Long?“ und die Kanadier zeigen direkt bei ihrem ersten auf Vinyl gepressten Song, dass sie was können. Für einen (Prog)Rock-Song sind die Keyboardeffekte- und Sounds für die damalige Zeit gekonnt eingesetzt, lassen aber den Musikern an der Gitarre und am Bass genug Raum, um sich musikalisch zu entfalten. Mit „Humble Stance“ folgt ein sofortiger Klassiker der Band. Der Song geht ins Ohr und bleibt – das ist sehr gut musiziert, gekonnt komponiert und auch gut produziert. Für eine Prog-Rockband sind Saga immer etwas flotter und rockiger gewesen, was aber kein Nachteil ist. 
Das Niveau des Debütalbums bleibt auch mit „Climbing the Ladder“ recht hoch. Wie die meisten „alten“ Prog-Rock-Platten klingt so einiges vom Sound und der Spielart zwar etwas „altbacken“ und selbst ich, der mit solcher Musik groß geworden ist (durch den Einfluss der bösen älteren Geschwister) muss über manch Songidee mal lächeln, aber bei dieser Platte überwiegt die Freude an der Könnerschaft der Musiker und wie gut gespielt das alles ist. Die Songs machen wirklich sehr viel Spaß. 
„Will it be you“ ist der erste Song der „Chapter-Reihe“. Irgendwann, wenn alle Chapter-Songs erschienen sind, sollen diese eine zusammenhängende Geschichte ergeben. Auf Chronologie wird bei der Herausbringung der Chaptersongs nicht geachtet - „Will it be you“ ist Kapitel Vier. Wie auch bei den anderen Songs gilt auch bei diesen, dass die Instrumentalteile alle sehr gut arrangiert sind - und die Gitarren haben bei dem Song „Hardrock“-Wucht. Der Song „Perfectionist“ eröffnet die zweite Plattenseite und auch da gefällt mir was ich höre. Wirklich beachtlich wie gut die Band schon auf ihren Erstling war – da ist es kein Wunder, das dieses Niveau auf späteren Alben (und davon kenne ich aber auch nicht wirklich viel) kaum immer zu halten war und der Erfolg der frühen 80er Jahre, den die Band mit Songs wie „Wind him Up“ hatte – war auch nicht von Dauer. Aber gerade bei uns in Deutschland erfreuen sich die Kanadier einer ihnen sehr treuen und verbundenen Fangemeinde. „Give em the Money“ ist auch einfach gut – der Song nimmt einen von Anfang an mit, nur der Refrain fällt gegen den Rest des Song etwas arg durch. Davon abgesehen trotzdem ein super Song mit wieder starken Instrumentalteil. Etwas zurück genommender gespielt und sanfter: „Ice Nice“ - dann aber wieder mit guten Instrumentalpart schön zu Ende gebracht. Die Gitarrenarbeit macht auch aus den letzten Song der Platte einen guten Song: „Tired Word (Chapter Six)“. 
Gelungenes Debüt – da gibt es nichts. (317)

Saint Etienne – Good Humor (1998)

Album Nummer Vier vom Trio bestehend aus Pete Wiggs (Keyboard, DJ), Bob Stanley (Keboard, Gitarre), Sarah Cracknell (Gesang).
Und mein erstes Album von der Band, von der ich zuvor nur Einzelstücke kannte. Bin also auf das Album gespannt und neugierig.

Sanfter Elektro-Indiepop mit Soul- und Jazzelementen, schön warmen Beats und einen ganz entspannten Feeling: „Woodcabin“. 
„Sylvie“ irritiert kurz durch das Intro mit Chanson-Feeling, wird dann aber doch durch schnelle Drums und Beats ersetzt – der Chanson-Eindruck bleibt aber auch etwas erhalten, gleichzeitig klingt das wie eine Kylie Minouge-Nummer. Kann mich nicht ganz einfangen. 
Das alles erinnert mich stark an die „Cardigans“ - deren Durchbruchalbum „Live“ hatte ich auch vor kurzen gehört – aber der Text dazu hatte sich irgendwie schnell selbst gelöscht – da war meine Quintessenz gewesen – dass mir die Singles noch alle gefallen – der Rest mich aber nicht mehr so mitnehmen konnte. 

Das Gefühl stellt sich jetzt auch schnell bei „Split Screen“ ein. Kann man hören, muss man aber nicht – weil irgendwie beliebig – man kennt es – aber irgendwo hat man das schon besser gehört. 

Wirklich, als ob jemand Kylie Minouge bei den Cardigans eingeschleust hätte – aber bei „Mr Donut“ ist das so zuckersüß gemacht, dass ich das Stück auch ein wenig mag. Ich mag ja auch durchaus einiges von den Cardigans und von Kylie Minouge. Aber was Neues bieten mir Saint Etienne bisher auf dieser Platte nicht an. 

„Goodnight Jack“ - ich finde diesen Sixtees Soul und Funk-Sound ja gar nicht mal schlecht – aber – irgendwas stört mich auch an der Nummer und das ist wieder der Gesangspart – aber irgendwie hat das auch was.

Das schwungvolle und mal mehr als Rock/Disco-Hybrid funktionierende „Lose that Girl“ ist dann mal ein echtes Highlight. Der Song funktioniert so richtig gut. 

Mit dem Charme eines 70er-Pop-Rock-Songs und im Refrain einfach zuckersüß: „The Bad Photographer“. „Been so long“ führt den Retro-Sound fort und ist etwas verträumt und entspannend geraten – was zum Wegträumen. Auch im Downtempo und damit wird es doch etwas langweiliger wieder: „Postman“ - dazu gehen wir jetzt sogar musikalisch bis in die 50er/60er Jahre zurück. 

So richtig nach den Cardigans klingt dann „Erica America“ - und wie zuvor bekomme ich Kylie Minouge nicht aus meinen Kopf – weil Sara Cracknell auf der Platte genau wie diese klingt. Den süßlichen Touch bekommt die CD auch am Ende nicht los – denn „Duch TV“ beendet sie wieder mit frankophiles Chanson 70er Feeling.

Am Ende ist das für mich etwas zu wenig was „Saint Etienne“ da bieten – weil doch einige Songs dabei sind, die das Interesse, mehr von der Band hören zu wollen, doch untergräbt. Nett – nicht mehr. (510)

Ryuichi Sakamoto – A Thousand Knifes (1978)

Parallel zu seiner Mitarbeit beim Yellow Magic Orchestra startete Ryuichi Sakamoto 1978 auch seine Solokarriere. Und auch hier zeigt sich, dass er es alleine versteht, einen ungewöhnlichen Musikmix zu gestalten. Schon das Titelstück „Thousand Knifes“ strotzt vor Einfällen. „Island of Woods“ bevölkert mit Soundfragmenten und Melodien eine Insel (eher experimentell). „Grasshoppers“ wird zum Jazzstück für Piano und Bass. 
„Das neue japanische Volkslied“: Ryuichi Sakamoto verbindet elektronische Sounds gerne mit Melodien seiner japanisch asiatische Herkunft. „Plastic Bamboo“ ist eine groovende Disconummer. „The End of Asia“ ist nochmal eine weitere Asia-Elektronummer, die nochmal Spaß macht.

Gegenüber dem ersten YMO-Album klingt das Solowerk (an dem seine YMO Kollegen mitgearbeitet haben) reifer und weniger verspielt. Den Mix aus Jazz, Pop, Elektronik, Ambient, Klassik hat sich der damals 26 Jährige Sakamoto zum Glück nie austreiben lassen und damit Ist/war er einer der „einzigartigen, immer wieder zu erkennenden und herausragenden Musiker seiner Zeit. (63)

Ryuichi Sakamoto – B2-Unit (1980)

Das zweite Album von Sakamoto beginnt mit einem zweiminütigen Schlagwerk-Song „differencia“ bei dem sicherlich dass meiste elektronisch erzeugte Klänge sind. Der Rhythmus bei dem Stück ist dabei sehr unharmonisch. Eine Minimalelektro Nummer folgt, mit sehr traurigen Gesang = „thatness and thereness“. Disharmonie ist also am Anfang der Platte Programm. Bei „Participation Mystique“ bleibt der Minimalismus und die Disharmonie eigentlich erhalten – anscheinend hatte Sakamoto sich von dem Industrial-Elektro aus England und Deutschland inspirieren lassen. Für mich ist das aber bisher alles nichts. Mit „E-3A“ wird’s auch nicht besser – simpelstes Elektro-Gewurschtel. 
Die ersten Klänge von „Iconic Storage“ machen etwas Hoffnung, dass wenigstens die Elektro-Sounds besser werden – aber musikalisch lässt auch dieses Stück zu Wünschen übrig. Die Musik kämpft wirklich gegen meinen Hörgeschmack an. Das ist entweder zu lahm, simpel oder zu unharmonisch – und ich frag mich wirklich, welchen Hörer man damit erreicht. „Riot in Largos“ soll eines „der“ einflussreichsten Stücke für die spätere Elektro und HipHop-Musik gewesen sein. Und tatsächlich hat der Song einen ungewohnten HipHop-Sound, aber auch Kraftwerk klingt durch. Ist auf jeden Fall der Höhepunkt der Platte – aber immer noch nicht wirklich gut – hat aber durchaus außergewöhnliche Soundideen. Wieder nur Rumgefrieckel ist „Not the 6 o´clock News“. Düstere Elektroklänge bietet „The End of Europe“. Mehr als ein experimentelles Elektro-Album ist dieses zweite Solowerk nicht. Und hören muss ich es auch nie wieder (zum Glück nur auf Spotify gehört). Gut zu wissen, dass das dritte Album wieder mehr mein Fall ist (wenn ich mich richtig erinnere – ist auch schon mehrere Jahrzehnte her – das ich dieses zuletzt gehört habe). Und natürlich weiss ich was er noch später alles an guter Musik gemacht hat – allein und mit anderen zusammen.  (211)

Ryuichi Sakamoto – Merry Christmas Mr. Lawrence_Soundtrack from the Motion Pichture (1983)

Dies ist die erste Filmmusik, die Ryuichi Sakamoto komponiert hat – es handelt sich dabei um achtzehn kleinere Instrumentalstücke und dem Song „Forbidden Colours“ gesungen von David Sylvian und wohl gerade „Forbidden Colours“ ist wohl der Hauptgrund, dieses Vinyl zu besitzen – obwohl ich ihm sogar auch als Maxi-Single habe. 

Wie bei vielen Filmen hat auch die Musik dieses Films ein Grundthema, das oft in verschieden, manchmal aber auch nur leicht verändert öfters im Film eine Verwendung findet. So ist das Titel-Thema „Merry Christmas, Mr Lawrence“ eine instrumentale Fassung von „Forbidden Colours“. Der Film ist – wie viele Wissen mit David Bowie prominent besetzt und auch Ryuichi Sakamoto spielt im Film eine wichtige Hauptrolle. Als Schauspieler ist Sakamoto danach aber weniger oft noch zu sehen gewesen, als es bei David Bowie der Fall war. 

Die Songminiaturen dieser Filmmusik gehen oft ohne Pause ineinander über – ohne dabei auch manchmal den Titel zu wechseln – so wechseln diese dabei oft die Stimmung und das Musikgewand, dabei wechseln sich Streicher mit Synthesizerklängen, elektronischen Trommeln und Orchestersound ab – genau wie es das Tempo und die Art tut. Das ist Abwechslungsreich – macht es aber sehr schwierig die Musik den einzelnen Songtiteln zuzuordnen – was ich dann auch ganz falsch angefangen hatte und jetzt einfach lassen werde – denn eigentlich werden beim Hören aus sieben kurze Filmmusikstücke dann plötzlich vierzehn draus. 

Das erste Stück der zweiten Plattenseite benutzt leicht verlangsamt das Titelthema noch einmal. Natürlich ist auch Filmmusik immer ein Helfer dazu Stimmung zu verstärken und Stücke wie „Dismissed!“ verdeutlichen vom Ton her, was an Spannung und Bedrohung im Film zu erleben ist. Das Gleiche gilt auch für das Stück „Assembly“. Ganz kurzes düster gehaltenes Zwischenspiel, gefolgt von melodiöseren und wirklich guten Passagen des Soundtrack, auch wenn hier ein Thema, das auch in der zweiten Hälfte der ersten Plattenseite nochmal wiederholt wird: „Sowing the Seed“.
Ähnlich nicht nur vom Titel, sondern auch von der Stimmung her, ist „The Seed“ ist dann noch mal ein Highlight gegen Ende der zweiten Seite, auf das dann „Forbidden Colours“ folgt, ein Song für die Ewigkeit.

Abwechslungsreicher Soundtrack mit vielen kleinen Songminiaturen und man hört schon, dass Ryuichi vom Popmusiker immer mehr zu einem echten Komponisten wird. Ein Grenzgänger und diese Art von Musiker sind mir mit die liebsten.

Say She She – Cut and Rewind (2025)

Noch eine gute Neuentdeckung gefälligst? Gerne. „Say She She“ ist ein Trio bestehend aus Piya Malik, Sabrina Mileo Cunningham, Nya Gazelle Brown. Während Titelstück „Cut and Rewind“ kraftvoller New Wave ist – der so gar nicht alt klingt, wechselt der Stil zum Retro-Soul bei „Under the Sun“. Beides klingt gekonnt und macht Spaß beim Hören. Die drei Damen aus New York/London arbeiten hart an ihrem Durchbruch – dies ist ihre drittes Album in genauso vielen Jahren. 

Und ich freue mich über einen weiteren Treffer – da traue ich mich endlich an Musik wieder aus dem Jahre 2025 (ein erster Versuch war im Sommerurlaub gescheitert – da hatte ich mein Glück mit dem Reinhören in ein paar neuen Platten versucht, fand aber nichts – ist mir dann vor kurzen genauso bei dem Versuch Neues aus dem Jahre 1978 zu finden passiert – da habe ich dann aber aus trotz einigen Platten aus 2025 eine Chance gegeben). 

Disco – und auch der klingt, so wie Say She She ihn machen richtig gut: „Disco Life“. Funk können die Damen auch: „Chapters“ – der Funk ist aber mit ganz viel Soul gemischt und sehr verführerisch. 

Das Gute ist, das Say She She zwar Keyboards nutzen, aber ansonsten auf „echte“ Instrumentierung setzen – das macht ganz viel aus – weil sich alles kantiger und kraftvoll anhört und halt auch wie ein Ausflug in die Endsiebziger. Beim Neo-Soul stimmt dann einfach das Songmaterial – das ist wirklich gut, klingt nicht nach kopieren, sondern nach neuer und guter Musik – bei „Possibilities“ erinnert es mich auch an dem Dancepunk von „Gossip“ (aber auf gute Weise). 

Mit dem Neo-Soul-Funk-Disco-Gemisch geht es mit „Take it All“ weiter – auch da macht es einfach Spaß sich dieser Musik hinzugeben. Die Tanzfläche im Kopf und Rhythmus im Blut – It´s funky und ich genieße es, weil es auch einfach mitnehmend produziert und musiziert ist – fühle mich ein wenig so, wie ich mich fühlte, als ich zum ersten Mal die „Parcels“ live erlebt habe – Disco kann ja so gut sein.

Vielleicht braucht es gerade jetzt ja auch eine Band die die Disco-Ära versucht wieder zu beleben. Die jungen Leute haben ja keine Lust mehr in die Disco zu gehen – also erobern wir, die wir für Disco zu jung waren, uns die Tanzfläche zurück – mit Songs in der Qualität „She who dares“ ist dies kein Problem. 

Eine Richtung experimenteller und dann landen wir doch beim Dance Punk wieder – aber das Discofeeling bleibt: „Shop Boy“. Soul-Pop: „Bandit“. Neo-Soul: „Little Kisses“. Soul-Funk-Disco: „Do all Things with Love“. Psych-Disco-Neo-Funk: „Make it Know“. 

Das Album hat mir sehr gut gefallen. Und die Damen von Say She She sind mindestens genauso gut, wie ihre Vorbilder – vielleicht sogar jetzt schon besser als einige von diesen es jemals waren. 

Olli Schulz – Scheiss Leben, gut erzählt (2018)

Mit Musiker im Studio wie Gisbert zu Knyphausen, Kat Frankie und Gästen Bjarne Mädel, Linda Zervaskis, Olli Dietrich und Bastian Pastewka und mit einer Lauflänge von 30 Minuten bei 10 Songs kann ja eigentlich nicht viel schief gehen.
„Schockst nicht mehr“ schockt zwar nicht, funktioniert aber auch nicht. „Ganz große Freiheit“ auch nicht mein Ding. Ich fand ja viele Song vom Album „Feelings aus der Asche“ (2015) richtig gut und deshalb hatte ich mich auf das Album gefreut. „Ambivalent“ geht als Ego-Pop-Nummer noch ganz gut. Mit „Wölfe“ beginnt die CD dann doch noch Spaß zu machen – mit lockerer etwas nach Party klingenden Melodien macht ein Olli Schulz mir eben am meisten Spaß, mein Lieblingssong von ihm ist auch „So muss es beginnen“. „Wachsen im Speisesaal des Lebens!“ noch besser als „Wölfe“ (geht doch!). Es bleibt gut mit „Junge Frau Sucht...“. „Skat spielen mit dem Jungs“ auch schön. Nicht jeder Popsong muss irgendwie ernsthaft, wahrhaftig, poetisch oder romantisch sein – manchmal darf es einfach eine Geschichte aus dem richtigen Leben sein. Mit „Sportboot“ kehrt die CD zum Großstadtaffen Olli Schulz vom Anfang der CD zurück. Mit solchen Songs will er glaube ich hip klingen – passt aber nicht zu ihm (kann auch sein, dass er Rapper verarschen will – aber auch das muss ich nicht haben). „Schmeiss alles rein“ - wieder gut – da passt dann auch der Power-Pop-Sound. „Schmeckt wie...“ beendet das Album wunderbar – mit einer einfachen Singer/Songwriter-Nummer. Und schon sind 30 Minuten um. (193)

Klaus Schulze – Cyborg (1973)

Frühe elektronische Musik ist noch in sich begrenzt – die Sequenzertechnik war noch nicht so richtig entwickelt oder befand sich in einem experimentellen Frühstadium – so gleicht die Musik von Klaus Schulze im Jahre 1973 trotz Zukunftstitel doch eher sakraler Kirchenmusik und ist sehr auf Atmosphäre bedacht – die Stücke alle schon auf Plattenseitenlänge ausgedehnt, verlangen da schon etwas Geduld und Konzentration – oder man hört einfach hin und lässt sich von der Langsamkeit der Melodien und Tonüberlappungen gefangen nehmen. Und hört man hin – kommen dann doch SF-Bilder vielleicht im Kopf – Raumschiffe, die durch die Unendlichkeit des Raums schweben oder einfach fremd wirkende Landschaften auf unbekannten Welten – und wenn dann doch langsam gute Effektklänge auftauchen – baut sich sogar noch mehr Spannung auf. Gute elektronische Musik ist auch immer Soundtrack fürs eigene Kopfkino. Und dies bietet das erste Stück „Synphäre“ schon mal sehr gut. Aber wie die bekannten 70er Jahre Alben von Jean-Michel Jarre gibt es auch ab und an das Gefühl – das die nächste Veränderung innerhalb des Titels doch ein wenig zu lang auf sich warten lässt – so flott wie „Autobahn“ von Kraftwerk war die elektronische Musik der 70er Jahre halt eher selten – New Age/Meditationsmusik oder eben Kopfkino-Soundtrack. Nach der Hälfte der Songlaufzeit denkt man sich aber – dass die Stücke schon kürzer sein könnten. So geduldig mit Einheitsklängen bin ich dann doch wieder nicht.

„Conphäre“ hat einen spannenden und ungewöhnlichen Klang zu Anfang – das klingt dann tatsächlich schon nach Sequenzer-Abfolgen und ganz langsam steigert sich die Geräuschkulisse – auch das hat Spannung – hat aber keine Melodie – sondern nur einen Maschinenrhythmus – empfindliche Gemüter könnten davon auch auf Dauer Kopfschmerzen kriegen – ich finde es eher spannend – vielleicht mag ich Drone-Musik ja nur dann, wenn sie wie hier – etwas bedrohliches hat. Das ist dann doch spannend (eben wieder Soundtrack fürs eigene Kopfkino), obwohl nicht viel passiert. Dann kommen wieder die sakralen Synthesizerklänge hinzu und da wir diese aus dem Vorgängerstück zu genüge kennen – wird es dann doch wieder etwas anstrengender die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Aber den bedrohlichen Unterbau des Stücks finde ich sehr beachtlich. Aber auch da ist die Titellänge von über fünfundzwanzg Minuten mir wieder zu lang geraten. Aber sobald die Synthesizerklänge sich zurücknehmen und der Sequenzer dröhnt, ist das auch wieder ein wirklich berauschendes Stück.

Elektronische-Klang-Installationen – so bezeichne ich diese Art von Musik, die fast ohne Melodie und Harmonien auskommt gerne. Da passiert nicht viel – da geht es darum mit den Klängen zu schweben, Schwingungen aufzufangen – obwohl bei Stück-Nummer drei „Chromengel“ klingen die Synthesizer schon fast wie melancholische Streicher und auf späteren Platten wird Schulze ja in Teilen sogar richtig symphonisch klingen und für Orchester-Musik schreiben („X“). So ist dann „Chromengel“ ein frühes trauriges Ambientstück und strapaziert dann doch meine Geduld etwas zu sehr – so dass ich zum vierten Stück der Platte „Neuronengesang“ überwechsle. Und auch bei diesem passiert jetzt nichts wirklich Neues oder aufregendes mehr. Und damit habe ich genug von dieser Platte gehört.

Für mich eher ein Album – um es mal gehört zu haben und zu kennen – um zu hören – wie sich Schulze zu Anfang „solo“ angehört hat und bin jetzt gespannt ob er sich schon - vielleicht auf „Blackdance“ dann – etwas weiter entwickelt hat und auch schon was mit mehr Melodie oder mehr Sequenzern macht. Ich werde es bald herausfinden.

Klaus Schule – Blackdance (1974)

Mit „Ways of Change“ beginnt das Album wieder sehr ruhig, der Einsatz von Gitarre aber gibt dem Song einen breiteren Klang – wie bei den Alben von zeitgleich musizierenden Gruppen wie Ash Ra Templel oder Harmonia – da mit Gitarre doch schnellere Melodie zu spielen und mit der E-Gitarre auch Sequenzer-Meldodien möglich waren (Vorbild das Album „Neu!“ von Neu!) und auch Schlagzeugspiel ergibt größere Möglichkeiten, die mit damaligen elektronischen Synthesizer und Sequenzer noch nicht zu leisten waren. Gerade die Percussion bringen Tempo und Spannung in das Stück. Aber wieder ist das Stück viel zu lang geraten und damit wieder ein atmosphärisch zwar dichtes Hörerlebnis und diesmal auch mit Melodien versetzt – das aber weiterhin einiges an Geduld vom Hörer abverlangt – gerade weil die Keyboardklänge wieder sehr „kirchlich“ klingen. Ein paar gute Sound-Effekte sind aber auch zu hören.

„Some Velvet Phasing“ erhöht das Tempo der Platte auch nicht und beginnt recht minimalistisch. Eine große Weiterentwicklung ist die Platte daher anscheinend nicht, denn das Album „Cyborg“ klang nicht wesentlich anders. So verbleibt die Musik im ruhigen Ambient-Genre. Bietet dabei aber weniger Kopfkino als es noch bei „Cyborg“ der Fall war. 

Über den Gesang von Opernsänger Ernst Walter Simeon lässt Schulze seine synthetischen Klänge im dritten und letzten Stück „Voices of Syn“ laufen – das ist experimentell, verstärkt aber nochmal den sakralen Eindruck und auch das Stück wird dann nicht zu mehr als eine experimentelles Drone-Musik-Stück. Das ist dann wirklich auch nicht was für mich – da muss man sich schon sehr auf Aventgarde und Kunst einlassen können und weniger an gute Musik interessiert sein. Auch kein Album für meine Sammlung – nur ein einmaliges Hörerlebnis.

Klaus Schulze – X (1978)

Ich mag ja Tangerine Dream – auf jeden Fall die Platten der späteren 70er und vom Anfang der 80er Jahre (kenne da die Alben bis „Le Parc“). Aber auch Klaus Schulze war mir bekannt – aber irgendwie nicht so für mich bisher interessant, dass ich mich da mehr mit seiner Musik beschäftigen wollte – dabei ist diese eigentlich was für mich – genau wie bei Kraftwerk und Tangerine Dream gilt es auch da – die ganz frühen Sachen überspringen und so ab 1975 kann man dann Anfangen die Platten zu hören und zu entdecken. Ambientklänge, aber vermischt mit etwas Rockklängen und ich mag es, dass die Musik bei „Friedrich Nietzsche“ auch rhythmisch etwas bietet – da kann ich mich dann mehr in die Melodie fallen lassen, die sich eigentlich auch nie groß verändert. Aber dafür ist diese Musik bekannt, die mal mit einer Radiosendung namens „Schwingungen“ den richtigen Oberbegriff zugeteilt bekommen hat. 

Meditativ, New Age, Berliner Schule darunter fällt diese Art der elektronischen Musik. Neben Tangerine Dream, gab es da natürlich noch den Franzosen Jean-Michel Jarre (der aber natürlich nicht unter die Berliner Schule fällt) – aber ich finde bei den Alben der späten 70er Jahre, dass die elektronische Musik von Tangerine Dream und Schulze irgendwie besser gealtert ist, weil sie doch etwas mehr Angriffsfläche und Unterhaltung bietet, als das Herumgewaber und Gerausche auf den Platten von Jarre das man durchhören muss, bis dann die paar „Hits“ endlich auftauchen, die in dem Effekt-Gewabber versteckt sind. 

So gefällt mir doch „Friedrich Nietzsche“ dann weil er trotz Plattenseintenlänge mich gut unterhält. Die Schlagzeugarbeit von Harald Grosskopf ist bei dem Song auch ganz beeindruckend und gibt dem ansonsten elektronischen Song das gewisse Etwas. 

„Georg Trakl“ ist ruhiger angelegt als das erste Stück, dafür aber auch wesentlich kürzer. Spannung kommt auf bei „Frank Herbert“. Dem bekannten SF-Autor und dessen Hauptwerk widmet der Musiker Klaus Schulze nach diesem Album ein Jahr später mit „Dune“ noch eine ganze Platte. Aber „Frank Herbert“ ist mit seinen treibenden Klängen wirklich sehr gut geraten. Natürlich muss man diese Art von etwas eintönigen und langen Stücken mögen. Weil wie geschrieben die Rhythmik bei Schulze stimmt, mag ich es – da höre ich gerne auch lange zu und es ist viel unterhaltsamer als so manche moderne Dronemusik-Platte, bei denen sich rhythmisch leider meist so gar nichts tut, sondern Töne nur ganz leicht verschoben werden, so dass es eher Klangkunst als Musik ist. 

Friedemann Bach“. An der barocken klassischen Musik, die wohl der Sohn von Johannes Bach gespielt hat, erinnert vielleicht der Sound des Stücks, das Schulze (genau wie bei dem Stück „Ludwig der II. Von Bayern“) mit dem „Kleinen Streicher Orchester“ des Hessischen Rundfunks aufgenommen hat.
Ich mag die etwas düstere Atmosphäre des Stücks und die Effektspielerreien, die geschickt und sparsam, aber dafür um so besser wirken. 
Da beweist Schulze auch, dass er schon damals mehr als Komponist von „zeitgenössischer Musik“ tätig war – als nur noch reine Elektronik zu machen. 

„Ludwig II von Bayern“ widmet Schulze gleich ein fast halbstündiges Werk. Das Stück braucht etwas um melodiös zu werden, belohnt dann aber durch einen sehr guten Mix von natürlichen Streichern und elektronischen Drumherum. Das Talent etwas größeres zu komponieren, beweist Schulze erneut. Das fast fünfzigjährige Werk Namens „X“ beeindruckt mich immer mehr und ich habe es als Stream begonnen zu hören, besitze ich es nun beim Hören dieses Stückes auch schon die CD. Und wenn ich etwas besonders an der orchestralen Musik mag, dann sind es gute Streicherpassagen und davon bietet „Ludweig II von Bayern“ einige. Und die Musik und die Melodien, die Stimmungen verändern sich auch immer wieder. 
Teils zieht sich das Stück dann doch mit zunehmender Länge, da kommen die Melodien, wie so oft bei elektronischer (New Age) Musik zum erliegen und es wird über immer länger werdende Minuten ein Teppich aus Klängen und Stimmungen geschaffen – die irgendwie wieder eher zu einer Rauminstallation passen – als dass sie auf eine Platte oder CD gehören – und was waren doch die zuvor gehörten Streicherpassagen so gut gelungen. Anscheinend befand sich der liebe Ludwig eine lange Zeit in einem gewissen Schwebezustand in seinem Leben. Dann wird es aber doch wieder rhythmisch (so ab Miunte 19 herum) und sofort ist das wieder sehr gut. Und als die Streicher verklingen, ist der folgende elektronische Part nochmal richtig gut – aber auch etwas zu lang geraten ist – das Stück hätte man gut um zehn Minuten kürzen können. 

Als letzte musikalische Vertonung eines Lebenslauf hat sich Klaus Schulze „Heinrich von Kleist“ ausgesucht. Auch diese Biographie ist fast dreißig Minuten lang geworden. Das Stück beginnt sehr verhalten und erinnert da doch an Ambient-Klänge von Jarre oder Schulzes frühen Platten – so richtig viel passiert da nicht – es sind elektronische Schwingungen gepaart mit Streichern. Da braucht es dann sehr viel Ruhe – oder das Einlassen auf wenig Melodiöses – Hintergrundrauschen mit Effekten – manchmal aufgebrochen durch lautere Klänge. Und viel ändert sich daran auch nicht. Nach fast fünfzehn Minuten kommt das Stück fast ganz zum Erliegen, nun übernehmen Effekte und reine Klänge die Oberhand – in der Geräuschkulisse befinden sich ein paar sehr bemerkenswerte Klänge, was das Hören nicht ganz uninteressant gestaltet. Danach trägt ein Chor das Stück in erhabene Gefilde – Schulze entdeckt das Himmelreich. Und am Ende darf auch Schlagzeuger Harald Großkopf mit ihm dieses bearbeiten.

Tatsächlich bin ich schon recht begeistert von dieser Platte, die mehr ist als New Age/Elektronik Musik – das ist dann doch eher zeitgenössische Komposition und wird heute von Musikern wie Hauschka, Niels Frahm und anderen weiter fortgeführt. Elektronische Musik in große Kunst verpackt. Und auch der Schlagzeuger Harald Großkopf ist nun ein Musiker, den ich genau wie Schulze mehr Beachtung schenken werde. Lohnendes Entdecken. (154)

Seals & Crofts – Summer Breeze (1972)

Die beiden Singer/Songwriter und Musiker waren bekannt für soften Folk-Rock wie sie Crosby, Stills and Nash und America gemacht haben. Ich weiß nicht mehr genau durch welchen Song von welcher Compilation ich auf sie aufmerksam wurde – es reichte auf jeden Fall, um sich eine Box mit vier Alben zu kaufen. Mal hören was Jim Seals und Dash Crofts so an Musik auf dieser Platte gemacht haben – der Titelsong der Platte soll auch der größte Singlehit der beiden gewesen sein. 

„Humming Bird“ hat diesen ganz tollen Hauptteil – das auf ein längeres Singer/Songwriter-Folk-Intro folgt. Ganz toller Song und das ist dann auch direkt der Song den ich auch kannte. Ansonsten klingt der Sound wirklich wie alles im Umfeld um Crosby, Stills and Nash – der L.A. geprägte Folkrock der späten 60er und 70er Jahre. Direkt zeigen Seals & Croft aber, dass ihr Folk-Rock auch komplexere Strukturen hat und sich der Song auch mal schnell in eine andere Richtung bewegen kann.
„Funny Little Man“ erinnert mit seinem mehrstimmigen Gesang und dem Folktouch an Simon & Garfunkel – und hat einen schönen irischen Touch. Folk-Singer sind halt nichts anderes als mittelalterliche Barden. Und mit diesem Song beschließe ich auch, dass der Kauf der kleinen CD-Box kein Fehler war – ich mag was ich da höre. 

Etwas flotter und rockiger geht’s auch und auch das können die beiden sehr gut: „Say“. Der Song erinnert mich an R.E.O. Speedwagon und Barcley James Harvest. 

Der Hit „Summer Breeze“ ist eine schöne WestCoastRock-Ballade – aber der Hit der Platte ist auch nicht besser oder schlechter als das zuvor gehörte und das ist gut – denn eine LP muss ja auch mehr bieten als den einen oder die zwei Hitauskopplungen. 

An the „Last Unicorn“ von America erinnert dann, das Jahre zuvor aufgenommene „East of ginger Trees“. Auch sehr beeindruckend. Bin wirklich von der Qualität des Albums sehr beeindruckt und begeistert. 

„Fiddle in the Sky“ - mit leichten Country-Einschlag – aber auch der Song ist einfach gut gespielt und produziert. „The Boy down the Road“ ganz sanfter Singer/Songwriter-Folk. Das Dash Crofts eine Mandoline statt eine Gitarre spielt und Jim Seals die Fidel, hebt die Musik auch ein wenig vom typischen amerikanischen Singer/Songwriter Folk heraus. 

Sehr gute Folkrock-Nummer und erinnert mich an das Spätwerk von David Crosby: „The Euphrates“. Lagerfeuer-Country-Ballade: „Advance Guards“, die nach hinten raus aber noch ganz flott wird. 

Beim letzten Stück „Yellow Dirt“ klingt es wirklich wie ein Simon & Garfunkel-Stück. Aber sie kopieren nicht – sie machen es genauso gut. 

Bin wirklich überrascht und begeistert wie viel Spaß mir das Hören dieser Platte gemacht hat – gerne mehr davon. (507)

Jack Sharp – Good Times Older (2020)

Jack Sharp ist/war Gitarrist und Sänger der Band „Wolf People“, Singer/Songwriter-Folk bietet Sharp mit dem Titelstück „Good Times Older“ an. Wer den klassischen englischen Folk mag, wird da schon aufmerksam zuhören – weil dass ist gekonnt. Und man hört Sharp die fünfzehn Jahre an – die er mit den „Wolf People“ Musik gemacht hat.

Und bei dieser Art schöner Folkmusik bleibt es auch mit „Maids Lament“. Auch mit „Soldiers Song“ beweist Sharp ein sehr gutes Gespür für klassische Gitarrenmusik in Verbund mit Folkgesang. Die ganzen Songs klingen wie Traditionals, sind scheinbar aus der Zeit gefallen und doch zeitlos.

Das klingt jetzt alles auch ziemlich einheitlich und einen Stilwechsel oder Abwechslungsreichtum ist auch nicht für den Rest der Songs zu erwarten – obwohl die Stimmungen schon von unterschiedlicher Art sind – so klingt „Gamekeeper“ im Gegensatz zu dem zuvor gehörten „Soldier´s Song“ doch erheblich positiver und leichter. Auf einer Plattenlänge von dreiundreizig Minuten lasse ich mir diesen ruhigen Folk auch sehr gerne gefallen – ist einfach wie schon geschrieben zu gut gespielt, dabei bestehen die Songs in der Regel auch nur aus Gitarre/Gesang. Und „God Dog“ ist einfach wunderschön. Mit Cello: „The Lacemaker“ - noch schöner. Pub-Folk: „White Hare“. 

Da ich vor kurzen mich ja ein wenig durch das Werk von Christy Moore gehört habe – klingt die ganze Platte recht vertraut, aber man muss anerkennen, dass Jack Sharp es mit den Könnern des englischen/irischen Folks durchweges aufnehmen kann. Vielleicht war er auch einfach die „Härte“ der Wolf People leid und spielte sich mit diesen doch recht „stillen“ Liedern frei. Gelungen ist es ihm auf jeden Fall sich einen Platz in der Folkmusik zu sichern, man höre da nur „Northhamptonshire Poacher“ - eine Ode an seine Heimat. 

„Treecreeper“ setzt den Stil des Albums fort und erhaben beendet Jack Sharp die Platte mit „My Morning Dew“. Gerne mehr davon. Aber bisher blieb es bei dieser einen Veröffentlichung.

Joan Shelley – Like the River loves the Sea (2019)

Für ihr siebtes Album zog Joan Shelley mit ihren musikalischen Mitstreitern nach Reykjavik, um dort den richtigen Ton für dieses zu finden. Produziert wurde es von James Elkington und Ehemann Nathan Salsburg half auch wieder mit. Bei zwei Songs ist die Stimme von Bonnie „Prince“ Billy zu hören. Die Isländischen Musikerinnen Sigrun Kristbjörg Jonsdöttir und Pordis Gerdur Jonsdottir sind an Streichinstrumenten zu hören. Desweiteren haben Albert Finnbogason, Cheyenne Mize, Jaulia Prucell und Kevin Rattermann mit musiziert.
Die Alben von Joan Shelly zeichnen sich durch sehr sehr ruhigen Singerin/Songwriterin-Folk aus – bei der sich eine gewisse andächtige Erhabenheit ausbreitet – es ist fast schon religiös wie die Musik mancher Musiker auf einen Hörer einwirkt. Und gerade beim Folk – bei dem sich immer die natürliche Umwelt mit dem Menschen im Lied vereint - gibt es diese Erhabenheit oft zu spüren. Hört nur die Alben eines Nick Drake Euch an. 
Sehr gekonnt und einnehmend das kurze „Heaven“ direkt zu Anfang. Da merkt man wiedereinmal wie wenig es braucht für einen richtig guten Song. Roots-Musik bester Art: „Coming down for you“. Elegant: „Teal“. Wundervoll: „Cycle“. Verführend: „When what it is“. Im Duett gesungen: „The Fading“. Es gehen mir langsam die Adjektive aus, um die weiteren schönen Songs zu beschreiben – aber schön und gut sind Songs wie „Awake“, „Stay all Night“, „Tell me Something“ allemal. Und so ein richtiges Highlight ist „High on the Mountain“. Und auch der Song am Ende „Any Day Now“ hält den großartigen Eindruck dieses zu recht hoch gelobten Albums. Wundervoll. (279)

Shout out Louds – Howl Howl Gaff Gaff (2003/2005)

Das Album wurde erst 2003 im skandinavischen Bereich veröffentlicht und mit Songs der vorher veröffentlichten EP´s dann international leicht verändert 2005 herausgebracht. Shout out Louds bestehen aus Adam Olenius (Gesang), Ted Malmros (Bass), Carl von Arbin (Gitarre). Zu diesen stießen noch Eric Edman (Schlagzeug) und an den Keyboards Bebban Sternborg.

Das Markenzeichen von Shout out Louds wird direkt mit deren ersten Song „The Comeback“ klar: tanzbarer Party-Indie-Pop-Rock. Schöne Indiegitarren gepaart mit wuchtigen Drums, mitnehmenden Bassrhythmus und dem zwar immer etwas melancholisch klingenden Gesang von Adam Olenius, der aber trotzdem nicht verhindern kann, dass man auf den Songs nicht wunderbar abtanzen kann. 
Drums, Bass, Keyboardspiel – und ein wenig klingt es wirklich so, als wären Shout out Louds die Tanzkapellen-Variante von The Cure bei „Very Loud“. 
Mit ihren Indie-Charme bekommen Shout out Louds es auch hin, alte und neue Hörer immer wieder für sich einzunehmen – denn ihr Sound ist zeitlos und trotzdem im Indie-Sektor verwurzelt. 
Etwas folkig klingen sie kurz am Anfang bei „Oh, Sweetheart“ doch schwenkt das schnell im Rock´n´Roll-Indie um. Bei ihren Debüt klingen die Shout out Louds auch noch etwas erdiger – als bei ihren späteren Platten – die trotzdem natürlich gut sind – aber durchgedachter klingen. 
Die Verbindung mit Indie- und Sixtiespop können sie auch: „A Track and a Train“. Da ist der Co-Gesang von Bebban Sternborg dann auch sehr passend. 
„Go Sadness“ fängt sehr ruhig an und hält die Stimmung von optimistischer Traurigkeit bis zum Ende durch. 
Danach kommt aber noch der absolute Partytrack der Band und auch ein Höhepunkt jedes Konzerts der Band: „Please Please Please“ - Indie-Pop-Excellence! Auch richtig flott: „100“ - macht auch Spaß!. Indie-Rock: „There´s Nothing“. Noch mal Indie-Party-Modus: „Hurry Up Let´s go“. Nicht minder Indie-Party: „Shut your Eyes“ - da weiß man auch woher die gute Stimmung und der Spaß bei Festival-Auftritten der Band her kommt. 
Am Ende: „Seagull“ - schöner verspielter Indiesong – der Song hat ein kurzes Stück Stille nach ca 5 Min – geht dann aber doch noch etwas weiter – und ich mag die Flöten in dem Stück ja so gern. 
Tolles Debüt einer immer noch tollen Band. (468)

Shout out Louds – House (2022)

Acht Songs bietet „House“. Indie-Pop mit besonderen Flair. Das ist tanzbar, macht Spaß, hat Klasse und ist eindeutig „Shout out Louds“. „As far away as possible“ klingt von den Gitarren nach the Cure und beglückt die Fans. Alternative Pop vielleicht wie er sonst nur von „The Whitest Boy alive“ noch abgeliefert wird. Der leichtfüßige Indiesound, dazu der immer etwas melancholisch klingende Gesang von Carl von Albin sind schon eine besondere Mischung und beglückt live seit vielen Jahren das Publikum auf Festivals und ihren Livetouren. Würde sich Popmusik immer so anhören wie bei den Shout out Louds wäre die Welt ein besserer Ort. So beglückt die Musik auf dieser CD die Fans von Indie-Pop auf höchsten Niveau und man freut sich auf den nächsten Auftritt der Band und dann wird wieder getanzt und mit viel Applaus der Band für ihr Können gedankt. Sie dürfen nur nie damit aufhören solch schöne Musik zu machen. Wie Ihr merkt bin ich echt beglückt von dem Album. (169)

Sigur Rós – Von (1997)

Das ist das Debütalbum der isländischen Band Sigur Rós, die mit dem Album nach der Fertigstellung nicht wirklich zufrieden war. 
Herausgekommen ist trotzdem ein über siebzig Minuten langes Werk, das mit dem Titel „Sigur Rós“ atmosphärisch anfängt. Das Stück besteht nicht aus Melodien am Anfang sondern eher aus Geräuschen, die eine recht düstere Stimmung aufkommen lassen. Drone trifft hier auf Klänge des Post-Rock. Auf zehn Minuten ausgeweitet ist das wieder eher Musik-Geräusch-Kunst – aber eigentlich wieder keine richtige Musik und wäre sicherlich ein guter Soundtrack für eine Installation oder eine Industriebrache, die man als Kunstwerk ausstellen möchte.
Bei „Dögun“ wird es dann sakraler – klingt nach Musik für eine heilige Messe. Doch auch dem Stück kommt die Musik abhanden und diese wird von einer Stimmen- und Geräusch-Kulisse abgelöst. Mit „Hún Jörð...“ gibt es dann endlich doch mal so richtige Musik und hier mixen Sigur Ros dann das sakrale mit Indie-Rock und da fängt das Album dann endlich an auch etwas Spaß zu machen – so geht Post-Rock. 
Geistehaftes Zwischenspiel: „Leit Að Lífi“. Danach ein weiterer richtiger Song – diesmal im „Auf die Schuhe starren-Modus“: „Myrkur“. Nach einem achtzehn Sekunden-Stille-Zwischenspiel folgt das über zwölf Minuten lange: „Hafssól“. Fängt als Drone an – der sich wieder mit etwas sakralen Gesang vermischt und zur Mitte des Stücks hin wird es etwas sphärisch und klingt nach Ambient-Musik. 
„Veröld Ný Og Óð“ ist ein Schlagwerkstück – auch wenn das Schlagwerk in diesem Fall verfremdet ist – finde ich schon ganz interessant, weil es so unsauber klingt – es entwickelt sich dann aber zu einem Alarmsingnal ähnlichen Crescendo. Beim Titelstück „Von“ klingen die Trommeln „echt“ und die Stimmung wird wieder eher hell und spirituell. Da ist mir aber wieder zu viel Dreampop- und Shoegazin-Gedröhne in der Nummer. Einzig der Klang der Trommel bleibt klar. Das Stück hab ich dann glaube ich doch in einer schöneren Fassung auf der „Heim“. 
Weiteres Gebimmel und Klangholz-Zwischenstück: „Mistur“. Fast vierzehn Minuten lang ist „Syndir Guðs (Opinberun Frelsarans)“ - das dann für Freunde der Shoegazin-Musik sicherlich was ist – bei dem Stück fügen Sigur Rós die Bestandteile ihrer Musik eigentlich wirklich gut zusammen und es funktioniert als Dreampop-Ambient-Nummer gut. Und tatsächlich ist der Song nur siebeneinhalb Minuten lang – der Rest der Laufzeit ist Stille. Am Ende dann wohl wirklich nur was für Heardcore-Shoegazin-My-Bloody-Valentine-Fans: „Rukrym“.

Mir ist das wieder zu wenig Songs – sondern zu viel Geräusch-Sammlung und Hintergraundgeräusche für eine Kunstausstellung oder -Installation und so werde ich wohl der große Dream-Pop und Shoegazin-Fan auch nicht werden. Ich mag Sigur Rós wohl am liebsten akustisch und mit klaren Sound ohne zu viel Verzerrungen. (471)

Sigur Rós – Hvarf/Heim (2007)

Dies ist die Begleit-DoppelCD zum Film „Heima“

Während auf „Hvarf“ sechs mit Strom verstärkte, teilweise unveröffentlichte Stücke der Band zu finden sind, befinden sich auf „Heim“ sechs bekanntere Stücke der Band im Live-Akustikgewand.
Die Musik von Sigur Rós ist eine Mischung aus PostRock, Shoegaze und Dreampop – ich würde das wegen der Verträumtheit und Anmut der Klänge schon als Dreamrock bezeichnen. Mein Problem ist manchmal mit dieser Art von Musik - wie zum Beispiel bei einigen Songs von Slowdive – dass dies als Einzelsong gut funktionieren kann, in der Menge aber auch oft zum Songeinerlei wird, ein weiteres häufiges Problem ist für mich, dass so mancher Song viel sehr in die Länge gezogen wird. Jetzt aber das großer Aber: vieles an der Musik von Sigur Rós find ich wirklich richtig gut – da mich so mancher Song einfach emotional packt und mich wirklich aus dem Alltag heraus reisst. 

Aber fangen wir erstmal mit „Hvarf“ an – der Sammlung von stromverstärkten Stücken. „Salka“ hat schon was sehr sakrales an sich. Das ist schon schön, aber eigentlich auch schon fast zu viel in einer pathetischen Erhabenheit gehüllt. „Hljómalind“ ist da mehr mein Fall – der Song funktioniert wie ein höchst emotionaler schöner Indie-Popsong. Echten PostRock gibt es mit „Í Gær“. Da dröhnen die Gitarren (ja Sigur Rós können auch richtig laut sein). „Von“ ist gleich zweimal auf der Doppel-CD enthalten – einmal auf „Hvarf“ und einmal auf „Heim“. „Von“ ist mit über neun Minuten Länge recht lang geraten und so nimmt sich die Band auch drei Minuten mit Ambient-Klängen Zeit um dann mit Gesang einen richtigen Song zu beginnen. Weiterhin bin ich hin und hergerissen – Emotionalität und Pathos, dazu Musik in minimal Tempo. Teilweise sehr schön – teilweise ist mir da aber auch vieles zu viel – ich finde das bekommen Efterklang besser hin – weil es bei denen nicht so mit Heiligenschein verpackt ist, sondern wirklich mehr in schönen Klängen (Anmerkung: Als ich das schrieb, hatte ich aber noch nicht „Heim“ gehört und mit den Songs im akustischer Form ziehen sie dann wieder mit Efterklang gleich). Das letzte Stück auf „Hvarf“ ist „Hafsól“. Bei „Hafsól“ stimmt die Sigur Rós-Mischung von Dreampop und PostRock aber richtig gut – auch wenn es wieder nah am Kitsch gebaut ist. 

Auf „Heim“ befinden sich sechs Live-Einspielungen. „Samskeyti“. Die Akustikinstrumentierung passt sehr schön zum Song und so funktioniert das Instrumentalstück sehr gut. Etwas kräftiger und schwungvoller, mit schönen Streichereinsatz: „Starálfur“. Auch das nun der Gesang viel klarer ist, finde ich sehr gut. So gefallen mir Sigur Rós richtig gut. „Vaka“ = wunderschön. Also mit klarer akustischer Instrumentierung – ohne PostRock-Verzerrungen und Gedröhne ist die Schönheit der Musik einfach mehr zu genießen. So ist „Heim“ schon eindeutig die bessere der beiden CDs. „Ágætis Byrjun“ und „Heysátan“, sowie „Von“ (welches so viel viel schöner klingt, als auf „Hvarf.

Vielleicht bin ich ja eher der, der auf Indiefolk steht, als auf Minuten langes PostRock- und Shoganzgedröhne (obwohl ich da ja wirklich auch einiges sehr gut finde) – aber Sigur Rós gefallen mir jetzt erst einmal in der Unplugged-Varriante sehr viel besser. „Heim“ bietet Songs voller Schönheit. -192

The Silencers – Dance of the Holy Man (1991)

Die schottische Band „The Silencers“ ist mir immer gut durch ihren Song „Scottish Rain“ in Erinnerung – von dem ich auch dachte, dass er auf diesen Album – welches das erfolgreichste der Band war – sei. Ist er aber nicht. Dann muss ich „Scottish Rain“ von einen Sampler her gekannt haben und mir die CD dann wegen des Liedes damals gekauft haben. Lange habe ich diese nicht mehr gehört. 

Ich erwarte sanften Folk-Pop Rock – so eine Mischung aus James und Simple Minds. So habe ich diese Musik in Erinnerung. Mit fünfzehn Songs ist die CD sehr gut gefüllt. 

„Singing Ginger“ ist dann eher ein Intro, das den Hörer schon mal in eine fröhliche Partystimmung bringen soll. „Robinson Crusoe in New York“ startet die Platte dann rockig – der Gesang hat aber trotzdem einen Folk-Chrakter – was eigentlich eine ganz angenehme Mischung ist. Moderner Folk-Rock für die doch härter werdenden (musikalisch gesehen) 90er Jahre. Mit Song Nummer drei der CD folgt dann auch der erfolgreichste Song der Band „Booletproof Heart“. Der gepfiffene Anfang weckt dann Erinnerung – ansonsten wollen die Silencers, glaube ich, mit dem Album an der Coolness von U2 und anderen Rockbands – die für die frühen 90er typisch war – heranreichen. Da es bei dem Song wohl funktioniert hat – scheint das auch in dem Fall geglückt zu sein. 
Mir gefällt aber das folkige und recht akustisch gehaltene „The Art of Self Deception“ viel besser – war glaube ich auch immer mein Lieblingssong des Albums – der hat auch den Charme und die Stimmung von „Scottish Rain“. Und ist einfach ein wunderbarer Song – wenn auch vielleicht ein wenig lang geraten. Ebenso im leichten Folk-Pop-Stil und ebenso sehr gemocht von mir: „I want you“. Ganz toller Song und noch besser als der davor. 
Auch noch eine feiner Soft-Folk-Rock-Nummer: „Just can´t be bothered“ - was für Trucker. Noch mehr Folk – diesmal als Ballade: „Cameras and Colleseums“ und sehr kurz. 
Mit „One Inch of Heaven“ geht’s nochmal gekonnt mit dem soften Rock weiter. Das können die Silencers aber auch richtig gut. Das ist sehr entspannte und gleichzeitig mitnehmende Musik – dazu gut produziert und gespielt. Da passt alles zusammen – so gefallen sie mir besser als mit ihrer härteren auf Coolness getrimmten Rock am Anfang der CD. 

Bei „Hey Mr. Bank Manager“ wird’s wieder rockiger – so in einer Mischung aus Countryrock und New Wave und Blues. Besser gelungen ist da der Blues-Rock bei „This is Serious/John the Revelator“. - „John the Revelator“ wurde ja oft gecovert – im Original ist das Stück von Blind Willie Nelson und zuerst im Jahr 1930 veröffentlicht. Der Blues ist sicherlich damit die älteste Form der Rockmusik. 
Zurück im Folk-Pop-Modus: „Afraid to Love“ - auch hier erinnert mich der Gesang von Jimme O´Neil an dem von Bono – obwohl dieser in einer ganz anderen Stimmlage singt. 
Guter Folk-Rock-Song: „Rosanne“. Die Stimme von Jimme O´Neil macht auch wirklich sehr viel vom Charme der Musik der Silencers aus. Da er eigentlich ja nicht wie Bono klingt und singt, sondern eher wie die freundlich Folksinger-Version von Joe Strummer. 

Und absolut klingen die Silencers dann tatsächlich wie bei einem Song aus der Feder von Joe Strummer bei „Electric Storm“ und dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Song von U2 mit selben Titel – was mich tatsächlich auch etwas verwirrt hat – da ich ja auch grade Bono erwähnt hatte. Kommt aber daher das die Silencers sich musikalisch halt im Dunstkreis von den Simple Minds und U2 bewegt haben und sicherlich bei deren Fans auch mit ihrer Musik punkten konnten. 
Folk mit starken Sologesangspart: „When the Night comes down“. Album Ende mit Stück 15 „Robinson Rap“ (kurzes Outro).

Lässt man die ersten drei Stücke beim Hören weg – bekommt man ein sehr gutes und zeitloses, immer noch sehr gut funktionierendes Folk-Rock-Album.
Schön es wiederentdeckt zu haben. (456)

Paul Simon - In the Blue Light (2018)

Paul Simon get´s the Blues – auf jeden Fall bei „One Man´s Ceiling is another Man´s Floor“. Dabei handelt es sich bei den Songs um ältere Stücke des Musikers, die er neu und meist anders als zuvor verpackt. Und er hat da eher unbekanntere Stücke ausgewählt, deren Titel mir auch nicht auf den ersten Blick direkt bekannt vorkommen. „Love“ ist ein sehr ruhiges und sehr schönes Stück auf jeden Fall und für mich ein typisch guter Paul Simon Song. Doch „Can´t run but“ vom „Rhythems of the Saint“ kenne ich – aber das neue orchestrale Gewand gefällt mir richtig gut. Im zarten Jazzgewand kommt „How the Heart approaches what it yearns daher“ - sehr smooth und elegant. „Pigs, Sheeps & Wolves“ als Marching Band/Jazz-Nummer verführt auch und ich mag das Abwechslungsreichtum der Platte sehr. Ein Paul Simon kann es sich auch leisten mit ganz vielen Musikern aufzunehmen – da kommen bei einer genauen Zählung der Mitspieler siebenunddreizig zusammen. „René and Georgette Magritte with their Dog after the War“ mit Streichern und Bläsern unterlegt – wunderbar. Auch wieder schön zu hören, dass so mancher Sänger seine Singstimme auch ins hohe Alter noch gut nutzen kann, mit seinen damals 76 Jahren singt Paul Simon immer noch wie ein ganz großer Singer/Songwriter und bei dem Stück wirklich wunderschön – das ifühlt sich noch an, als ob er gerade „Still crazy after all this Years“ zum ersten Mal singt. Spanische Gitarren begleiten den Sänger bei „The Teacher“ und da klingt er sofort wie Sting – seltsam das ich jetzt schon spanische Gitarren mit Sting verbinde – kann eigentlich nur an „Fragile“ liegen – welches auch tatsächlich zu Simon passt. Aber als dann auch noch eine Altsaxophon dazu kommt, klingt es wirklich wie ein Sting-Song. Aber beide spielen für mich auch als Solokünstler durchaus in der selben Liga. In dem Stil von „Teacher“ - als sanfter Singer-Songwriter-Song kommt auch „Darling Lorraine“ daher und auch der ist einfach nur schön. Aber die ganze Scheibe ist auch von Simon und seinem Stammproduzenten Roy Halee einfach gut produziert. „Some Folks`Lives Roll Easy“ wird zur Jazz-Nummer und Simon klingt da tatsächlich wie Nina Simone. Sanftes Endstück: „Questions for the Angels“ - ich habe danach keine Frage mehr, denn das ist ein wirklich sehr schönen Paul Simon-Album. Da hat das sich nochmal an alte Stücke heranwagen sehr ausgezahlt, sowohl für Paul Simon als auch seine Fans. -297

Simon & Garfunkel – Wednesday Morning, 3 A.M. (1964)

Das wohl bekannteste Duo der populären Musikgeschichte hat mit fünf Alben eine sehr übersichtliche Diskographie und so kann man die jetzt auch mal ganz schnell abarbeiten. Aber schon beeindruckend, dass sie nur sechs Jahre benötigten, um zum musikalische Dauerbrenner zu werden. Da die beiden aber zuvor schon als „Tom & Jerry“ Musik machten, dauerte ihre Teamarbeit tatsächlich aber länger. 

„Wednesday Morning, 3 A.M.“ war zu Anfang nicht erfolgreich, erst im Zuge der Veröffentlichung des zweiten Albums „Sounds of Silence“ wurde auch dieses Album ein finanzieller Erfolg. Da wir uns noch im Rock´n´Roll-Zeitalter befinden, sind die Folk-Songs des Duo´s meist auch nicht länger als zwei Minuten, so hat man die zwölf Songs auch innerhalb einer halben Stunde schnell durchgehört. Bei der Folkmusik dieser Zeit, darf es einen nicht wundern, dass diese schon – weil er wahnsinnig schnell mit seinen Musikveröffentlichungen Erfolg hatte - durch den Sound von Bob Dylan mitbeeinflusst wurde, so ist auch mit „The Times they a-Changin“ direkt ein Klassiker als Covernummer zu finden. Fünf Songs sind aus der Feder von Paul Simon.

Mit Roots-Country-Rock´n`Roll-Folk startet das Album: „You can tell the World“. So leicht, so freundlich, aber auch schön arrangiert – die Markenzeichen des Duos sind auch schon in diesem Stück alle enthalten. Der klassische Countrymusik-Hörer schien den Produzenten des Albums wichtig zu sein – sehr lieblicher Roots-Song im Stil der Carter-Family (ja, ich hab die Dokureihe „Country Musik“ von Ken Burns gesehen) ist „Last Night I had the strangest Dream“.

Mit „Bleeker Street“ ist dann die erste Eigenkomposition von Paul Simon zu hören und das ist dann wirklich was anderes. Das ist Singer/Songwriter-Folk vom Feinsten und genau dafür lieben alle Simon & Garfunkel. Zeitlos, schön. Erste echte Highlightnummer. „Sparrows“ kommt einem Bob Dylan-Song sehr nahe – aber mir gefallen halt die Gesangsharmonien von Paul Simon & Art Garfunkel einfach viel viel lieber als die raue ungeschliffene Art des Landbewohner-Gesangs von Bob Dylan.

Durch die Kürze der Songs komme ich mit dem Schreiben beim Hören kaum hinterher und muss auch mal die Pausetaste ab und an drücken. „Benedictus“ - warum nicht auch mal ein Kirchenlied mit einbinden. Da lernt der Hörer auch was über Gesangsharmonien. 

„The Sound of Silence“ - in dieser akustischen Fassung wurde der Song noch nicht zum Hit. Erst als der Produzent Tom Wilson den Song mit den Klänge einer zwölfseitigen E-Gitarre, eines E-Basses und Schlagzeug ergänzte und als Single neu auflegte – wurde der Song zum Hit und zum Titelstück des zweiten Albums. Diese „Bearbeitung“ erfolge ohne dem Wissen von Paul Simon und Art Garfunkel. Paul Simon befand sich da gerade in England, um dort ein Soloalbum aufzunehmen „The Paul Simon Songbook“ - viele der Songs darauf wurden später auf den weiteren Simon & Garfunkel Alben neu eingespielt. 

In der akustischen Version klingt „The Sound of Silence“ aber viel weniger kitschig und ist somit jetzt meine bevorzugte Fassung. 

Auch ein schöner Folk-Song: „He was my Brother“. Ein ganz typischer Simon & Garfunkel Song wird aus dem Traditonal „Peggy O“. Absolut schön. 

Kitschiger Country-Folk-Roots-Traditional: „Go Tell it on the Mountain“. Da gefällt mir das sehr sanfte „The Sun is Burning“ doch sehr viel besser.

„The Times they are a-Changin“ - klingt ein wenig so, als würde eine kleine Gruppe Friedensaktivisten am Lagerfeuer den Song singen. So richtig Lust sich mit dem Song auseinanderzusetzen hatte da wohl keiner der an der Aufnahme beteiligten. 

Der Titelsong „Wednesday Morning, 3 A.M.“ und da hört man nochmal alle Stärken des Duos in einem kurzen Song gepackt und da freut sich der Hörer dann schon auf das Hören der nächsten Platte.

Simon and Garfunkel – Concert in the Central Park (1982)

Am 19. September 1981 traten Paul Simon und Art Garfunkel mit Begleitband im Central Park auf. Dies ist wohl neben dem Woodstock-Festival eines der bekanntesten Konzertereignisse der Geschichte gewesen. Die zwei Singer/Songwriter spielen ein Konzert mit all ihren Songklassikern und einige Stücke von Paul Simons Soloalben, eine Stück von Art Garfunkel und die Covernummer „Wake up little Suzie“ (im Original von den Everly Brothers). Ein Konzert das Geschichte gemacht hat. Ich merke aber, dass eigentlich bei mir nur die mir gut bekannten Songs funktionieren und mich richtig mitnehmen, die anderen Songs kann man hören, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Aber so ist das halt, man liebt das was man kennt. Als Film ist das Ganze schon noch etwas beeindruckender, weil es auch mehr die Stimmung vor Ort wieder gibt. (160)

Nina Simone – The Amazing Nina Simone (1959)

Nina Simone, eine Sängerin wie keine andere – eine Legende, zeitlos und immer gültig sind ihre Songs.

Die zweite Platte folgte im selben Jahr wie ihr Debütalbum, dass noch von einem anderen Plattenlabel herausgebracht wurde – doch enttäuscht von der fehlenden Unterstützung durch das Label wechselte Nina Simone zu „Colpix“. 

Direkt mit „Blue Prelude“ und der herrlichen Jazz-Stimmung, ihr genialer Gesang beweist Nina Simone, warum sie eine der besten Sängerinnen im Jazz und überhaupt ist. Das ist einfach vom ersten bis zum letzten Ton großes Kino, ein Ereignis und erinnert an eine James Bond-Titelmusik.

Gospel, Soul – wunderbar und schwungvoll: „Children go where I send you“. Ganz großartig, nimmt mich mit all seinen Schwung einfach nur mit.

„Tomorrow (We will meet once again)“ – sehr ernsthafte Ballade und sehr melodramatisch vorgetragen. Nimmt den Schwung, aber lässt das Album sehr abwechslungsreich erscheinen.

Beschwingter „Stompin´at the Savoy“. Die Orchesterbegleitung lassen das Album und Stück auch wie Filmmusik erscheinen – von den Arrangement erinnert es doch stark an Hollywoodfilme der 40er bis 60er Jahre.

Sehr fein und lieblich – Musik wie für eine leichte Komödie „It might as well be Spring“. Blues und Orchester-Arrangement treffen bei „You´ve be gone to long“ aufeinander. Durch die häufigen Stimmungswechsel bleibt das Album zwar erfreulich abwechslungsreich, aber so richtig bilden die Songs aber auch keine Einheit – wirken eher wie ein Songsammelsurium, ein BestOff um den Hörer zu beeindrucken. 
Das funktioniert zwar auch, aber es zeigt sich eigentlich eher bei den Jazz-Balladen wie großartig und amazing Nina Simone und ihr Gesang ist. Neben „Blue Prelude“ und „Children go where I send you“ ist sicherlich „That´s him over there“ ein echtes weiteres Highlight der Platte. 

„Chilly Winds don´t blow“ zerstört da wirklich mit seinen Schwungvollen schon fast mit Rock´n´Roll-Feeling gespielten Gospel doch etwas die vorher entstandene Stimmung. Also tatsächlich ein Abzug trotz all der musikalischen Klasse für die Songauswahl. Was aber auch an der Zeit liegt – da wurden eigentlich eher Singles produziert und eine Platte war da nur eine Ansammlung des Singlematerial.

Die sanften Stücke sind aber alle sehr beeindruckend: „Theme from „Middle of the Night“. 

„Can´t get out of this Mood“ – swingt dann wieder. Meist folgt aber auf ein schwungvolles Stück wieder ein ruhiger, so ist auch wieder „Willow weep for me“ wieder mehr elegant als schwungvoll.

Das letzte Stück ist „Solitaire“ – eine beeindruckende Jazz-Ballade. 

Am Ende ist man natürlich trotzdem von Nina Simone trotz der Schwächen in der Songauswahl weiterhin beeindruckt – weil sie eben schon auf ihren ersten Platten beweist, wie großartig sie ist. - 666

Siouxsie and the Banshees – The Scream (1978)

Für die damalige Zeit war der Sound sicher schon was Besonderes und Neues.

Nach dem Prolog „Pure“, der dem Hörer schon in eine düstere Grundstimmung bringt, kommt das heftig, ungestüme „Jigsaw Feeling“ wie ein kleiner Faustschlag daher. Düsterer Rock mit Punkgesang. „Overground“ klingt nach Patti Smith und ist ein erster Glanzpunkt. „Carcass“ ist nach vorne dreschender Punkrock, aber nicht so düster. „Helter Skelter“ nichts besonderes. “Mirage“ hat schon einen Postpunk Drive. Und mit „Metal Postcard“ sind sie erst recht dabei Punkrock in eine neue Richtung zu schieben. „Nicotine Stain“ geht zurück zum Punkrock. „Suburban Relapse“ hat wieder was ganz eigenes. „Switch“ ist mit sieben Minuten Länge sicher noch mal ein Ausrufezeichen in Richtung früher Postpunk.
Während andere Bands bei ihrem Debüt noch auf der Suche sind, scheinen „Siouxsie and the Banshees“ schon ihren Platz für sich erobert zu haben.


Die Bonusstücke: „Hong Kong Garden“ ist ein popiger Punkrock Song, fast schon zu fröhlich für das zuvor Gehörte. „The Staircase (Mystery)“ noch mal eine starke Nummer mit diesem ganz eigenen Sound. (63)

Sky Larkin – The golden Spike (2009)

Sehr schönen Alternative-Rock machen Sky Larkin, die Band um Sängerin Kätie Harkin. Schrammelige Gitarren, die an amerikanische Acts wie Breeders, Pixies und andere erinnern, verbinden die Band aus Leeds auf ihren Debütalbum mit Grunge und Punk, Emocore und das alles sehr melodiös und mit Popcharme. 
Die ersten Songs „Fossil, I“, „Pica“, „Molten“ reißen mich direkt mit ihren guten Rock, tollen Riffs und stets mitreißenden Melodien voll mit. Tolle Band, auch da stellt sich wieder die Frage – wie so wird diese Band erst heute entdeckt und warum hat die Band auf Spotify „nur“ knapp 1000 monatliche Hörer, wo sie doch problemlos mit den ganz großen des Alternative-Rock-Genre mithalten können. So viel Spaß beim Hören einer Alternative-Rock-Band hatte ich zuletzt als ich live Bands wie „Blushing Always“ und „A Void“ kennengelernt hatte – auch diese zeichnen sich übrigens durch das Merkmal – Frontfrau – aus. 
Alle Songs ganz toll, „Antiebodies“, „Octopus ´08“ ganz stark und mitreißend. Wie gut ist dass denn? Es geht genauso weiter – melodiöser, rockiger, Alternative-Indie-Rock, der launigen Art – ohne Schnörkel. „Sommersault“, „Beeline“. Die Gitarrenarbeit auf dem Album ist einfach riesig – man muss da nur mal den Track „Matador“ hören. Einfach klasse. Verliebt in die Band. Sky Larkin haben noch zwei weitere Alben herausgegeben und 2020 hat Sängerin Katie Harkin als Harkin ein Soloablum herausgebracht – da warten also noch mindestens drei weitere Scheiben auf mich – sehr schön. 
Die powern auch das ganze Album schön durch, langweilen dabei aber keine Minute und das bei 13 Songs. Das macht einfach viel Spaß. Wer auf Grunge, melodiösen Krach steht, der nicht bloß „hart“, „negativ“. „aggressiv“ sondern wirklich musikalische Qualitäten hat und eben Spaß macht, der ist mit dieser Platte sowas von gut bedient. Die verdient wirklich absolut viele Hörer – Tipp!!!!!
Und mit Songs wie „Keep Sakes“ müssten auch Punks auf ihre Kosten kommen. (425)

Sleater-Kinney – Call the Doctor (1996)

Direkt das Titelstück „Call the Doktor“ lässt aufhorchen. Punk-Rock-Wildheit trifft hier auf Schrammelsound von Sonic Youth und das richtig gut. Mir war gar nicht klar, dass es das Trio schon seit 1994 gibt. Ich hatte die Band erst vor ein paar Jahren entdeckt. Der Eindruck mag dadurch entstanden sein, weil die Musikerinnen über den Zeitraum eines Jahrzehntes sich eine Auszeit genommen hatten und ich sie dann mit ihrem Reunion-Album wahrgenommen hatte. Auf jeden spielen sie den Alternativ-Rock auf diesem Album sehr gekonnt und Leute wie ich, die die etwas melodiöseren und eingängigeren Songs von Sonic Youth mögen oder ihren Punk Rock noch gene mit Postpunk gemischt hätten, die kommen bei Sleater-Kinney auf ihre Kosten. Das ungestüme „Little Mouth“ ist schon sehr beachtlich. Funktionieren tut eigentlich jedes Stück – man darf aber als Hörer auch nicht zu zartfühlend sein, denn hier wird wuchtig und laut Musik gemacht. Einziges Manko der Songs ist, dass sie alle ziemlich ähnlich klingen – macht mir die Arbeit aber einfacher, denn groß zu beschreiben gibt es daher nichts mehr. Aber das etwas sanftere „Heart Attack“ ist ein großartiger Abschluss und sollte nicht unerwähnt bleiben. (292)

Slint – Spiderland (1991)

Spoken Words statt Gesang und Post-Rock Gitarren bestimmen den Anfang von „Breadcrmb Trail“ – dann Rhythmuswechsel und wir sind in einem Alternativrock-Song, der Sprechgesang kehrt ab und an zurück. So ist der erste Song des Albums ganz spannend und funktioniert recht gut. Bei „Nosferatu Man“ ist mir der Sprech-Teil etwas zu leise abgemischt, aber der Rhythmus ist gut. Der Stil der Band ist eine spannende und gelungene Mischung aus Post-Rock mit Hardcore-Elementen so wie bei Fugazi oder Boris und Sonic Youth, aber ohne ins Drone-Elemente. Andere Vorbilder und Ähnlichkeiten würden sich auch schnell finden – für mich trifft Alternative- und Postrock mit etwas Slowcore gemischt am besten. Damit ist auch der Rest des Materials beschrieben. Gut finde ich, dass sich die sechs Songs voneinander unterscheiden und so die Spannung gehalten wird. „Washer“ erinnert stark am Anfang an Mogwai. Mittlerweile genießt das Album einen guten Ruf bei Kennern – ließ sich aber als es herauskam kaum verkaufen. Gerade mal 5000 Stück wurden im ersten Jahr verkauft. Slint war dann auch schnell Geschichte, doch durch die stärker und größer werdende Fangemeinde gab es Reunion- und kleine Konzerttouren. Gutes Album und wer Alternative Rock mag – sollte es gehört haben. (163)

The Slits – Cut (1979)

The Slits waren eine feministischen Frauenpunkband. Zu Beginn ihrer Karriere war die deutschstämmige Frontfrau Ari Up (Ariane Forster) erst 14 Jahre alt. Sie begannen als Vorgruppe von The Clash und zogen so Aufmerksamkeit auf sich. Da Ari Up eine große Liebe zur Reggae-Musik aufweist, wurden diese Elemente durch Produzent Dennis Bovell mit in die Aufnahmen von „Cut“ eingebracht. Nicht nur der Name der Band ist provokant, auch die Covergestaltung, mit einem Foto, das die weiblichen Mitglieder mit nur leicht vom Schlamm verschmierten nackten Oberkörpern zeigt, sorgte für Aufsehen.
Nun aber zur Musik: „Instant Hit“ startet direkt mit deutlichen Dub-Sound und macht Spaß. . Der Reggae-Punk geht auch direkt mit „So tough“ flott weiter – ohne Bläser wie bei Ska-Bands, die ja auch einen deutlichen Reggae-Einfluss aufweisen, und nur durch den Bass und die Schlaginstrumente gespielt, ist das auch nach mehreren Songs nicht langweilig. Für harten Punk fehlen die heftigen krachenden Gitarren. Mit dem kurzen „Shoplifting“ steigt der Punkanteil. Und werden die Regaeanteile etwas weniger, da klingen die Slits wie eine gute Alternativ-PunkRock-Band. Da sticht dann „New Town“ besonders heraus. Nach „New Town“ wird mir aber etwas zu simpel runtermusiziert, aber„Typical Girl“ funktioniert dann wieder gut. Und auch das abschließende „Adventures close to home“ ist schön anarchistisch und verspielt. 
Die Bonusstücke sind das Cover von „I hear it through the grapevine“ (so hat man den Song auch noch nicht gehört) und „Liebe and Romanze (Slow Version)“ – etwas langweilige Instrumentalnummer. (117)

Slomosa – Slomosa (2020)

Das Debüt der vier Männer aus Norwegen ist Stoner Rock, den sie in Abwandlung an ihrer Heimat als Tundra-Rock betiteln. Zur Zeit (2023) sind sie mit Bands wie King Buffalo und Elder als Support auf Tour. 

„Horses“ hat starke Riffs zu bieten und kräftigen Gitarrensound. Der Gesang – der mehr als schreien im Hintergrund funktioniert – nimmt mich aber nicht ganz so mit. Doch die Gitarren sind wirklich gut und lassen mich sofort mit dem Headbangen anfangen. 

So geht es mit „Kevin“ auch weiter. Harte, aber gute Riffs, treibend harter Sound.
Irgendwie funktioniert das alles und wird von Song zu Song immer besser – das sind genau die Stoner Rock Songs die ich mag. Kräftig, hart, aber trotzdem Songs mit Melodie. „There ist nothing new under the Sun“. 
Ruhiger geht es auch (ist jetzt aber auch nicht wirklich ruhig) und auch das macht richtig Laune: „In my Mind´s Desert“. Gefällt mir richtig gut. Richtig gut geht es auch mit „Scavengers“ weiter (der Knallersong des Ablums). Also kürzen wir das ab. Stoner-Rock mit Post-Rock Einschlag, das durchwegs dank melodiöser Riffs auf ganzer Länge sehr gut rockt. Wer Elder und Ähnliches mag kann beruhigt zugreifen. (170)

Slut – StillNo1 (2008)

Indiemusik aus Ingolstadt. Der Bandname klingt härter als sie tatsächlich sind. Beginnt mit rockigen Nummern und wechselt in der Mitte zu anspruchsvolleren Songstrukturen, so das sie an „The Notwist“ erinnern .Akustisch geht es aber auch mit „Odds And Ends“ und „Tomorrow will be mine“. (9)

Sly & Robbie – Rythem Killer (1987)

Ich kenne kaum ein vergleichbar gutes Album aus den 80er Jahren, dass mit Funk, Rap, Rock, Elektronische Beats so abwechslungsreich umgeht und mich dabei von Minute eins bis siebenunddreizig einfach mit diesem unglaublichen Mix und dieser tollen Produktion von Bill Laswell so begeistert. Drei Songs pro Plattenseite, die meist ineinander übergehen. Sechsundreizig Minuten einfach nur Musik die einen wegfegt. Zwar lange nicht gehört – aber in meiner Erinnerung ist es eins der besten Platten der zweite Hälfte der 80er und etwas vergleichbares habe ich leider seit dem in dem Sektor „Funk & Reggae“ nicht mehr finden können (habe bei diesen beiden Musikgenre aber auch ein stark begrenztes Wissen). Wer etwas Vergleichbares kennt, bitte melden. 

Mal hören, ob dieses Album auch die Zeit so gut überdauert hat, und ob es wirklich so gut ist, wie ich mich dran erinnere. 

Als Musiker sind Sly & Robbie eigentlich Bassisten und Schlagzeuger, Komponisten und Produzenten. Als Sänger haben sie Bootsy Collins und vier weitere Sänger auf dem Album singen lassen. Auch ansonsten werden sie bei den Aufnahmen durch insgesamt neun weiteren Musikern, sowie Bill Laswells Band „Material“ unterstützt.

Spaß macht direkt „Fire“. So wie bei diesem Stück, macht Funkrock einfach nochmal richtig Spaß. Das ist toll produziert, der Sound und der Schwung überträgt sich direkt auf mich als Hörer. Wäre „Funk“ immer so gut – wäre ich sicherlich ein größerer Fan dieses Genre. Und auch „Let´s Rock“ saugt mich mit seinen Schwung ein. Und das ist eben nicht nur reine Funk-Musik. Dass ist ein unwiderstehlicher Mix aus Funk, Rock, Pop und von den Soundideen, den Klang der Schlagzugs, die Streicher, die Stimmungswechsel – da stimmt alles und es begeistert mich auch jetzt so richtig wieder perfekte Crossover-Musik. 

Und auch für Dub-, Rap- und Fans von elektronischen Tanzbeats ist das Album sicherlich zu empfehlen. Weil der Ideenreichtum der Produzenten und Komponisten, das Können der Musiker einfach so überragend ist und „Yes we can can“ haut mich einfach wieder total um. Riesig. 

Der Dub-, Reggae-Charakter für den die Musiker Sly & Robbie eigentlich bekannt sind, kommt am stärksten beim Titelstück „Rhythem Killer“ zur Geltung.
Die zweite Hälfte des Songs und der Übergang in den Song „Bank Job“ haut mich einfach um. Bin wieder total verliebt in diese Platte – das macht so einen Spaß.

Ich muss mich doch nochmal mehr mit Bootsy Collins, James Brown und Co beschäftigen. Mit George Clinton hatte ich es damals in den späten 80ern mal versucht – aber da war der Funke einfach nicht übergesprungen. Ich mag auch das „Mother Milk“ Album der Chili Peppers nicht so richtig – da ist auch erst beim Album danach der Funke übergesprungen. Von Bill Laswells Band „Material“ habe ich aber zwei Alben. 

Das Album wird auch nie langweilig – weil die Musik auch immer genug Abwechslung bietet – so auch „Boops here to go)“ – der auch ein kleiner Single-Hit war. Der Song ist sehr verspielt – und nochmal einen verstärkten Rap- und Dub-Einsatz.

Ganz großartiges und wirklich einzigartiges Album. Ein Album, das zeigt, dass man den Tanzflächen nSound der 70er & 80er auch sehr überwältigend, abwechslungsreich und ohne zu langweilen auf eine Albumlänge packen kann. So gemacht, wäre sicherlich der eine oder andere „Extended-Mix“ auch heute noch viel besser zu hören. (669)

Small Faces – Small Faces (1966)

Wie so viele Bands aus dieser Zeit, die sich musikalisch zwischen Rock´n´Roll und R&B bewegte, haben auch die Small Faces relativ wenige Alben heraus gebracht – aber deutliche Spuren damit hinterlassen – gerade weil sie genau wie zum Beispiel die „Yardbirds“ sich stetig weiter entwickelten und der Rockmusik auf die Sprünge halfen. 

Die Band bestand aus Steve Marriott (Sänger, Gitarrist, Songwriter), Ronnie Lane (Bass, Songwriter), Kenney Jones (Schlagzeug), Jimmy Winston (Keyboards).

„Shake“ von Sam Cooke eröffnet das Album und sofort hört man die Mischung aus Soul & Blues – der aber tatsächlich schon etwas sehr rockendes hat. Da steckt ziemlich viel Power in dem Song. Das ist dann schon mehr Stones als Beatles – obwohl mich die Stimme von Marriott mehr an die Beatles erinnert als an die Stones. 

Noch rockiger ist „Come On Children“ - da sind wir dann schon fast bei Led Zeppelin angekommen und da überrascht mich die Band dann tatsächlich mit. Hätte ich jetzt nicht so rockend erwartet. Bin beeindruckt. 

Also mit Rock´n´Roll hat die Musik wirklich wenig zu tun. Das ist Rock eindeutig und sehr schön gerockt bei „You better believe it“. Und auch da sind sie näher an Led Zeppelin dran als an den Bluesrock der Stones oder der Yardbirds. 

„it´s too late“ rockt wie eine gute The Who-Nummer. Und Marriott singt auch wie der Prototyp eines klassischen Rocksängers.

Aber gefühlvolle Nummern gibt es auch, die dann trotzdem aber auch immer etwas rocken: „One Night Stand“. Und da schleicht sich dann doch auch etwas Rock`n`Roll mit ein. Seltsamer weise erinnert mich da der Gesang an die viel später erst aktiven „Fine Young Cannibals“. 

Mitnehmender Soulrock: „What´cha gonna do about it“.Dies war auch die Debütsingle der Small Faces. In dem Stil geht es auch dann mit „Sorry She´s mine“ und da kommen sie den damaligen Hitsingles der Beatles sehr nah. Aber solche Singles waren sicherlich auch vom Plattenlabel gern gehört und herausgebracht. 

Herausragend gut gespielt von der gesamten Rhythmusgruppe: „Own Up Time“ - ist zwar recht kurz. Aber das Instrumentalstück ist schon ein super Highlight.

Blues-Rock: „You Need Loving“ und da macht Marriott einem Robert Plant einfach große Konkurrenz. Wow – was für eine Rockröhre. 

Bei Nummern wie „Don´t stop what you´re doing“ mischt sich dann wirklich schon etwas Psychodelic-Rock-Gelassenheit in den Rock mit hinein. 

Einfach guter Rock: „E to D“. Und damit ist es wirklich widerlegt, dass die „Small Faces“ wirklich nur eine Rhythm & Blues mit Rock`n`Roll Elementen Band ist – wie ich zuerst gedacht hatte – für mich ist das eine sehr gute Rockband. Das Album ist damit eine gelungene und sehr gute Überraschung für mich und ich habe wieder etwas dazu gelernt. 

Und mit „Sha-La-La-La-Lee“ geht die Platte dann doch noch mit mehr Rock`n`Roll-Vibe zu Ende. Das ist halt Single-Material.

The Smile – A Light for attracting Attention (2022)

Als Trio formieren sich die schon bei Radiohead zusammen spielenden Musiker Thome Yorke (Vocals, Bass, Guitar, Keys), Jonny Greenwood (Bass, Guitar, Keys) mit Tom Skinner (Drums) neu und erfinden sich als genreübergreifende Rockband ein bischen neu. Und das finde ich gut. Weil mich von den letzten Arbeiten von Yorke egal ob solo oder mit Radiohead nur noch „Hail to the Thief“ richtig begeistern konnte und ich den Elektro-ART-Rock-Stil der meisten späteren Songs irgendwann langweilig oder satt war (was sich aber jüngst geändert hat, wie Ihr später auf dieser Webseite noch lesen werdet) – es klang alles irgendwie gleich für mich. Da mochte ich dann am Ende eigentlich die zwei ersten eher Indie-Rock-Alben von Radiohead doch am allerliebsten, obwohl ich noch in den 2000er Jahren sicherlich einer der ganz großen Radiohead-Fans war – aber Zeit vergeht und Vorlieben ändern sich.
Da fand ich den Schritt zum eher rockenden Trio natürlich interessant und freute mich drauf.

Hör aber – weil schon lange nicht mehr gehört – auch mal die „Kid A“ und „Okay Computer“ bald nochmal neu – vielleicht mag ich das dann jetzt ja doch auch wieder mehr als gedacht. Mal hören. Aber erst – das Debüt von „The Smile“. 

Dabei machen „The Smile“ es Radiohead-Fans mit „The Same“ den Umstieg in das neue Projekt sehr einfach – weil es einfach wie ein Radiohead-Song von den letzten Alben klingt. Von Rock ist da noch nicht viel zu hören. Eher wieder elektronische Klänge und melancholisch gesungene Texte. Doch nichts neu bei Thome Yorke und Co? Oder ist der Song nur als langgezogenes Intro gedacht?
Hey! Bei Song-Nummer Zwei „The Opposite“ fühlt man sich ja direkt viel wohler – fast fühlt man sich in die frühen 2000er versetzt. Experimenteller Indie-Rock war da gerade in. Wer war dafür nochmal mitverantwortlich? Stimmt: Radiohead. Aber was soll es. „The Opposite“ ist das Beste, das ich seit langen von „Radiohead“ - Verzeihung – von den Musikern der Band gehört hab. Wer düsteren Indie-Art-Rock mag – mag den Song.
Rockgitarren dann auch zu genüge bei „You will never work on Televison again“ - und da bin ich ja ganz Fan – Yorke singt wie früher und der Rest ist gut gerockt – ich fang an das Album schon jetzt zu lieben. Ich hab „mein“ Radiohead zurück – auch wenn sie sich jetzt anders nennen und nur ein Trio sind. Endlich macht mir ihre Musik wieder Spaß. 
Es folgt dann aber mit „Pana-Vision“ eine deutliche Tempodrosselung, aber das Piano schafft es mit seinen Klängen, den Song besser zu machen – als er anfänglich klingt – aber ein wenig ist das dann doch wieder der Rückfall in den Art-Rock, der ein Stück zu viel Kunst ist und zu wenig Song. Das hat was – ist aber gegenüber „The Opposite“ kein Stück an das man sich lange erinnern wird, oder das die Rückbesinnung auf Spaß machenden Indierock wie „You will never work on Television again“ fördert. 
Genau so großartig wie „The Opposite“ ist „The Smoke“ direkt mit der Basssequenz am Anfang. Damit werde ich musikalisch direkt wieder etwas über 20 Jahre zurück versetzt als die Alben „Think Tank“ von Blur und eben „Hail the Thief“ von Radiohead mich begeisterten. Wer diese Alben liebt, wird die Musik von „The Smile“ lieben. Auf jeden Fall ist „The Smoke“ was ganz Gutes. 
Orgelklänge, sanfte Trommeln und es klingt schon fast wie bei Sigur Ros was dann mit dem Titel „Speech Bubles“ folgt, dann auch etwas an die Musik von Alt-j erinnert, die aber sicherlich sich bei ihren Sound was von Radiohead, Blur und anderen Indiebands abgeguckt haben. Aber auch so sanft, geben „The Smile“ eine gute Figur ab. 
Das ist schon richtig gut, was die machen – der etwas experimentelle Rock klappt gut: „Thin Thing“ - das ist mit Anspruch gemacht, und keinen Falls einfache Popmusik – nimmt mich aber mit den Rockrhythmen wieder richtig mit. Art-Rock, so wie er richtig gemacht ist. Das Gegenteil von zu viel Kunst im Song ist, wenn Du Dich in den Rhythmus des Songs verlieren und eintauchen kannst und dies ist bei „ThinThing“ absolut möglich. Und ich frag mich, warum ich da nicht beim Konzert im Köln letztes Jahr dabei war (manchmal bin ich doof). 
Wieder sanfter: „Open the Floodgates“. Und auch dieser sanfte Indie-Pop-Song, der dann auch was für Efterklang-Fans ist, ist sehr gelungen. Es gibt ja Leute, die das dann schon als Prog-Rock bezeichnen. „Free in Knowledge“ behält den sanften Ton bei und ladet schon fast ein wenig zum Träumen ein – Thom Yorke versucht so schön wie nur möglich zu singen – ein Traum – Yorke und Greenwood machen wirklich wieder Musik für mich – das ist auch ein Traum. So langsam wird die Platte aber wirklich ziemlich Retro – das hat schon viel vom Canterbury-Rock was man da bei „A Hairdryer“ zu hören kann (aber da haben sie auch schon gerne sich mit Radiohead bei einigen Songs bedient). Psychodelic-Rock here you come. Krautrock können sie auch: „Waving a white Flag“ (und kommt mir jetzt nicht wieder damit, dass die keine Deutschen sind und deshalb auch keinen Krautrock machen können – „von deutschen Elektro- & Rockbands der 70er geprägte Musik“ klingt doch auch blöd.
Nochmal richtig gut – weil der Rhythmus einen sofort mitzieht: „We don´t know what Tomorrow brings“. Nochmal wieder sanfter, aber nicht schlechter, das letzte Stück der Platte: „Skrting on the Surfache“. 

Das hat viel Spaß gemacht und ist der von mir erhoffte Wandel. „Radiohead“ war mal gut, „The Smile“ ist grade besser. Und gut ist das es schon eine Live-CD und zwei weitere Platten gibt – da fällt ein Lächeln am Ende der Platte nicht schwer. (486)

The Smiths – The Smiths (1984)

Anti-Aggressive Indie Musik bieten die Smiths und mit Morrisey haben diese einen Sänger, der mit dem Werkzeug eines Rock´n´Rollers seine Texte meist ruhig und betont in die Songs einbringt (er kann aber auch anders, wie er bei „Miserable Lie“ beweist). Der Rest der Band besteht aus Johnny Marr an der Gitarre, Andy Rourke am Bass und Mike Joyce an den Drums. Gerade mit dem Verzicht auf elektronische Elemente in ihrer Musik erzeugen sie einen hohen Wiedererkennungswert – aber auch durch die Stimme von Morrisey (manche sind von seiner Art des Singens ja auch schwer genervt). Ein Song wie „You´ve got everything now“ - mit New Wave-Bass – lässt auch schnell keinen Zweifel aufkommen, dass es sich um eine englische Band handelt, außerdem nehmen auch die Texte von Morrisey ja gerne Bezug auf vergangene und aktuelle Zustände und Begebenheiten in seinem Heimatland (leider konnte er später auch als Privatmensch da seine Meinung zu nicht immer außen vor lassen und fiel mit so mancher Bemerkung – gerade was dem Zuzug von Flüchtlingen und Immigranten anbelangt – unangenehm auf – seine Machenschaften als radikaler Veganer sind mir da ja schon fast egal oder gleichgültig – ist dann seine Sache, dass er nicht in ehemaligen Schlachthäusern auftreten will). „Miserable Lie“ hat sogar das Zeug zur Punk-Nummer (hatte ich da was von Anti-Aggressiv geschrieben?) - aber eine akustische. Damit beweisen die Smith aber auch Abwechslungsreichtum. Auch wenn jetzt nicht alles was sie machen, bei mir gleich gut ankommt. Die Aufgaben in der Band sind auch klar verteilt – Morrisey = Text, Johnny Marr = Music. Tatsächlich ist der Abwechslungsreichtum in der Musik ein großes Plus beim Hören der Platte und „Pretty Girls make Graves“ finde ich richtig gut. Da ist auch viel drin musikalisch was ich an Alternativ/Indie-Musik gut finde. Bei „The Hand that Rocks the Cradle“ hört man zum ersten Mal was ich an der Musik von Johnny Marr so mag – dieses sanfte melodiöse, mit Indiecharme – das er später mit Songs wie „Panic“ und „Girlfriend in a Coma“ perfektioniert hat. Das Liebe ich und deshalb werde ich auch die Smiths (trotz privater Aussetzer von Morrisey) immer in meiner Playlist haben. „Still ill“ erinnert wiederum ein wenig an den ruhigen amerikanischen Alternativsound von R.E.M. Ein wenig zu euphorisch ist mir „This Charming Man“ geraten. „Hand in Glove“ ist da wieder mehr mein Ding – liegt wohl am Post-Punk-Bass. „What Difference does it Make?“ hat sogar richtig Rockmusik-Charakter – überzeugt aber damit nicht richtig. Da ist mir das sanfte „I don´t owe you anything“ doch viel lieber. Bei „Suffer Little Children“ nutzt Morrisey einer reale Mordserie als Hintergrund für das Lied – was ihm aber Ärger mit den Hinterbliebenen einbrachte. Der Song überzeugt eigentlich. 
Vor allem bieten die Smith musikalisch einiges von dem auch heute noch Indiebands profitieren. (210)

The Smiths - The World won´t Listen (1987)

Das Vinyl stammt aus einer 3er-LP-Edition, in der das erste Smith-Album, dieses Album und noch ein Album drinne war. Sowohl das Cover, als auch die dritte Platte sind mir irgendwie (unerklärlich) abhanden gekommen. Das Album selbst ist eine Sammlung von Single A-Seiten (viele davon auf der ersten Plattenseite) und Single-B-Seiten (viele davon auf der zweiten Plattenseite).

Und es finden sich direkt zu Anfang zwei meiner Lieblingssongs der Band auf der A-Seite. Denn es fängt an mit „Panik“ gefolgt von „Ask“ an. Damit gleich zwei meiner ersten Indie-Songs auf die ich gerne früher getanzt hab (bei mir ging das mit dem Discobesuchen so 1987-88 los). 
Zur Kontroverse um Sänger Morrissay hab ich schon an andere Stelle was geschrieben und wiederhole, dass jetzt nicht mehr. Hier geht’s um The Smiths (und um die Zeit bevor Morrissay etwas bedenkliche Ansichten über Einwanderer entwickelte oder behauptete).

Ja, sie funktionieren noch. „Panik“ hat zwar mittlerweile bisschen was mit seinem Rock´n`Roll-Appeal an Coolness eingebüßt, aber der „Hang the DJ-Part macht immer noch viel Freude. „Ask“ klappt einfach immer, weil der auch musikalisch durch die Gitarrenarbeit von Johnny Marr einfach wunderbar ist und ein Song für die Ewigkeit (leider kann man dass nicht vom Zustand des Vinyls behaupten, auf dem sich der Song da jetzt gerade befindet. Das hat wohl auch etwas geleidet (ich weiß aber wirklich nicht mehr, was mit dieser 3er-Sammlung mal schreckliches passiert ist (die erste Platte, der Sammlung klang eigentlich noch ganz gut). 
Beim Stück „London“ versuchen die Smiths wirklich mal den Punkrock auszuprobieren. Recht wuchtig. Die Songs sind beeindruckend kurz (nach dem ich gestern ein 78 Minuten Drone-Stück vorzeitig abgebrochen habe (davon mal an anderer Stelle was), erfreut mich das.
Auch ein immer guter Song: „Bigmouth strikes again“. Der Song definiert auf jeden Fall das Britt-Pop-Genre mit. 
Nach dem Song „Shakespear´s Sister“ hat sich ja sogar ein prominentes Musik-Duo benannt. Dabei ist mir diese Indie-Nummer ein wenig zu ungestüm geraten und kann mich nicht wirklich überzeugen. Dafür wieder sehr schön: „There is a Light that never goes out“ - ganz großartig. Die hatten schon echt viele gute Song gemacht. „Shoplifters of the World unite“ auch ganz schön – genau wie „The Boy with the Thorn in his Side“. Beides nette Indie-Pop-Nummern. 

Nach so viel bekannten Nummern wird es mit den B-Seiten-Material eher unbekanntere und selten gespielte Nummern zu hören und entdecken geben. 
„Asleep“ ist eine feine ruhige Nummer. Auch nicht schnell, aber auch feine Nummer: „Unloveable“. Die Downtempo-Nummern haben echt was, so auch: „Half a Person“. Nur Schönes, auch so: „Stretch out and wait“. 
„The Joke isn´t funny anymore“ - Single-A-Mix und ein verträumter Dream-Pop-Song. Wieder eine ganz feine B-Seiten-Nummer mit Klaviereinsatz: „Oscillate Wildly“. - die instrumental ist. Doch noch eine bekanntere Nummer folgt: „You haven´t earned it yet, Baby“. Der Song war wohl als Single vorgesehen, aber dann doch nicht veröffentlicht als solche worden. Den Abschluss macht „Rubber Ring“ und da kann ich nur schreiben, das das ganze B-Seiten-Material mich sehr begeistert hat. Damit ist dies Veröffentlichung eine sehr gute The Smiths-Songsammlung. Wer nicht alles von denen braucht, aber ein paar ihrer Klassiker und weitere gute Songs haben möchte ist damit sehr gut bedient. Und die B-Seite hat eine beachtliche Lauflänge von 29 Minuten. (371)

Steven R. Smith – Spring (2022/Vinyl)

Steven R. Smith ist Multiinstrumentalist, der meist alle Instrumente selber spielt. Er schenkt dem Hörer zusammen mit Gareth Davis an der Klarinette den Soundtrack zu einem Film, den der Hörer sich selbst ausgestalten kann. Die Wurzeln stecken hierbei im amerikanischen Westen.

Hier sieht man vor dem inneren Auge, erweckt durch die Musik, Reiter, die einen engen Bergpass entlangziehen oder Autos, die durch eine nichtbevölkerte Gegend fahren.
Es könnten aber auch einfach nur Landschaften oder die Gezeiten sein, die an dem Hörer vorbei ziehen. Gute Musik (und gerade bei 
instrumentaler Musik) ist auch dazu da eigenes Kopfkino zu erzeugen und dazu bieten sich diese Lieder grandios an. (2)

The Soft Boys – Underwater Moonlight (1980/ReRelease 2001/PromoCD)

Hauptakteur Robyn Hitchcock ist ja immer noch fleißig Musik am machen, seine Band „The Soft Boys“ hatte da ein kürzeres Leben. Es gab zwei Alben, dies ist das zweite und dann noch nach längerer Trennung ein kurzes Revival mit einer dritten Platte (2003).
Als die Platte herauskam, war sie relativ erfolglos, erspielte sich aber in den Folgejahren einen gewissen Ruf und gilt als Klassiker des Neo-Psychodelic-Rock und der Einfluss der Platte wäre gerade bei amerikanischen Alternativbands zu hören. Für mich sind da einfach richtig gute Rocksongs dabei, die eben etwas nach Greatful Dead, Byrds, Beach Boys klingen. „Positive Vibration“ hätte eigentlich das Zeug gehabt ein Single-Hit zu sein – ist mir aber schon fast wieder zu fröhlich. Ich mag da eher die Rockstücke wie „I got the Hots“ und „Old Pervert“. Bei „Isanely Jealous“ spürt man wirklich, das da sich The Stone Roses und The Pixies was abgeschaut haben und das trifft auch auf „Tonight“ zu. Das Titelstück „Underwater Moonlight“ ist das Paradestück dafür, warum dieses Album beschrieben wird, als hätte sich Syd Barrett bei den Byrds eingeschlichen. Ich will jetzt aber mal nicht auf jeden der neunzehn Songs einzeln eingehen. Fazit: ein wirklich spannendes Rockalbum mit genug Tempo und Richtungswechseln um gut zu unterhalten. Leider als physikalischer Musikträger gerade sehr schwer zu bekommen, aber über „Bandcamp“ wäre ein Download zu haben, mit nochmal zwanzig Stücken mehr drauf. Erhellende Geschichtsstunde in Sachen Rockmusik und mit Robyn Hitchcock muss ich mich nochmal mehr befassen.

Soft Machine – The Soft Machine (Volume One & Volume Two) (1968/1969)

Soft Machine sind eine der wichtigsten Formationen des Canterbury Sounds und bewegen sich auf dieser ersten Platte zwischen psychodelischer Rockmusik, Progrock, Proto-Rock und Jazz. Wer frühen 60er/70er Jahre Rock mag, wird an dieser Platte sicherlich gefallen finden. Viele Instrumentalteile lassen das Album stetig spannend bleiben, da gibt es Fusion-Rock, Psychodelic-Rock gepaart mit manchen sanften Folkklängen zu hören. Das bis heute bekannteste Mitglied der Band, deren Besetzung sich ständig änderte, war Robert Wyatt (Gesang, Schlagzeug). 

„Hope of Happiness“ klingt mit seinem psychodelischen Folk am Anfang sehr aktuell, doch dann kommt ein typischer 60er Jahre Rock Sound dazu. Das wieder ruhigere und instrumentale „Joy of a Toy“ gefällt mir sehr gut – da merke ich auch wieder, dass musikalisch zwischen Psychodelic, Prog- und Krautrock es für mich weiterhin das alles eigentlich ein und das selbe ist – eigentlich machen da die Musiker (egal welches Herkunftsland sie entstammen) die gleiche Art von Musik – die einen halt etwas früher als die anderen – aber vom Soundergebnis ist es doch sehr sehr ähnlich). Das „Hope for Hapiness“ Thema wird dann noch mal wiederholt. Gefolgt von dem progressiven Beatrockstück „Why am I so short?“.Das leider viel zu kurz geraten ist. 
Bei Soft Machine ist es glaube ich wirklich der Mix aus Psychodelischen Rock und Progressiven Rock der den Sound der Platte und Band zu Anfang bestimmt hat. „So boot if at all“ ist ein gutes Beispiel dafür. Die Songs greifen alle ineinander über und so geht es ohne Pause weiter: Sanfter Rocksong: „A Certain Kind“ (beendet die erste Plattenseite). 
Schwungvoller mit dem Song „Save Yourself“ startet die zweite Plattenseite (hat fast was von einem Jimi Hendrix-Song). Das Zwischenspiel „Pricilla“ ist nur ein verlängertes Ende des Songs. Auch „Lullabye Letter“ setzt den für diese Zeit typischen Rocksound fort. Und auch mit Rocksound „We did it Again“. Kurzes Zwischenspiel: „Plus Belle Qu´Une Poubelle“. Den Rockton der zweiten Seite setzt dann „Why are we Sleeping?“ fort. Ausklang mit „Box 25/4 LID“. 

Sehr gutes Rockalbum aus den späten 60er Jahre. Eigentlich nur zum Durchhören gedacht, da die Stücke einfach zusammen eine Einheit bilden.

Auf der Neuveröffentlichung auf CD befindet sich auch das zweite Album der Band. Das dann auch gleich mitgehört wird.

Aus zehn Einzelstücken setzt sich die erste Seite unter den zusammengefassten Titel „Rivmic Melodies“ zusammen. Die Arbeiten fanden nach der ersten Bandumsetzung statt und so klingt der Sound von „Volume Two“ auch anders – der typische einfache Rocksound der Endsechziger, der die zweite Seite des ersten Albums bestimmte ist beim zweiten Album fast verschwunden und das Klavier wird bei diesem Album vom Keyboarder Mike Rethlidge auch mehr benutzt als die Keyboards. 
Der psychodelische Rockansatz bleibt erhalten, auch der Rocksound, doch wird der Progrock noch verstärkt und Fusion und Jazz erhalten größere Anteile. Der Sound wird dadurch noch komplexer und die Rocksongs und Gesangsparts werden weniger. Mir gefällt diese Mischung aber recht gut und ich mag das mehr als die immer etwas zu verkopft klingenden langen Stücke so mancher bekanntere Prog-Rockband. Das liegt wohl auch daran, dass die Mischung und das umschwenken im Ton und Sound von Einzelteil zu Einzelteil für ausreichend Abwechslung beim Hören sorgt. Das Soft Machine auch einen sehr kräftigen und guten Sound haben, der recht ausufernd erscheint – trägt auch seinen Teil zum Hörgenus bei. Und so setzen sie viele kleine abwechslungsreiche Prog-Psych-Jazz-Rock-Teile zu einer sehr guten Platte zusammen – auch wenn sie es manchmal mit der Verspieltheit ihrer Stücke übertreiben – da gibt es dann doch Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Songpassagen und ab und an kann da auch das Hören etwas gegen Ende der Platte anstrengend werden. Aber der Spaß beim Hören geht dadurch eigentlich nicht verloren. (404)

The Soft Pink Truth – Shall we Go on sinning so that Grace may Increase? (2020)

Hinter „The Soft Pink Truht“ steckt eine Hälfte des Duos „Matmos“. Drew Daniel weckt erst einmal mit „Shall“ fast klassische Anmut mit einem Chamber/Drone-Mix. Ohne anscheinenden Zusammenhang fängt dann ein sanfter Elektronik-Song an: „We“, der erst nach einiger Zeit einen Beat bekommt und dann doch auch besser funktioniert, auch der noch folgende Einsatz von Gesang ohne Wörter verbessert das Stück weiter. 
Ambient-Klänge und Rauschen: „Go“. Minimal-Electronica: „On“ - aber recht schön gelungen. Seltsam finde ich nur, dass die Stücke im Übergang so gar nicht zusammenpassen – obwohl die Stücke schon im Gesamten eine Einheit zu bilden scheinen. Schon die Songtitel setzen sich ja aus dem einzelnen Wörtern des Albumtitels zusammen. 

Die „Sünde“ scheint in „Sinning“ auch eher eine sanfte zu sein – da vermischt sich dann Drone mit Electronica – aber funktioniert eher wieder als Klangteppich oder Soundtrack und weniger als Song – Musik als Kunst – nenne ich sowas und finde es nicht schlimm – aber meist finde ich es auf Dauer anstrengend oder unglaublich schwer zu hören – zweites trifft auf jeden Fall nicht zu, da „Sinning“ nach hinten raus noch ziemlich an Temperament dazu gewinnt. 

Auch die Anfangsklänge von „So“ lässt vermuten, dass die Mischung aus Ambient/Drone/Electronica die Genre beschreiben, in dem sich das Album bewegt. Electronica mag ich gern – bei Ambient und Drone wird mir eher schnell langweilig – da ich aber die Stimmung des Albums – die ich als sehr positiv bewerte – mag, lasse ich mir das gefallen – weiß aber nicht, ob ich das Album auch öfters hören werde/würde – da reicht mir glaub ich ein Hören als einmalige Erfahrung vollkommen aus – und das ist auch ein Grund warum ich Streaming gar nicht so schlimm finde, weil ich da Alben entdecken kann, wenn sie mir aber nicht unbedingt gefallen oder einfach ein einmaliges Hörerlebnis reicht – dann bin ich froh es nicht gekauft und Zuhause zu haben. Gleiches gilt bei Filmen und Serien – so manche Serienbox und Filme, die ich im Regal stehen hab – fängt eigentlich nur Staub – weil sie einfach zu wenig genutzt werden. Manchmal gibt es halt kein zweites Mal und dies ist ja auch der Grund warum es die Hörerlebnisse von mir gibt – weil ich mir ja vorgenommen habe – wenigstens mal alle CD/LPs wenigstens noch einmal im Leben gehört zu haben und dann gegebenenfalls auch einige dabei auszusortieren. Tatsächlich haben dadurch aber auch die Neuanschaffungen neuen Platz gefordert, da mich meistens das Hören von einem Album zum Hören von noch fehlenden Alben führt – es ist eine wohl endlose Geschichte......ich komme vom Thema ab – aber der Song „Go“ läuft auch noch immer und ist eigentlich ganz schön. Hab aber nicht recht aufgepasst und „So“ ist dann doch mal ganz geschmeidig in das Stück „That“ übergegangen. Mal kein holpriger Songübergang. 

Und auch „Grace“ schließt sich an – da nimmt nun der Ambient/Electronica-Mix, dann doch einen größeren Teil ein, als der Drone-Part, was ich sehr begrüße. Und da sich auch bei „May Increase“ nicht mehr viel ändert – könnte man die zweite Hälfte der Platte als ein Stück werten – verträumte Ambient-Musik. 

Was für Ambient und Electronica-Freunde – die nicht von Beats zu oft mitgerissen werden wollen.

Soft Cell - Non-Stop Erotic Cabaret (1981)

Recht flotte Elektro-Nummer und mehr im New Wave-Bereich als im Pop-Bereich: „Frustration“. Die Nummer macht Laune. Und ich merke gerade, dass ich Visage und Soft Cell ein wenig als ein und die selbe Band verortet hatte und weil mir das erste Visage-Album nicht gefallen hatte, war ich auch von der Aussicht dieses Album zu hören eher abgeschreckt – bei mir sind Visage mit „Fade to Gray“ und Soft Cell mit „Tainted Love“ aber auch als ewige One-Hit-Wonder abgestempelt. Und genau das großartige „Tainted Love“ folgt dann auch. Song für die Ewigkeit – keine Frage. Und am liebsten als lange Version im Mix mit „Where Did our Love go?“. 

Und das Album ist dann wohl auch der Beweis – mit einem Drumcomputer, einem Synth-Klavier und einem Bass-Syntheseizer und Gesang kann man ordentlichen Minimal-Pop machen und auch „Seedy Films“, bei dem dann noch ein Blasinstrument den Sound ergänzt, ist eine sehr schöne Nummer. Bin grade vom Album sehr positiv überrascht. 

„Youth“ hat sicherlich unzählige Düster-Popper zum Nachahmern gebracht und „Sex Dwarf“ bietet die Vorlage für die Electronic-Body-Music. Damit ist die erste Seite ein richtiger Volltreffer. 

„Entertain me“ ist dann doch etwas zu euphorisch geraten – das ist dann doch etwas zu viel Lebensfreude und auch kein guter Song.

„Chips on my Shoulder“ ist auch eher Disco-Pop und auch damit bekommen sie mich nicht richtig. Aber die Nicht-Heteros, Diverse und wir Ihr Schätzchen alle genannt werden wollt, werden es alle abfeiern – und zwar ohne Ende. Let´s Party! Denn als Party-Song funktioniert die Nummer bestens. 

Als Synth-Pop mag ich da „Babysitter“ wieder viel mehr, als die zwei Stücke zuvor. „Secret Life“ ist auch nicht ganz meins. Ist einfach von der Soundsauswahl ein wenig “zu-viel“ geraten. 

Das Originalalbum endet mit dem süßen „Say Hello, Wave Goodbye“ - klingt fast wie eine OMD-Nummer. Sehr schön.

Richtig gutes frühes Synth-Pop-Album. Ein Wegbereiter noch dazu.

Sølyst – Spring (2021)

Das vierte Solowerk vom Kreidler Schlagzeuger Thomas Klein. „Sheroes“ finde ich direkt gut. Das ist elektronische Musik wie ich sie mag. Klingt noch im Ansatz wie die klassische Synthesizermusik von Tangerine Dream und Kraftwerk, aber mit Sounds aus der Gegenwart gemischt. Bei „Flex“ und vielen anderen Stücken der CD hört man den Schlagzeuger heraus, weil der Song aus Drumschlägen, der verschiedensten Art besteht, die dann noch elektronisch verzerrt und gedehnt und zu neuen Sounds gemacht werden. Das Schöne ist an der elektronischen Musik von Thomas Klein, dass sie nicht langweilt, es passiert genug um das Interesse an den Songs hoch zu halten und es entsteht so bei „Thief“ ein Soundtrack für einen spannenden Kopfkinofilm. Auch bei „Flush“ sind es mehr Töne, als eine Melodie – die den Song füllen – aber spannend bleibt auch das. Bei „Hold“ wird der Klangteppich noch bedrohlicher – doch löst sich daraus dann doch mal wieder ein echter Song mit Melodie und so wird „Hold“ nach „Sheroes“ zum zweiten Glanzstück der CD. Bei „Atlas“ machen die verfremdeten Schlagzeugschläge den eigentlich sehr eintönigen Song zu etwas durchaus Beeindruckendes. Das längste Stück ist „Spiral“ bei dem wieder ein Klangteppich aus verschiedenen Rhythmen gesponnen wird, der plötzlich durch einen wirklich guten spannenden Elektro-Song ersetzt wird – der ist zwar auch nicht sehr Abwechslungsreich, klingt aber super. Der titelgebende Song „Früling“ klingt bei Sølyst auch anders als bei anderen Musikern. Statt ein Erwachen, von Natur und dem Heraufbeschwören von Wiedergeburt hört sich „Spring“ hier eher wie die Abspannmusik von einem „SF-Thriller“ an. Auch gut. Ende. Und da ich „gute“ elektronische Musik immer noch als etwas bezeichne, dass sich nicht so einfach finden lässt – ein guter Neuzugang in der Sammlung. 

Someday Jacob – It might take a While (2015) 

Somday Jacob kommen aus dem Umfeld von Bremen – Songschreiber/Gitarrist Jörn Schlüter, Uli Kringer an der Gitarre, Martin Denzin am Schlagzeug und Manuel Steinhoff hatten mich durch das Hören eines Songs auf einem Sampler zum Kauf gleich zwei ihrer CDs verführt. Bevor ich diese hören konnte traten sie vor zwei Wochen in Duisburg im Steinbruch auf und da wurde ich ein Fan der Band. Ganz tolles Songwriting, ganz toll gespielt – wahnsinnig gutes Konzert – sie spielten dort nach US-70er Jahre Rock klingende Songs, die obwohl nach Vergangenheit klingen, in der Gegenwart glänzen. Nach dem Konzert direkt versucht noch die restlichen Veröffentlichungen zu bekommen – ihr Erstling „Morning comes“ war aber nur als Download zu kriegen – da spielen sie feinen sanften Indie-Folk-Rock Songs. 
Bei Haldern Pop haben sie dann „It might take a While“ veröffentlicht. Direkt „Daily Bread“ hat dieses feine Folk-Rockfeeling wie man es in den 70ern von Fleetwood Mac, Crosby, Stills and Nash, Neil Young und anderen kannte, nur das es vielleicht ein wenig sanfter klingt, wenigstens solange bis im Song richtig an den E-Gitarren gearbeitet wird. Aber dieses Feeling von Rock, Weite, Amerika, Folk breitet sich direkt mit diesem Song schön aus. Das ist nicht gekonnt nachgemacht, sondern gekonnt weitergesponnen und selbstgemacht und das mit Herz und Seele. 
Dieses Rezept wird dann auch einfach beibehalten – weil es auch so richtig gut funktioniert. Dabei gefällt mir die Musik sogar, und das möge man mir verzeihen, bei Someday Jacob teilweise noch besser als bei denen auf dessen Spuren sie so gekonnt wandern. Die machen einfach gute Musik daraus. So funktioniert der Song „Trade it all in“ auch richtig gut. So mancher Rockfan mag dann einen Song wie „Between me and you“ etwas weichgespült finden, aber schon die Stimme von Jörn Schlüter ist halt einfach eher geschaffen für zarte, sanfte Momente. Eine röhrende Rockfrontsau wird er nicht werden – eher kommt er wie der nette bodenständige Songschreiber und wie bei „Useless Light“ als Poet daher. „The Sun the Moon and the Stars“ erinnert an einen Song von Calexico und bleibt mit seinem Refrain lange in Erinnerung. Den Vergleich mit Neil Young müssen Someday Jacob ertragen, da so mancher Song an diesen erinnert, so auch „Glory Boys“. „Room with a View“ ist ein sanfter Song. Durch dieses 70er Rock-Feeling, das auch bei „Home Run“ großartig neu verarbeitet wird, unterscheiden sich die Musik von Someday Jacob auch angenehm von aktuellen anderen Folk-Rock-Bands und Singer/Songwritern sehr angenehm, die eher versuchen den Bon Iver/Mumford and Sons–Sound zutreffen.
Der wunderschöne Song „Rain“ haben Someday Jacob auf diesen Album nochmal neu veröffentlicht (der war auch schon in einer kürzeren Version auf „Morning Comes“ drauf). Ein ganz tolles Lied – ein sofortiger neuer Lieblingsong, den ich nicht mehr missen will. 
„Long distance call“ - ganz süßer und herziger Folk-Song. Mit solchen Songs wird man als Hörer und Livepublikum eingefangen und wie gut ist das. 
„All you weary Heats“ - okay das klingt dann doch etwas mehr nach Mumford and Suns“ beendet dieses Album, das ich immer wieder sehr sehr gerne hören werde und zwei weitere Alben sind auf dieses noch gefolgt und darauf freue ich mich jetzt auch schon wieder sehr. (332)

Sorry – Anywehre but here (2022)

Sorry besteht als WritingDuo aus Asha Lorenz und Louis O´Bryen, treten Live aber als fünfköpfige Band auf. Indiersound mit einem schönen Hang zum SongwriterArtrock, klug gebaute Songs, die einen mitnehmen, nicht unterfordern und sehr gut produziert sind.

Ab Song Nummer drei „Key To The City“ bin ich Fan und möchte das mal als Konzert erleben (was leider eine eher enttäuschende Erfahrung war, das die Stimme der Sängerin mit der auf der CD nicht viel zu tun hatte – da braucht es noch etwas Training – gut war aber das ich dadurch die herausragende Neo-Grunge-Band „A Void“ kennenlernte, die als Vorband auftrat). Auch gefällt die Bandbreite, die Songs haben alle ein Eigenleben und so entfacht sich eine Wundertüte aus guten Songs. (69)

Soul Cauching – Ruby Vroom (1994)

Die Musik von Frontmann Mike Doughty hatte ich erst nach dem Ende von Soul Cauching kennengelernt und wusste bisher auch nicht, dass er der Frontmann von Soul Cauching war (Musik hat immer neue Geschichten zu erzählen). So klingt jetzt das Hören des ersten Albums von Soul Cauching gar nicht so – als ob ich was Neues hören würde – denn ganz anderes wie das hier klingen die Solostücke, die ich von Mike Doughty kenne, auch nicht. Es fällt aber bei den ersten beiden Stücken „Is Chicago, is not Chicago“ und „Sugar Free Jazz“ auf, dass sie einem ausgeprägten jazzigen und souligen Grundrhythmus unterliegen, den ich so bisher eher von G. Love and Special Sauce kenne und genau so klingt, dann auch das nächste Stück: „Casiotone“. Der Unterschied zu G. Love and Special Sauce ist, dass die Songs von Soul Cauching etwas düsterer wirken. Dieser Alternativ-Rock-Jazz ist zwar von Klang und Sound sehr interessant – weil nicht zu oft von Bands benutzt – aber auf jeden Song der Platte übertragen, wird es, genau wie bei den genannten G. Love and Special Sauce, nach ein paar Songs etwas langweilig. Die Band müsste live super funktioniert haben – aber so in der Masse der Songs, und es sind auf dem Debüt vierzehn Stück – klingen die Songs einfach nicht abwechslungsreich genug um über die Lauflänge der Platte das Interesse des Hörers hoch zu halten. Als Einzelstück funktioniert ein Stück wie „Blueeyed Devil“ aber super. Wild und ungestüm, aber auch anstrengend ist „Bus to Beelzebub“ - so hört sich dann wohl Beat-Poetry in den 90er an. Angangs ein ruhiges Stück: „True Dreams of Wichita“. Der jazzige Untergrund von „Screenwriters Blues“ ist verdammt großartig und dieser Sound erinnert auch an Elektro-Acts wie Nightmare on Wax. Wieder popiger ist „Moon Sammy“. Bei „Supra Genius“ wird das Durchhören der Platte wieder anstrengend, da sich doch die schon erwähnte Ermüdung beim Hörer durch zu wenig Abwechslung wieder breit macht. Schlecht sind die Songs ja wirklich nicht – aber aneinandergereiht wird es schon anstrengend. „City of Motors“ beweist aber – wie ausgefeilt der Sound und die Produktion für ein Debüt ist – die Platte klingt richtig gut. Wie geschrieben – ähnliches schon zu genüge auf dieser Platte gehört: „Uh, Zoom Zip“, „Down to this“, Weil wieder etwas experimentierfreudiger ist „Mr. Bitterness“ mit seinen vorantreibenden Drums nochmal etwas interessanter. Und „Janine“ ist mit zurückhaltender Süße ein feiner Abschluss.
Ein paar Songs weniger hätten die Platte besser gestanden. Mir fällt auf, dass für eine gute Platte auch einfach 8 Songs vollkommen ausreichend sind. (227)

Southside Johnny & The Ashbury Jukes – Hearts of Stone (1978)

Ein echter musikalischer „Kollege“ von Bruce Springsteen ist Southside Johnny und mit recht viel Schwung startet sein Album in den gleichen Gefilden wie die des Bosses. „Got to be a better Way home“ = Party Heartlandrock. Wer die Songs von Springsteen mag, wird auch auf jeden Fall „This Time Baby´s gone for good“ mögen, weil es wie ein Springsteen-Song klingt. Drei Stücke des Album hat auch der Boss geschrieben, dieses aber nicht. Für den Rest der Songs ist als Komponist, genauso wie auch als Produzent „Little“ Steven van Zandt verantwortlich, der auch als Mitmusiker bei der Platte mitgeholfen hat – der ja auch ein fester Springsteen Sidekick ist. 
„I played the Fool“ finde ich sehr nett, könnte auch eine Elvis Costello-Nummer sein. Schöne Blues-Ballade: „Hearts of Stone“ (und das ist ein Springsteen Song). Costello und Springsteen hatte ich vor diesem Album nie wirklich zusammengebracht – aber genau so fühlt sich das Album witziger Weise an. Song, die alle Spaß machen – denen es vielleicht ein wenig an Ecken, Kanten fehlt – aber nur ein wenig. Spaß macht auf jeden Fall auch „Take it inside“. 
Mit ein wenig Rock´n`Roll und mehr Bläsereinsatz: „Talk to me“. Richtig gut: „I played the Fool“. Auch wirklich gut: „Trapped Again“ - ganz klare Empfehlung an anderen Hörern, die wie ich Southside Johnny erst Jahre nach Springsteen entdecken – auch an jene, die die Musik der genialen Springsteen Live-Box (1975 -1985) so mögen – das ist genau die gleiche Art von Mucke. Zum Abschluss noch eine Ballade, die wieder diesen gemeinsamen Costello/Springsteen-Charme hat: „Light don´t shine“. (466)

Spaceman Spiff – Bodenangst (2008)

Vorsicht dieser Text ist die reine Lobhudelei! Hannes Wittmer ist sicherlich ein ganz Netter, der sich seine Sache nicht gerade immer leicht macht. Vor ein paar Jahren hatte er den Plan aus dem normalen Musikeralltag auszusteigen und sich auf eine ganz persönliche, aber finanziell sicherlich nicht abgesicherte Weise neuzuerfinden. Seine Konzerte liefen auf „Pay what you want“-Basis und seine Songs gab es als freien Download oder in Kleinstauflage auf Vinyl zum fairen Preis – verdient hat er an den Vinyls sicher nichts. Aber bevor er unter eigenen Namen Musik heraus brachte, gab es eine längere Zeit in der er als Spaceman Spiff unterwegs war. Seine erste Platte nahm er fast in einem Durchgang alleine, nur von der eigenen Gitarre begleitet auf. Rauhe Form, die aber seinen Texten und seiner Musik sehr gut tut. Das ist Intimität, die einen direkt packt und bei späteren Konzerten wird er meist noch vom Cello der wunderbaren Clara Jochum begleitet – mit der er auch den Theaterpreis Hambug gewonnen hat, denn auch für die Bühn schreibt er Musik und versuchte sich auch als OTAGO mit elektronischer Musik. 
Aber nun mal was zum Album „Bodenangst“. Wer Wittmer nicht kannte, aber einen Gisbert zu Knyphausen, der wird bei der Musik sagen – klingt wie Knyphausen vom Ausdruck her, stimmt – aber bei Hannes Wittmer klingt das Gesungene herzlicher, gutmütiger, manchmal auch melancholischer – so wie das Leben halt spielt und es klingt sanfter als bei Knyphausen oder irgendeinen anderen deutschsprachigen Singer/Songwriter – hört mal „Melancholie und ich“ (kann man auch legal und umsonst machen – auf der Seite des Künstlers und seines (also nicht seines – nur da wo seine Sachen veröffentlicht werden) Labels (Mairisch Verlag) – oder Ihr spendet etwas Geld und bezahlt ein paar Euro für die Platte über seine Bandcamp-Seite). Schlaue Texte – zu schlau als dass man einen Refrain behält – dabei sehr schön und die einfache eigene Gitarrenbegleitung sorgt für die erwähnte Intimität. Was will man mehr. Eine Spaceman Spiff oder Hannes Wittmer Platte – ist es immer Wert gehöhrt zu werden. Der Sanftmut der Musik lässt ihm aber auch irgendwie trotzdem nie nach Schlager oder Reinhard May klingen – er hat schon was, dass die Germanistikstudentinen von Gestern und Heute lieben. Eben viel zu schlaue komponierte Texte, vielleicht ist das ja sein Fehler, dass er nicht seicht sein kann und selbst wenn er dies versucht, wenn er Texte anderer singt – auch dann klingt das wunderschön und nicht blöd wie Schlagermusik – hört Euch mal „Volkslied“ von der Platte „Das große Spektakel“ nur an. (187)

Spaceman Spiff - ….und im Fenster immer noch weiter (2011)

Das ist das zweite Album von Hannes Wittmer, das er noch als Spaceman Spiff herausgebracht hat. Geholfen haben ihm dabei Felix Weigt (Bass), Jonny König (Schlagzeug), Anne DeWolff (Streichinstrumente). 

Schöner akustischer Sound, zu wunderbar aneinandergereihten Worte und dies mit viel Gefühl vorgetragen und es hat auch einen feinen Indie-Pop-Charme und so funktionieren die Songs von Spaceman Spiff und direkt am Anfang dieser CD der Song „Strassen“ ganz ganz toll. Und wer hat schon Textpassagen wie „Ich allein gegen die Ampelmänchen“? 
Singer-Songwriter-Song „Treibsand“ folgt. Eine Ode an die Stadt: „Hamburg“. Ein Song für den Neuen in der Stadt, der merkt dass Freiheit auch „allein sein“ bedeutet. Für die schönen sanften Momente im Leben macht Hannes Wittmer immer wieder ganz tolle Songs und einer davon ist „Zeit zu bleiben“. Da lächelt und baumelt die Seele. Und es sind nicht nur die Texte, es liegt auch an der Qualität der Musik. Feiner Singer/Songwriter-Song: „Scherenhaenden“
„Photonenkanonen“ ist zwar wunderbar melancholisch – aber hat im Refrain auch was von einen „Haindling-Song“. Akustisch, sanft, schön: „Schwarz Weiss“ und hat auch was von einer The Notwist-Song-Miniatur. „Elefanten“ hat etwas mehr Schwung – bleibt aber trotzdem ganz groß von der Songqualität her. Das ist schon richtig richtig gut. Aber die sanften Stücke, die man auch von seinen Konzerten her kennt, überwiegen auf der Platte, einer davon ist auch „Irgendwo ist immer Woanders“. Leider schafft Hannes Wittmer es in den letzten Jahren immer in meinen Konzertumkreis zu kommen, wenn ich im Urlaub fahr – dass muss sich auch mal wieder ändern. 
„Schnee“ - hat diese Textzeilen, die mich als Hörer total begeistern und ihm zum Liebling aller Germanistik-Studenten/innen machen. Die meisten Songs sind recht kurz – so drei Minuten – mal mehr, mal weniger, aber „Ab Heute immer jetzt“ ist mit 6.41 lang geraten und dann auch das Epos der Platte. 
Mit „Tee“ geht dieses Werk zu Ende. 

Ob Hannes Wittmer oder Spaceman Spiff – die Musik ist die gleiche. Und sie fängt mich immer ein und begeistert mich – vielleicht nicht Musik für Nebenbei – sondern Musik die gehört werden will. Musik die beweist, das Musik nicht laut sein muss – Hauptsache sie erreicht den Hörer und nimmt ihm mit. (475)

The Specials – The Specials (1979)

Ska, Reggae, Punk und Rock`n`Roll gut gemischt. „A Massage to you Rudy“ kennt wohl auch jeder.
Das Albummaterial besteht aus eigenen und Covernummern. Produziert von Elvis Costello. (15)

Spex-CD #01 (Beilagen CD der Printausgabe 9/2000)

Ab September 2000 hatte die auf Indie-Musik und Spartenkultur spezialisierte Musikzeitschrift Spex auch eine regelmäßige CD als Beilage. So richtig viel konnte ich meist mit der auf den CDs vertretenen Künstlern nicht anfangen – aber wenn ich ein Song richtig gut fand, war dass meist auch eine Entdeckung, die sich dann wirklich gelohnt hat. 
Die CD beginnt mit Meinard Jungblut und dem Titel „Sonnendeck“. Jetzt sag ich, der klingt wie PeterLicht und ja Meinard Jungblut ist PeterLicht. Elektrischer, eher entspannter deutschsprachiger Indie-Pop. Sehr nett. 
Danach kommt ein Teamwork von DJ Koze und 5 Sterne Deluxe namens „Happy HipHop“. Letztendlich ein ganz nett groovender Elektrosong ohne das HipHop-Gesang irgendwie groß in Erscheinung tritt und der am Ende richtig nach House-Musik klingt. 
Mit ziemlichen Marimba und brasilianischen Rhythmen ist der Song „Expo 2000 (Mambo)“ ausgestattet und in der Interpretation von Senior Coconut (hinter dem Namen verbirgt sich der Musiker Uwe Schmidt) erkennt man den Kraftwerk-Song kaum wieder. 
Hinter dem Namen TORCH verbirgt sich der Rapper Frederick Hahn. Sein Song „Blauer Schein“ ist musikalisch ganz nett – aber ehrlich – ich kann mit dem Rap-Gesang – selbst bei einem sozialkritischen Text – meist nichts anfangen – ich finde ja, das Sänger/innen wenn sie schon meinen zu singen – das auch können sollten. 
Das amerikanische Anti-Pop Consortium verbindet Hip-Hop mit elektronischer Musik. Der Song „Nude Paper“ hat aber so gar nichts besonderes oder auch nur gutes an sich. 
De La Soul bieten von jeher Hip-Hop ohne Gangsterimage. Bei „Foolin“ kann ich den Beats noch was abgewinnen – aber auch hier will mich der Song nicht ganz abholen – Hip-Hop hat es schon schwer bei mir – da muss ich den Song schon echt mögen, um das gut zu finden. Aber De La Soul finde ich schon als was besonderes innerhalb der Hip-Hop-Musik. 
Hamburger Schule wird von den Spex-Machern seit eher geliebt und verbreitet, daher ist Tocotronic im Mix von Justus Köhnicke und der Song „Will be like today“ schön passend. Tocotronic finde ich jetzt auch so weder richtig gut – also bin ich Fan von – aber es gibt schon gute Songs von denen – wie der Klassiker „Let there be Rock“. Der Song klingt im Remix auf jeden Fall mal anders – elektronisch und erinnert an eine Nummer von Console ist aber im Refrain und im Gesang sehr lahm geraten und fängt dadurch tatsächlich an zu nerven. Köhnicke gehörte zum House-Trio Whirlpool Productions und lebt in Köln.
Readymade war eine deutsche Rockband aus Wiesbaden und ihr Song „Could be Nice“ ist auf der CD im Remix von Console zu finden. Console/Martin Gretschmann liebe ich einfach wegen seiner Sounds und deshalb gewinnt der Song auch ganz schnell mein Herz. Neben B. Fleischmann, den ich nur durch das Anhören einer späteren Ausgabe der Spex-CD kennengelernt habe, ist er noch immer einer meiner liebsten Elektronik-Musiker. Und vielleicht sollte ich auch mal in seiner Musik, die er als Acid Pauli gemacht hat, mal hineinhören. 
Hinter dem Namen Schlammpeitziger verbirgt sich der Instrumentalist Jo Zimmermann, der mit einfachen Sounds (Lo-Fidelity) seine Songs zusammen setzt. Seinen Song „Konfliktfickfähig“, hat was von den Sound von Spielautomaten, aber als Lo-Fi würde ich das jetzt nicht bezeichnen, denn ich finde den Sound sehr ausgeklügelt und gut. Und das ist wirklich der Grund warum ich die Spex-Beilagen-CD nicht missen möchte – da findet man im Bereich Elektronischer Musik noch Musik, die man gut finden kann und ich wüsste bei dieser Musikform wirklich sonst nicht, wo ich mit der Suche anfangen sollte.
Turner heißt eigentlich Paul Kominek und hat ein Klavierstudium hinter sich gebracht. Doch zog es ihm statt zur Klassik lieber in die Clubs und hin zur Elektronischen Musik. Und auch dieser Song aus dem Bereich Elektronischer Musik finde ich richtig gut. Wie geschrieben, in dem Bereich gibt es auf den Spex-Cds einiges zu finden. (261)

Spiral Stairs – The Real Feel (2009)

Erstes Soloalbum vom Pavement Mitbegründer Scott Kannberg. Rochmusik ohne Abnuntzungserscheinung. Rockmusik kann man
nicht neu erfinden, aber immer mit neuen Stücken bereichern. So auch hier. Die Nummern wechseln schön abwechslungsreich im Tempo und Stil. Macht Spaß. (14)

Spliff - Herzlichen Glückwunsch! (1982)

Der Titelsong ist schon mal nicht so meins. Da gab es auf dem Album zuvor viel bessere Songs – aber für die Zeit ein typischer NDW-Rocksong. „Augen Zu!“ ist sehr funkig. - aber auch nicht meins. In der Erinnerung hatte ich das Album als genauso gut wie die „85555“ abgespeichert. Aber „Glaspalast“ werde ich ja am Ende der Platte hoffentlich immer noch so gut finden wie früher. Bei „Tag für Tag“ springt der Funke endlich über – schöner Song und so richtig typisch 80er und NDW. Okay „Das Blech“ ist – weil zu der Zeit als es aktuell war unglaublich oft gehört – weder als „gut/schlecht“ zu bezeichnen – es gehört einfach zu meiner musikalischen Identität dazu. Aber ehrlich gesagt – muss ich den Song auch nicht mehr so oft hören – das Beste an dem Song ist mittlerweile für mich der instrumentale Mittelteil. Auch „Wohin? Wohin?“ will nicht mehr funktionieren. Trotz einer sicherlich für damalige Verhältnisse aufwendiger Produktion haben solche Songs den Sprung in die Gegenwart schlecht überstanden. 
Oh, bei „Es ist soweit“ rockt die Band endlich mal wieder. Und dann macht der Songs auch direkt mehr Spaß. Rock ist eben doch zeitloser, als der Elektronikpop der NDW. Aber so ganz gelungen ist der dann auch nicht. Abzüge gibt’s für den Refrain. „Herr Kennedy“ fand ich früher immer irgendwie ganz witzig. Heute wirkt er schon eher peinlich. Richtig gut funktioniert der New Wave bei „Die Maurer“. Auch durchaus noch akzeptabel „S.O.S.“
Bei „Glaspalast“ finde ich einfach diese spannende Stimmung, die der Song ausstrahlt, einfach immer großartig. Der Song ragt aus dem Werk von „Spliff“ heraus. (349)

Bruce Springsteen – Nebraska (1982)

Aufgenommen mit einer Ausnahme am 3. Januar 1982 allein in seinem Schlafzimmer sind die Songs von „Nebraska“ eigentlich Demo-Versionen gewesen – die aber dem Boss im Nachhinein so gut gefallen haben, dass er sie als Studioalbum veröffentlicht hat. Nur Gitarre, Mundharmonika, ein Glockenspiel und manchmal etwas Hall reichen, um ein großartiges Album zu schaffen. Ich mag ja gerade die ruhigen Alben von Springsteen wie auch die später veröffentlichten „The Ghost of Tom Joad“ (1995) und „Devils & Dust“ (2005). Von daher mag ich dieses Low-Fi-Americana Album sehr. Singer/Songwriter Songs aus den Heartlands. Die Intimität der Song schätze ich viel mehr als seine Gassenhauer. (167)

Bruce Springsteen – Tunnel of Love (1987)

Nach der „Born in the USA“ und der monumentalen Livebox hatten die Hörer und das Label vielleicht doch mit einem weiteren Album mit Songs zum abfeiern gerechnet. Aber der Boss macht sein eigenes Ding und bringt ein eher ruhiges Album zum Thema „Liebe“ heraus. Ich habe es lange und auch nie so richtig am Stück konzentriert durchgehört, also wird dies eher ein Neuentdecken als ein Wiederhören werden.

Aber „Ain´t got you“ ist schon noch ein flottes Roots- und Blues-Stück. Nimmt mit und wird von Springsteens Stimme allein vorangetrieben. Danach folgt ein Song, der schon Single-Qualität aufweist – aber eben im heruntergefahren Tempo und als Liebeslied: „Tougher than the Rest“. Nach heutigen Maßstab wirkt die Produktion des Songs heute schon fast etwas steril. Das die ganze Zeit den gleichen Rhythmus spielende Schlagzeug und die Keyboards sind dafür glaube ich die Hauptursache und im Pop- und Rockbereich waren eben die Endachtziger und frühen neunziger Jahre schon gerade bei den bekannteren Musikern dieser Zeit die Produktion halt eher harmlos – halt professionell auf Singleniveau – dafür fehlt es aber an Ecken und Kanten auf diesen Platten und dies selbst bei Blues-Platten. Aber in dieser Zeit klangen alle großen Stars gleich, egal ob Tina Turner, Joe Cocker – alle schienen den gleichen Produzenten und die gleiche Studioband zu haben (auf jeden Fall kommt mir dies im Nachhinein so heute vor). 

Mit etwas Rock`n`Roll gemixt macht das dann aber wieder Spaß: „All that Heaven will Allow“.

Und mit „Spare Parts“ wird dann doch richtig gerockt. Also so ruhig ist das Album dann doch nicht. Und neben „Ain´t got you“ ist „Spare Parts“ ein weiteres Highlight für Rootsrock-Freunde. 

Country-Ballade: „Cautions Man“. 

Das „Walk like a Man“ nicht als Single ausgekoppelt wurde, bleibt auch ein ewiges Rätsel – ist mit der eingängigste Song der Platte, sehr schön und ein Song für die Ewigkeit und um Längen besser als „Tougher than the Rest“. 

Gleiches gilt für das Titel-Stück „Tunnel of Love“ – das von der Qualität auch problemlos mit den Hits von der „Born in the USA“ mithalten kann. Ganz solider und guter amerikanischer Rock. 

Gute Songs gibt es auf jeden Fall zu genüge, denn auch „Two Faces“ bietet alles was es für einen guten Springsteen-Song braucht.

Auch eine ordentliche Single-Auskopplung: „Brillant Disguise“. Heartlandrock pur. 

Es folgt mein Lieblingsstück der Platte: „One Step Up“ – soooooo schöön. 

Nächste Roots-Nummer mit Countryeinschlag: „When you´re alone“. Und sehr sehr schön auch am Ende: „Valentine´s Day“. 

Ein sehr ordentliches und solides, typisch amerikanisches, meist dann doch sanftes Album mit einer ganzen Reihe von guten Song. Für mich ein sehr gutes Bruce Springsteen Album. (674)

Sprints – Letter to Self (2024)

Da bin ich mal das Risiko eingegangen und habe mich von den guten Rezensionen auf der Werbeanzeige zum Kauf verleiten lassen. Auf jeden Fall ist das meine erste CD von 2024.

„Ticking“ beginnt mit Schlagzeug, Gitarre, Gesang und Hintergrundgeräuschen und ein sich an Intensität steigender Sprechgesang. Das hat in seiner Rohheit schon viel Punk in sich. Die Band wird einerseits als Garage-Punk bezeichnet und das trifft auf „Ticking“ gut zu. Auch im zweiten Stück ist viel Punk drin: „Heavy“. Aber es ist auch was von Alternativ-Rock spürbar zu hören und vielleicht werden Sprints deshalb auch dem Post-Punk-Genre zugeordnet. „Heavy“ hat aber wirklich eine besondere Qualität. Bei dem folgenden Song „Cathedral“ passt die Post-Punk-Zuordnung auch am Anfang wirklich – aber auch da schlägt der Punk-Rock um sich. Ich glaub Sonic Youth-Fans werden an der Band viel Spaß haben. Sehr guter Alternativ-Rock-Song: „Shaking their Hands“. Sehr schöner Punk-Rocker: „Adore Adore Adore“ - da gehen auch die alten Nirvarna-Fans richtig mit und mich hat die Band jetzt auch vollkommen von sich überzeugt. Die machen viel richtig um alte und neue Alternativ-Rock-Fans glücklich zu machen – „Shadow of a Doubt“ lässt da auch keinen Zweifel aufkommen. Wer Garbage mag, der mag: „Can´t get enough of it“. Auch mal ohne richtig Punk zu machen – rocken die richtig gut und richtig gut ist: „Literary Mind“. Das Album macht immer mehr Freude und Spaß – dass ist abwechslungsreich und einfach verdammt gut. Da macht auch weiterhin „A Wreck (A Mess)“ total Spaß. Aber ehrlich – mit Post-Punk hat das nicht viel zu tun. Eher mit alles was man damals und heute dem Alternativ-Rock und dem Punk zuordnet. Bei einem Live-Auftritt würde ich mich an der Seite oder Hinten aufhalten – da die Songs viel Möglichkeit zum Pogo und Schubsen bieten – ich würde da eher Headbangen und tanzen wollen – aber Live würde ich die gerne mal erleben. „Up and Corner“ ist auch so eine Pogo-Nummer. Nochmal richtig den Punk rauslassen – das machen Sprints beim Titelsong und Abschluss der CD noch mal richtig: Letter to self.
Sprints haben mich im Sturm erobert. (252)

Lisa Stansfield – Affection (1989)

Damals schien es so, als ob Lisa Stansfield mit dem Coldcut-Song „People hold on“ ihren Einstand gab und als dieser zum Erfolg wurde, legte sie direkt dieses Soloalbum nach. Dem war aber nicht so – Stansfield gewann schon im Alter von 14 einen Gesangswettbewerb und gründete 1983 „Blue Zone“ mit den Musikern Ian Devaney und Andy Morris, die auch eine Platte und mehrere Singles veröffentlichten. Dann kam der Erfolg als Gastsängerin und dann nahm sie mit ihren Blue Zone-Kollegen das Soloalbum auf. Und landete mit den Singles „This is the right time“ und „All around the World“ Hits und weil die CD neben Soul-, R&B-, Pop-Elementen auch Dancefloormusik mit House- und Electrobeats enthielt – waren die Songs auch sehr discotauglich. 

Und diese Mischung wird sofort beim ersten Stück „This is the right Time“ deutlich. Die Beats und Sounds sind schon Clubmusik, doch über diesen liegt der Gesang von Lisa Stansfield und die hat den Soul-, die Ausdruckskraft und Vielseitigkeit für diese Art von Musik perfekt drauf – oder eleganter ausgedrückt auf der Zunge (oder in der Kehle). Das typische House-Piano, die Beats, Streicher bieten die Grundgerüst für „Mighty Love“ und dann wieder Lisa Stansfield mit tollen Soulgesang. Die Soul-Balade darf natürlich nicht fehlen und bei „Sicerity“ merkt man, das die damals noch sehr junge Lisa Stansfield als Sängerin schon ausgereift war. Auch Jazz-Standards wären für sie sicherlich kein Problem. 
Auch eine House-Nummer: „The Love in Me“ - da versucht sie ein wenig zu sehr amerikanischen Soul- und R&B Musikerinnen Konkurrenz zu machen und klingt beim Refrain schon fast wie Whitney Houston. Aber der Song ist nicht meins.
Dafür ist aber „All arround the World“ wirklich was und dies war sicherlich der Song, der mich zum Fan gemacht hat, der sogar zum Konzert nach Düsseldorf fuhr. Toller Pop-Song. Immer noch. 
Mit dreizehn Stücken ist das Debüt auch pickepackevoll und da droht natürlich nach dem die zwei erfolgreichen Stücke schon gelaufen sind, die schnelle Übersättigung – mal hören ob das Album trotzdem noch spannend bleibt. 
Bei „What did I do to you“ macht auf jeden Fall der Dancefloor-Beat Spaß und auch sonst hat der Song durchaus Singlequalität. 
„Live together“ ist wirklich Soul-Klassiker-Material – und muss sich hinter keinen amerikanischen Soulstück verstecken. 
„You can´t deny it“ kann da dann nicht mithalten – der Song klingt aber auch zu sehr wie ein Mix aus dem Zuvorgehörten. Dafür ist dann „Poison“ wieder eine ganz ordentliche Soulnummer. 
Ist zwar alles Dance-Soul – aber trotzdem sind die Stücke vom Tempo und teilweise auch von der Stimmung doch recht unterschiedlich, so dass zwar ein Sättigungsgefühl aufkommt (auch weil die Stücke oft über 4.30 und länger sind) – aber das macht das Material eigentlich nicht schlechter. Auch „When are you coming back?“ hat was. Der Titelsong „Affection“ beginnt fast mit Hip-Hop-Beats, bekommt dann aber schnell wieder Club-Soul-Richtung – der Gesang ist energisch und kräftig und der Song ist eigentlich auch Singlematerial, was aber seine Länge von 5.43 verhindert (außer man hätte einen Singleedit gemacht – hat man aber nicht). 
Schrieb es schon – aber das Songmaterial, geschrieben vom Trio Stansfield/Morris/Devaney ist wirklich gut und schlägt sich immer noch bewundernswert gegen ähnliches – und da gibt es eine ganze Menge allein aus USA. So hätten wohl auch „Wake up baby“ gerne andere Soulsisters gesungen. 
Mit „The Way you want it“ endet die Platte noch mal auf der Tanzfläche (Minimal-Soul/großartig). 

Gutes Album – hat für ein Soul/Pop-Album – trotz typischer End80er/Anfang90er-Clubbeats – die Zeit gut überdauert. Und auch von Lisa Stansfield sollte ich mir mal ein zweites Album endlich zulegen – hätte sie nach dieser Leistung verdient und irgendwie hab ich auch das Konzert in Düsseldorf in guter Erinnerung. -363

Mavis Staples – I´ll take you there – An All-Star Concert Celebration (2017)

Zum 75. Geburtstag bekam Mavis Staples eine Konzert-Geburtstagsparty geschenkt. Zahlreiche Musiker darunter Emmylou Harris, Michael Mcdonald, Glen Hansard, Aaron Neville, Taj Mahal, Gregg Allman, Jeff Tweedy, Bonnie Raitt trugen zum Gelingen des Festes bei. Die Songs, die gespielt wurden, sind meist zu Standards gewordenen Alltimeklassiker aus Soul, Blues, Roots. Nach drei eher lahmen Einstiegsnummern folgen dann direkt ein paar Highlights: „People get Ready“, „Respect Yourself“, „Eyes on the Price“, „Wade in the Water“ haben ganz viel Seele, aber auch richtig Schwung und Kraft. „Have a little Faith“ ist ein paar Takte ruhiger, aber sehr schön. „Slippery People“ von den Talking Heads bekommt eine großartige Coverfassung verpasst, die daran Schuld ist, das ich diese CD überhaupt entdeckt hatte. Sehr ruhig und hörenswert auch das Duett mit Jeff Tweedy „You are not alone.“ Höhepunkt ist sicher das über 10 Minuten lange „I´ll take you there“. Zum Schluss gibt es von der gesamten Startruppe noch „The Weight“ im Original von „The Band“ geschmettert. (78)

Stars – From Capelton Hill (2022)

Fünf Jahre nach dem Erscheinen der letzten Platte gibt es wieder ein neues Album der kanadischen Indie-Band Stars. Geändert hat sich nichts – den Gesang teilt sich bei den Songs Bandleader Torquil Campbell immer noch gelegentlich mit Keyboarderin und Gitarristin Amy Millan. Um es auch mal kurz vorweg zu nehmen, wer die Musik von Intergalactic Lovers und Shout out Louds mag, wird vermutlich dieses Album sehr mögen – da es einfach aus sehr guten Indie-Pop-Songs besteht – die Spaß beim Tanzen und Hören machen würden und ich denke mal auch bei einem Live-Konzert noch mehr an Intensität gewinnen könnte (deshalb wundere ich mich auch, warum Bands wie „Shout out Louds“ nicht mal ein Live-Album raushauen – wäre wirklich was). 
Einen einfach schöner Einstieg bietet das Album mit „Palmistry“ - guter Rock-Pop-Song. Schwungvoll, fluffig und ganz groß: „Pretenders“. Etwas sanfter und schon an einer Nummer von Dido erinnert „Patterns“. Zuckersüß und ein ganz wundervoller Song: „Back to the End“. Pop-Melancholie: „That Girl“. Tanz-Nummer: „Build a Fire“. „Capelton Hill“ ist der Beweis dafür wie toll Songs die im Duett gesungen werden, sein können. Könnte tatsächlich von den Shout out Louds sein: „Hoping“. Power-Pop, der schon ein wenig nach Eurovision Contest klingt – aber trotzdem sehr schön ist: „To feel what they feel“. Noch was Sanftes, das dann aber zum großen Pop-Song wird: „If I never see London again“. „I need the Light“ singt Amy Millan und ich brauch mehr solch schöner Musik. Was ist das wieder für eine wundervolle Platte. Indie-Folk am Ende: „Snowy Owl“. (276)

Station17 – Werkschau (2019)

Hamburg, 1989 – der Indiemusiker und Heilpädagoge Kai Boysen gründet mit den Bewohnern der „Wohngruppe 17“ die Band „Station 17“. Die Arbeit der Band wird von prominenten Musikern wie Michael Rother, Holger Czukay, FM Einheit, Thomas Fehlmann und Markus Grosskopf unterstützt. Es erscheinen Alben, die Band geht oft auf Tour. 30 Jahre später erscheint diese Werkschau. Das Genre in dem die Band arbeitet soll Krautrock sein und ist es auch, manchmal aber auch nicht.

Bei „Feeger“ ist direkt Holger Czukay mit von der Partie. Der Song selbst klingt auch nach CAN nur statt Gesang, sind die Stimmen einiger der Wohngruppenbewohner zu hören. Macht mit dem CAN-Rhythmen sehr viel Laune. Das Stück ist vom ersten Album „Station 17“ (1990). Mit „Bademeister“ macht die Musik einen gewaltigen Sprung nach Vorne ins Jahr 2006. Die Musik wird elektronischer – behält aber den Krautrock-Charakter bei und ist eine richtig gute und sehr kraftvolle Nummer. 
Gute Synthi-Musik für Freunde von Neu! und Tangerine Dream gibt es mit dem 1999 erschienenen Stück “Technomuseum 2“.
Musikfreunde, die wie ich in den letzten Jahren sich auch die Ursprünge so manches Musik-Sub-Genres neu erforscht haben und diese auch für sich entdecken, werden, wenn sie auch beim Krautrock und die deutsche Synthesizer-Musik austoben, mit dem Album ihren Spaß haben, gerade wenn sie sowohl Tangerine Dream und Can gleichwegs mögen. Genau diese Mischung ist das Stück „Cola Lite“ aus dem Jahr 1997 durch und durch. Gleichzeitig bekommt man ein wirklich gutes und abwechslungsreiches Elektromusikalbum zu hören (das gibt es ja auch nicht soooo oft). 
Moderner deutscher Krautrock der wie ein sanfter Neubauten-Song klingt: „Dinge“ (2018). Mit Disco-Bass und Groove: „Uh-Uh-Uh“ - aus dem Album „Fieber“ von 2011 – bringt Abwechslung. Bisher beglückt mich diese Song-Zusammenstellung. „St. Pauli der hat heut Geburtstag“ - Inklusions-Kraftwerk-Punk (ein neues Genre). Dann Something completly Different: „Ohne Regen kein Regenbogen“ ein leichter, schöner, ungewöhnlicher deutschsprachiger Popsong, bei dem auch gerappt wird und ein Bläsersatz gekonnt zum Einsatz kommt – und Fettes Brot hat mitgemacht (2008). „Alles für Alle“ aus dem Jahr 2014 kommt wie ein Song der Hamburger Schule daher. Da hat Strizi Streuner von Frittenbude mitgesungen und der Song ist im Jahr 1999 für das Album „Bravo“ entstanden: „Lila Pause“ featuring DJ Koze. Diese musikalische Zeitreise in und um den Rändern der elektronischen Musik ist wirklich sehr einnehmend. Ein wirklich absolut zu empfehlendes Album und ich werde mich mit der Musik von „Station 17“ mehr befassen müssen. Echte Clubvibes gibt es bei „Boogie Boogie Baka“ zu hören und nicht nur dies, da spielt auch Michael Rother die Gitarre (2008). Da macht ein alten Held der instrumentalen Musik noch etwas sehr Gegenwärtiges. Samba gibt’s dann auch – wenn auch in einer sehr wilden/durchgedrehten Version: „Pata Patao“ vom Debüt-Album. Zurück zum modernen Krautrock geht’s mit „Zuckermelone“ (2011). „Hito“ (1993) ist recht experimental und kurz. Den Abschluss macht „Lied der Doofen“ im Kreidler Remix. 
Kai Boysen ist für die Idee und Durchführung dieses Langzeitprojektes wirklich zu danken. Das Hören dieser Werkschau macht absoluten Spaß und wie geschrieben ist die Lust mehr von Station17 zu hören entfacht. Inklusion – so schön kann diese sein. Man muss nur wollen. (311)

Remastered :The Best of Steely Dan – Than and Now (1993)

„Steely Dan“ ist die (Studioband) vom Duo Walter Becker und Donald Fagan. Nach ihrer ersten Tour im Jahre 1974 hatten sie beschlossen, das Tourleben aufzugeben und nur noch als Studiogruppe weiterzumachen. Nach der Reunion in den 2000er Jahren tourt die Gruppe nun aber doch regelmäßig (Musiker müssen seit Musik digital ist, wieder mit Touren Geld verdienen). 
Der Sound ist WestCoast-Rock mit Soul und Funk-Elementen (das reggaegeprägte „Haitian Divorce“ hatte ziemlichen Erfolg in England). Rock n Roll mit Rockeinschlag gibt`s mit „Bodhisattva“, der aber nicht so stark ausgeprägt ist, wie zum Beispiel bei den „Doobie Brothers“ zu denen einige Band(Gast)mitglieder später auch gewechselt sind und dort feste Mitglieder wurden (zum Beispiel Michael McDonald). Mein Lieblingssong von Steely Dan bleibt „Rikki don´t lose that Number“. (27)

Serafina Steer – The Moths are real (2013)

Serafina Steer ist ausgebildete Harfenistin, arbeitete vor diesem Studioalbum schon mit Jarvis Cocker zusammen, der dieses Album auch produziert hat. Ich bin auf Serafina Steer als treibende Kraft der Indie-Post-Punk-Band „Bas Jan“ aufmerksam geworden und wollte hören, wie sie vor ihrer Zeit bei Bas Jan geklungen hat. 

Als Chamber-Indie-Singer/Songwriter-Folk würde ich die Musik einordnen. Sehr zurückhaltend und auch sparsam instrumentiert – tatsächlich mit Harfe/Stimme als Haupt-Instrument(e) und somit ganz anders als bei Bas Jan – aber ich mag es – weil der Anfangstrack „Night before Munity“ einfach gut als anspruchsvoller Indie-Folk-Song funktioniert. 

Und sofort einnehmend ist dass ganz leicht daherkommende und sehr elegante „Machine Room“. In der Einfachheit und dem eher klein gehaltenen Gebrauch von Instrumenten können sich die Songs auch schön entfalten und das funktioniert sehr gut. Jarvis Cocker hätte ich bei solchen Songs nicht als Proudzent vermutet – aber vielleicht habe ich von dem Mann auch nur ein viel zu eingeschränktes Bild – muss ich mich vielleicht auch mal mehr mit befassen.

Folk, der schon teilweise ins Klassische geht und sehr elegant: „Ballad of Brick Lane“, Bisher gefällt mir das alles sehr gut und ist doch so anders als das was ich vorher von ihr kannte. 

„Lady Fortune“, setzt den Sound der Songs zuvor weiter fort, dabei hat der Song aber eine schöne Indie-Pop-Note. Minimal Pop – könnte man das nennen. Aber ganz anders als es zum Beispiel The XX machen, zu denen die Beschreibung ja auch gut passen würde. 

Durch den Harfeneinsatz wird die Musik das Folk-Feeling auch nicht los. Aber es sorgt auch dafür, dass die Musik nach mehr klingt, als den normalen Singerin/Songwriterin Indiesong – das erhöht ihm schon in Richtung „Zeitgenössische Musik“ (obwohl ich diesen Oberbegriff für Musik gar nicht mag – weil er überhaupt keinen Aufschluss gibt, wie die Musik klingt, sondern nur einen gewissen „Anspruch“ der Musik auferlegt. Nils Frahm, Hauschka und Co sind tolle Musiker und Komponisten – aber nur weil man sie nicht der typischen Klassischen Musik zuordnen will und kann – sind sie halt „nur“ Musik aus der Gegenwart. Ein Quatsch ist das. Intellektueller Humbug.

Das Serafina Steer eine tolle Komponistin ist, hört man sofort heraus bei „The Removal Man“ und dem zuvor gehörten „Skinny Dipping“. 
Sehr melancholisch: „In a World of Love“. Schöner, weil ganz sanfter Singerin/Songwriterin-Song: „Has anyone ever liked you?“.
Toller Chamberfolk: „Island Odessy“. Folk, bei dem der Gesang die Hauptrolle spielt: „Alien Invasion“ und ganz beeindruckend, wie einfach es ist, eine dichte musikalische Atmosphäre zu schaffen. 

Bei „Disco Compilation“ verbindet Serafina Steer dann doch mal ihren wunderbare Singerin/Songwriterin Qualität mit ein paar Discobeats – Singelmaterial – aber nicht schlecht platziert, weil durch den Song nochmal etwas Schwung gegen Ende der Platte hinzugefügt wird. 

Sanfter Abschluss – fast schon in Wiegenlied-Form – der dann aber doch etwas mehr als nur ein einfaches Wiegenlied ist: „The Moth are real“. 

Neben ihrer Arbeit mit Bas Jan darf Serafina Steer gerne weiter auch Musik wie diese machen – dieser Chamber-Folk mit leichten Indie-Touch gefällt mir auch sehr gut. Schönes, das einfach klingt, aber alles anderes ist als nur leichte Musikkost. Vielseitig ist diese Musikerin, die Harfe spielen kann, aber auch mit ihrer Band den Post Punk wiederbelebt. Und Vielseitigkeit mag ich – weil ich auch gerne vielseitig Musik höre. Alles ist möglich.

Steps Ahead – Yin-Yang (1992)

Vibraphon-Spieler Mike Mainieri ist der Kopf der Jazz- und Fusionformation Steps Ahead. Ich hatte die CD damals gekauft, um mal etwas mehr Jazz in meiner Sammlung zu haben. Das erste Stück „Sidewalk Maneuvers“ ist sehr soulig und nimmt dem Hörer schnell mit. „Fusion“ bedeutet bei diesem Song dass der Jazz hier auch mal nach instrumentaler Pop-Musik klingt, statt nach Rock. Mainieris Mitstreiter bei dem Album sind der Saxophonist Bendik, die Keyboarderin Rachel Z., Jeff Andrews am Bass und Steve Smith am Schlagzeug. 
„Praise“ klingt für mich irgendwie nach Afrika und ist auch schön hymnisch – den Song mag ich sehr. Ich glaub wer das Solozeug von Sting in den 80ern mag – wird mit der Musik dieser CD auch seinen Spaß haben – da der Sound schon sehr ähnlich ist. Mit viel Funk-Elementen ausgestattet: „Nite Owl“. Auch an die Musik der Pat Matheny Group werde ich bei dem Song erinnert. Wenn Jazz nicht zu unkompliziert, etwas melodiöser ist, aber die Musiker trotzdem Meisterschaft an ihren Instrumenten beweisen, da funktioniert Jazz bei mir immer sehr gut – so eben auch bei dieser Musik. Frei im Kopf zu sein finde ich super – Free Jazz und reines Improvisieren kann bei mir dagegen auf Ablehnung oder zumindest auf Unverständnis stoßen. „Taxi“ lässt mich sofort an die Musik von Prince denken – das liegt wieder am Soul-Funk und an einer nicht ganz so harmonischen Melodieführung. Musik, die an andere Musik einen erinnert, da ist auch nichts Schlimmes dran – da fehlt es den Songs nicht an eine eigene Originalität, sondern klappt in meinem Hirn nur mein musikalisches Gedächtnis auf. Und wie ich Jazz so richtig mag, da muss man einfach einen Song wie “Tamarian Lion“ nur hören. Sanfter Schönklang von vorne bis hinten – und deshalb liebe ich zum Beispiel das Tingvall Trio so sehr. Das Steps Ahead aber auch richtig „Jazz“ machen können, beweisen sie mit „Gory Details“. Wieder sehr schön und und gerade vom Saxophonspiel richtig gut: „Agitate the Gravel“. Und da dieser Saxophonist, der bei Steps Ahead auch für Songwriting mitverantwortlich ist, namens Bendik Hofseth aus Norwegen stammt – weiß ich mal wieder warum ich den skandinavischen Jazz so mag. Noch eine richtiges Jazzstück: „Okapi“. Die sanfte instrumentale Soul-Ballade „Orion“ mag ich besonders gerne – ist jetzt vielleicht wirklich eher ein Stück schöner instrumentaler Pop-Musik aber ich mag es einfach total gern. Zurück zum reinen Jazz geht’s mit „Steppish“. Mit einer weiteren schönen Nummer endet das Album: „Sara´s Touch“ - der Song hätte auch das Zeug gehabt, eine Titelmelodie einer TV-Serie zu sein. Auch nach über 30 Jahren höre ich dieses Album immer noch sehr sehr gerne. (275)

Die Sterne – Wichtig (1993) – Vinyl Wiederveröffentlichung von 2023 inklusive der EP „Fickt das System“

Da ich gerne die chronologische Reihenfolge einhalte, beginne ich mit Seite 4 der Wiederveröffentlichung, die die EP „Fickt das System“ beinhaltet.

Das Titelstück der EP und ersten Veröffentlichung von Die Sterne ist dass was man als Indie-Disco-Rock mit Punkallüren bezeichnen kann. Und natürlich auch als deutschen Alternativ-Rock der „Hamburger Schule“. Dieser Indie-Rock-Sound setzt auch „Unkonzentriert“ fort, mit vielleicht noch etwas mehr New Wave-Ansätzen dabei. Bei der Gründung bestand die Band aus Frank Spielker (Gesang, Gitarre), Thomas Wenzel (Bass), Frank Will (Keyboard) und Christoph Leich (Schlagzeug). 

Mit Jazz/Funk-Ansatz und der macht richtig Spaß: „Alles wird Teurer“. Da rockt aber Spielker auch richtig gut an der Gitarre. Die Band machte wirklich direkt zu Anfang eigentlich richtig guten intelligenten Crossover und das hat sich bis heute nicht geändert. 
Auch als Funk/Rock-Hybrid funktioniert „Anfang verpasst“. 

Das Aha-Erlebnis hat man bei Die Sterne, weil hier freche deutsche Texte auf einen guten Mix aus Rock- und Discomusik trifft, so dass man eigentlich von einer Weiterentwicklung der Neuen Deutschen Welle (vielleicht auch Wiederbelebung) sprechen könnte. Ich hab zu der Zeit meist noch Wolf Maahn, Herbert Grönemeyer und BAP, Westernhaben gehört – wenn es um deutschsprachige Musik ging – natürlich nicht nur diese drei, aber diese auf jeden Fall. 

So richtig mag ich dann den ersten Song des Debütablums „Wichtig“: „Mach die Tür zu, es zieht“. - weil das Rock ist, der einfach totalen Spaß macht. New Wave ist nicht tot – es leben „Die Sterne“. Funk und ich finde die Bassarbeit bei „Die Sterne“ bis heute einfach fantastisch: „Telekom“. 

Verärgerter Rock – vielleicht sogar schon Punk: „Baustoffhandel, 1. Stock“. Aber für Punk ist die Rhythmusgruppe schon fast wieder zu rockig, klingt da schon wieder eher nach 70er Rock. Mit Post-Punk-Feeling (zu intelligent um Pop oder zu Rock zu sein): „In Klammern“. Mich würde mal interessieren was so die Lieblingsplatten von Frank Spielker sind. 

Der Disco-Funk/Rock-Mix genial in Musik gepresst: „Wichtig“. Und dann folgt (nochmal) „Anfang verpasst“ (weil den kennen wir ja schon von der EP). 
„Rockmühle“ - rockt wieder richtig gut. Ich mag einfach den Sound und die Musik sehr, die Die Sterne machen. Da kann man sich immer so schön im Rhythmus der Musik verlieren. Natürlich hätte es der Texter Spielker auch gerne, wenn ich seine Texte loben würde, aber die sind jetzt gerade beim Hören etwas Nebensache. 

Indie-Rock wieder mit Punk versetzt (ist dass dann schon wieder Post-Punk?): „Alles oder Niemand“. Rocksong: „Sowieso drin“. Vielleicht sind für Die Sterne auch einfach Punksongs zu einfach konstruiert, so dass sie ihre Texte, doch dann lieber in raffinierte Rockmusik packen. Finde ich eine gute Idee. 
Aber „Sowieso drin“ wird dann wirklich noch zum reinen Punkrock – wenn auch nicht für ganz so lang. 

Auch eher Punk: „Jenseits von Eden“. Kurz: „Meine Oma“. „Idiotensport“ wieder frecher ausgefeilter Rock. „Unter Geier“ ist der Opus der Platte mit einer Länge von über elf Minuten. Da kommt dann sogar noch instrumentaler Krautrock zum Mix dazu. 

Am Ende „Hier“ - Mit orientalischen Touch gespielter Rock und da es um Inländer/Ausländer geht – passt das.

Ich mag die musikalische Vielfalt der Sterne und dass der Bass die Musik nicht nur unterstützt, sondern auch treibende Kraft in den Songs sein darf. Und ich mag wenn Intelligenz auf Musik trifft. Mag ich! (514)

Die Sterne – Hallo Euphoria (2022)

Mit zum Teil großer Neubesetzung seiner Band, mit den Musikern Jan Philipp Janzen, Phillip Tieschle, Dyan Valdés und Max Knoth, ist dies das dreizehnte Album von Die Sternen unter der Führung von Sänger Frank Spieker. Die Band ist sicherlich neben Tocotronic einer der bekanntesten Vertreter der Hamburger Schule und der Song „Was hat Dich bloß so ruiniert“ ist sicherlich der bekanntesten der Band. Aber schon dreizehn Alben herausgebracht zu haben, ist schon was und dabei, vielleicht durch die Neubesetzungen an den Instrumenten, klingt die Band immer noch sehr frisch und aktuell.

Das Album fängt mit „Stell mir einen Clown zur Seite“ an – und der Song klingt eingentlich so wie man es von Die Sterne erwartet – Indie-Rock, gut getextet und nach bekannten Die Sterne-Muster. „Alles was ich will“ ist ein schön lockerer und easy going Song – das mag ich richtig gern. Und den lockeren Indie-Pop-Sound können Die Sterne wirklich sehr gut und der macht richtig Spaß: „Spilker immer mittendrin“. Die Musik der CD ist einfach riesig und zeitlos und aktuell zugleich. Die Songs machen mir richtig viel Spaß, so auch „Die Welt wird knusprig“. 
Mal wieder etwas ernster und im alten Hamburger Schule-Modus: „Gleich hinter Krefeld“. Titelstück „Hallo Euphoria“ ist ein sehr schön groovender Indie-Pop-Rock-Song – ganz ganz großartig. 
Da die Melodien immer mitnehmend und anders als beim Song zuvor sind, ist das Album eine wahre Freude. Abwechslungsreich und einfach nur gute Songs. Da schwappt die Euphorie auch auf den Hörer/die Hörerin über und was Kritisches vermag ich da gar nicht zu schreiben. Also auch super: „Die Kinder brauchen Platz“. „Niemand kommt unschuldig Raus“ hat nach dem Anfangspart was von den Sound von Element of Crime – aber letzten Endes ist es doch ein echter Die Sterne-Song. 
Funky-Indie-Pop: „Ping Pong“ - aber vielleicht auch der einzige schwächere Song der Platte. Naja – auch die Ballade im 60er Jahre Musik-Kostüm mit Namen „Wir wissen nichts“ ist vielleicht recht ambitioniert, aber überzeugt mich dann auch nicht so richtig – ab die ersten acht Stücke haben mich ja auch total begeistert – so ist alles gut und ich bleib einfach ein riesiger Fan von „Die Sterne“ (und ich kenne gar nicht mal so viele ihrer Alben – da habe ich noch viel Spaß beim Nachhören vor mir. (450)

Sting – The Dream of the blue Turtles (1985)

Das Sting andere Musik machen wollte, hatte man schon beim letzten Police Album „Synchronicity“ (1983) heraushören können. Zwei Jahren war es dann soweit und tatsächlich erfindet sich der Bassist und Sänger auch musikalisch mehr als nur ein wenig neu – auf seinem Solodebüt finden sich Songs die mehr mit Soul, Jazz und Blues und Art-Rock gemeinsam haben als wie beim Rock und Wave-Sound der ersten Police Platten. 
Eine richtige Soul-Nummer ist „If you love somebody set them free“. Nach Reggae und ein bisschen nach afrikanischer Weltmusik klingt „Love is the Seventh Wave“. Politisch – ob gelungen oder nicht, darüber kann man auch heutzutage wieder streiten: „Russians“. 
Erst bei „Children Crusade“ bekomme ich aber den Sting den ich über mehr als 25 Jahre richtig geliebt habe. Dieser sanfte Art-Pop-Rock und einfach tolles Songwriting mag ich total sehr und solche Stücke waren dann auch auf jeden folgenden Sting-Album zu finden. Nur irgendwie hat er mich dann in den 2000er Jahren als Hörer verloren – oder sagen wir mal, danach hat er mich mit dem was er da gemacht hat nicht mehr erreicht. 
Etwas zu simpler Blues-Rock: „Shadows in the Rain“. Welchen aber mit „We work the black Seam“ ein weiterer Favorit von mir folgt. Da stimmt von Instrumentierung, Gesang, Songwriting einfach alles. Darauf folgt ein weiteres Blues-Rock-Stück, welches live gespielt sicherlich durchaus seinen Charme entfaltet kann – auf Platte aber heute eher schwach daherkommt. Auch mittlerweile mehr als überflüssig, das Titelstück „The Dream of the blue Turtles“ ein kurzes instrumentales Fusion-Jazz-Stück. Aber den sanften Jazz von „Moon over Bourbon Street“ mag ich immer noch. Ein weiteres Highlight gibt es aber noch am Schluss mit „Fortress around your Heart“, das auch noch gut auf die „Synchronicity“ gepasst hätte. So ganz gut ist dieses Album leider nicht gealtert – gute Songs sind aber trotzdem drauf, sind aber im laufe der Jahre weniger geworden. (277)

Sting - ...Nothing like the Sun (1987)

Das Wiederhören der ersten Soloplatte von Sting „The Dream of the Blue Turtles“ hatte mir doch etwas weniger Freude bereitet als ich dachte. Nur wenige Songs konnten mich noch wirklich überzeugen, so dass ich nun auf das Wiederhören dieser Platte relativ gespannt bin. Aber bei Betrachtung der Titelliste wäre ich überrascht, wenn es diesmal nicht mit mir und Sting wieder etwas besser funktionieren würde.

Gleich „The Lazarus Heart“ fängt mich ein – da ist der Fusion-Rock bestehend aus Rock-, Jazz- und Popelementen einfach stark. Und auch die Produktion der Platte klingt einfach immer noch toll. Das sind sehr warme und lebendige Klänge. Da nähert sich der Ex-Polizist der musikalischen Qualität einer „So“ von Peter Gabriel an, ohne diese zu kopieren. Mag auch an dem gemeinsamen Produzenten Hugh Padgahm liegen. 

Sehr atmosphärisch: „Be still my Beating Heart“ - von solchen Songs hat ein Dave Matthews glaube ich sehr viel für sich heraus genommen. Die Mischung aus anspruchsvollen Rock, mit Jazz und Soul ist wirklich bei dem Album noch viel besser gelungen als auf Stings Vorgängeralbum – vielleicht musste er erst mit seiner „neuen“ Musik auf Tour gehen, um sich richtig einzugrooven. 

Der erste von mindestens zwei Songs für die Ewigkeit: „Englishman in New York“. Unwiderstehlich. 

So richtig will „History will teach us Nothing“ bei mir nie funktionieren – und das weil der Refrain des Songs, so wie er da gemacht ist, mich nervt. Dabei hat der Song ansonsten ein paar wirklich gute Ideen. Aber er ist einfach nicht meins. 

Dafür sind dann aber „The Dance alone (Gueca Solo)“ und „Fragile“ einfach meisterhafte Stücke, die ich sehr liebe. Sanft, anmutig, mitnehmend. 

Dazu im Gengensatz finde ich „We´ll be together“ einfach nur nervend – schon immer und immer noch. 

Dafür wieder überraschend gut: „Straight to my Heart“ - Stings Stilmix klappt bei solchen Songs wirklich richtig gut – da mag ich die Worldmusik-Elemente – das Album hat ja neben den Jazz- und Reggaeelementen – einen starken südamerikanischen Touch – bekommen, der aber richtig gut zu den Songs passt. 

Sehr jazzig – aber mal ganz gelungen (wenn doch kein echtes Highlight) – weil es nicht ganz so aufdringlich den Hörer direkt anspringt: „Rock Steady“. Lieber mag ich den Jazz etwas melancholischer wie bei „Sister Moon“. Das ist wirklich eine sehr schöne Nummer. 

„Little Wings“ von Jimi Hendrix macht sich Sting auch sehr schön zu eigen – gefällt mir auch immer noch sehr gut. Netter Abschluss, die kleine Jazz-Ballade: „The Secret Marriage“. 

Album Nummer Zwei kommt bei mir viel besser weg – als sein erstes – ich glaube, bei beiden Alben stören mich die Nummern, wenn er ein auf coolen Jazz-Musiker macht – Songs wie „We´ll be together“ oder „Rock Steady“ mögen live ganz gut funktionieren – auf Platte gepresst sind sie einfach nicht meins. Aber ansonsten sind auf dem Album wirklich sehr gute Stücke zu finden, die ich jetzt wieder gerne öfters höre – ich war ja mal von Mitte der 80er bis Ende der 90er ein ganz großer Sting-Fan. Dann hatten sich aber irgendwie unsere Wege getrennt – aber das muss ja auch nicht für immer sein.

Strand of Oaks – Heal (2014)

Timothy Showalter ist der Kopf hinter „Strand of Oaks“ und sein Wikipediaeintrag würde schon eine Filmbiographie rechtfertigen.

Die CD habe ich aufgelegt, weil der erste Song „Goshen 97“ seit Jahren in meiner Playlist ist und mir als rockig mitreißender Song immer gefallen hat. Wie hört sich dann der Rest der CD an? Song Zwei auf der CD setzt ganz andere Schwerpunkte und klingt eher elektronisch, mit Sprechgesang und fetten Drums. Gerade das Schlagzeug erschlägt so manchen eigentlich guten Song, denn schon nach Song Nummer Drei wird klar, das ein eher akustisch- oder klassischer Rocksound, so manchen Song besser gestanden hätte. Die Drums und elektronisch erzeugten Töne sind meist immer zu viel. Shoewalter setzt mehr auf Powerpop statt auf Folkrock. Schade. Die meisten Songs funktionieren trotzdem (aber erst beim zweiten Hören, gebe daher eine Musikaufnahme nie nach dem ersten Hören auf! Liegt wohl an der Erwartungshaltung beim ersten Hören.) 
Es bleibt beim Hören aber ein gemischtes Gefühl – hätte besser sein können. (45)

Joe Strummer – 001 (2018) 

Werkschau des Schaffens und des Nachlasses abseits von The Clash auf 2 CDs. Für die Zusammenstellung sind Strummers Witwe Lucinda Tait und der Produzent Robert Gordon McHarg III verantwortlich gesehen. Für die Neuveröffentlichung wurden die Tracks von Peter J. Moore remastert (und da dabei hat er eine tolle Arbeit geleistet – weil für ein Compilation-Album klingt das Meiste wie aus einem Guss – und das ist leider bei solchen Alben nicht immer der Fall. 

Mit den 101ers fabriziert er echten Rock ´n´ Roll – was zu seiner Stimme sehr gut passt. So klingt „Letsagetabitarockin´“ sehr rock´n´rolig und „Keys to your Hart“ ist eine schöne Beat-Rock ´n´ Roll-Nummer-Nummer, die nach hinten raus immer mehr Spaß macht. Tolle Entdeckung. 
Mit „Love Kills“ sind wir dann schon in den 80ern angelangt. Sehr kantige Poprock-Nummer. Zu finden war das Stück auf dem „Sid und Nancy“ Soundtrack. Wirklich starke Nummer. Weiter Soundtrack-Nummern folgen. Der Südstaaten-Folk-Song: „Tenessee Rain“ stammt aus dem Film „Walker“ - auch sehr schön. Wie abwechslungsreich sein Werk ist, weiß man ja schon als „Clash“-Hörer. „Trash City“ - PunkRock-Nummer – wunderbar – aus dem Film „Permanent Record“.
„15 Brigarde“ war eine Single B-Seite und ist eine Übersetzung eines traditionellen Lieder aus der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges. Ethno-Rock mit politischer Botschaft. 
„Ride the Donkey“ stammt von seinem Soloalbum „Earthquake Weather“. Schöne Reggae-Nummer. Persönliche Randnotiz: Aus unerklärlichen Gründen war das Album „Earhquake Weahter“ das erste Album mit Musik von Joe Strummer in meiner Sammlung. Kurz danach – nachdem die Discobesuche immer mehr zunahmen – gab es aber auch schon die ersten Clash-Songs auf Vinyl bei mir zu hören. 
„Burning Lights“ stammt aus den Soundtrack des Films „I hired a contract Killer“ - eine Solo-Rock-Ballade im Billy Bragg-Stil. 
Mit den Pogues hat er unter den Namen „The Astro-Physicicans“ den Song „Afro-Cuban-Be-Bop“ aufgenommen. Schöne Folk-Nummer. Das Material dieser Zusammenstellung ist bis dahin schon mal echt umwerfend. Bin wirklich ziemlich hingerissen und meine Hochachtung vor Joe Strummer wächst mit jedem Song weiter. 
„Sandpapers“ ist mit den Mescaleros zusammen aufgenommen. Da ist auch eine schöne Ethno-Note in einer süß/leichten Pop-Rock-Nummer gepackt. 
Unglaubliche gute Songs ohne Ende: „Generation“ - stammt von einem Compilation-Album: „Generations 1: A Punk Look at Human Rights“ - statt Punk ist das ein Stück wunderbarer Art-Pop. „it´s a rocking World“ stammt von dem Album „Chef Aid: The South Park Album“. Rock `n´Roll – auf Joe Strummer-Art ist das dann. Ein weiters Stück mit den Mescaleros folgt „Yalla Yalla“ - egal in welchen Stil er Musik macht – er machte dies richtig gut. Dieser feine Elektropop—Nummer ist ja einfach unglaublich. Bin ich begeistert – ja ich bin. Mann, hab ich einen Spaß mit solcher Musik – ist Irre das der Zauber immer und immer wieder funktioniert – wenn der Song gut ist und einen einfach nur mitreist und man das lächeln einen aus dem Gesicht meißeln müsste. Und es ist wirklich unglaublich das ich (fast) all diese Songs gerade zum ersten Mal höre. Was man nicht so alles selbst als aufmerksamer Musikhörer doch immer verpasst. Süßer als Honig: „X-Ray Style“. „Johnny Appleseed“ und „Minstrel Boy“ - Folk-Nummern wie es besser nicht geht. 

Und es bleibt zum Nienderknien gut: „Redemption Song“ - zusammen mit Johnny Cash (bei dem merkt man dann, wie sich die Stimme von Joe Strummer plötzlich gewandelt hat – oder liegt das am Stil der American Recordings-Produktionsweise?). Nein – das mit der Stimme ist auch bei „Over the Border“ mit Jimmy Cliff aufgenommen deutlich zu hören. Den Abschluss der ersten CD machen noch zwei weitere Songs mit den Mescaleros: „Coma Girl“ und „Silver & Gold/Before I grow old“ die nach dem Tod von Joe Strummer im Jahre 2003 noch posthum veröffentlicht wurden. Und das war erste die erste CD und wie gut war die denn?

Eine weitere CD mit 12 weiteren bisher unveröffentlichten Songs folgt noch.

Die zweite CD beginnt mit einer Demo-Version des Songs „ Letsagetabitarockin“ (Lagefeuer Rock ´n´ Roll). „Czechoslovak Song/Where Is England“ ist eine unveröffentlichte Version von „This ist England“. Weiteres unveröffentlichtes Songmaterial folgt mit „Pooring Rain“, „Blues on the River“, „Crying on 23rd“, „2 Bullets“. Von der Produktions- und Soundqualität ist das dann alles oder zum größten Teil im Demo-Aufnahmen-Modus – aber „einfach“ ist ja nicht unbedingt schlechter – hat bei „Pouring Rain“ zum Beispiel eine Livequalität. Bei „Blues on the River“ klingt Strummer wirklich wie Johnny Cash. „Crying on 23rd“ ein Garagenrock-Blues. „2 Bullets“ ist ein Stück vom „Sid und Nancy“ Soundtrack – ich schätze mal, dass Strummer da nur den Song geschrieben und „Pearl Habour“ ihm gespielt hat. 
Darauf folgen Stücke aus dem Filmsoundtrack des Films „When Pigs Fly“. „When Pigs Fly“, „Pouring Rain“, „Rose of Erin“. Seine Liebe zur Countrymusic ist auch bei diesen Stücken herauszuhören (aber irgendwie klingt „When Pigs Fly“ auch fast wie ein Beatles-Song.“Pouring Rain“ in der fröhlichen Folk-Fassung gefällt mir richtig gut. „Rose of Erin“ (sanfter Rock ´n´ Roll mit Folk-Elementen). Den Abschluss der ersten Werkschau machen zwei Song, die Strummer wohl kurz vor seinem Tode noch aufgenommen hat: „The Cool Impossible“ (ist eine Jazzrocknummer), „London is burning“ - Strummer im Rockmodus (und als Singleauskopplung war das eine gute Wahl!) . Unveröffentlichte Soundtrackarbeit, die er mit Mick Jones gemacht hat: „U.S. North“ (eine symphonische Hymne zum Abschluss – wie passend).

Musthave – und ich bin wirklich neidisch auf Leute, die diese Songs schon viel viel länger kennen. (355)

St. Vincent – All Born Screaming (2024)

Ich hatte mal eine CD von David Byrne und St. Vincent gehört, die ich recht gut fand. Danach hatte ich mir auch ein paar Soloaufnahmen von St. Vincent angehört, doch konnte ich damit weniger anfangen. Jetzt versuche ich eine erneute Annäherung an St. Vincent mit der neuen CD. 
Hinter dem Namen St. Vincent steckt die Musikerin Anne Erin Clarke, die ihr siebte Album auch selbst produziert hat. 

Das Album wird mit dem Song „Hell is Near“ eröffnet, den ich mal den Stempel treibender Art-Pop-Rock aufdrücke. Der Song könnte von Fans des 4AD-Labels sehr gemocht werden, weil er an viel erinnert, was auf dem Label veröffentlicht wurde – da fallen mir frühe Shoegazin- und Dreampopbands genauso ein wie Dead can Dance. „Reckless“ gefällt mir in seiner ruhigeren und stimmungsvollen Art noch ein wenig besser – auch der Song erinnert mich auf positive Weise an mir bekannte Musik und Bands.
„Broken Man“ erinnert mich sowohl an David Byrne als auch an PJ Harvey. Da wird härter gerockt. Den Art-Rock-Stempel wird das Album nicht los, auch wenn eine ganze Menge Indie-Rock/Pop-Charme bei der Musik von St. Vincent dabei ist – genau den höre ich bei dem mir wieder gut gefallene „Flea“ heraus. 
Was St. Vincent auf dem Album macht, ist schon nicht schlecht – erinnert mich sehr an Joan as a Policewoman – auch wenn St. Vincent gegenüber der erstgenannten experimenteller und genreübergreifendere Musik macht. 
Bei „Big Time Nothing“ kommen noch Dancefloor-Beats und Disco-Vibes zur Musik hinzu – es gab mal ein hervorragendes Duo namens Wendy & Lisa – auch daran erinnert mich der Sound – und wie bei Joan as a Policewoman ist dann natürlich ein Prince auch mit drin in der Soundbeschreibung der Platte.
Ansonsten kann man den Song einfach auch als „wuchtig“ beschreiben. 
Auch recht „fett“, gleichzeitig sanft gesungen: „Violent Times“. Da ich es ja immer mag, wenn eine Platte beim Durchhören nicht langweilt – bekommt die Platte jetzt schon ein paar Pluspunkte – denn langweilig ist hier nichts. 
Zu ein paar Drummachine-Klängen wird gefühlvoll gesungen und damit bekommt das Album auch ein Stück mehr Seele: „The Power´s Out“. 
Etwas schräger wird es mit dem Titel „Sweetest Fruit“ und auch hier erinnert mich ihre Musik wie eine aktuelle Annäherung an die anspruchsvolleren Popmusikstücke der 80er. Mit Reggae-Groove: „So many Planets“. Und so ganz weiß ich nicht, wie ich die Songs und Musik, die ich hier gerade höre richtig einzuordnen habe – das wird sich wohl auch erst beim wiederholten Hören der Einzelstücke herausstellen. 
Power-Art-Pop-Rock mit großen Hang zum Zitieren. 
Richtig herausragend ist die Zusammenarbeit mit der von mir sehr geschätzten Cate Le Bon am Ende des Albums beim Titelstück „All Born Sceaming“. 
Aufhorchen lassen hat mich St. Vincent mit diesem Album und ich muss ihr ganz viel Könnerschaft als Songschreiberin und Produzentin eingestehen. Mit Ihr bin ich noch nicht fertig – da muss ich mir ein größeres Wissen vom Gesamtwerk wohl aneignen. (420)

Sugar – Copper Blue (1992/Reissue 2012)
Deluxe Edition – 2 mal CD + 1 DVD (NTSC)

1992 wollte Bob Mould mit neuem Label ein neues Studioalbum herausbringen, doch während der Aufnahmen entwickelte sich eine Gruppendynamik, so dass aus dem Soloalbum eine Band-Album wurde. Der Sound des Albums passt zum Grunge-Rock dieser Zeit und Bob Mould beichtete das ohne „Nevermind“ von Nirvana wohl auch dieses Album nicht den Erfolg gehabt hätte, den es nach der Herausbringung hatte – aber wer weiß, vielleicht hätte die Hörer auch sonst die Qualität dieses großartigen Albums erkannt. 

Auf der ersten CD findet sich neben dem original Album noch B-Seiten und Live-Material. Auf der zweiten CD ist ein Livekonzert-Mitschnitt enthalten und auf der DVD finden sich Promo-Videos und TV-Auftritte. 

Mit „The Act wie Act“ beginnt das Album mit kräftigen Gitarrenriffs. Der Song selbst ist zwar recht laut und mit härteren Gitarren, hat aber auch einen guten harmonischen Refrain. „A good Idea“ finde ich riesig – hat den Drive eines guten Pixies-Songs und macht total Laune. Gefolgt von dem ebenfalls sehr guten „Changes“ - der Umgang mit Gesangsharmonien im Punkrock-Gefilde, darin ist Bob Mould einfach einer der ganz Großen. Warum ich diese Platte so mag – weil es aus dem sehr beeindruckenden Plattenkatalog von Bob Mould doch immer etwas herausragt – weil es einfach sehr guten Rock bietet. Songs wie „Helpless“ scheint Bob Mould sich einfach so aus dem Ärmel zu schütteln. 
Verzerrte Gitarren am Anfang, dann folgt ein weiteres Meisterstück: „Hoover Dam“. Etwas atmosphärischer, aber trotzdem im Rocksonggewand: „The Slim“. Harmonischer Rock: „If I can´t change your Mind“. Toll gerock: „Fortune Teller“. Und weil Bob Mould solche Songs so gut kann, finde ich halt Bands wie „Foo Fighters“ einfach langweilig – weil die dass Selbe versuchen zu machen – aber nicht annähernd an die Klasse und Qualität dran kommen. 
„Slick“ ist noch so ein weiterer mitreißender Song mit tollen Gesangsharmonien. Von Vorne bis Hinten ist die Platte einfach gut gerockt und so auch der letzte Song „Man on the Moon“. 

Das B-Seiten-Material besteht aus „Needle hits E“ - flotter Rocksong, einer Solo-Version von „If I can´t change your Mind“ (sehr schön), „Try again“ - Shoegazin-Rock-Ballade, „Clownmaster“ - härtere instrumental Rocknummer. 

Bei den vier Stücken der BBC-Studio-Session hören wir dann noch mal „If i can´t change your Mind“ als erstes, gefolgt von „Hoover Dam“ und „The Slim“ - als einzigen Nicht-Album-Song ist dann noch der vierte Song interessant: „Where Diamonds are Halos“ - ein sanfterer und richtig guter Rocksong.

CD 2 besteht wie gesagt aus einem Live-Mitschnitt aus dem Cabaret Metro, Chcago, 22.7.1992. Da werde ich jetzt auch nicht zu jeden Titel was schreiben – sondern nur wenn mir was ungewöhnliches auffällt und wenn Titel gespielt werden, die bisher nicht besprochen wurden.

Live machen „A Good Idea“ und „Changes“ auf jeden Fall auch eine jede Menge Spaß. Das mir bisher unbekannte „Running out of Time“ ist eine Punkrock-Nummer. Danach folgen weitere Tracks von der „Copper Blue“ (auch da gefällt mir „If I can´t change your Mind“ wieder richtig gut) und eine der B-Seiten-Nummern. Danach folgt das unbekannte „Beer Commercial“ - der rockt von den Gitarren mal so richtig gut und wechselt dann in eine Post-Rock-Stimmung. „Anyone“ - rockt auch richtig gut. „Tilted“ ist mal fetter Heavy am Anfang und schwenkt schnell im Punkrock-Modus um. Mit „Armenia City in the Sky“ ist auch ein „The Who“ Cover enthalten. Der Song fällt bei mir aber etwas durch. „J.C. Auto“ rockt dagegen rotzig und hart – der Sound von Sugar ist „live“ auf jeden Fall etwas vielschichtiger als auf der Platte. Noch ein richtig guter Rocksong gibt es fast am Ende mit „Dum Dum Boys“. (483)

Die DVD enthält drei Promo Videos (Helpless, Changes, If i can´t change your Mind – sowie TV-Auftritte mit den Songs „Helpless“ bei Late Show UK und Interviews für MTV 120 Minutes.

The Sugarcubes - Here Today, Tomorrow Next Week (1989)

Dies ist das zweite Album der isländischen Band um Björk Guõmundsdóttir und Einar Örm Benediktsson. Mit der verspielten, übermütigen Indie-Pop-Nummer „Tidal Wave“ beginnt das Album. PartyMusik auf nordisch. Der Alternativ-Indie-Sound von Stücken wie „Regina“ setze ich auf einer Stufe wie die bahnbrechenden Stücke von Pixies und beide Bands waren zur gleichen Zeit aktiv geworden und sorgten damit für einen kleine Erschütterung und Erneuerung in des Alternativ-Rock-Genre. Und Menschen wie ich, wurden plötzlich Fans von lauten und schrägen Gitarrenklängen (in den frühen 80ern hatte ich dafür nur ein stark begrenztes Interesse – da mussten dann meist schon Keyboards und Synth mit dabei sein – heute liebe ich dafür den Alternativ-Rock der späten 70er frühen 80er um so mehr und hab da jede Menge noch zu hören und zu entdecken – was ja auch schön ist).
„Speed is the Key“ hat einen schönen 80er Vibe und erinnert mich sofort an The B-52´s. Mit „Dream TV“ wird’s etwas ungestümer und punkiger. Durch den geteilten Gesang von Björk und Einar bleibt aber der The B-52´s Charme erhalten. Auf jeden Fall steckt das Verspielte und Stürmische auch in „Nail“ voll drin. Mehr auf Atmosphäre gebaut: „Pump“. Irgendwie klingen die Cubes ja wie ein Mix aus aller Musik für die das 4AD/Beggars Banquet-Label bekannt ist – nur spielen sie es mit ihren ganz eigenen wilden Kindergartenübermut, den sie sich oder für ihre Musik bewahrt haben. 
Schönster Indie-Rock-Pop: „Eat the Menue“. Genauso gut geht’s mit „Bee“ weiter. Dann wird’s wieder etwas wilder mit „Dear Plastic“. Schon sehr im Pixies-Style: „Shoot Him“. Mal sanfter: „Water“. Leicht schräg und punkig: „A Day called Zero“. „Planet“ hat was vom der Stimmung des Stücks „Birthday“ vom Debütalbum. 
Die drei weiteren Stücke wurden nur auf der CD als Bonus mit drauf gepackt. 
„Hey“ ist nochmal so ein überdretes B-52-artiges Stück. „Dark Disco 1“ - nochmal stürmischer Alternativ-Rock. Etwas Rock`n`Roll-Roll/Country-Feeling mit Björk-Gesang gibt’s zum Schluss: „Hot Meat“. 
Eine Frischzellenkur für den Alternativ-Rock. (273)

Moses Sumney – Aromanticism (2017)

Mehr Jazz als Indie oder Soul, ambitioniert vom Gesang und Komposition – erinnert vielleicht auch ein wenig an Prince, wenn dieser mit hoher Stimme sang – aber eigentlich erinnert es mehr an die große Zeit der Jazz-Singer in den 40er bis 60er Jahren. Dies gilt sowohl für „Don´t bother calling“, als auch für „Plastic“ - und so richtig ändert sich das beim Song „Quarrel“ auch nicht – aber da passen die Zutaten von Gesang und Musik besser zusammen, als bei den Stücken zuvor. Das mag einer swe Songs gewesen sein, der die Kritiker aufhorchen ließ, um das Album hoch zu loben. 

Kurzes Zwischenspiel: „Stoicsim“. Anscheinend kann Moses Sumney nur sanfte Töne anschlagen – aber weil er es gut kann, funktioniert es bei „Lonely World“ auch wieder gut. Und hier sind dann doch Indie-Pop-Fragmente auch zu finden. Chamber-Soul/Pop mit hohen Anspruch an die eigene Gesangsleistung. 

Bedroom Soul: „Waiting in my Car“ - da ist der Prince-Vibe sogar ein wenig stärker zu hören. Da es alles sehr elegant, eher langsam und unaufdringlich eindringlich gemacht und gespielt ist, hat das Album natürlich das Problem des Gleichklangs der Musik. Und so ist das ein Album, das seine Songs besser wieder in einer Playlist zu Glanz verhelfen kann, als es diese Aneinanderreihung tut. Da muss man schon als Hörer geduldig sein, oder diese Art von Musik sehr gern mögen, um nicht im Kopf vor Ende des Albums schon abzuschalten. So setzt sich das Album mit der Eleganz eines stolzierenden Schwans mit „Doomed“, „Indulge Me“ und am Ende mit „Self-Help-Tape“ fort. 

Was am Ende bleibt – ist Erhabenheit – vielleicht der Startschuss der Karriere einer großen Diva – ob Moses Sumney sich damit durchzusetzen vermag, dies bleibt abzuwarten.

Sun Ra and His Arkestra – Super-Sonic Jazz (1957)

Das dürfte jetzt die älteste Aufnahme sein, die ich hier bisher besprochen habe – da merke ich auch wieder, dass ich musikalisch ein Kind der Endsiebziger bin, der ab den 80er begonnen hat, aktiv Musik zu hören und zu kaufen – dabei aber auch kaum Platten aus den 70ern berücksichtigt hatte. Das hat sich zwar mit der Zeit geändert, aber auch in den 70er liegt noch einiges im Verborgenen für mich und von der Musik vor dem 70ern und dem aufkommenden Rock der späten 60er Jahre kenne ich kaum was. Ein paar Jazz-Sachen und vielleicht noch etwas Filmmusik – aber das war es dann. Also will ich ab jetzt auch mal mehr hören – was vorher war – weil das was vorher war – hat das was danach kommt beeinflusst – das ist immer so.

Was mir sofort bei der Platte von Sun Ra and his Arkestra auffällt, ist das das erste Stück eher mehr nach klassischer Musik klingt, die aber eben von einer Jazz-Big Band gespielt wird: „India“. Dagegen ist dann Stück Nummer zwei „Sunology“ eher das, was ich als klassisches Jazzstück bezeichne, das von einer großen Band gespielt wird. Aber der Aufbau ist eben klassisch – erst spielen alle Zusammen, dann folgen die Soloparts und dann wird nochmal zusammen gespielt. Das ist alles auf einem sehr guten, wenn nicht sogar hohen Niveau gespielt. Das zu dieser Zeit eher im Jazz selten zu hören gewesene E-Piano bei „Advice to Medic“ ist recht frei improvisiert. „Super Blonde“ dagegen lässt das Arkestra swingen.- kommt dabei aber nicht über etwas Durchschnittliches hinaus. Besser dann das kurze „Soft Talk“, bei dem vor allem die Bläser zeigen dürfen was sie können.

“Sunology – Part 2“ führt den sanfteren Jazz von Part 1 gekonnt fort – so wie bei diesem und beim Stück „India“ gefällt mir die Musik der Platte am besten. Ich bin aber auch als Jazzhörer einer, der eher die harmonischen und ruhigen und schönen Stücke mag – also wildes Improvisieren ist nicht so meins – von daher bin ich auch kein Fan der reinen improvisierten Musik und des Freejazz. Aber auch da gibt es Ausnahmen, die mir durchaus gefallen können. 
Auch das etwas temporeichere „Kingdom of Not“ kann mich mitnehmen. Das swingt schön und die Solos sind sehr gut gespielt. 
Sun Ra selbst spielte Klavier und E-Piano (auf späteren Platten dann auch verstärkt Synthesizer) und bei dem eher klassisch anmutenden Stücken wie „Portrait of a Living Sky“ merkt man auch, dass er durchaus auch außerhalb der Jazznorm Musik macht. Klingt dann schon fast wie Musik für einen Film. 
Doch der Bigband-Jazz-Sound (auch wenn die Bigband mit acht Musikern eigentlich gar nicht so „big“ ist) im Normbereich des Jazz gibt es noch zu genüge auf der Platte – so auch bei „Blues at Midnight“. Weiterhin ganz gut – und hier auch wieder etwas experimenteller: „El is the Sound of Joy“. Das Titelstück „Supersonic Jazz“ klingt wie eine sanfte Saloon-Bar-Jazz-Ballade. Das letzte Stück „Medicine for a Nightmare“ ist auch eher konventionell ausgefallen. (452)

Supertramp – Supertramp (1970) 

Verwundert musste ich feststellen, dass der in meine Playlist geratene Song „Try Again“ von Supertramp ist (hatte ich einer ganz anderen Band zugeordnet). Verwundert deshalb, weil „Try Again“ mit seinen über 12 Minuten, wie eine gute Psychrockband klingt und eben nicht wie Supertramp.
Waren Supertramp also am Anfang noch eine Rockband? Das wollte ich genau wissen.
„Surly“ ist nur knapp über 30 Sekunden (!) lang (sehr sanft) und „It´s a long road“ kenn ich auch aus meiner Playlist, hatte ich aber auch einer ganz anderen Band zugeschrieben gehabt – eine tolle 70er Jahre Rocknummer, mit Progrock-Elementen (habe ich etwa total vergessen, das ich diese Platte schon mal durchgehört hatte? Alles seltsam). Der schnelle Rock-Rhythmus wird von einer Orgel angeheizt. „Aubade and I am not like other birds of Pray“ ist wieder ein Stück aus meiner (Kino)Playlist ! (Hintergrund: die Musik im „Kino im Walzenlager“, die das Publikum zu hören bekommt, stammt von gemischten CDs, die extra für diesen Zweck erstellt und dann auf den Kino-PC übertragen werden – bei Vermietungen hätten auch andere Leute darauf Zugriff und hätten Songs in diese übertragen können – da scheint tatsächlich die ganze Platte hineingeraten zu sein). Auch das ist eine Progrock-Nummer. Weiter geht es mit einen weiteren mir wohlbekannten Song „Words unspoken“ (da Supertramp auch mit zwei unterschiedlichen Sängern arbeitet, ist es auch nicht verwunderlich, dass ich die Songs unterschiedlichen Gruppen zugeordnet hattee. Schade das Supertramp mit diesen Songs keinen Erfolg hatten – die waren richtig gut. Also richtig gut. Sollte in keiner Prog-Rock-Sammlung fehlen. „Maybe I´m a Beggar“ natürlich mir bekannt, hatte ich „The Greatful Dead“ zugeordnet. Das ist alles sehr sehr witzig – hab die Song bei der Arbeit alle mehrmals schon gehört und wäre dabei nie auf „Supertramp“ gekommen (ich weiss, ich wiederhole mich). Von Steppenwolf hätte auch „Nothing to Show“ sein können (rockt richtg fett), bevor es mit dem Anfangs erwähnten „Try Again“ weiter rockt, ist „Shadow Song“ eine ruhige Folk-Prog-Nummer. Mit seinen Psychrock-Sound hatte ich „Try Again“ bei Motorpsycho verordnet (so frisch klingt da der Sound – obwohl Motorpsycho ja nur in Ausnahmefällen mit Orgeln arbeiten. Mit „Shurly“ begann die Platte, mit „Shurly“ endet sie auch (aber in einer längeren Fassung). Großes Album. (118)

Emma Swift – The Resurrection Game (2025)

Die Australierin Emma Swift wurde bekannt durch zahlreiche Coverversionen von anderen Künstlern, nun ist ihr erstes Album mit eigenem Material erschienen.

„Nothing and Forever“ ist ein Singerin/Songwriterin-Stück, erinnert an an Lana Del Ray, ist dabei aber leichter, zugänglicher – fast schwerelos, traumhaft ohne traumatisch zu sein. Weich ohne weich gespült – also alles richtig gemacht. Die nun in Nashville lebende Musikerin hat sich dort mit lokalen Musikern für dieses Album zusammen getan unter anderen mit Specer Cullum (...Coin Collection).

Sehr viel schwungvoller aber trotzdem auch irgendwie überirdisch, traumhaft: „The Ressurection Game“. Warum bei Emma Swift ich das so viel besser finde als bei einer Lana Del Ray kann ich gar nicht sagen – vielleicht mag ich die Stimme von Del Ray auch einfach nicht – ich kann ja auch mit Mazzy Star nicht warm werden – aber vielleicht liegt es auch daran, das diese Art verträumte Musik mehr geerdet ist und vielleicht sind die Songs auch einfach besser musikalisch umgesetzt. Vielleicht weil ich „herzerwärmend“ auch mehr abgewinnen kann, als ewiges in Melancholie versinken. Leben heißt auch Freude empfinden und gerade bei Musik will ich das.

Ja, das ist schön, wie Emma Swift Musik macht – es ist nicht super originell – einen Song wie „No Happy Endings“ habe ich schon oft gehört, was solls – wenn der Song trotzdem schön ist, nehme ich den als einen von zehn einfach mit und ich merke, dass ich dieses Album einfach gut finden will. Weil ich das gerade irgendwie brauche. Eine neue Künstlerin zu entdecken, ein aktuelles Album hören – wissen dass Musik egal wann produziert – egal ob heute oder gestern – in mir etwas auslöst – und sei es nur – das ich verträumte Singerin/Songwriterin-Musik mal was abgewinne kann.

Roots/Country/Folk-Singerin/Songwriterin – alles das passt zu „Going where the lonley go“. Da erinnert sie auch an die ruhigen Stücken des letzten Feist-Albums. Dem schließt sich noch genauso das Stück „Beautiful Ruins“ an. 

Dann wird es halt doch ein wenig einseitig, weil auch die am Klavier gespielte Ballade „Catholic Girls are easy“ nicht für Abwechslung sorgt. Auch schön – aber ein wenig mehr Abwechslung im Tempo würde der Platte jetzt gut tun.

Etwas folkiger, aber trotzdem ein doch eher zartes musikalisches Gewächs: „Impossible Air“. 

Nein, Tempo will nicht aufkommen – da muss man einfach dann sich in die Schönheiten der verträumten Balladen verlieren. Eine Platte zum rocken ist das halt nicht – dafür wird der Hörer mit viel Schönheit konfrontiert, was jeden Einzelsong in einer Playlist nochmal eine stärkere Wirkung geben wird. Aber schön sind Songs wie „How to be small“ und „For you and Oblivion“ einfach. 

Und auch der letzte Song „Signing of with Love“ hält den Ton bei, der eigentlich nur vom zweiten Stück „The Ressurection Game“ kurz mit etwas mehr Schwung durchbrochen wird. Etwas mehr Stücke in der Art von „The Ressurection Game“ hätten dem Album nicht geschadet. Aber „Schöne Musik“ findet sich auf diesem Album. Was für Tag- und Nacht-Träumer. 

Taylor Swift – Midnights (2022)

Mit dem Album „Folklore“ hat mich Taylor Swirft zum Fan gemacht. Da stimmte einfach ganz viel auf dem Album und „Exile“, das Duett mit Bon Iver, ist ein Song für die Ewigkeit. Da war selbst ich auf „Midnights“ gespannt. Was bekam ich?

- ein Popalbum – Gesang und viel synthetischer Sound, wie sich halt aktuelle Chartmusik so anhört. Da wünscht man sich glatt die Akustikfassung  gleich hinterher, damit man das richtig genießen kann. „Maroon“ klingt eigentlich genau wie ein Song von „Folklore“ nur mit Billy Eilish Sound. 

Swifts Stimme hat ja was und „persönlich Klingendes“ zu formulieren vermag sie auch (so ganz ohne Können und Talent bekommt man so einen Erfolg ja auch nicht hin).

Ein Popalbum – bei dem jeder Song als Single ausgekoppelt werden könnte, doch vieles hört sich eben auch ziemlich gleich an. 
Ab in die Charts damit und schon beim zweiten Hören ist man Opfer dieses anschmiegsamen Sounds – aber beim Durchhören des Albums stellt sich ab der Hälfte so etwas wie Langweile ein. (36)

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