
Nada Surf – Lucky (2008)
Nada Surf machen sanften amerikanischen Indie- und Alternative Rock. Der erste Song der CD „See these Bones“ ist mitnehmend, atmosphärisch und auf sanfte Art und rockig. Mit dem Song sollte man eigentlich ein größeres Publikum erreichen. „Whose Authrity“ erinnert mich an den lockeren Rock von Teenage Fanclub, gefällig aber auch etwas langweilig – weil es von solchen Songs einfach viel zu viele gibt. Zu hart wollen Nada Surf wirklich nicht rocken, aber der sanfte Rock von „Beautiful Beat“ macht ziemlichen Spaß. Sie erinnern auch an Calexico. Schon mit den ersten drei Songs haben Nada Surf meine Erwartungen an sie überrascht. Ich dachte, wohl wegen falsch zugeordneten Beschreibungen, dass Nada Surf etwas mehr nach 90er Jahre Alternativrock mit Grunge und Crossover-Einschlag klingen würden, dem ist ja überhaupt nicht so.
Singer/Songwriter-Material können sie auch und da da klingen sie nicht anders als die kalifornischen Bands der 70er: „Here goes Something“. „Weightless“ ist auch schön zeitlos gerockt. Es sind dann auch eher die sanften Töne aus denen „Are you Lightning“ besteht. Ein wenig schwungvoller: „I like what you say“.
So ein wenig hört sich nach und nach aber ein Song dann doch leider wie der andere an, so ist „From on Now“ ein passabler Einzelsong – beim Durchhören langweilt er aber. Da hat, trotz gleichbleibenden Tempo (sanfter Rock), der Song „Ice on the Wing“ etwas mehr Power und macht nochmal Spaß. Dann doch mal etwas wuchtiger: „The Fox“. Ganz ganz sanft ist das abschließende „The Film did not go´Round“.
Wer seinen Sunshine-Rock amerikanisch und etwas softer mag wird von Nada Surf gut unterhalten. Wer es gerne etwas härter mag, sollte andere Alternativen vorziehen. (410)

Nap Eyes – Snapshot of a Beginner (2020)
Indie Rock aus Kanada – recht bodenständig und einfach nett sanft, unaufdringlich und zeitlos und sogar eingängig – mag ich: „So Tired“. Mag ich mal so richtig – meine Musik – das ist so nett, gut gespielt und diese Unaufgeregtheit, dabei aber nicht simpel – das macht Spaß. Da fällt mir der gute Plattentitel „Simple dosen´t mean easy“ ein – so ist das: „Primordeal Soup“. Und einfach nur gut: „Even through I can´t read your Mind“ - richtig guter Singer/Songwriter Rock. Richtig gute Entdeckung. Wird von Song zu Song auch immer besser: „Mark Zuckerberg“. Auch sanft und ruhig einfach gut: „Mysterie Calling“.
So richtig beschreiben, wie die Band klingt – obwohl mir das alles ganz vertraut ist – was die machen, fällt mir schwer – weil da alles drin ist was ich an Musik mag – Musik die einen starken Songwriter-Teil hat – aber auch als sanfter Rock sehr gut funktioniert. Und die Stimme von Nigel Chapman – leicht angeraut, aber gleichzeitig gefühlvoll ohne es zu übertreiben – das passt einfach zusammen. Eher sanft ist der Rock, aber in wirklich tolle Melodien gehüllt, die das Hören auch nicht langweilig machen. So ist „Fool tinking Ways“ auch wieder sehr sehr schön geraten – ohne lieblich zu sein – alles ist genau richtig. Bin verliebt.
Doch auch mal richtig gerockt: „If you were in Prison“. Mal länger geraten und wieder im leichten, etwas an Folk-, Psychrock erinnernd: „Real Thoughts“.
Ich glaub an den Stil von The Go-Betweens und Robert Forster erinnert es – aber fast mit noch mehr Leichtigkeit und Finesse gespielt.
Ich könnte auch schreiben, dass wenn die von mir vor kurzen gehörte CD von den Crash Test Dummies nicht von der Produktion so glatt poliert wäre – dann klingen auch Nap Eyes so ähnlich. Aber eben viel besser. Hört da nur mal den Song „Dark Link“ an. Gleiches gilt für „When I struck out on my own“.
Auch der etwas temporeichere Abschlusssong „Though I wish I could“ ist ganz fein. Tolle Platte, tolle Band. (518)
Neu! - Neu! (1972)
Sowohl für die elektronische Musik als auch für den Krautrock ist dies sicherlich ein früher Meilenstein. Das liegt vor allem am ersten Stück „Hallogallo“ – weil es ganz viel davon hat, was elektronische Musik, instrumentale Rockmusik ausmacht hat. Das gleichmäßige Gitarrenspiel wirkt wie ein Sequenzer und die nach Synthesizer-Klänge klingenden drübergelegten Sounds schmiegen sich über die Musik und geben dem Song einen sehr elektronischen Klang. Durch die Gitarre hat der Song aber einen ganz schönen Drive und nimmt mit. Und mich nimmt „Hallogallo“ immer mit.
„Neu!“ bestand vor allem aus Klaus Dinger und Michael Rother, die gerade „Kraftwerk“ verlassen hatten und schnell gemeinsam neue Musik aufnahmen. Die Aufnahmen zu diesem ersten „Neu!“-Album wurde an vier Tagen in einem Studio in Hamburg aufgenommen und produziert von Conny Plank.
Für den elektronsichen Klang des Stücke des Albums sind wohl auch rückwärts abgespielte Tonspuren und der Einsatz von sogenannten „Echoplex“ verantwortlich.
Laut Wikipedia wurde kein Synthesizer benutzt sondern Gitarren, Bass und ein Instrument Namens „Taishogoto“ (Japanisches Banjo), welches, als Dinger es mit im Studio brachte, die produktive Phase der Studioarbeit einleitete. Elektronische Musik ist das natürlich auch, weil sicherlich mit den E-Gitarren und dem E-Bass natürlich verstärkte und veränderte Gitarrentöne gespielt wurde und zu hören waren – muss ja nicht alles immer von Tasteninstrumenten und frühen Computern gekommen sein. Und gerade bei Michael Rother und Manuel Göttsching sind dies die Instrumente für ihre doch oft „elektronische Musik“.
„Sonderangebot“ ist recht experimentell gehalten und ein kurzes Zwischenspiel. Das längere „Weissensee“ hält das experimentelle zu Anfang bei, wird dann aber zu einen gemächlichen instrumentalen Rocknummer, die schon etwas an Pink Floyd erinnert.
Seite Zwei beginnt mit „Im Glück“ und das ist so ruhig, das es auch als Ambient zu bezeichnen wäre.
Erst mit „Negativland“ bekommt die Platte so etwas wie einen zweiten Schub. Auch dieses ist ganz zu Anfang experimentell, doch schnell setzt ein ruhiger Rockrhythmus ein, der wie bei „Hallogallo“ wieder mit Effekten verziert wird. Aber es ist eben der Rockrhythmus wieder, der zwar sehr gleichbleibend ist, aber einen so fesselt, dass man das über die längere Distanz bis zum Songende gerne im Kauf nimmt, aber in der Mitte kommt der Song fast zum Erliegen, nimmt dann aber doch wieder an Fahrt auf und kurz vor Ende wird auch das Tempo mal verschärft. Bei dem Stück erinnert der Sound der Band aber mehr an Krautrock-Kollegen von „Can“ als an frühe elektronische Musik.
Abschließend gibt es mit „Lieber Honig“ so was wie ein Einschlaflied mit ziemlich schrägen Gesang von Klaus Dinger und am Ende wird es zu einer Geräuschsammlung.
Fazit: Natürlich ist der Sound von „Hallogallo“ und „Negativland“ ungebrochen aktuell und so kann man das Album schon als visionär ansehen. Klaus Dinger und Michael Rother haben sich damit auf jeden Fall einen Platz in den Chroniken des Krautrock- und der Elektronische Musik gesichert. Aber um jetzt ein Meisterwerk zu sein – überzeugt mich einfach der Rest des Albums zu wenig. 667


The Neville Brothers – Yellow Moon (1989)
Wer zwischen 1986 und 1992 sich für die Platte-des-Monats in diversen Musikzeitschriften interessiert hatte, kam um die Alben produziert von Daniel Lanois nicht herum – der zuvor mit Brian Eno, Peter Gabriel und U2 gearbeitet hat, und auch Bob Dylan und das Solo-Debüt von Robbie Robertson produziert hatte. So kaufte man sich dann auch brav das Album „Yellow Moon“ von den Neville Brothers – diese hatte zwei Jahre zuvor ein erfolgreiches Comback gestartet und dieser Erfolg sollte sich mit diesem Album fortsetzen. Der bekannteste Song von einem der Neville Brohters (sozusagen der Michael Jackson unter den Brüdern) ist Aaron Neville, der mit dem Song „Tell me like it is“ in den 60er einen ganz großen Hit hatte, den wirklich fast jeder irgendwann einmal, oder auch mehrmals mal gehört hat. Insgesamt sind die Brüder zu viert – es gibt noch Cyril, Charles und Ivan Neville – diese werden bei der Platte an der Gitarre von Brian Stolz, am Bass von Tony Hall und an den Drums von Willie Green unterstützt. Außerdem sind unter anderem die Produzenten Lanois, Brian Eno bei den Aufnahmen als Musiker aktiv gewesen und die Dirty Dozen Brass Band hat auch etwas zu Herstellung der Platte beigetragen.
Bei den Songs handelt es sich um Eigenkompositionen, sowie Songs von Bob Dylan und Sam Cooke und A.P. Carter. Das Stück „Healing Chant“ wurde als bester instrumentaler Song mit einem Grammy Award ausgezeichnet.
Die CD beginnt mit dem von Percussion, Bass, Gesang angetriebenen Song „My Blood“. Da mischt sich Soulgesang mit Singer/Songwriter-Musik und vereinzelten afrikanischen Klängen. Sehr sehr schöner Eingangssong – da er einen sofort richtig mitnimmt – auch wenn es eher auf sanfter unaufdringliche Art geschieht. „Yellow Moon“ ist ein funkig und souliger Song. Geschrieben vom verstorbenen Gitarristen Link Wray, der mal mit „Rumble“ einen Top 20 Song in den US-Charts hatte, stammt der Song „Fire and Brimstone“. Bei den Neville Brothers klingt der Song nach einer Nummer von Ry Cooder – und da merkt man den Südstaaten-Bezug des Produzenten und den Aufnahmeort New Orleans. Der Soul-Klassiker „A Change is gonne come“ wird samtweich – und wie es sich gehört mit sehr viel Seele wiedergegeben. Der wuchtige Sound von „Sister Rosa“ samt Rap-Gesang bringt Abwechslung und funktioniert wirklich sehr gut. Ein wenig zu lang und zu pathetisch ist der Dylan Song „With God on our Side“ geraten. „Wake Up“ schließt dann zum Glück an den Sound und die Kraft von „Sister Rosa“ wieder an – dieser Sound macht wirklich Spaß. „Voo Doo“ ist schön jazzig geraten und man swingt auf soulige Art mit dem Song schnell mit. Wenn der Gesang nicht zu sanft und gottesfürchtig eingesetzt wird – ist dieser auch einfach richtig gut. In späteren Jahren hat sich ja Aaron Neville sogar noch erfolgreich im Country-Genre behaupten können. Also vielseitig ist dieser Sänger und seine mir manchmal zu schwülstige Stimme auf jeden Fall. Wo wir von Country gerade reden – da kommt der zweite Bob Dylan-Song genau zu richtigen Zeit – denn „The Ballad of Hollis Brown“ hat einen schönen Roots-Groove. Aber dieser Song passt mir viel mehr als der göttliche „With God on our Side“. Ein Song der irgendwie ja nett ist (und auch wohl jeder auf die eine oder anderer Form her kennt) „Will the Circle be unbroken“ ist ja nett – aber eigentlich schon sehr sehr nah am Kitsch und mit etwas zu viel Pathos wieder produziert. Hat „Healing Chant“ den Grammy Award verdient? Antwort: ja – gute Jazzrock-Nummer. Letzter Song. „Wild Injuns“ - feiert noch mal richtig den Funk – ist aber letzten Endes ein wenig zu simpel geraten – aber gut gespielt. Dieses gilt fürs Album aber ganz und gar nicht – resümierend könnte man sagen – drei Songs sind ein wenig unnötig – der Rest dafür aber sehr gut geraten – Platten produziert von Daniel Lanois stehen halt für Qualität. Aber natürlich wäre ein Produzent nichts ohne die Fähigkeiten der Künstler. (247)

The New Age Stepper – The New Age Steppers (1981)
The New Age Steppers waren ein Dub/Reggae-Projekt um den Produzenten Adrian Sherwood herum. Dub-Reggae ist jetzt nicht wirklich eine meiner bevorzugten Musikgenre aber um die Entwicklung der elektronischen Clubmusik und Genre wie TripHop besser verstehen zu können ist das Genre nicht unbedeutend oder geradezu wichtig. Die Dubszene ist ja auch eng mit der DJ-Kultur verbunden.
Entspannter Reggae mit Dub-Effekten bietet der erste Song „Fade Away“ - ist aber etwas düsterer gehalten als es bei reinen Reggae-Acts normal wäre. Da spielt der Einfluss von PostPunk-Musikern wohl eine entscheidene Rolle, die Adrian Sherwood bei der Produktion des Albums geholfen haben. Das hört man dann noch verstärkter bei „Radial Drill“. Und das macht das Album dann schon wieder sehr interessant für mich – klingt dann schon fast wie „Public Image Ltd“ in Instrumental.
Bei „State Assemby“ finde ich es sehr schön, wie sich der Reggae so langsam ausbreitet und der Song sich mit seinen Sounds weiter entwickelt. So gefällt mir dann Dub-Reggae doch mal richtig gut. Schon fast experimentell gehalten: „Crazy Dreams and High Ideals“.
Und es wird noch besser: „Abderhamane´s Demise“ ist vom Rhythmus schon ganz was feines und außergewöhnliches – für 1981 sind das ganz großartige Sounds, die da auf dem Hörer losgelassen werden. Kleiner Diamant.
Und das bleibt von der Qualität einfach ganz super – wie ich es nie vorher erwartet habe – was die Musiker da machen, ragt schon aus dem Dub-Reggae Feld sehr heraus und lässt sich wirklich besser als Dub-Post-Punk bezeichnen. Wer Post Punk mag sollte da auf jeden Fall mal reinhören: „Animal Spaße“.
Und nach dem ersten Stück dachte ich nur, dass das jetzt ein ganzes Album voller solider Dub-Reggae-Stücke wird – ist aber viel mehr als dass. Wundertüte.Was die Schlagwerk- und Rhythmus-Geräte-Sounds angeht ist das wirklich ein Riesenalbum.
Dann wechselt es doch mal wieder zum fast normalen Dub-Reggae. Das Album brauchte ja vielleicht auch Single-Material und als solches funktioniert „Love Forever“ sicherlich gut.
Das Original-Album endete mit „Private Army“ - welcher auch einfach Hammer ist. Weil es einfach anders ist. Weil es den Post Punk, den ich zur Zeit sehr liebe was neues gibt – und der elektronischen und dem Indierock zeigt, welche Grenzen es in der Zukunft noch zu sprengen gilt. Ganz groß.
Die Bonus-Tracks: „Izalize“ - von Langeweile ist da auch keine Spur – weil es einfach so gut im Mix ist und das hätte ich bei Dub-Reggae wirklich nicht erwartet – da dachte ich schon, dass ich da vielleicht auch mal eine Pause beim Hören einlegen müsste, damit mir nicht jeder Song zu gleich daherkäme – aber voll gefehlt. Wie gesagt – sehr gute Entdeckung und bei „Izalize“ geht es sogar schon leicht in den Jazzbereich.
Da merkt man auch wieder was im Mix- und Produktionsbereich schon alles an Effekten möglich war – und dass ist sicher auch ein Qualitätsmerkmal des Albums – es klingt überhaupt nicht alt und eigentlich auch so gut wie gar nicht nach 80er – es klingt frisch und innovativ. Man höre nur: „May I Version“. Ich weiß bei den Bonusstücken aber nicht – wie die für die Neuauflage des Albums aufgefrischt wurden – aber was soll´s – wenn es so oder so gut klingt.
Wirklich nicht mehr als ein scherzhaftes Bonusstück: „Avante Gadening“. Und mit „Singlove“ wird das Grundthema von „Love Forever“ nochmal verarbeitet. Diesmal aber mit männlichen Gesang.
Furioses Album. Sehr positive Überraschung.

New Build – Pour it on (2014)
Mitglieder der Indie-Electronik-Synth-Pop-Band „Hot Chip“ bildeten das Nebenprojekt namens New Build. „Pour it on“ war die zweite und bisher letzte Veröffentlichung des Projektes.
„The Sunlight“ ist ein schöner sanfter Synth-Pop-Electronica-Song, der mich auch sofort an das Album „Morning Phase“ von Beck erinnert – das Stück nimmt aber in den letzten zwei Minuten noch ein wenig an Fahrt auf und motiviert dann schon zum Mittanzen.
Mehr im Club-Dance-Modus von den Beats her ist dann auch „Look in Vain“ - den Gebrauch von alten Synthsounds – die sehr nach 80er klingen, finde ich super und der Song wirkt auch im Gesamten so, als ob jemand einen 80er-Synth-Pop-Song in den 2010er Jahren neu aufgenommen hätte. Super. Ganz toller Song. Die Verbindung aus Retro-Sounds und neuen elektronischen Stilelementen hält der Song „Strange Network“ gut durch. Wer mit 80er Jahre Synth-Pop und New Wave und Post Punk was anfangen kann – müsste die Platte jetzt schon mögen.
Etwas mehr im Disco-Modus: „Louminous Freedom“. Synth-Pop: „Weightless“. Den guten Synth-Pop bleiben New Build auch mit „White Sea“ treu und das macht so richtig Spaß – auch weil es eher im entspannten langsameren Tempo gut funktioniert. Richtig gut finde ich, das folgende Lied „Different Kind“, weil es durch den Gesang und die Verbindung mit der treibenden Melodie schon eine starke Spannung aufbaut und episch wirkt. Da kommt viel gut Gemachtes einfach zusammen. Auch eine ganz tolle Nummer.
„Witness“ ruhiger, was für Depeche Mode-Fans. Zum Schluss das Titelstück „Pour it on“. Nochmal ein sehr atmosphärischer starker Synth-Pop-Song.
New Build beweisen, dass auch in der Gegenwart klassischer Synth-Pop gut funktionieren kann. (431)

Randy Newman – Trouble in Paradise (1983)
Einige Songs von Randy Newman, wenn auch als Covernummer von anderen Bands gespielt, sind einfach unvergesslich:: „Momma told you not to come“, „You can leave your Head on“ und und und. Lange Zeit war er einer von vielen, dessen Platten von Kollegen und Kritikern gefeiert wurden, der es aber nicht in die Charts schaffte. Doch auch dies änderte sich zum Glück. Mit dem Album „Little Criminals“ schaffte er es erstmals 1977 in die Top Ten der Billboard 200.
Seine Songs sind manchmal einfache Singer/Songwriter-Stücke, die er nur selbst am Piano begleitet, dann aber wieder hochkomplexe Stücke, die in einem Musical oder auch auf einer Frank Zappa-Platte passen würden. Sicherlich ist Randy Newman einer, bei dem die Texte der wichtigste Bestandteil eines Musikstückes sind. Hier kann er zärtlich, bissig, brüllend komisch sein oder er beschreibt einfach die Zustände im Land, auf der Straße und im Haus. Dafür erschafft er Alter-Egos bei denen man sich immer fragen kann, ob es sich bei dem Gesungenen um die Meinung von Randy Newman oder die seiner Charaktere handelt. Ein Songautor und ein Meister seines Fachs. „Trouble in Paradise“ ist vielschichtig. Manche Songs machen es dem Hörer sehr einfach, wie zum Beispiel „The Blues“ ein Duett mit Paul Simon. Andere Stücke drohen ein wenig von der bissigen Selbstironie übernommen zu werden, machen aber auch andererseits deswegen sehr viel Spaß wie „I love L.A.“ und „My life is good“ beweisen.
In keinem amerikanischen Songbook darf der Name „Randy Newman“ fehlen. So einfach ist das. Seine Alben „Little Criminals“ und „Land of Dreams“ gehören auf jeden Fall zu meinem persönlichen Songbook. (146)
Randy Newman – Land of Dreams (1988)
Um Fan von einem Musiker zu werden, braucht es manchmal nur zwei gute Lieder auf einer Platte und dies war bei dieser Platte so, was aber nicht heißen soll dass „Falling in Love“ und „Something Special“ die einzig guten Songs auf „Land of Dreams“ wären. Da ich, wie bei so vielen CDs, diese aber auch sehr lange nicht mehr durchgehört habe, bin ich gespannt, was sich außer den beiden Lieblingssongs noch so alles wiederentdecken läßt.
Kindheitserinnerungen gibt Randy Newman in dem schönen „Dixie Flyer“ preis – erinnert mit seinen schwungvollen Pianospiel auch an die Songs von Bruce Hornsby und verwebt das meisterhafte Songwriting und mitnehmende Musik zu einem schönen Ganzen.
Im Süden der USA bleibt das Album auch mit „New Orleans wins the War“. Ein wunderbarer Singer/Songwriter-Song, der bei Randy Newman meist nach mehr klingt – der sich meist nach diesem Album auf das komponieren von Filmsoundtracks konzentrierende Musiker – hätte sicherlich auch ein großartiger Musicalautor sein können – irgendwie sind die besten Lieder von Randy Newman immer großes Kino.
Mit kräftigen Sound bewegt sich dann „Four Eye“ mehr im Art-Rock-Bereich und mit dieser Vielfalt erinnert er mich – und bei beiden kann man wohl unumwunden von Musikgenies schreiben – mich an Frank Zappa – nur statt mit Gitarre unterstreicht Newman seine Kunst eher mit Worten – beide zeichnen sich aber durch ihre Furchtlosigkeit aus – und auch an eine Kate Bush (auch ein Genie) erinnert „Four Eyes“ und ist wirklich gut, diesen Song nach vielen Jahren mal wieder zu hören und richtig zu würdigen.
Aber so richtig habe ich Randy Newman eben für die Songs „Falling in Love“ (mit der Leichtigkeit eines guten Huey Lewis and the News Songs) und „Something Special“ (toller Lovesong“) geliebt und tue dies auch immer noch. Bei „Falling in Love“ hört man auch das Mitwirken von Jeff Lynne wieder gut heraus. Viele der anderen Songs wurden von Mark Knopfler produziert und bei „Somthing Special“ wurde dies von dem ebenfalls in der Filmmusikbranche tätigen James Newton Howard getan.
Auch ganz großartig – aber wieder im ernsteren Modus – der Song „Bad News from Home“ – da überträgt sich aber auch bei jedem Song der Stimmungswechsel direkt auf den Hörer.
Wieder mehr mit Musicalcharme: „Roll with the Punches“ – man könnte das auch einfach Jazz nennen und eigentlich wäre es nett Randy Newman mal zusammen mit Lyle Lovett spielen zu hören. Beide Musiker verbindet ja diese Kunst Musik zu etwas Besonderen zu machen und beide haben fürs Kino gearbeitet (Lovett als Schauspieler).
Und bei „Masterman und Baby J“ rappt er dann sogar – ist witzig – aber irgendwie auch dann ein wenig zu viel des Guten. Aber eben ein Spaß.Wie geschrieben ist Newman furchtlos.
Danach folgt ein weiterer Art-Rock-Song im Zappa-Style: „Red Bandana“. Mich erinnert das einfach an die Zappa-Platte „Broadway the hard Way“.
Schöne Ballade: „Follow the Flag“. Danach folgt der Hit der Platte: „It´s Money that Matters“ – aber der funktioniert auch einfach immer und macht sehr viel Spaß. Und die Mark Knopfler Gitarre ist auch einfach super. Klingt aber auch wie ein guter John Hiatt-Song.
Traurig schönes Liebeslied am Ende: „I want you to hurt like I do“.
Einfach ein außergewöhnlich gutes Album – weil Randy Newman einfach auch ein Ausnahmekünstler und was Besonderes ist. Punkt.(657)


New Model Army – Thunder and Consolation (1989)
Zum Song „Vagabonds“ bin ich in meiner aktiven Discozeit immer gerne auf die Tanzfläche gegangen, der weitere Track, den ich von der CD früher gerne öfters gehört hatte, war der etwas melancholische „Green and Grey“ an den Rest der CD kann ich mich so gut wie nicht erinnern – daher lohnt sich ein Wiederhören nach langer Zeit wirklich mal wieder.
„I Love the World“ - eine Punk-Rock-Nummer – mit etwas Düster-Post-Punk-Anteil haut mich nicht um. Ist mir zu ungestüm. Mit Akustikgitarre beginnt „Supid Questions“ und dieser Punk, der auch ein wenig nach dem Protest-Rock eines Billy Bragg kling – gefällt mir direkt viel viel besser. Zwar auch wieder Punk-Rock – aber diesmal gelungen: „225“. Bei „Inheritance“ hat das Schlagzeug erstmal die Oberhand – dann kommt ein Fast-Sprechgesang dazu. Ganz tolle Nummer. Die hätte mir eigentlich schon früher auffallen müssen. Das schon fast folkige „Green and Grey“ mochte ich auch immer. Schöner Song. Zieht im Tempo nach kurzen ruhigen Part schnell an: „Ballad of Bodmin Pill“. Den Punk-Rock mit etwas Akustikinstrumenten zu lockern, tut der Musik wirklich gut. Großer Rocksong: „Family“. Das Album macht echt Spaß, man muss nur den ersten Song hinter sich bringen. Noch eine Ballade: „Family Live“. Mit Violine zum verdienten Magaerfolg: „Vagabonds“. „125 MpH“ war vier weitere Songs auf der CD auf der Originalplatte nicht drauf. Schneller Rocksong. Wieder etwas mehr Düsternis ist beim Song „Archway Towers“ zu verspüren. Ein Folk-Punk-Song: „The Charge“. „Chinese Whispers“ - ist mal dann, doch noch mal ein Song der mich in seiner „spaßigen Art“ nicht erreicht. Noch eine düster ruhige Ballade: „Nothing Touches“. Am Ende gibt es mit „White Coats“ noch eine Post-Punk-Nummer.
Da hat sich das Wiederhören nach zu langer Zeit wieder richtig gelohnt. Gutes Album. (262)

New Music – Anywhere (1981)
Das zweite Album der Band um Frontmann Tony Mansfield. Guter Synthpop, der heute problemlos als Indiepop durchgehen würde. Sehr elektronisch, schon fast wie ein YMO-Song klingend, fängt „They all run after the carving Knife“ an – doch nach dem Intro wird’s ein typischer New Music-Song. Das was ich an New Music so mag, ist, dass sie mit ihren Pop unverwechselbar sind. Ein New Music-Stück ist einfach zu erkennen an dem Gesang, den elektronischen, aber nach leichten Pop klingender Grundstimmung. Außerdem sind die Stücke für Popmusik recht anspruchsvoll geraten und ragen schon über das Popeinerlei ihrer Zeit heraus. „Areas“ ist ein gradezu zeitloses ruhiges Indiepop Stück und auch „Churches“ funktioniert immer noch super und könnte von einer aktuellen Musikgruppe genauso heute auf einem Festival gerade live dargeboten werden. Den Song fand ich immer schon richtig gut. Wirklich nur gute Songs. Auch „This Word of Walter“ mit Beatles-Einschlag – einfach nur schön. Und für mich ist die Platte, wie andere auch, eine absolute Zeitreise in die frühen 80er. Die frühen 80er sind musikalisch viel viel besser als man immer so annimmt und die Musik dieser Zeit hört man immer noch bei vielen aktuellen Bands und Musikern heraus – und dies egal ob sie mit dieser Musik wie ich groß geworden sind, oder ob sie sie viel später entdeckt haben – ist ja auch super das heute noch Musiker, die vielleicht gerade in den Anfang 20er sind, wieder neue Musik für das Grunge- und Post-Punk-Genre machen. Deshalb gilt für mich auch nicht der Spruch „Die klingen ja wie die und die und sind deshalb total langweilig und machen nur nach was andere gemacht haben. Nein, diese neuen Bands führen fort was andere begonnen haben – und das ist verdammt gut so.
„Luxury“: schöne Popnummer. Das ist zwar 80er Syntpop aber klingt wirklich immer noch frisch und nimmt mit: „While you Wait“. Ganz tolle Synthpop-Nummer – kann es mit den wirklich guten Stücken von Heaven17 und Human League aufnehmen. Dabei sind New Music aber viel leichter und heller, als der doch manchmal schwermütige Sound der anderer Synthpopbands ihrer Zeit.
Bin wirklich mit der Musik der Platte total glücklich und bekomme ein Lächeln bei einem Song wie „Changing Minds“ kaum aus dem Gesicht. Die Platte und Band ist/sind leider wirklich total unterschätzt (und es ist gut, das ich mir die Platte, doch mal in der Neuauflage zugelegt habe, weil ich gerade höre, dass die „Alte“ doch einige Gebrauchsspuren hat, die bei einem tollen Song wie „Changing Minds“ wirklich nicht sein müssen. Aber mit über 40 Jahren in stetiger Benutzung kann man auch ruhig so klingen. „Peace“ ist eine anspruchsvollere Popnummer. Großartig leichtfüßiger Elektropop: „Design“. Richtig gute Musik: „Traps“. Ein guter Song folgt auf dem nächsten: „Division“. Den Abschluss macht „Back to Room One“ - davor gibt’s aber ein kurzes ungenanntes Zwischenspiel. „Back to Room One“ reiht sich ein, in einer reihe wunderschöner Indiepopperlen. Ganz großartige Platte und wird ab jetzt sicherlich wieder viel öfter gehört. Und eine absolute Empfehlung an die, die sie nicht kennen. (350)

New Order – Power, Coruption & Lies (1983)
Mit diesem Album nehmen die Synth-Klänge gegenüber dem Debüt-Album noch mehr Raum in der Musik von New Order ein. Mit einer geradezu schön fröhlichen Indie-Rock-Pop-Nummer startet das Album: „Age of Consent“ - ganz tolle Nummer. Den Bass von Peter Hook mag ich ja besonders bei der Musik von New Order – von daher haben es die späteren mehr Pop-Alben ohne ihm auch etwas schwerer bei mir. Der Bass ist auch sehr auffällig bei „We all Stand“. Der Song ist typischer Post-Punk – aber sehr raffiniert gespielt und produziert. Die popigen Indie-Rock-Nummern sind einfach toll auf dem Album. Auch „The Village“ ist einfach richtig gut. Synt-Pop-Post-Punk bietet „5 8 6“ - der Song klingt am Anfang mit seinem Intro nach frühe Songs von „Human League“ – wird dann aber zur Disco-Pop-Nummer, die sehr an „Blue Monday“ erinnert („Blue Monday“ ist ja eigentlich auch Teil der Platte – nur eben extra veröffentlicht und nicht auf der Platte zu finden). Eigentlich schade, dass sie sich für ihre spätere Musik vermehrt für die Disco-Pop-Nummern entschieden haben und nicht bei ihren tollen Indie-Pop-Rock-Nummern geblieben sind. An „Orchestral Maneuver in the Dark“ erinnert „Your silent Face“. Ist aber eine schöne ruhige Indie-Synth-Pop-Nummer. Mit „Ultraviolence“ können wir auch noch Kraftwerk als elektronischen Paten für den Synth-Sound der Band hinzunehmen. Das ist ein Stück, das sich zwischen Post-Punk-Indie und Electric Body Music bewegt. Den Song haben Depeche Mode sicherlich stundenlang gehört und für sich dann das Beste raus gehört. Bei dem Album stimmt einfach noch das Zusammenspiel von Indie-Post-Punk und Synth-Pop, welches sich in den Songs sehr schön die Waage hält. Das hört man dann sehr gut bei dem schon sehr poppigen „Ecstasy“ - das als Indie-Disco richtig gut funktioniert. Noch mal perfekter Indie-Pop am Ende mit „Leave me alone“. Brillantes Album!!!! (225)

New Order - Low-Life (1985)
Das dritte Album der Band, auf dem sie noch mit Songs wie „Love Vigilantes“ sehr schönen Indie machen. Ab nach der „Substance“ (wir können Tanzmusik-Compilation) werden sie dann mit Songs wie „True Faith“ ja meist doch eher zur EuroDance-Electro-Pop-Band. Obwohl vereinzelnd auch bei den späteren Alben der alte Indie-Charme noch beschwört wird. Aber sagen wir mal das das Kapitel „Von Joy Devision zur Indiegröße“ ist damit abgeschlossen.
Dafür machen Songs wie „Love Vigilantes“ nochmal richtig viel Spaß. Und „Perfect Kiss“ ist in jeder Fassung mein absolutes New Order-Lieblingslied.
Das alte SecondHand erworbene Vinyl schreit aber gerade bei diesem Songs auch danach, gegen einen Neuerwerb ausgetauscht zu werden.Trotzdem ist das ein Riesenstück (immer und immer wieder) – hab davon auch die Maxisingle in alter und neuer Pressung.
Bei Songs wie „This Time of Night“ ist die Kombination von Synthesizermusik und Indiesound noch sehr harmonisch und gut gelungen. Und zu fröhlich und nach Partymusik klingt der Song erst recht nicht, dafür aber richtig gut.
„Sunrise“ ist nochmal eine riesige Indierocknummer.
Sehr leise beginnt die zweite Seite. Doch die Lautstärke des Stücks „Elegia“ steigert sich nach und nach – der Song strahlt was Sakrales aus. Bei „Sooner than you think“ hört man schon am Anfang Zutaten von „Blue Monday“ heraus. Aber auch der Song ist noch eine schöne Indie-Pop-Nummer mit etwas Euphorie versetzt. Bei „Sub-Culture“ hört man dann (leider) wohin die Reise in Zukunft hingehen wird – Willkommen im EuroDanceZeitalter.
Warum aber auch Indiestar bleiben – wenn man die Welt erobern kann? Das mit der Euphorie ist noch größer bei „Face Up“ zu hören. Dabei hört man auch, dass Sänger Bernard Sumner nie ein richtig guter Sänger werden wird. Aber er scheint eine Menge Spaß beim Singen des Refrain zu haben – man hört die Leidenschaft und das ist mehr Wert als den richtigen Ton zu treffen. (354)

New Order – Substance 1987 (1987/2023 – 4 Disc-Edition)
Ehrlich gesagt, am meisten interessiert mich die Live-CD, dass ist aber Disc Nummer Vier – also erst mal Originalsong, Instrumentalfassungen und Dubs und Remixe hören. Ein paar Songs werde ich danach sicherlich Jahrelang nicht mehr hören können, weil die hier in bis zu vier unterschiedlichen Fassungen zu haben sind. Naja – vielleicht ja auch Jammern vorm Hören auf hohen Niveau. Bin ja selbst Schuld – hätte mich auch mit der alten Ausgabe zufrieden geben können. Immer diese unnötigen Käufe von Platten die man schon lange hat – nur weil, es vielleicht besser klingt (bin aber nicht so der audiophile Typ, dafür habe ich wohl zu viel laute Musik gehört und mein Gehört schon teilweise gut zerstört. Mir geht’s um gute Songs und nicht nur um guten Sound. Genug der Vorrede – auf zu Disc Number One.
Die erste Disc:
„Ceremony“ war die erste Single von New Order und erschien 1981. Das ist noch ein wirklich schöner Indie-Rock-Song, zeigt auch schon, dass es bei New Order weniger düster zugeht als bei der Vorgängergruppe Joy Division. „Everything´s gone green“ war Single Nummer drei und erschien Ende 1981. Und bei dem Song hört man die Tendenz zum Dancefloor-Indie. Das Dumme ist, dass sich dieser Song von den Synthie her schon mehr als nur ein wenig nach „Blue Monday“ anhört und dass ist jetzt nicht nur bei dem Song so. Und dieser Euro-Dance-Sound wird mir recht schnell langweilig. Ich liebe „Blue Monday“ in der Originalfassung – aber ich muss nicht jeden Song mögen, der irgendwie nach Blue Monday klingt – ist halt langweilig.
Zum Glück kommt erst einmal aber „Temptation“. Und der Song ist einfach zu fröhlich und nett und macht als Indie-Pop richtig viel Spaß. Die Single erschien 1982. „Blue Monday“ ist wohl die erfolgreichste Maxi aller Zeiten – Geld verdienen ließ sich damit aber nicht, da die Plattenhülle zu aufwendig gestaltet und dadurch die Herstellung recht teuer war. Der Song ist ein Song für die Ewigkeit – vielleicht der Indie-Dance-Song der 80er.
„Confusion“ wurde von Arthur Baker mit der Band in New York produziert – Baker war schon ein guter Produzent. Klingt zwar sehr nach 80er, aber der Song hat eine gewisse spannende Dynamik, die einen mitgehen lässt. Herausgekommen ist der Song 1983. „Thieves like us“ (1984) – eine weitere Co-Produktion mit Arthur Baker und der Song ist richtig nett, wohl weil auch Indie-Gitarren-Klänge vorkommen und der Song nicht ganz so Dancefloor geprägt ist, wie die Stücke zuvor.
Danach kommt eines meiner absoluten Lieblingsstücke der Band – zu dem es auch ein tolles Musikvideo gibt – bei dem man einfach zuschaut, wie die Band den Song spielt und das sieht alles sehr authentisch und live aufgenommen aus. Ob es der Fall auch war, weiß ich gar nicht. Aber auf jeden Fall ist „The Perfekt Kiss“ einer der besten Songs aller Zeiten (meiner Meinung nach). Ich finde bei dem Song stimmt einfach die Mischung aus elektronischen Klängen und den Zutaten von für einen richtig guten Indie-Rocksong perfekt.
„Sub-culture“ im Remix von John Robie – das ist der Euro-Dance, den ich leider nicht so richtig vertrag. Klingt wie Pet Shop Boys und nicht wie New Order. Da gibt es ja auch Verbindungen zwischen den Bands: Electronic. Nein, das ist nichts.
„Shellshoc (Substance Remix)“ funktioniert da viel besser. Weil der ist einfach wieder sehr gut produziert und so geht’s. „State of Nation“ klingt dagegen wieder wie einer der langweiligen Songs der Supergroup „Electronic“. Alle Zutaten von New Order gewohnt – aber langweilig zusammengewürfelt. Dieser Mix aus Indie- und Dancefloor-Elementen funktioniert eben nicht immer und es wird halt – zu oft gehört – einfach wirklich sehr langweilig. Noch viel schlimmer als State of Nation ist aber der Shep Pettibone-Mix von „Bizarre Love Triangle“. Die 80er konnten ja wirklich furchtbar sein. Bei „True Faith“ muss ich einfach sagen, dass ich den Song über hab. Ich kann dem nichts mehr abgewinnen. Das ist so wie bei „Just can´t get Enough“ von Depeche Mode. Schön sie eine Zeit lang gehört zu haben. Aber jetzt brauch ich sie nicht mehr. (263)
New Order – Technique (1989)
Der Weg, der mit der „Substance“ eingeschlagen wurde, wird auf der „Technique“ fortgesetzt. New Order setzt weiter auf den für die damalige Zeit angesagten Clubsound („Eurodance“). New Order rules the „House“. Aber damit halten sich „New Order“ up to date und ab und zu darf dann doch auch – wenn auch wie bei „Fine Time“ - erst ganz am Ende - doch noch der Indie-Rock Bass erklingen.
Aber New Order bedienen auch ihre alten Fans mit Indierock-Perlen wie „All the Way“ – das passt dann auch in die Zeit – bedient nur ein anderes Publikum. Da versuchen New Order einen echten Spagat zwischen Clubsound und Indie. „Love Less“ gehört auch zu den netten Indie-Songs – mag ich ja doch viel mehr als die meisten der Clubsongs.
Doch gerade wenn man sich an den schönen Post-Punk und auch immer an The Cure erinnernden Bass von Peter Hook erfreut hat – folgt dann doch wieder was für die Elektro-Dance-Fraktion: „Round & Round“ – mit seinen Gesangs hält Bernard Summner den Song aber auf New Order-Niveau und ab und an begeistert mich der Song auch von den Sounds.
Indie-Nummer – die mal nicht so ganz funktionieren will: „Guilty Partner“. Da merke ich aber, dass die Platte doch nicht ganz so voller „House“ & „Eurodance“ Beats ist, wie ich es in Erinnerung hatte und der Indiesound doch fast sogar die Oberhand noch auf der Platte hat. Und ich merke, dass ich das Album wohl sehr selten gehört habe.
Wieder in diesem ganz netten Indie-Sound gehüllt – so richtig süß – „Run“. Sehr schöne Nummer.
Mit „Mr. Disco“ geht es zurück auf die Tanzfläche. Wie bei vielen Songs der „Substance“ hört man bei solchen Stücken einfach das Alter der Platte – waren bei Erscheinen die Sounds und Effekte auf den neuesten Stand – wirken sie mittlerweile doch sehr aus der Zeit gefallen – gut altern tun solche Songs leider nicht – ein „Blue Monday“ ist noch immer ein Klassiker – aber Songs wie „Mr. Disco“ oder „True Faith“ klingen einfach zu sehr nach 80er. Das ist dann der feine Unterschied und da sind die Indie-Stücke der Platte halt viel besser gealtert.
Bei manchen Songs sind die Sounds aber besser gewählt und so funktioniert: „Vanishing Point“ als guter Mix aus Dance- und Indie-Song wieder besser. Und mit Sicherheit hat ein Song wie „Vanishing Point“ auch eine Blaupausenfunktion für spätere Hybrid- oder Crossover-Songs der Sparten Indie/Alternative und Clubsounds.
Am Ende noch ein ordentlicher Pop/Rock-Song: „Dream Attack“.
So – nun sind „New Order“ halt eher Pop. Das ist dann halt so – so begeistern wie mit den Platten vor der „Substance“ tun sie mich damit nicht mehr – aber auf „Technique“ befinden sich auch mehr schöne Indie-Rock-Stücke als gedacht. Und so richtig ganz fällt kein Song der Platte bei mir richtig durch. (658)

New Riders of the Purple Sage – New Riders of the Purple Sage (1971)
Bei New Riders of the Purple Sage spielte Jerry Garzia (der die Band nach dieser Platte wieder verließ) und Phil Lesh von The Greatful Dead mit und der Sound der Band unterscheidet sich dann auch nur wenig von dem dieser Band: Country-Hippie-Singer/Songwriter-Rock mit ganz viel kalifornischen Lebensgefühl dabei. Das reicht eigentlich um die ersten Songs der Platte zu umschreiben. Ein Song wie „Portland Woman“ ist eigentlich reine Singer/Songwriter-Musik.
Nur ein Stück ist etwas länger geraten, die meisten Stücke sind meist um die drei oder vier Minuten lang. Das ist alles schön harmonisch und fein musiziert. Bei „Henry“ ist der Country-Musik-Charakter mal etwas ausgeprägter geraten. Das sanfte „Dirty Buisness“ gefällt mir mit am besten – weil der Song mal was ganz eigenes hat – und das ist dann auch der einzig richtig lange Song auf der Platte.
Country-Roots: „Glendale Train“. „Garden of Eden“ nimmt mit seinem leichten Rock den Hörer auch sehr gut mit. Wer klassischen 70er-Jahre-Rock mag, der mag diesen Song.
Feiner Singer-Songwriter-Song: „All I ever wanted“. „Last Lonely Eagle“ erinnert schwer an Bob Dylan und The Band, ist nur eben viel sanfter und harmonischer im Gesang. „Louisiana Lady“ schließt das Album mit Beat-Feeling ab.
Kein MustHave-Album, aber eine schöne Ergänzung wenn man sich für die Musik der amerikanischen Westküste interessiert.

06.02.26
Nirvana – Nevermind (1991)
Meilenstein – hat sicherlich auch dazu beigetragen das Alternative-Rock (auch unter Mithilfe von Videos auf MTV) massentauglich wurde. Dazu kommt natürlich auch das Drumherum um Frontmann Kurt Cobain – dem Antihero des Grungehypes – den es wahrscheinlich ohne ihm so gar nicht gegeben hätte – da kam ganz viel zusammen – aber „Smells like Teen Spirit“ – der Übersongs des Albums – veränderte auch für mich die Wahrnehmung auf aggressivere Rockmusik. Aber auch ich kannte schon die Musik der Pixies und deshalb war es nicht neuartig was ich da hörte - aber „Smells like Teen Spirit“ war eben keine Musik aus der Nische eines Rockgenres – „Smells like Teen Spirit“ wurde zur Hymne eine Generation, die sich eben nicht in Boygroups verliebte, den Gangsterrappern nacheiferte – oder was sonst noch gerade „in“ war – Headbangers und Punks konnten endlich gemeinsam den harten Gitarren und aggressiven Gesang etwas abgewinnen und ganz viele, die weder Heavy Metal oder Punk bisher mochten, sprangen zu diesen durch Nirvana mit auf die Tanzfläche. Ein „Hype“ war geboren.
Natürlich erkennt man „Smells Like Teen Spirit“ von der ersten Sekunde an und immer erinnert mich der Song an Songs der Pixies. Von der Produktionsweise und vom Sound ist das einfach sehr nah dran. Aber die Klarheit dieser rotzigen Rockstücke im Sound macht auch viel von der Qualität des Albums aus (für die Musiker selbst war es wiederum zu glatt produziert), denn so klingt selbst das Stück „In Bloom“ trotz des Alternative Rock-Sounds sehr eingängig. Und schlechter wie die Hitsingle „Smells Like Teen Spirit“ ist eben „In Bloom“ und das nachfolgende „Come as you are“ nicht und das macht auch viel vom Reiz dieses Albums aus – nach den drei Songs ist man als Hörer einfach immer wieder so begeistert, dass alles was danach kommt dem Album nicht mehr schaden kann.
Produzent Butch Vig definiert mit diesem Album auch den Sound der 90er Jahre mit (auch wenn dieses nicht viel anders klingt als das 1989 von Gil Norton produzierte Album „Doolittle“ der Pixies. Ganz lang hatte ich auch Falschwissen im Kopf, weil ich annahm, auch für die Pixies-Alben wäre Butch Vig verantwortlich gewesen – aber das stimmte halt nicht).
Mit „Breed“ verlassen wir die bekannten Pfade des Albums – denn das Stück habe ich zuvor dann wirklich viel seltener gehört als die drei zuvor. Dabei macht mir das von vorantreibenden Gitarren und Bass und schon wie Stoner-Rock klingende Stück jetzt viel Spaß.
Ganz anders „Lithium“ – das mich nun an die Meat Puppets erinnernde Stück, zählt schon auch zu den Hits der Platte.
Gleiches gilt auch für „Polly“ – wenn man diese Songs hört, weiß man, warum dieses Album so besonders ist und auch dies klingt nach den „Meat Puppets“. Aber mit den Brüdern Kirkwood haben Nirvana ja auch sich beim „Unplugged“ Konzert die Bühne geteilt. Da gab es also wohl eine echte Verbundenheit.
Ungestümer Punkrock: „Territorial Pissings“. Den Song habe ich aber auch noch gut im Ohr.
Nur Hits – so auch „Drain You“. So klingen einfach ganz viele Songs im (Post)-Grunge-Outfit. Wenn ein Song dieses Album den Grunge-Sound definiert – dann ist es sogar eher dieser.
„Lounge Art“ ist dann noch eins der etwas weniger gespielten Song der Platte. Gleiches gilt für „Stay Away“ – das sind beides gute Punkrock-Stücke.
Dieses Album und noch mehr auf „In Utero“ wird das Album neben dem Sound des Albums von der Gesangsleistung von Kurt Cobain getragen – er ist einfach einer, den man gerne beim Schreien zuhört. Weil er aber auch immer genau weiß, welche Art Aggressivität zur jeweiligen Stelle innerhalb der Songs gehört – dafür ist auch „On a Plain“ ein sehr gutes Beispiel.
Der Rest ist Schweigen – oder eine lange Pause – auch damit setzen Nirvana einen Trend – der mich bis heute immer wieder etwas nervt – denn nach dem offiziellen letzten Song „Something in the Way“ – den ich auch einfach ganz großartig finde und der fast wie ein Smashing Pumpkins Song klingt – die auch zu dieser Zeit von Butch Vig produziert wurden – folgt eine etwas 10 Minütige Pause und dann folgt noch das wirklich letzte Stück der Platte „Endless/Nameless“ – das anders wie der Rest der Platte eher wie was von „Fugazi“ oder „Sonic Youth“ klingt. .
Definitiv ein Album für eine ganze (neue) Generation von Musikhörer – die vielleicht auch alle ein wenig zu jung waren – als Punk aus den Angeln gehoben wurde und die durch dieses Album neue und alte Krachmusik für sich sich neu eroberten – bei mir war dies der Fall und ich war da sicher nicht der einzige. (660)


The Nits – Tend (1979)
Es ist eigentlich das zweite Album der Band, aber das erste Album, das wie die Band heißt, wird von der Band als nicht gelungen bezeichnet und wurde nie wiederveröffentlicht. Damit ist der Einstieg in die Discografie dann mit dem zweiten Album „Tend“ gemacht. Der Stil der Platte wird als New Wave bezeichnet, da bin ich gespannt, da ich The Nits eher als Art-Pop-Rock bezeichnen würde.
Bubblegum (verspielter, kindischer)-Pop mit New Wave-Einschlag ist das Titelstück „Tent“. Also tatsächlich vom Stil her sowas wie Neue-Holländische-Welle – aber in englischer Sprache. Aber „A to B; C to D“ - ist da schon New Wave auf gehobenen Niveau und viel besser als das zuvor gehörte „Tend“.
Nette Pop-Nummer: „The Young Reporter“ - erinnert an Codley & Creme (10CC). Das wird ein sehr abwechslungsreiches Hörerlebnis glaub ich und bei achtzehn Titeln wird es da viel zu hören geben – die Stücke sind nicht besonders lang – aber es gibt dafür eben ein paar mehr.
„4 Ankles“ erinnert an die Nichternsthaftigkeit von Devo. „Hook of Holland“ - den Song würde ich mal als echtes „Nits“ Stück bezeichnen – mit dem Song hat die Band dann schon ihren Stil gefunden. Und ist wirklich ein echter Hinhörer. Prog-Pop könnte man den Stil der Nits auch nennen und genau so klingt „Frozen Fred“. Man muss bei dem Album auch dessen Alter beachten – da klangen die Synthesizer hat meist noch so - gerade die, die bezahlbar waren und dafür klarng der Sound von The Nits wirklich sehr ordentlich und konnte auf internationalen Niveau bestehen.
Die Band „The Nits“ bestand zu diesem Zeitpunkt aus Henk Hofstede (Keyboards, Lead Vocals),Rob Kloet (Drums, Vocals), Alex Roelofs (Bass, Vocals), Michiel Peters (Gitarre, Lead Vocals), Paul Telman (Techniker), Hans Schot (Logistik). Für das Songwriting waren zu gleiche Teilen Henk Hofstede und Michiel Peters verantwortlich.
„Ping Pong“ - Art-Pop-Electronic mit Rockeinschlag – gewagte Mischung – aber als Song ganz spannend. „Tutti Ragazzi“ schaffte es in den holländischen Charts auf Platz 22 und ist wieder so ein leicht fröhlicher Pop-Song im verspielten Rock´n´Roll/New Wave-Mix. Klingt irgendwie wie eine Nummer aus einem Musical – erinnert etwas an „Grease“ und das vielleicht auch nicht ganz unbeabsichtigt. Ebenfalls in der Richtung geht’s mit „Out of Suburbia“ weiter.
Außergewöhnlicher End70er-PopRock-Song: „Bungalow“ - weil es einfach so schön verspielt, aber gut ist und so gut funktioniert. New Wave: „1:30“ und auch unheimlich einschmeichelnd – mag ich sehr.
Verspielter Art-Pop: „Johnny Said: Silver“. „Who´s that Killer“ geht wieder mehr in die 10cc und Godley & Creme-Richtung. „Take a Piece“ ist ein super Rock-Pop-Song – könnte auch von „Abba“ sein, wenn „Abba“ mal irgendwann ein anspruchsvoller Act gewesen wären (ich mache mich mal unbeliebt).
„Tent“ (Reprise)“ und da gefällt mir der Song im Devo-Stil dann auch.
Zugaben (wohl der Band etwas zu Mainstreamig geratene Stücke): „Umbrella“ - Pop – mit Hit-Potenzial. „Some other Night“ - Kitsch-Schmacht-Pop“ - Aber „Harrow Accident“ ist nochmal richtig gut und auch eher Art-Rock als Pop.
Eine schöne Wundertüte an verspielten Bubblegum-Pop-Rock, New Wave , den die Nits mit sehr viel Leichtigkeit und Können ihre eigene Handschrift aufdrücken und was aus der Band später wird, hört man auch schon bei einigen Stücken gut raus. Mag ich sehr und der Wille die Nits-Discographe von Vorne bis Hinten Durchzuhören wird damit mit Freude fortgesetzt werden.
The Nits – New Flat (1980)
Titelstück „New Flat“ klingt wie was von Devo. Die New Wave-Wundertüte geht also auch mit Album Nummer Zwei in eine weitere Runde und bei vierzehn Stücken ist diese Wundertüte auch sehr gut gefüllt.
Mit „Holiday on Ice“ kommt ein besonderer Rocksong in den Mix. Das ist dann wieder eher Art-Rock – aber eben mit starken New Wave/Post Punk-Einschlag – klingt dann fast wie Gary Numan – aber eben von den Nits.
Und fast dann echter Postpunk: „Saragossa“. Und so bleibt der Mix auch bei dem Song „Office at Night“ undefinierbar – teils Rock, teils Post Punk, teils Artrock. Und das macht für mich die Nits immer schon zu etwas ganz besonderen.
New Wave-Nummer: „Uncle on Mars“ – klingt aber auch immer ein wenig sogar nach Punkrock. So ein gewisser „Clash“-Faktor ist in der Musik auch drin. Mag aber auch an die fürs Musikgenre ungewöhnliche Stimme von Henk Hofstede liegen, die ein wenig an Joe Strummer erinnert.
Post Punk-Nummer: „Statue“. Klingt auch wieder als ob Gary Numan auf Devo trifft. Frühe Folktronica-Nummer: „His First Objekt“ (und das ist dann genau das was ich von den Nits erwarte. Liegt aber natürlich daran, dass ich sie durch den Song „In the Dutch Mountains“ kennengelernt habe und das Album „Ting“ von 1992 lange Zeit mein einziges Album von der Band war).
Verrückte New-Wave-Nummer: „Different Kitchen“. New Wave im Police-Gewand: „Saftey in Numbers“. Aufgedrehter Punk-Rock: „Bobby Solo“. Experimentell: „Zebra“. New Wave mit Folktronica-Einschlag: „Rubber Gloves“ (richtig gut). Nochmal Post-Punk-Düsternis: „Bite Better Bark“.
Am Ende: „Aloha Drums“ – leicht schräge Elektronika-Nummer.
Außergewöhnlich sind die Nits wohl schon immer gewesen – das ist gut so und diese frühen Alben zu entdecken, macht Spaß weil sie einfach musikalische Wundertüten von sehr guter und sehr verspielter Qualität sind.


Nits - Angst (2017)
Mein erstes und lange Zeit einziges Nits-Album war „Ting“ aus dem Jahre 1992, dass ich immer sehr mochte und eigentlich wollte ich immer weitere Musik der Nits mir besorgen – aber das hat dann gedauert. Und ich hab ihr bekanntestes Lied „In the Dutch Mountains“ als Single.
Nun aber zu „Angst“ und ich rechne mal damit, dass es ganz anders klingt als „Ting“ - welches Art-Pop der ruhigen Art bot und sehr elektronisch, aber auch nach viel Klavier geklungen hat und eine überragend schöne Sanftheit bot. Ich finde schon allein die Songtitel teilweise ganz großartig „Flowershop-Forget-Me-Not“, „Breitner on a Kreidler“, „Zündapp nach Oberheim“ - aber wie mag die Musik zu diesen Titeln klingen?
Bei „Yellow Socks & Angst“ wird man von der Gesangsdarbietung an CAN erinnert. Im Refrain ist der Gesang aber wieder sanfter und nach diesen, wechselt der Song zu einem sanfteren Arrangement. Minimal in der Instrumentierung, aber dies wie von der „Ting“ gewohnt, gut eingesetzt. Anspruchsvoller Indie & Artpop. Dream-Indie-Pop: „Flowershop Forget-Me-Not“. Da hört sich der Sänger auch wieder so an, wie von der „Ting“ gewohnt. Nur ist Sänger Hank Hofstede eben seit der „Ting“ fünfunddreizigjahre älter geworden. Dafür klingt die Stimme aber noch sehr ordentlich. So wie dieser Song könnte man sich auch gut vorstellen, dass sich eine Band wie Efterklang anhört. Reduziert in der Instrumentierung – aber trotzdem schön gestaltete Musik. „Radio Orange“ - ganz sanfte Nummer, aber etwas lang geraten. „Lits-Jumeaux“ ist schon Krautrock/Indie-Hyprid und gefällt mir ausgesprochen gut. Kammer-Pop – kann man das auch nennen und dies auf hohen Niveau, so wie bei „Two Sisters“. „Pockets of Rain“ kommt etwas dramatischer daher und es ist auch gut, dass nicht jeder Song nur ruhig und sanft daherkommt. Die Abwechslung, die das Stück bietet, kommt zur rechten Zeit.
Die Mischung aus Nits-Pop und Krautrock ist auch in „Along a German River“ sicher nicht zufällig zu hören, auch wenn da statt von Krautrock von Elvis im Text die Rede ist. „Cow with a Spleen“ baut sich auf eine sehr fein konstruierte Melodie auf – sehr schön, auch dieser Song. „Breitner on a Kreidler“ ist verträumter – JazzPop. Der Oberheim und andere Synthesizer sind das Schlussthema in „Zündapp nach Oberheim“. Aber auch dieser ist ein sehr fein geratener Indie-Pop-Song.
Indie-Pop und Art-Pop von Meistern ihres Fachs. Die brauchen es nicht mehr zu beweisen, die machen einfach und das ist gut so. Und ich kann mir da zum Glück noch ganz viel nachkaufen und nachhören was die so alles gemacht haben. Schöne Aussichten. Soviel anders als die „Ting“ ist das dann doch nicht gewesen. Das ist gut so. (347)
No Doubt – Rock Steady (2001)
Natürlich war ich großer Fan des Songs „Don´t speak“ – ich hatte aber nur die Single-CD vom Song, nicht das dazu gehörige Album, habe mir die Band aber in der Arena Oberhausen damals sogar live angeschaut und gehört und war da verwundert, wie viel Ska-Punk-Elemente „No Doubt“ in ihrer Musik drin hatte. Irgendwann gefiel mir dann wieder eine Single – ehrlich geschrieben, weiß ich heute nicht mehr welcher Song es genau war und habe mir deshalb aber diese CD gekauft – die ich meiner Meinung nach, dann nie richtig angehört habe. Also ist dies jetzt kein Wiederhören sondern eher ein Neuentdecken.
Nach einem kurzen Intro geht es mit „Hella Good“ auf modernen New Wave-Pfaden zur Sache – solch einen Sound hat sich auch zum Beispiel eine „Pink“ oder andere Musiker/innen angeeignet, die rockigen Pop machen. Ein Song bei dem die Tanzflächentauglichkeit letzten Endes größer ist als der Rockanteil. Aber schlecht ist der Song nicht – reißt mich aber auch nicht vom Hocker – Radiomusik halt.
Mit Rock oder Ska-Punk hat auch „Hey Baby“ herzlich wenig zu tun. Das ist mehr Pop-R&B und setzt vor allem Frontfrau Gwen Stefanie ins rechte Licht. Ich nenne das auch gerne Produzenten-Pop – weil bei der aufwendige Produktion, die Musik zwar auf Hitparadentauglichkeit getrimmt wird, aber irgendwie fehlt dieser Musik immer Seele, die Emotionen und die Ehrlichkeit. Partymusik halt.
Und dies zieht sich dann wie ein roter Pfaden durch die Platte – das ist so perfekt für die Charts produziert – klingt wie die Musik von Pink, Katy Perry und Co – Lupenreiner Pop – neutral in der Ausstrahlung, so auch „Making Out“. Mit Rock und Punk hat das so gar nichts mehr zu tun.
Dann doch lieber Reggae – denn „Underneath it all“ macht dann doch irgendwie Laune. Klingt jetzt zwar überhaupt nicht nach der rotzigen, coolen Gwen Stefanie – dafür ist der Song weniger aufdringlich und funktioniert als Pop-Reggae ganz ordentlich. Vielleicht war das auch die Single, die mich zum Kauf des Albums damals genötigt hat. Sicherlich guckte Gwen in dem Video zum Song auch ganz verführerisch.
Mit „Detective“ geht es zurück zum Pop. Dem Album wurden aber auch alle typischen Rockband-Elemente entzogen. Das ist der gleiche Scheiß, den Fans auch mit Bands wie „Coldplay“ durchgemacht haben – erst war das eine Band – heute nur ein massenkompatibler Frontmann – im überproduzierten Sound- und Bühnenkostüm. Da treibt der Kommerz der Musik die Seele aus. „Detective“ ist aber wirklich noch einer der besseren Songs bisher auf dieser CD – aber das klingt für mich alles nicht nach „No Doubt“.
Dann kommt es aber zu einer positiven Überraschung – bei „Don´t let me down“ rockt es mal. Hey! Und das macht dann direkt mehr Spaß. Dass klingt wie 2000er Rock.
Bei „Start the Fire“ setzt sich aber der Popcharakter der Platte wieder durch – zwar etwas mit Reggae versetzt – und ganz annehmbar – aber irgendwie auch schon wieder zu viel von zu vielen.
Wäre das ein Gwen Stefanie-Solo-Album hätte ich weniger zu schreiben, denn da hätte mich diese Ansammlung von fein produzierter Pop-Song gar nicht so gestört. Aber bei einem „No Doubt“-Album hätte ich doch etwas mehr oder besser gesagt etwas anderes erwartet.
Als sanfter Pop-Song ist „Running“ sogar ganz schön – aber….
„In my Head“ – sprudelt auch vor Leichtigkeit – das aber wie bei so vielen Songs auf der Platte leider sehr aufgesetzt wirkt. Musik gemacht, um zu gefallen – und gerade das gefällt mir nicht.
Es werden Gitarren zu Anfang von „Platinum Blonde Life“ gespielt – da gibt es doch noch einen zweiten Rocksong auf der Platte zu finden. Und sofort passt das wieder viel viel besser. Natürlich weil ich solche Musik erwartet habe und kaum bekommen habe – Die Erwartungshaltung des Hörers ist schon nicht zu unterschätzen.
Wieder sehr elektronisch und letzten Endes doch nur ein weiterer Popsong – wenn auch etwas düsterer gehalten „Waiting Room“. Seltsamer Weise ist das Album aber nicht wie vermuten von Rap & R&B Produzenten so auf Pop getrimmt, da sind ein paar ganz versierte Künstler als Produzenten bei dem Album beschäftigt worden, das sind Sly & Robbie, Oribital, Prince, Neele Hooper und Ric Ocasek.
Titelsong „Rock Steady“ - Mischung aus Reggae und Pop.
Fazit: Viel zu wenig „No Doubt“ – viel zu viel Popmusik. Das ist viel zu wenig für mich. Bleibt nicht im Regal.


Billy Nomates – Emergency Telephone EP (2020/Vinyl)
Inspiriert von den Sleaford Mods began Tor Maries unter dem Künsternahmen Billy Nomates Musik zu machen. Indie-Musik mit einen gehörigen Schuss No-wave und Post-Punk. Die EP „Emergency Telephone“ erinnert mich die ersten zwei Stücke („Emergency Telephone“ und „Right Behind you“) eher an die Musik von „Joan as a Policewoman“ mit etwas Soul im Gesang. Die dritte Nummer „Heels“ hat aber einen stärkeren Post-Punk Sound, mit sehr voran treibenden Synths. Beachtlich ist, dass Nomates alle Instrumente selbst gespielt hat – Musiker hatte ja auch während der Pandemie kaum eine andere Chance als es selbst zu machen oder sich gegenseitig Songteile per Internet zuzuspielen oder sich im kleinen Kreis einzuschließen. Das vierte und letzte Stück „Patrol Fumes“ beginnt ruhig und entwickelt sich zur kleinen PowerPop-Hymne.
Vier Songs – die Lust auf mehr machen. Ziel erreicht. (88)

The Notwist – The Notwist (1990)
Am Anfang waren The Notwist noch eine regelrechte Metal-Band. Das hört man bei „Is it Fear“ sehr gut raus – auch wenn es sich dabei um keinen einfachen Metal handelt, sondern um ein Gemisch aus Metal, Punk, Hardcore und Alternativ-Rock. Die liebe der Archer Brüder zu Bands wie Sonic Youth ist ja auch kein Geheimnis. Und zu Anfang ging man halt noch mit „Bad Religon“, „Therapy?“ und anderen Hardrock-Größen der späten 80er und 90er auf Tour. Schlecht ist das nicht und da ich ja da zweite Album „Nook“ schon kannte, wusste ich ja auch, dass die Band erst ab dem dritten Album den bekannten elektronischen und vielseitigen Sound, für den sie heute bekannt sind und geliebt werden, hatte.
So rockt das Album einfach mal nur heftig – und das konnten The Notwist damals halt auch sehr gut – aber natürlich waren sie damit eine von vielen deutschen Gitarrenrock-Bands und als eine solche war es schwer sich wirklich zu etablieren.
Wer härteren Rock mag, der trotz kurze Stücken einiges an Abwechslung bietet, denen sei dieses Debüt von den noch richtig rockenden The Notwist auch zu empfehlen. Weil das alles nicht schlecht gespielt ist und der Mix aus allen Rocksparten hat wirklich was. Und wer hätte heute noch gedacht, dass The Notwist auch auf Wacken eine gute Figur machen würden – und das würden sie, wenn sie dieses Album noch mal vor der Festivalsmenge zum Besten geben würden. Einzeln muss man auf die Stücke nicht eingehen. Es wird mit jedem Song ein guter Mix auf Heavy Metal und Punk Rock gespielt. Für Headbanger ein Fest, für Punker auch und mir gefällt das – auch weil es so schon kurzweilig ist und alles auf dem Punkt gebracht wird – da kommen einen „The Minuteman“ sogar in Erinnerung.
Ab und an rocken The Notwist ja auch auf ihren aktuellen Konzerten mal wenigstens nochmal für ein Stück richtig ab und stehen weiterhin zu ihren Wurzeln. Einmal ein Rocker – dann ist man wohl immer ein Rocker. Oder so. Und toll ist einfach wie gut das Album auch heute noch oder vielleicht wegen der Neuausgabe zum 30jährigen jetzt auch klingt. Das macht so schon wirklich echt Laune.
Ein entscheidendes Stück auf dem Debüt ist meiner Meinung nach „Seasons“ weil es so ein schönes Alternativ-Indierock-Stück ist – das trotzdem schon viel von dem hat, was The Notwist heute noch ausmacht und dabei auch wie ein Stück von Dinosaur jr. klingt. Eindeutiger Favorit des Albums. Und auch beim kurzen Hardcorestück scheint etwas von dem durch – das noch heute Teil von „The Notwist“ ist. (497)

The Notwist – Nook (1992)
Die Band war zu der Zeit noch ein Trio bestehend aus Markus Acher(Gitarre, Gesang) und Micha Acher (Bass) und Martin Messerschmid (Schlagzeug). „Nook“ ist noch ein weiteres - wie das erste Album der Band - reines Indie-Heavy-Rock-Album. Die elektronischen Musik-Elemente und der Einsatz von Rockmusik untypischen Instrumenten folgen erst in den späteren Alben.
Das erste The Notwist Album, das auch so hieß wie die Band, war ein ziemlich hartes Rockalbum mit vielen Metal-Riffs, dabei aber sehr abwechslungsreich und bei dem Song „Seasons“ hörte man auch schon richtig den typischen The Notwist-Songcharakter heraus. Mal hören ob sich das schon auf dem zweiten Album weiter fortsetzt.
Nach ruhigen Intro: „Belle de L´Ombre“ geht es mit „Walk On“ mit den heftigen Heavy-Metal Gitarren weiter, die wir schon vom ersten Album her kennen. Zu den heftigen Gitarren bietet der eher zurückhaltende Gesang von Markus Archer einen starken Kontrast – ist ein wenig so, als ob bei Danzig einer von den Housemartins singen würde – klingt aber auch wiederum wie ein Song von „Dinosaur jr.“ nur eben mit noch heftigeren Gitarrenspiel.
Im Punkrock-Modus „Unsaid/Undone“ und den finde ich viel besser – weil eher im Alternative-Rock angesiedelt als im Heavy Metal und das passt besser zur Band.
Aber direkt mit „Welcome back“ geht’s mit Heavy Metal-Musik der Marke Danzig weiter – aber bei dem Stück ist das so „fett“, dass es auch wieder Spaß macht – damit könnten The Notwist sogar in Wacken Eindruck schinden. Ist dann aber mir am Ende doch schon fast wieder zu heftig.
Laut und heftig auch das Titelstück „Nook“ - und es bleibt bei der Mischung aus sanften Gesang und heftigster Rockmusik. Markus Acher ist auch ein richtig guter Heavy Metal-Gitarrist – keine Frage – aber es ist gut, dass die Brüder Acher dann doch noch musikalisch sich später breiter aufgestellt haben.
Aber das war glaub ich auch bei den Psychrockmusikern von Motorpsycho auch nicht anders – da waren auch die früher Alben eher Hartrock oder sogar Hardcore und dann wurden sie nach ein oder zwei Alben auch zu dem was sie dann heute sind.
Alternativ-Rock mit Punkrock und Heavy Metal gemischt, dann doch sogar etwas sanftere Töne anschlagend – wenn auch nur kurz bei „No Love“. Einer der besseren Song der Platte ist das.
Der Song mit dem Banjo-Gitarren - der ist schon so richtig gut und hat sich bei mir auch am längsten eingeprägt: „The incredible Change of our Alien“ – dann werden die Banjo-Gitarren durch Heavy Metal-Gitarren abgelöst und dann verwandelt sich der Song in einen guten Alternative-Rock-Song. Mega.
Die Metal-Rock-Stücke werden zunehmend für mich aber immer langweiliger und fangen auch an ein wenig zu nerven – doch bei „This Sorry Confession“ mag ich den Refrain dann doch ganz gerne und dann gibt es auch einen Tempowechsel und das Stück wird doch eine reizvolle Alternative-Rock-Nummer.
Der Hardcore-Charakter steigert sich wieder bei „Another Year without me“ - ich glaub, das erinnert sehr an die frühen Nummern von Fugazi – wie auch glaub ich vieles anderes von dem Album – ich kenne aber von Fugazi zu wenig, um das mit Sicherheit schreiben zu können.
Richtig gut gefällt mir dann „One Dark Love Poem“ - das ist richtig guter Alternative-Indie-Rock. Und ist wohl das typischste The Notwist-Stück der Platte.
Heftig und kurz nochmal, mit guten Bass-Part: „The only thing we own“ - finde ich aber als Instrumental-Nummer auch gut.
Alternative-Rock – nochmal richtig gut: „I´m a Whale“ - da merkt man wieder die Liebe zu Sonic Youth bei den Acher Brüdern.(503)

The Notwist – 12 (1995)
Das erste Stück „Torture Day“ lässt insofern aufhorchen, weil die Band da ihren zukünftigen Stil dann gefunden hat. Vom Hardrock-Alternative-Rock-Gemisch entfernt, ist das ein Song, der mehr dem Indie-Rock zuzuschreiben ist, aber noch nur leicht mit kleineren elektronischen Effekten versetzt. Leider habe ich auch dieses Album viel zu lange nicht gehört – bin bei „The Notwist“ immer irgendwie bei der „Neon Golden“ und den Alben danach hängen geblieben – deshalb ist es auch gut, dass ich jetzt mal die ersten Platten wieder durchhöre – weil da verbergen sich ja eine Menge guter Songs, die ich bei Liveauftritten der Band immer abfeiere.
„My Phrasebook“ ist aber noch mal ein Stück Hartrock im Stil der ersten beiden Alben zu hören – also haben The Notwist den Sound doch noch nicht ganz abgelegt.
Danach folgt ein echtes Bandhighlight – sehr geliebt von mir – das Indierockstück „Puzzle“ - auch wenn sie mit dem Stück „live“ einmal mein Gehör nachhaltig geschädigt haben. Aber jetzt weiß ich wenigstens wieder den Titel von dem eigentlich gar nicht so lauten „Gehörkiller“. Und da zeigt sich auch, dass The Notwist keine Band ist, die davor zurückschreckt, ihr Frühwerk auch live noch zu spielen – als Trio gehen sie ja auch mit den „harten Sachen“ wieder auf Tour.
Und das ist auch gut so – denn Indie-Alternative-Rock können sie ja genauso gut – wie ihre multiinstrumentalen oder elektronischen Stücke. Und guter Alternative-Rock ist „M“ - da merkt man vielleicht ein wenig, dass die Platte auch zur Hochzeit des „Crossover-Genre“ herausgekommen ist. Zum Glück hat die Band aber ihren ganz eigenen Crossover-Mix gefunden, der weit weg ist von dem meist doch eher „Rap/Funk/Rock-Gemisch“ - den ich heute nicht mehr so toll finde, wie damals, als er aktuell war.
„Noah“ hat zu Anfang was von den Einstürzenden Neubauten – verwandelt sich dann aber in ein sanft melancholisches Post-Indie-Rock-Stück.
Indierock: „My Faults“. Natürlich durch den Gesang von Markus Acher – aber auch einfach durch ihren Sound – sind The Notwist mit solchen Songs einfach total unverwechselbar und man erkennt sie sofort wieder.
Sehr guter Song auch „The String“ - obwohl da der Gesang etwas zu sehr in den Hintergrund gefallen ist – aber von den Instrumenten her, hat der Song einen sehr guten Drive und nimmt einen mit und lässt einen auch nicht mehr los.
Es folgt ein kurzes Stück „Instr“ - bei dem The Notwist nochmal kurz den Heavy Metal und dem Schlagzeug huldigen.
Abschluss mit Titelstück „12“ - welches aber mit über sechs Minuten Länge auch kein kurzer Abschluss ist. Und das ist auch eine ganz feine Indie-Rock-Nummer.
Das Album ist auch das erste bei dem Martin Gretschmann (Console, Acid Pauli) für ein paar elektronische Töne sorgt – noch ist er aber nur Gast und noch kein festes Bandmitglied. Sein Wirken ist dann auch auf der Bonus-CD der limitierten Ausgabe zu hören – auf dem es einen Remix von „Torture Day“ unter dem Titel „Loup“ gibt, bei dem Cindy Dall als Sängerin zu hören ist. Das hört sich dann an wie ein Dub/TripHop/IndieRock-Gemisch – ganz ambitioniert – aber noch nicht ganz so gelungen, wie es später der Mix von Console/The Notwist ist. Und ich glaube, dass grade der gesäuselte Gesang ein Element ist – das für mich da nicht so ganz reinpassen will – außerdem passiert jetzt bei dem Remix nicht sehr viel – so dass er mir beim Hören auch als zu lang erscheint.
Als zweites enthält die Bonus-CD noch eine weitere Fassung von „12“ - die sich wenn überhaupt nur sehr wenig von der Originalfassung unterscheidet.

The Notwist – Vertigo Days (2021)
Früher lagen Radiohead und The Notwist für mich gleichauf. Heute hat The Notwist Radiohead längst in meiner Wertschätzung überholt. Beste Livedarbietung und immer noch abwechslungsreich ohne dabei aber die eigene Bandgeschichte außen vor zu lassen. Und sie sind einfach melodiöser und es ist alles so gar nicht anstrengend. Zuhören macht Spaß, ohne dabei unterfordert zu werden. Bei der neuen Platte sind bei einigen Stücken musikalische Gäste dabei, die sich aber nie in den Vordergrund spielen, sondern der Sache dienen.
„Vertigo Days“ steht dem eigenen Klassiker „Neo Golden“ in nichts nach. Und man hört diesmal viel „Can“ in einigen Stücken heraus („Into the Ice Age“ und „Ship“). „Can“ ist für mich ja sowieso eine der ersten echten Alternativ-Rockgruppen und somit passt das auch hervorragend. Dazu passt es auch, dass The Notwist so etwas wie „Kraftwerk“ + „Sonic Youth“ mit Vibrafon & Tuba-Einsatz live sind. (31)

Gary Numan – The Pleasure Principle (1979)
Das selbstproduzierte Solo-Debütalbum von Gary Numan, der (sehr) kurz zuvor mit „Replicas“ mit der Band Tubeway Army größere Erfolge feiern konnte.
Die Musik von Gary Numan ist schon so was wie eine Vorlage für Düster-Synth-Pop. Das instrumentale „Airlane“ lässt auch vermuten, dass Numan den Sound von „Replicas“ beibehält. Eingängige New Wave-Nummern bekommt er auch weiterhin gut hin, denn eine solche ist „Metal“. „Metal“ hat was vom Bassspiel her auch von den Song der Band Japan, ansonsten ist das Stück aber doch eher Post-Punk als New Romantic. Am Bass ist wie bei der Tubeway Army weiterhin Paul Gardiner zu hören. Zusammen mit der „Tubeway Army“ ist das Stück „Complex“ entstanden – ein eher ruhigere Post-Punk-Nummer, die aber eher positiv klingt – das ist auch der Unterschied zwischen den Post Punk von Bands wie Joy Devision - bei Numan klingt alles etwas mehr nach Rock und Pop und nie zu düster. Zwar hört man Stücken wie „Films“ ihr Alter an, trotzdem funktionieren sie noch sehr gut – liegt dran, dass Numan den Songs auch immer irgendwie eine leichte Pop-Note mitgibt. So wirkt die Musik weniger anstrengend und nimmt einen besser mit.
Interessante Nummer ist „Me.“ weil da mehr als nur eine Musikgenregrenze überschritten wird – fängt fast wie ein Prog-Rockstück an und wird dann zu beschwingten Synth-Rock-Nummer.
„Tracks“ ist eine großartige Nummer, die das ganze Synth-Pop/Rock-Spektrum nutzt. In den Song stecken alle Elementen der Synth-Pop-Ära der späten 70er und frühen 80er Jahre. Und alles gut auf den Punkt gebraucht. „Observer“ besitzt wieder diesen tanzbaren Pop-Post-Punk – das ist auch dass, was ich an der Musik von Gary Numan so richtig toll finde – New Wave in was besseres zu verwandeln – das einfach wie eine Einheit aus Elektronik und Rock klingt.
Und wieder mit diesem NewRomantic-Bass klingt auch „Conversation“ wieder nach mehr und macht mir wirklich sehr viel Spaß.
Und alles ist aus einem Guss und langweilt trotz immer ähnlichen Grundmuster nicht – dafür passiert auch innerhalb der Songs einfach genug, um den Hörer immer wieder aufzufangen und zu begeistern. „Cars“ ist sicherlich ein Klassiker des Albums. Die Arbeit vom Schlagzeuger Cedric Sharpley sollte auch gewürdigt werden – der leistet an den Drums bei dem Album auch eine herausragende Arbeit. Der Anfang von „Engineers“ ist ein gutes Beispiel dafür.
Das Bonusmaterial: „Random“ und „Oceans“ sind zwei instrumentale Stücke. „Asylum“ ist ein sehr düsteres Post-Punk-Stück und auch ohne Worte. Es folgen vier Live-Stücke: „Me! I disconnect from you“, „Bombers“, „Remember I was Vapour“ und „On Broadway“. Bei den Live-Stücken merkt man nochmal wie gut Numan zu dieser Zeit darin war Elemente aus Rock, Pop, Post-Punk zu verbinden – da erinnert wieder ganz viel an Japan und von der Schlagzeugarbeit auch an den Sound der frühen 80er Alben von Peter Gabriel – schon genial. Da wäre man gerne dabei gewesen. Und seine Fassung von „On Broadway“ ist schon was ganz eigenes. (521)

Paolo Nutini – Last Night in the Bittersweet (2022)
Der schottische Singer/Songwriter Paolo Nutini hat sich für die sechzehn Songs seines vierten Albums acht Jahre Zeit genommen. Eigentlich waren es aber nur fünf, da er zuvor ausgiebig den Erfolg seines dritten Albums zum Touren genutzt hat (3 Jahre). Das zweite Stück mit Namen „Radio“ ist so großartig zeitlos und eine tolle Rockpop-Nummer als hätte sich Nutini das Beste von Ryan Adams und Fleetwood Mac genommen. Und auch das nachfolgende traurigsüße und trotzdem kraftvolle „Through the Echoes“ könnte auch von Ryan Adams sein. Das macht mir nichts aus, da ich Ryan Adams total mag. „Acid Eyes“ zeigt aber auch das er feinen Indiepop kann. „Acid Eyes“ könnte fast von „The xx“ sein – ist aber eben mit typischer Rockband-Instrumentierung gemacht. Drei Stücke nacheinander die wie für mich gemacht sind – und ich bin Fan. Die restlichen 12 Stücke sind jetzt schon Zugabe.
Was ich hier alles schreibe ist ja total „Fanzine“ – ich bin ja kein ernsthafter Musikkritiker, sondern ein Musikfan der sich äußert. Da ich jetzt schon über 100 Äußerungen geschrieben hab – habe ich auch angefangen, alle Texte nochmal durchzuschauen und wenn nötig zu bearbeiten. Das meiste ist ja einfach so während des Hörens dabei herunter geschrieben, mit ein paar Wiki-Informationen gewürzt. Ich finde das auch mittlerweile sehr gut, dass zu machen, da ich viel zu viele Platten gehört habe und merke wie schnell ich mittlerweile vergesse was ich denn so alles gehört habe und da sind ein paar Erinnerungsstützen zu machen hat dann echten Wert (da find ich die Erinenerungsfunktion von FaceBook auch ganz praktisch – da wird man erinnert und denkt sich – ach ja, das war ja auch nett – und vielleicht liest der oder die eine das ja auch und lässt sich inspirieren, da auch mal reinzuhören, um sich eine eigene Meinung zu bilden (das wäre auch sehr schön). Außerdem habe ich viel zu viele CDs und Vinyls die ungehört sind und durch das drüber Schreiben höre ich jetzt wieder viel mehr Alben durch als früher.
Weiter mit den Zugaben – „Lose it“ Rocknummer mit Sprechgesang und Soulchor. Langweilig wird es nicht. Mit Lo-Fi Americana geht es weiter: „Petrified in Love“. „Everywehre“ eine schöne Singer/Songwriter-Nummer. So ist das was für den jung gebliebenen klassischen Rock-Fan, der auch Lo-Fi Amerikana Musik mag.
Michael Nyman – Live (1994)
Dieses Live-Album ist zumeist mit der Michael Nyman Band eingespielt – aber Nyman ist auch allein am Piano zu hören und für die Musik vom Film „Piano“ wird er von Streichern unterstützt und bei „Upside Down Violin“ vom Orquesta Andaluzi de Tetouan.
Vor allem durch seine Arbeit als Filmmusiker und Komponist ist Michael Nyman bekannt geworden – hier zählen sicherlich „Das Piano“ und die Musik zu den Filmen von Peter Greenaway zu seinen bekanntesten Arbeiten – ich war vor allem durch „Das Piano“ auf Nyman aufmerksam geworden und sicherlich hat das auch zum Kauf dieses Livealbums geführt.
Mit einem Frühwerk von Nyman „In Re Don Giovanni“ – einer Bearbeitung eines Mozart-Stückes beginnt das Konzert. Dieses Stück wird auch vor allem durch die Streicher getragen – und dient wohl als beschwingtes Intro für den Konzertabend. Aber nicht weniger mitnehmend und vom Tempo sehr schnell gerät „Bird List“ (Filmmusik zu Greenaways ersten Film „The Falls“ – welches auch ein schönes Beispiel ist für Nyman als Grenzgänger zwischen Klassischer- und Rockmusik ist – da der Song sich schon eher wie ein Rocksong anhört, als ein Stück klassischer Musik.
Bei der Michael Nymann Band – soviel sollte man auch wissen – handelt es sich nicht um eine normale Band sondern, um Musikern mit Streich- und Blasinstrumenten nur der Bass ist als typisches Bandinstrument mit dabei.
Sehr dramatisch: „Queen of Night“ (aus dem Film „Der Kontrakt des Zeichners“). Das Publikum ist am Ende des Songs sichtlich begeistert.
Das zweiteilige „Waterdances“ war Musik zu einem Kurz-Dokumentarfilm von Greeaway und beginnt als sehr ruhiges Pianostück. Aber auch dazu kommen Streicher hinzu – sehr schönes Stück, das im zweiten Teil noch durch die Bläser kraftvoller wird – und dadurch einfach noch besser und intensiver – am Ende sich aber etwas zu sehr in die Länge gezogen anfühlt – das Publikum reagiert wieder sehr begeistert. Beeinflusst wurde Nyman vor allen durch die Musik von Steve Reich und Philip Glass was seiner Musik auch immer wieder anzuhören ist – auch das mindestens eins seiner Alben von Brian Eno produziert wurde – verwundert nicht.
Danach folgt in acht Einzelteile unterteilt die Bearbeitung der Filmmusik von „Das Piano“. Und da dreht es sich nicht nur um das bekannte und beliebte Hauptthema des Films – sondern funktioniert schon als ganz großes musikalisches Epos und funktioniert auch ohne die Filmbilder problemlos und beeindruckt durch die Eleganz und Schönheit der Musik. Das ist dann schon auch herausragend komponierte Musik und was besonderes.
Mit dem zweiten Teil bekommen wir dann aber das bekannte Hauptthema zu hören und es verursacht schon ein starkes Kribbeln und etwas Gänsehaut bei mir. Es ist ja schon was besonderes wenn ein ausgesprochen guter Film zusätzlich auch noch ebenso großartige Musik hat – da verbinden sich dann zwei Kunstformen zu einem einzigartigen Ereignis.
Der mit „Here to there“ betitelte dritte Teil ist dann schon schöne Folkmusik, der dann aber zu einer großartigen Orchestermusik wird.
Mit „Lost & Found“ wird die Musik wieder ernsthafter, aber ohne etwas von ihrer Schönheit einzubüßen. „All imperfect Things“ (schon den Titel finde ich wunderschön) ist einfach nur Musik in Schönheit gekleidet.
Wieder mit mehr Schwung: „Dreams of a Long Journey“ – da merkt man schon das klassische Instrumentalmusik in der Gesamtwirkung doch meist mehr bietet als dies andere instrumentale Musik egal ob elektronische, akustische – ob es sich um Jazz oder (Art)Rock oder Pop handelt – die geballte kraft eines Orchesters und die symphonischen Klangwerke haben schon eine ganz besondere Wirkung auf den Hörer. Trotzdem höre ich solche Musik meist nur in Gewand von Filmmusik oder eben wenn ein Orchester bei einem anderen Musikgenre zum Einsatz kommt.
Von der Euphorie des Publikums angetrieben, wird diese Euphorie mit einer Wiederholung von „Here to There“ durch die Musiker belohnt.
Mit „The Upside Down Violin“ (in drei Teilen) bietet das Livealbum auch noch eine Neukomposition, die bisher auf keinen Album Nymans zu finden ist.
Durch die Percussion und wie der Song anfängt, wird der Hörer in den Orient entführt, vielleicht sogar in die Welten von 1000 und eine Nacht. Aber die Musik klingt auch sehr schön und so wird man gerne Teil einer Karawane, die durch die Wüste zieht.
Dieses Gefühl von „Orient“ bleibt auch der schnellere zweite Teil „Faster“ treu. Wer gute Weltmusik mag – wird dies auch sehr mögen. Und mir macht der musikalische Ausflug in den Orient auch sehr viel Freude – hinzu kommt das Nymans Komposition sich nicht kitschig oder anbiedernd anhört – sondern sehr authentisch. Es fühlt sich echt an und ernst gemeint.
Im dritten Teil der „Upside Down Violin“ verstärkt sich noch der Orchestraleanteil in der Musik, da hier wieder die Streicher an Kraft und Dynamik hinzugewinnen und so endet das Konzert nochmal sehr schwungvoll und mitreißend und es steigert noch mal die Begeisterung für eine ganz besondere Konzerterfahrung – da wäre man gerne mit den Musikern in einer Konzerthalle dabei gewesen. Und ich verbeuge mich hiermit vor dem Ausnahmekünstler Michael Nyman. (659)
