
Cable Ties - Far enough (2020)
Punk-Rock aus Australien mit starker weiblicher Note durch Frontfrau Jenny McKechni. Und für Punkrock sind die Stücke von Cable Ties teilweise recht lang geraten und beim ersten Stück zeigt Jenny McKechni welche gute Gesangsstimme sie hat, da sie da ganz zart singt. Leider wechselt dass dann etwas schnell in Punkrockschreierei, was zur Musik passt, aber mit zunehmender Lauflänge doch auch ein kleines wenig nervt, da ich nicht ständig angeschrien werden möchte. Musikalisch ist das Trio auch teilweise sehr schön Abseits normaler Punkrock-Rotzerei unterwegs und wenn sie wie bei „Hope“ eher Alternativ- und Garagenrock machen, gefällt mir das ausgesprochen gut und so bin ich erstmal begeistert von einer weiteren mir sofort gut gefallenen Entdeckung. Klasse Songs.
Der Schlagzeug und Basseinsatz bei „Tell them were to go“ ist auch spitze, da klingen sie so wie Perl Jam, wenn die mal richtig losrocken. Dazu passt auch der zornige Gesang. Musikalisch haben die echt was drauf und sind auch vielfältig beim Sound ihrer Stücke. „Sandcastles“ klingt wie ein Indie-Alternativ-Rockstück aus den 80ern – da ist sogar was Post-Punk dabei. Gleiches gilt für „Lani“ - man kann „alt“ klingen und gleichzeitig unglaublich „frisch und neu“. Die Platte gefällt mir schon bis hier ausgesprochen gut.
Ich mag die Rock-Attitüde der Band sehr – könnte auch von den Melodien mal fast ein Who-Song sein – so wie bei „Not my Story“. Purer Punkrock: „Self-Made Man“. „Anger´s not enough“ hat eine gute Alternativ-Rock-Note – doch da haut mich der Gesang ein wenig aus dem Stück. „Pillow“ am Ende gefällt mir auch noch mal richtig – da stellt Jenny Mc Kechni auch ein zweites Mal das Herumgeschreie ein (sollte sie auf den weiteren Platten öfters machen).
Schöne weitere Entdeckung. (391)

J.J. Cale – Collected (2006)
Die Songsammlung auf drei CDs bietet eine Werkschau des Musikers J.J. Cale und mir einen ersten größeren Einblick über sein musikalisches Schaffen. Zum Kauf angeregt hat mich die Beschreibung, dass die Songs von Philip Kroonenberg oft mit der Musik von J.J. Cale verglichen wird. Es scheint mir aber, dass J.J. Cale viel mehr als mein liebster holländischer Songschreiber und Gitarrenspieler dem Blues zugeneigt war – Philip Kroonenberg ist da eher im Stil dem Folkrock und Americana-Sound näher.
Die Songsammlung bietet das Werk in chronologischer Form, so stammen die ersten Songs alle vom Debütalbum „Naturally“ (1972). Von „After Midnight“ sind sicherlich eher die zahlreichen Coverversionen bekannt – als das sanfte Blues-Rock Original. „Crazy Mama“ kommt tatsächlich im Country Rock-Style einen Ry Cooder daher und dann ist das doch alles näher an der Musik von Philip Kroonenberg als die Songtitel vermuten ließen, bei denen ich eher mit Eric Clapton-Style Blues-Rock gerechnet hätte. Im gleichen Stil „Call me the Breeze“ - aber mit ein wenig mehr Tempo und etwas Rock´n´Roll-Drive. Sanft beginnt „Magnolia“ und bleibt es auch – schöne Ballade, aber der Gesang versteckt sich ein wenig zu sehr in der Abmischung hinter den Instrumenten.
„Crying Eyes“ erinnert mich an Stücke von The Band. Sehr nett. Die ganze Platte hat so was total entspannendes „chilliger Südstatten-Rock“. Auch diese Art zurückhaltender Rock muss man sich erst einmal trauen zu produzieren. Für seinen „Laid Back“ Sound – war J.J. Cale auch bekannt.
„Lies“ stammt vom zweiten Album „Really“ (1972) – und da hört sich der gesamte Sound – eher nach Rock aus L.A. an. Bei der zurückhaltenden Art der Songs kann man kaum glauben wie viel Personal bei den Aufnahmen beteiligt war. Bei „Lies“ waren 31 Musiker an der Platte beteiligt.
„I´ll kiss the World goodbye“ - vom Sound klingt das Stück dann doch wieder mehr nach der Musik von Clapton und Steve Winwood. „If your ever in Oklahoma“ - Countrystyle-Rock mit Fidel. Sanfter Blues „Changes“. Bei so viel Understatement und auch bei der Kürze der Songs rauschen die Songs nur so am Hörer vorbei. Langweilig ist das nicht – aber man hat auch nicht das Gefühl, dass sich die Songs jetzt beim ersten Hören irgendwo im Hirn lange hängen bleiben.
1974 erschien das Album „Okie“. „Crying“ hat einen schön außergewöhnlichen Rhythmus – da ist Reggae, Blues aber auch fast schon was drin, was zu der Zeit noch nicht richtig erfunden war drin: „New Wave“ - damit ein sehr außergewöhnliches und bemerkenswertes Stück.
Den Clapton-Stil sehr nahe: „Cajun Moon“ - da hört man schon viel von den späteren Hit „Cocaine“ heraus. „Okie“ ist eine sanfte instrumental Nummer. Country-Rock im Nashville-Stil: „Anway the Wind Blows“.
Mit „Cocaine“ ist der Hörer auch beim 1976 erschienenen Album „Troubadour“ angelangt – der Song ist so bekannt – da schreib ich mal einfach nichts zu, außer: Song für die Ewigkeit. „Traveling Light“ kenne ich aber auch irgendwie (hat vielleicht auch sein Freund Eric Clapton gecovert) – auch ein guter Song. Wieder so was von entspannt: „Hey Baby“. Wie viel sich Clapton bei Cale abgeguckt hat – und sich nicht nur bei dessen Songs bedient hat – fragt man fragt sich beim Hören dieser Songs immer mehr – aber vielleicht hat Cale auch einfach was von seinem erfolgreichen Freund abgeschaut.
Wundervoll: „Cherry“ - so was gutes in dieser Art bekommt man vielleicht auch nur noch von einem Ry Cooder sonst zu hören und auch Cooder hat mit Cale ganz viel gemeinsam. Das macht Spaß zu hören und ist richtig gut und schön: „You got Something“.
Und mit „I´ll make Love to you anythime“ sind wir im Jahre 1979 angelangt und bei dem Album „5“. Während um ihm herum „Disco“ und „Punk“ aufkam, machte J.J. Cale einfach weiter - „I´ll make love to you anytime“ hat dieses „Cocaine“ Feeling und so hat sich in seinem Stil nicht viel verändert. Er macht einfach sein Ding (was auch sein ganzes Leben sein Mantra war – und das ist etwas, was mir sehr an J.J. Cale gefällt – er hat sein Ding gemacht und sich irgendwie immer aus der Maschinerie der Musikindustrie raus halten können – die Freiheit hat er sich mit „After Midnight“ und „Cocaine“ einfach erspielt gehabt. Ich mag seine Musik immer mehr – das sind einfach sehr gute Stücke und sie grooven von Album zu Album immer besser. „Don´t cry Sister“ - ist richtig gut – so in etwas im Groove von „I shot the Sheriff“. Kleiner Diamant. CD 2 von 3 ist nun erreicht. Und langweilig wird’s nicht – weil J.J. Cale sich auch immer mal in anderen musikalischen Gefilden ausprobiert – so veredelt sein Sound ein ganzes Orchester: „Sensitive Kind“. Und auch ein Mark Knopfler wird sicherlich seine Dosis J.J. Cale gehört haben – da bin ich mir auch ziemlich sicher.
Da ist wirklich mal mehr Blues drin – und dann klingt er auch gleich wieder wie Clapton: „Thirteen Days“. Ballade: „Mona“.
Mit „Carry On“ sind wir im Jahr 1981 angekommen und dem Album „Shades“.
Sanfter Country Rock und wieder schön im Dire Straits-Modus und den Song kannte ich auch: „ Carry On“. Der Nashville-Sound ist auf dem Album stark, ebenso die zahlreichen Gastmusiker auf dem Album wie Jim Keltner, Leon Russel. „Mama don´t“ = CountryRock. Wirklich was für Mark Knopfler-Fans . Mit einem tollen Instrumentalpart. Guter Rock/Blues: „If you leave her“.
Ein Jahr und ein Album später, vom Album „Grasshopper“ (1982): „City Girls“ - der fällt etwas arg kitschig aus. „Don´t wait“ ist da schon wieder rockiger. Die Produktion bei dem Album ist recht aufwendig, die Songs recht kurz geraten. So auch „Downtown L.A.“, der lässig, fast jazzig daher kommt (das passt dann wirklich zu der Musik von Philip Kroonenberg. „Devil in Disguise“ - mit Pep gespielter Countryrock. Das letzte Stück von der „Grasshopper“ ist das Titelstück selbst – mit Congas versetzter Instrumentalsong – bemerkenswert.
Die Songs vom Album „#8“ aus dem Jahr 1983 starten mit „Money Talks“ - guter Rock, mit leichten Bluesansatz. Und ich wiederhole – wer Dire Straits mag – wird das sehr mögen. Gleiches gilt für „Hard Times“. „Teardrops in my Tequila“ - so schön kann der Mix aus Country und Blues sein – genial. Garagen-Blues-Rock: „Trouble in the City“.
Auszeit bis 1989. Dann erschien „Travel Log“. Davon ist auf der CD „Change your Mind“ - Ein Americana-Song der wirklich genauso von Philip Kroonenberg gespielt werden könnte (also der Vergleich ist damit endgültig positiv gerechtfertigt)) – ebenso „Lady Luck“ - auch ganz großartig – solche Songs kann ich wirklich immer hören – das ist gut, unaufgeregt – aber richtig gut – vor allem richtig gut gespielt.
Von den weiteren Alben von J.J. Cale befinden sich danach nur noch ein paar wenige Stücke in der Songsammlung. Von „Number Ten“ (1992) gibt es „Lonesome Train“ zu hören und das ist auch wieder total entspannter Rock. „Jailer“ ist wieder richtig gut – da werde ich auch nicht drum herum kommen, mir wohl noch ein paar der Platten von J.J. Cale nachzukaufen – denn da wird es sicherlich noch so einige gute Songs für mich zu entdecken geben.
Aus dem Album „Closer to you“ (1994) ist nur der Song „Borrowed Time“ enthalten – der auch die zweite CD abschließt und auch richtig gut und eine großartig gespielter und komponierter Song ist – außergewöhnlich.
„Low Down“ stammt vom Album „Guitar Man“ (1996) – schöne Country Rock-Nummer – man könnte auch J.J. Cale den Meister des sanften Country.Blues nennen. „Guitar Man“ - Wüsten-Rock auf J.J. Cale Art und Weise. Auch da wieder: Wer die Musik von Mark Knopfer liebt wird J.J. Cale auch lieben.
„Stone River“ stammt vom Album „From Tulsa and Back“ (2004) – Erdiger klingt das Spätwerk – aber J.J. Cale schafft es immer noch einem Genre, das eigentlich nicht so viel an Abwechslung bietet, immer wieder gute Songs zuzufügen. Und „Stone River“ ist sicherlich einer davon. Gleiches gilt für das wunderbare „The Problem“. Ganz großartig. Tolle Americana/Roots-Nummer.
Die Nächsten Songs stammen von der Songsammlung „Anywhere the Wind blows“ (1997). „Midnight in Memphis“ ist eine Blues-Rock-Nummer – bei der das Gitarrenspiel von J.J. Cale mal den Instrumentalsong ausfüllen kann. Aber auch da ist J.J. Cale wieder der Mann, der sich nicht gerne in den Vordergrund spielt und lässt seinen Mitmusikern auch ganz viel Raum. „Woke Up this Morning“ - was soll man noch nach so vielen Songs zur Qualität dieser Musik schreiben – bei diesen Song ist der Gesangspart nur etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt – aber sehr gut gespielt (wieder).
Weitere gute instrumentale West-Küsten-Rock-Nummer: „Durango“. „Things ain´t Simple“ - sanfter Roots-Rock.
Erster Live-Song der CD: „Wish I had me a Dollar“ - da klingt er wieder nach Ry Cooder – entspannter „laid back“ Rock. „Santa Cruz“ ist dann die letzte Studioaufnahme auf den Album, danach folgen nur noch Livestücke, die meisten davon stammen von der „2 Meter Session“ - damit ein weiteres Mal eine Verbindung nach „Holland“ – da die „2 Meter Sessions“ fürs Niederländische Radio produziert werden.
Die Live gespielten Songs sind: „Cocaine“ (vielleicht schon etwas zu lässig gespielt), „After Midnight“ (die Fassung ist aber unwiderstehlich), „Call me the Breeze“, Travelin´Light“, „Tijuana“, „Hold On“, „Rose in the Garden“, „After Midnight (ein weiteres Mal)“, „Ride me High“, „Devil in Disguise“.
Wer sich von dieser 3-CD-Collection nicht überzeugen lässt, ein J.J. Cale Fan zu werden, den kann ich auch nicht helfen – ich bin jetzt einer. (513)
The Call – Reconciled (1986)
Auf „The Call“ war ich durch das Lesen einer alten Musikzeitschrift gestoßen – Peter Gabriel hielt große Stücke auf diese amerikanische Rockband und nahm sie mit auf Tour (in den frühen 80ern). Bei diesem Album ist er neben Robbie Robertson und Jim Keer als Gastmusiker dabei. Dieses vierte Album gilt auch als das erfolgreichste der Band, die sich nach dem neunten Album im Jahr 2000 auflöste.
Die Band bestand bis zur Auflösung aus Michael Been (Gesang, Bass, Keyboard), Tom Ferrier (Gitarre), Scott Musick (Drums), John Goodwin (Keyboards)
Die Band hat sich in 2024 die Rechte zu diesem Album und dem ein Jahr später erschienen Album „Into the Woods“ gesichert und via Bandcamp neu veröffentlicht. Das Frühwerk der Band (1980 – 1985) ist mittlerweile etwas schwieriger zu beschaffen. Da muss der Gebrauchtmarkt herhalten.
Leider habe ich den Fehler gemacht und bevor ich mit dem Durchhören der Platte richtig begonnen habe – auch weil ich ein wenig zu neugierig auf die Platte war – hatte ich kurz vor dem Schlafengehen mal in die Platte hineingehört. Und ich war ein wenig überrascht, dann fast erschrocken darüber, wie die ganzen Songs in denen ich kurz hineingehört hatte, für mich alle nicht funktionierten, denn ich wusste, dass es Songs von der Band gibt, die mir gefallen hatten.
Also über Spotify mal in eins der früheren Alben nochmal hineingehört, welches ich auch durchgehört hatte, nachdem ich den besagten Artikel in der Zeitschrift „Sounds“ über The Call gelesen hatte und deshalb wird das hier wieder eine Mehrfachbesprechung:
The Call – Modern Romans (1983)
Was an The Call interessant ist, dass sie für eine amerikanische Band den damals englischen New Wave total verinnerlicht hatte und dies mit dem Schwung von Rock/Pop vermischten. So ist „The Walls come down“ ein Partysong für New Wave-Fans. Nimmt mit und ist für 1983 gut produziert.
Man hört auch das Michael Been ein geborener Frontmann ist – sich dabei aber fast schon punkig ungestüm anhört. Sein Gesang könnte durchaus teils etwas zurückhaltener sein, funktioniert dann aber bei dem PostPunk-Stück „Turn a blind Eye“ grandios.
Auf diese folgt einer weiteren New Wave/Rock-Nummer, bei der nur der Refrain nicht funktioniert: „Time of your Live“. Rocksong mit Punkattitüde: „Modern Romans“.
Atmosphärisch gehalten und wieder eher im Post Punk-Bereich: „Back from the Front“. „Destination“ ist zwar recht rockig, aber als (fast) Instrumentalstück doch ziemlich simpel geraten. Und hat die Zeit nicht so gut überstanden wie das zuvor gehörte Material.
Das langsame „Violent Times“ ist wieder eher was für mich. Das ist schon Artrock.
Wenn es schon nach Punkrock klingt – entwickelt die Band eine ziemliche Energie und es macht Spaß das zu hören – so dann auch: „Face to Face“. Der Mix aus Alternative-Rock, Punk und PostPunk macht The Call schon zu was besonderem. Und auf dieser Platte funktioniert das sehr gut.
Der eher gradlinige, aber etwas härter gespielte Rock bei „All about you“ funktioniert gut als Single-Material, weil er ein breiteres Publikum anspricht.
Ja, das Album funktioniert noch gut und macht einigen Spaß beim Hören – was für 80er Rock & New Wave-Fans.
Ein Jahr später folgte das Album „Scene beyond Dreams“ (1984). Hier fällt direkt beim Hören des Titelstücks auf, das die Melodie viel poppiger ist als alles vom Vorgängeralbum, nur der ungestüme und das überbetonte im Gesang von Michael Been ist geblieben und das beginnt, dann in der Kombination doch zu nerven, weil Been es einfach übertreibt mit seiner Theatralik.
Bei „The Burden“, der dann wieder mehr im rockigen New Wave-Modus daherkommt, funktioniert der Rock von The Call dann wieder besser. Und die Keyboardmelodie ist hier auch sehr mitnehmend. Aber man muss schon den Sound der 80er mögen, um dass noch genießen zu können, denn die Effekte klingen dann doch meist etwas übertrieben und schwer aus der Zeit gefallen, da ist so vieles aus den 70ern dann doch viel besser gealtert.
Ganz gut funktioniert das Poprock-Stück „Tremble“ – denn mit der Musikalität und dem Können an den Instrumenten können The Call hier punkten. Der Song hat auch etwas Hit-Potenzial. Tatsächlich scheint The Call mit dem Songs dieses Albums es auf ein breiteres Publikum abgesehen zu haben. Denn auch „Delivered“ ist wieder mehr Rock (mit einem eher popigen New Wave-Anteil). Da hört man jetzt auch etwas „New Romatic“ heraus – aber der wird von The Call sehr rockig dargeboten.
Auch „Heavy Hand“ hat einen fast schon leichten Poprock-Ansatz – aber das Soundkostüm der frühen 80er Jahre können The Call irgendwie nicht abstreifen. „Heavy Hand“ wird dann aber leider teils zur Karikatur seiner selbst – da wird versucht amerikanischer Partyrock mit Synthpop der 80er zu verbinden – das geht leider dann am Ende nicht so gut aus.
Popige Synthesizer-Musik wird auch mit munteren Partyrock im Stück „Promise and Treat“ geboten. Bei dem Stück funktioniert das aber besser – der Song macht irgendwie schon noch Spaß beim Hören (muss man aber mögen).
Etwas Melancholie tut den Songs von The Call einfach gut, denn wenn es schon fast wie Düsterrock klingt, dann funktioniert auch der Gesang von Michael Been am Besten. Das ist dann wohl so wie bei Bands wie „Twilight Sad“ und „Joy Devision“ – ein wenig Wahnsinn gehört da einfach mit dabei, um es außergewöhnlich zu machen. Und so ist „One Life leads to another“ wirklich der beste Song der Platte.
Vom Titel her müsste dann auch „Apocalypse“ gut funktionieren, doch verbirgt sich dahinter ein zu Anfang mit Akustikgitarre gespielter Singer/Songwriter-Song. Wer hätte damit jetzt noch gerechnet. Weil Been, da auch wie ein Folksänger singt, ist das aber auch nicht schlecht und vielleicht der „zeitloseste“ Song der Platte.
„Notified“ schließt das Album nochmal mit New Wave-Rock ab. Auch das Album ist durchwegs kurzweilig und noch gut zu hören.
Dann sind wir bei „Reconciled“ (1986) angelangt. Rocksong, mit Keyboards – wirklich mitreißend, so beginnt „Everywhere I go“ und da gefällt mir auch noch der Gesang wirklich gut – erinnert mich sehr an den Sound von „Twelve Drummers Drumming“ – jener deutsche Band, die genau wie die Amerikaner von The Call ihr Glück mit New Wave-Stücken begannen, um dann auch mit dem zweiten Album eher wie Simple Minds zu klingen und dies werden The Call mit dieser Platte auch versuchen. Zwar nicht richtig herauszuhören, aber bei dem Stück singen Jim Keer und Peter Gabriel mit.
Der wohl größte Hit der Band ist „I still believe (Great Design)“ und hier wird dann wirklich im Stil der Simple Minds gerockt. Anscheinend muss man sich aber nur am Gesang von Michael Been gewöhnen und dies scheine ich getan zu haben, denn grade macht mir die Platte und die Songs plötzlich doch sehr viel Spaß. Also meine Empfehlung: erst etwas 80er-Feeling tanken und dann diese Platte hören. Denn jetzt grade macht mir das Spaß und das beim „kurzen Hineinhören“ als doch fast unerträglich veraltet klingende, hat jetzt seinen ganz eigenen Charme. Da muss ich die CD dann doch nicht direkt wieder los werden.
Bei „Blood Red (America)“ klingt es dann doch fast schon eher nach Duran Duran als nach den Simple Minds.
Ganz gradlinig gerockt: „The Morning“. Gleiches gilt für „Oklahoma“ – klingt schon da mal richtig amerikanisch und hat fast die Power eines INXS-Songs.
Beim eher gradlinigen, aber recht kraftvollen Rock bleibt es auch mit „With or without Reason“. Bei dem Song sind die Instrumentalparts sehr beachtlich.
Stark rockender Bass am Anfang von „Sanctuary“ – da hört es sich dann nochmal nach New Wave an und das ist nochmal ein richtig guter Song.
PopRock: „Tore the old place down“ – hat schon was von den Hooters.
Der New Wave-Rock-Mix für den The Call dann bekannt sind, gibt es am Ende der Platte nochmal mit „Even Now“ zu hören und ich bin dann doch beruhigt, dass ich mich beim ersten Hören der Musik von The Call doch nicht getäuscht hatte – das ist schon wirklich Musik für mich – man muss sich nur dafür etwas stärker in den Sound frühen 80er hineingrooven.
Und wenn man dann immer noch nicht genug hat, kann man auch noch das Debüt von 1980 hören „The Call“
Wenn einen das zuvor Gehörte nämlich gefallen hat, dann macht auch das Debütalbum genau so viel Spaß, wie es die drei Alben danach getan haben.
Auf jeden Fall klingt so der erste Song der Platte: „War-Weary World. Und dann schreib ich das und als zweites folgt ein lupenreiner 80er PopRocksong von der Sorte, von der es einfach viel zu viele gibt: „There´s a Heart here“ - ist sicherlich damals sehr Hitparaden- und Singlefreundlich gewesen, damit aber auch ein Song von vielen.
„Doubt“ ist eher ein Rocksong und als solcher ganz gut gelungen. Fast ein Blues. Schwungvoll und etwas im Partymodus – aber noch so. dass ich es mag: „This is Life“ (hatte ich nicht schon die Hooters erwähnt, so klingt auch der Song).
Auch eher gradliniger Rock: „Fulham Blues“. Etwas Reggae beigemischt: „Who´s that Man“ – da kommt dann doch der Hang zum eher britischen Sound der frühen 80er der Band zum Vorschein und deshalb haben sie ja auch dieses Debüt in England aufgenommen und sind dort dann auch auf Tour gegangen.
Danach wird gradliniger weiter gerockt: „Upperbirth“ (war von daher die richtige Entscheidung mich mit dem zweiten Album an „The Call“ heranzutasten, denn da klingen sie doch wesentlich interessanter und vielfältiger). Ich weiß nicht, ob ich nach dem Durchhören dieses Albums noch direkt Lust gehabt hätte noch drei weitere zu hören.
Einfach nur Rock: „Bandits“. Und sogar sehr amerikanisch: „Flesh and Steel“.
„Unbearable“ ist überraschend näher am Punkrock – und dieser kurze kraftvolle Song macht dann noch mal Spaß.
Mit „Waiting for the End“ wartet dann doch noch ein richtiges Bandhighlight auf den Hörer. Auf jeden Fall bekommt damit dieses doch eher durchschnittliche Debüt doch noch ein ganz gutes Ende verpasst.


Terry Callier – What Color ist Love (1972/Vinyl)
Callier, ein Kindheitsfreund von Curtis Mayfield, machte seit den frühen 60er Jahren Musik – Singer/Songwriter-Musik, Soul – und Jazz. Drei Alben, die er für das Cadet-Label produzierte – „What Color is Love“ ist davon das Zweite – erhielten zwar sehr gute Kritiken und brachten ihm eine größere Beachtung ein, aber der kommerzielle Erfolg blieb aus. In den späten 70er Jahren versuchte er es mit Disco-Sound, aber auch da blieben größere Verkäufe seiner Alben und Singles aus – er zog sich aus dem Musikgeschäft zurück, bis englische Djs in den frühen 90er Jahren seine Musik wieder entdeckten. Im Urlaub ging er auf Clubtour – sein Name wurde nach und nach wieder bekannter – und bis zu seinem Tod 2012 brachte er noch mehrere weitere CDs heraus. Terry Callier – ein Musiker von vielen - mit späten Erfolg (wenigstens konnte er den noch miterleben – andere Musiker werden erst wieder entdeckt, nachdem ihre Karriere auf Erden längst vorbei ist).
„What Color is Love“ hab ich entdeckt, als ich auf der Suche nach guten Soul-Platten aus den frühen 70ern war – beim Anspielen so mancher Alben, bin ich bei diesen hängen geblieben und habe mir die Vinyl-Reissue zugelegt. Die LP hat gerade mal 7 Stücke und sechs davon sind länger als 5 Minuten – Single-Material hat Callier da eher nicht produziert. Auch an Musiker fehlte es der Produktion nicht, da ein halbes Orchester mit Cello, Violinen, ordentlich Blasinstrumenten und Schlagwerk dazu geholt wurde.
Sein Big-Band-Soul singt Terry Callier mit meist kräftiger an Tom Jones erinnenden Stimme, die aber auch sanft von Liebe singen kann. Das gute an unbekannten Songmaterial ist,es ist zwar alt gleichzeitig aber auch ganz neu für den Hörer, auch wenn das Material über fünfzig Jahre alt ist. Und gerade beim Soul ist es gut, wenn man nicht die immer gleichen Standardhits in einer Neuaufnahme frisch serviert bekommt. Bei Carrier ist alles sein eigenes Material, auch wenn es bei dem einen oder anderen Stück ein oder zwei Co-Autoren gibt.
Die Platte trägt sich also dank guter Eigenkompositionen, groß angelegten Orchesterarrangements mit Chorbegleitung und einer gewissen Unaufgeregtheit, vielleicht weil Terry Callier auch Folkelemente am Anfang der Platte einbaut und was für eine Soul-Platte auch immer gut ist, sie ist Abwechslungsreich. (86)
CAN – Delay 1968 (1981)
Erst 1981 wurden die ersten Studioaufnahmen von CAN veröffentlicht – da diese nach der Einspielung von der Plattenfirma für eine Veröffentlichung abgelehnt wurden, so dass erst die Studioaufnahmen des Album „Monster Movie“ als Debütalbum veröffentlicht wurden. Aber auch die ersten Aufnahmen zeigen schon das große Potential der Band und warum ich CAN als eine der ersten „alternativ Rockbands“ halte.
„Butterfly“ schlägt und dröhnt sofort mit großer Wucht und Wildheit wie ein früher (Post)Punksong auf den Hörer ein. Da weiß man gar nicht wie einen geschieht. Der Sprechgesang vom damaligen Frontmann Malcome Mooney wirkt auch eher befremdlich und das Stück ist für die Zeit in der es aufgenommen wurde auch wirklich untypisch – weil es so anders ist: Musik aus der Zukunft. „PNOOM“ mit einer Länge von 28 Sekunden ist ein sehr kurzes Avantgarde Jazzstück. Mit „Nineteen Centrury Man“ folgt ein Beat-Rockstück, das etwas an die Songs der „Doors“ erinnert, nur singt Mooney nicht wie ein Jim Morrison, sondern klingt dabei eher wie ein James Brown. „Thief“ ist ein echter früher wunderbarer Alternativrock-Song, der schon ein wenig nach „The Cure“ und anderen späteren Bands der alternativen Szene klingt. „Man Named Joe“ ist ein weiterer ungestümer Beatsong – der in die Kategorie „lustig/verrückt“ einzuordnen ist.
„Uphill“ ist ein stetig vorantreibender Rocksong und einer dieser typischen „Monoton – aber auf verdammt hohen Niveau“ - Songs der Band. Mit „Little Star of Bethlehem“ endet die Platte mit einem sehr guten End60er Rocksong.
Für CAN kein ungewöhnliches Album, für die Zeit aus der es stammt ist es auf jeden Fall was ganz ungewöhnliches und es ist gut, dass die Songs dann doch noch verspätet eine Veröffentlichung fanden. (327)

CAN – Live in Stuttgard 1975 (2021)
„Live in Stuttgard“ ist die erste kuratierte Veröffentlichung eines Konzertes von CAN aus dem Jahre 75, viele weitere Konzertmitschnitte werden darauf folgen. Das Konzert ist in fünf Teile ohne eigenen Titel unterteilt.
Die Band bestehend aus Irmin Schmidt, Holger Czukay, Jaki Liebezeit, Michael Karoli und eröffnen das Konzert mit atmosphärischen Klänge. Orgel, etwas Saitengezupfe, leiser Schlagzeugeinsatz. Bass und Gitarre ruhig gespielt. Langsame Steigerung der Intensität und dann führt ein eindringlicher Schlagzeugrhythmus des von mir geliebten Jacki Liebezeit den Song weiter, dazu Bass, Gitarre.
Das macht soviel Spaß zu hören, weil es so gut gespielt ist und es wird immer intensiver. Dabei unterscheidet es sich vom herkömmlichen siebziger Jahrerock, weil es einfach so ein Zwischending zwischen Krautrock, Progressivrock ist– es ist für mich einfach Alternativrock – schon Postrock wie er auch heute noch von einen Thurston Moore gespielt wird – die Doors klangen bei ihren Livekonzerten auch ein wenig so. Und die Aufnahme dieses Livekonzerts ist von ganz toller Qualität – alles hört sich richtig an. Das das Stück 20 Minuten lang ist, bereitet mir gar kein Probleme, weil einmal vom Rhythmus eingefangen, möchte man eigentlich darin für immer versinken. Und jede Variation, jedes Detail im Dazutun der Band, jedes Beifügen an Klangelementen – alles ist einfach nur ganz großartig gespielte Musik.
Der vierzehn minütige zweite Teil fühlt sich von Anfang an etwas beschwingter und leichter an. Die Gitarre klingt fast fröhlich und auch der Schlagzeug- und Bassrhythmus hat eine schöne Leichtigkeit. Can laden zu einem Tänzchen ein. Dann wird es ruhiger, das Schlagzeug stellt kurz die Arbeit ein, und die Stimmung wird durch etwas intensiveren Gitarreneinsatz zunehmend rockiger. Auch das lässt meine Begeisterung für dieses Konzert weiter steigen.
Nach sechs Minuten wird die Musik progressiver. Und in ungestüme Klangwelten bewegt sich die Musik bis zum Finale des Stücks weiter. Da hat mir die Musik bis Minute sechs zwar besser gefallen, aber als siebziger Jahre Rockmusik funktioniert es trotzdem.
Der dritte Teil geht über dreiunddreizig Minuten – und geht direkt sehr dynamisch und kraftvoll los und mit diesen für die Zeit, in der die Aufnahme entstanden ist, wahnsinnigen Soundkostüm´- das nach Indie-, Alternative-Rock und Postrock und Jazz klingt – und deshalb ist für mich auch CAN eher Indie- und Alternative als Krautrock. Und dieses geniale Instrumentenspiel, mit so tollen Rhythmen könnte ich mir sogar noch länger als fündunddreizig Minuten gefallen lassen (wenn es denn auf die Art gespielt wird, wie zu in den Zeitraum in dem ich diese Worte eintippe) – das liebe ich, so genial. Im Mittelteil bekommt das Stück dann aber auch einen Progrock-Part verpasst. Aber vor allem trugen bis dahin Schlagzeug und Bass das Stück – in der Mitte übernehmen die Gitarre und die Orgel einen größeren Teil und dann ziehen sie auch das Stück wieder etwas zu viel in die Länge für meinen Geschmack – aber wie Konsequent sie dies tun – ist dann auch wieder bemerkenswert – und eben ist das Qualitativ alles unglaublich gut gespielt und so wird diese neue Reihe von Live-Alben von CAN als Pflichtkauf angekreuzt, denn so was bekomme ich viel zu selten zu hören und so was wird seltsamer Weise von aktuellen Künstlern so gut wie garnicht geboten. Auch das Ende des Parts wird dann aber selbst für mich viel zu lang gezogen – aber auch da beeindruckt die Furchtlosigkeit von CAN. Es ist zu viel – aber bei CAN auch zu viel Gutes dabei.
Teil Vier – fängt als sanfte Rocknummer an – wenn es so bleibt, dann wäre ich verzückt, weil ich trotz der etwas unausgewogenen Aufnahmequalität, das von der Musik her sehr mag. Aber das Stück ist auch wieder zehn Minuten lang – und driftet zur Hälfte der Spielzeit schon auf ein stürmisches Finale zu. Ja und auch hier wird es zum Ende hin wieder anstrengend. Irgendwie scheint es bei den Livedarbietungen von CAN so zu sein, dass sie ihre Stücke nach guten Start am Ende immer sich im haltlosen und unmelodiösen Improvisieren verlieren. So bleibt bei allen Spaß, den ich an den Song eigentlich habe, immer das Gefühl, dass die Stücke alle viel kürzer hätten sein können und dass dies ihnen nicht geschadet hätte.
„Fünf“ ist sogar unter zehn Minuten lang – könnte man vom Rhythmus als Krautrock-Blues bezeichnen. Das ist dann schon Jazzrock und irgendwie scheint auch bei CAN beim letzten Stück der Schwung etwas abhanden gekommen zu sein, weil das Tempo des Stücks doch recht gedrosselt ist, dann aber doch nach fünf Minuten noch mal anzieht. Wir nähern uns dem großen Finale des Abends.
Auf jeden Fall ist ein CAN-Konzert besonders. Auf jeden Fall beherrschen die Musiker ihre Instrumente und sind sicherlich in vielen Dingen Wegbereiter was dem Alternativen Rock angeht. Das ihre Konzerte damals vollkommen instrumental waren, wusste ich bisher auch nicht. Und gerne höre ich mir auch noch weitere Liveaufnahmen dieser neuen Veröffentlichungen von CAN-Konzerten an. Und da gibt es mittlerweile schon eine ganze Menge an Veröffentlichungen.


Jim Capaldi – Oh how wie danced (1972)
Auf Jim Capaldi bin ich nicht wegen seiner Zugehörigkeit zur Band „Traffic“ gekommen – obwohl ich ja Steve Winwood sehr mag und so auch auf ihm hätte kommen können. Auf Jim Capaldi bin ich durch mein Hören von vierundzwanzig Singles im Dezember gekommen – dazu nehme ich als eine Art Single-Adventskalender blind vierundzwanzig Singles aus einer Bananenkiste (die ich mal gekauft hab) und höre dann Tag für Tag davon eine – das sind dann meine Adventssingles und vor zwei Jahren war da Jim Capaldi mit zwei Singles dabei und so bin ich auf ihm gestoßen und es wird mal Zeit sich mit ihm näher zu befassen.
Während „Traffic“ wegen gesundheitlicher Probleme von Steve Winwood pausierte, nahm Capaldi dieses erste Soloalbum auf – aber ein Stück „Open your Heart“ stammte aus der letzten Studiosesson von Traffic. Zusammen mit Chris Blackwell hat Capaldi das Album produziert, dabei haben zahlreiche Gastmusiker und die Bandkollegen von Traffic geholfen.
Sanfte Rock-Ballade: „Eve“- ganz ordentlicher Einstand, auch bisschen bluesig und soulig und geht nach hinten raus schön ab. Mit den sanftem Rock geht es auch mit „Big Thirst“ weiter – könnte eine Joe Cocker-Nummer sein oder hätte dieser auch wunderbar singen können – auch gut. Das ist jetzt alles typischer 70er Jahre Rock – an dem Sound der amerikanischen Westküste orientiert und vielleicht war deshalb Jim Capaldi auch mit seiner Platte in den USA erfolgreicher als in seiner englischen Heimat.
Country-Blues-Rock: „Love is all you can try“. Blues-Rock im Traffic-Style: “Last Day of Dawn“. Ich finde ja die Musik von Bands und deren Musiker mit und in denen Steve Winwood und Eric Clapton mitgespielt haben, klingt immer ähnlich – dass ist Musik, die es heute kaum noch schafft, sich in den Vordergrund der Popmusik mit zu spielen, aber von den Fans des Blues-Rock-Genres immer noch gefeiert werde, gerade dann wenn die alten Helden wieder auf Tour gehen – aber auch die junge Generation von Blues-Musikern kann durch die Erfolge der Stars des Genres immer noch mindestens auf der Bühne stehend punkten.
Die nächste gute Rock-Ballade folgt: „Don´t be a Hero“. Die Songs haben alle ihre Qualität, auch der sanfte: „Open your Heart“ - der mal „nur“ sanfter Rock ist und bei dem der Blues mal fast fehlt. Wie bei J. J. Cale zeichnet sich die Musik von Jim Capaldi durch eine gewisse Unaufdinglichkeit aus.
Die sanften Stücke behalten auf dem Album mit „How much can a Man really take“ die Oberhand, aber der Song bekommt dann doch einen angenehmen Rockschwung verpasst. Letztes Stück: „Anniversary Song“ - der fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil er sich wie eine Liveeinspielung anhört und glaub ich auch eine ist und damit ganz anders wie der Rest klingt.
Gutes Laid-Back-Rock-Blues-Album. Dem vielleicht der eine richtige Hit fehlt – aber Songs wie „Don´t be a Hero“ und „Big Thirst“ sind schon wirklich beachtlich. Wer bisher also auch nur Eric Clapton und Steve Windwood gehört hat – sollte vielleicht auch mal bei Jim Capaldi vorbeihören.

Captain Beefheart & His Magic Band – Safe as Milk (1967)
Blues-Rock gemischt mit Garagenrock bietet das Projekt von Don Glen Van Vliet zu Anfang mit „Sure´nuff “n“ Yes, I Do“. Beat-Rock gemischt mit Psychodelic: „Zig Zac Wanderer“ - den ich in der Genremischung recht interessant finde und der so auch sehr gut funktioniert. Genauso eigenwillig, aber mit Soul gemischt, macht das Album mit „Call on me“ weiter. Rock versuchen sie mit „Dropout Boogie“ - das ist dann mal nicht meins - obwohl der instrumentale Teil des Stücks schon was hat.
Sanftes kommt als Gegenstück danach – toller herzschmerz Soul – und so richtig gut: „I´m Glad“.
Psych-Experimental-Rock: „Electricity“ (wieder nicht meins - immer wenn Van Vliet mit der harten übertriebenen Rockstimme singt, haut mich das total raus. Beat mit Country- und Psychrock gemixt: „Yellow Brick Road“. Im Garagenrockstyle: „Abba Zaba“. Blues-Rock: „Plastic Factory“.
Wieder eher Soul-Rock: „Where there´s Woman“ - und den Soul von Captain Beefheart finde ich wirklich das Beste an der Platte – das kann er richtig gut.
Darauf folgt der nächste Garagenrock-Blues: „Grown so ungly“. Wieder im Psychrock-Modus ist am Ende „Autumn´s Child“ geraten.
Eine recht wilde Mischung aus allen möglichen Musikrichtungen der späten sechziger Jahre bietet dieses Album und bleibt als Wundertüte mir in Erinnerung. (445)
Craig Cardiff – Great American White Trash Novel (1997)
Liebe auf den ersten Gitarrensaitenanschlag – da springt der Funke von Sekunde eins an direkt zu mir über – das ist Musik – ehrlich, gutes Handwerk und der Song „Stabalise“ nimmt mit und fängt mich ein. Manchmal findet man auf höchst seltsame Weise einen guten Song und wie ich ihm entdeckt habe, behalte ich erstmal für mich. Jetzt genieße ich das einfach.
Zur Zeit mag ich ja authentisch klingenden und handwerklich aber gut gespielte Folk/Singer/Songwriter-Musik und mit Craig Cardiff habe ich einen weiteren Musiker gefunden, der mir das bietet – wunderschön und einfach ist, was er da spielt und so wie es klingt, ist das auch alles live eingespielt – Song Nummer Zwei „Bellyful“ begeistert mich von Anfang bis Ende. Und wieder dieser Gedanke – soviel gute Musik und durch Zufall fällt sie mir in den Schoß und da will man doch nicht mit dem Entdecken wirklich aufhören. Geht doch nicht.
Sanft und fein: „Year of Funerals“. Craig Cardiff ist Kanadier und ein fleißiger Musiker – seit 1997 bringt er in regelmäßigen Abständen Studioalben, aber auch Live-Platten heraus. Er wird wie Bruce Cockburn auf True North Records veröffentlicht und weil ich mich fragte, da ich ja Cockburn und kanadische Musik(er/innen) ziemlich mag, welche Musiker so noch auf dem Label veröffentlicht sind und es sind einige – auf der Bandcamp-Seite von True Norht stößt man dann häufig auf Craig Cardiff und so kam ich dann dazu diese Platte zu hören – Der Weg war also über Cockburn, Record Label, auf Glück einen anderen Künstler des Labels anhören und verdammt viel Spaß und Freude damit haben – denn das Album ist so so gut. Denn auch der Song „Great American Trash Novel“ ist großartig – erinnert viel an die Musik von Nick Drake und Ryley Walker.
Meine Musik, ist das einfach, wunderschön: „Here there be Tigers“. Mit Cajun-Style-Musik legt die Platte an Tempo zu „Fisherking“.
Etwas im romantischen Country-Stil gibt’s auch: „Bullpen“. Dann aber wieder von Anfang bis Ende wunderschön: „Dancing with Pierre“. Craig Cardiff kann Singen und Songs schreiben – Punkt.
Mit „Everybody“ macht er Ryan Adams Konkurrenz und warum habe ich diesen Singer/Songwriter erst heute entdeckt? Und grandios auch der Abschluss der Platte mit „Memphis, TN“. Und er hat noch 22 weitere Alben veröffentlicht – hab ich ein Glück! Freunde guter Singer/Songwriter-Musik die immer noch nur Springsteen und Dylan hören, sag ich mal wieder – macht Eure Ohren für Künstler wie diesen auf – ihr werdet Euch wundern.


Cari Cari – Anaana (2018)
Da tritt neben ihren Gitarristen Sängerin/Schlagzeugerin Stephanie Widmer beim Traumzeit-Festival 2022 mit Didgeridoo auf und man denkt sofort, die kommen sicher aus Australien. Dann macht Sänger/Gitarrist Alexander Koeck den Mund auf und spricht und man lag fehl. So wie wenn man glaubt Austria wäre Australien, denn Cari Cari kommen aus Österreich. Kraftvollen Power Rock macht das Duo mit dem selbstgesteckten Ziel mal auf einem Soundtrack eines Quentin Tarantino-Films zu landen. Immerhin für die US-Serie „Shameless“ hat es schon gereicht. Und das die beiden sich mit solchen tollen Liveauftritten wie bei der Traumzeit ein Publikum erspielen werden, steht nach der Traumzeit außer Frage. Da ist dann die erste CD des Duos auch schnell gekauft. Aber auch um diesen Auftritt bei der Traumzeit zu ergattern hat es nach der Produktion der CD vier Jahre gebraucht – also ist der Anfang von Cari Cari kein Schnellstart gewesen, sondern eher ein kontinuierliches Weiterarbeiten.
„Summer Sun“ ist eine schöne poppige Indie-Rock-Nummer, die auch bei genug Airplay einen Platz den Charts sicher hätte und ist auch ihr bisher erfolgreichster Titel bei Spotify mit über 18 Millionen Abrufe. Noch wuchtiger wird es beim Titelstück „Anaana“ - da kommt der Spaghetti-Western-Touch noch hinzu und rockt so richtig und ab da war ich beim Liveauftritt auch schon Fan des Duos. Surf-Psycho-Rock wie er wirklich gut in einen Tarantino/Rodriguez-Film in den 90ern gepasst hätte: „Mapache“. Der Indie-Wüsten-Rock funktioniert bei dem Duo dank ausgefeilter Songs wirklich gut, so auch „Mazuka“. Das Gute an den Songs ist bei Cari Cari nicht das Unbekannte, das man neu entdecken will – sondern eher bekannte Melodien und Sounds die zu etwas neuen kraftvollen Gebündelt und neu aufs Publikum losgelassen werden. Und daraus entsteht dann doch was ganz Originelles weil das Duo Widmer/Koeck dabei einfach geschickt zur Sache gehen. So klingt fast jeder Song mindestens so gut (vielleicht sogar besser) wie die richtig guten Songs von Johnossi. So machen die weiteren Songs: „Nothing´s oder than Yesterday“, „Mechikko“ richtig großen Spaß und werden von dem sehr beachtlichen „After the Goldrush“ noch sogar getoppt (da wird auch das Didgeridoo gespielt). Das Niveau bleibt auch mit dem etwas langsameren, aber dadurch nicht weniger intensiven „Dark was the Night“ auf hohen Level. Dieser Power-Rock macht aber auch soviel Spaß, dass es einem nicht langweilig wird. Da steckt in „Camoubee“ einfach zu viel Dynamik, Rhythmus, Power drin. Und dann ist das Album leider nach dem Song „Do not go gentle into that cold night“ schon zu Ende. Richtig gute Liveband und richtig gutes Debüt-Album. (313)

Caroline – Caroline (2022)
Die achtköpfige Band eröffnet ihr Debüt-Album mit einer schönen langen atmosphärischen Instrumentalpassage, dann setzt sanfter fast chorartiger Gesang ein. Die Wirkung des Songs und des Sounds, die Instrumentierung hat auf mich eine geradezu packende Wirkung, so dass ich nach dem Hören, des ersten Stücks die ganze CD haben musste. Es passiert da eigentlich nicht viel im Song, aber es packt einen und nimmt einen mit und enthält viele Elemente die ich in der Musik mag. Da treffen folkige Klänge, auf E-Gitarre, Emo-Gesang und leicht verzerrte Geräusche. Daher ist „Dark Blue“ ein perfekter Einstieg in die Musikwelt von Caroline. „Good morning (red)“ klingt wie eine der ruhigen Nummern der Weakerthans und auch Fans von Lambchop und The Slow Show, Efterklang müssten sich mit Caroline schnell anfreunden können. Meine Schwester würde das glaube ich sofort als für mich typische Musik bezeichnen. Das Schöne sind die kleinen überraschenden und sehr wirkungsvollen Klang-Spiel-Elemente die einen Song wie „Good morning (red)“ so besonders machen. Es gibt auch ganz kurze Stücke wie das auf Geigengestreichel aufgebaute „desperately“. Wirklich wie ein frühes Efterklang-Stück klingend: „IWR“. Etwas mehr Tempo würde aber den weiteren Verlauf der Platte gut tun, da mir die Grundstimmung dann doch etwas zu ruhig bleibt. Obwohl „Energine (eavesdropping)“ mit seinen an einen Bill Frisell erinnernde Elemente schon wieder an Spannung gewinnt. Das ist mir auch bei The Slow Show auf Dauer ein Problem, dass das alles so tiefenentspannt ist und bleibt – ein Aufbäumen oder Tempowechsel tut auch mal gut. „Skydiving onto the Libary Roof“ da finde ich den Titel schon gut. Der Song beginnt mit Streicher und Gesang und bis auf dass der Gesang verschwindet und die Streicher etwas überhöht werden, tut sich da auch wieder nicht viel. Auch das letzte lange Stück „Natural Death“ zeigt den Willen zum experimentierfreudigen Folk, aber begeistert mich auch nicht so richtig. Live ist das glaube ich ein wirklich großartiges Erlebnis, auf Platte ermüdet es mich und strengt mich auch an. Aber Caroline beweisen für mich am Anfang ihres Debüt, dass sie mich wirklich begeistern können. Nur geht ihnen nach hinten die Luft aus. Freunde der genannten Bands und von Grizzly Bear sollten aber auf jeden Fall mal diese Platte hören. (173)

Car Seat Headrest – Twin Fantasy (Mirror to Mirror) (2011)
Der Multiinstrumentalist Will Toledo versuchte erst unter den Namen Nervous Young Man sein Publikum zu erreichen, seit 2010 veröffentlichte er dann unter den Namen Car Seat Headrest auf Bandcamp Alben – Erst vier Alben ohne Titel, dann das Album „My Back is Killing me Baby“ (2011) und dann das Album „Twin Fantasy“, welches er nach seinem Durchbruch mit dem 2016 erschienenen Album „Teens on Denial“ einfach noch mal neu aufnahm.
Der Stil des Albums ist amerikanischer Indie-Singer/Songwriter-Garage Rock. Das zweite Stück des Albums „Beach Life-In-Death“ hat dann tatsächlich was – es ist zwar mit über zwölf Minuten Länge recht ausufernd – aber überhaupt nicht lang(weilig) geraten. Gute Indie-Rock-Nummer. Indie-Singer/Songwriter-Rock erfindet er damit nicht neu – klingt damit aber für mich besser, als so manch anderer im gleichen Genre tätiger und von der Musikpresse hochgelobter Musikerkollege. Wahrscheinlich liegt dies daran, weil die Songs von Will Toledo wieder ein wenig unperfekt erscheinen, damit aber auch diese Live-Konzert-Dynamik bieten, und dies schätze ich halt mehr als diese auf Radio-Heavy-Rotation-List getrimmten Produktionen. Da hab ich direkt wieder angst die Neuaufnahme des Albums irgendwann zu hören.
Bei „Sober to Death“ klingt es dann wie eine Demo-Aufnahme zu einem frühen „The National“ Song, der aber von Bright Eyes gespielt wird – dass ist auch sehr schön und schön verspielt. Langweilig sein, will Car Seat Headrest nicht. Einfach los rocken geht auch – das mit Lemmonheads-Attitüde: „Nervous Young Inhuman“. So geht’s auch mit „Bodys“ weiter. Auch da machen sie schönen Lo-Fi-IndieRock. Bei „Cute Thing“ erschöpft sich dann aber, das Lo-Fi Runtergerockte dann doch langsam – zwar ist der Song ganz fröhlich witzig, aber beim Durchhören des Songmaterials wünschte ich mir an der Stelle wieder etwas mehr Abwechslung – was zu Anfang der Platte ja gut gelungen war. Aber mit „High to Death“ wird die Musik doch mal wieder etwas ruhiger, der Gesang wird mit Hall durchzogen und dies wird leider übertrieben, was dem Song am Ende dann doch eher schadet - hätte eine ansonsten schöne Rock-Singer/Songwriter-Nummer sein können. „Famous Prophets (Minds)“ mag ich dagegen wieder richtig gern. Ich finde einfach, dass Will Toledo gute Songs bietet und das in einem Genre – Lo-Fi, Indie, Songwriter-Rock – bei dem mich Kollegen wie zum Beispiel Bright Eyes ganz schnell nerven oder mich letzten Endes mit ihren Songs nicht für sich gewinnen können. Und ich glaube, gerade diese Idealisten, die an sich und ihr Werk glauben und dieses unter Mühen selbst produzieren und veröffentlichen – haben ein gutes Gespür davon – was sie ihren Hörern zumuten können und was nicht. Und ich mag ja diese ungeschliffenen Musikdiamten und Entdeckungen. (398)

Eliza Carthy – Heat, Light & Sound (1996)
Solodebüt der Tochter zweier Folkmusiker und in genau deren Stapfen tritt sie auch selbst. Traditionelle englische Folkmusik präsentiert Eliza Carthy so wie man es kennt. Fiedel, Gesang spielt sie selbst. Andere traditionelle Instrumente vervollständigen den Sound der Platte, aber die Fidel kommt am meisten zum Zuge, die anderen Instrumente ordnen sich da unter. Doch auch Singer/Songwriterin-Folk bietet das Album und mit dem wunderschönen „Ten thousand Miles/Becca Pipes“ punktet die damals noch sehr junge Musikerin sehr bei mir. Nur mit Stimme vorgetragen: „Clark Saunders“. Bei „Stamps for the Dog“ wird dann wieder zur Fidel gegriffen und irgendwie ist mir das dann immer ein wenig zu „altbacken“. So was kann man immer besser live hören als von Platte/CD. Da ist mir Songwriterin-Folk wieder viel lieber: „Peggy“ - auch richtig gut. Die zeitlosen Songwriter-Songs finde ich auch besser als die wie aus einer längst vergangenen Zeit stammenden Folk-Songs. So mag ich zwar die Musik ganz gerne, aber eigentlich sind zu wenig Songs für mich auf dem Album, die es wirklich hörenswert machen würden. Man muss aber der jungen Künstlerin bescheinigen, das sie die Musik, die sie spielt und die eine lange Tradition hat, sehr gut verinnerlicht hat und auch versteht, diese zu spielen – was mir fehlt, ist dass sie die Folk-Musik nicht weiterentwickelt, um sie ein wenig näher an die Gegenwart heranzuführen.(287)
Neko Case - The Worse Things Get, the Harder I Fight, the Harder I Fight, the More I Love You (2013)
Schwer einzuordnen soll die Musik von Neko Case sein. Dieses sechste Album von ihr wurde nominiert als „Bestes Alternative Album“ bei der 53. Grammy Verleihung. Ich habe das Album bisher glaube ich noch nie durchgehört, aber die Songs liefen in meiner Playlist und nur wenige konnte sich in dieser halten – also könnte es sein, dass das Songmaterial mir nicht so richtig gefallen hat – aber vielleicht ergibt sich jetzt beim konzentrierten Durchhören ja noch eine zweite, andere Meinung.
Viele loben die kräftige Stimme von Neko Case, diese kommt direkt bei „Night still comes“ gut zur Geltung. Diese Stimme klingt sanft und kräftig zugleich. Sehr ausdrucksstark. Der Song funktioniert als Singerin/Songwriterin-Indie-Nummer ganz gut und hat auch ein angenehmes Popsongfeeling. Den Song mag ich jetzt schon. Das wird dann wohl wirklich eine echte Neuentdeckung dieser Platte werden.
Schwungvoll gerockt: „Man“. Bei einem Festival-Auftritt kann man mit so einem Song immer gut punkten. Auch der Song ist mit etwas Indie-Charme ausgestattet.
Sanft und kraftvoll – das ist auch das akustisch gehaltene „I´m from Nowhere“. Auch das gefällt mir.
„Bracing for Sunday“ ist eine Indie-Power-Pop-Nummer. Solch einen Song gibt es öfters zuhören, aber so wie er von Neko Case präsentiert wird, hat das eine ganz andere Qualität.
Die Songs sind auch alle nicht zu lang geraten, eher mal fast in Punkrockkürze vorgetragen. Und das macht diesen teils etwas experimentellen Indie-Pop-Rock sehr unterhaltsam. A capella ist „Nearly Midnight, Honolunu“ gehalten und da erinnert sie dann an Kat Frankie.
Hmm, wie kann man sich so mit einer CD irren und warum fand ich die Songs als sie mir mein MP3-Player vorgespielt hat nicht gut? Da fehltt mir jetzt jede Erklärung für – weil „Calling Cards“ ist richtig gut. Ein Singerin/Songwriterin-Song mit ganz eigener Note.
Power-Singer/Songwriter/Pop/Rock und auch richtig gelungen: „City Swan“. Sanft und zurückhaltend ist dagegen: „Afraid“ – kommt einem schönen Einschlaflied sehr nahe. Etwas kraftvoller und mit Leidenschaft vorgetragen: „Local Girl“.
„Where did I leave that Fire“ ist nach einem experimentell gehaltenen Anfangspart – erst ein Folksong – der sich dann noch zum Artrockstück weiter entwickelt. Bei Neko Case kann man nicht vorhersehen was passiert.
Toller Poprocksong am Ende: „Ragtime“.
Alle Achtung. Das Album hat mir doch doch sehr gefallen und ich möchte noch viel mehr von Neko Case hören und da gibt es auch noch einiges zu hören.


Johnny Cash – Unchained (1996)
Die American Recordings produziert von Rick Rubin sind ein großes Musikereignis und damit findet die lange Karriere von Johnny Cash, die fast in den achtziger Jahren zum erliegen kam, einen wirklich krönenden Abschluss. War das erste Album der Reihe noch fast ein reines Solowerk nur mit Stimme und Gitarre, so wird Johnny Cash bei den Aufnahmen von „Unchained“ von Tom Petty und seinen Heartbreakers begleitet. Außerdem fanden sich zu den Aufnahmen Gastmusiker wie Flea, Mick Fleetwood und Lindsay Buckingham ein.
Bis auf drei Songs, die von Johnny Cash selbst sind, besteht das Album aus Cover-Nummern. Die meisten Songs und das spricht für die Songauswahl, klingen so, als seien sie für Johnny Cash gemacht und sind von diesem spätestens nach diesem Album nicht mehr zu trennen.
Den Anfang macht „Rowboat“ (im Original von Beck). Leicht verspielter Country, vielleicht etwas zu verträumt – so könnte man den Song beschreiben. Aber eigentlich kein wirklich besonders guter Start ins Album.
„Sea of Heartbreak“ (im Original von Don Gibson) ist da mehr mein Ding. Weil das eben so funktioniert, wie ich mir einen guten Johnny Cash-Song vorstelle. Eingängig, mitnehmend und zaubert dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht.
„Rusty Cages“ (im Original von Soundgarden). Hammer-Cover-Version – Song und Musiker verschmelzen und profitieren von einander. Super! Und es rockt auf diese ganz eigene Art.
„The One Rose (that´s left in my Heart)“ (im Original von Jimmy Rodgers). Da säuselt der alte Mann der Country Musik ein sanftes Liedchen ins Gesicht. Irgendwie süß.
Mit „Country Boy“ wird Tempo aufgenommen und es wird gerockt und Rock´n´Roll gespielt, als ob es kein halten gäbe. Sorgt für Abwechslung.
„Memories are made of This“ (im Original von Dean Martin). Der Song wird von Johnny Cash auch so gespielt, als ob dieser seit Ewigkeiten zu ihm gehört.
„Spiritual“ (im Original von Spain). Das ist einfach ganz ganz groß und eine super Song. Ich muss vielleicht auch der Band „Spain“ nochmal eine zweite Chance geben – ich hatte mal ein Album der Band durchgehört und konnte damit leider nicht viel anfangen – vielleicht ist das mal jetzt einen zweiten Versuch wert.
„The Kneeling Drunkard´s Plea (im Original von den Carter Sisters). Da Johnny Cash ja mit June Carter von den Carter Sisters (Family) verheiratet war, ist das natürlich sehr passend und wohl auch kein Zufall das Cash gerade diesen Song ausgewählt hat.
„Southern Accents“ (im Original von Tom Petty & The Heartbreakers) – der Song dürfte dann der Begleitband kein Problem bereitet haben.
Mit „Mean Eyed Cat“ wird das Tempo nach den zwei wunderschönen Balladen wieder angehoben und einfach mal ein guter Country-Blues rausgehausen.
Aber die beeindruckenden Songs des Albums sind eindeutig die zurückgenommenen ruhigen Stücke – da nimmt einen fast jeder Song mit – das ist einfach diese Emotionalität, die da auf dem Hörer rüber schwappt – auch bei „Meet me in Heaven“.
„I never picked Cotton“ (Im Original von Roy Clarke) – solche Songs funktionieren aber natürlich auch. Country-Folk, der einfach Spaß macht und einem mit dem Refrain auf jeden Fall einfängt.
„Unchained“ (im Original von Jude Johnston). Das Titelstück ist auch eines dieser ruhigen Nummern, das aber ein wenig mehr als die anderen kitschig geraten ist – mag am Einsatz der Streicher liegen.
„I ve been Everywhere“ (im Original von Lucky Starr). Den Song liebe ich. Da geht man zum Abschluss der Platte gerne mit Johnny Cash auf Reise.
Großes Album eines großen Künstlers.

Nick Cave & The Bad Seeds – The Boatman´s Call (1997)
Über Nick Cave etwas als Vorabinfo zu schreiben, fällt mir etwas schwer, da er so ein großes Schaffenswerk in 45 Jahren geschaffen hat, das ich eigentlich kaum richtig kenne. Nick Cave habe ich fast immer nur in Häppchen konsumiert, also mal da ein Song und hier ein Song, kaum ein Album mal so richtig durchgehört, trotzdem habe ich ein großen Respekt vor ihm, weil schon manche Songs alleine so „groß“ sind und von mir so gemocht werden, wie das Gesamtwerk einzelner Musiker/innen/Bands. Spätestens mit „The Boatsman´s Call“ (oder mit dem davor erschienen Album „Murder Ballads“ werden Nick Cave & The Bad Seeds zu einer Band, die auch von den anspruchsvollen Pop-Rock-Fans beachtet werden, weil sie nun nicht mehr exzentrischen Punk machen, sondern einfach gute Songs abliefern und Nick Cave etabliert sich als beachtenswerter Songschreiber.
Singer/Songwriter-Nummern am Piano gespielt mit Unterstützung von den Bad Seeds – alles sehr zurückhaltend, elegant und richtig gut. Und direkt mit „Into my Arms“ beginnt das Album mit einen echten Songklassiker für die Ewigkeit – ganz toller Song. „Lime-Tree Arbour“ klingt zwar etwas düsterer, behält aber die Klarheit und Eleganz von „Into my Arms“ bei. Auch einfach nur schön: „People ain´t no good“ - der hat schon Folksong-Qualität und hätte ich gern mal im Duett mit Shawn McGovern gehört. Und genauso gut funktionieren die anderen Songs – gutes Songschreiben, Folk, sanfter religiös anmutender Gospel, emotional, mitreißend. Ein großes Werk. 12 Stücke Musik von außergewöhnlicher Qualität.(321)

Tracy Chapman - Tracy Chapman (1988)
Tracy Chapman hatte das Glück bei dem Tributekonzert zum siebzigsten Geburtstag von Nelson Mandela zweimal die Bühne bespielen zu dürfen und so sich und ihre Songs einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. „Talking ´bout a Revolution“ und „Fast Car“ wurden schnell zu Radiohits und ihre Texte wurde sogar von Schulklassen analysiert. Die Platte wurde ein weltweiter Hit und die Songs sind bis heute eigentlich kein bisschen gealtert. Gute Singerin/Songwriterin-Musik ist eben einfach zeitlos und immer hörbar und die politischen Texte verlieren leider auch nicht an Aktualität.
Das recht kurze, aber sehr schöne und daher sofort einnehmende „Talking ´bout a Revolution“ ist einfach ein super Folk-Rock-Song, der immer wieder sehr gut funktioniert – zeitlos. „Fast Car“ ist auch sehr verführerisch und fast noch schöner als der erste Song. Genau deshalb ist die Platte immer noch gern gehört. So gut kann Singerin/Songwriterin Musik sein und es in die Charts schaffen. Wenn der Song gut ist, dann braucht es eigentlich nicht mehr als Stimme und Gitarre – in manchen Fällen reicht sogar nur eins von beiden.
Etwas melancholischer und mich an die Songs von Joni Mitchell erinnernd: „Across the Lines“. A capella: „Behind the Wall“ - Eine Anklage. Mal was sanft Schönes: „Baby can I hold you“. „Mountains of Thing´s“ gefällt mir immer, weil er musikalisch ein wenig sogar nach Peter Gabriel klingt. Mit Reggaefeeling: „She´s got her Ticket“. Akustik-Rock: „Why“. Es sind hier wirklich viele Singerin/Songwriterin-Songperlen zu finden. Da steht sie den Großen der Zunft wie zum Beispiel Jackson Brown in nichts nach: „For my Lover“ - so ein Song der auch aus den späten 60ern oder 70er sein könnte – ganz klassischer amerikanischer Folk: „If not now....“. Sanftes Ende der Platte: „For You“.
Zeitloses Singerin/Songwriterin Album mit mindestens zwei Songs für die Ewigkeit. Sehr gutes Debütalbum. (249)

Grian Chatten – Chaos for the Fly (2023)
Der Frontmann der „Fountains DC“ hat mit wenig Personal ein Soloalbum aufgenommen und verlässt damit etwas die Post-Punk-Pfade seiner Band und präsentiert ein paar feine Indie-Pop-Miniaturen, die es mit sogar mit dem Werk von Damon Albarn aufnehmen können – man höre da nur den wunderbaren Song „Last time every time forever“. Wer guten klassischen Brit-Pop mag, aber auf der Suche nach neuen Material ist, wird hier sehr gut bedient. (94)

Chicago – Chicago Transit Authority (1969)
Dieses Album war eine Überraschung für ich, als ich es vor ein paar Jahren zum ersten mal durchhörte. Vorher kannte ich nur die von Peter Cetera gesungenen Schmusehits der Band und was höre ich auf diesem Album – fetten großartigen Bluesrock mit tollen Bläsersatz und Bass und E-Gitarre im Rock-Modus.
Stücke von meist über 5 Minuten Länge. Das hatte ich nicht erwartet und auch die Schmusestimme von Peter Cetera ist nicht zu hören. Die Stimme von Terry Cath bei „Introduction“ klingt eher nach Jimi Hendrix. Die meisten Songs werden wie bei dem jazzigen „Does anybody really know what Time it is?“ von Tastenmann Robert Lamm gesungen. Peter Cetera singt bei zwei Songs nur mit, ist hier noch mehr mit dem Bassspiel beschäftig – und das macht er richtig gut.
Der Gesang von Lamm entspricht mehr der eines Bandleaders – klingt mehr nach Entertainer als der Gesang vom mehr rockenden Terry Cath am Anfang der Platte – so auch bei „Beginnings“. Toll wie die Band zusammen spielt – da bekommt jeder seinen Raum – die Bläser, das Schlagzeug, der Bass – dadurch erreichen sie eine ungeheure Breite im Klang.
Sofort mit einem Doppelalbum zu starten ist ja auch ganz schön mutig. Ein Mut, der sich gelohnt hat, da das Album nach und nach immer höher in den Charts stieg und in den Billboard 200 Charts für 155 Wochen vertreten war.
„Question 67 and 68“ ist eine kraftvoll, gut gespielt aber klingt schon fast nach einer Hymne aus einem Musical. „Listen“ ist wieder rockig und so gefallen Chicago mir doch am Besten und hier zeigt auch Lamm, das er als Rocksänger was kann. Wer „Poem 58“ hört, weiß warum sogar Jimi Hendrix vom Gitarristen Terry Cath begeistert war – ganz tolle Nummer und man hört auch das Cath sicherlich auch Hendrix mochte. Gleiches gilt für „Free Form Guitar“ hier testet Cath aus was mit einer E-Gitarre alles zu erreichen ist – wer verzerrte Gitarrenklänge mag – kommt hier voll auf seine Kosten und die mit „Question 67 and 68“ gewonnenen Musicalfans wieder verschreckt. „South Californiia Purples“ nimmt mit fetten Blues-Rock wieder Fahrt auf, gefolgt vom Cover der Spencer Davies Group „I´m a Man“ mit langem Drumsolo inklusive.
Die Anti-Vietnam-Krieg-Demos am 29. August 1968 sind das Thema der ersten zwei Stücke auf der vierten Seite des Albums. Diese haben den Titel „Prologue, August 1968“ mit dem Ruf der Demonstranten „The Whole Word ist Watching“ und „Someday (August 29, 1968)“. Mit Gitarre und Bläsersatz und treibenden Rocksound schließt die Platte mit „Liberation“ noch mal im Voll-Rock-Modus ab. (131)

Chicago – Chicago II (1970)
Chicago war eine Band, die mich mit ihrem Debütalbum überrascht hatten, da ich nur die Schmusesongs aus den End70ern und Anfang 80ern von ihnen richtig kannte. Auf „Chicago Transit Authority“ gab es aber ganz viel funkige Bläsersätze und Gitarren die an Jimi Hendrix erinnerten. Also waren Chicago am Anfang eine rockige/funkige und soulige Rockband.
Das zweite (Doppel)Album teilt sich selbst in drei Teile auf. Erst gibt es fünf einzelne Songs. Gefolgt von einen aus dreizehn Stücken bestehenden zweiten Teil mit dem Titel „Ballet for a Girl in Buchannon“ und einen dritten Teil bestehend aus fünf Songs mit dem Titel „It better end Soon“ + zwei Bonusstücke – Single Varianten. Viele der Stücke aus den zwei mit einem Oberthema betitelten Teilen – sind dabei recht kurz geraten (Songs mit einer Länge von über 4 Minuten gibt es nur fünf Stück von).
Mit „Movin´in“ beginnt das Stück mit einer leichten Rocknummer – die hätte so ähnlich auch von The Band sein können – dann wird das Stück aber schon nach kurzer Lauflänge zu einer Swingjazznummer.- um dann wieder zur leichten Rocknummer vom Anfang zu werden. Schöne Nummer mit guter Bläserbegleitung ist der SingerSongwriter-Song „The Road“ auch wenn der Song dazu neigt etwas Musical-Theatralik auszustrahlen. „Poem for the People“ könnte man fast als JazzRock-ProgFusion bezeichnen (den Rest des Albums eigentlich auch - AmericanProgRock). Aber die Mischung stimmt bei dem Song für mich nicht richtig. Da ist mir der funkige Rocksong „In the Country“ doch viel lieber. Ich mag es ja auch wenn Gitarrist Terry Kath singt (leider ist Kath schon 1978 verstorben). Bei allen Stücken ist zu hören, welche große Rolle und Wirkung der Bläsersatz (Lee Loughnane, James Pankow, Walter Parazaider) in der Musik der Band hat. Danach geht es wieder mit „Wake up Sunshine“ mit einen Mainstream-Popsong weiter.
Nun beginnt der dreizehnteilige „Ballet for a Girl in Buchannon“ Part der Platte. Dieser Part beginnt mit „Make me Smile“ einer ziemlich wuchtigen Soulnummer mit einem Gitarrensolo von Kath. Es folgen drei sehr kurze Bestandteile: „So much to say, so much to Give“, „Anniety´s Moment“, „West Virginia Fantasies“. Diese Fragmente klingen nach 70er Musical oder Filmmusik – sind aber zu kurz um als Song zu funktionieren – aber zeigen wie ambitioniert die Band schon beim zweiten Album war. Da sind auch wirklich wieder schöne Bläserteile mit dabei. „Colour my World“ ist länger – aber gerade da versäumt es die Band zu lange, richtig mit dem Song anzufangen. Danach wird wieder Bigband-Pop-Jazz gemacht – dass können sie wirklich gut – aber nehmen sich dafür wiederum nicht genug Zeit – die zwei kurzen Stücke „To be Free“ & „Now more than ever“ gehen daher wieder sehr verschwenderisch mit eigentlich guten Songmaterial um. „Fancy Color – wieder länger, wieder mit verschleppten Anfang – wieder eine sehr wilde Mischung - aus Soul-Hymne, dann fast südamerikanischer Partystimmung, um wiederum mit Bluesrock zu enden. Chicago konnte schon richtig viel spielen – aber packt mich das alles bisher nicht so – wie bei der ersten Platte – weil alles so zerfasert ist und keine durchgängige Linie zu erkennen ist. „25 Or 6 To 5“ ist dann mal wieder eine schöne Rocknummer. Und um alles dann noch ein wenig komplizierter zu machen wird der dreizehnteilige Part von einem vierteiligen Part „Memories of Love – Prelude, A.M. Mourning, P.M. Mourning und eben Memories of Love“ beendet. Dieser beginnt mit sanften Flötentöne und Streichern (großes Orchester) wird kraftvoller – bleibt Instrumental – bis am Ende dann daraus eine Jazzballade wird. Und auch dieser Teil ist nichts für mich am Ende.
Der fünfteilige dritte Part der Platte „It Better End Soon“ beginnt mit dem vierteiligen Movement #1 bis #4 – dieser beginnt wenigstens wieder mit dem wuchtigen Funk-Rock und das mag ich ja. Und wirklich dieser Teil ist der beste der Platte. Am Ende stellt sich dann die Frage „Where did we go from here“ und diese wird wieder beantwortet, wie dieser leider viel zu überambitionierte Album angefangen hat – mit feinsten amerikanischen Rock. Chicago – alles ist möglich – aber bitte den Funk-Soul-Rock beibehalten. (209)
Chicago – Chicago III (1971)
Auf dem dritten Album wird der Stil des Vorgängeralbum mit sogenannten Suites (zusammenhängenden Stücke (Songs), die ein Ganzes bilden) und Einzelstücke fortgeführt. Vor den drei Suites – „Travel Suite“ (acht Songs), „An Hour in the Shower“ (fünf Songs) und „Elegy“ (sechs Songs), die jeweils eine Plattenseite füllen, gibt es auf der ersten Seite vier Einzelsongs zu hören und zwei weitere vor „A Hour in the Shower“.
Das Songwriting teilt sich die Band, jeder darf mal, aber die Hauptarbeit übernehmen Peter Cetera (Vocals, Bass), Terry Kath (Vocals, Gitarre) und Robert Lamm (Vocals, Keyboard) auf den ersten drei Plattenseiten, während bei „Elegy“ der Trompeter James Pankow den Ton angibt.
„Sing a mean Tune“ setzt auch den mit Blues aufgeladenen Funkrock der Vorgängeralben fort und gibt den dreiköpfigen Bläsersatz der Band dabei viel zu tun – so ganz springt hier der Funke aber nicht so auf mich über, wie es beim Debütalbum noch beim Song „Introduction“ getan hat, dazu ist der Funkrhythmus des Songs leider einfach nicht mitnehmend genug oder ich habe so was schon zu oft gehört und so ein großer Funkfan bin ich dann auch nicht. Selbst das Gitarrensolo von Kath kann mich diesmal nicht so richtig überzeugen. Alles klingt wie schon mal gehört. Tritt die Band nach drei Alben etwa auf der Stelle?
Swingender Jazz ist da doch viel schöner anzuhören und macht dann auch wirklich Spaß, nur leider recht kurz: „Loneliness is just a Word“.
Country-Rock gibt es sogar auch diesmal: „What else can I say“ – auch sehr schön. Okay, die Band tritt nicht auf der Stelle.
Bluesrock, der schon bekannten Art – aber wieder mehr rockig als funkig: „I don´t want your Money“.
Die „Travel Suite“ besteht aus acht Einzelstücken. Die Stücke sind geprägt von den Reisen und dem Tourleben der Band und zeigen ein weiteres musikalisches Gesicht der Band. „Flight 602“ klingt wie der Singer-Songwriter-Rock von L.A. und ist eine wirklich nette Abwechslung.
„Motorboat to Mars“ ist einfach mal ein Schlagzeugsolo. Auch mal was anderes. „Free“ rockt einfach mal kurz – mal ein Ausbruch von Hippie-Rock-Nostalgie.Von einer Suite hätte ich eigentlich erwartet, dass die Songs alle – ein langes Stück bilden, doch dass ist hier auf jeden Fall nicht der Fall.
Pianoklänge, Flöte – sanft bis experimentell, sich zwischen Jazz und Folk und Prog bewegend: „Free Country“. Darauf folgt klassischer 70er Rock mit Singer/Songwriter-Einschlag: „At the Sunrise“.
Der Abschluss der „Travel Suite“ mit „Happy ´Cause I´m going Home“ ist ein unwiderstehlicher Song, der einfach zeigt, welch unglaubliches musikalisches Können in der Band namens „Chicago“ steckt. Und ich glaube, solche Musik muss sich einfach durch Jahre langes Zusammenspiel der Bandmitglieder, erarbeitet werden. So klingt nur eine voll eingespielte Liveband. Ganz starker Song.
Es folgen zwei Einzelsongs: „Mother“ ist ein flotter Rocksong im Westcoast-Stil – aber natürlich hebt der Bläsersatz der Band den Song über das gewohnte Maß hinaus und verwandelt sich dann doch auch zum Jazz-Rock. Ziemlich coole Nummer, die einen sanften Abschluss verpasst bekommt.
„Lowdown“ ist eine ziemlich soulige Rocknummer – macht auch viel Spaß. Ich glaube, dieses dritte Album gefällt mir wieder besser als das zweite Album. Und immer noch sind wir ganz weit musikalisch entfernt von dem Schmusepop späterer Alben. Und schon irgendwie beeindruckend wie „schwarz“ sich diese durchwegs mit weißen Musikern besetzte Band klingt.
„An Hour in the Shower“ ist eine sehr kurze Songsammlung. In sechs Minuten werden die Stücke „A hard risin Morning without Breakfast“, „Off to work“, „Fallin´ Out“, „Dreamin´ Home“, „Morning Blues again“ – als Mischung aus Soul/Blues/Beach Boys-Pop dargeboten – die man auch gut als Einzelstück hätte durchgehen lassen können.
„Elegy“ besteht aus vier auch sehr kurzen Teilen mit den Titeln „When all the Laughter dies in Sorrow“, „Canon“, „Once Upon a Time“, „Progress“ und dem längeren „The Approaching Storm“. Das erste Stück besteht aus gesprochenen Wort. Danach bekommt der Bläsersatz wieder was zu tun und spielt eine Art gemächliche Fanfare. Gefolgt von einer eher zarten, romantischen Melodie, die dann doch etwas an Tempo gewinnt, um in sanftere Gefilde zurückzukehren. Danach dürfen die Bläser alleine ziemlich gekonnt auftrumpfen – doch dann geht dies in Verkehrs- und Baustellenlärm unter.
Das längere „The Approaching Storm“ ist dann nochmal eine längere instrumentale Jazzrock-Nummer, die auch mit Funk-Elementen spielt.
Am Ende des dritten Albums befindet sich das kurze „Man Vs. Man: The End“. Dieser Epilog ist aber nicht mehr als das dramatische Ende des Vorgängerstückes.
Chicago erweitern mit diesem dritten Album erfreulich ihre Bandbreite und unterhalten mit dem Album auf vielfältige und mutige Weise. Auch das viele Stücke einfach mal instrumental gehalten werden, finde ich sehr gut. Damit präsentieren sich Chicago als eine Band, die mehr kann als perfekten Bluesrock mit Soul zu mischen. Jazz- und WestCoast-Rock-Elemente sind eine willkommene Abwechslung für mich als Hörer. Nur über die Covergestaltung könnte man streiten.


The Civl Wars – The Civil Wars (2013)
John Paul White und Joy Williams waren das erfolgreiche Grammy ausgezeichnete Country-Folk Duo The Civil Wars. „The Civl Wars“ war ihr zweites und letztes Studioalbum, danach haben sie sich trotz des großen Erfolges getrennt und machen seitdem solo Musik. Aber die zwei Alben des Duos bleiben für alle Zeit als herausragende Alben im Bereich des Country-Folk bestehen. Wer sie also erst jetzt für sich entdeckt, der wird an der Musik von White und Williams sicherlich sehr viel Freude haben, wenn er zärtliche, zerbrechliche Folksongs mag, die manchmal eine Rockmusik-Intensität eines Songs aus der Feder von Jack White entwickeln können. Da muss man nur das erste Stück „The One that got away“ sich anhören. Auch das folgende Lied „I had me a Girl“ hat diesen Country-Roots-Rock-Charme. Macht aber auch richtig Spaß. „Same Old Same Old“ fällt dagegen wirklich sehr viel sanfter und zärtlicher aus und das beherrscht das Duo genauso gut, wie den Roots-Rock. Das sind Songs auf sehr hohen Niveau. Riesig auch „Dust to Dust“. Wenn man das hört, dann ist es auch sehr bitter, dass es von den beiden so hervorragend zusammen spielenden Musikern kein weiteres gemeinsames Album gibt. „Eavesdrop“ - auch ein Meisterinnenstück. Großartige Platte. Und so macht die Platte dann einfach wirklich sehr viel Spaß und die Qualität bricht nicht ein und so funktioniert die Wüsten-Folk-Nummer „Devil´s Backbone“, der sanfte Country-Folk bei „From this Valley“, die Ballade „Tell Mama“, der Blues bei „Oh Henry“ alles sehr gut. Ein wenig geht dann aber der Roots-Rock doch aus und so sind die restlichen Stücke „Disarm“ und „Sacred Heart“, „D´Abline“ noch weitere schöne sanfte Nummern. Gehört in jede gute Sammlung! (329)

The Clash – The Clash (1977)
Vorher habe ich nur ein The Clash – BestOff-Album gehabt und „London Calling“. Also ist dies jetzt wirklich mein erstes Mal, dass ich das erste The Clash Album höre (ich gebe hier auch zu, dass ich noch nie „Never Mind the Bolloks“ durchgehört habe – wird auch aber mal irgendwann mal passieren. Von den „Ramones“ habe ich immerhin mal ein BestOff-Album hier besprochen und das erste Album liegt auch irgendwann zum Hören auf dem Stapel.
Bin jetzt also gespannt, wie das erste Album ist, das Mick Jones, Joe Strummer, Paul Simonon, Terry Chimes und Topper Headon eingespielt haben und irgendwie ist es ihnen gelungen dies ohne Beeinflussung des Labels zu tun – was dem Label (CBS) zwar nicht gefallen hat, aber zugegeben wohl die richtige Entscheidung war – denn so klingt das Album, so wie The Clash auch live geklungen haben – also ist es ein sehr authentisches Rockalbum.
Was ein Punk-Song ausmacht, hört man bei „Janie Jones“. So klingt ein reiner Punk-Song. Den Rock einfach etwas rotziger und frecher und schön unkompliziert halten.
Aber The Clash machen das direkt am Anfang auch schon mit dem nötigen Abwechslungsreichtum und präsentieren einen Song wie „Remote Control“ trotzdem noch mit Witz und einer guten Musikalität. Da passiert was im Song und eigentlich rockt dieses Punk & Rock´n´Roll-Gemisch auch richtig gut. Und New Wave ist da auch schon drin – eigentlich hat der Song also alles, was in den nächsten sechs Jahren von Bedeutung ist.
Schon recht heavy klingen die Gitarren zu Anfang von „I´m so bored with the USA“ - aber auch der Song bekommt wieder den Punk-New Wave-Touch verpasst.
So richtiger „1-2-3- und direkt los Punk“ ist dann wieder „White Riot“. Der Song nimmt keine Gefangene.
Dagegen schon wieder im Stil-Mix-Modus und da ist in zwei Minuten musikalisch alles möglich: „Hate & War“. Und wegen solcher Songs sind sie einfach mehr als nur Punk für mich.
Stark gerockt: „What´s my Name“. Da ist harter Rock mit drin – aber eben nicht auf Heavy Metal Art und Weise sondern auf Alternative-Rock und Hardcore Art und Weise.
Die Materialfülle lässt „Deny“ erst mal wie ein runtergerockter Rocksong daherkommen, aber auch der hat was. Die Punkattitüde hat natürlich auch immer sowas tief ehrliches und authentisches – so vom Herzen herausgeschrien und herausgerotzt – ehrlicher geht Rock eigentlich nicht.
Und dann brennt London doch schon zum ersten Mal – abfeiern tun The Clash „London´s Burning“.
Weitere Punk-Song-Blaupause: „Career Oputunities“. Macht aber immer noch sehr viel Laune, das zu hören.
Auch gut und energiegeladen: „Cheat“. Ich war und werde vermutlich auch kein Pogo-Tänzer mehr, aber ich versteh warum man auf solche Songs so ausflippen kann – aber ich bin einfach kein Fan des „Herumschupsens“ - so nett das auch immer gemeint sein soll.
Noch ein Punk-Song: „Protex Blue“. Was die Band kann und warum ich sie so mag – dass hört man deutlich bei „Police & Thieves“ - musikalisch ist das so gut, das hat Drive, nimmt mit – ausgesprochen gut gespielt und klingt super, ist abwechslungsreich und macht total viel Spaß – dafür wollte ich Joe Strummer und Mick Jones als Songwriter loben – geht aber nicht, weil der Song im Original ein Reggae-Stück von Junior Murvin ist ,das von Lee „Scratch“ Perry produziert wurde. Aber die musikalische Bearbeitung durch the Clash macht diesen Song einfach zu so viel mehr, als er zuvor schon war.
Aber – auch die kurze Punksong-Prototypen machen danach wieder Spaß – so rockt nochmal gut: „48 Hours“ und am Ende kommt dann „GargageLand“ auch nochmal richtig gut.
Da hatten es aber alle nachfolgenden Punk-Bands dann auch direkt sehr schwer – den The Clash waren von Anfang viel mehr als nur eine gute Punk-Band – sie waren eine richtig gute Rockband – musikalisch vielfältig und wussten wohl ganz genau was sie taten. Und man hört die Genialität von „London Calling“ bei dem Album schon deutlich raus. Die Geburt einer Rock-Legende!

ClickClickDecker - Ich glaub dir gar nichts und irgendwie alles (2014)
Kevin Haman ist ClickClickDecker (zusammen mit Oliver Stangl), Bratze, My first Trumpet, Tom Bola und Mitglied der Gruppe Ludger. Dies ist schon der fünfte Longplayer der ClickClickDecker und diese machen locker leichten, meist akustischer, IndiePopSingerSongwriterFolk. Sofort das erste Stück mit dem Titel „Tierpark Neumünster“ fängt mich mit seiner unglaublichen Leichtigkeit direkt ein. So geht deutschsprachige Musik eben auch. Intelligent, mit Witz und zum Mitwippen (und zwar Mitwippen – nicht Schunkeln!). Und wie dieses Stück funktioniert auch meist zuckersüß und sehr bekömmlich der Rest der Platte. Nur nimmt man nicht beim Hören an Gewicht zu, sondern man hat danach wieder bessere Laune und Lebenslust und kann entweder gutgelaunt den Tag nehmen wie er ist oder mit einem Wohlfühlgefühl ins Bett gehen (manchmal muss auch eine Plattenbesprechung im Prosa ersticken). Gute Musik, für eine Gute Zeit. Und jeder muss einfach einen Song wie „Durch die Kastanienanlagen“, „Was kommt wenn nichts kommen will“ und „Bücher Deine Kissen“ mögen. Geht doch gar nicht anders.
Kurz zusammengefasst: schöner deutschsprachiger Singer-Songwriteer-Indie-Pop-Folk. (352)
Clueso - Weit weg (2006)
Von seinen Anfängen als Rap-Sänger entfernt sich Clueso mit dem dritten Album noch etwas mehr, als er dies schon mit seinem zweiten Album getan hatten. Die Songs sind eher im Bereich „deutschsprachiger Pop“ angelegt – was ja nicht schlimm ist, solange es gut gemacht ist und bei Clueso stimmen meist die Zutaten von gut gespielter Musik bis zu guten Texten.
Und musikalisch bietet das Intro von „Frische Luft“ schon so einiges, das ist gut und geht dann in einem leichten Popsong über und aber so ganz ohne Rap geht es in den Songs von Clueso dann doch nicht – aber eben auf die sympathische Art und die sympathischen Rapper sind mir immer lieber als all die Rüpel-Gangster-Rapper/innen, die da rumschwieren und mit denen ich nichts, aber so gar nichts, anfangen kann.
Funk-Rock gibt es bei „sterblich“ zu hören – im Intro – danach wird auch der Song zum Popstück. Und will bei mir trotz recht viel Abwechslungsreichtum nicht so ganz funktionieren.
Das leicht akustisch gehaltene „Mach´s gut“ ist dagegen so ganz meins. So schön lässig – so entspannend. Ganz schön.
Näher am Reggae-Dub ist dann „Bleib hier“ und das funktioniert bei Clueso auch sehr gut. Das Titelstück „Weit weg“ zusammen mit den New Telephatics ist recht kurz geraten und dann doch eine leichte Rap-Nummer – aber auch tiefen entspannt.
Da der Titel „Weit weg“ ja schon etwas Hoffnung auf Urlaubsgefühle macht – bietet das Album davon recht viel. Das Album ist einfach ein Urlaub für die Seele und die Ohren, weil doch Stücke wie „Viel gesehen“ einen einfach aus dem Hier und Jetzt für eine Songlänge raushauen und einen ein Urlaubsgefühl schenken.
Aber leichte Melancholie gibt es auch: „Winter Sommer“. Sehr kurz: „ey tino!“ (Zwischenspiel). Pop-Ballade kann Clueso auch sehr gut: „Überall bist Du“.
Zusammen mit Max Herre: „Da wohnt so ´n Typ“. Obwohl der Song wieder mal ganz rockig dahier kommt, ist er wieder nicht ganz meins. Irgendwie komme ich aber auch nie mit dem Gesang von Max Herre klar. Seine Frau Joy Denalane höre ich dagegen beim Singen sehr gerne zu.
Indie-Rock geht sogar auch: „Hirn ein“. Gekonnt, aber auch nicht so ganz meins. Da das Album mit siebzehn Stücken auch sehr viel bietet, finde ich es aber gut, dass der Musikstil öfters mal gewechselt wird – langweilig wird es einem beim Hören nicht.
Mal fast durchgerapt: „Crash“. Aber auch die heute vielleicht nicht mehr so ganz junge Jugendsprache haut mich dann doch aus den Song raus.
Nochmal was sanftes: „Schwer“. Gelungener Hit der Platte: „Chicago“ – obwohl das Thema Drogensucht thematisiert wird.
Mit Immo wird „Morgen Gestern“ zum gekonnten Funk-Pop-Stück. Da ist fast der ganze Abwechslungsreichtum der Platte nochmal in einen Song gepackt und man kann sich da auch sehr gut vorstellen, wie viel Spaß da ein Livekonzert machen muss.
Und bei „Mein Bestes“ merkt man, und dies nicht zum erstes Mal, wie gut das Album auch produziert ist und irgendwie erinnert das was Clueso da macht auch an den Gesang von Henning May und das ist auch nicht das erstes Mal das mich das Album an AnnenMayKantereit erinnert. Musikalisch zwar nicht ganz gleich, aber im Geiste sicherlich nicht ganz weit von einander entfernt.
Zum Ende wird ein Song einfach mal rausgehauen und locker gerockt: „Out of Space“.
Für mich ist Clueso eines der Glanzlichter im deutschsprachigen Pop. Da er Popmusik macht, die Seele hat und Spaß macht und musikalisch und textlich eben auch einiges bietet – einfach gesagt: „Gute Musik!“.
Nach etwas Stille gibt es nach „Out of Space“ noch einen kleinen Funk-Pop-Song (Hidden Track).

Cluster – Zuckerzeit (1974)
Nach zwei Alben von Klaus Schulze höre ich doch mal was von den zeitgleich aktiven Band „Cluster“. „Cluster“ ist das Trio Conrad Schnitzler, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Im Vergleich bietet das erste Stück der Platte „Hollywood“ doch erheblich schnellere Musik an als die Kollegen von Tangerine Dream und Musiker Klaus Schulze und erinnert dabei mehr an Kraftwerk und Neu! als an Tangerine Dream – was ich nach dem Hören der ersten zwei Schulze Alben als geradezu erholsam finde. Das ist frühe elektronische Musik, die aber schon mehr zum Tanzen animiert und nicht nur Atmosphäre erschafft. Das hat Rhythmus, Melodie und ist auch sehr gut gespielt – gilt auch für das Stück „Caramel“.
Mit knapp über sechs Minuten ist „Rote Riki“ das längste Stück der Platte und etwas experimenteller geraten – aber eher im verspielten Sinne und deshalb auch gut zu hören – erinnert da an den Klassiker der elektronischen Musik „Pop Corn“.
Das Stück „Rosa“ erinnert dann doch auch etwas an Tangerine Dream – die aber so erst eigentlich Jahre später klangen. Und weil es eben nur vier Minuten kurz geraten ist – sehr gut konsumierbar.
Auch „Caramba“ zeugt davon, dass Cluster doch schon etwas weiter waren oder eben verspielter waren – und sich eben auf jeden Fall bei dem Album nicht ganz so ernst nahmen und eben echte Songs machen – keine Kunstklänge fürs Kopfkino der New Age/Ambient Liebhaber.
Mit viel Rhythmus ist auch „Fotschi Tong“ ausgestattet und ich bin gerade wirklich begeistert von dem Album. Hätte ich mich auch mal viel früher dran wagen könne. Das ist frühe elektronische Musik und schon mit allem ausgestattet, dass ich auch heute noch an Electronica- und elektronische Musik im Allgemeinen mag.
Was auch sehr schön ist, ist dass das Album recht abwechslungsreich ist – so ist „James“ verspielt und experimentell zu gleichen Teilen. Fast ein Folksong ist dagegen „Marzipan“.
Wieder verspielt und geradezu ausgelassen: „Rotor“. Aber auch ziemlich albern. Zum Schluss gibt es dann noch „Heisse Lippen“ – und das ist nochmal am Ende ein echtes Highlight.
Schöne unterhaltsame elektronische Musik. Ganz großartig. Tolle verspätete Entdeckung.


Bruce Cockburn – Big Circumstance (1989)
Bruce Cockburn – Big Circumstance (1989)
Der Kanadier Bruce Cockburn bringt schon seit 1970 Platten heraus („Big Circumstance“ ist Album Nummer Sechzehn) und hat sich eine treue Fangemeinde erspielt, obwohl ihm nicht gerade oft Hits oder Charterfolge gelungen sind. Aber seine Qualität im Bereich moderne Folkmusik mit leichten Rockeinschlag machte ihm trotzdem bekannt und 1980 hatte er mit „Dancing in the Dragon´s Jaws“ in den USA einen größeren Erfolg zu verbuchen (Platz 20 der Billboard Charts). Ich selbst habe ihm erst richtig durch den Song „If a Tree falls“ kennengelernt und mir dann dieses Album gekauft, auf dem dieser Titel zu finden ist und das Album auch eröffnet. Neben Songs über den Erhalt von Wäldern und Umwelt im Allgemeinen, werden auch andere politische Themen von Cockburn aufgegriffen, der eben ein politisch sehr aktiver Musiker ist und Haltung zeigt.
„If a Tree falls“ eröffnet wie geschrieben das Album, bis auf den Refrain singt Cockburn bei dem Song mehr in einer Art Sprechgesang. Aber es ist die Botschaft, die der Song hat und die einnehmenden Melodien, die sie trägt, die den Song zu einem kleinen Hit macht. Der Mitsingrefrain und an der Rockmelodie des Songs, die an J.J. Cale und den Dire Straits erinnert funktionieren da einfach wirklich gut. Immer noch fängt mich diese Kombination sofort ein. Und das E-Gitarrenspiel ist wirklich bei dem Song ganz großartig.
Im Country-Folk-Style: „Shipwrecked at the Stable Door“. Musikalisch besser, eher Art-Folk: „Gospel of Bondage“.
Sehr schöne Americana-Folk-Ballade: „Don´t feel your Touch“. Immer wieder tauchen bei dem Album sehr anspruchsvolle Kompositionen auf, die an die 80er Jahre Alben von Joni Mitchell erinnern – so ein Art-Rock-Stück ist auch „Tibetan Side of Town“. Musikalisch auf sehr hohen Niveau.
Von der musikalischen Seite ist auch „Understanding Nothing“ wirklich gut – der „gesprochene Teil“ stört mich aber ein wenig – durchwegs gesungen hätte mir persönlich das Stück besser gefallen.
Kritischer Rocksong: „Where the Death Squad Lives“. - sehr schwungvoll. Mit starken Blues-Einschlag: „Radium Rain“ - ist aber etwas lang geraten (9.26).
Sanfter Rock: „Pags of Love“ - auch da ist eine Blues-Note drin – aber durch den Einsatz der Akustikgitarre passt das sehr gut zum Song.
Toller Song – weil er einen direkt mit seinen guten Gitarrensound für sich einnimmt: „The Gift“.
Durchaus ungewöhnlich – zum Abschluss ein melancholischer Country-Rock-Song mit Klezmer Musik verwoben: „Anything can Happen“ - aber der Refrain haut mich aus dem Stück immer raus.
Anspruchsvolles Rockalbum. Gut gemacht. Und seit vielen Jahren in meiner Sammlung.

Codeine – Frigid Stars (1990)
Codeine zählen zu den Pionieren von Slowcore und Sadcore. Das Anfangsstück „D“ vermittelt einen guten Eindruck davon, was wir von Codeine zu erwarten haben. Langsam gespielter Post-Rock, der sich gut zum langsamen Headbangen eignet. Der zweite Song „Gravel Bed“ hat einen etwas stärkeren PostRock-Anteil während „Pickup Song“ eine Slowcore und Shoegaze-Nummer ist. Da verwischen auch die Genre. „New Year´s“ ist zwar auch recht ruhig, könnte aber sogar als Emocore durchgehen. Mehr „Core“ habe ich auch nicht zu bieten, da ich Hardcore eigentlich gar nicht mag – es mag da ein paar seltene Ausnahmestücke geben – aber eigentlich ist mir das dann zu heftig, daher mag ich auch zum Beispiel von Fugazi eher die späteren Sachen.
Auf der B-Seite breitet sich der ruhige gespielte PostRock mit „Second Chance“, „Cave-In“ und „Cigarette Machine“ weiter aus. Dies sind zwar eher langsame Stücke, aber mit teils sehr heftigen Gitarren- und Basseinsatz. „Old Things“ schließt nochmal mit einem Slowcore/Shoegaze-Mix die Platte ab.
Mein erster Eindruck ist, dass ich diese Musik lieber „live“ genießen würde – von Platte ist mir das trotz der Kürze ein wenig zu eintönig.
Da sind mir die eher akustischen Songs meiner Slowcore-Helden „Red House Painters“ lieber. (147)

Cœur de Pirate - Cœur de Pirate (2008)
Die kanadische Singer/Songwriterin und Pianistin Béatrice Mireille Martin veröffentlichte ihre Debüt-Album 2008 unter den Künsternamen Cœur de Pirate.
Auf weiten Teilen sind es nur Stimme und Klavier, die es zu hören gibt – da fang ich dann auch an, mich intensiver für den Textinhalt zu interessieren. Es geht meist in einfallsreicher, doch eher etwas melancholischer Poesie um Beziehungen – die wohl meist ein Ende gefunden haben oder bald finden werden. Manchmal außergewöhnlich schwungvoll zu der Melancholie der Texte sind die Melodien der Musik, welche immer kräftig dazu gewinnt, wenn Béatrice Mireille Martin sich von anderen Instrumenten begleiten lässt. Aber viel in ihren auf französisch gesungenen Songs, die auch manchmal wie ein Chanson klingen, leben von den Worten über Lust, Liebe, Trennung, Lügen, Betrug und Vertrauen. (200)

Marc Cohn – Marc Cohn (1991)
Marc Cohn ist für mich ein ausgesprochen guter Singer/Songwriter, dessen Songs auch oft Soul und Blues-Noten haben. Vier Alben hat er mit eigenen Songs herausgebracht und ein Album mit Coversongs.
Natürlich kennt jeder seinen Überhit „Working in Memphis“ und es ist gut das man den Song direkt als erstes weghört, weil man sich nach diesen allseits bekannten und immer wieder gern gehörten Song davon losgelöst sich den Rest von Marc Cohns Songs zuwenden kann. Ein gefühlvoll schöner Song (und von diesen gibt es richtig viele auf dem Album) – der einen unglaublichen Mitgeh-Drive entwickelt: „Gost Train“. An Bruce Hornsby erinnert das Piano und der Song: „Silver Thunderbird“. Die Songs von Cohn sind so eindeutig amerikanisch, da sie amerikanische Themen in den Texten anspricht, aber eben sowohl nach Roots und Heartland-Rock, Soul und Gospel klingt.. Und die Songs funktionieren von Anfang bis Ende, so auch „Dig down Deep“. Auch sehr emotional: „Walk on Water“. Etwas schwungvoller ist da der nächste Song „Miles Away“. Zwei ganz starke Songs folgen: „Saving the Best for Last“ und „Stranger in a Car“ (das sind Meisterstücke). Und ein echten fast Acapella-Gospel findet sich auch auf dem Album: „29 Ways“. Aber letzten Endes sind es die gefühlvollen Songs, die mich immer wieder ganz schnell für sich gewinnen und die mich dieses Album so lieben lassen: „Perfect Love“ - und bei diesen singt mit James Taylor dann noch eines von Marc Cohns Songwritern-Vorbildern mit. Letzter Song eines wirklich guten Albums ist das nochmal wunderschöne „True Compainon“.
Mit diesem eindrucksvollen Debüt hat er sich in die Reihen der wirklich bedeutenden Singersongwritern direkt begeben. Tolles Debüt, tolle Platte. Aber auch die anderen Platten von Cohn sind zu empfehlen und Songs wie „Walk through the World“ funktionieren genauso gut wie eben dieser eine Song namens „Walking in Memphis“. Ein Musiker ist immer mehr als sein einer Hit. (273)

Coldplay – Moon Music (2024)
Mal schauen ob sich meine Vorurteile gegenüber dem Spätwerk von Coldplay beim neuesten Werk weiter bestätigen. Sind die Indie-Poper die niemal s bei einem Indielabel waren, tatsächlich eine reine Pop-Hit-Maschine geworden? – oder hat dieser Pop wenigstens noch ein Teil Seele und Ehrlichkeit inne.
Das langgezogene Intro vom Titelstück unterstreicht schon einmal, dass mit Rockmusik Coldplay nichts mehr am Hut haben. Ich mag ja die Stimme von Sänger Chris Martin leider total gerne. So kann er mir auch Seichtes wie dieses Eröffnungsstück vorsingen und es hört sich in meinen Ohren „ganz nett“ an. Aber beim Popbeat von „feelslikeimfallinginlove“ befinden wir uns wieder in der Mitsing-Pop-Party-Hölle. Leider sind Coldplay nicht mehr einfachen 4+1 netten Jungs von nebenan, die einfach mit jeder Platte besser werden wollen. Mittlerweile sind sie ein riesiges Unternehmen, das wie ein Zirkus um die Welt zieht, um ihren La-La-La-Pop möglichst ausverkauft in großen Stadien zu spielen. Richtig gute Songs kommen da nicht mehr bei raus, selbst Ed Sheeran schreibt da manchmal selbst noch Schöneres.
Und wie verpopt das alles mittlerweile ist, hört man ganz schlimm beim auf amerikanische Charts ausgelegten und mit jeder Menge Popprominenz zusammengeschusterten „We Pray“. Das das die Band ist, die mal Songs wie „The Scientist“, „In my Place“, „Fix You“ und „Clocks“ gespielt haben, ist da kaum noch zu glauben. Da glaub ich auch nicht mehr, dass das noch das Werk einer Band ist.
So schön dann auch das folk-popige „Jupiter“ teilweise funktioniert (warum, aber dieses aufgesetzte Ende?), dass ist mir alles viel zu viel Pop und klingt wie tausendfach Gehörtes im Radio – nur eben singt es dieser gute Sänger (aber warum?).
Disco-Partypop: „Good Feelings“.
Das Schlimme ist, dass ich mir gestern noch die Banddoku „A Head Full of Stars“ angeschaut hatte und dachte, das die ja doch eigentlich ganz nett sind und ja wirklich gute Songs geschrieben hatten. Aber mit dem Pop-Müll der letzten Jahre komme ich dann wohl doch nicht klar. Zuviel Zirkus und zu wenig Substanz oder „eigener Anspruch“.
Jemand hat das wohl als „Musik für einen Kindergeburtstag“ beschrieben, womit er durchaus nicht falsch liegt.
Der Regenbogensong macht es auch nicht besser, eher versingt (kein Schreibfehler!) das Album dadurch auch noch in Pathos.
Es wird aber auch immer furchtbarer: „iAAM“ (damit könnten die zum ESC!). Und es wird noch schlimmer: „AETERNA“. '
Kuschelballade „All my Love“ gibt mal kurz Zeit zum Verschnaufen und Verdauen – aber auch der Song wird mich vielleicht erst wieder in ein paar Jahren daran erinnern, das es mal diese Band gab, die auf ihren letzten von mir gehörten Album, diesen einen ganz netten Song auch drauf hatten, aber auch das ist wieder zu früh geschrieben, da in Gänze die den Song dann auch noch verhunzen
Ende erreicht – jetzt wollen Coldplay noch die Welt vereinen – „One World“. Und ich glaub den Pianoanfang haben sie bei Nick Cave geklaut. Ne, ich schreib nicht weiter – ist alles peinlich genug hier.
Eigentlich müssten die doch bei ihren eigenen Konzerten merken, wie gerne die Leute Songs wie "Fix You" hören - warum machen die dann so einen Scheiß. (402)

Cold War Kids – Dear Miss Lonelyhearts (2013)
Euphorischer Indie-Rock bieten die Cod War Kids mit dem Eröffnungsstück „Miracle Mile“ an. Das ist schon Power-Indie-Rock, der zum Tanzen und Feiern einlädt.
Mit elektronischen Sound versetzt und atmosphärischer: „Lost that Easy“ und auch das Stück reißt mit. Das ist wieder so eine Band, die einen bei einem Festival oder einfach nur live ganz schnell zum Fan machen müsste. Die Musik ist zwar nah am Mainstream gebaut, aber so kraftvoll und mitreißend, das obwohl man ähnliche Songs schon öfters gehört hat, sofort seinen Spaß an der Musik hat.
Ich kannte die Band zuvor nur durch einen Song von einem Musiksampler und wollte mal hören, ob die mich auch in Albumlänge überzeugen können und das scheint tatsächlich der Fall zu sein.
Auch das poppige „Loner Phase“ macht total Laune. Bin richtig begeistert. Ein wenig ruhiger und emotionaler können die Cold War Kids aber auch sein: „Fear and Trembling“. Ein wenig im John Lennon-Style: „Tuxedos“. Wieder mit mehr Power: „Bottled Affection“. Richtig gut gefällt mir auch „Jailbirds“.
Wirklich keinen schlechten Song gibt es zu vermelden und die meisten Songs sind tatsächlich richtig gut, so auch „Water & Power“.
Das Titelstück „Dear Miss Lonelyhearts“ erinnert dann plötzlich an die Songs von Vampire Weekend. Schöner Indie-Rock-Abschluss mit „Bitter Poem“.
Tolle Platte zum Spaß haben, aber auch einfach eine Indie-RocK-Pop-Platte mit ganz vielen guten und eingängigen Songs (ohne dabei wie Retorten-Musik aus den Charts zu klingen). Möchte ich mehr von haben. Für Fans von Kings of Leon an die mich der Sänger erinnert obwohl der durchwegs eben euphorisch seine Texte in die Welt hinausschreit, was man den Kings of Leon ja nicht immer vorwerfen kann. (418)

Phil Collins – Face Value (1981)
Ein Lieblingsalbum – ohne den Prog-Rock-Zwang von Genesis gibt es auf dem Album eine gute Mischung aus Rock, Soul, R&B-Bläser-Einsätze und einer wundervoller Instrumentalnummer mit „Hand in Hand“. Der Übersong der Platte ist natürlich „In the Air tonight“, doch glänzen auch viele der anderen Songs und sind für ein 80er Jahre Album zeitlos gute Musikstücke. Selbst der Genesis-Song „Behind the Lines“ glänzt mit Bläsereinsatz noch mal ganz neu. Ähnliches ist ja auch viele Jahre später auf der Soloplatte von Elbow-Frontman Guy Garvey festzustellen – da spielt auch jemand frei auf – was er bei seinem Hauptprojekt sich nicht wagt (warum eigentlich nicht, ein bisschen mehr Abwechslung täten Elbow eigentlich auch gut).
Zurück zu „Face Value“. Abwechslungsreich ist das Album, da wechseln die Instrumente und Stimmungen. „Roof is leaking“ klingt als hätte er es auf seiner Veranda aufgenommen und bekommt damit eine sehr private und emotionale Note. Das Instrumental „Droned“ sehe ich als recht überflüssig an – das Stück ist bei mir auch in totaler Vergessenheit geraten. Um so mehr mag ich „Hand in Hand“ – der Bläsereinsatz der Phenix-Horns bei dem Stück ist einfach nur großartig.
Ein weiteres Highlight beginnt die Seite 2: „I missed again“. „You know what I mean“ – ganz ganz ruhig – mit Piano und Streicher. Genial: „Thunder and Lightning“. Übrigens kein Wunder, dass sich Collins Frau darüber aufregte, dass er stets weg war – touren mit Genesis – als Gastmusiker und Produzent tätig – war er Anfang der 80er ein echter Tausendsassa. Den Soul-Pop hat er richtig gut drauf - auch bei „Im not Moving“. Bei „If leaving me is easy“ lässt er nochmal seinen Beziehungsschmerz raus. Der Beatles-Cover-Song „Tomorrow Never Knows“ beendet das Album. (127)

Colourbox – Best Of 82/87 (2001)
Colourbox waren eine erste Ausnahmeerscheinung beim Label 4AD, weil sie doch viel mehr nach Dancefloor und Pop klangen, als es bei den anderen Vertretern des Labels üblich war. Ihren bekanntesten Song, der bis heute noch oft gehört wird, ist unter einen anderen Namen herausgebracht worden: Der Song ist „Pump up the Volume“, der Name „M.A.R.I.S.“.
Ich bin auf die Band aufmerksam geworden durch einen Artikel in einer alten Musikzeitschrift und bin mir seitdem etwas unschlüssig, ob das wirklich Musik für mich ist, die Colourbox gemacht haben – aber auf jeden Fall „Pump Up the Volume“ finde ich riesig – der Song hat glaube ich das ganze Dancefloor- und Elektronische Tanzmusik-Genre wie kaum ein anderer beeinflusst.
Das Best-Off beginnt mit „The Official Colourbox World Cup Theme“ - das Stück ist durchaus ernst gemeint und war für die WM86 gedacht – wurde aber nicht offiziell dafür verwendet. Ist auch eher eine mittelprächtige Synth-Orchester-Nummer. Obwohl das, Hauptthema des Songs (Refrain) ganz nett ist – nur der Rest ist etwas zu aufdringlich geraten.
Ein Single-Hit für Clourbox war auch die Coverversion von „Baby I love you so“ - als Dub/Reggae-Nummer in der Maxiversion – mit ein paar Sample-Effekten versetzt - ist das ganz gelungen – auf jeden Fall für jemand wie mich, der recht wenig Dub/Reggae hört. Als Sängerinnen waren bei Colourbox erst Debbion Currie und danach Lorita Grahame aktiv. Die Brüder Martyn und Steven Young waren vor Colourbox auch an den ersten zwei Alben von This Mortal Coil beteiligt.
Danach folgt auch schon „Pump Up the Volume“ - auch in der US-Maxiversion – eine durchaus gelungene Version des Song.
„Looks Like we´re shy one Horse – Shoot Out“ - führt zurück zum Dub/Reggae-Sound – da könnte gut Joe Strummer drüber singen – dann hätte das wirklich was. Damit wird aber auch klar, dass Colourbox eher ein DJ-Projekt sind – als eine normale Band. „Arena 2“ ist ein recht gewöhnlicher 80er Pop-Song. Tut nicht weh – braucht man aber auch nicht – irgendwo zwischen Tompson Twins und The Euryhtmics angelegt.
„Just give `em Whiskey“ überrascht mit Rockgitarren und Rocksounds, die dann mit Samples gemixt werden – das ist dann zum Teil wenigstens außergewöhnlich und gut gemacht.
Mit dem Titel „Philip Glass“ werden Clourbox mit Ambientsounds dem Titel gerecht. Auf jeden Fall ist diese Songsammlung recht abwechslungsreich zusammengestellt.
80er-SynthPop: „Breakdown – Original 12“. Mehr im Balladenstil und ganz gut geraten: „Sleepwalker“. Und am Ende werden nochmal die Rockgitarren rausgeholt und wieder wirksam mit Samples gemixt – dabei geraten die Samples aber etwas zu aufdringlich und übertönen sogar die Rockgitarren etwas zu sehr.
Die wichtigste Herausbringung von Colourbox aka M.A.R.I.S. Ist sicherlich „Pump Up the Volume“ - vieles was sie gemacht haben, klingt heute nach eher mittelmäßigen Pop- und Dub/Reggae-Songs aus den 80er Jahren und daher ist selbst dieses Best Of Album kein Muss. Nur was für Fans der 80er, die mal was anders hören wollen als Art of Noise und vielleicht genau hören wollen wie sich die Musik vom Synth-Pop und DubReggae weiter in Richtung Clubsounds und Techno und elektronische Tanzmusik der 90er bewegt hat.

Shawn Colvin – Fat City (1992)
Die Singerin/Songwriterin Shawn Colvin schaffte mit diesem zweiten Album ihren Durchbruch, obwohl sie schon mit ihrem Debüt-Ablum „Steady On“ (1989) einen Grammy für das beste Folk Album gewinnen konnte. Ich hab zwar die Alben nach „Fat City“ mir immer sofort bei Erscheinen geholt, aber von ihrem Debütalbum habe ich erst Heute beim Nachforschen für diesen Text erfahren. Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, dass dies ihr Debüt-Ablum gewesen ist („Steady On“ habe ich aber direkt nachgeordert).
Der Stil von Shawn Colvin ist sehr amerikanisch – vor allem sind es schöne Singerin/Songwriterin-Songs, aber manchmal klingt es auch nach kargen amerikanischen Landschaften und etwas abgelegenen Ortschaften und da ich Shawn Colvin fast gleichzeitig mit Chris Whitley entdeckt hatte – passten die beiden Musiker/innen auch irgendwie für mich immer gut zusammen und tatsächlich hört man beim Stück „Set the Prairie on Fire“ Chis Whitley auch auf diesem Album an der Steel-Gitarre. Mag auch daran liegen, dass beide Künstler/innen beim selben Label unter Vertrag waren.
Aber neben den Singerin/Songwriterin Stücken, gibt es auch schöne Folk-Pop-Songs auf diesen Album zu hören und so richtig schlecht ist keiner der Songs und das Album ist für mich auch eins der oft gehörten Highlights in meiner Sammlung – nur habe ich es jetzt schon viel zu lange nicht mehr durchgehört – das ändere ich nun.
Bei „Polaroids“ kann man heraushören, dass sie als Backgroundsängerin für Suzanne Vega gearbeitet hat, sich was von dieser beim Songschreiben abgeschaut hat. Denn „Polaroids“ hat die gleiche beeindruckende Singerin/Songwriterin Qualität.
Das mit Larry Klein ein sowohl musikalisch wie auch privater Partner von Joni Mitchell das Album produziert hat – erklärt auch gleich die stimmige Produktionsweise, die mich in ihrer Qualität und an das auf das wesentlich konzentrierte immer auch an den Produzenten Daniel Lanois erinnert. Mag aber auch daran liegen, dass beide Produzenten zur selben Zeit sehr aktiv waren.
Die musikalische Qualität von Stücken wie „Tennessiee“ ist es auch, die mich immer wieder dieses Album haben auflegen lassen und hier rockt es auch ganz gut und die Qualität reicht hier sogar an die einer Joni Mitchell heran. So sorgt man für Aufsehen.
Und wenn man neben vielen anderen Musikern Bruce Hornsby, David Lindley, Jim Keltner, Richard Thompson während der Aufnahmen auch Joni Mitchell im Studio hat – was soll da noch schiefgehen. Und Joni haute auf die Percussion.
„Tenderness on the Block“ ist ein Lied von Warren Zevon (mit dem muss ich mich auch mal beschäftigen), den er mit Jackson Brown geschrieben hat. Also wer im Singer/Songwriter-Geschäft was mitzuerzählen hat, ist irgendwie auf dem Album vertreten. Und den Song mag ich auch ganz besonders gern, mag sein, weil er auch wie ein guter Paul Simon-Song klingt.
Mit Pop Song-Feeling, weil schön schwungvoll: „Round of Blues“ – so ein Feel-Good-Song, sowas brauchen wir in diesen Zeiten auch.
Eine ruhige liebevolle Ballade folgt mit „Monopoly“ – wo es bei vielen Musikerinnen da kitschig klingt, wenn sie solche Songs machen, klingt dieser einfach nur wunderschön.
Weiterer guter und auch sanfter Singerin/Songwriterin Song: „Orion in the Sky“. Mit etwas mehr Schwung und auch als Pop Song funktionierend: „Climb On (A Back that´s strong) – hat schon das Zeug zu einer Hymne.
Meisterinstück: „Set The Prairie On Fire“ – das ist ein ganz starker Song für die Ewigkeit. Und ein außergewöhnlicher Rootsrock-Song.
Schwungvoll und gekonnt: „Object Of My Affection“. Hat auch was von einem Fleetwood Mac-Song.
Mit „Kill the Messenger“ taucht fast am Ende noch ein sehr guter Song und vielen guten Songs auf. Da stimmt auch alles.
Sanft, melancholischer Schlusspunkt: „I don´t know why“.
Mit diesem Album musste Shawn Colvin ihren Durchbruch einfach schaffen, weil alles andere nicht fair gewesen ist – mit ganz vielen Helfer/innen im Studio und wohl auch dem Willen ihrer Plattenfirma ist ihr dies zu recht gelungen. Ganz tolles Album.

Common Ground (Voices of Modern Irish Music) (1996)
Es gibt Sampler/Compilation die ich einfach sehr sehr mag, weil sie mir die Ohren für neue Musiker/innen geöffnet haben oder einfach tolle neue Songs von mir bekannten Musiker/innen mir geboten haben. Dieser Sampler ist so einer. Was dem Sampler weiter zu Gute kommt ist, dass obwohl es sich um sehr unterschiedliche Musiker und Songs handelt, klingt die Sammlung wie aus einem Guss, was vor allem dem Produzenten Donal Lunny wohl zu verdanken ist.
Unbekannt war mir zum Beispiel direkt am Anfang Máire Brennan. Diese hat wie einige andere Musiker auch, ihren Song „O bhean A Ti“ in gälisch gesungen. Dies ist eine schöne Folknummer.
Tim & Neil Finn sind zwar geborene Neuseeländer und bekannt durch ihre Arbeiten bei Splint Enz und Crowded House aber auch bekannte Folk-Pop-Musiker und mit „Mary of the South Seas“ beweisen sie wiedermal welch unverwüstlich zeitlose Songs sie schreiben können. Irgendwie will „Tomorrow“ von Bono und Adam Clayton zum Rest der Songs auf der CD immer nicht so recht passen. Hängt glaube ich damit zusammen, dass dem Song einfach das Folk-Element fast fehlt und wenn nur als Hintergrundelement kurz eingesetzt wird. Ansonsten ist es eher ein melancholisch düsterer PopRock-Song. Auf einem U2-Album würde der aber nicht unangenehm auffallen. Beim ersten Hören der CD kannte ich Sharon Shannon auch noch gar nicht – aber den Instrumentalsong „Cavan Potholes“ mochte ich sofort. Klingt ein wenig nach einer Sting-Solo-Nummer mit Akkordeon als Leadinstrument – macht aber total Laune. Auch vorher unbekannt, mittlerweile von mir sehr geschätzt und bewundert: Paul Brady. Sein Song „Help me to believe“ trifft mich durch Schönheit, Anmut und nimmt mich jedes mal emotional mit. Ein Lieblingslied und dies seit dem ersten Hören. Da fällt mir auch direkt eine weitere Stärke des Samplers auf – er langweilt für ein Folk-Album so überhaupt nicht – weil sehr Abwechslungsreich und einfach voller Schönheit. Auch zum Niederknien die Fassung des traditionellen Folksongs „On Raglan Road“, der auf ein Gedicht von Patrick Kavanagh basiert. Da mag ich ja auch sehr die Fassung von Van Morrison & The Chiftians, aber von Sinead O´Connor gesungen – ist es auch was ganz Besonderes.
Eher wohl auch ein Unbekannter, obwohl er für Irland schon beim ESC mitgemacht hat und den 1000sten Wettbewerbsbeitrag ablieferte ist Brian Kennedy, dessen größter Erfolg eine Tributsingle zum Tod des Fussballspielers George Best ist. Mit „As I roved out“ schenkt er uns eine ganz sanfte Folknummer.
Weil seine Stimme so gut zum Folk-Genre passt, würde ich es Elvis Costello gar nicht mal verübeln, wenn er mehr Folk-Musik machen würde – es zeigt sich bei dem Song „The Night before Larry was stretched“, dass Costello und traditionell arrangierte Folkmusik sehr schön zusammenpassen. Über einen Song von Kate Bush freut man sich ja auch immer und hier singt sie mal auf gälisch: „Mná Na Héireann“ - kurz und gut. Bei der Produktion von Donal Lunny klingt auch alles ein wenig nach großer Filmmusik, vielleicht sogar nach Riverdance – aber dies lässt in diesem Fall die Musik einfach schöner und größer klingen. Mag für einige Folk-Puristen vielleicht ein bisschen zu kitschig sein – aber mir gefällt es sehr. Bei dem nächsten Song ist dann Donal Lunny zusammen mit Davy Spillane zu hören. Der instrumentale Titel heißt „Whistling Low/Errigal“. Die beiden Musiker haben zusammen in der Band „Moving Hearts“ gespielt. Total schön und einfach herrlich ist dieses Liebeslied an die irische Heimat: „My Heart´s tonight in Irland“ von Andy Irvine. Noch so ein weiteres Highlight der Platte. Andy Irvine spielte mit Donal Lunny in einer Band zusammen, die „Planxty“ heißt. Liam o Maonlai gehört zu den von mir sehr geliebten Sängern. Ich mag halt die Hothouse Flowers total gerne und ich liebe seine Stimme. Sein Beitrag, auch dieser ist in gälisch, ist „Cathein“ und hat eine einnehmende Sogwirkung durch die fast schon spirituelle Spielweise.
Den Abschluss dieser CD macht noch ein Weggefährte von Produzent Donal Lunny: Christy Moore. Sein „Bogie's Bonnie Belle“ ist nochmal zärtlich, schön. Einfach ein toller Sampler. Eine tolle Songsammlung. (316)

CMON – Confusing Mix of Nations (2020)
Moderner Indie-Pop mit Zutaten aus den 80ern und 90ern gemixt, das bieten CMON (Confusing Mix of Nations) mit ihren ersten Titel „Coo“ an, der auch ein paar ganz schöne Tanzbeats in sich hat – aber der mehr nach einen Brit-Pop-Song klingt, der von zwei Musikern aus L.A. gespielt wird.
Richtig in den Elektro-Synth-Pop der 80er geht’s mit „Good to know“ - der schon sehr gekonnt im Retro-Style daher kommt und deshalb auch viel Spaß macht.
„Dreamfucking“ hat was vom Daft Punk Disco-Pop – das macht zwar alles Spaß beim Hören, doch eine ganz eigene Note konnten CMON damit bisher nicht ausspielen.
„Celluloid“ - schließt wieder an den Sound des ersten Tracks an – mischt diesen diesmal aber mit Endsiebziger Pop-Sound. Bei „Mindbloggling“ wird der Retrosound der 80er nochmal wild gemischt. Aber so langsam glaub ich tatsächlich, dass CMON nur gut zitieren können, aber keine wirklichen eigenen Ideen haben. Alles was ich bis hierhin gehört habe, habe ich schon mal gehört und dies eigentlich auch zu genüge, um mir das nochmal von jemanden neu interpretieren zu lassen, der keine eigene Stimme findet und dem Altbekannten nichts Neues hinzufügen kann.
Zwar macht der Sound von „Peter Pan“ zu Anfang sogar Spaß, doch auch da stellt sich schnell wieder Langeweile ein.
„Sam“ im Rock-Popgewand der 80er ist aber als Song ganz gelungen. Musikalische Qualitäten hat das Duo auch, da besteht kein Zweifel, aber es fehlt halt ein eigenes Wiedererkennungsmerkmal.
Verträumter Disco-Pop: „Zoo“. „Base“ ist ein wenig lieblos präsentiert (erinnert mich aber an Freur) und deshalb auch leider unnötig. Hätte man das Album um drei Songs etwas gekürzt, dann hätte es vielleicht auch noch zu retten sein, da der Sound des Albums dann doch noch ein wenig zu vereinheitlichen gewesen wäre. So ist hier der Abwechslungsreichtum (und das beklage ich selten, sondern beklage mich sonst über das Gegenteil), der dem Album schadet. Nochmal 80er Pop-Rock gibt’s mit „Letdown“ - da war aber zuvor „Sam“ auch viel gelungener.
CMON – konnten mich damit für Ihr erstes Werk nicht so richtig gewinnen. Aber drei oder vier Songs haben durchaus Radioqualität, nur würde man nie wirklich erkennen von wem dass ist – da CMON wie der gesamte Pop-Rock der 80er Jahre klingen. (4 12)

Console – Reset the Preset (2003)
Martin Gretschmann war mal der für die Elektronik Zuständige bei The Notwist, dann machte er verstärkt weiter mit seinem Solo/Bandprojekt als Console, als Musiker für Hörspiele und Theater und zuletzt und wohl bis heute als Acid Pauli weiter Musik. „Reset the Preset“ ist als Doppelalbum ambitioniert – klingt wie viel nach rein elektronischer Musik ist aber viel mehr was die instrumentierung der einzeln Songs im Booklet beweist. Außerdem wird nicht nur Instrumentales gespielt, da Sängerin Miriam Osterrieder so manchen Song ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt. Soviel sei schon verraten – für mich ein absolut zeitloses Stück elektronischer Musik.
Direkt mit „Your God Eats Me“ zeigt Console was da für schön konstruierte elektronische Musik auf uns zukommt. Das sind gut aneinandergespielte Beats und Sounds und irgendwie fühlt es sich so an ob da es jemand schafft, die Musik und Soundideen von Kraftwerk ins nächste Jahrtausend zu übertragen. Nur der Eingang und der Ausgang des Songs sind beide etwas zu lang gezogen worden. Bei „Surfin Safari“ kommt dann Sängerin Miriam Osterrieder zum Zuge und die Musik wandelt sich zum Indie-Rock-Pop und das macht mit dem überbrodeldelnden Sounds auch richtig Spaß. Es helfen ja auch die Gefährten von The Notwist bei dem Album mit und dies hört man bei Songs wie „Into the Universe“ dadurch heraus, das es sich fast wie ein Livestück der NoTwister anhört. Ganz große Nummer und die sanfte Art des Gesangs von Miriam Osterrieder trägt da auch einen großen Teil dazu bei – das der Song so gut funktioniert.
Mit „Dirt on the Wire“ wird’s wieder elektronischer und ladet zum Tanzen im Club ein. Aber das macht Gretschmann einfach gekonnt wie kaum ein anderer – weil es immer alles mit Hirn gespielt ist und nicht um dumpf die Massen in Extase zu bringen. Klingt alles super. Und das die CD von 2003 ist ist auch nicht zu hören, die könnte auch von Übermorgen sein. Wunderschön sanfter Elektro-Pop, der mich dahinschmelzen lässt: „The Times they are not A-Changin`“. Indie-Elektro-Club-Rock – da die Musik von Console richtig viele Grenzen aufbricht fühlt sich auch alle Fans gleichermaßen von dieser Musik bedient. Auf jeden Fall schafft es „Suck and Run“ ganz viele Geschmäcker gleichzeitig zu bedienen. Die Tempowechsel und das Abwechslungsreichtung lassen einen die CD auch sehr gut durchhören – da ist nichts langweilig.
Ruhige Elektronikbeats und Samples bietet „Secret Game“, bevor mit dem einsetzenden Gesang doch noch ein Song draus wird. Bei „A+A=B“ wird es für einen Electronca-Song recht melancholisch, doch setzt dann doch noch der Beat ein und lässt den Song zu einer Elektronik-Hymne im Stil von Orbital werden. Damit endet diese herausragende erste CD.
„Diagonal“, der die zweite CD eröffnet, erinnert schon viel an den Krautrock-Sound von CAN. Was aber auch gar nicht stört und schätzungsweise auch totale Absicht ist, bei The Notwist sind solche Ansätze ja auch oft zu entdecken. Es ist ja auch toll wenn der Sound von CAN immer noch weiter entwickelt wird. Danach folgt zweimal „Para.lel“. Erst im „Funicular-Mix“ und danach in der original Fassung. Auch weitere Songs der zweiten CD gibt es zweimal zu hören. Der „Funicular-Mix“ ist eine sehr zugängliche ruhige und schöne Instrumentalnummer – großartige Entspannungs- und Loungemusik. Die Originalfassung von „Para.lel“ ist da eher ein tanzbarer Clubsong und eigentlich komplett ein anderer Song. „Marina“ in der Mallorca-Version ist auch ein eher ruhiger Instrumentalsong – aber wie alles was Console machen sehr schön arrangiert und mit für Elektromusik untypischen Klängen ausgestattet und immer klingt es auch dabei zum Teil sehr akustisch. Nach sechs Minuten Dauer fängt der Song nochmal fast neu an und wird dabei richtig jazzig und danach wieder entspannt. Die zweite CD scheint aber wirklich was zum runterfahren und relaxen zu sein, dafür aber niemals ermüdend wie es doch so manche Ambient-Platte nach ein paar Titeln wird. Auch „Indepencia“ zeigt, wie gut Console die elektronische Musik mit allen Stärke ausstattet und zeitlos werden lässt. Während ja die alten Platten der Elektronikmusik-Pioniere ja doch immer etwas angestaubt wirken und klingen, sind die Songs dieser jetzt auch schon über 20 Jahre alten Produktion noch absolut „aktuell“. „Marina“ zum zweiten diesmal als Ambient-Song. Nur ein wenig mehr Tempo nimmt „Diagonal“ im „Raton-Relax!-Mix“ auf. Zum Schluss gibt’s nochmal „indepenca“ im „3/4-Mix“.
Genauso muss für mich elektronische Musik sein. Und deswegen finde ich diese CD auch einfach richtig richtig gut. (318)
Console – Mono (2006)
Matthias Gretschmann hat schon während seiner Zeit als Mitglied bei The Notwist als Console Platten veröffentlicht, darunter auch Arbeiten zusammen mit Andreas Ammer und er hat das Projekt auch zu einem Bandprojekt erweitert. „Mono“ könnte auch heißen „solo“ – das Booklet gibt darüber keine Auskunft, weil es kein Booklet gibt.
Ruhige Elektronica Musik – also eher ruhige elektronische Musik, die durch ihre sanften Klänge nicht wirklich elektronisch steril oder hart klingt, sondern eher nach akustisch aufgenommene Musik klingt. Auch die Beschreibung Ambient passt dazu – so fängt das Album mit dem Stück „City of Dog“ an.
Auch „To catch a Beat“ besticht durch sanfte Klänge. Tanzbeats werden erst einmal bei dem Album nicht geboten. Scheint ein Album zum „Hören“ zu und nicht zum „Tanzen“ zu sein. Elektronische Musik zum genießen. Und auch wenn dann tatsächlich ein Drumbeat zur Musik hinzugefügt wird, bleibt die Melodie in Schönheit getaucht. Console bleibt damit neben b.fleischmann einer meiner Favoriten in Sachen elektronischer Musik – weil ich genau diese Art total mag. Weil das auch Musik für CD und Vinyl ist – weil es zum Hören bestimmt ist.
Vielleicht möchte Matthias Gretschmann auch einfach als ernsthafter Komponist wahrgenommen werden – was er wohl auch wurde, weil er auch Musik für Theaterinszenierungen mittlerweile seinem nicht gerade kleinen Werk zugefügt hat – welches er zur Zeit hauptsächlich als Acid Pauli weiterführt. „Foster Kane“ ist aber so eine Melodie, die sich auch als Filmsoundtrack - und wie heißt es doch so schön für Kulturliebhaber wie „zeitgenössische“ Musik - anhört. Ich finde ja „zeitgenössisch“ sagt so überhaupt nichts über die Art von Musik aus, die es unter diesen Namen zu hören gibt. Festival der zeitgenössischen Musik. Gegenwartskultur – aber ist das nicht ein viel zu großer Oberbegriff – ist nicht jede aktuell geschaffene Musik und Kunst Gegenwartskultur?
Ansatzlos geht der Film in das noch mehr nach orchestraler Musik klingende „Houwelandt“ über. Von den Clubbeats, die es auf den Alben „Herself“ und „Reset the Preset“ zu hören sind, ist auf dem Album wirklich bisher nichts zu entdecken. Was aber nicht schlimm ist – ist halt anders, aber immer noch richtig gut. Eben mit Anspruch, dass man mal richtig hinhört und nicht dazu abtanzt.
Aber gesungen wird dann trotzdem mal – aber auch sehr ruhig und schön: „By this River“. Für ein elektronisch gehaltenes Album sind die Stücke alle recht kurz – also nicht länger wie „normale“ Popsongs – was ich sehr gut finde, weil dadurch das Album an bisher keiner Stelle langweilig klingt.
Atmosphärische Ambientkrautrockmusik: „Formicula“ – Elektronische Soundtrack Musik die an die frühe elektronische Musik der 70er erinnert. Das Stück „Magnolia“ setzt diese Art von sehr entspannter Musik fort, durch den einsetzenden Gesang wird es dann aber doch eher zu einem richtigen, aber sehr verträumt, wirkenden Song.
Bei „Hibernating“ macht der etwas beschwingte Grundton zu Anfang etwas Hoffnung, dass die Musik doch mal etwas Tempo aufnimmt – aber bleibt eher doch dem Ambient-Stil der zuvor gehörten Stücke treu – hier mixt Console dann Elektronica und klassische Synthesizer-Musik schön zusammen.
Auch „Men with a Web Camera“ behält den ruhigen Ton bei. Gleiches gilt für „Lost in Sensation“.
Der Titel „Starpower“ verspricht ja ein wenig doch sowas wie ein vielleicht tanzbarer Song zu sein. Tatsächlich ist der Song aber dann doch auch wieder fast eine altmodisch geratene Instrumentalnummer, der auch sehr entspannten Art – da fließt die „Power“ wohl eher in eine ruhige Richtung im Weltall dahin – ist aber wie der gesamte Rest des Albums sehr sehr schön.
Schönes Album – mit sehr schöner Klangfarbe und bietet dem Hörer einen Ruhemoment in einer immer verrückter werdenden Welt an – so was brauchen wir jetzt mehr den je. Etwas Gesangdarbietungen, die vermutlich wieder, wie wohl bei allen gesungenen Parts der Platte von Miriam Osterrieder stammen, gibt es übrigens auch noch bei „Starpower“ zu hören.


Ry Cooder – Ry Cooder (1970)
Das Debütalbum der Rootsrocklegende und des musikalischen Türöffners zu anderen Genre und internationalen Künstlern. Produziert wurde es von Van Dyke Parks und Lenny Waronker. Als eigenkompositionen gibt es nur ein Instrumentalstück, dafür aber neu Interpretationen mit eigenem Charakter. Mir war bis vor kurzen gar nicht klar, dass auch Ry Cooder schon so lange selbst Musik macht, und auch vor dem eigenen ersten Soloalbum war Cooder schon in Bands von Captain Beefheart und mit Taj Mahal zusammen bei den „Rising Sons“. In den späten 60ern arbeitete er mit Randy Newman („12 Songs“) und Van Dyke Parks zusammen.
Bei „Alimoney“ wird direkt klar was die Stärken und die Schwäche des Albums sind. Stärken – Gitarrenspiel, gut arrangierter Roots-Rock – Schwäche ist eindeutig die Gesangsleistung von Ry Cooder – da hätte er vielleicht doch lieber sich einen „Sänger“ in seine Band holen können – Taj Mahal wäre da eine sehr gute Wahl gewesen.
So besteht das Album am Anfang aus Roots-, Folk- und Country- uns Bluesrock, deren Melodien einen mitnehmen – aber wegen des Gesangs ihr wirkliches iPotenzial nicht entfalten können. Das ist auch so bei den folgenden Stücken „France Chance“ und „One Meat Ball“. Und „One Meat Ball“ hätte wirklich das Zeug dazu, ein ganz großer Song zu sein – wird aber vom Gesangspart leider stark in der Wirkung zurückgeworfen. Den Song gibt es aber vielleicht von jemand anderem gesungen in schön.
Beim Countryrock von „Do Re Mi“ klingt es dann stimmlich eigentlich ganz okay – klingt wie eine kleine Greatful Dead-Nummer und darf als bis dahin bester Song der Platte gewertet werden. „My old Kentucky Home (Turpentine & Dandelion Wine)“ ist als Folkrock auch noch ganz passabel.
„How can a poor Man stand such Times and Lives?“ auch sehr gut – kann sich mit den Songs von „The Band“ messen.
Das instrumentale „Available Space“ funktioniert als Country-Rock ganz gut und zeigt nochmal die Fähigkeiten von Ry Cooder an der Gitarre und als Arrangeur. Dixiejazz gibt’s mit „Pigmeat“ auf recht verspielte Weise. Blues mal anders.
Kleine Solonummer: „Police Dog Blues“. Weiteres Roots-Rock-Highlight: „Goin´ to Brownsville“. „Dark ist the Night“ schließt das Album sehr sanft und ein weiteres Mal instrumental ab.
Die Qualität des Albums und des Künstlers scheinen vor allem bei der zweiten Hälfte durch – es hapert aber im Gegensatz zu anderen Produktionen auch noch etwas an der Produktionsweise und der Aufnahmequalität – wenn diese und der Gesangs sich verbessert – kann diese Musik richtig Spaß machen. Sein Kumpel Taj Mahal war ihm da etwas voraus. (444)

Elvis Costello – Spike (1989)
Das zwölfte Album von Elvis Costello – der Mann haut auch gerne ein Album nach dem anderen heraus – was vielleicht deshalb auch zu solch großen Qualitätsunterschieden oder Richtungswechsel führt – bei mir, der sich jetzt eigentlich wirklich kein Urteil über das Gesamtwerk von Elvis Costello erlauben kann, da ich viel zu wenig daraus kenne, ist das mit den Alben von Elvis Costello so – entweder finde ich es richtig gut oder ich bin total enttäuscht. So mochte ich „Spike“ immer, aber das nachfolgende Album „Mighty like a Rose“ fand ich sehr enttäuschend – nur „The Other Side of Summer“ fand ich da erträglich und kam noch an die Qualität der Songs von der „Spike“ heran. Auch der Versuch es mit einem älteres Album „Goodbye cruel World“ zu versuchen scheiterte. Erst Jahre später, als Costello das Album „The River in Reverse“ das er mit Allen Toussaint 2006 aufgenommen hat und seine Beteiligung an den „The New Basement Tapes“ (2014) ließen mein Interesse an ihm wieder steigen. Letztes Jahr höre ich dann „Punch a Clock“ (1983) und das fand ich dann auch gut. Also da gibt es wirklich wohl noch viel zu Entdecken für mich – aber die Songs vom Album „Spike“ gehören seit Jahren zu meinen ständigen Begleitern.
„Spike“ war das erste Costello Album das er für Warner produziert hat und Warner verwöhnte Costello mit einem hohen Budget. Vier Musikstudios wurden angemietet und alle mit unterschiedlichen Musikern besetzt – die Zahl prominenter Musiker ist groß und auch auf diesem Album ist Paul McCartney am Bass zu hören und zwei Songs – darunter die Hitsingle des Albums „Veronica“ - wurden von McCartney mitkomponiert. Chrissie Hynde ist als Harmoniesängerin dabei, Jim Keltner und Jerry Marotta unter anderem an den Drums zu hören. Allen Toussaint am Piano, bei der Irland-Session waren unter anderen Christy Moore und Davy Spillane mit dabei und fast jeder der über dreizig Musiker, die an dem Album mitgearbeitet haben, verfügen über einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Spannend finde ich, dass die Platte trotzdem wie aus einem Guss klingt. Dafür sind auch die Co-Produzenten T Bone Burnett und Kevin Killen mitverantwortlich.
Direkt „This Town“ macht Spaß – es ist ein schöner Mix aus Singer/Songwriter und anspruchsvoller Rock. Ein kunstvoller Blues: „Let him Dangle“ und die Soundkulisse erinnert hier und auf der ganzen Platte eigentlich auch immer ein wenig an den Sound einer Tom Waits-Platte. Singer/Songwriter-Rock den man sich am besten in einem verrauchten kleinen Club auf kleiner Bühne gespielt vorstellt. Aber auch dies ist ein sehr guter Song. Gleiches gilt für das ebenfalls großartige „Deep Dark truthful Mirror“ - das sind einfach alles sehr sehr gute Stücke und von außerordentlicher Qualität, da sie Anspruch und Hörspaß sehr gut verbinden. Was ich an Costello auch schätze, ist seine Qualität als Sänger – man hört ihm immer raus – ein Elvis Costello verwechselt man nicht und man erkennt ihm immer sofort – und dies zusammen mit der Qualität seiner „guten“ Stücke setzt ihm bei mir immer mit einem Joe Jackson auf eine Stufe. Irgendwie passen diese beiden Ausnahmemusiker für mich immer gut zusammen – obwohl sie glaube ich nie was zusammen gemacht haben.
„Veronica“ ist einfach total einnehmend, funktioniert immer und damit kriegt Costello jede(n) rum. Und ja es klingt natürlich auch wie eine Paul McCartney-Nummer. Die beiden hatten bei der Arbeit an dem McCartney Album „Flowers in the Dirt“ zusammen zwölf Songs komponiert und diese dann auf verschiedene Alben platziert – mal ein Song auf dem Album von dem einen, mal zwei auf dem von dem anderen usw.
Fast wie eine Nummer aus der Zeit, als Filme noch keine Farbe hatte, klingend und mit ganz viel eigenen Charme: „God´s Comic“ - auch eine ganz riesige Nummer. Ach, ich liebe dieses Album – einfach unzählige gute Songs drauf.
Jazzrock: „Chewing Gum“. Wunderschöne Folk-Ballade: „Tramp the Dirt Down“ - und Costello singt darin gegen die Thatcher-Ära an. Instrumentaler Jazz im New Orleans-Style „Stalin Malone“. Sanft: „Satellite“. Schöner Folk-Rock´n´Roll: „Pads, Paws and Claws“.
Wenn man hören will, wie diese Platte im Gesamten klingt, dann muss nur „Miss Macbeth“ hören – da bringt Costello alle Stilelemente des Albums auf grandiose Weise zusammen. Da ist soviel drin – das ist schon eine Meisterleistung.
Wunderschöne Folk-Nummer: „Any King´s Shilling“. Blues-Rock auf Costello-Art: „Coal-Train Robberes“. Melancholisch Akustikballade am Ende: „Last Boat Leaving“.
Immer noch ein ganz und gar zeitlos gutes Album. Bleibt ein Lieblingsalbum. (504)

Elvis Costello & the Imposters - The Boy Named If (2022)
Eins muss man Costello lassen, er hat sich seine Frische bewahrt und klingt genauso wie auf seinen frühen Platten. Rock `n` Roll als ob er in Großbritannien erfunden wurde – ist sein Markenzeichen. Und auch für mich manchmal der Nachteil bei vielen seiner Songs. Zuviel Rock n Roll zu wenig richtig guter Melodien und dem gewissen etwas. Das Album „Spike“ von 1989 ist mein absolutes Lieblingsalbum von ihm, davor und danach habe ich immer versucht in seinen Werk etwas Gleichwertiges zu finden, bin daran aber bis auf das Album „The River in Reserve“ das er 2006 mit dem Bluesmusiker Allen Toussaind aufgenommen hat, nicht gerade fündig geworden (hab aber bei der Größe seines Schaffens auch nur einen Bruchteil gehört (ich will ja ehrlich sein) und habe noch auf ein Best Off-Album zugegriffen, das war es dann aber. Nun mal ein weiterer Versuch. Und direkt der erste Song ist wieder so eine Rock´n´ Roll-Nummer (gähn). Aber der Titel-Song „The Boy Named If“ prescht ganz rockig los – geht doch. „Peneleope Halfpenny“ ist auch richtig gut – da er ja eigentlich Songs schreiben kann, auf die ein Paul McCartney neidisch sein könnte (die beiden haben auch schon öfters miteinander Songs gemacht). „The Difference“ macht auch Spaß – hat er mich doch wieder mal endlich gekriegt? Ja, hat er. Das Album bleibt gut und ist tatsächlich ein Anhören mehr als wert.
„What if I can´t get you anything but L..“ ist kraftvoll und zu gleich mit viel Inbrunst gesungen und hat eine freudig los rockende Band im Hintergrund. Es folgt das wundervolle sanfte „Paint the Red Rose Blue“. „Mistook you for a Friend“ , „Magnificent Hurt“ können übersprungen werden. „My most beautiful Mistake“, „The Man you love to hate“, „The Death of Magic Thinking“, „Trick of Truth“ sind wieder besser oder wirklich gut. Wie geschrieben, mit dem Album hat er mich mal wieder gekriegt. (91)

Counting Crows – Recovering the Satellites (1996)
Dies ist das zweite Album der Band um ihren Frontmann Adam Duritz – nachdem sie mit Songs wie „Mr. Jones“ direkt mit ihrem Debütalbum „August and everything after“ in den USA zu großer Bekanntheit kamen, landete dieses Album bei Herausbringung direkt auf Platz 1 der Album-Charts.
Den Stil ihres Debüt hat die Band auch auf das zweite und die folgenden Alben übertragen – zeitloser Singer/Songwriter-Rock mit starken Wurzeln im siebziger Jahre Sound der Bands, die rund um L.A. beheimatet waren. Dabei schaffen Duritz und seine Mitstreiter es sehr gut, jeden Song – egal ob leise oder laut – sehr eingängig und mitnehmend klingen zu lassen und dabei aber auch so gut klingen, dass sie auch den anspruchsvollen Musikhörer gefallen. Damit erschließen sie sich gekonnt einen recht großen Hörer/innen Kreis.
Ich mag auch wirklich diesen zeitlosen Sound, die Emotionalität und das sanft rockende an Songs wie „Catapult“ – das ist wieder Musik wie für mich gemacht, weil ich da alles dran mag – auch wenn die Songs der Counting Crows alle etwas gleich angelegt sind, nimmt da ja jeder Song trotzdem mit und ich fühle mich nie gelangweilt.
Die Band bestand zu der Zeit aus David Bryson (Saiteninstrumente), Adam Duritz (Gesang, Keyboards), Charlie Gillingham (Keyboards), Matt Malley (Bass), Ben Mitze (Drums), Dan Vickrey (Gitarre).
„Angels of the Silences“ rockt mal von Anfang an und ist doch etwas schwungvoller, als das was wir von der Band auf dem Debütalbum gehört hatten. Klingt losgelöst, emotional und nicht hart.
Singer/Songwriterrock der nach Kalifornien und L.A. & San Francisco klingt (wie so viele Songs dieser Band): „Daylight fading“. Hippiepop.
Damit ist eigentlich auch schon alles über den Sound der Platte gesagt – Singer/Songwriter-Rock im Hippierockstyle – sehr amerikanisch, aber mitnehmend. Psychrock will ich es wirklich nicht nennen, weil es einfach so leichtgängig bei den Counting Crows rüber kommt – gibt es Psychpop?.
Und so funktioniert das etwas sanfter angelegte: „I´m not Sleeping“, das im Refrain aber etwas lauter wird und mitreißt. Eine sanfte Ballade folgt auch mit „Goodnight Elisabeth“ (sehr schön).
„Children in Bloom“ hat dann doch mal sogar einen leichten Alternative Rock Ansatz und erinnert mich an Songs von Pearl Jam und The Tragically Hip (also voll mein Sound). Sehr gute Nummer, die aber in der Menge von guten Songs dann etwas schnell ins Vergessen gerät. Versuche sie länger wertzuschätzen.
Solide gerockt: „Have you seen me lately?“. Und damit haben wir erst die Hälfte der Songs des Albums gehört.
Sanfte Ballade: „Miller´s Angels“ – und diese Art fein ausbalancierten und emotionalen Stücke schätze ich sehr, weil sie bei aller Sanftheit auch mitnehmen und trotzdem leicht rocken.
„Another Horsedreamer´s“ – da ist es erschreckend festzustellen, wie einfach es eigentlich ist, mich mit einem Song direkt am Anfang an zu begeistern. Die Zutaten sind seit Jahrzehnten dafür die gleichen – einfach gute Musik – da braucht es noch nicht mal Text oder eine komplizierte Rhythmik für. Es muss nur einfach stimmig sein und mitnehmend. Egal auch wie oft ich ähnliches schon gehört habe – funktioniert bei mir immer.
Titelstück „Recovering the Satellites“ ist ein weiterer gelungener sanfter Rocksong. Und da hört man auch dann die Verbindung zum Folk-Rock und Roots-Rock gut raus. Amerikanische Traditionen werden von den Counting Crows sehr gut in die Gegenwart übertragen.
Kürzere Rockstücke können sie dann doch auch: „Monkey“ und „Mercury“. Der größte Hit des Albums wurde „A long December“ – ist aber auch ein wirklich schönes Stück Musik. Kurzer Rausschmeißer: „Walkaways“.
Zeitlos entspannte und emotionale Rockmusik – mehr will ich manchmal nicht – und damit sind die „Counting Crows“ immer noch eine Lieblingsgruppe.

Ian William Craig – Centres (2016)
Wie gut der Sound eines Hauschka, Max Richter sich mit Gesang verbinden lässt und sich dadurch zum experimentellen Art-Pop wandelt, erlebt man als Hörer direkt am Anfang des Albums von Ian William Craig bei „Contain (Astoria-Version)“. Da fällt der Wegfall von Melodien zum Ende hin kaum auf. Es rauscht und dröhnt in der Musik des Kanadiers recht beeindruckend, doch zieht Craig bei dem Titel den Drone-Part Ende leider auch etwas in die Länge (aber das wenigstens auf hohen Niveau). Der klassisch ausgebildete Sänger (und als dieser vermag er wunderbares) verfremdet beim Gesang seine Stimme was zu dieser Art Musik aber auch durchaus passt. Vom Stil her wird er auch mit Anhoni in einer Schublade geworfen, was aber bei der Platte ein falscher Vergleich wäre, weil die Musik von Anhoni doch viel zugänglicher ist als dass was Craig hier dem Hörer zumeist anbietet.
Was bedeutet eigentlich zeitgenössische Musik oder Kunst? Eigentlich doch nur, dass diese in „Ihrer Zeit“ entstanden ist. Warum macht man daraus immer sofort „Kunst“? Eigentlich ist doch alles was „gerade“ entsteht, zeitgenössisch? Trotzdem hängt dem Wort „contemporary“ immer ein Kunstversprechen an.
Also wenn ein Künstler Musik macht, und dies auch wegen des Anspruchs – so wie es ein Ian William Craig und viele andere machen – bräuchte dies eigentlich einen besseren Namen als nur „Jazz, Klassik, Zeitgenössisch, Art-Pop/Rock. Letztendlich ist es Kunst.
Und Musik wie diese ist schon eine Musik einer anderen Kategorie als Pop/Rock oder Klassik oder Jazz. Da ist der Anspruchsgedanke schon sehr groß und das Hören der Musik geht nicht so einfach nebenbei – schon gar nicht sollte man die ganze Zeit Texte über zeitgenössische Musik dabei schreiben – so rauscht das Musikerlebnis nämlich an einem einfach vorbei.
Der Rausch und das Rauschen, der die Musik eher zum Klangerlebnis macht, als das sie der Struktur eines Liedes folgt, nimmt bei der MusikKunst des Ian William Craig einen großen Platz ein. Und auch wenn es manchmal nur ein experimentelles Klangerlebnis ist, gefällt mir das hier viel besser – als viele Arbeiten im „Drone“ Genre, zudem man dieses Werk auch in großen Teilen hinzuzählen könnte.
Klassische Musik oder Kirchenmusik kommt der Beschreibung der gesungenen Songs am nächsten, da sie etwas unglaublich Sakrales und Erhabenes hat, so wie beim Stück „The Nearness“. Aber auch da wir die Erhabenheit vom Gedröhne am Ende wieder etwas zu lange ersetzt.
Sakral und Kirchlich bleibt es auch bei „Set to Lapse“ - hier mal gut mit experimentellen Klängen verwoben.
Diese Stichwortsammlung kann man Ian William Craigs Bandcamp-Seite entnehmen: grafisch zart, dringlich/raumfüllend, Musik verschiebt tektonische Platten von Vokal- und Tonbandimprovisationen -. Felder ältesten Rauschens, eindringlich: Melodien, kollabierende Antworten, blühende Wolken der Auslöschung/Wiederherstellung. Und die versucht das zu Hörende schon ganz gut zu beschreiben.
Ein paar mehr Song oder Textpassagen würden dem instrumentalen und endlos erscheinenden Klangwellen von Tönen und verfremdeten Chorgesang, so gut und kunstvoll dieser auch von Craig ausgestaltet wird, gut tun – da selbst Klangkunstwerke wie „Power Colour Spirit Animal“ so doch nur eines von vielen anstrengenden Teilen des Albums bleib.
Das Craig es durchaus auch anders kann, hört man erfreut bei „Arrive, Arrive“. Das tatsächlich für kurze Zeit dem Hörer in schönste Musik eintauchen lässt.
Eigentlich ist das nicht Musik zum Hören, eigentlich ist das Musik zum Aufführen in Räumen, als Teil einer Installation – so was denke ich bei solchen Aufnahmen wie „A Circle without having a Curve“ ständig. In einer großen Industriehalle mit Lichtkunst angereichert und vielleicht auch mit Filmbildern dazu, könnten diese Klangwände wirklich ein Erlebnis sein. „Nur zum Hören“ fällt da wesentlich schwerer, da man sich kaum an einer Melodie oder Textpassage festhalten kann. Kunstfertigkeit kann ich dem nicht absprechen, allein zu welchen langen Textpassagen mich diese Musik zu schreiben drängt, ist ja schon das Hören wert.
Vielleicht sollte man aber auch einfach das Doppelalbum nicht in einem durchhören, sondern sich mehr Zeit dafür nehmen. (415)

Crash Test Dummies – God Shuffled his Feet (1993)
Die kanadische Band, bei der die Stimme von Sänger und Gitarrist Brad Roberts wohl das Erkennungsmerkmal ist, hatte ich tatsächlich schon vor diesem Album und dem Song „MMM MMM MMM MMM“ gekannt, da ich auch schon das Vorgängeralbum „The Ghost that haunt me“ gekauft und gehört hatte.
Aber nun lag dieses zweite Album mit dem Superhit auf dem Stapel und so höre ich dies mal wieder – nach zugegeben ziemlich langer Zeit. Dabei mag ich eigentlich den lockeren Folkrock der Band und auch die Stimme des Sängers sehr und natürlich ist „MMM MMM MMM MMM“ unauslöschbar in meinen Hirn eingebrannt.
Netter angenehmer Pop-Rock bieten die Crash Test Dummies direkt mit dem Titeltrack „God Shuffled his Feed“.
Folkig, spaßmachend, locker leicht: „Afternoons & Coffeespoons“. Dann folgt der Superhit der Band: „MMM MMM MMM MMM“ - bleibt unwiderstehlich und gut. Bei dem Stück stimmt aber auch alles – tolle Melodie, einprägsamer Refrain (!) - einfach ein sehr guter Song.
Der entspannte Sound der Band hat schon was für sich – alles hört sich so leicht, locker, freundlich an und ich glaub, auch das ist eine Kunst so was auf die Länge eines Albums hinzubekommen. Und bei „In the Days of the Caveman“ bekommen sie das sehr gut hin – sehr schöner Song und da merke ich auch wie der eine Superhit dieser Platte, alle andere Songs es schwer gemacht hat, überhaupt gehört zu werden oder sich an sie zu erinnern.
Entschleunigend: „Swimming in your ocean“.
Ein wenig flotter gerockt wird bei „Here I stand before you“ - was aber am etwas zu glatt polierten Sound der Band und Platte schon wieder auch nur nett klingt – das ist sicherlich auch ein Problem der Band, denn sie klingen einfach zu freundlich, zu nett und musikalisch bieten sie zu wenig Besonderheiten um mit ihren Songs wirklich mal aufhorchen lassen zu können – dass hat dann wirklich nur „MMM MMM MMM MMM“ geschafft – was die Band sicherlich auch nicht schlimm findet, da sie mit dem Song ja fast alles erreicht hatten von dem viele andere Musiker je geträumt haben – aber so wird man halt auch zum „One-Hit-Wonder“. Dabei ist die Musik auch wirklich nicht schlecht – nur eben fehlt da etwas, dass mich bei vielen anderen Platten eben aufhorchen lässt. Da gefielen mir ein paar Songs auf dem Debütalbum der Band doch wesentlich besser.
Nett ist eben auch „I think I´ll disappear now“. Besser ist da aber mit seinem anfänglichen Drumbeat und den etwas lauteren Gitarren und der lockeren Bassline: „How does a Duck know“. Und auch „When I go out with Artist“ ist ganz gut gelungen. Geht doch. So mittelmäßig ist diese Platte auch wirklich nicht – nur eben wohl kein Album, dass sich lange ins Gedächtnis der Hörenden festsetzt – weil es ähnliche Musik auch zu häufig gibt. Poprock.
„The Psychic“ kommt sogar ein wenig an „MMM MMM MMM MMM“ heran. Wenn die Musik sanfter ist und die Band mehr nach Folk als nach Poprock klingt, passt das auch besser. Auch schön akustisch: „Two Knights and Maidens“. Zum Schluss gibt es was Kurzes „Ohne Titel“.
Unbedingt brauchen tut diese CD niemand. Sie besteht aus „netten“ Songs, die um einen Superhit gebaut sind und dies ist schon so mancher Band/Künstler passiert. Aber wirklich schlecht ist das Album auch nicht – aber um richtig gut zu sein fehlt doch so einiges. (494)

Crowded House – Time on Earth (2007)
Das fünfte Album der Band war erst als Soloplatte von Neil Finn gedacht, doch nach und nach erspielten sich die Musiker während der Aufnahmen ein Bandfeeling, so dass es zu einer Gruppenplatte wurde. Zugängliche zeitlose tolle Songs von einem begnadeten Songschreiber.
Wer Crowded House mit dieser Platte nicht in sein musikalisches Herz schließt, den kann auch nicht geholfen werden. (7)

Spencer Cullum´s Coin Collection (2021)
Spencer Cullum scheint irgendwann in der Zeit stehen geblieben zu sein. Seine Münzsammlung an Songs erweckt eigentlich die Musik der 60er und 70er Jahre, dabei ist vornehmlich der Sound der Singer/Songwriter-Szene aus L.A. herauszuhören. Direkt der erste Song „Jack of Fools“ erweckt aber ebenso die Freude an einem guten Song und dann ist es auch direkt egal aus welcher Zeit er stammt oder nach welcher Zeit er klingt. „To be blinkered“ treibt ein wenig vor sich hin, „Tombre En Merceanux“ klingt nach Kalifornien, Mamas and the Papas, Cosby, Stills & Nash. Nick Drake ist herauszuhören und das vor allem in „Iminent Shadow“. Der frühe Van Morrison und Bert Jansch höre ich bei „Seaside“ durchscheinen. Der wundervolle Songtitel „Dieterich Buxtehude“ gehört zu einer Ode an den Krautrock, bei der das Tempo wie bei Neu! und Can heraufgeschraubt und gehalten wird. Da ich die Fairport Convention noch nicht erwähnt habe – „The Dusty Floor“ = Fairport Convention am Anfang und klassichen psychedelischen Rock am am Ende und in dieser Richtung geht es mit „My Protector“ weiter und erinnert an Pink Floyd. Mit „The Tree“ schließt Cullums Songsammlung mit ein wenig Dylan und sanften Folk die Platte ab. Sehr schöne Zeitreise, die Spencer Cullum auch schon mit einem zweiten Teil fortgesetzt hat. (74)

The Cult – Dreamtime (1984)
Debütalbum von „The Cult“, der Düsterrockband um Sänger Ian Astbury und Gitarrist Billy Duffy. Mein Lieblingssong der Band ist „She sell´s Sanctuary“ vom zweiten Album – so richtig kenne ich bisher nichts anderes von der Band (glaub ich).
Langes Intro und dann wird heftig gerockt, teils sogar recht atmosphärisch: „Horse Nation“. Das ganze Album scheint von den Songtiteln von den Mysterien der Ureinwohner Nord Amerikas und Australiens geprägt zu sein. In der Musik des ersten Songs spiegelt sich das aber weniger wieder – da wird eher ein Mix aus Heavy Metal und New Wave geboten.
Mit etwas Italowestern-Gesang angereichert – aber auch ganz ordentlich gerockt „Spiritwalker“. Den Mix würde ich jetzt als Glenn Danzig trifft auf Simple Minds beschreiben.
Gut, von der Atmosphäre her – das Intro zu „83rd Dream“ - danach - wenn der Song weiter läuft – bin ich etwas unschlüssig. Irgendwie weiß ich, dass zu der Zeit als das Album heraus kam so nicht viele Bands geklungen haben, wie The Cult es taten – also atmosphärischen Heavy Metal (Gothic Rock will ich es nicht nennen, weil dieser für mich was anderes ist). Heute klingen viele Bands so oder versuchen so zu klingen. Andererseits packt mich das Songmaterial auch nicht so ganz – weil irgendwas für mich fehlt. Irgendwie sind Songs wie „Butterflies“ nicht schlecht – in der Schlagzeugarbeit sogar ganz herausragend – aber irgendwie fehlt mir immer was bei den Songs.
Aber dann fängt auch „Go West“ ganz ordentlich an – wird überraschend ruhig – ist aber auch erstmal nicht schlecht – der Refrain rockt dann ganz ordentlich – erster richtig guter Song. Da stimmt viel – ist zwar eigentlich nicht mehr als guter Poprock – aber das ist „She sell´s Sanctuary“ ja eigentlich auch.
„Gimmick“ - New Wave/Heavy Metal – könnte man diesen Mix tatsächlich nennen. Bei dem Song ist dieser Mix schon wirklich sehr faszinierend. Als Alternative Rock will ich es auch nicht bezeichnen, weil dafür der Sound schon wieder zu glatt gebügelt ist.
Dann vielleicht doch eine echte Düsterrock-Nummer falls die Stimmung vom Anfang beim Song „A Flower in a Desert“ ganz durchgehalten wird. Astbury untergräbt das aber mit seiner Heavy Metal-Sänger-Allüren und den dann doch wieder zum Metal hindriftenden Sound.
Fürchterlich gerade zu ist das Titelstück „Dreamtime“ - was für ein Rockkitsch. Ohne ihren Sänger würden The Cult auch tatsächlich mehr nach New Wave und Post Punk klingen – da allein der Gesang die Songs zu Heavy Metal Songs macht – was sie vom musikalischen Unterbau teilweise gar nicht sind. Gut zu hören ist das bei „Rider in the Snow“.
„Bad Medicine Waltz“ bestätigt auch noch mal – das wenn Ashbury etwas ruhiger singt, er einem Glenn Danzig wirklich recht nahe kommt. Aber in dieser etwas langsameren Rocksongvariante gefallen sie mir auch etwas besser.
Das Tempo bleibt auch noch bei „Bonebag“ gedrosselt – fast Wüstenrock. Weil es ganz anders klingt als der Rest, überrascht dann kurz vor Schluss „Sea and Sky“ - Astbury und Band können sogar – wenigstens zu Anfang mal ganz gefühlvoll rocken – dann kommt aber ein schnelleres instrumentales Zwischenspiel und zerstört den guten Eindruck. Sehr schade.
Wie gut die Band eigentlich New Wave-Rock machen konnten, hört man auch wieder gut zu Anfang von „Ressurection Joe“ - aber vielleicht wollten sie einfach nicht wie Simple Minds und Big Country klingen. So bleibt das Album ein ziemlich eigentümlicher Mix aus New Wave und Heavy Metal – den ich weder richtig schlecht noch richtig gut finden kann. Was man „The Cult“ aber zu gute halte kann ist – dass sie anders klangen und auch viele zum nachahmen inspirierten. (524)

Cymbals eat Guitars - Lose (2014)
Das dritte Album (der vierköpfigen Band (Gitarre/Gesang, Bass, Keyboards, Drums) aus New York beginnt mit „Jackson“. Und schon schon das Stück ist ein gutes Beispiel für die Mischung aus verschiedenen Stilrichtunges des Alternativrocks die Cymbals eat Guitars bedienen. Denn der Song ist direkt guter Alternativrock, mit einen kruzen Shoegazin-Intro und ganz viel Emocore-Vibe. Und genau damit punktet eine Alternativband bei mir richtig gut. Gerade Emocore finde ich ja super. Punkiger-Rock, aber mit ganz viel Herz und Gespür fürs Melodiöse gespielt – genauso klingt „Jackson“. Ein wenig mehr nach New Wave gepaart mit Alternative Rock klingt „Warning“. Punk-Rock gefällig (schließlich zählen Pavement zu den Vorbindern der Band): „XR“. Bei „Place Names“ kommt noch ein wenig Prog- und Postrock zum Gemisch dazu und vom Gesang her klingt Sänger Joseph D`Agostino wie ein Bob Mould zur besten Hüsker Dü-Zeit. Das Stück „Child Bride“ ist ein wundervoller Indie-Rock-Song und genau dieser Song (auf einem Sampler gehört) hat mich auf die Band aufmerksam gemacht. Ganz ganz feine Nummer. Gehört in die Playlist und bleibt da.
Schon mit hoher Stimme eines Glam-Rock-Sängers vorgetragen überrascht danach „Laramie“ wieder mit einer ganz anderen Art der Musik. Damit bekommt das Album schon mal viele Pluspunkte, weil es sich als sehr duchhörbar wegen Abwechslungsreichtum erweist. Der Song wandelt sich zur Mitte hin zum Stück im Hüsker Dü-Punkrock-Modus mit PostRock vermsicht.
„Chambers“ hat einen feinen Indie-Pop-Charme. Die Band überrascht einen mit jedem Song aufs Neue und ich bin wiedermal hell auf begeistert beim Hören. „LifeNet“ klingt ein wenig nach Buffalo Tom, aber mit etwas mehr Eupohrie gesungen. Und dann endet die CD mit „2 Hip Soul“ eigentlich viel zu schnell. Der Song ist nochmal etwas epischer und länger geraten und ist sanfter Indie-Rock mit emotionalen und stimmgewaltigen Ende.
Super Alternativ-Rock-Album und es ist total schade, dass die Band leider kaum jemand kennt (knappe 8000 Hörer auf Spotify monatlich) und sich die Band dann nach vier Alben aufgelöst hat. Die restlichen drei Alben, werde ich mir auf jeden Fall aber auch anhören und sie jedem empfehlen der guten Alternativrock mag. (372)