
Der wirklich wahre Song-Contest. Um die 17.000 Songs (Zahl steigend) aus der langen glorreichen Musikgeschichte treten Woche für Woche durch ein Zufallsgenerator generiertes
Verfahren gegeneinander an. Ihr habt die Qual der Wahl. Denn nur die Songs mit den "meisten" Stimmen - werden in die nächste Woche wieder erscheinen. Haben 5 Songs zum Beispiel nur eine Nennung bekommen - dann kommen diese 5 Songs weiter. Haben aber 4 Songs nur eine Nennung bekommen, aber einer 2 kommt nur der Song mit den zwei Stimmen weiter. Es ist nicht kompliziert - es ist sehr schwer sich Woche für Woche durch zu setzen (fast unmöglich - wie sich gezeigt hat).
Playliste der Redaktionslieblinge aus den bisherigen Hitparde-Wochen - ist ja alles Geschmackssache!
https://open.spotify.com/playlist/4oNzK12npnGx31laU9sMAX?si=5940cd91363b42ef
Power of Song - Die Hitparade
bis Samstag 21.3., 23.59 Uhr abstimmen
Woche 41
Regel:
Ihr habt eine Woche Zeit zur Stimmabgabe und müsst drei
von zehn Songs auswählen, die Euch besonders gut gefallen haben. Teilt Eure drei Songs mir mit einer Mail an „Info@powerofsong.de“ mit.
Somebody already stole my Heart – Sade
Plush – Stone Temple Pilots
Widow – Working Men`s Club
What It's Like – Everlast
Turn it on again – Genesis
Grace Cathedral Park – Red House Painters
Songs About You – Peter Stuart
The Murder of Love – Propaganda
Ich variiere meinen Rhythmus – Die Sterne
Daddy´s Song – Tony Childs
Spotify
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YouTube-Links
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Deezer-Playlist
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17.03.26
Bruce Springsteen – Tunnel of Love (1987)
Nach der „Born in the USA“ und der monumentalen Livebox hatten die Hörer und das Label vielleicht doch mit einem weiteren Album mit Songs zum abfeiern gerechnet. Aber der Boss macht sein eigenes Ding und bringt ein eher ruhiges Album zum Thema „Liebe“ heraus. Ich habe es lange und auch nie so richtig am Stück konzentriert durchgehört, also wird dies eher ein Neuentdecken als ein Wiederhören werden.
Aber „Ain´t got you“ ist schon noch ein flottes Roots- und Blues-Stück. Nimmt mit und wird von Springsteens Stimme allein vorangetrieben. Danach folgt ein Song, der schon Single-Qualität aufweist – aber eben im heruntergefahren Tempo und als Liebeslied: „Tougher than the Rest“. Nach heutigen Maßstab wirkt die Produktion des Songs heute schon fast etwas steril. Das die ganze Zeit den gleichen Rhythmus spielende Schlagzeug und die Keyboards sind dafür glaube ich die Hauptursache und im Pop- und Rockbereich waren eben die Endachtziger und frühen neunziger Jahre schon gerade bei den bekannteren Musikern dieser Zeit die Produktion halt eher harmlos – halt professionell auf Singleniveau – dafür fehlt es aber an Ecken und Kanten auf diesen Platten und dies selbst bei Blues-Platten. Aber in dieser Zeit klangen alle großen Stars gleich, egal ob Tina Turner, Joe Cocker – alle schienen den gleichen Produzenten und die gleiche Studioband zu haben (auf jeden Fall kommt mir dies im Nachhinein so heute vor).
Mit etwas Rock`n`Roll gemixt macht das dann aber wieder Spaß: „All that Heaven will Allow“.
Und mit „Spare Parts“ wird dann doch richtig gerockt. Also so ruhig ist das Album dann doch nicht. Und neben „Ain´t got you“ ist „Spare Parts“ ein weiteres Highlight für Rootsrock-Freunde.
Country-Ballade: „Cautions Man“.
Das „Walk like a Man“ nicht als Single ausgekoppelt wurde, bleibt auch ein ewiges Rätsel – ist mit der eingängigste Song der Platte, sehr schön und ein Song für die Ewigkeit und um Längen besser als „Tougher than the Rest“.
Gleiches gilt für das Titel-Stück „Tunnel of Love“ – das von der Qualität auch problemlos mit den Hits von der „Born in the USA“ mithalten kann. Ganz solider und guter amerikanischer Rock.
Gute Songs gibt es auf jeden Fall zu genüge, denn auch „Two Faces“ bietet alles was es für einen guten Springsteen-Song braucht.
Auch eine ordentliche Single-Auskopplung: „Brillant Disguise“. Heartlandrock pur.
Es folgt mein Lieblingsstück der Platte: „One Step Up“ – soooooo schöön.
Nächste Roots-Nummer mit Countryeinschlag: „When you´re alone“. Und sehr sehr schön auch am Ende: „Valentine´s Day“.
Ein sehr ordentliches und solides, typisch amerikanisches, meist dann doch sanftes Album mit einer ganzen Reihe von guten Song. Für mich ein sehr gutes Bruce Springsteen Album. (674)


16.03.26
Emil Amos - Zone Black (2023)
Eigentlich bringt Emil Amos seine Musik unter den Namen „Holy Sons“ heraus. Wikipedia bezeichnet seine Musik als Avantgarde. Außerdem ist er Mitglied der experimentellen Rockgruppe „Grails“.
Das erste Stück „Moving Taget“ klingt fast wie eine Titelmusik für eine Mysterie- oder Gruselserie. Instrumental, erst ein wenig nach Trip-Hop klingend, dann aber wird daraus doch noch ein gutes instrumentales Stück anspruchsvollere Musik. Richtig lang ist auch keins der dreizehn Stücke geraten. Als Fan von elektronischer Instrumentaler Musik nimmt mich das zweite Stück „Theme from my personal Prison“ sehr gut mit. Und da Amos nicht nur elektronische Klänge, auch Gitarre und anders nutzt, wirkt dieses Stück auch nach mehr. Und es ist eingängig – nicht experimentell und so wirklich zugänglicher als es das erste Stück des Albums erwarten lies. Ein Highlight.
Bei „Zone Black“ wird dann auch wirklich deutlich, dass trotz der relativen kurzen Spielzeit Emil Amos diese Stücke nicht nur als Lückenfüller konzipiert hat – denn in dem Stück passiert eine ganze Menge.
„Bad Night at Cowboy“ fängt experimentell an, wird dann doch zum wieder mit Beats gefüllten ruhigen Stück Ambient-Musik. Und da ja mittlerweile jeder weiß, dass mich elektronische Musik die in nie enden scheinenden Stücken gehüllt ist und in deren Laufzeit leider viel zu wenig passiert, eher ärgert – der kann verstehen, warum ich mich über kurze Stücke, die nicht langweilen, freuen kann. Wenn die Geschichte oder die Songidee auserzählt ist, dann mach Schluss.
Und so genieße ich diese Stücke, die nach Soundtrackmusik klingt – die aber für sich selbst auch stehen kann – hinzu begeistert mich auch der Wechsel von Stimmung und Atmosphäre. Wer die Soundtrackmusik eines John Carpenter gerne zusammen mit aktueller elektronischer Musik gekoppelt hören möchte, ist bei Emil Amos genau richtig – da höre man nur „Red Palms“.
„Jealous Gods“ hat sogar kurze Gesangspassagen, bei dem ich aber das Gefühl habe, dass er wirklich zu kurz ist, für das was er eigentlich alles anbieten möchte – nur eine Skizze für ein einen leider unvollendet scheinenden Song.
Da ist dann das sehr gelungene „Interloper #1“ doch sehr meins und das Stück sollte wirklich mal so mancher Shoegaze und Drone-Musiker hören – damit diese vielleicht mal merkt, dass in der Kürze und wenn man es dann doch mit etwas zugänglicheren Melodien verziert, ein Song doch viel mehr Wirkung haben kann, als das, was mir doch manchmal versucht wird, als Musik zu verkaufen.
Die Miniaturen die Emil Amos seinen Hörer anbietet und viel mehr sind als Miniaturen – denn die meisten sind schon ausgefeilte Songs – so wie „Zone Bleu“ - sind einfach gute Musik und ich hoffe, dass diese Songs noch von mehr Hörer/Innen entdeckt werden – denn als Geheimtipp – sollte solche Musik wirklich nicht gelten.
„Staic Mist“ ist sanfter Ambient. „Static Mist 2“ auch – aber etwas düsterer gehalten. Das erinnert auch an Post-Rock-Bands wie Mogwai und Explosions in the Sky.
Treibend und da auch an Industrial-Ghotic-Musik erinnernd – aber sanft zu Ende geführt: „Realistic #1“ – da hört man auch wie viele musikalische Elemente Emil Amos in der Lage ist zu einem einzigen Stück zusammenzufügen.
Zum Schluss – dann wieder Ambient-Klänge: „Blue Palms“.
Sehr gute Entdeckung. Wer Soundtrack-Musik, Instrumentale Musik mag, die etwas in Düsternis getaucht ist wird von Emil Amos sehr gut bedient. Wer die Musik von John Carpenter und Vangelis mal miteinander verbindet hören möchte – sollte da mal hineinhören. Tipp.
13.03.26
Pulp – More (2025)
Bisher war ich kein Fan von „Pulp“ – irgendwie nervte mich ihr Britpop im Gegensatz zu Blur oder Oasis doch immer ein wenig zu sehr. Aber da alle so voll des Lobes für das Comeback-Album sind, gebe ich der Band und Platte mal eine Chance.
Bei der Recherche zuvor war ich erstaunt darüber, dass Pulp schon seit 1983 Platten machten und erst wohl durch die Britpop-Welle in den 90ern größer bekannt wurden. Bekannt war mir natürlich das Jarvis Cocker das Mastermind der Band ist und wohl nicht minder bekannt sein dürfte als Damon Albarn und die Oasis-Brüder.
„Spike Island“ könnte man als sich zurückhaltenden Power-Pop mit einem Schuss Melancholie bezeichnen, entwickelt aber im Refrain auch Single-Potenzial. Die Stimme von Cocker klingt gereift. Schon ein richtig guter Anfang.
Sehr gut auch das abwechslungsreich gestaltende „Tina“ – Das hat auch 70er-Charme – teils nach David Bowie klingend. Aber super produziert, arrangiert und ohne jegliches Britpop-Klischee – einfach auch ein richtig guter Song.
Nach den zuvor entdeckten und mich begeisternden neuen Platte von „The Mountain Goats“ scheint mir, nachdem mich auch das dritte Stück „Grown Ups“ mitnimmt, dass dies direkt ein weiteres Album ist, das ich noch viel viel öfters hören werde. Das ist einfach genau wie bei den Mountain Goats zeitlos gute Musik – zwar sehr geerdet in der britischen Musik der frühen und späten 70er - was aber auch daran liegt, das mich Cockers Gesang, wenn er auf Rockstar macht, mich immer an Bob Geldorf zur Zeit der „Boomtown Rats“ erinnert. Aber diese Musik – so gut – macht wirklich großen Spaß zu hören.
Hinzu kommt, dass das Album auch abwechslungsreich ist und mit „Slow Jam“ dann das Tempo mindert – an der guten Qualität sich jedoch nichts ändert. Denn das hat Pop-Song-Feeling mit einer ganz besonderen Note – vielleicht Brit-Soul.
Auch die Club-Ballade mit Orchester ist einfach nur gut: „Farmers Market“.
Nochmal zurückhaltender Power-Pop: „My Sex“. Irgendwie gelingt es Pulp viel was wir aus den 70er und 80er Jahre an Musik kennen, in die Gegenwart zu transportieren ohne dass es sich alt anfühlt – aber man sich trotzdem an all die Musik dieser Jahrzehnte erinnert.
Disco-Feeling gibt es dann sogar mit „Got to have Love“.
Aber die etwas zurückhaltenden Songs wie „Background Noise“ – das hat zwar auch, und nicht als einziger Song der Platte immer etwas Chanson-Pathos – aber es passt dann einfach zu den Songs. Ich glaub das etwas „Überzogene“ bei früheren Pulp-Hits – war auch das was mich immer abgeschreckt hatte – aber da ich wohl mit Jarvis Cocker gereift bin – mag ich das jetzt. Zum guten Pop gehört wohl ein Schuss Theatralik wohl auch mit dazu – nicht immer – aber….
„Partial Eclipse“ ist einfach zeitlos schön – vom ersten Takt an. Auch eine tolle Ballade: „The Hymn of the North“ (mit Chilly Gonzales).
Ruhig und charmant wird das Album mit „A Sunset“ beendet.
Musik, die ab und an Theatralik und Pathos einsetzt – es mit diesem Comebackalbum damit aber nicht übertreibt – sondern wohl dosiert abliefert. Ansonsten eine kleine Zeitreise in Sachen Musik als diese noch unkompliziert und anspruchsvoll war und auf große Gefühle setze. Aber eigentlich kann man das auch wieder ganz einfach als gute Songs und gute Musik beschreiben. Das ist es nämlich: ein sehr gutes Album mit guten Songs. (672)

10.03.26
The Mountain Goats – Through this fire across from Peter Barden (2025)
Das Album mit einer Ouvertüre „Overture“ zu beginnen ist eine feine Sache und die Ouvertüre ist dann auch noch sehr gelungen und belegt, dass sich die „Montain Goats“ doch von ihren einfachen Singer-Songwriter-Indie/Songs musikalisch mehr als ein wenig weiter entwickelt haben. Ihre Musik besteht nicht mehr nur aus Gitarre/Bass/Gesang, sondern hat auf diesem Album schon etwas Power-Pop-Format. Auf jeden Fall ist das sehr schöner Indie/Alternative-Singer/Songwriter Musik und „Fishing Boat“ funktioniert wie ein guter Lambchop-Song und die Stimme von John Darnielle hat auch was von Kurt Wagner. Die Songs bilden eine Art zusammenhängende Geschichte über ein gekentertes Schiff und der Erzähler ist der Kapitän – ich bin vor allem vom kraftvollen schon orchestral wirkenden Gesamtsound des Songs beeindruckt. Aber der Stil wird vom nächsten Song „Cold as Night“ gebrochen, der ein sehr gelungener Rocksong ist. Mit „Dawn of Revelation“ wird einfach weiter gerockt. Aber auch gut und und sogar im Verlauf recht ungestüm werdend.
Wieder sanfter und dann auch wieder in der Art von schöner AltCountryFolk „Your Bandage“ und schon jetzt bin ich von dem Album begeistert und freue mich das ich den „The Mountain Goats“ jetzt auch mal so richtig ein ganzes Album lang zuhören. Ein paar der Songs von ihnen hatte ich schon lange in der Playlist, aber zum Alben-Hören bin ich bisher nicht gekommen – und wenn ich jetzt mir noch den ganzen Backkatalog der Band anhören möchte, hätte ich sehr viel zu hören.
Wunderschön einfach „Peru“ – ganz toller Song – fängt mich mit seiner Leichtigkeit sofort ein – kein Indie, kein Rock – einfach ein fantastischer Song.
Auch „Through the Fire“ höre ich sehr gerne und meine Begeisterung für das Album steigt noch immer stetig an – Musik für mich!
Sehr schön und fast „süß“: „Rocks in my Pockets“. Da folgt ein guter Song auf den anderen. „Armies of the Lord“ - und ich bin wirklich betört von der wundervoller Musik. Das sind einfach gute Songs und von einer unglaublichen Qualität ohne sich irgendwie dabei aufzudrängen – gute Songs = gute Musik.
So sanft, so gut, total schöne Musik: „Your Glow“.
Ja, wer „Lambchop“ mag, mag einen Song wie „The Lady from Shanghai 2“. Am Ende der Platte doch noch mal ein sehr rockender Song: „Broken to begin with“.
Super Album!

06.03.26
Bigbang – Frontside Rock´n´Roll (2002)
Bigbang ist die Band von Øystein Greni (Gitarrist, Sänger, Songschreiber) und wird als die beste Liveband Norwegens bezeichnet und „Radio Radio TV Sleep“ ist das meistverkaufte Live-Album das jemals in Norwegen veröffentlicht wurde. In Deutschland sind Bigbang weitgehend unbekannt und ihre Veröffentlichungen sind auf physischen Musikträger nur schwer zu bekommen (Download zu bekommen ist da einfacher). Außerdem gibt es noch eine koreanische Band mit gleichen Namen und das sich die Band mal „Bigbang“ dann wieder „Big Bang“ schreibt, macht die Suche nicht einfacher und deshalb besitze ich auch eine CD der koreanischen Band mit gleichen Namen (zum Glück keine schlechte Musik). Bigbang machen Rockmusik.
Wie gut einfach Rockmusik ist – selbst im klassischen Sound gespielt – das beweisen Bigbang direkt mit „One of a Kind“. Klingt schon fast als ob jemand den klassischen Motown Records-Sound auf Rock statt Soul anwendet. Neo-Rock – aber so richtig gut gemacht.
Treibender Rockorgel- und Bass-Sound treiben „Fire and Oil“ gnadenlos voran, während der Gesang an The Doors erinnert. Trotzdem klingt der Song nicht „alt“ und ich glaube, mit dem Song können auch Fans von Motorpsycho und Psychrock-Freunde im allgemeinen was anfangen. Ein Freund bezeichnete die Musik von „Bigbang“ mal einfach als Stromgitarrenmusik.
Herausragender Garagen-Rock: „Heaven and Stars above“. - Die Band um Øystein Greni sind wirklich grandiose Rockmusiker und hätten wirklich es verdient, auch über die heimischen Landesgrenzen hinaus bekannt zu sein. Aber so manche von mir als „grandios“ bezeichnete Band bleibt eher unentdeckt – warum das so ist – wird mir nie verständlich sein – denn gute Musik müsste/sollte sich eigentlich immer durchsetzen können.
„Spiritual Heart Surgery“ bringt ein wenig Folkrock in den Mix der Platte. Wer guten 70er Jahre Rock liebt wird dieses Album einfach lieben müssen – denn Bigbang bringen diesen Sound einfach mit guten neuen Songs zurück und beweisen wie zeitlos diese Musik ist.
Wüstenrock: „Liquid Gold“. Zu Anfang eher langsam, baut damit eine spannende Atmosphäre auf: „Mercedes“.
Mit Chorgesang am Anfang (!): „Where the World comes to an End“ – doch wenn der Chor verstummt, wird wieder richtig gerockt!
Sehr schön und mit Soul/Blues-Feeling: „Earphones“. Mit Akustik-Gitarre und dabei und sanfter: „The Elephant Man“ – was für Dylan/Young-Fans.
Verstecktes Titelstück „Frontside Rock´n´Rol“ – nochmal sehr auf Atmosphäre setzend und ein sehr guter Song.
Wer seinen Rock klassisch, fast schnörkellos und ohne Alternative-/Metalzugabe liebt – sondern es eher gradlinig, aber sehr gut gespielt mag (also einfach „rockend“) – macht mit „Bigbang“ nichts falsch. Dieser Rock funktioniert immer. (670)


04.03.26
Sly & Robbie – Rythem Killer (1987)
Ich kenne kaum ein vergleichbar gutes Album aus den 80er Jahren, dass mit Funk, Rap, Rock, Elektronische Beats so abwechslungsreich umgeht und mich dabei von Minute eins bis siebenunddreizig einfach mit diesem unglaublichen Mix und dieser tollen Produktion von Bill Laswell so begeistert. Drei Songs pro Plattenseite, die meist ineinander übergehen. Sechsundreizig Minuten einfach nur Musik die einen wegfegt. Zwar lange nicht gehört – aber in meiner Erinnerung ist es eins der besten Platten der zweite Hälfte der 80er und etwas vergleichbares habe ich leider seit dem in dem Sektor „Funk & Reggae“ nicht mehr finden können (habe bei diesen beiden Musikgenre aber auch ein stark begrenztes Wissen). Wer etwas Vergleichbares kennt, bitte melden.
Mal hören, ob dieses Album auch die Zeit so gut überdauert hat, und ob es wirklich so gut ist, wie ich mich dran erinnere.
Als Musiker sind Sly & Robbie eigentlich Bassisten und Schlagzeuger, Komponisten und Produzenten. Als Sänger haben sie Bootsy Collins und vier weitere Sänger auf dem Album singen lassen. Auch ansonsten werden sie bei den Aufnahmen durch insgesamt neun weiteren Musikern, sowie Bill Laswells Band „Material“ unterstützt.
Spaß macht direkt „Fire“. So wie bei diesem Stück, macht Funkrock einfach nochmal richtig Spaß. Das ist toll produziert, der Sound und der Schwung überträgt sich direkt auf mich als Hörer. Wäre „Funk“ immer so gut – wäre ich sicherlich ein größerer Fan dieses Genre. Und auch „Let´s Rock“ saugt mich mit seinen Schwung ein. Und das ist eben nicht nur reine Funk-Musik. Dass ist ein unwiderstehlicher Mix aus Funk, Rock, Pop und von den Soundideen, den Klang der Schlagzugs, die Streicher, die Stimmungswechsel – da stimmt alles und es begeistert mich auch jetzt so richtig wieder perfekte Crossover-Musik.
Und auch für Dub-, Rap- und Fans von elektronischen Tanzbeats ist das Album sicherlich zu empfehlen. Weil der Ideenreichtum der Produzenten und Komponisten, das Können der Musiker einfach so überragend ist und „Yes we can can“ haut mich einfach wieder total um. Riesig.
Der Dub-, Reggae-Charakter für den die Musiker Sly & Robbie eigentlich bekannt sind, kommt am stärksten beim Titelstück „Rhythem Killer“ zur Geltung.
Die zweite Hälfte des Songs und der Übergang in den Song „Bank Job“ haut mich einfach um. Bin wieder total verliebt in diese Platte – das macht so einen Spaß.
Ich muss mich doch nochmal mehr mit Bootsy Collins, James Brown und Co beschäftigen. Mit George Clinton hatte ich es damals in den späten 80ern mal versucht – aber da war der Funke einfach nicht übergesprungen. Ich mag auch das „Mother Milk“ Album der Chili Peppers nicht so richtig – da ist auch erst beim Album danach der Funke übergesprungen. Von Bill Laswells Band „Material“ habe ich aber zwei Alben.
Das Album wird auch nie langweilig – weil die Musik auch immer genug Abwechslung bietet – so auch „Boops here to go)“ – der auch ein kleiner Single-Hit war. Der Song ist sehr verspielt – und nochmal einen verstärkten Rap- und Dub-Einsatz.
Ganz großartiges und wirklich einzigartiges Album. Ein Album, das zeigt, dass man den Tanzflächen nSound der 70er & 80er auch sehr überwältigend, abwechslungsreich und ohne zu langweilen auf eine Albumlänge packen kann. So gemacht, wäre sicherlich der eine oder andere „Extended-Mix“ auch heute noch viel besser zu hören. (669)
03.03.26
Sam Brown – Stop! (1988)
Pop, Blues, anspruchsvoller Rock, Soul und Jazz all dies sind Musikrichtungen in deneb sich die stimmgewaltige Engländerin Sam Brown bewegt. Die meisten Hörer werden sie als One-Hit-Wonder mit dem Titeltrack dieser CD/LP mit Namen „Stop!“ her kennen und auch schnell wiedererkennen. Noch weniger Hörer werden das großartige zweite Album der Sängerin kennen, welches ich viel öfters gehört habe als ihr Debüt – aber nun will ich dieses nach langer Zeit auch mal wieder durchhören.
Mit dem einfachen Rocksong „Walking back to you“ beginnt das Album recht flott und ich finde, der Sound des Albums ist sehr gut gealtert oder eben kaum gealtert. Und mit dem Song beweist Sam Brown, dass sie mit ihrer Stimme schon mal als Rockröhre keine schlechte Figur macht.
Musikalisch wird das Album aber mit dem zweiten Stück „Your Love is all“ interessanter – weil es ein beachtlicher Song ist, weil er anspruchsvollen atmosphärischen dichten Rock bietet. Mit dem Song spielt sich Sam Brown in eine andere Liga.
Der Hit „Stop!“ paart den Rock mit Blues und Soul und auch dafür ist Sam Browns Stimme einfach geschaffen. Damit wurde Sam Brown zum One-Hit-Wonder.
Etwas ungewöhnlicher arrangiert und deshalb auch sehr gut gealtert – und da merkt man auch wie anspruchsvoll und jenseits vom üblichen Pop manche Songs funktionieren: „It makes me Wonder“. Leider sind mir zuvor diese Stücke alle anscheinend nicht aufgefallen oder zu kurz im Gedächtnis geblieben. Dafür ist das jetzt ein sehr schönes Wiederentdecken.
Bei „This Feeling“ ist sogar David Gilmour an der Gitarre zu hören. Der Song ist sehr guter Singerin/Songwriterin-Rock und auch etwas folkig gehalten. Sehr schön auch.
„Tea“ ist nur ein kurzes Zwischenspiel. Aber sehr lustig!
Und wirklich wieder außergewöhnlich gut von Anfang bis Ende ist das etwas jazzige „Piece of my Luck“. Da erinnert die Musik auch an die Alben von Sting, die dieser zur selben Zeit (späte 80er) gemacht hat – und die ich ja auch sehr mag.
Blues Rock: „Ball and Chain“. Immer wenn die Produktion und die Songs mehr anbieten als gewöhnlichen Pop/Rock entwickeln die Songs des Album direkt eine ganz eigene Qualität – so auch das mit Synthesizer versetzte Rockstück „Wrap me Up“. Klingt zwar auch sehr nach 80er Jahre macht aber so eine ganz Menge Spaß es zu hören.
Atmosphärischer melancholischer Lovesong: „I´ll be in Love“. Art-Rock und hat was von Kate Bush: „Merry go round“. Gefällt mir sehr gut.
Die Vinyl-Ausgabe endete mit dem sanfteren Poprock-Song „Sometimes“.
Die CD-Bonus Songs beginnen mit der Marvin Gaye-Nummer „Can I get a Wittness“ – das ist dann aber eine einfach zu oft gehörte leichte Blues-Rock-Pop-Nummer und langweilt – und da wollte das Platten-Label wohl nur sicher gehen, dass sie falls die Album-Tracks als Single nichts taugen, sie noch eine weitere Single parat hätten – aber der Song passt so gar nicht zu den Songs, die zuvor gespielt wurden und ist richtig ärgerlich und wird aus meiner Playlist direkt rausgelöscht. „High as a Kite“ ist zwar eine Eigenkomposition – aber auch auf charttauglicher Pop-Song getrimmt und fällt auch durch. Als letztes versucht sich Sam Brown dann auch noch an „Nutbush City Limits“ von Ike & Tina Turner. Da sie dem Original sehr treu bleibt – geht es – aber es hat auch so gar nichts mit dem Songs des eigentlichen Albums zu tun und ist deshalb auch keine weitere Bereicherung.
Tolle Wiederentdeckung – bis auf das rockige „Walking back to you“ und das Bluesrockstück „Ball and Chain“ präsentiert Sam Brown ein außergewöhnliches Debütalbum, auf dem der Überhit „Stop!“ noch nicht einmal der beste Song ist. Auch an den folgenden Alben bin ich jetzt wirklich interessiert. (668)


02.03.26
Neu! - Neu! (1972)
Sowohl für die elektronische Musik als auch für den Krautrock ist dies sicherlich ein früher Meilenstein. Das liegt vor allem am ersten Stück „Hallogallo“ – weil es ganz viel davon hat, was elektronische Musik, instrumentale Rockmusik ausmacht hat. Das gleichmäßige Gitarrenspiel wirkt wie ein Sequenzer und die nach Synthesizer-Klänge klingenden drübergelegten Sounds schmiegen sich über die Musik und geben dem Song einen sehr elektronischen Klang. Durch die Gitarre hat der Song aber einen ganz schönen Drive und nimmt mit. Und mich nimmt „Hallogallo“ immer mit.
„Neu!“ bestand vor allem aus Klaus Dinger und Michael Rother, die gerade „Kraftwerk“ verlassen hatten und schnell gemeinsam neue Musik aufnahmen. Die Aufnahmen zu diesem ersten „Neu!“-Album wurde an vier Tagen in einem Studio in Hamburg aufgenommen und produziert von Conny Plank.
Für den elektronsichen Klang des Stücke des Albums sind wohl auch rückwärts abgespielte Tonspuren und der Einsatz von sogenannten „Echoplex“ verantwortlich.
Laut Wikipedia wurde kein Synthesizer benutzt sondern Gitarren, Bass und ein Instrument Namens „Taishogoto“ (Japanisches Banjo), welches, als Dinger es mit im Studio brachte, die produktive Phase der Studioarbeit einleitete. Elektronische Musik ist das natürlich auch, weil sicherlich mit den E-Gitarren und dem E-Bass natürlich verstärkte und veränderte Gitarrentöne gespielt wurde und zu hören waren – muss ja nicht alles immer von Tasteninstrumenten und frühen Computern gekommen sein. Und gerade bei Michael Rother und Manuel Göttsching sind dies die Instrumente für ihre doch oft „elektronische Musik“.
„Sonderangebot“ ist recht experimentell gehalten und ein kurzes Zwischenspiel. Das längere „Weissensee“ hält das experimentelle zu Anfang bei, wird dann aber zu einen gemächlichen instrumentalen Rocknummer, die schon etwas an Pink Floyd erinnert.
Seite Zwei beginnt mit „Im Glück“ und das ist so ruhig, das es auch als Ambient zu bezeichnen wäre.
Erst mit „Negativland“ bekommt die Platte so etwas wie einen zweiten Schub. Auch dieses ist ganz zu Anfang experimentell, doch schnell setzt ein ruhiger Rockrhythmus ein, der wie bei „Hallogallo“ wieder mit Effekten verziert wird. Aber es ist eben der Rockrhythmus wieder, der zwar sehr gleichbleibend ist, aber einen so fesselt, dass man das über die längere Distanz bis zum Songende gerne im Kauf nimmt, aber in der Mitte kommt der Song fast zum Erliegen, nimmt dann aber doch wieder an Fahrt auf und kurz vor Ende wird auch das Tempo mal verschärft. Bei dem Stück erinnert der Sound der Band aber mehr an Krautrock-Kollegen von „Can“ als an frühe elektronische Musik.
Abschließend gibt es mit „Lieber Honig“ so was wie ein Einschlaflied mit ziemlich schrägen Gesang von Klaus Dinger und am Ende wird es zu einer Geräuschsammlung.
Fazit: Natürlich ist der Sound von „Hallogallo“ und „Negativland“ ungebrochen aktuell und so kann man das Album schon als visionär ansehen. Klaus Dinger und Michael Rother haben sich damit auf jeden Fall einen Platz in den Chroniken des Krautrock- und der Elektronische Musik gesichert. Aber um jetzt ein Meisterwerk zu sein – überzeugt mich einfach der Rest des Albums zu wenig. 667
27.02.26
Nina Simone – The Amazing Nina Simone (1959)
Nina Simone, eine Sängerin wie keine andere – eine Legende, zeitlos und immer gültig sind ihre Songs.
Die zweite Platte folgte im selben Jahr wie ihr Debütalbum, dass noch von einem anderen Plattenlabel herausgebracht wurde – doch enttäuscht von der fehlenden Unterstützung durch das Label wechselte Nina Simone zu „Colpix“.
Direkt mit „Blue Prelude“ und der herrlichen Jazz-Stimmung, ihr genialer Gesang beweist Nina Simone, warum sie eine der besten Sängerinnen im Jazz und überhaupt ist. Das ist einfach vom ersten bis zum letzten Ton großes Kino, ein Ereignis und erinnert an eine James Bond-Titelmusik.
Gospel, Soul – wunderbar und schwungvoll: „Children go where I send you“. Ganz großartig, nimmt mich mit all seinen Schwung einfach nur mit.
„Tomorrow (We will meet once again)“ – sehr ernsthafte Ballade und sehr melodramatisch vorgetragen. Nimmt den Schwung, aber lässt das Album sehr abwechslungsreich erscheinen.
Beschwingter „Stompin´at the Savoy“. Die Orchesterbegleitung lassen das Album und Stück auch wie Filmmusik erscheinen – von den Arrangement erinnert es doch stark an Hollywoodfilme der 40er bis 60er Jahre.
Sehr fein und lieblich – Musik wie für eine leichte Komödie „It might as well be Spring“. Blues und Orchester-Arrangement treffen bei „You´ve be gone to long“ aufeinander. Durch die häufigen Stimmungswechsel bleibt das Album zwar erfreulich abwechslungsreich, aber so richtig bilden die Songs aber auch keine Einheit – wirken eher wie ein Songsammelsurium, ein BestOff um den Hörer zu beeindrucken.
Das funktioniert zwar auch, aber es zeigt sich eigentlich eher bei den Jazz-Balladen wie großartig und amazing Nina Simone und ihr Gesang ist. Neben „Blue Prelude“ und „Children go where I send you“ ist sicherlich „That´s him over there“ ein echtes weiteres Highlight der Platte.
„Chilly Winds don´t blow“ zerstört da wirklich mit seinen Schwungvollen schon fast mit Rock´n´Roll-Feeling gespielten Gospel doch etwas die vorher entstandene Stimmung. Also tatsächlich ein Abzug trotz all der musikalischen Klasse für die Songauswahl. Was aber auch an der Zeit liegt – da wurden eigentlich eher Singles produziert und eine Platte war da nur eine Ansammlung des Singlematerial.
Die sanften Stücke sind aber alle sehr beeindruckend: „Theme from „Middle of the Night“.
„Can´t get out of this Mood“ – swingt dann wieder. Meist folgt aber auf ein schwungvolles Stück wieder ein ruhiger, so ist auch wieder „Willow weep for me“ wieder mehr elegant als schwungvoll.
Das letzte Stück ist „Solitaire“ – eine beeindruckende Jazz-Ballade.
Am Ende ist man natürlich trotzdem von Nina Simone trotz der Schwächen in der Songauswahl weiterhin beeindruckt – weil sie eben schon auf ihren ersten Platten beweist, wie großartig sie ist. - 666


26.02.26
Jackson Brown – World in Motion (1989)
Ich habe das Album seit langem (geschätzt seit dem Erscheinen) und mochte es immer gerne, aber irgendwie habe ich mich nie mit dem wohl sehr viel bekannteren Frühwerk von Jackson Brown beschäftigt, noch mit den Alben danach. Und auch dieses Album habe ich lange Zeit nicht mehr gehört – entdecke mir also den Künstler Jackson Brown jetzt noch mal neu.
Das Album wurde in einem Zeitraum von drei Jahren Produziert und es halfen im Studio dabei zahlreiche Gastmusiker wie Sly & Robbie, Salif Keita, David Lindley, Bonnie Riatt und Singer/Songwriter-Kollege David Crosby.
Was direkt beim Titelstück „World in Motion“ auffällt, ist, dass das Album einen gutes Rockfeeling hat – und nicht jetzt nach dem L.A.-Singer/Songwriter-Alben der 70er klingt. Vom Sound erinnert das eher an Billy Joels „Stormfront“ Album. Und genau wegen dieses Rocksongfeelings mag ich diesen Song und der Sound des Songs gefällt mir auch – weil er doch etwas mehr bietet als so manch andere Pop-Rock-Alben der späten 80er. Der Song klingt recht zeitlos.
„Enough of the Night“ habe ich immer beim Hören geliebt – der Song hat einfach diese wunderbare Pop-Rock-Leichtigkeit. Liebe ich immer noch.
Viele Fans und Kritiker mochten die eher „politischen Texte“ des Albums nicht (dies war das dritte Album in Folge mit eher politischen Texten) – mir ist dies total egal und ich mag es ja auch wenn Musiker sich politisch äußern und Haltung zeigen.
Und auch das Wiederhören des Songs „Chasing you into the Light“ mit seiner mitreißenden Melodie macht einfach wieder großen Spaß zu hören – und ich weiß, warum ich das Album immer gemocht habe – dass sind einfach gute Songs.
Sehr sanft und erinnert mich auch an die Songs von Bruce Cockburn: „How Long“. Und auch der Song funktioniert immer noch sehr gut.Da ich Bruce Cockburn glaube ich zur selben Zeit wie dieses Jackson Brown-Album gehört hatte – passten die Musik der zwei Musiker für mich auch immer sehr gut zusammen.
Und wie schon geschrieben mag ich immer noch den Sound des Albums, den haben Jackson Brown und sein Produzenten Scott Thurston wirklich sehr gut hinbekommen. Scott Thurston war Mitglied bei den Stooges (!) und bei Tom Petty & The Heartbreakers.
Politischer Reggae und dabei haben sicherlich Sly & Robbie mitgeholfen: „When the Stone begins to turn“. Bei dem Song wird der Freiheitskampf der Afrikaner gewürdigt (egal ob in Amerika, Südafrika oder anderswo).. Hauptsächlich ein Song gegen „Apartheit“.
Bei „The Word Justice“ mischt sich Funk in den Rock – und so gestaltet sich das Album auch vom Sound her als vielfältig und da macht das Durchhören, dann auch immer mehr Spaß – als wenn sich ein gleich klingender Song an den nächsten reiht.
Singer/Songwriter-Song – dann doch mal – fast ohne Rock: „My Personal Revenge“. Dabei handelt es sich aber dann auch um eine ins englische übertragene Cover-Version eines Songs von Thomas Borge, Luis Enrique, Mejia Gody.
Von Little Stevens stammt der wunderbare Song „I am a Patriot“ – den Song sollten sich mal viele Amerikaner heute mal anhören und dann über den gegenwärtigen Zustand ihres Landes nachdenken.
„Lights & Virtues“ schließt das Album mit einem sanften nach L.A.-Singer/Songwriter-Rock klingenden Song ab – wohl ein ganz typischer Jackson Brown-Song und auch der ist gut.
Tolles Album – die Songs werden jetzt hoffentlich von mir wieder etwas öfters gehört. (665)
22.02.26
Blof – Pickering Sessies (als Teil von „Oktober – April – Pickering Sessies – 3 Vinyl-Set, 2023)
In den Pickering Studios haben Blof die Alben „Oktober“ und „April“ aufgenommen. Beim Erscheinen der Wiederveröffentlichung auf Vinyl der beiden Alben, gab es noch die „Pickering Sessies“ als drittes Vinyl mit dabei.
Da sich auf „Oktober“ und „April“ eher schöner akustischer Kuschelrock befindet, überrascht dann das schon fast rockige „Vandaag“ und die Alternativfassung von „Midzommernacht“ durch ihr schnelleres Tempo – aber vielleicht sorgte dies auch zum Ausschluss für die Veröffentlichung auf den beiden Alben. Beide Songs machen Spaß und sicherlich können hier wieder BAP-Fans vielleicht auch zu Blof-Fans werden.
Sehr schön ist auch „Slapen Droemen Zweten“ – ganz feine Nummer und ich bekomme von solchen Blof-Songs einfach nicht genug. Genauso fein und schön: „Tidjbom“ – das ist so schön, wie all die Songs auf der „Oktober“ und „April“. Gilt auch für „Liefde & Drank“.
„Van veraf was het so Mooi“ ist auch in der alternativen Fassung einfach wunderschön – ich lieb aber auch einfach die Stimme von Paskal Jacobson (da wiederhole ich mich auch gerne), die bei dieser Fassung nochmal so richtig zur Geltung kommt. Es ist einfach ganz toller Kuschelrock den Blof auf den Alben, die im Pickering House entstanden sind, den Hörer/innen anbieten. Ich mag das alles. Und verliebe mich mit jedem neuen Album, dass ich von der Band höre mehr in diese – und ich kenne noch nicht mal die Hälfte der bisher erschienenen Platten. Da freue ich mich auf alles was ich da noch zu hören bekomme. Alles „so mooi“ (ich weiß ich wiederhole mich): auch „Vraag me niet.
Mit Seemannsklavier – aber auch nicht kitschig, sondern schön: „Vaarwel Lieveling“.
Der größte Unterschied an den Songs auf diesem Viny zu den Songs auf den ‚Alben „Oktober“ und „April“ ist – das hier Kompositionen von teils anderen Musikern von Blof gespielt werden – was aber auch nicht stört – weil es einfach zur Musik der Band passt.
Kuschelig und sehr folkig und weihnachtlich: „Feest“.
Dieser dreier Set ist einfach nur zu empfehlen – drei Vinyls voller toller Musik. Bin da ja sowas von Fan von. (664)


12.02.26
Tangerine Dream – Phaedra (1974)
Das erste Album von Tangerine Dream das bei Virgin erschienen war und in England aufgenommen wurde. Das Plattenseiten füllende Titelstück „Phaedra“ führt mit seinen kosmischen Sound- und Klangexperimenten durch einen ganzen Kosmos und regt wie meist bei den Alben von Schulze und Tangerine Dream dazu an, beim Hören einfach das Kopfkino mitlaufen zu lassen. Durch die teilweisen spannenden Sequenzer-Parts ist dieses Album ein Meilenstein der frühen elektronischen Musik geworden – bei Erscheinen in England durch Mund zu Mund-Propaganda zum Verkaufsschlager geraten, verkaufte er sich in der Heimat von Edgar Froese, Peter Baumann und Christopher Franke sehr schlecht (6000 Alben gingen da nur über die Ladentheke).
Einfach zugänglich ist das Album auch nicht – wären da nicht die paar Sequenzerparts – wäre es eher ein vorbeirauschendes Ambient/Drone-Album mit experimentellen Klängen. So wird das Album auch von mir nicht sehr oft in Zukunft gehört werden – aber als jemanden, der sich derzeit verstärkt für die Anfänge der elektronischen Musik interessiert – sollte es wenigstens einmal im Leben gehört werden – so wie es auch vom Buch „Alben die Du einmal gehört haben solltest bevor Du stirbst“ angeraten wird.
Seite 2 beginnt mit dem Titel „Mysterious Semblance at the Strand of Nightmares“ – klingt aber anfänglich gar nicht so nach Alptraum – eher als Strandsparziergang am Meer einer fremden Welt. Die Orgel klingt dazu auch noch eher sakral – nach wärmender Kirchenmusik. Alptraumhaft ist an dem Stück wenig und es ist sogar zugänglicher geraten als das lange Titelstück – und klingt auch verwandt mit den Alben „Oxygene“ und „Equinoxe“ von Jarre.
Und wenn man diese Musik hört, weiß ich auch warum das „Kosmische Musik“ genannt wird. Sich im Planetarium dazu die Sterne vorbeiziehen sehen – das passt.
Die Instrumente, die bei den Aufnahmen genutzt wurden waren ein Mellotron, Gitarre, Bass, VCS 3 Synthesizer, Orgel, Moog Synthesizer und ein Recorder.
Die anfänglichen Klänge bei „Movements of a Visionary“ klingen da eigentlich viel alptraumhafter – als es beim „Strand of Nightmares“ der Fall war. So was wie Rhythmus kommt auch erst nach zwei Minuten zu den Geräuschen. Daraus entwickelt sich aber das eigentliche stärkste Stück an Synthesizer-Musik auf der Platte. So klingt für mich Tangerine Dream. Hier hat das Trio seinen Sound gefunden – also ist das dann schon auch visionär.
„Sequent `C`“ ist ein kurzes Ambient-Stück am Ende der Platte.
Ein Meilenstein der elektronischen Musik. Kann sein. Mich beeindruckt davon aber eigentlich am meisten „Movements of a Visionary“ – welches schon ein Stück für die Playlist wäre. Der Rest wurde jetzt mal gehört – damit reicht es für mich dann auch – so ist ja auch bei mir mit den frühen Klaus Schulze Platten gegangen. (663)
11.02.26
Tocotronic – Kapitulation (2007)
Ich starte mal einen neuen Versuch mich mit Tocotronic mehr anzufreunden. Bisher mochte ich zwar deren frühen Hits „Let there be Rock“ und „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ – aber ansonsten war ich von den Songs der Band und auch einem miterlebten Liveauftritt weniger angetan. Doch letzten mochte ich auch den Song „Hier ist der Beweis“ vom Album „Tocotronic“ und die letztes Jahr erschienene Single „Bleib am Leben“ höre ich auch im Radio immer recht gerne, wenn sie dort läuft. Also mal diese CD erstanden und vielleicht wächst ja noch meine Begeisterung für die Band.
Guter Indie-Rock ist das etwas melancholisch gehaltene „Mein Ruin“ – welches aber ähnlich wie „Hier ist der Beweis“ klingt und damit mag ich das. So als ruhige Indie-Rocker der Hamburger Schule mag ich Tocotronic dann doch ganz gern.
Indie trifft auf Rock´n´Roll – aber ganz schöner Mix – und „Kapitulation“ mag ich wirklich auch so richtig gern. Ich werde wohl tatsächlich noch ein Tocotronic-Fan.
Alternative-Rock im Tocotronic-Style „Aus meiner Festung“ – musikalisch schön mit Schrammelgitarre, aber da finde ich den Gesang von Dirk von Lowtzow nicht so gelungen.
Schwungvoller Indierock: „Verschwor Dich gegen Dich“ ist wieder mehr meins. Atmosphärisches Geschrammel: „Wir sind viele“ – fast schon eine Post-Punk-Nummer.
„Harmonie ist eine Strategie“ – Musik und Textpoesie liegen bei Tocotronic auch nah beieinander. Lowtzow hätte auch als Poetry-Slammer Karriere machen können – aber seine Texte sind zum Glück weniger verklärte Liebesprosa wie beim Kollegen Jochen Distelmeyer – sondern dann doch eher Rocksong-Poesie.
Auch schöner Indierock: „Imitationen“. Melancholisches rockiges Liebeslied: „Wehrlos“.
Rocksong, etwas gewöhnungsbedürftig von der Art in der er teilweise gesungen ist: „Dein geheimer Name“ – aber vom Instrumentenspiel ist der Song richtig gut.
Punkrock versuchen Tocotronic auch – aber „Sag alles ab“ ist damit auch der zweite Song der Platte der für mich nicht funktionieren will.
Schön schräg gespielt und wieder sanfter gesungen: „Luft“ und so gefallen mir Tocotronic dann eben wieder richtig gut.
Zum Schluß: „Explosion“.
Gutes Album und damit bin ich jetzt auch erstmal Fan von Tocotronic. Hat was gedauert mit mir und der Band – dann ist da doch noch Fanliebe draus geworden – zwar mag ich nicht alles von der Band – aber von welcher Band gefällt mir schon alles? (662)


09.02.26
BLØF – April (2009)
Bei der gleichen Session im Pickering House in Irland, bei der auch die Aufnahmen zu dem Album „Oktober“ entstanden sind – wurden auch die Songs zum Album „April“ aufgenommen und dabei wurden auch alle Songs wieder „live“ und ohne weitere Bearbeitung eingespielt und veröffentlicht.
Der ruhige akustische Stil von „Oktober“ wird auch mit dem ersten Song „Aan ledereen Die Wacht“ beibehalten – wieder eine sehr schöne Nummer. Und ich glaube, genauso wie mich „Oktober“ schon mit seinen sanften FolkPop-Balladen begeistert hat – wird auch „April“ mich wieder begeistern.
Auch sehr liebenswert und einfach hinreißend in seiner sanft, einfachen, aber sehr schönen Art: „Als dit alles over is“. Besonders für eine erfolgreiche Pop-Rock-Band ist es das Piano - gespielt von Bas Kennis – das zusätzliche Wärme in die Songs mit einbringt und der Musik während der Aufnahmen im Pickering House sogar die Qualität einer Jazz-Formation gibt.
Alles nur wieder schöne Lieder – auch „Omdat het anders Wordt“. Mit mal etwas mehr Tempo, aber immer noch sanft im Gesang: „Midzomernacht“. Das Album hat natürlich durch seinen akustischen Klang auch ein schönes Folk-Pop-Feeling. Wer Kuschelrock mag – der sollte unbedingt die Alben „Oktober“ und „April“ sich mal anhören – und wer sich dann nicht in die Songs verliebt ist selber schuld.
Liegt glaube ich auch daran, dass man im Popbereich - egal ob englisch oder deutsch gesungen (oder eben niederländisch) - man meist ja entweder etwas zu hören bekommt, dass fast alles wie IndiePop klingt – also auch immer zum Tanzen geeignet ist oder schon fast im Schlagermodus funktioniert. Sanfter Rock scheint irgendwie nicht „in“ zu sein und daher finde ich diese sanfte, aber sehr eingängige Musik von BLØF einfach auch sehr entspannend. Und so laß ich all diese sanften und hervorragenden Musikstücke wie „Overgave“ mir gerne gefallen. Gleiches gilt für „Blijf zoals nu“.
Weil es ein ganz ganz schönes Lied mit sehr schöner Melodie ist, kann ich jetzt doch nicht schreiben, dass für die Songs der Seite Zwei das gleiche gilt wie für die der ersten Seite – „Wapenbroeders“ ist einfach furchtbar schön und es geht nicht um Soldaten, die gemeinsam in die Schlacht ziehen, sondern glaube ich eher um die Mitglieder einer Rockband, die durch dick und dünn gehen und zu einer Einheit zusammengeschweißt sind.
Eigentlich hätte ich ja gedacht, dass die Songs von „April“ etwas fröhlicher und ausgelassener wären, als die des herbstlichen Album „Oktober“. Fast wie ein mittelalterliches Lied klingend – also ein richtiges Folkstück ist „Dagen Zonder Namen“.
Kuschelig schön: „Je gelijk is geen Geluk“ - sind das alles super schöne Songs. Bin ganz hin und weg – und freue mich so sehr die Band im Mai 26 „live“ erleben zu dürfen.
Melancholisch: „Misschien tot morgen“ – im Refrain aber auch wieder einfach nur schön. Pascal Jakobson hat aber auch einfach die richtige Stimme für solche Songs – sanft und mit viel Gefühl ausgestattet.
Neben der Band kommen auch – was natürlich auch zur (Folk)Musik passt, noch schön gespielte Streicher zum Einsatz. Die Band ist da nicht ganz allein im Studio.
Auf „Eillanden“ vom Album „Oktober“ folgt nun „Eillanden 2“. Ein Liebeslied für die (grüne) Insel.
Glücklich macht auch das letzte Lied „Gelukkig“.
Ein Album das glücklich macht und voller Schönheit ist. So Mooi, So Mooi. (661)
06.02.26
Nirvana – Nevermind (1991)
Meilenstein – hat sicherlich auch dazu beigetragen das Alternative-Rock (auch unter Mithilfe von Videos auf MTV) massentauglich wurde. Dazu kommt natürlich auch das Drumherum um Frontmann Kurt Cobain – dem Antihero des Grungehypes – den es wahrscheinlich ohne ihm so gar nicht gegeben hätte – da kam ganz viel zusammen – aber „Smells like Teen Spirit“ – der Übersongs des Albums – veränderte auch für mich die Wahrnehmung auf aggressivere Rockmusik. Aber auch ich kannte schon die Musik der Pixies und deshalb war es nicht neuartig was ich da hörte - aber „Smells like Teen Spirit“ war eben keine Musik aus der Nische eines Rockgenres – „Smells like Teen Spirit“ wurde zur Hymne eine Generation, die sich eben nicht in Boygroups verliebte, den Gangsterrappern nacheiferte – oder was sonst noch gerade „in“ war – Headbangers und Punks konnten endlich gemeinsam den harten Gitarren und aggressiven Gesang etwas abgewinnen und ganz viele, die weder Heavy Metal oder Punk bisher mochten, sprangen zu diesen durch Nirvana mit auf die Tanzfläche. Ein „Hype“ war geboren.
Natürlich erkennt man „Smells Like Teen Spirit“ von der ersten Sekunde an und immer erinnert mich der Song an Songs der Pixies. Von der Produktionsweise und vom Sound ist das einfach sehr nah dran. Aber die Klarheit dieser rotzigen Rockstücke im Sound macht auch viel von der Qualität des Albums aus (für die Musiker selbst war es wiederum zu glatt produziert), denn so klingt selbst das Stück „In Bloom“ trotz des Alternative Rock-Sounds sehr eingängig. Und schlechter wie die Hitsingle „Smells Like Teen Spirit“ ist eben „In Bloom“ und das nachfolgende „Come as you are“ nicht und das macht auch viel vom Reiz dieses Albums aus – nach den drei Songs ist man als Hörer einfach immer wieder so begeistert, dass alles was danach kommt dem Album nicht mehr schaden kann.
Produzent Butch Vig definiert mit diesem Album auch den Sound der 90er Jahre mit (auch wenn dieses nicht viel anders klingt als das 1989 von Gil Norton produzierte Album „Doolittle“ der Pixies. Ganz lang hatte ich auch Falschwissen im Kopf, weil ich annahm, auch für die Pixies-Alben wäre Butch Vig verantwortlich gewesen – aber das stimmte halt nicht).
Mit „Breed“ verlassen wir die bekannten Pfade des Albums – denn das Stück habe ich zuvor dann wirklich viel seltener gehört als die drei zuvor. Dabei macht mir das von vorantreibenden Gitarren und Bass und schon wie Stoner-Rock klingende Stück jetzt viel Spaß.
Ganz anders „Lithium“ – das mich nun an die Meat Puppets erinnernde Stück, zählt schon auch zu den Hits der Platte.
Gleiches gilt auch für „Polly“ – wenn man diese Songs hört, weiß man, warum dieses Album so besonders ist und auch dies klingt nach den „Meat Puppets“. Aber mit den Brüdern Kirkwood haben Nirvana ja auch sich beim „Unplugged“ Konzert die Bühne geteilt. Da gab es also wohl eine echte Verbundenheit.
Ungestümer Punkrock: „Territorial Pissings“. Den Song habe ich aber auch noch gut im Ohr.
Nur Hits – so auch „Drain You“. So klingen einfach ganz viele Songs im (Post)-Grunge-Outfit. Wenn ein Song dieses Album den Grunge-Sound definiert – dann ist es sogar eher dieser.
„Lounge Art“ ist dann noch eins der etwas weniger gespielten Song der Platte. Gleiches gilt für „Stay Away“ – das sind beides gute Punkrock-Stücke.
Dieses Album und noch mehr auf „In Utero“ wird das Album neben dem Sound des Albums von der Gesangsleistung von Kurt Cobain getragen – er ist einfach einer, den man gerne beim Schreien zuhört. Weil er aber auch immer genau weiß, welche Art Aggressivität zur jeweiligen Stelle innerhalb der Songs gehört – dafür ist auch „On a Plain“ ein sehr gutes Beispiel.
Der Rest ist Schweigen – oder eine lange Pause – auch damit setzen Nirvana einen Trend – der mich bis heute immer wieder etwas nervt – denn nach dem offiziellen letzten Song „Something in the Way“ – den ich auch einfach ganz großartig finde und der fast wie ein Smashing Pumpkins Song klingt – die auch zu dieser Zeit von Butch Vig produziert wurden – folgt eine etwas 10 Minütige Pause und dann folgt noch das wirklich letzte Stück der Platte „Endless/Nameless“ – das anders wie der Rest der Platte eher wie was von „Fugazi“ oder „Sonic Youth“ klingt. .
Definitiv ein Album für eine ganze (neue) Generation von Musikhörer – die vielleicht auch alle ein wenig zu jung waren – als Punk aus den Angeln gehoben wurde und die durch dieses Album neue und alte Krachmusik für sich sich neu eroberten – bei mir war dies der Fall und ich war da sicher nicht der einzige.


05.02.26
Michael Nyman – Live (1994)
Dieses Live-Album ist zumeist mit der Michael Nyman Band eingespielt – aber Nyman ist auch allein am Piano zu hören und für die Musik vom Film „Piano“ wird er von Streichern unterstützt und bei „Upside Down Violin“ vom Orquesta Andaluzi de Tetouan.
Vor allem durch seine Arbeit als Filmmusiker und Komponist ist Michael Nyman bekannt geworden – hier zählen sicherlich „Das Piano“ und die Musik zu den Filmen von Peter Greenaway zu seinen bekanntesten Arbeiten – ich war vor allem durch „Das Piano“ auf Nyman aufmerksam geworden und sicherlich hat das auch zum Kauf dieses Livealbums geführt.
Mit einem Frühwerk von Nyman „In Re Don Giovanni“ – einer Bearbeitung eines Mozart-Stückes beginnt das Konzert. Dieses Stück wird auch vor allem durch die Streicher getragen – und dient wohl als beschwingtes Intro für den Konzertabend. Aber nicht weniger mitnehmend und vom Tempo sehr schnell gerät „Bird List“ (Filmmusik zu Greenaways ersten Film „The Falls“ – welches auch ein schönes Beispiel ist für Nyman als Grenzgänger zwischen Klassischer- und Rockmusik ist – da der Song sich schon eher wie ein Rocksong anhört, als ein Stück klassischer Musik.
Bei der Michael Nymann Band – soviel sollte man auch wissen – handelt es sich nicht um eine normale Band sondern, um Musikern mit Streich- und Blasinstrumenten nur der Bass ist als typisches Bandinstrument mit dabei.
Sehr dramatisch: „Queen of Night“ (aus dem Film „Der Kontrakt des Zeichners“). Das Publikum ist am Ende des Songs sichtlich begeistert.
Das zweiteilige „Waterdances“ war Musik zu einem Kurz-Dokumentarfilm von Greeaway und beginnt als sehr ruhiges Pianostück. Aber auch dazu kommen Streicher hinzu – sehr schönes Stück, das im zweiten Teil noch durch die Bläser kraftvoller wird – und dadurch einfach noch besser und intensiver – am Ende sich aber etwas zu sehr in die Länge gezogen anfühlt – das Publikum reagiert wieder sehr begeistert. Beeinflusst wurde Nyman vor allen durch die Musik von Steve Reich und Philip Glass was seiner Musik auch immer wieder anzuhören ist – auch das mindestens eins seiner Alben von Brian Eno produziert wurde – verwundert nicht.
Danach folgt in acht Einzelteile unterteilt die Bearbeitung der Filmmusik von „Das Piano“. Und da dreht es sich nicht nur um das bekannte und beliebte Hauptthema des Films – sondern funktioniert schon als ganz großes musikalisches Epos und funktioniert auch ohne die Filmbilder problemlos und beeindruckt durch die Eleganz und Schönheit der Musik. Das ist dann schon auch herausragend komponierte Musik und was besonderes.
Mit dem zweiten Teil bekommen wir dann aber das bekannte Hauptthema zu hören und es verursacht schon ein starkes Kribbeln und etwas Gänsehaut bei mir. Es ist ja schon was besonderes wenn ein ausgesprochen guter Film zusätzlich auch noch ebenso großartige Musik hat – da verbinden sich dann zwei Kunstformen zu einem einzigartigen Ereignis.
Der mit „Here to there“ betitelte dritte Teil ist dann schon schöne Folkmusik, der dann aber zu einer großartigen Orchestermusik wird.
Mit „Lost & Found“ wird die Musik wieder ernsthafter, aber ohne etwas von ihrer Schönheit einzubüßen. „All imperfect Things“ (schon den Titel finde ich wunderschön) ist einfach nur Musik in Schönheit gekleidet.
Wieder mit mehr Schwung: „Dreams of a Long Journey“ – da merkt man schon das klassische Instrumentalmusik in der Gesamtwirkung doch meist mehr bietet als dies andere instrumentale Musik egal ob elektronische, akustische – ob es sich um Jazz oder (Art)Rock oder Pop handelt – die geballte kraft eines Orchesters und die symphonischen Klangwerke haben schon eine ganz besondere Wirkung auf den Hörer. Trotzdem höre ich solche Musik meist nur in Gewand von Filmmusik oder eben wenn ein Orchester bei einem anderen Musikgenre zum Einsatz kommt.
Von der Euphorie des Publikums angetrieben, wird diese Euphorie mit einer Wiederholung von „Here to There“ durch die Musiker belohnt.
Mit „The Upside Down Violin“ (in drei Teilen) bietet das Livealbum auch noch eine Neukomposition, die bisher auf keinen Album Nymans zu finden ist.
Durch die Percussion und wie der Song anfängt, wird der Hörer in den Orient entführt, vielleicht sogar in die Welten von 1000 und eine Nacht. Aber die Musik klingt auch sehr schön und so wird man gerne Teil einer Karawane, die durch die Wüste zieht.
Dieses Gefühl von „Orient“ bleibt auch der schnellere zweite Teil „Faster“ treu. Wer gute Weltmusik mag – wird dies auch sehr mögen. Und mir macht der musikalische Ausflug in den Orient auch sehr viel Freude – hinzu kommt das Nymans Komposition sich nicht kitschig oder anbiedernd anhört – sondern sehr authentisch. Es fühlt sich echt an und ernst gemeint.
Im dritten Teil der „Upside Down Violin“ verstärkt sich noch der Orchestraleanteil in der Musik, da hier wieder die Streicher an Kraft und Dynamik hinzugewinnen und so endet das Konzert nochmal sehr schwungvoll und mitreißend und es steigert noch mal die Begeisterung für eine ganz besondere Konzerterfahrung – da wäre man gerne mit den Musikern in einer Konzerthalle dabei gewesen. Und ich verbeuge mich hiermit vor dem Ausnahmekünstler Michael Nyman.
04.02.26
New Order – Technique (1989)
Der Weg, der mit der „Substance“ eingeschlagen wurde, wird auf der „Technique“ fortgesetzt. New Order setzt weiter auf den für die damalige Zeit angesagten Clubsound („Eurodance“). New Order rules the „House“. Aber damit halten sich „New Order“ up to date und ab und zu darf dann doch auch – wenn auch wie bei „Fine Time“ - erst ganz am Ende - doch noch der Indie-Rock Bass erklingen.
Aber New Order bedienen auch ihre alten Fans mit Indierock-Perlen wie „All the Way“ – das passt dann auch in die Zeit – bedient nur ein anderes Publikum. Da versuchen New Order einen echten Spagat zwischen Clubsound und Indie. „Love Less“ gehört auch zu den netten Indie-Songs – mag ich ja doch viel mehr als die meisten der Clubsongs.
Doch gerade wenn man sich an den schönen Post-Punk und auch immer an The Cure erinnernden Bass von Peter Hook erfreut hat – folgt dann doch wieder was für die Elektro-Dance-Fraktion: „Round & Round“ – mit seinen Gesangs hält Bernard Summner den Song aber auf New Order-Niveau und ab und an begeistert mich der Song auch von den Sounds.
Indie-Nummer – die mal nicht so ganz funktionieren will: „Guilty Partner“. Da merke ich aber, dass die Platte doch nicht ganz so voller „House“ & „Eurodance“ Beats ist, wie ich es in Erinnerung hatte und der Indiesound doch fast sogar die Oberhand noch auf der Platte hat. Und ich merke, dass ich das Album wohl sehr selten gehört habe.
Wieder in diesem ganz netten Indie-Sound gehüllt – so richtig süß – „Run“. Sehr schöne Nummer.
Mit „Mr. Disco“ geht es zurück auf die Tanzfläche. Wie bei vielen Songs der „Substance“ hört man bei solchen Stücken einfach das Alter der Platte – waren bei Erscheinen die Sounds und Effekte auf den neuesten Stand – wirken sie mittlerweile doch sehr aus der Zeit gefallen – gut altern tun solche Songs leider nicht – ein „Blue Monday“ ist noch immer ein Klassiker – aber Songs wie „Mr. Disco“ oder „True Faith“ klingen einfach zu sehr nach 80er. Das ist dann der feine Unterschied und da sind die Indie-Stücke der Platte halt viel besser gealtert.
Bei manchen Songs sind die Sounds aber besser gewählt und so funktioniert: „Vanishing Point“ als guter Mix aus Dance- und Indie-Song wieder besser. Und mit Sicherheit hat ein Song wie „Vanishing Point“ auch eine Blaupausenfunktion für spätere Hybrid- oder Crossover-Songs der Sparten Indie/Alternative und Clubsounds.
Am Ende noch ein ordentlicher Pop/Rock-Song: „Dream Attack“.
So – nun sind „New Order“ halt eher Pop. Das ist dann halt so – so begeistern wie mit den Platten vor der „Substance“ tun sie mich damit nicht mehr – aber auf „Technique“ befinden sich auch mehr schöne Indie-Rock-Stücke als gedacht. Und so richtig ganz fällt kein Song der Platte bei mir richtig durch.

03.02.26
Randy Newman – Land of Dreams (1988)
Um Fan von einem Musiker zu werden, braucht es manchmal nur zwei gute Lieder auf einer Platte und dies war bei dieser Platte so, was aber nicht heißen soll dass „Falling in Love“ und „Something Special“ die einzig guten Songs auf „Land of Dreams“ wären. Da ich, wie bei so vielen CDs, diese aber auch sehr lange nicht mehr durchgehört habe, bin ich gespannt, was sich außer den beiden Lieblingssongs noch so alles wiederentdecken läßt.
Kindheitserinnerungen gibt Randy Newman in dem schönen „Dixie Flyer“ preis – erinnert mit seinen schwungvollen Pianospiel auch an die Songs von Bruce Hornsby und verwebt das meisterhafte Songwriting und mitnehmende Musik zu einem schönen Ganzen.
Im Süden der USA bleibt das Album auch mit „New Orleans wins the War“. Ein wunderbarer Singer/Songwriter-Song, der bei Randy Newman meist nach mehr klingt – der sich meist nach diesem Album auf das komponieren von Filmsoundtracks konzentrierende Musiker – hätte sicherlich auch ein großartiger Musicalautor sein können – irgendwie sind die besten Lieder von Randy Newman immer großes Kino.
Mit kräftigen Sound bewegt sich dann „Four Eye“ mehr im Art-Rock-Bereich und mit dieser Vielfalt erinnert er mich – und bei beiden kann man wohl unumwunden von Musikgenies schreiben – mich an Frank Zappa – nur statt mit Gitarre unterstreicht Newman seine Kunst eher mit Worten – beide zeichnen sich aber durch ihre Furchtlosigkeit aus – und auch an eine Kate Bush (auch ein Genie) erinnert „Four Eyes“ und ist wirklich gut, diesen Song nach vielen Jahren mal wieder zu hören und richtig zu würdigen.
Aber so richtig habe ich Randy Newman eben für die Songs „Falling in Love“ (mit der Leichtigkeit eines guten Huey Lewis and the News Songs) und „Something Special“ (toller Lovesong“) geliebt und tue dies auch immer noch. Bei „Falling in Love“ hört man auch das Mitwirken von Jeff Lynne wieder gut heraus. Viele der anderen Songs wurden von Mark Knopfler produziert und bei „Somthing Special“ wurde dies von dem ebenfalls in der Filmmusikbranche tätigen James Newton Howard getan.
Auch ganz großartig – aber wieder im ernsteren Modus – der Song „Bad News from Home“ – da überträgt sich aber auch bei jedem Song der Stimmungswechsel direkt auf den Hörer.
Wieder mehr mit Musicalcharme: „Roll with the Punches“ – man könnte das auch einfach Jazz nennen und eigentlich wäre es nett Randy Newman mal zusammen mit Lyle Lovett spielen zu hören. Beide Musiker verbindet ja diese Kunst Musik zu etwas Besonderen zu machen und beide haben fürs Kino gearbeitet (Lovett als Schauspieler).
Und bei „Masterman und Baby J“ rappt er dann sogar – ist witzig – aber irgendwie auch dann ein wenig zu viel des Guten. Aber eben ein Spaß.Wie geschrieben ist Newman furchtlos.
Danach folgt ein weiterer Art-Rock-Song im Zappa-Style: „Red Bandana“. Mich erinnert das einfach an die Zappa-Platte „Broadway the hard Way“.
Schöne Ballade: „Follow the Flag“. Danach folgt der Hit der Platte: „It´s Money that Matters“ – aber der funktioniert auch einfach immer und macht sehr viel Spaß. Und die Mark Knopfler Gitarre ist auch einfach super. Klingt aber auch wie ein guter John Hiatt-Song.
Traurig schönes Liebeslied am Ende: „I want you to hurt like I do“.
Einfach ein außergewöhnlich gutes Album – weil Randy Newman einfach auch ein Ausnahmekünstler und was Besonderes ist. Punkt.(657)

02.02.26
Dot Allison – Afterglow (1999)
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Nulla euismod condimentum felis vitae efficitur. Sed vel dictum quam, at blandit leo.Ein wenig Indie-Rock, mit Blues und elektronischen Klängen gemixt und dazu Dot Allisons etwas ungewöhnliche Stimme – erinnert mich ein wenig an Joan as a Policewoman nur das Dot Allison im Gesamten mehr nach Art-Pop und Trip Hop klingt. Aber „Colour me“ ist gut gemacht und ich bin erst mal beeindruckt. Vor dem Album war Dot Allisson als Mitglied bei der Band One Dove tätig und absolvierte einen Gastauftritt für „Death by Vegas“.
Sanfter Dreampop gemischt mit sehr sanfter Singerin/Songwriterinmusik: „Tomorrow never comes“ – schön verträumt und gekonnt.
Dance-Pop der etwas an Kylie Minogue erinnert – aber einen Chemical Brothers-Beat hat: „Close your Eyes“ im Mix von Steve Lironi. Das Album hat damit einen angenehmen Abwechslungsreichtum.
Elektronische, eher sanfte Klänge – und damit wieder eher im verträumten (Brit)Pop-Modus, bei dem sich der Gesang im Hintergrund der Musik befindet: „Message Personnel“.
Schräge Klänge treffen auf sanften Gesang: „I wanna feel the Chill“. Schräger Traum.
Mit „Morning Song“, welches in der ersten Hälfte als Instrumentalstück funktioniert – überzeugt Dot Allison als Grenzgängerin, die gekonnt mit Pop und Trip-Hop-Elementen umzugehen versteht – für mich bis dahin das stärkste Stück der Künstlerin. Damit könnte sie im Vorprogramm von „Radiohead“ auftreten.
Danach wieder was Verträumtes und damit langweilt sie mich dann doch langsam: „Did I imagine you?“
Dann doch lieber weiter Pop und Trip-Hop gemischt – diesmal mehr im Popmodus: „Mo´Pop“ – der etwas kitschig geraten ist, aber auch an französische Chansons erinnert.
Melancholischer Dreampop – mal laut, mal ganz leise: „Alpha Female“.
Am Ende noch etwas Pop-Drama – mit einen Song der wieder an Kylie erinnert: „In Winter Still“
Ich glaube. dies ist ein Album für Freunde von Saint Etienne. Für mich sind nur die Songs „Colour Me“ und „Morning Song“ richtige Hightlights. Der verträumte Pop/Trip-Hop/Chanson-Mix ist dann wieder weniger was für mich. Ich werde aber wohl noch mehr von der Musikerin Dot Allison hören müssen, da ich wissen möchte, in welche Richtung sie sich auf den kommenden Alben (und diese gibt es) weiter entwickelt.


30.01.26
The Black Sorrows – Harley & Rose (1990)
So richtig weiß ich gar nicht mehr, was zum Kauf dieser CD führte. In Australien waren The Black Sorrows zwar schon seit Jahren erfolgreich – aber im Rest der Welt waren sie eher unbekannt geblieben. Kopf der Band ist der Musiker Joe Camilleri, die die Band als Soloprojekt mit wechselnden Mitmusikern bis Heute anführt. Zur Zeit der Aufnahmen von „Harley & Rose“ war ein Markenzeichen der Band der Co-Lead- und Backgroundgesang der Schwestern Vika und Linda Bull. Musikalisch bieten The Black Sorrows handgemachten Rock-, mit Blues- und Folkelementen.
Mit siebzig Minuten Lauflänge und sechzehn Songs ist die CD gut gefüllt.
Guter Singer/Songwriter Song und leichter Folk-Rock mit Countryeinschlag – erinnert mich an eine Mischung aus BoDeans und Hothouse Flowers und deshalb habe ich den Titelsong namens „Harley & Rose“ wohl auch immer gerne gemocht.
Bluesrock von den Bull-Schwestern gesungen „Never let me down“ – erinnert dann auch etwas an die Songs der „Commitments“ – der Sound der Australier bleibt aber sehr amerikanisch. Die Bull Silsters haben nach ihren Ausstieg bei den Black Sorrows eine erfolgreiche Schwesternkarriere hingelegt (Solo kann man das ja nicht nennen).
„Love goes Wild“ ist wieder eher Folkrock und eine ganz schöne Nummer. Sanfte Ballade: „Hold up to the Mirror“ – richtig schön und wird nach hinten raus noch richtig hymnisch.
Mit Geige begleitet und dadurch wieder im Folksongmodus: „Carried by the Light“. Wer amerikanisch klingenden Folkrock mag und als diese Platte erschienen war gab es ja zum Beispiel noch die Counting Crows nicht – der wird die Musik der Black Sorrows mögen – und die Platte ist zum Glück gut gealtert – macht nach langer Zeit des Nichthörens grade mir wirklich sehr viel Spaß.
Mit Hitparadenqualität weil es ein schönen Popsong-Feeling hat: „Angel Street“. Sanfter und schön: „Tears for the Bride“. Bisher weicht nur das Blues-Rock-Stück gesungen von den Bull-Schwestern, vom Stil her ab von den ansonsten von Joe Camilleri gesungenen Folk(rock)-Songs – die mir auch alle besser gefallen.
Der leichte Folkrock der Band ist aber auch einfach zu gut, so auch „Small Changes“. Hier singt Camilleri fast wie ein Van Morrison und natürlich erinnert die Musik der Black Sorrows auch an die Songs des Altmeisters – gerade an die Songs die Morrison ab Ende der 80er Jahre gemacht hat.
Und ich glaube, dass ich diese Musik jetzt noch ein wenig mehr mag als damals, als ich diese zum ersten Mal gehört habe – manchmal muss man erst für manche Musik die richtige Erfahrung haben – stelle ich immer wieder fest.
Sanfter Rock: „Soul on Fire“. Country-Rock-Nummer: „Calling Card“. PopRock mit Van Morrison-Charme: „Cannonball Cafe“. Sehr schöner Folksong: „Rise and Fall“.
Country-Rock: „House of Light“ – vielleicht dann doch etwas zu kitschig. Kann jetzt aber auch nichts mehr am guten Eindruck, den die Platte bisher auf mich gemacht hat, ändern. Und richtig schlecht ist auch der Song nicht – im Refrain sogar wieder ganz mitnehmend und entwickelt zum Ende hin noch eine ganz eigene Qualität – niemals einen Song nach den ersten Takten aufgeben – muss ich auch manchmal noch einsehen.
Folksong – schon eigentlich Roots: „Baby it´t a Crime“ – Zydeco/Cajun-Musik machen die Black Sorrows auch ab und an.
Ein wenig außergewöhnlich für den Sound der Platte – aber überhaupt nicht schlecht – ist „Deadline Blues“ geraten. Hat was von den Stücken, die sonst ein Daniel Lanois produziert – liegt aber an den Percussion und den mal etwas mehr am Blues orientierten Gesang. Schöne Abwechslung fast am Ende des Albums.
Am Ende gibt es dann nochmal eine kitschige sanfte Country-Ballade: „Lay your Head down“.
Überraschend gutes Album. Hätte wirklich nicht gedacht, dass ich diesem Album noch soviel abgewinnen kann. War also gut, sie mal wieder gehört zu haben. Es lohnt sich wirklich die alten Regalleichen mal wieder aufzulegen – ist wirklich so.
29.01.26
The Nits – New Flat (1980)
Titelstück „New Flat“ klingt wie was von Devo. Die New Wave-Wundertüte geht also auch mit Album Nummer Zwei in eine weitere Runde und bei vierzehn Stücken ist diese Wundertüte auch sehr gut gefüllt.
Mit „Holiday on Ice“ kommt ein besonderer Rocksong in den Mix. Das ist dann wieder eher Art-Rock – aber eben mit starken New Wave/Post Punk-Einschlag – klingt dann fast wie Gary Numan – aber eben von den Nits.
Und fast dann echter Postpunk: „Saragossa“. Und so bleibt der Mix auch bei dem Song „Office at Night“ undefinierbar – teils Rock, teils Post Punk, teils Artrock. Und das macht für mich die Nits immer schon zu etwas ganz besonderen.
New Wave-Nummer: „Uncle on Mars“ – klingt aber auch immer ein wenig sogar nach Punkrock. So ein gewisser „Clash“-Faktor ist in der Musik auch drin. Mag aber auch an die fürs Musikgenre ungewöhnliche Stimme von Henk Hofstede liegen, die ein wenig an Joe Strummer erinnert.
Post Punk-Nummer: „Statue“. Klingt auch wieder als ob Gary Numan auf Devo trifft. Frühe Folktronica-Nummer: „His First Objekt“ (und das ist dann genau das was ich von den Nits erwarte. Liegt aber natürlich daran, dass ich sie durch den Song „In the Dutch Mountains“ kennengelernt habe und das Album „Ting“ von 1992 lange Zeit mein einziges Album von der Band war).
Verrückte New-Wave-Nummer: „Different Kitchen“. New Wave im Police-Gewand: „Saftey in Numbers“. Aufgedrehter Punk-Rock: „Bobby Solo“. Experimentell: „Zebra“. New Wave mit Folktronica-Einschlag: „Rubber Gloves“ (richtig gut). Nochmal Post-Punk-Düsternis: „Bite Better Bark“.
Am Ende: „Aloha Drums“ – leicht schräge Elektronika-Nummer.
Außergewöhnlich sind die Nits wohl schon immer gewesen – das ist gut so und diese frühen Alben zu entdecken, macht Spaß weil sie einfach musikalische Wundertüten von sehr guter und sehr verspielter Qualität sind.


28.02.26
BLØF – Helder (1997)
Das zweite Album der Band, diesmal auf einem Major-Label erschienen, ist mit siebzehn Songs gut gefüllt und auch noch mit einer Live Bonus-CD ausgestattet.
Mit „Laten we gaan dan“ startet das Album mit einem Rocksong, ganz ordentlich, aber vom Sound und Wirkung klingt der Song einfach wie ein BAP-Song aus den späten 80ern. Textlich eher sozialkritisch – und mal was anderes als die Männer-Liebeslieder des Debüt-Albums.
Ordentlicher, sanfter gerockt und klingt schon zeitloser: „Zeven Nachten“ – das gefällt mir mehr. „Duizend keer“ ist akustisch gehalten und das ist dann wirklich ganz schön – und natürlich gibt es da dann auch wieder Beziehungskram-Texte zu hören.
„Liefs uit Londen“ war der erste große Hit der Band – da zeigt sich das Gespür für schöne Balladen und dazu hat der Song noch ganz viel Folksong-Charme.
Wieder mehr im Rocksongmodus – aber mit sehr viel Gefühl von dem wundervollen Pascal Jacobson gesungen: „Blik op onoindig“. Für die Texte ist aber eher ungewöhnlich nicht der Sänger selbst verantwortlich, sondern Bassist Peter Slager. Die Musik wird von der gesamten Band zusammen erarbeitet. Neben Jacobson (der auch der Gitarrist der Band ist) und Slager sind das noch Bas Kennis (Tasteninstrumente) und Henk Tjoonk (am Schlagzeug), welcher aber für die Livetour und den Platten danach durch Chris Götte ersetzt wurde (bis zu seinem tragischen Unfalltot 2001).
Die Rockballaden können die Band und wenn sie dabei noch von ein paar Bläser unterstützt werden, wertet dies den Song auch direkt auf: „Op Handen“. Diese Art von zeitlosen ruhigen Rocksongs oder als sanfte Singer-Songwriter-Ballade sind auch meine liebsten Stücke der Band.
Aber gute mitnehmende Rockmelodien bekommt die Band auch hin: „Wat waar is on wat niet“. Und immer wieder kommt mir die Musik von BLØF wie ein Mix aus BAP und Fury in the Slaughterhouse vor und ich glaube, dass ist es was ich so sehr an der Band mag plus eben der Stimme von Sänger Pascal Jacobson. Unkomplizierter, gradliniger Rock, von einer tollen Sängerstimme getragen und zu etwas besseren gemacht. Mehr brauch ich eigentlich nicht, um eine Band richtig ins Herz zu schließen und Fan von zu werden.
„Anders“ - da merke ich wieder etwas stärker, dass die ganze Produktion immer noch – wie beim Vorgängeralbum sich aber noch anhört – als ob die Musik zehn Jahre zuvor aufgenommen worden wäre. Bis die Musik von BLØF ihren zeitlosen Touch kriegt braucht es noch mindestens ein oder zwei weitere Alben – aber „Watermarks“ ist dann spätestens ein Album, dass sich heute noch genauso frisch anhört, wie zu der Zeit in der es produziert wurde und dies kann man von den meisten Songs dieses Albums noch nicht behaupten. Aber trotzdem ist „Anders“ noch ein wirklich schöner Song.
Aber schon ziemlich gräßlich ist dann „Alles met wog“ geraten – das ist zu gewollt auf Hit mit Rock´n“Roll-Charme-Energie gemacht und wirklich nicht gut und klang damals wohl schon aus der Zeit gefallen. Aber mit „Rijden door de nacht“ fühlt sich zum Glück alles wieder richtig an. Schrieb ja schon – Rock-Balladen können sie einfach.
Bei „Neer“ fühlt sich es dann aber schon so an – wie bei den BLØF-Songs der späteren Alben – das ist einfach dann doch zeitlos gut gerock und die Gesangsharmonien sind sehr gut geraten – da stimmt schon alles. Gleiches gilt für „Lieveling“ – haben BLØF dann doch schon während der Produktion dieses Albums ihren Sound gefunden? Es scheint fast so.
Noch mal flott gerockt: „Komm dichterbij“. „Dit Lied“ ist dann eine Piano-Ballade und der Piano-Einsatz als festes Band-Instrument ist auch eine der Besonderheiten von Blof. Nächste Rock-Ballade: „Taxi voor mijn ogen“ und wieder sehr gelungen und am Ende rocken sie da auch noch mal so richtig.
Titelstück „Helder“ ist dagegen noch mal sehr sanft und schön geraten. „Ann der Kust“ war auch schon auf dem Debüt-Album zu finden, entwickelte sich aber wohl erst später zum Hit und wurde deshalb nochmal neu veröffentlicht. Ein Stück über die Nordseeheimat der Band und wohl ein Stück das bei jedem Livekonzert auch heute noch nicht fehlen darf.
Wer gefühlvollen Pop-Rock mag – der ist bei BLØF genau richtig. Und eigentlich kommen Holland Urlauber um diese Band sowieso nicht herum. Ich bin da Fan von und freue mich drauf sie auch 2026 mal live erleben zu dürfen. Und die Live-CD startet auch direkt mit „An de Kust“ und da merkt man, wie beliebt die Band bei ihren Fans in der Heimat waren – da ist die Publikumsbegeisterung direkt ansteckend. Und da weiß man auch, warum die Band im Laufe der Jahre so viele Live-Alben veröffentlicht hat. Und die Liveaufnahmen klingen auch sehr viel besser als die Studioaufnahmen – da ist der Sound viel klarer und dynamischer und klingt richtig gut.
Das etwas mit Blues versetzte „Wat Zou je doen“ war ein weiterer „Hit“ vom Vorgängeralbum und ist auch auf der Live-EP mit dabei. Auch von „Naakt onder de hemmel“ stammt der Song „Schilder me Rood“ (altbackener Rocksong, aber sehr flott).
27.01.26
Harmonia – Musik von Harmonia (1974)
Eigentlich wollte Michael Rother Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius (beide „Cluster“) davon überzeugen, ihm bei Livekonzerten seines Projektes „Neu!“ zu unterstützen. Doch bei den gemeinsamen Jamsessions der drei Musiker entstand eigene Musik, die sehr gut die Welten von Cluster und Neu! Zusammenfügt. Das Stück „Watussi“ ist ein ganz wunderbare Elektronika und schon bin ich begeistert.
„Sehr komisch“ beginnt ruhiger – mit einem gleichbleibenden Trommelrhythmus und etwas elektronischen Klängen – nach zweieinhalb Minuten ändert sich die Klangfarbe – aber es bleibt erstmal bei eher atmosphärischen Klängen. Während das erste Stück noch Electronica war – ist das jetzt ein Stück das mehr an Schulze und Tangerine Dream erinnert.
Danach wird es (zum Glück) wieder schneller, melodisch und rhythmischer „Sonnenschein“ – zwar kommt die Melodie nicht so recht vom Fleck – aber ist das bei nur vier Minuten Länge auch nicht so schlimm. Den treibenden etwas ungewöhnlichen Percussion-Rhythmus, der fast maschinell betrieben klingt – ist das Faszinierende an dem Stück.
Eine weitere richtige Electronika-Nummer ist dann „Dino“ und wieder richtig meins – wer „Autobahn“ von Kraftwerk mag – wird das auch sehr mögen.
Verspielt und ungewöhnlich: „Ohrwurm“ – dabei aber zu experimentell, um richtig gut zu sein. Sehr sanft, sehr schön: „Ahoi“.
Mit toller Sequenzermelodie ist „Veterano“ noch ein weiteres sehr herausragendes Stück elektronischer Musik. Sobald Sequenzer in der elektronischen Musik hinzu kommen – ist das einfach mehr als „atmosphärische Klanginstallation“ sondern dann wieder eben Musik – es braucht Rhythmus.
„Hausmusik“ führt nochmal dann die atmosphärische elektronische Musik und den Electronika-Sound der Band zusammen.
Das Album ist genau wie „Zuckerzeit“ von Cluster eine schöne Neuentdeckung. Und auch an Rother, Roedelius und Moebius werde ich mich wohl weiter abarbeiten (hören) müssen.


26.01.26
Mike Oldfield – Amarok (1990)
Mike Oldfield war zum Zeitpunkt der Entstehung von „Amarok“ nicht mehr zufrieden mit seiner jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit Virgin und wollte sich mit „Amarok“ einfach mal wieder frei fühlen. So produzierte er nicht, wie auf dem Vorgängeralbum eine Reihe von singletauglichen Popsongs, sondern ein einstündiges instrumentales Einzelstück – das er in Monate langer Arbeit aus vielen Einzelteilen mit seinem Produzenten Tom Newman zusammenbastelte. Für mich ist dies das bisher letzte wirklich gute Album von Mike Oldfield (spätestens nach der „Tubular Bells 2“ hatte ich auch das Interesse an Oldfield verloren gehabt und werde wohl mal doch noch bald mal „richtig“ hören, was er danach so noch gemacht hat – hineingehört hatte ich aber schon in vielen dieser Alben, nur eben nicht richtig gehört) – wohl weil es auch an frühe Alben erinnert, aber auch mal teils sehr Rock betont und „frisch“ daher kommt – und es ist auch über weite Teile einfach gut produziert und musiziert und langweilt trotz der monumentalen Lauflänge des Stücks nicht – und es ist auch ein Album, dass weniger elektronisch klingt (wer mich kennt, weiß ja, dass ich eigentlich auch Synthesizer-Musik mag – aber für mich gehört ein Mike Oldfield einfach an akustischen Instrumente oder eben an einer E-Gitarre oder E-Bass).
Und typisch nach Mike Oldfield klingt das Album direkt von Anfang an – nur eben rockt er endlich mal wieder – und natürlich fehlt die Elektronik in der Musik auch nicht wirklich – sie ist nur ausbalancierter mit den akustischen Instrumenten eingesetzt.
Natürlich wird sich auch jeder Fan von Oldfield darüber ärgern, dass dieser, einige der musikalischen Passgen, die wirklich sehr gelungen erscheinen, nur ganz kurz einsetzt – da folgt öfters auf ein „wow – super“ .- dann ein: „Oh – schon vorbei“. Aber es sind eben auch diese Highlights innerhalb des Stücks, die einen so begeistern und beweisen, dass Oldfield ja eigentlich mehr könnte – als mittelmäßige erfolgreiches Singlematerial oder eben in Endlosschleife seine alten Meisterwerke fortzusetzen.
Also genieße ich diese musikalische Reise durch die vielen Einzelstücke von „Amarok“ dann doch gerne mal wieder – denn da gefällt mir vieles – immer noch (mit der „QE2“ komme ich ja auch nicht mehr so richtig zurecht – da sind es dann auch schon die Synthesizer – die mir den Hörspaß mittlerweile verderben. Früher habe ich das Album sehr geliebt. Die „Platinum“ mag ich aber immer noch sehr. Mein meistgehörtes Oldfield-Album wird aber wohl „Tubular Bells“ bleiben. Das Album war für mich eine Einstiegsdroge in Sachen Musik – hatte das Album mit ca. 9 Jahren von einen meiner älteren Geschwister bekommen).
„Amarok“ ist einfach ein vielfältiges, unterhaltsames, etwas experimentelles Instrumentalmusik-Rock-Album. Und davon eines der sehr guten.
23.01.25
Ash Ra Tempel – Starring Rosi (1973)
Ashra Tempel, später auch einfach nur Ashra, ist ein Projekt des Gitarristen und Musikers Manuel Göttsching. Wenn man sich mit Kraftwerk, Tangerine Dream, Neu! und Cluster beschäftigt, kommt man um eine Begegnung mit Ash Ra Tempel nicht vorbei. Ich versuche den Einstieg mal mit dieser Platte von 1973.
Anders als bei Schulze und Cluster ist es mehr die Nutzung der E-Gitarre durch Göttsching, die eben aus der Musik keine rein elektronische Musik macht. Das hat er dann wohl eher gemein mit „Neu!“ und dem Gitarristen Michael Rother.
Verzerrtes Gelächter startet „Laughter Loving“ und danach wird flott leichter Rock musiziert – das hat dann eigentlich erstmal nichts mit elektronischer Musik zu tun – ist eben nur instrumentale lockere und leichte Rockmusik. Dann mischen sich aber doch nach ein paar Minuten Synthesizerklänge in die Musik mit ein – aber gewinnen nicht die Oberhand, sondern sind nur Teil des Bandgefüges.
Zu Ash Ra Tempel gehörten bei den Aufnahmen neben Göttsching noch Dieter Dirks und Harald Grosskopf. Wie bei Tangerine Dream war auch bei dem ersten Album von Ash Ra Tempel ein Klaus Schulze als Schlagzeuger mal bei Ash Ra Tempel tätig gewesen – daher gibt es unter den Musikern all dieser Gruppen immer eine Vernetzung.
„Day-Dream“ erinnert eher an englischen Psych-Folk – ist dabei aber sehr entspannt klingend. Bei dem Track hört man den Sprechgesang Rosi Müller. Das ist dann wohl auch jene im Albumtitel genannte Rosi denke ich mal. Als sanfter Kraut-Rock könnte man den Song wohl bezeichnen.
Wohl wegen der Gitarrenarbeit und dem Sound an sich, erinnert „Schizo“ nicht nur an Krautrock, sondern auch an den Prog-Rock von Pink Floyd. Das ist eine gute Instrumentalrock-Nummer und dabei recht kurz gehalten.
Das noch kürzere „Cosmic Tango“ hingegen, klingt wieder ganz anders – etwas eigen nach CAN, aber mit eingelagerten frühen Dub-Effekten.
Damit ist dieses Album auch genau wie das Album „Zuckerzeit“ von Cluster sehr abwechslungsreich gehalten und hat auch so gar nichts mit der Musik von Klaus Schulze und Tangerine Dream gemein.
Obwohl dann – auch überraschend „Interplay of Forces“ doch dann fast wie eine Schulze-Nummer klingt – in der Rosi Müller über die mystischen Klänge etwas Sprechen darf. Nach vier Minuten wird das gut neunminütige Stück aber dann doch rockig – gerade zur rechten Zeit würde ich sagen. Und den rockigen Part mag ich dann wieder. Klingt da sehr nach „Neu!“.
Verträumter und dadurch etwas mehr nach Folk klingend „The fairy Dance“ – das erinnert an Mike Oldfield.
Zum Schluss wird noch mal etwas flotter gerockt: „Bring me Up.
Bei dem Album fühlt es sich an, dass es nett gewesen war es einmal zu hören – aber das reicht dann auch – es fehlt so ein richtig besonderer Song. Aber das ist keine schlechte Musik – nur fehlt auf dem Album es an in Erinnerung bleibender Musik.

22.01.26
Cluster – Zuckerzeit (1974)
Nach zwei Alben von Klaus Schulze höre ich doch mal was von den zeitgleich aktiven Band „Cluster“. „Cluster“ ist das Trio Conrad Schnitzler, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Im Vergleich bietet das erste Stück der Platte „Hollywood“ doch erheblich schnellere Musik an als die Kollegen von Tangerine Dream und Musiker Klaus Schulze und erinnert dabei mehr an Kraftwerk und Neu! als an Tangerine Dream – was ich nach dem Hören der ersten zwei Schulze Alben als geradezu erholsam finde. Das ist frühe elektronische Musik, die aber schon mehr zum Tanzen animiert und nicht nur Atmosphäre erschafft. Das hat Rhythmus, Melodie und ist auch sehr gut gespielt – gilt auch für das Stück „Caramel“.
Mit knapp über sechs Minuten ist „Rote Riki“ das längste Stück der Platte und etwas experimenteller geraten – aber eher im verspielten Sinne und deshalb auch gut zu hören – erinnert da an den Klassiker der elektronischen Musik „Pop Corn“.
Das Stück „Rosa“ erinnert dann doch auch etwas an Tangerine Dream – die aber so erst eigentlich Jahre später klangen. Und weil es eben nur vier Minuten kurz geraten ist – sehr gut konsumierbar.
Auch „Caramba“ zeugt davon, dass Cluster doch schon etwas weiter waren oder eben verspielter waren – und sich eben auf jeden Fall bei dem Album nicht ganz so ernst nahmen und eben echte Songs machen – keine Kunstklänge fürs Kopfkino der New Age/Ambient Liebhaber.
Mit viel Rhythmus ist auch „Fotschi Tong“ ausgestattet und ich bin gerade wirklich begeistert von dem Album. Hätte ich mich auch mal viel früher dran wagen könne. Das ist frühe elektronische Musik und schon mit allem ausgestattet, dass ich auch heute noch an Electronica- und elektronische Musik im Allgemeinen mag.
Was auch sehr schön ist, ist dass das Album recht abwechslungsreich ist – so ist „James“ verspielt und experimentell zu gleichen Teilen. Fast ein Folksong ist dagegen „Marzipan“.
Wieder verspielt und geradezu ausgelassen: „Rotor“. Aber auch ziemlich albern. Zum Schluss gibt es dann noch „Heisse Lippen“ – und das ist nochmal am Ende ein echtes Highlight.
Schöne unterhaltsame elektronische Musik. Ganz großartig. Tolle verspätete Entdeckung.


21.01.26
Klaus Schule – Blackdance (1974)
Mit „Ways of Change“ beginnt das Album wieder sehr ruhig, der Einsatz von Gitarre aber gibt dem Song einen breiteren Klang – wie bei den Alben von zeitgleich musizierenden Gruppen wie Ash Ra Templel oder Harmonia – da mit Gitarre doch schnellere Melodie zu spielen und mit der E-Gitarre auch Sequenzer-Meldodien möglich waren (Vorbild das Album „Neu!“ von Neu!) und auch Schlagzeugspiel ergibt größere Möglichkeiten, die mit damaligen elektronischen Synthesizer und Sequenzer noch nicht zu leisten waren. Gerade die Percussion bringen Tempo und Spannung in das Stück. Aber wieder ist das Stück viel zu lang geraten und damit wieder ein atmosphärisch zwar dichtes Hörerlebnis und diesmal auch mit Melodien versetzt – das aber weiterhin einiges an Geduld vom Hörer abverlangt – gerade weil die Keyboardklänge wieder sehr „kirchlich“ klingen. Ein paar gute Sound-Effekte sind aber auch zu hören.
„Some Velvet Phasing“ erhöht das Tempo der Platte auch nicht und beginnt recht minimalistisch. Eine große Weiterentwicklung ist die Platte daher anscheinend nicht, denn das Album „Cyborg“ klang nicht wesentlich anders. So verbleibt die Musik im ruhigen Ambient-Genre. Bietet dabei aber weniger Kopfkino als es noch bei „Cyborg“ der Fall war.
Über den Gesang von Opernsänger Ernst Walter Simeon lässt Schulze seine synthetischen Klänge im dritten und letzten Stück „Voices of Syn“ laufen – das ist experimentell, verstärkt aber nochmal den sakralen Eindruck und auch das Stück wird dann nicht zu mehr als eine experimentelles Drone-Musik-Stück. Das ist dann wirklich auch nicht was für mich – da muss man sich schon sehr auf Aventgarde und Kunst einlassen können und weniger an gute Musik interessiert sein. Auch kein Album für meine Sammlung – nur ein einmaliges Hörerlebnis.
20.03.26
Klaus Schulze – Cyborg (1973)
Frühe elektronische Musik ist noch in sich begrenzt – die Sequenzertechnik war noch nicht so richtig entwickelt oder befand sich in einem experimentellen Frühstadium – so gleicht die Musik von Klaus Schulze im Jahre 1973 trotz Zukunftstitel doch eher sakraler Kirchenmusik und ist sehr auf Atmosphäre bedacht – die Stücke alle schon auf Plattenseitenlänge ausgedehnt, verlangen da schon etwas Geduld und Konzentration – oder man hört einfach hin und lässt sich von der Langsamkeit der Melodien und Tonüberlappungen gefangen nehmen. Und hört man hin – kommen dann doch SF-Bilder vielleicht im Kopf – Raumschiffe, die durch die Unendlichkeit des Raums schweben oder einfach fremd wirkende Landschaften auf unbekannten Welten – und wenn dann doch langsam gute Effektklänge auftauchen – baut sich sogar noch mehr Spannung auf. Gute elektronische Musik ist auch immer Soundtrack fürs eigene Kopfkino. Und dies bietet das erste Stück „Synphäre“ schon mal sehr gut. Aber wie die bekannten 70er Jahre Alben von Jean-Michel Jarre gibt es auch ab und an das Gefühl – das die nächste Veränderung innerhalb des Titels doch ein wenig zu lang auf sich warten lässt – so flott wie „Autobahn“ von Kraftwerk war die elektronische Musik der 70er Jahre halt eher selten – New Age/Meditationsmusik oder eben Kopfkino-Soundtrack. Nach der Hälfte der Songlaufzeit denkt man sich aber – dass die Stücke schon kürzer sein könnten. So geduldig mit Einheitsklängen bin ich dann doch wieder nicht.
„Conphäre“ hat einen spannenden und ungewöhnlichen Klang zu Anfang – das klingt dann tatsächlich schon nach Sequenzer-Abfolgen und ganz langsam steigert sich die Geräuschkulisse – auch das hat Spannung – hat aber keine Melodie – sondern nur einen Maschinenrhythmus – empfindliche Gemüter könnten davon auch auf Dauer Kopfschmerzen kriegen – ich finde es eher spannend – vielleicht mag ich Drone-Musik ja nur dann, wenn sie wie hier – etwas bedrohliches hat. Das ist dann doch spannend (eben wieder Soundtrack fürs eigene Kopfkino), obwohl nicht viel passiert. Dann kommen wieder die sakralen Synthesizerklänge hinzu und da wir diese aus dem Vorgängerstück zu genüge kennen – wird es dann doch wieder etwas anstrengender die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Aber den bedrohlichen Unterbau des Stücks finde ich sehr beachtlich. Aber auch da ist die Titellänge von über fünfundzwanzg Minuten mir wieder zu lang geraten. Aber sobald die Synthesizerklänge sich zurücknehmen und der Sequenzer dröhnt, ist das auch wieder ein wirklich berauschendes Stück.
Elektronische-Klang-Installationen – so bezeichne ich diese Art von Musik, die fast ohne Melodie und Harmonien auskommt gerne. Da passiert nicht viel – da geht es darum mit den Klängen zu schweben, Schwingungen aufzufangen – obwohl bei Stück-Nummer drei „Chromengel“ klingen die Synthesizer schon fast wie melancholische Streicher und auf späteren Platten wird Schulze ja in Teilen sogar richtig symphonisch klingen und für Orchester-Musik schreiben („X“). So ist dann „Chromengel“ ein frühes trauriges Ambientstück und strapaziert dann doch meine Geduld etwas zu sehr – so dass ich zum vierten Stück der Platte „Neuronengesang“ überwechsle. Und auch bei diesem passiert jetzt nichts wirklich Neues oder aufregendes mehr. Und damit habe ich genug von dieser Platte gehört.
Für mich eher ein Album – um es mal gehört zu haben und zu kennen – um zu hören – wie sich Schulze zu Anfang „solo“ angehört hat und bin jetzt gespannt ob er sich schon - vielleicht auf „Blackdance“ dann – etwas weiter entwickelt hat und auch schon was mit mehr Melodie oder mehr Sequenzern macht. Ich werde es bald herausfinden.


19.01.26
Temple of the Dog – Temple of the Dog (1991)
Noch ein Lieblingsalbum und eins der besten Rock-Alben ever. Der Grund für die Gründung von Temple of the Dog ist ein trauriger gewesen. Andrew Wood, Frontmann der Band „Mother Love Bone“ war an einer Überdosis Heroin gestorben, sein Mitbewohner Chris Cornell (Soundgarden) schrieb daraufhin zwei Songs – die er nicht auf einem Soundgarden-Album packen wollte. Mit seinem Schlagzeuger Matt Cameron und den beiden Ex-Mother Love Bone Mitgliedern Jeff Amend, Stone Gossard, sowie Gitarrist Mike McCready, die sich zur der Zeit für Aufnahmen für das erste Pearl Jam-Album im selben Studio befanden, begann er die Songs aufzunehmen, und mit ihnen weitere Stücke aufzunehmen. Bei dem Song „Hunger Strike“ war auch Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder als Gast-Sänger tätig und er ist auch im Background einiger Songs zu hören. Live wurde das Album nur einmal gespielt. Einige Songs wurden aber zum 20jährigen Bandjubiläum von Pearl Jam noch mal live gespielt. Neben dem Pearl Jam-Alben „Ten“ & „Vs“, Nirvana´s „Nevermind“ und dem Soundtrack zum Film „Singles“ ist diese Platte auch Teil meiner Lieblings-Grunge-Alben (Okay, dass Soundgarden-Album „Badmotherfinger“ gehört da auch noch irgendwie dazu).
„Say Hello 3 Heaven“ hat was von einen Alice in Chance-Song – aber mit diesem unglaublichen Gesang von Chris Cornell – der für mich wirklich der beste Rocksänger aller Zeiten ist – weil er eine Rockröhre mit ganz viel Seele ist. Ansonsten definiert dieser Song schon sehr gut den Sound of Grunge – oder wie jemand mal sagte: „Der Blues des weißen Mannes“.
Absoluter Rocksong-Knaller. Besser geht es nicht: „Reach Down“. Und darauf folgt das unwiderstehliche beste Zusammenspiel von Chris Cornell und Eddie Vedder: „Hungerstrike“. Bei dem Song bin ich auch von der ersten gespielten Note an sofort immer drin im Song und selig, glücklich, begeistert. Rockhymne für Grunge-Fans, oder einfach ein verdammt guter Song.
Gefolgt vom nächsten sehr guten Rocksong: „Pushing forward back“. Auch einfach nur mitreißend.
Bluesrock: „Call me a Dog“ – sorgt für eine kleine Atempause. „Times of Trouble“ nimmt mich auch immer von der ersten Sekunde an mit – ich habe mir aber nie den Titel des Songs gemerkt – aber immer wenn ich ihm höre, bin ich begeistert – fast schon eine Rockballade – aber was für eine!
Darauf folgen mit „Wooden Jesus“ und „Your Savior“ einfach zwei weitere unglaublich gute Songs und deshalb ist dieses Album einfach ein Album für die Ewigkeit – und eins für die Insel. Und danach müsste man eigentlich noch die „BadMotherFinger“ und „Ten“ sofort hintendran hören. Und ich weiß, warum ich seit diesen Alben und Nirvanas „Nevermind“ viel mehr „laute!“ Rockmusik höre – als ich dies in den Jahren zuvor getan habe.
Mit ganz viel Blues und Seele: „Four Walled Word“. Gleiches gilt auch für „All Night Thing“.
Allein wegen „Reach Down“,“Hungerstrike“, „Pushing forward back“, „Times of Trouble“, „Wooden Jesus“ und „Your Savior“ verdient es das Album von mir verehrt zu werden.
16.01.26
Kettcar – Du und wieviel von Deinen Freunden (2002)
Das ist ein Lieblingsalbum mit einer perfekten ersten Plattenseite – nur tolle Songs. Es sind nicht die Texte – sondern die Kombination von hervorragender Musik – mit häufigen Rhythmuswechseln innerhalb eines Songs – und die einfach großartige Grundstimmung des Albums – dazu noch deutschsprachige Musik für Menschen die das Teenageralter längst hinter sich gelassen haben, aber immer noch gerne auf Partys gehen und sich dem „echten“ Leben stellen – irgendwie passt die Musik von Kettcar immer zu meinem Lebensgefühl und fühlt sich richtig an – gleiches gilt auch für den Labelkollegen Thess Uhlmann und der Band deren Frontmann er mal war names Tomte, die zusammen mit Kettcar der deutschsprachigen Rockmusik ne Priese neue Kraft einhauchte, nachdem die Hamburger Schule an Kraft verloren hatte. Aber es blieb dabei, dass das das Gute aus Norddeutschland/Hamburg kam. Musik direkt von den Landungsbrücken.
Schön und ruhig fängt das Album mit „Volle Distanz“ an. Ich mag aber auch die Stimme von Markus Wiebusch einfach gerne hören und dazu diese ruhige Rockmusik – einfach schön.
Tempo auf Partylaune angehoben: „Ausgetrunken“ – toller deutscher Indie-Rock. Und mit großartigen Tempo- und Melodiewechseln ausgestattet. Da kommt sogar Punkrock-Stimmung auf (Kettcar entstand ja aus der Punkband Names „But Alive“ heraus).
Und der nächster Knaller folgt mit „Money left to burn“ – Gitarrenriffs, die einen direkt einfangen – tolle Gesangsharmonien - Super Song.
Danach eine Indie-Rock-Ballade: „Wäre er echt“. Einfach alles gute Songs – da stimmt alles – diese Songs begeistert mich bei jedem Hören.
Knaller-Song und Hamburg Hymne „Landungsbrücken raus“. Bei „Balkon gegenüber“ vermisse ich immer die zweite Strophe, die Markus Wiebusch mal auf seiner Solotour gesungen hat – aber dieser kurze Song ist auch so ein kleiner großer Songdiamant.
Das die Platte 23 Jahre alt ist – kann man auch überhaupt nicht heraushören – klingt immer noch frisch – als wäre sie gestern aufgenommen worden.
Die Seite 2 habe ich tatsächlich viel seltener gehört, als die erste – weil mich die erste Seite immer so umgehauen und begeistert hat – war ich nach dem Hören immer so glücklich, dass ich die zweite Seite nicht mehr abgespielt hatte – konnte einfach nicht mehr besser werden (ja, ich bin manchmal komisch). Natürlich tue ich den Songs der zweiten Seite damit total unrecht und schreibe nun hier hin: Die Seite 2 ist genauso gut.
Sanfterer Indie-Rock: „Jenseits der Bikinigrenze“. Aber tatsächlich ist mir der Song viel weniger geläufig als die zuvor gehörten Stücke. Flotter gerockt: „Lattenmessen“. Mitsingrefrains gibt es von Wiebusch und Band auch ganz viele. Obwohl die Texte, doch oft nur Satzfragmente sind, die schön stimmig aneinander gereiht sind. So eine richtige Handlung wie bei „Balkon gegenüber“ gibt es eher seltsam – eher Lebens-Philosophie und Erfahrungen für mittelalte Menschen. Da kann jeder für sich herausziehen, was er möchte – und die Dichtung des Sängers passt auf ganz viel im Leben (von mittelalten Menschen – die auch stetig älter werden.)
Die Rockballaden können die Band aber auch wirklich gut: „Im Taxi weinen“ und der Refrain ist super schön.
Noch ein richtiger Hit: „Hiersein“. Diesen anschmiegsamen Pop-Rock Sound haben Kettcar wirklich sehr gut drauf. Da ist man ab den ersten Takt des Liedes sofort drin – und der Rest wird auch nicht schlechter. Gleiches passt auch zu „Ich danke der Academy“ -. ist aber ein etwas lauteres Stück zum Schluss.
Ganz tolles deutschsprachiges Rockalbum. Lieblingsalbum mit vielen Lieblingssongs.


15.01.26
Klaus Schulze – X (1978)
Ich mag ja Tangerine Dream – auf jeden Fall die Platten der späteren 70er und vom Anfang der 80er Jahre (kenne da die Alben bis „Le Parc“). Aber auch Klaus Schulze war mir bekannt – aber irgendwie nicht so für mich bisher interessant, dass ich mich da mehr mit seiner Musik beschäftigen wollte – dabei ist diese eigentlich was für mich – genau wie bei Kraftwerk und Tangerine Dream gilt es auch da – die ganz frühen Sachen überspringen und so ab 1975 kann man dann Anfangen die Platten zu hören und zu entdecken. Ambientklänge, aber vermischt mit etwas Rockklängen und ich mag es, dass die Musik bei „Friedrich Nietzsche“ auch rhythmisch etwas bietet – da kann ich mich dann mehr in die Melodie fallen lassen, die sich eigentlich auch nie groß verändert. Aber dafür ist diese Musik bekannt, die mal mit einer Radiosendung namens „Schwingungen“ den richtigen Oberbegriff zugeteilt bekommen hat.
Meditativ, New Age, Berliner Schule darunter fällt diese Art der elektronischen Musik. Neben Tangerine Dream, gab es da natürlich noch den Franzosen Jean-Michel Jarre (der aber natürlich nicht unter die Berliner Schule fällt) – aber ich finde bei den Alben der späten 70er Jahre, dass die elektronische Musik von Tangerine Dream und Schulze irgendwie besser gealtert ist, weil sie doch etwas mehr Angriffsfläche und Unterhaltung bietet, als das Herumgewaber und Gerausche auf den Platten von Jarre das man durchhören muss, bis dann die paar „Hits“ endlich auftauchen, die in dem Effekt-Gewabber versteckt sind.
So gefällt mir doch „Friedrich Nietzsche“ dann weil er trotz Plattenseintenlänge mich gut unterhält. Die Schlagzeugarbeit von Harald Grosskopf ist bei dem Song auch ganz beeindruckend und gibt dem ansonsten elektronischen Song das gewisse Etwas.
„Georg Trakl“ ist ruhiger angelegt als das erste Stück, dafür aber auch wesentlich kürzer. Spannung kommt auf bei „Frank Herbert“. Dem bekannten SF-Autor und dessen Hauptwerk widmet der Musiker Klaus Schulze nach diesem Album ein Jahr später mit „Dune“ noch eine ganze Platte. Aber „Frank Herbert“ ist mit seinen treibenden Klängen wirklich sehr gut geraten. Natürlich muss man diese Art von etwas eintönigen und langen Stücken mögen. Weil wie geschrieben die Rhythmik bei Schulze stimmt, mag ich es – da höre ich gerne auch lange zu und es ist viel unterhaltsamer als so manche moderne Dronemusik-Platte, bei denen sich rhythmisch leider meist so gar nichts tut, sondern Töne nur ganz leicht verschoben werden, so dass es eher Klangkunst als Musik ist.
„Friedemann Bach“. An der barocken klassischen Musik, die wohl der Sohn von Johannes Bach gespielt hat, erinnert vielleicht der Sound des Stücks, das Schulze (genau wie bei dem Stück „Ludwig der II. Von Bayern“) mit dem „Kleinen Streicher Orchester“ des Hessischen Rundfunks aufgenommen hat.
Ich mag die etwas düstere Atmosphäre des Stücks und die Effektspielerreien, die geschickt und sparsam, aber dafür um so besser wirken.
Da beweist Schulze auch, dass er schon damals mehr als Komponist von „zeitgenössischer Musik“ tätig war – als nur noch reine Elektronik zu machen.
„Ludwig II von Bayern“ widmet Schulze gleich ein fast halbstündiges Werk. Das Stück braucht etwas um melodiös zu werden, belohnt dann aber durch einen sehr guten Mix von natürlichen Streichern und elektronischen Drumherum. Das Talent etwas größeres zu komponieren, beweist Schulze erneut. Das fast fünfzigjährige Werk Namens „X“ beeindruckt mich immer mehr und ich habe es als Stream begonnen zu hören, besitze ich es nun beim Hören dieses Stückes auch schon die CD. Und wenn ich etwas besonders an der orchestralen Musik mag, dann sind es gute Streicherpassagen und davon bietet „Ludweig II von Bayern“ einige. Und die Musik und die Melodien, die Stimmungen verändern sich auch immer wieder.
Teils zieht sich das Stück dann doch mit zunehmender Länge, da kommen die Melodien, wie so oft bei elektronischer (New Age) Musik zum erliegen und es wird über immer länger werdende Minuten ein Teppich aus Klängen und Stimmungen geschaffen – die irgendwie wieder eher zu einer Rauminstallation passen – als dass sie auf eine Platte oder CD gehören – und was waren doch die zuvor gehörten Streicherpassagen so gut gelungen. Anscheinend befand sich der liebe Ludwig eine lange Zeit in einem gewissen Schwebezustand in seinem Leben. Dann wird es aber doch wieder rhythmisch (so ab Miunte 19 herum) und sofort ist das wieder sehr gut. Und als die Streicher verklingen, ist der folgende elektronische Part nochmal richtig gut – aber auch etwas zu lang geraten ist – das Stück hätte man gut um zehn Minuten kürzen können.
Als letzte musikalische Vertonung eines Lebenslauf hat sich Klaus Schulze „Heinrich von Kleist“ ausgesucht. Auch diese Biographie ist fast dreißig Minuten lang geworden. Das Stück beginnt sehr verhalten und erinnert da doch an Ambient-Klänge von Jarre oder Schulzes frühen Platten – so richtig viel passiert da nicht – es sind elektronische Schwingungen gepaart mit Streichern. Da braucht es dann sehr viel Ruhe – oder das Einlassen auf wenig Melodiöses – Hintergrundrauschen mit Effekten – manchmal aufgebrochen durch lautere Klänge. Und viel ändert sich daran auch nicht. Nach fast fünfzehn Minuten kommt das Stück fast ganz zum Erliegen, nun übernehmen Effekte und reine Klänge die Oberhand – in der Geräuschkulisse befinden sich ein paar sehr bemerkenswerte Klänge, was das Hören nicht ganz uninteressant gestaltet. Danach trägt ein Chor das Stück in erhabene Gefilde – Schulze entdeckt das Himmelreich. Und am Ende darf auch Schlagzeuger Harald Großkopf mit ihm dieses bearbeiten.
Tatsächlich bin ich schon recht begeistert von dieser Platte, die mehr ist als New Age/Elektronik Musik – das ist dann doch eher zeitgenössische Komposition und wird heute von Musikern wie Hauschka, Niels Frahm und anderen weiter fortgeführt. Elektronische Musik in große Kunst verpackt. Und auch der Schlagzeuger Harald Großkopf ist nun ein Musiker, den ich genau wie Schulze mehr Beachtung schenken werde. Lohnendes Entdecken.
14.01.26
Chicago – Chicago III (1971)
Auf dem dritten Album wird der Stil des Vorgängeralbum mit sogenannten Suites (zusammenhängenden Stücke (Songs), die ein Ganzes bilden) und Einzelstücke fortgeführt. Vor den drei Suites – „Travel Suite“ (acht Songs), „An Hour in the Shower“ (fünf Songs) und „Elegy“ (sechs Songs), die jeweils eine Plattenseite füllen, gibt es auf der ersten Seite vier Einzelsongs zu hören und zwei weitere vor „A Hour in the Shower“.
Das Songwriting teilt sich die Band, jeder darf mal, aber die Hauptarbeit übernehmen Peter Cetera (Vocals, Bass), Terry Kath (Vocals, Gitarre) und Robert Lamm (Vocals, Keyboard) auf den ersten drei Plattenseiten, während bei „Elegy“ der Trompeter James Pankow den Ton angibt.
„Sing a mean Tune“ setzt auch den mit Blues aufgeladenen Funkrock der Vorgängeralben fort und gibt den dreiköpfigen Bläsersatz der Band dabei viel zu tun – so ganz springt hier der Funke aber nicht so auf mich über, wie es beim Debütalbum noch beim Song „Introduction“ getan hat, dazu ist der Funkrhythmus des Songs leider einfach nicht mitnehmend genug oder ich habe so was schon zu oft gehört und so ein großer Funkfan bin ich dann auch nicht. Selbst das Gitarrensolo von Kath kann mich diesmal nicht so richtig überzeugen. Alles klingt wie schon mal gehört. Tritt die Band nach drei Alben etwa auf der Stelle?
Swingender Jazz ist da doch viel schöner anzuhören und macht dann auch wirklich Spaß, nur leider recht kurz: „Loneliness is just a Word“.
Country-Rock gibt es sogar auch diesmal: „What else can I say“ – auch sehr schön. Okay, die Band tritt nicht auf der Stelle.
Bluesrock, der schon bekannten Art – aber wieder mehr rockig als funkig: „I don´t want your Money“.
Die „Travel Suite“ besteht aus acht Einzelstücken. Die Stücke sind geprägt von den Reisen und dem Tourleben der Band und zeigen ein weiteres musikalisches Gesicht der Band. „Flight 602“ klingt wie der Singer-Songwriter-Rock von L.A. und ist eine wirklich nette Abwechslung.
„Motorboat to Mars“ ist einfach mal ein Schlagzeugsolo. Auch mal was anderes. „Free“ rockt einfach mal kurz – mal ein Ausbruch von Hippie-Rock-Nostalgie.Von einer Suite hätte ich eigentlich erwartet, dass die Songs alle – ein langes Stück bilden, doch dass ist hier auf jeden Fall nicht der Fall.
Pianoklänge, Flöte – sanft bis experimentell, sich zwischen Jazz und Folk und Prog bewegend: „Free Country“. Darauf folgt klassischer 70er Rock mit Singer/Songwriter-Einschlag: „At the Sunrise“.
Der Abschluss der „Travel Suite“ mit „Happy ´Cause I´m going Home“ ist ein unwiderstehlicher Song, der einfach zeigt, welch unglaubliches musikalisches Können in der Band namens „Chicago“ steckt. Und ich glaube, solche Musik muss sich einfach durch Jahre langes Zusammenspiel der Bandmitglieder, erarbeitet werden. So klingt nur eine voll eingespielte Liveband. Ganz starker Song.
Es folgen zwei Einzelsongs: „Mother“ ist ein flotter Rocksong im Westcoast-Stil – aber natürlich hebt der Bläsersatz der Band den Song über das gewohnte Maß hinaus und verwandelt sich dann doch auch zum Jazz-Rock. Ziemlich coole Nummer, die einen sanften Abschluss verpasst bekommt.
„Lowdown“ ist eine ziemlich soulige Rocknummer – macht auch viel Spaß. Ich glaube, dieses dritte Album gefällt mir wieder besser als das zweite Album. Und immer noch sind wir ganz weit musikalisch entfernt von dem Schmusepop späterer Alben. Und schon irgendwie beeindruckend wie „schwarz“ sich diese durchwegs mit weißen Musikern besetzte Band klingt.
„An Hour in the Shower“ ist eine sehr kurze Songsammlung. In sechs Minuten werden die Stücke „A hard risin Morning without Breakfast“, „Off to work“, „Fallin´ Out“, „Dreamin´ Home“, „Morning Blues again“ – als Mischung aus Soul/Blues/Beach Boys-Pop dargeboten – die man auch gut als Einzelstück hätte durchgehen lassen können.
„Elegy“ besteht aus vier auch sehr kurzen Teilen mit den Titeln „When all the Laughter dies in Sorrow“, „Canon“, „Once Upon a Time“, „Progress“ und dem längeren „The Approaching Storm“. Das erste Stück besteht aus gesprochenen Wort. Danach bekommt der Bläsersatz wieder was zu tun und spielt eine Art gemächliche Fanfare. Gefolgt von einer eher zarten, romantischen Melodie, die dann doch etwas an Tempo gewinnt, um in sanftere Gefilde zurückzukehren. Danach dürfen die Bläser alleine ziemlich gekonnt auftrumpfen – doch dann geht dies in Verkehrs- und Baustellenlärm unter.
Das längere „The Approaching Storm“ ist dann nochmal eine längere instrumentale Jazzrock-Nummer, die auch mit Funk-Elementen spielt.
Am Ende des dritten Albums befindet sich das kurze „Man Vs. Man: The End“. Dieser Epilog ist aber nicht mehr als das dramatische Ende des Vorgängerstückes.
Chicago erweitern mit diesem dritten Album erfreulich ihre Bandbreite und unterhalten mit dem Album auf vielfältige und mutige Weise. Auch das viele Stücke einfach mal instrumental gehalten werden, finde ich sehr gut. Damit präsentieren sich Chicago als eine Band, die mehr kann als perfekten Bluesrock mit Soul zu mischen. Jazz- und WestCoast-Rock-Elemente sind eine willkommene Abwechslung für mich als Hörer. Nur über die Covergestaltung könnte man streiten.


13.01.26
New Riders of the Purple Sage – New Riders of the Purple Sage (1971)
Bei New Riders of the Purple Sage spielte Jerry Garzia (der die Band nach dieser Platte wieder verließ) und Phil Lesh von The Greatful Dead mit und der Sound der Band unterscheidet sich dann auch nur wenig von dem dieser Band: Country-Hippie-Singer/Songwriter-Rock mit ganz viel kalifornischen Lebensgefühl dabei. Das reicht eigentlich um die ersten Songs der Platte zu umschreiben. Ein Song wie „Portland Woman“ ist eigentlich reine Singer/Songwriter-Musik.
Nur ein Stück ist etwas länger geraten, die meisten Stücke sind meist um die drei oder vier Minuten lang. Das ist alles schön harmonisch und fein musiziert. Bei „Henry“ ist der Country-Musik-Charakter mal etwas ausgeprägter geraten. Das sanfte „Dirty Buisness“ gefällt mir mit am besten – weil der Song mal was ganz eigenes hat – und das ist dann auch der einzig richtig lange Song auf der Platte.
Country-Roots: „Glendale Train“. „Garden of Eden“ nimmt mit seinem leichten Rock den Hörer auch sehr gut mit. Wer klassischen 70er-Jahre-Rock mag, der mag diesen Song.
Feiner Singer-Songwriter-Song: „All I ever wanted“. „Last Lonely Eagle“ erinnert schwer an Bob Dylan und The Band, ist nur eben viel sanfter und harmonischer im Gesang. „Louisiana Lady“ schließt das Album mit Beat-Feeling ab.
Kein MustHave-Album, aber eine schöne Ergänzung wenn man sich für die Musik der amerikanischen Westküste interessiert.
12.01.25
Prefab Sprout (Paddy McAloon) – I Trawl the Megahertz (2003)
Nach einer schweren Augenoperation musste sich Paddy McAloon irgendwie beschäftigen und hörte viel Radio. Und da entstand die Idee zu einem teilweise orchestralen, fast instrumentalen Album mit nur wenig Worteinsatz. Dafür nutze er gesammeltes Material, das er von Radiosendungen aufgenommen hatte und ließ dieses in das Album mit einfließen. Erst wurde das Album als ein Album von Paddy McAloon herausgebracht, dann aber doch auch kurze Zeit später unter dem bekannten Namen Prefab Sprout herausgegeben.
Das Titelstück „I Trawl the Megahertz“ ist schon mal vinylseitenfüllend – orchestral, eine Frauenstimme spricht über die Musik: „This is the Story of my Life….“. Warme Klänge. Zu dem Orchester kommen Jazzmelodien hinzu – sehr schön kombiniert. Bei gesprochenen Wort über Musik bin ich immer zwiegespalten – wem soll ich lauschen – der Musik oder dem Text – bei mir gewinnt da meist die Musik und deshalb nehme ich dann den drübergesprochenen Teil als eher störend wahr. Eher zeitgenössische MusikKunst als Song ist dieses Stück – dabei ist die Musik aber wie beschrieben sehr schön arrangiert – doch sie tritt bei all dem Schönklang auch auf der Stelle – variiert die Instrumentenzahl die genutzt wird – aber die Melodie bleibt stets gleich – so bleibt der Eindruck eines musikalischen Hörbuchs doch stark erhalten – klingt aber schön – wird jetzt aber nicht ein Titel werden, den ich all zu oft noch später hören werde. Was wegen der schönen Musik schade ist – aber das Stück ist einfach viel zu lang geraten – etwas variantenreicher wird es erst nach vierzehn Minuten Lauflänge. Was dann doch etwas zu spät ist, um das Stück noch als abwechslungsreich zu bezeichnen. Aber vielleicht gibt das Stück auch mehr her – wenn man auf den gesprochenen Text mitachten würde.
Symphonischer, mit mehr Tempo: „Esprit De Corps“ – instrumental, aber sehr gute orchestrale Musik – erinnert an Mike Batt und die schnelleren Stücke von Brian Eno. Wer aber ein typisches Prefab Sprout-Album hören will, sollte da mit einer der anderen Alben lieber seinen Einstieg versuchen. Dieses Werk unterscheidet sich doch sehr von den ansonsten feingeschliffenen Songperlen des Paddy McAloon.
Kammermusik: „Fall From Grace“ – auch sehr gekonnt. Als Komponist ist Padedy McAloon auf jeden Fall einer der sein Handwerk versteht. Für die Orchester-Arrangements zeigt sich David McGuinnes verantwortlich. Zehn Musiker waren an den Aufnahmen beteiligt, darunter die Streicher vom Robert McFall Orchester. Bei „We were poor….“ mischen sich die klassischen Arrangements mit Jazz – schöner Mix.
Tolle Musikstücke – einnehmend und mitnehmend und begeisternd – ganz klasse auch: „Orchid 7“. So mag ich „Zeitgenössische Musik“.
„I´m 49“ – ist dann wohl das Stück in der einige, der von McAloon gesammelten Radio-Samples, Verwendung fanden. Das erinnert dann wieder an das Titelstück – ist aber nur unter vier Minuten lang – so gefällt es.
Das ist schöne Kammer-Musik, die Klassik, Jazz und versteckt Pop verbindet – Ambient – könnte man es auch nennen und bei „Sleeping Rough“ hörte man dann doch mal die sanft angenehme Stimme von Paddy McAloon – die egal wie alt er ist, sich immer gleich anhört. Die genauso leicht über die Musik drüber singt, wie diese klingt.
„Ineffable“ – ist da wieder ganz konzentriert gespielte Musik, und mit etwas mehr Tempo geht das Album dann leider mit „...but we were happy“ zu Ende.
Bis auf das zu lang geratene Titelstück – ist das ein Album für Musikkenner – die von Musik mehr verlangen als es Pop- und Rockmusik im Allgemeinen verlangt – die kürzeren Instrumentalstücke dieser außergewöhnlichen Prefab Sprout-Platte werde ich lange und immer gut in Erinnerung halten, und ebenso gerne immer wieder hören.


10.01.26
No Doubt – Rock Steady (2001)
Natürlich war ich großer Fan des Songs „Don´t speak“ – ich hatte aber nur die Single-CD vom Song, nicht das dazu gehörige Album, habe mir die Band aber in der Arena Oberhausen damals sogar live angeschaut und gehört und war da verwundert, wie viel Ska-Punk-Elemente „No Doubt“ in ihrer Musik drin hatte. Irgendwann gefiel mir dann wieder eine Single – ehrlich geschrieben, weiß ich heute nicht mehr welcher Song es genau war und habe mir deshalb aber diese CD gekauft – die ich meiner Meinung nach, dann nie richtig angehört habe. Also ist dies jetzt kein Wiederhören sondern eher ein Neuentdecken.
Nach einem kurzen Intro geht es mit „Hella Good“ auf modernen New Wave-Pfaden zur Sache – solch einen Sound hat sich auch zum Beispiel eine „Pink“ oder andere Musiker/innen angeeignet, die rockigen Pop machen. Ein Song bei dem die Tanzflächentauglichkeit letzten Endes größer ist als der Rockanteil. Aber schlecht ist der Song nicht – reißt mich aber auch nicht vom Hocker – Radiomusik halt.
Mit Rock oder Ska-Punk hat auch „Hey Baby“ herzlich wenig zu tun. Das ist mehr Pop-R&B und setzt vor allem Frontfrau Gwen Stefanie ins rechte Licht. Ich nenne das auch gerne Produzenten-Pop – weil bei der aufwendige Produktion, die Musik zwar auf Hitparadentauglichkeit getrimmt wird, aber irgendwie fehlt dieser Musik immer Seele, die Emotionen und die Ehrlichkeit. Partymusik halt.
Und dies zieht sich dann wie ein roter Pfaden durch die Platte – das ist so perfekt für die Charts produziert – klingt wie die Musik von Pink, Katy Perry und Co – Lupenreiner Pop – neutral in der Ausstrahlung, so auch „Making Out“. Mit Rock und Punk hat das so gar nichts mehr zu tun.
Dann doch lieber Reggae – denn „Underneath it all“ macht dann doch irgendwie Laune. Klingt jetzt zwar überhaupt nicht nach der rotzigen, coolen Gwen Stefanie – dafür ist der Song weniger aufdringlich und funktioniert als Pop-Reggae ganz ordentlich. Vielleicht war das auch die Single, die mich zum Kauf des Albums damals genötigt hat. Sicherlich guckte Gwen in dem Video zum Song auch ganz verführerisch.
Mit „Detective“ geht es zurück zum Pop. Dem Album wurden aber auch alle typischen Rockband-Elemente entzogen. Das ist der gleiche Scheiß, den Fans auch mit Bands wie „Coldplay“ durchgemacht haben – erst war das eine Band – heute nur ein massenkompatibler Frontmann – im überproduzierten Sound- und Bühnenkostüm. Da treibt der Kommerz der Musik die Seele aus. „Detective“ ist aber wirklich noch einer der besseren Songs bisher auf dieser CD – aber das klingt für mich alles nicht nach „No Doubt“.
Dann kommt es aber zu einer positiven Überraschung – bei „Don´t let me down“ rockt es mal. Hey! Und das macht dann direkt mehr Spaß. Dass klingt wie 2000er Rock.
Bei „Start the Fire“ setzt sich aber der Popcharakter der Platte wieder durch – zwar etwas mit Reggae versetzt – und ganz annehmbar – aber irgendwie auch schon wieder zu viel von zu vielen.
Wäre das ein Gwen Stefanie-Solo-Album hätte ich weniger zu schreiben, denn da hätte mich diese Ansammlung von fein produzierter Pop-Song gar nicht so gestört. Aber bei einem „No Doubt“-Album hätte ich doch etwas mehr oder besser gesagt etwas anderes erwartet.
Als sanfter Pop-Song ist „Running“ sogar ganz schön – aber….
„In my Head“ – sprudelt auch vor Leichtigkeit – das aber wie bei so vielen Songs auf der Platte leider sehr aufgesetzt wirkt. Musik gemacht, um zu gefallen – und gerade das gefällt mir nicht.
Es werden Gitarren zu Anfang von „Platinum Blonde Life“ gespielt – da gibt es doch noch einen zweiten Rocksong auf der Platte zu finden. Und sofort passt das wieder viel viel besser. Natürlich weil ich solche Musik erwartet habe und kaum bekommen habe – Die Erwartungshaltung des Hörers ist schon nicht zu unterschätzen.
Wieder sehr elektronisch und letzten Endes doch nur ein weiterer Popsong – wenn auch etwas düsterer gehalten „Waiting Room“. Seltsamer Weise ist das Album aber nicht wie vermuten von Rap & R&B Produzenten so auf Pop getrimmt, da sind ein paar ganz versierte Künstler als Produzenten bei dem Album beschäftigt worden, das sind Sly & Robbie, Oribital, Prince, Neele Hooper und Ric Ocasek.
Titelsong „Rock Steady“ - Mischung aus Reggae und Pop.
Fazit: Viel zu wenig „No Doubt“ – viel zu viel Popmusik. Das ist viel zu wenig für mich. Bleibt nicht im Regal.
08.01.26
Muse – The Resistance (2009)
Einfach mal ein Album von Muse kaufen und hören und dann bewerten, ob das was für mich ist. Das war wohl der Kaufgrund für das Album. Ich kenne wirklich kaum was von Muse – die sind eher mir mehr vom Namen als von ihrer Musik her bekannt – in den frühen 2000er Jahren gab es einfach zu viele Bands im Indie-Rock-Bereich (von denen die meisten aber bei Major-Label glaub ich unter Vertrag waren – also eher wie Indie-Bands klangen und ich verwechsele auch Bands wie Maximo Park gerne mit anderen – irgendwie schafft es mein Hirn nicht mehr die alle einzeln richtig zu verordnen. Nur The Kooks – dank des Sängers – und Mando Diao – weil ich die mal gut fand und dann gar nicht mehr so viel damit anfangen konnte – sind noch richtig abgespeichert. Aber neben Muse und Maximo Park, gibt ja noch Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Strokes und und und – und die alle konnte ich bisher nicht richtig abspeichern – nur in Teilen und jeweils ganz wenig davon. Keine Absicht – ist aber so.
Also einfach mal eine CD von Muse hören. Album Nummer fünf und damit so was wie ein Mittelstück ihres Schaffens.
„Uprising“ klingt so, als wollen Muse den Sound von Mando Diao elektronisch behandelt zum Power Pop-Rock machen, dann aber wiederum gesanglich melancholisch im Refrain mit Radiohead-Touch versehen. Weiß nicht, ob mir das jetzt gefallen soll. Irgendwie ist mir das zu gewollt. Andere Hörer werden dass aber sicherlich als mitreißend empfinden. Mich lässt das seltsam kalt.
Ich glaub, wenn ich „Resistance“ mit seinem Stil-Mischmasch und die Platte nur bei Spotify gehört hätte – wäre ich nun an dem Punkt, das Hören schon abzubrechen – denn ich glaube mit „Muse“ und dem Album werde ich keinen Spaß haben – dass ist nicht meins – obwohl da viele Zutaten eigentlich stimmen – aber ich hab das alles schon Besser gehört und was noch wichtiger ist, ich hab es gehört ohne dass es so scheiß aufdringlich ist.
Aber, da ich die CD jetzt höre und mir auch nicht zu schnell ein abschließendes Urteil bilden will – höre ich weiter.
„Undisclosed Desires“ finde ich, weil es ja sich vom Sound mehr wie ein R&B & SoulPop-Stück anhört und damit einfach nur Pop ist und nicht aufgesetzte Rockmusik wie bei den Stücken zuvor, gut. Der Song bleibt in der Playlist.
Mit ein an „Let it Be“ erinnerndes Klavier beginnt sanft „State of Eurasia (+ Collateral Damage)“ – das Stück wird zunehmend symphonisch und wird zur Queen-Kopie – und wieder haben sie bei mir den „Das ist zuviel-Knopf“ gedrückt. Weil es einfach zu viel des Guten ist.
Dann folgt mit „Guiding Light“ noch ein Rock/Pop-Schlager – den ich ganz unerträglich finde. Bei „Unnatural Selection“ kommt zum Album-Mix noch eine Hartrock-Nummer hinzu – aber ich verzweifle nur noch, an dem was ich höre. Breche den Song einfach ab.
„MK Ultra“ – Power-Rock. Obwohl auch nicht schlecht, lässt mich auch der Song trotzdem kalt. Natürlich bin ich von vielen, was ich zuvor gehört habe, jetzt aber auch angenervt – und da ist es dann natürlich schwer noch objektiv weiter zu hören – aber ich glaube der Hauptfehler bei der Musik der CD ist einfach das sie mich emotional überhaupt nicht packt – ist so wie der elektronische Party-Pop den Coldplay nur noch verzapfen. Wenn Musik nur noch wie ein Hollywoodblockbuster konzipiert wird – kann ich damit ganz selten was anfangen und deshalb wird auch KI-Generierte-Musik es mit mir schwer haben (zum Glück).
Der Anfang von „I belong to you (+ Mon Cœur S'Ouvre À Ta Voix)“ lässt mich aber aufhorchen. Verpackt als Chanson + Rock funktioniert der Mix noch mal etwas besser – macht auf jeden Fall etwas Spaß zu hören – auch wenn es wieder viel weniger pompös sein könnte.
Es folgt dann auch noch zum Abschluss eine Symphonie in drei Teile: „Exogenesis“ – wie zu befürchten, finde ich das auch nicht besonders gut. Pompöser moderner Rock wie „Muse“ ihm machen – ist nichts für mich. Ende der Durchsage und CD wird abgegeben.


Tagline
Alda Reserve – Love goes on (1979)
Ich mag es Bands zu entdecken, die es nur zu einer Platte gebracht haben – da muss ich mir dann wenn ich die Band gut finde, nämlich nichts mehr kaufen, spare Geld und kann andere Musik neu entdecken. Kann aber auch sein, dass ich mich darüber ärgere, dass Alda Reserve nicht weitere Platten gemacht haben, weil ihr New Wave vielleicht richtig gut ist. Vielleicht, vielleicht.
Die New Yorker Formation war bei Sire Records unter Vertrag. Ihr New Wave klingt sehr rockig: „Some get away“. Da mischt sich der New Wave hier verstärkt mit frühen Alternative Rock. Von der Aufnahme her klingt es wie etwas verhallt produzierter Garagen-Rock. Die Songs erinnern aber auch an die Musik von Blondie – aber vom Gesang her dann so, als würden Hüsker Dü bei Blondie mitmachen – das finde ich eine sehr ansprechende Mischung. „Dressed vor Love“ hat auch ein wenig Springsteen-Feeling mit dabei.
Noch ein wenig rockiger wird es bei „Cure me“ – da klingen sie wie die „Pretenders“. Vinyl wurde gerade über Discogs bestellt. Und ich bedauere es sehr, dass es von der Band nicht mehr zu hören gibt – die Frage wäre dann auch beantwortet.
„Pain is mine“ – hat ein starkes Rock´n´Roll-Feeling.
„Overnite Jets“ – erinnert ein wenig an Joe Jackson – eigentlich keine wirklich gute Nummer – aber ganz mitreißend gespielt. Die Nummer macht „live“ sicherlich Spaß. Ich wünschte mir ja – das es ein Coverband geben würde – die die guten Songs von guten, aber leider unerfolgreichen Bands spielt – das würde ich interessanter finden – als eine Coverband die mir nur „Bekanntes“ vorspielt.
Blondie, Pretenders plus zugänglichen Punk und etwas Rock´n´Roll – das ist die Mischung die Alda Reserve bietet und zwar gut.
So funktioniert dann auch „Ancient Lies“, Bei „That was Summertime“ klingt es aber nochmal mehr wie Joe Jackson. Musikalisch passt, dass aber auch alles gut zusammen.
„Whiter than White“ – New Wave/Rock-Mix. Am Ende wird mit „Loves gone on“ nochmal ordentlich gerockt.
Gutes Album – wer amerikanischen New Wave mag – mag dieses Album. Ach ja. Digital gibt es auch noch das Album „Moon-Joon“ – ist auch grade digital gekauft worden. Von wegen nur eine Platte.
05.01.26
Van Morrison – Wavelength (1978)
Wie die L.A.-Singer/Songwriter kann ein Van Morrison natürlich auch Musik machen und genauso klingt das erste Stück der Platte – dabei erstaunt, dass es in dem ersten Song „Kingdom Hall“ aber um Morrisons Kindheit in Belfast geht. Musikalisch wird Morrison unter anderem von Robert Tensch (Jeff Back Group, Humble Pie), Peter Bardens (Carmel) und Garth Hudson (The Band) unterstützt.
Soul/Folk wie es eigentlich nur Van Morrison kann – so mit Pfiff, Schwung und so dass es ganz viel Spaß macht: „Checkin´it Out“.
Singer/Songwriter-Stück mit Soul- und Pop-Elementen: „Natalia“ – auch gut. Für mich ist Van Morrison aber auch immer besser und interessanter gewesen als ein Bob Dylan oder Neil Young – auf jeden Fall ist natürlich Morrison der bessere Sänger und seine Musik meist auch etwas zugänglicher – meiner Meinung nach.
Nach einem Paul Simon-Arragement klingt „Venice U.S.A.“. Vielleicht ist Morrison auch wirklich besser mit einem Paul Simon in einen Topf zu werfen – als ihm mit Dylan und Young zu vergleichen – Dylan und Young fallen mir im Zusammenhang mit Morrison vielleicht nur ein – weil diese auch nie aufhören viele Platten rauszuhauen – so dass es mir unmöglich erscheint, es jemals zu schaffen, deren sämtlichen Alben wenigstens einmal im Leben noch zu hören. Das ist, glaube ich, nicht mehr möglich.
Mit Pop-Sound geht es auch angenehm mit „Lifetimes“ weiter. Es ist verständlich, dass dieses leichtfüßige aber sehr gute Album zum bis dahin zum erfolgreichsten Album seiner Karriere wurde. Ich hab es erst durch ein Durchblättern einer alten Musikzeitschrift entdeckt – was gut ist – denn so wie auf diesem Album mag ich Van Morrison richtig gerne.
Die zweite Plattenseite wird sehr gefühlvoll mit „Wavelength“ eröffnet – der nach einem ruhigen Introteil – doch noch zum flotten Pop-Rock-Stück wird.
Das Album gefällt mir wirklich und auch das etwas ruhige, mit viel Gefühl gesungene „Santa Fee/Beautiful Obsession“.
Auch sehr schön – auch gefühlvoll und sehr gut musiziert dabei: „Hungry for your Love“.
Vielleicht am Ende dann doch etwas zu schmalzig: „Take it where you find it – und dann auch noch auf acht Minuten Länge gezogen – aber weil das Van Morrison singt – hat es aber auch was – aber der zweiten Seite fehlte es ein wenig an schwungvolleren Stücken.
Trotzdem ist „Wavelength“ sicherlich eins der besten Alben, das ich bisher von Van Morrison gehört habe. Aber wie geschrieben – ich bräuchte wohl noch zwei Leben um mir sein Gesamtwerk anzuhören. Geschweige denn das von Dylan und Young. Vielleicht bin ich dafür auch schon zu alt.


02.01.25
Say She She – Cut and Rewind (2025)
Noch eine gute Neuentdeckung gefälligst? Gerne. „Say She She“ ist ein Trio bestehend aus Piya Malik, Sabrina Mileo Cunningham, Nya Gazelle Brown. Während Titelstück „Cut and Rewind“ kraftvoller New Wave ist – der so gar nicht alt klingt, wechselt der Stil zum Retro-Soul bei „Under the Sun“. Beides klingt gekonnt und macht Spaß beim Hören. Die drei Damen aus New York/London arbeiten hart an ihrem Durchbruch – dies ist ihre drittes Album in genauso vielen Jahren.
Und ich freue mich über einen weiteren Treffer – da traue ich mich endlich an Musik wieder aus dem Jahre 2025 (ein erster Versuch war im Sommerurlaub gescheitert – da hatte ich mein Glück mit dem Reinhören in ein paar neuen Platten versucht, fand aber nichts – ist mir dann vor kurzen genauso bei dem Versuch Neues aus dem Jahre 1978 zu finden passiert – da habe ich dann aber aus trotz einigen Platten aus 2025 eine Chance gegeben).
Disco – und auch der klingt, so wie Say She She ihn machen richtig gut: „Disco Life“. Funk können die Damen auch: „Chapters“ – der Funk ist aber mit ganz viel Soul gemischt und sehr verführerisch.
Das Gute ist, das Say She She zwar Keyboards nutzen, aber ansonsten auf „echte“ Instrumentierung setzen – das macht ganz viel aus – weil sich alles kantiger und kraftvoll anhört und halt auch wie ein Ausflug in die Endsiebziger. Beim Neo-Soul stimmt dann einfach das Songmaterial – das ist wirklich gut, klingt nicht nach kopieren, sondern nach neuer und guter Musik – bei „Possibilities“ erinnert es mich auch an dem Dancepunk von „Gossip“ (aber auf gute Weise).
Mit dem Neo-Soul-Funk-Disco-Gemisch geht es mit „Take it All“ weiter – auch da macht es einfach Spaß sich dieser Musik hinzugeben. Die Tanzfläche im Kopf und Rhythmus im Blut – It´s funky und ich genieße es, weil es auch einfach mitnehmend produziert und musiziert ist – fühle mich ein wenig so, wie ich mich fühlte, als ich zum ersten Mal die „Parcels“ live erlebt habe – Disco kann ja so gut sein.
Vielleicht braucht es gerade jetzt ja auch eine Band die die Disco-Ära versucht wieder zu beleben. Die jungen Leute haben ja keine Lust mehr in die Disco zu gehen – also erobern wir, die wir für Disco zu jung waren, uns die Tanzfläche zurück – mit Songs in der Qualität „She who dares“ ist dies kein Problem.
Eine Richtung experimenteller und dann landen wir doch beim Dance Punk wieder – aber das Discofeeling bleibt: „Shop Boy“. Soul-Pop: „Bandit“. Neo-Soul: „Little Kisses“. Soul-Funk-Disco: „Do all Things with Love“. Psych-Disco-Neo-Funk: „Make it Know“.
Das Album hat mir sehr gut gefallen. Und die Damen von Say She She sind mindestens genauso gut, wie ihre Vorbilder – vielleicht sogar jetzt schon besser als einige von diesen es jemals waren.
01.01.26
The Barr Brothers – Let it Hiss (2025)
Nach langer Pause veröffentlichen die Barr Brothers ihr viertes Album. Ihr Debüt-Album habe ich gefühlt schon immer in meiner Playlist und die Songs höre ich sehr gerne.
Beim Spätwerk klingt der erste Song „Take it from me“ wie ein Hybrid aus Neil Young und Paul McCartney. Die Qualität des Songs ist gerade zu riesig und hört sich zwar „aus der Zeit gefallen an“ aber auf sehr angenehme weise. Da ich gerade versucht habe, in Musik verschiedener mir unbekannterer Bands aus dem Jahre 1978 Gutes zu entdecken, und dabei mehr oder weniger bei meinem Stichprobenhören diesmal so richtig gescheitert und nicht fündig geworden bin – finde ich diesen bodenständigen Sound, den die Barr Brothers da machen, mal richtig erfrischend. Und das setzt sich noch mehr bei dem mehr rockenden und dann mit elektronischen Klängen versetzten zweiten Stück „Let it Hiss“ in ganz großartiger Weise fort. Habe ich da direkt nach „The Belair Lip Bombs“ nochmal richtig Glück gehabt, mit meiner Musikauswahl? - es scheint so. Die kanadische Band um die beiden Brüder Brad und Andrew Barr leistet da ganz Fantastisches. Das ist nicht nur Indie-Folk, dass ist verdammt gute Rockmusik.
Bei „English Harbour“ helfen Jim James und Arc Iris mit und das ist dann wirklich moderner Folk, wie wir ihm von Bon Iver und Co in den letzten Jahren viel zu zahlreich gehört habe. Das ist schon so entspannend, dass ich es als einschläfernd beschreiben möchte – so schön – aber mehr auch nicht.
Besser ist es wenn die Band rockt. Bei „Run right into it“ klingen sie dann aber dabei schwer nach Lord Huron. Beim modernen Folk-Pop-Rock muss man wirklich schon sich was einfallen lassen und besonders gelungene Songs haben, um nicht in die „schon so oft gehört-Schublade“ zu geraten. Der Song fällt in diese Schublade.
Wenn sie dann eher nach 70er-Jahre-Rock klingen und dabei auch noch von Klo Pelgag gesanglich so toll unterstützt werden – dann wird aus einer einfachen Folk-Rock-Ballade wieder was ganz besonderes: „Moonbeam“.
Schwungvoll wie beim zweiten Stück sind die Barr Brothers dann auch bei „She doesen´t Sleep with the Covers on“ – da klingt es dann wie bei „Vampire Weekend“ – macht aber voll Laune.
Da gibt es auch schon mal einen dicken Pluspunkt für, weil die Platte schön abwechslungsreich ist.
Klassischer ruhiger Rock „Naturally“ – nett und nach hinten raus richtig klasse. Und auch da haben wir dann diese Paul McCartney/John Lennon-Harmonien. Gleiches gilt für „Owning Up to Everyone“.
Bei „Another Tangerine“ ist dann dieses – schon oft gehört Gefühl – und klingt verdammt wieder nach Lord Huron – wieder da. Wenn es einen nicht stört – ist der Song dann aber doch ganz schön.
Zum Schluss spendieren uns die Barr Brothers noch eine fulminante Retrorock-Nummer – da ist die Imitation so gut gelungen – dass es einfach nur Spaß macht.
Gutes Album – mit ein paar wenigen Stücken, die eben schon so klingen als hätte man sie schön öfters gehört – aber die richtig guten Stücke der Platte lassen darüber einfach hinweghören.


31.12.25
Feeder – Comfort in Sound (2002)
Ob leichter Punkrock oder Emocore – melodischer emotionaler Rock präsentieren Feeder – der Grund zur Emotionalität liegt auch wohl an dem, das vor dem Aufnahmen der Platte passiert ist: Schlagzeuger Jon Lee hatte Selbstmord begangen. Der Rest der Band machte weiter, spielte Festivalgigs und brachten schnell dieses – ihr erfolgreichstes Album – heraus.
Und wer melodiösen und emotionalen Rock mag, mag Stücke wie „Just the Way I´m Feeling“. Etwas rockiger „Come back around“. Ich wollte ja schon seit langen mal hören wie „Feeder“ klingen, jetzt weiß ich es und ich mag es. Seltsam, dass ich deren Musik – die ja wie für mich gemacht ist – nicht vorher wahrgenommen hatte – aber der Namen der Band mir seit langen bekannt war.
Für eine britische Band klingt der Rock von „Feeder“ wieder auffallend amerikanisch – aber so wie das Trio bestehend aus Grant Nicholas, Taka Hirose und Mark Richardson das spielen – macht das wirklich sehr viel Spaß zu hören. Das ist Rock, mit leichten Punk-Rock-Feeling – aber eben immer auch nah dran an der Hitparadentauglichkeit. So ein wenig wie „Green Day“ – und die Produktion von Gil Norton verleiht dem Ganzen einen klaren, dynamischen Klang. „Helium“ funktioniert auch so.
„Child in You“ ist dann eher eine Rockballade.
Alles Hits: so auch Titelstück „Comfort in Sound“ – Kritiker mögen es als zu weich gespült oder „Ohne Ecken und Kanten-Rock“ bezeichnen. Aber so viele Songs mit Hitpotenzial rauszuhauen und dabei auch noch richtig gut zu sein – ist beachtlich und dann doch lobenswert.
Schöne Gesangsharmonien gibt es auch. Solche sind bei „Forget about tomorrow“ zu hören.
Leicht melancholisch, trotzdem sehr melodiöser Rock: „Summer´s gone“ und sicherlich Single-Material. Solche Songs gibt es auch viele. Aber die funktionieren bei mir aber auch immer.
Härter können Feeder aber auch rocken: „Godzilla“. Aber sanfter, wie bei „Quick Fade“, mag ich sie lieber. Pop-Rock-Balladen, das können Feeder.
Flotter, wieder sehr radiotauglich – das ist zwar alles sehr massenkompatibel was Feeder machen – aber das ist halt Popmusik. Und wenn er so rockig und gut ist – dann macht mir das gar nichts aus: „Find the Colour“.
Ein Hit folgt auf dem nächsten – könnte ein BestOff-Album sein – so hitparadentauglich klingt das alles: „Love Pollution“.
Das Ende der Platte wird mit „Moonshine“ sanft. Wer seinen Emo-Core mit etwas Popfeeling garniert mag – der macht mit dem Album nichts falsch. Da klingt vieles zwar gleich – aber fast jeder einzelne Song könnte ein Hit gewesen sein.
30.12.25
Emma Swift – The Resurrection Game (2025)
Die Australierin Emma Swift wurde bekannt durch zahlreiche Coverversionen von anderen Künstlern, nun ist ihr erstes Album mit eigenem Material erschienen.
„Nothing and Forever“ ist ein Singerin/Songwriterin-Stück, erinnert an an Lana Del Ray, ist dabei aber leichter, zugänglicher – fast schwerelos, traumhaft ohne traumatisch zu sein. Weich ohne weich gespült – also alles richtig gemacht. Die nun in Nashville lebende Musikerin hat sich dort mit lokalen Musikern für dieses Album zusammen getan unter anderen mit Specer Cullum (...Coin Collection).
Sehr viel schwungvoller aber trotzdem auch irgendwie überirdisch, traumhaft: „The Ressurection Game“. Warum bei Emma Swift ich das so viel besser finde als bei einer Lana Del Ray kann ich gar nicht sagen – vielleicht mag ich die Stimme von Del Ray auch einfach nicht – ich kann ja auch mit Mazzy Star nicht warm werden – aber vielleicht liegt es auch daran, das diese Art verträumte Musik mehr geerdet ist und vielleicht sind die Songs auch einfach besser musikalisch umgesetzt. Vielleicht weil ich „herzerwärmend“ auch mehr abgewinnen kann, als ewiges in Melancholie versinken. Leben heißt auch Freude empfinden und gerade bei Musik will ich das.
Ja, das ist schön, wie Emma Swift Musik macht – es ist nicht super originell – einen Song wie „No Happy Endings“ habe ich schon oft gehört, was solls – wenn der Song trotzdem schön ist, nehme ich den als einen von zehn einfach mit und ich merke, dass ich dieses Album einfach gut finden will. Weil ich das gerade irgendwie brauche. Eine neue Künstlerin zu entdecken, ein aktuelles Album hören – wissen dass Musik egal wann produziert – egal ob heute oder gestern – in mir etwas auslöst – und sei es nur – das ich verträumte Singerin/Songwriterin-Musik mal was abgewinne kann.
Roots/Country/Folk-Singerin/Songwriterin – alles das passt zu „Going where the lonley go“. Da erinnert sie auch an die ruhigen Stücken des letzten Feist-Albums. Dem schließt sich noch genauso das Stück „Beautiful Ruins“ an.
Dann wird es halt doch ein wenig einseitig, weil auch die am Klavier gespielte Ballade „Catholic Girls are easy“ nicht für Abwechslung sorgt. Auch schön – aber ein wenig mehr Abwechslung im Tempo würde der Platte jetzt gut tun.
Etwas folkiger, aber trotzdem ein doch eher zartes musikalisches Gewächs: „Impossible Air“.
Nein, Tempo will nicht aufkommen – da muss man einfach dann sich in die Schönheiten der verträumten Balladen verlieren. Eine Platte zum rocken ist das halt nicht – dafür wird der Hörer mit viel Schönheit konfrontiert, was jeden Einzelsong in einer Playlist nochmal eine stärkere Wirkung geben wird. Aber schön sind Songs wie „How to be small“ und „For you and Oblivion“ einfach.
Und auch der letzte Song „Signing of with Love“ hält den Ton bei, der eigentlich nur vom zweiten Stück „The Ressurection Game“ kurz mit etwas mehr Schwung durchbrochen wird. Etwas mehr Stücke in der Art von „The Ressurection Game“ hätten dem Album nicht geschadet. Aber „Schöne Musik“ findet sich auf diesem Album. Was für Tag- und Nacht-Träumer.


29.12.25
Bobby McFerrin (mit The Saint Paul Chamber Orchestra)– Paper Music (1995)
Ich liebe Bobby McFerrin. Nicht nur als Solo-Musiker der scheinbar ganze Klang-Welten allein durch den Gebrauch seiner Stimme zum Leben erwecken kann, sondern als großer Künstler, der auch zusammen mit anderen Musikern sich auf immer neue Musik einlässt – bei diesem Album fungiert er als Sänger und Dirigent eines Kammer Orchesters und spielt ausgewählte klassische Musikstücke von Mozart, Luigi Buccherini, Gabriel Fauré, Igor Stravinskiy, Antonio Vivaldi, Felix Mendelssohn, Johann Sebastian Bach und Peter Ilvich Tchaikovsky – McFerrin wagt sich damit an die ganz Großen Namen der klassischen Musik.
„La Nozze de Figaro (Ouvertüre)“ – bei dem Stück merkt man, was für Popmusiker die Komponisten der Klassik waren – denn obwohl vielleicht selten und vielleicht auch nicht mit Absicht gehört – das Hauptthema der Ouvertüre von „Der Hochzeit des Figaro“ kennt man einfach. Bei dem Stück ist McFerrin auch ganz Dirigent und überlässt das Spielen der Instrumente ganz dem Saint Chamber Orchestra.
Luigi Boccherin mag seltsamer Weise keiner der bekanntesten Namen der Klassischen Musik sein – aber „String Quintet In E, Op. 11/5, G 275 – Minuet“ kennt auch jeder – wunderbares Stück und hier übernimmt auch Bobby McFerrin dann doch einen Gesangspart – der der aber nicht singt, sondern einen Instrumentenpart gesanglich übernimmt. Sehr schöne Nummer.
Alles Hits der Klassik die man kennt – so auch „Pavane, Op. 50“ von Gabriel Fauré. Ich kann zwar nie sagen, wann ich die Stücke gehört habe, vermutlich als Filmmusik oder bei einer Serie – aber dass ist auch eine meisterliche Musik und sehr bekannt – eben Popmusik. Auch hier wird das Orchester von Bobby McFerrin gesanglich begleitet, aber nur in kleinen Teilen und sehr zurückhaltend. Eine kluge Entscheidung.
Eigentlich dient bei dieser CD ja auch McFerrin nur als Verführer – der seine Fans die Schönheit der klassischen Musik nahe bringen will – doch um eben auch seinen Fans etwas zu bieten – hilft er stimmlich ab und an mit – ich glaube aber, dass er lieber nur Dirigent geblieben wäre, aber das war den Plattenlabel dann doch wohl zu gewagt – wenn man dies vor allen als ein Bobby McFerrin Album verkaufen will. Auf jeden Fall funktioniert bis hierhin die Rolle des Vermittlers sehr sehr gut – weil das einfach tolle Musik ist.
Etwas unbekannter vielleicht Sravinsky´s „Pulcinella Suite - Minuetto & Finale“ – könnte aber auch wie zuvor bei jedem Kostümfilm als Filmmusik herhalten. Unweigerlich fragt man sich natürlich immer, was diese Komponisten heute für Musik machen würden, wenn sie zu der Riege aktueller Musiker gehören würde – man weiß es nicht.
Dreiteilig: „Concerto In G Minor For 2 Cellos, RV 531“ von Vivaldi – da wird auch mit Stimme gearbeitet, aber den Streichern wird die Hauptarbeit bei dem Stück überlassen. Die drei Teile sind aufgeteilt in 1: Allegro, 2: Largo, 3: Allegro. Für mich ist dies auch ein unbekanntes Stück. Aber ich glaube, genau diese Fassung mal als Filmmusik gehört zu haben – kann mich da aber auch irren – weil sich auch bei klassischer Musik einiges gleich anhört. Das Largo ist aber mir ein wenig zu langweilig – vielleicht klingt es auch ein wenig einfach zu viel nach Kirchenmusik. Mit dem zweiten Allegro kommt dann aber wieder Schwung in die Sache.
Dramatisch klingt „Mendelssohn: Midsummer Night's Dream, Op. 61 – Scherzo“ gerade zu – da ist viel Tempo drin. „Bach: Violin Concerto #1 In A Minor, BWV 1041 - 1. Allegro“ ist wieder nett und sehr gediegen – wieder herausragende Musik für einen Film mit Adelige mit Perücken und viel Intrigenspiel - aber es überkommt mich beim Hören der Musik langsam der Gedanke, das McFerrin doch die Hightlights alle am Anfang der CD gesetzt hat und es sich dann doch alles etwas gleich anhört – das ist schön, wird aber beim Durchhören an dieser Stelle doch etwas langweilig.
Aber mit der Allbekannte: „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart folgt dann zum richtigen Zeitpunkt wieder ein Top-Hit der Klassik. Und von „Der kleinen Nachtmusik“ bekommen wir dann auch direkt vier Teile zu hören. Aber Mozart geht ja fast eigentlich immer.
Am Ende gibt es dann noch „Tchaikovsky: String Quartet #1 In D, Op. 11 - Andante Cantabile“ zu hören. Hier finde ich den Einsatz von Bobby McFerrin als Sänger ganz besonders passend. Das ist schon sehr schön und damit auch ein schöner Endpunkt der CD.
Wer nur selten Ausflüge in die klassische Musik macht – wird wohl genauso erstaunt sein – wie diese Musik doch einen immer wieder begeistert und wie allgegenwärtig diese Lieder sind. Gerade die Evergreens der Klassik, die Bobby McFerrin für diese Aufnahmen ausgesucht hat, machen doch immer darauf aufmerksam, dass es neben Pop-, Rock-, Jazz- vielleicht noch ganz andere Musikwelten zu entdecken gibt – bei mir wird’s wohl bei gelegentlichen kurzen Ausflügen bleiben – aber ab und zu werde ich es tun.
25.12.25
CAN – Live in Stuttgard 1975 (2021)
„Live in Stuttgard“ ist die erste kuratierte Veröffentlichung eines Konzertes von CAN aus dem Jahre 75, viele weitere Konzertmitschnitte werden darauf folgen. Das Konzert ist in fünf Teile ohne eigenen Titel unterteilt.
Die Band bestehend aus Irmin Schmidt, Holger Czukay, Jaki Liebezeit, Michael Karoli und eröffnen das Konzert mit atmosphärischen Klänge. Orgel, etwas Saitengezupfe, leiser Schlagzeugeinsatz. Bass und Gitarre ruhig gespielt. Langsame Steigerung der Intensität und dann führt ein eindringlicher Schlagzeugrhythmus des von mir geliebten Jacki Liebezeit den Song weiter, dazu Bass, Gitarre.
Das macht soviel Spaß zu hören, weil es so gut gespielt ist und es wird immer intensiver. Dabei unterscheidet es sich vom herkömmlichen siebziger Jahrerock, weil es einfach so ein Zwischending zwischen Krautrock, Progressivrock ist– es ist für mich einfach Alternativrock – schon Postrock wie er auch heute noch von einen Thurston Moore gespielt wird – die Doors klangen bei ihren Livekonzerten auch ein wenig so. Und die Aufnahme dieses Livekonzerts ist von ganz toller Qualität – alles hört sich richtig an. Das das Stück 20 Minuten lang ist, bereitet mir gar kein Probleme, weil einmal vom Rhythmus eingefangen, möchte man eigentlich darin für immer versinken. Und jede Variation, jedes Detail im Dazutun der Band, jedes Beifügen an Klangelementen – alles ist einfach nur ganz großartig gespielte Musik.
Der vierzehn minütige zweite Teil fühlt sich von Anfang an etwas beschwingter und leichter an. Die Gitarre klingt fast fröhlich und auch der Schlagzeug- und Bassrhythmus hat eine schöne Leichtigkeit. Can laden zu einem Tänzchen ein. Dann wird es ruhiger, das Schlagzeug stellt kurz die Arbeit ein, und die Stimmung wird durch etwas intensiveren Gitarreneinsatz zunehmend rockiger. Auch das lässt meine Begeisterung für dieses Konzert weiter steigen.
Nach sechs Minuten wird die Musik progressiver. Und in ungestüme Klangwelten bewegt sich die Musik bis zum Finale des Stücks weiter. Da hat mir die Musik bis Minute sechs zwar besser gefallen, aber als siebziger Jahre Rockmusik funktioniert es trotzdem.
Der dritte Teil geht über dreiunddreizig Minuten – und geht direkt sehr dynamisch und kraftvoll los und mit diesen für die Zeit, in der die Aufnahme entstanden ist, wahnsinnigen Soundkostüm´- das nach Indie-, Alternative-Rock und Postrock und Jazz klingt – und deshalb ist für mich auch CAN eher Indie- und Alternative als Krautrock. Und dieses geniale Instrumentenspiel, mit so tollen Rhythmen könnte ich mir sogar noch länger als fündunddreizig Minuten gefallen lassen (wenn es denn auf die Art gespielt wird, wie zu in den Zeitraum in dem ich diese Worte eintippe) – das liebe ich, so genial. Im Mittelteil bekommt das Stück dann aber auch einen Progrock-Part verpasst. Aber vor allem trugen bis dahin Schlagzeug und Bass das Stück – in der Mitte übernehmen die Gitarre und die Orgel einen größeren Teil und dann ziehen sie auch das Stück wieder etwas zu viel in die Länge für meinen Geschmack – aber wie Konsequent sie dies tun – ist dann auch wieder bemerkenswert – und eben ist das Qualitativ alles unglaublich gut gespielt und so wird diese neue Reihe von Live-Alben von CAN als Pflichtkauf angekreuzt, denn so was bekomme ich viel zu selten zu hören und so was wird seltsamer Weise von aktuellen Künstlern so gut wie garnicht geboten. Auch das Ende des Parts wird dann aber selbst für mich viel zu lang gezogen – aber auch da beeindruckt die Furchtlosigkeit von CAN. Es ist zu viel – aber bei CAN auch zu viel Gutes dabei.
Teil Vier – fängt als sanfte Rocknummer an – wenn es so bleibt, dann wäre ich verzückt, weil ich trotz der etwas unausgewogenen Aufnahmequalität, das von der Musik her sehr mag. Aber das Stück ist auch wieder zehn Minuten lang – und driftet zur Hälfte der Spielzeit schon auf ein stürmisches Finale zu. Ja und auch hier wird es zum Ende hin wieder anstrengend. Irgendwie scheint es bei den Livedarbietungen von CAN so zu sein, dass sie ihre Stücke nach guten Start am Ende immer sich im haltlosen und unmelodiösen Improvisieren verlieren. So bleibt bei allen Spaß, den ich an den Song eigentlich habe, immer das Gefühl, dass die Stücke alle viel kürzer hätten sein können und dass dies ihnen nicht geschadet hätte.
„Fünf“ ist sogar unter zehn Minuten lang – könnte man vom Rhythmus als Krautrock-Blues bezeichnen. Das ist dann schon Jazzrock und irgendwie scheint auch bei CAN beim letzten Stück der Schwung etwas abhanden gekommen zu sein, weil das Tempo des Stücks doch recht gedrosselt ist, dann aber doch nach fünf Minuten noch mal anzieht. Wir nähern uns dem großen Finale des Abends.
Auf jeden Fall ist ein CAN-Konzert besonders. Auf jeden Fall beherrschen die Musiker ihre Instrumente und sind sicherlich in vielen Dingen Wegbereiter was dem Alternativen Rock angeht. Das ihre Konzerte damals vollkommen instrumental waren, wusste ich bisher auch nicht. Und gerne höre ich mir auch noch weitere Liveaufnahmen dieser neuen Veröffentlichungen von CAN-Konzerten an. Und da gibt es mittlerweile schon eine ganze Menge an Veröffentlichungen.


22.12.25
Bivouac – Full Size Boy (1995)
Das Trio aus Derby (England) hat Vorbilder wie Husker Dü, Sonic Youth und Pixies und hat den amerikanischen Alternative-Rock-Sound so gut verinnerlicht, dass sie sie selbst Musik machen, die nach Grunge, Emocore und Punkrock klingt – ihre besten Songs klingen und kommen an die die Qualität von guten Smashing Pumpkins-Songs heran.
„Full Size Boy“ ist aber auch leider das zweite und letzte Album der Band, was ich sehr bedauere, da mich Songs wie „Not going Back their again“ und „Monkey Sanctuary (Cynic)“ zu meinen Lieblingssongs des Alternative Rock-Genre zählen.
Und mit „Not going Back their again“ startet auch direkt dieses Album. Und wie geschrieben ist das einfach guter hymnischer Alternative Rock und ein Song für Fans von Smashing Pumpkins und Jimmy Eat World.
Ein weiterer Genreknaller ist „Thinking“ ganz toller Alternative Rock-Song und dabei schön rau – auch was für Dinosaur jr. und Buffalo Tom Fans.
Ein Song, der nach hinten alle aufgestaute Aggressivität heraus lässt, dabei die tolle Melodik im Song nicht vergisst. Die Band um Frontman Paul Yeadon begeistert mich beim Hören wieder sehr und wie schade, das so ein Album das letzte des Trios ist. Wirklich sehr Schade. 2016 gab es dann wohl mal ein kurzes Lebenszeichen, daraus scheint sich aber sich nicht viel weiter entwickelt zu haben.
Kurzes Zwischenspiel: „Gecko on Skink“.
Dann folgt mit „Monkey Sanctuary (Cynic)“ wohl der bekannteste Song der Band. Wie geschrieben: die Smashing Punkins hätten es nicht besser hingekriegt.
Grunge-Rock, exzellent gespielt und deshalb habe ich auch Bivouac für Amerikaner gehalten: „My only safe Bet“ – was für Silverchair und Bush Fans.
Auch im Grunge- und Alternative-Rock verwurzelt: „Familar“. Und den Grunge-Sound und den amerikanischen Alternative-Rock hat die Band so gut drauf, dass ich wieder mal nicht verstehen kann, warum die Band sich mit diesem Album nicht durchsetzen konnte. Für mich ist das immer noch eins der besten Alben dieser Art. Weil es auch keinen Durchhänger hat und sie es nicht anderen machen als die anderen Bands die damit außergewöhnlich viel Erfolg hatten.
Bei „Mainbreak“ wird noch mal etwas aggressiver und zorniger musiziert. Auch dies gekonnt!
Auch gut, wenn auch der Titel auch irgendwie denken lässt, das wäre vielleicht nur eine Spaßnummer ist: „Bing Bong“.
Mal etwas sanfter: „Lounge Lizard“ – aber dann zwischen drin doch auch härter gerockt und mit einem sehr guten Instrumentalteil gegen Ende des Songs.
Abschluss mit „The Ray is related to the Shark“. Damit geht das Album mit einem gehörigen Schuss Psychrock zu Anfang des Songs zu Ende. Gefällt mir auch sehr gut.
Tolles Album. Für Alternative-Rock Fans eigentlich ein Muss!
18.12.25
The Call – Reconciled (1986)
Auf „The Call“ war ich durch das Lesen einer alten Musikzeitschrift gestoßen – Peter Gabriel hielt große Stücke auf diese amerikanische Rockband und nahm sie mit auf Tour (in den frühen 80ern). Bei diesem Album ist er neben Robbie Robertson und Jim Keer als Gastmusiker dabei. Dieses vierte Album gilt auch als das erfolgreichste der Band, die sich nach dem neunten Album im Jahr 2000 auflöste.
Die Band bestand bis zur Auflösung aus Michael Been (Gesang, Bass, Keyboard), Tom Ferrier (Gitarre), Scott Musick (Drums), John Goodwin (Keyboards)
Die Band hat sich in 2024 die Rechte zu diesem Album und dem ein Jahr später erschienen Album „Into the Woods“ gesichert und via Bandcamp neu veröffentlicht. Das Frühwerk der Band (1980 – 1985) ist mittlerweile etwas schwieriger zu beschaffen. Da muss der Gebrauchtmarkt herhalten.
Leider habe ich den Fehler gemacht und bevor ich mit dem Durchhören der Platte richtig begonnen habe – auch weil ich ein wenig zu neugierig auf die Platte war – hatte ich kurz vor dem Schlafengehen mal in die Platte hineingehört. Und ich war ein wenig überrascht, dann fast erschrocken darüber, wie die ganzen Songs in denen ich kurz hineingehört hatte, für mich alle nicht funktionierten, denn ich wusste, dass es Songs von der Band gibt, die mir gefallen hatten.
Also über Spotify mal in eins der früheren Alben nochmal hineingehört, welches ich auch durchgehört hatte, nachdem ich den besagten Artikel in der Zeitschrift „Sounds“ über The Call gelesen hatte und deshalb wird das hier wieder eine Mehrfachbesprechung:
The Call – Modern Romans (1983)
Was an The Call interessant ist, dass sie für eine amerikanische Band den damals englischen New Wave total verinnerlicht hatte und dies mit dem Schwung von Rock/Pop vermischten. So ist „The Walls come down“ ein Partysong für New Wave-Fans. Nimmt mit und ist für 1983 gut produziert.
Man hört auch das Michael Been ein geborener Frontmann ist – sich dabei aber fast schon punkig ungestüm anhört. Sein Gesang könnte durchaus teils etwas zurückhaltener sein, funktioniert dann aber bei dem PostPunk-Stück „Turn a blind Eye“ grandios.
Auf diese folgt einer weiteren New Wave/Rock-Nummer, bei der nur der Refrain nicht funktioniert: „Time of your Live“. Rocksong mit Punkattitüde: „Modern Romans“.
Atmosphärisch gehalten und wieder eher im Post Punk-Bereich: „Back from the Front“. „Destination“ ist zwar recht rockig, aber als (fast) Instrumentalstück doch ziemlich simpel geraten. Und hat die Zeit nicht so gut überstanden wie das zuvor gehörte Material.
Das langsame „Violent Times“ ist wieder eher was für mich. Das ist schon Artrock.
Wenn es schon nach Punkrock klingt – entwickelt die Band eine ziemliche Energie und es macht Spaß das zu hören – so dann auch: „Face to Face“. Der Mix aus Alternative-Rock, Punk und PostPunk macht The Call schon zu was besonderem. Und auf dieser Platte funktioniert das sehr gut.
Der eher gradlinige, aber etwas härter gespielte Rock bei „All about you“ funktioniert gut als Single-Material, weil er ein breiteres Publikum anspricht.
Ja, das Album funktioniert noch gut und macht einigen Spaß beim Hören – was für 80er Rock & New Wave-Fans.
Ein Jahr später folgte das Album „Scene beyond Dreams“ (1984). Hier fällt direkt beim Hören des Titelstücks auf, das die Melodie viel poppiger ist als alles vom Vorgängeralbum, nur der ungestüme und das überbetonte im Gesang von Michael Been ist geblieben und das beginnt, dann in der Kombination doch zu nerven, weil Been es einfach übertreibt mit seiner Theatralik.
Bei „The Burden“, der dann wieder mehr im rockigen New Wave-Modus daherkommt, funktioniert der Rock von The Call dann wieder besser. Und die Keyboardmelodie ist hier auch sehr mitnehmend. Aber man muss schon den Sound der 80er mögen, um dass noch genießen zu können, denn die Effekte klingen dann doch meist etwas übertrieben und schwer aus der Zeit gefallen, da ist so vieles aus den 70ern dann doch viel besser gealtert.
Ganz gut funktioniert das Poprock-Stück „Tremble“ – denn mit der Musikalität und dem Können an den Instrumenten können The Call hier punkten. Der Song hat auch etwas Hit-Potenzial. Tatsächlich scheint The Call mit dem Songs dieses Albums es auf ein breiteres Publikum abgesehen zu haben. Denn auch „Delivered“ ist wieder mehr Rock (mit einem eher popigen New Wave-Anteil). Da hört man jetzt auch etwas „New Romatic“ heraus – aber der wird von The Call sehr rockig dargeboten.
Auch „Heavy Hand“ hat einen fast schon leichten Poprock-Ansatz – aber das Soundkostüm der frühen 80er Jahre können The Call irgendwie nicht abstreifen. „Heavy Hand“ wird dann aber leider teils zur Karikatur seiner selbst – da wird versucht amerikanischer Partyrock mit Synthpop der 80er zu verbinden – das geht leider dann am Ende nicht so gut aus.
Popige Synthesizer-Musik wird auch mit munteren Partyrock im Stück „Promise and Treat“ geboten. Bei dem Stück funktioniert das aber besser – der Song macht irgendwie schon noch Spaß beim Hören (muss man aber mögen).
Etwas Melancholie tut den Songs von The Call einfach gut, denn wenn es schon fast wie Düsterrock klingt, dann funktioniert auch der Gesang von Michael Been am Besten. Das ist dann wohl so wie bei Bands wie „Twilight Sad“ und „Joy Devision“ – ein wenig Wahnsinn gehört da einfach mit dabei, um es außergewöhnlich zu machen. Und so ist „One Life leads to another“ wirklich der beste Song der Platte.
Vom Titel her müsste dann auch „Apocalypse“ gut funktionieren, doch verbirgt sich dahinter ein zu Anfang mit Akustikgitarre gespielter Singer/Songwriter-Song. Wer hätte damit jetzt noch gerechnet. Weil Been, da auch wie ein Folksänger singt, ist das aber auch nicht schlecht und vielleicht der „zeitloseste“ Song der Platte.
„Notified“ schließt das Album nochmal mit New Wave-Rock ab. Auch das Album ist durchwegs kurzweilig und noch gut zu hören.
Dann sind wir bei „Reconciled“ (1986) angelangt. Rocksong, mit Keyboards – wirklich mitreißend, so beginnt „Everywhere I go“ und da gefällt mir auch noch der Gesang wirklich gut – erinnert mich sehr an den Sound von „Twelve Drummers Drumming“ – jener deutsche Band, die genau wie die Amerikaner von The Call ihr Glück mit New Wave-Stücken begannen, um dann auch mit dem zweiten Album eher wie Simple Minds zu klingen und dies werden The Call mit dieser Platte auch versuchen. Zwar nicht richtig herauszuhören, aber bei dem Stück singen Jim Keer und Peter Gabriel mit.
Der wohl größte Hit der Band ist „I still believe (Great Design)“ und hier wird dann wirklich im Stil der Simple Minds gerockt. Anscheinend muss man sich aber nur am Gesang von Michael Been gewöhnen und dies scheine ich getan zu haben, denn grade macht mir die Platte und die Songs plötzlich doch sehr viel Spaß. Also meine Empfehlung: erst etwas 80er-Feeling tanken und dann diese Platte hören. Denn jetzt grade macht mir das Spaß und das beim „kurzen Hineinhören“ als doch fast unerträglich veraltet klingende, hat jetzt seinen ganz eigenen Charme. Da muss ich die CD dann doch nicht direkt wieder los werden.
Bei „Blood Red (America)“ klingt es dann doch fast schon eher nach Duran Duran als nach den Simple Minds.
Ganz gradlinig gerockt: „The Morning“. Gleiches gilt für „Oklahoma“ – klingt schon da mal richtig amerikanisch und hat fast die Power eines INXS-Songs.
Beim eher gradlinigen, aber recht kraftvollen Rock bleibt es auch mit „With or without Reason“. Bei dem Song sind die Instrumentalparts sehr beachtlich.
Stark rockender Bass am Anfang von „Sanctuary“ – da hört es sich dann nochmal nach New Wave an und das ist nochmal ein richtig guter Song.
PopRock: „Tore the old place down“ – hat schon was von den Hooters.
Der New Wave-Rock-Mix für den The Call dann bekannt sind, gibt es am Ende der Platte nochmal mit „Even Now“ zu hören und ich bin dann doch beruhigt, dass ich mich beim ersten Hören der Musik von The Call doch nicht getäuscht hatte – das ist schon wirklich Musik für mich – man muss sich nur dafür etwas stärker in den Sound frühen 80er hineingrooven.
Und wenn man dann immer noch nicht genug hat, kann man auch noch das Debüt von 1980 hören „The Call“
Wenn einen das zuvor Gehörte nämlich gefallen hat, dann macht auch das Debütalbum genau so viel Spaß, wie es die drei Alben danach getan haben.
Auf jeden Fall klingt so der erste Song der Platte: „War-Weary World. Und dann schreib ich das und als zweites folgt ein lupenreiner 80er PopRocksong von der Sorte, von der es einfach viel zu viele gibt: „There´s a Heart here“ - ist sicherlich damals sehr Hitparaden- und Singlefreundlich gewesen, damit aber auch ein Song von vielen.
„Doubt“ ist eher ein Rocksong und als solcher ganz gut gelungen. Fast ein Blues. Schwungvoll und etwas im Partymodus – aber noch so. dass ich es mag: „This is Life“ (hatte ich nicht schon die Hooters erwähnt, so klingt auch der Song).
Auch eher gradliniger Rock: „Fulham Blues“. Etwas Reggae beigemischt: „Who´s that Man“ – da kommt dann doch der Hang zum eher britischen Sound der frühen 80er der Band zum Vorschein und deshalb haben sie ja auch dieses Debüt in England aufgenommen und sind dort dann auch auf Tour gegangen.
Danach wird gradliniger weiter gerockt: „Upperbirth“ (war von daher die richtige Entscheidung mich mit dem zweiten Album an „The Call“ heranzutasten, denn da klingen sie doch wesentlich interessanter und vielfältiger). Ich weiß nicht, ob ich nach dem Durchhören dieses Albums noch direkt Lust gehabt hätte noch drei weitere zu hören.
Einfach nur Rock: „Bandits“. Und sogar sehr amerikanisch: „Flesh and Steel“.
„Unbearable“ ist überraschend näher am Punkrock – und dieser kurze kraftvolle Song macht dann noch mal Spaß.
Mit „Waiting for the End“ wartet dann doch noch ein richtiges Bandhighlight auf den Hörer. Auf jeden Fall bekommt damit dieses doch eher durchschnittliche Debüt doch noch ein ganz gutes Ende verpasst.


17.12.25
Neko Case - The Worse Things Get, the Harder I Fight, the Harder I Fight, the More I Love You (2013)
Schwer einzuordnen soll die Musik von Neko Case sein. Dieses sechste Album von ihr wurde nominiert als „Bestes Alternative Album“ bei der 53. Grammy Verleihung. Ich habe das Album bisher glaube ich noch nie durchgehört, aber die Songs liefen in meiner Playlist und nur wenige konnte sich in dieser halten – also könnte es sein, dass das Songmaterial mir nicht so richtig gefallen hat – aber vielleicht ergibt sich jetzt beim konzentrierten Durchhören ja noch eine zweite, andere Meinung.
Viele loben die kräftige Stimme von Neko Case, diese kommt direkt bei „Night still comes“ gut zur Geltung. Diese Stimme klingt sanft und kräftig zugleich. Sehr ausdrucksstark. Der Song funktioniert als Singerin/Songwriterin-Indie-Nummer ganz gut und hat auch ein angenehmes Popsongfeeling. Den Song mag ich jetzt schon. Das wird dann wohl wirklich eine echte Neuentdeckung dieser Platte werden.
Schwungvoll gerockt: „Man“. Bei einem Festival-Auftritt kann man mit so einem Song immer gut punkten. Auch der Song ist mit etwas Indie-Charme ausgestattet.
Sanft und kraftvoll – das ist auch das akustisch gehaltene „I´m from Nowhere“. Auch das gefällt mir.
„Bracing for Sunday“ ist eine Indie-Power-Pop-Nummer. Solch einen Song gibt es öfters zuhören, aber so wie er von Neko Case präsentiert wird, hat das eine ganz andere Qualität.
Die Songs sind auch alle nicht zu lang geraten, eher mal fast in Punkrockkürze vorgetragen. Und das macht diesen teils etwas experimentellen Indie-Pop-Rock sehr unterhaltsam. A capella ist „Nearly Midnight, Honolunu“ gehalten und da erinnert sie dann an Kat Frankie.
Hmm, wie kann man sich so mit einer CD irren und warum fand ich die Songs als sie mir mein MP3-Player vorgespielt hat nicht gut? Da fehltt mir jetzt jede Erklärung für – weil „Calling Cards“ ist richtig gut. Ein Singerin/Songwriterin-Song mit ganz eigener Note.
Power-Singer/Songwriter/Pop/Rock und auch richtig gelungen: „City Swan“. Sanft und zurückhaltend ist dagegen: „Afraid“ – kommt einem schönen Einschlaflied sehr nahe. Etwas kraftvoller und mit Leidenschaft vorgetragen: „Local Girl“.
„Where did I leave that Fire“ ist nach einem experimentell gehaltenen Anfangspart – erst ein Folksong – der sich dann noch zum Artrockstück weiter entwickelt. Bei Neko Case kann man nicht vorhersehen was passiert.
Toller Poprocksong am Ende: „Ragtime“.
Alle Achtung. Das Album hat mir doch doch sehr gefallen und ich möchte noch viel mehr von Neko Case hören und da gibt es auch noch einiges zu hören.
13.12.25
Counting Crows – Recovering the Satellites (1996)
Dies ist das zweite Album der Band um ihren Frontmann Adam Duritz – nachdem sie mit Songs wie „Mr. Jones“ direkt mit ihrem Debütalbum „August and everything after“ in den USA zu großer Bekanntheit kamen, landete dieses Album bei Herausbringung direkt auf Platz 1 der Album-Charts.
Den Stil ihres Debüt hat die Band auch auf das zweite und die folgenden Alben übertragen – zeitloser Singer/Songwriter-Rock mit starken Wurzeln im siebziger Jahre Sound der Bands, die rund um L.A. beheimatet waren. Dabei schaffen Duritz und seine Mitstreiter es sehr gut, jeden Song – egal ob leise oder laut – sehr eingängig und mitnehmend klingen zu lassen und dabei aber auch so gut klingen, dass sie auch den anspruchsvollen Musikhörer gefallen. Damit erschließen sie sich gekonnt einen recht großen Hörer/innen Kreis.
Ich mag auch wirklich diesen zeitlosen Sound, die Emotionalität und das sanft rockende an Songs wie „Catapult“ – das ist wieder Musik wie für mich gemacht, weil ich da alles dran mag – auch wenn die Songs der Counting Crows alle etwas gleich angelegt sind, nimmt da ja jeder Song trotzdem mit und ich fühle mich nie gelangweilt.
Die Band bestand zu der Zeit aus David Bryson (Saiteninstrumente), Adam Duritz (Gesang, Keyboards), Charlie Gillingham (Keyboards), Matt Malley (Bass), Ben Mitze (Drums), Dan Vickrey (Gitarre).
„Angels of the Silences“ rockt mal von Anfang an und ist doch etwas schwungvoller, als das was wir von der Band auf dem Debütalbum gehört hatten. Klingt losgelöst, emotional und nicht hart.
Singer/Songwriterrock der nach Kalifornien und L.A. & San Francisco klingt (wie so viele Songs dieser Band): „Daylight fading“. Hippiepop.
Damit ist eigentlich auch schon alles über den Sound der Platte gesagt – Singer/Songwriter-Rock im Hippierockstyle – sehr amerikanisch, aber mitnehmend. Psychrock will ich es wirklich nicht nennen, weil es einfach so leichtgängig bei den Counting Crows rüber kommt – gibt es Psychpop?.
Und so funktioniert das etwas sanfter angelegte: „I´m not Sleeping“, das im Refrain aber etwas lauter wird und mitreißt. Eine sanfte Ballade folgt auch mit „Goodnight Elisabeth“ (sehr schön).
„Children in Bloom“ hat dann doch mal sogar einen leichten Alternative Rock Ansatz und erinnert mich an Songs von Pearl Jam und The Tragically Hip (also voll mein Sound). Sehr gute Nummer, die aber in der Menge von guten Songs dann etwas schnell ins Vergessen gerät. Versuche sie länger wertzuschätzen.
Solide gerockt: „Have you seen me lately?“. Und damit haben wir erst die Hälfte der Songs des Albums gehört.
Sanfte Ballade: „Miller´s Angels“ – und diese Art fein ausbalancierten und emotionalen Stücke schätze ich sehr, weil sie bei aller Sanftheit auch mitnehmen und trotzdem leicht rocken.
„Another Horsedreamer´s“ – da ist es erschreckend festzustellen, wie einfach es eigentlich ist, mich mit einem Song direkt am Anfang an zu begeistern. Die Zutaten sind seit Jahrzehnten dafür die gleichen – einfach gute Musik – da braucht es noch nicht mal Text oder eine komplizierte Rhythmik für. Es muss nur einfach stimmig sein und mitnehmend. Egal auch wie oft ich ähnliches schon gehört habe – funktioniert bei mir immer.
Titelstück „Recovering the Satellites“ ist ein weiterer gelungener sanfter Rocksong. Und da hört man auch dann die Verbindung zum Folk-Rock und Roots-Rock gut raus. Amerikanische Traditionen werden von den Counting Crows sehr gut in die Gegenwart übertragen.
Kürzere Rockstücke können sie dann doch auch: „Monkey“ und „Mercury“. Der größte Hit des Albums wurde „A long December“ – ist aber auch ein wirklich schönes Stück Musik. Kurzer Rausschmeißer: „Walkaways“.
Zeitlos entspannte und emotionale Rockmusik – mehr will ich manchmal nicht – und damit sind die „Counting Crows“ immer noch eine Lieblingsgruppe.


11.12.25
Shawn Colvin – Fat City (1992)
Die Singerin/Songwriterin Shawn Colvin schaffte mit diesem zweiten Album ihren Durchbruch, obwohl sie schon mit ihrem Debüt-Ablum „Steady On“ (1989) einen Grammy für das beste Folk Album gewinnen konnte. Ich hab zwar die Alben nach „Fat City“ mir immer sofort bei Erscheinen geholt, aber von ihrem Debütalbum habe ich erst Heute beim Nachforschen für diesen Text erfahren. Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, dass dies ihr Debüt-Ablum gewesen ist („Steady On“ habe ich aber direkt nachgeordert).
Der Stil von Shawn Colvin ist sehr amerikanisch – vor allem sind es schöne Singerin/Songwriterin-Songs, aber manchmal klingt es auch nach kargen amerikanischen Landschaften und etwas abgelegenen Ortschaften und da ich Shawn Colvin fast gleichzeitig mit Chris Whitley entdeckt hatte – passten die beiden Musiker/innen auch irgendwie für mich immer gut zusammen und tatsächlich hört man beim Stück „Set the Prairie on Fire“ Chis Whitley auch auf diesem Album an der Steel-Gitarre. Mag auch daran liegen, dass beide Künstler/innen beim selben Label unter Vertrag waren.
Aber neben den Singerin/Songwriterin Stücken, gibt es auch schöne Folk-Pop-Songs auf diesen Album zu hören und so richtig schlecht ist keiner der Songs und das Album ist für mich auch eins der oft gehörten Highlights in meiner Sammlung – nur habe ich es jetzt schon viel zu lange nicht mehr durchgehört – das ändere ich nun.
Bei „Polaroids“ kann man heraushören, dass sie als Backgroundsängerin für Suzanne Vega gearbeitet hat, sich was von dieser beim Songschreiben abgeschaut hat. Denn „Polaroids“ hat die gleiche beeindruckende Singerin/Songwriterin Qualität.
Das mit Larry Klein ein sowohl musikalisch wie auch privater Partner von Joni Mitchell das Album produziert hat – erklärt auch gleich die stimmige Produktionsweise, die mich in ihrer Qualität und an das auf das wesentlich konzentrierte immer auch an den Produzenten Daniel Lanois erinnert. Mag aber auch daran liegen, dass beide Produzenten zur selben Zeit sehr aktiv waren.
Die musikalische Qualität von Stücken wie „Tennessiee“ ist es auch, die mich immer wieder dieses Album haben auflegen lassen und hier rockt es auch ganz gut und die Qualität reicht hier sogar an die einer Joni Mitchell heran. So sorgt man für Aufsehen.
Und wenn man neben vielen anderen Musikern Bruce Hornsby, David Lindley, Jim Keltner, Richard Thompson während der Aufnahmen auch Joni Mitchell im Studio hat – was soll da noch schiefgehen. Und Joni haute auf die Percussion.
„Tenderness on the Block“ ist ein Lied von Warren Zevon (mit dem muss ich mich auch mal beschäftigen), den er mit Jackson Brown geschrieben hat. Also wer im Singer/Songwriter-Geschäft was mitzuerzählen hat, ist irgendwie auf dem Album vertreten. Und den Song mag ich auch ganz besonders gern, mag sein, weil er auch wie ein guter Paul Simon-Song klingt.
Mit Pop Song-Feeling, weil schön schwungvoll: „Round of Blues“ – so ein Feel-Good-Song, sowas brauchen wir in diesen Zeiten auch.
Eine ruhige liebevolle Ballade folgt mit „Monopoly“ – wo es bei vielen Musikerinnen da kitschig klingt, wenn sie solche Songs machen, klingt dieser einfach nur wunderschön.
Weiterer guter und auch sanfter Singerin/Songwriterin Song: „Orion in the Sky“. Mit etwas mehr Schwung und auch als Pop Song funktionierend: „Climb On (A Back that´s strong) – hat schon das Zeug zu einer Hymne.
Meisterinstück: „Set The Prairie On Fire“ – das ist ein ganz starker Song für die Ewigkeit. Und ein außergewöhnlicher Rootsrock-Song.
Schwungvoll und gekonnt: „Object Of My Affection“. Hat auch was von einem Fleetwood Mac-Song.
Mit „Kill the Messenger“ taucht fast am Ende noch ein sehr guter Song und vielen guten Songs auf. Da stimmt auch alles.
Sanft, melancholischer Schlusspunkt: „I don´t know why“.
Mit diesem Album musste Shawn Colvin ihren Durchbruch einfach schaffen, weil alles andere nicht fair gewesen ist – mit ganz vielen Helfer/innen im Studio und wohl auch dem Willen ihrer Plattenfirma ist ihr dies zu recht gelungen. Ganz tolles Album.
10.12.25
M. Walking on the Water – Master Series (1998)
Wer ein wirklich gut zusammen gestelltes BestOff-Album von „M. Walking on the Water“ haben möchte, liegt mit diesem Album sehr richtig. Es ist mit siebzehn der wirklich besten Stücke der Band vollgepackt und macht eine Menge Spaß und nach dem Hören wird man so manchen Song noch lange im Kopf behalten.
Die Band wurde in Krefeld von Markus Maria Jansen und Mike Pelzer und zwei weiteren Musikern gegründet. Das Genre der Bandmusik wird als IndieFolk oder PunkFolk bezeichnet. Ihr selbst betiteltes Debüt-Album gilt als bestverkauftes Indie-Album seiner Zeit (1988).
Bis 1998 nahm die Band sieben Platten und einige EPs auf. Es gab in der Bandgeschichte längere Pausen (von bis zu 13 Jahren), doch ist die Band zum 40jährigen Jubiläum gerade wieder aktiv – neben einer absolvierten Jubiläumstour wird auch ein neues Album veröffentlicht. Und die alten Songs funktionieren heute noch so gut wie damals.
Die erste Single der Band „Party in the Cemetery“ eröffnet schwungvoll und mit viel Partylaune die Songzusammenstellung. Akkordeon, Violine gehören ebenso zu den Hauptinstrumenten wie Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Wohl vielleicht der größte Hit der Band ist der Song „Posion“ und dies auch ganz zu recht – obwohl er für einen Hit schon fast zu gut ist. Aber der Song nimmt einen von der ersten vom Bass gespielten Note einfach immer mit. Supersong und einmal gehört – bleibt der Song für immer im Hirn hängen – vielleicht in einem hinteren Hirnwinkel – aber so richtig vergessen tut man diesen Song für die Ewigkeit nicht mehr – zu recht.
So ein wirklicher Indiesong und sogar was für die Düsterfraktion und nicht weniger mitreißend wie „Poison“ ist auch „Holy Night of Rosemarie“ – die Band hat wirklich viele dieser echten Hits – merkt man auf den Konzerten der Band auch.
Denn auch „Misery“ reißt einen mit und dies dann wieder etwas fröhlicher. Musik die wirklich Spaß macht. Den Gesang teilen sich Markus Maria Jansen und Mike Pelzer – und irgendwie sind die von Pelzer gesungenen Stücke immer etwas mehr für mich – aber ich mag seine Stimme auch einfach sehr gern.
Schwungvoller Anarcho-Folk: „Anymore“ – sogar mit Trompete. Mal etwas ruhiger, zurückhaltend und melancholisch schön: „Day to Day“.
Rock gibt es im NewWaveFolk-Format: „Linda Lee“. Wunderbarer FolkRockPopSong: „Island in the Sun“. „Lovemachine“ hat was von einem Philip Boa Song („Containerlove“) und reißt als IndieRock mit.
Dann doch mir zu viel Jahrmarktklamauk – aber vielleicht als kleine aber temporeiche Pausenmusik zum Verschnaufen nach so vielen guten Songs gut geeignet: „Melitaah“.
Wie gut M.Walking on the Water Rock und Folk mischen können beweist „Hole“. Die Rhythmusgruppe funktioniert einfach bei dieser Band gut und so nehmen die Songs einen mit und wenn sie noch dazu so gut sind wie „Elysian“ – dann macht Musik einfach nur Spaß, ohne reine Partymusik zu sein.
„Trouble“ fängt einen mit seiner Folk/Rock/Indie-Mischung auch sofort ein. Noch so ein richtiges Highlight der Band.
Etwas mehr auf Atmosphäre setzt der Song „Pluto“ – ist zwar als Song ganz spannend, aber ein wenig zu lang geraten.
Downtempo-Nummer: „The Sea“ und schon fast im Siebziger Jahre-Stil – aber M. Walking on the Water haben ja auch mal eine EP mit ProgRock-Cover-Nummern gemacht. Die schnelleren Nummern machen da doch mehr Spaß, so auch „Caress Days“ – der auch noch mal so richtig gut funktioniert. Und natürlich gilt das auch für den wunderbaren Walzer namens „Satellite Walz“ – was für ein schöner musikalischer Absacker am Ende. Viele der Songs werden mir nie wieder aus der Playlist fallen. Musik fürs Leben.


09.12.25
Console – Mono (2006)
Matthias Gretschmann hat schon während seiner Zeit als Mitglied bei The Notwist als Console Platten veröffentlicht, darunter auch Arbeiten zusammen mit Andreas Ammer und er hat das Projekt auch zu einem Bandprojekt erweitert. „Mono“ könnte auch heißen „solo“ – das Booklet gibt darüber keine Auskunft, weil es kein Booklet gibt.
Ruhige Elektronica Musik – also eher ruhige elektronische Musik, die durch ihre sanften Klänge nicht wirklich elektronisch steril oder hart klingt, sondern eher nach akustisch aufgenommene Musik klingt. Auch die Beschreibung Ambient passt dazu – so fängt das Album mit dem Stück „City of Dog“ an.
Auch „To catch a Beat“ besticht durch sanfte Klänge. Tanzbeats werden erst einmal bei dem Album nicht geboten. Scheint ein Album zum „Hören“ zu und nicht zum „Tanzen“ zu sein. Elektronische Musik zum genießen. Und auch wenn dann tatsächlich ein Drumbeat zur Musik hinzugefügt wird, bleibt die Melodie in Schönheit getaucht. Console bleibt damit neben b.fleischmann einer meiner Favoriten in Sachen elektronischer Musik – weil ich genau diese Art total mag. Weil das auch Musik für CD und Vinyl ist – weil es zum Hören bestimmt ist.
Vielleicht möchte Matthias Gretschmann auch einfach als ernsthafter Komponist wahrgenommen werden – was er wohl auch wurde, weil er auch Musik für Theaterinszenierungen mittlerweile seinem nicht gerade kleinen Werk zugefügt hat – welches er zur Zeit hauptsächlich als Acid Pauli weiterführt. „Foster Kane“ ist aber so eine Melodie, die sich auch als Filmsoundtrack - und wie heißt es doch so schön für Kulturliebhaber wie „zeitgenössische“ Musik - anhört. Ich finde ja „zeitgenössisch“ sagt so überhaupt nichts über die Art von Musik aus, die es unter diesen Namen zu hören gibt. Festival der zeitgenössischen Musik. Gegenwartskultur – aber ist das nicht ein viel zu großer Oberbegriff – ist nicht jede aktuell geschaffene Musik und Kunst Gegenwartskultur?
Ansatzlos geht der Film in das noch mehr nach orchestraler Musik klingende „Houwelandt“ über. Von den Clubbeats, die es auf den Alben „Herself“ und „Reset the Preset“ zu hören sind, ist auf dem Album wirklich bisher nichts zu entdecken. Was aber nicht schlimm ist – ist halt anders, aber immer noch richtig gut. Eben mit Anspruch, dass man mal richtig hinhört und nicht dazu abtanzt.
Aber gesungen wird dann trotzdem mal – aber auch sehr ruhig und schön: „By this River“. Für ein elektronisch gehaltenes Album sind die Stücke alle recht kurz – also nicht länger wie „normale“ Popsongs – was ich sehr gut finde, weil dadurch das Album an bisher keiner Stelle langweilig klingt.
Atmosphärische Ambientkrautrockmusik: „Formicula“ – Elektronische Soundtrack Musik die an die frühe elektronische Musik der 70er erinnert. Das Stück „Magnolia“ setzt diese Art von sehr entspannter Musik fort, durch den einsetzenden Gesang wird es dann aber doch eher zu einem richtigen, aber sehr verträumt, wirkenden Song.
Bei „Hibernating“ macht der etwas beschwingte Grundton zu Anfang etwas Hoffnung, dass die Musik doch mal etwas Tempo aufnimmt – aber bleibt eher doch dem Ambient-Stil der zuvor gehörten Stücke treu – hier mixt Console dann Elektronica und klassische Synthesizer-Musik schön zusammen.
Auch „Men with a Web Camera“ behält den ruhigen Ton bei. Gleiches gilt für „Lost in Sensation“.
Der Titel „Starpower“ verspricht ja ein wenig doch sowas wie ein vielleicht tanzbarer Song zu sein. Tatsächlich ist der Song aber dann doch auch wieder fast eine altmodisch geratene Instrumentalnummer, der auch sehr entspannten Art – da fließt die „Power“ wohl eher in eine ruhige Richtung im Weltall dahin – ist aber wie der gesamte Rest des Albums sehr sehr schön.
Schönes Album – mit sehr schöner Klangfarbe und bietet dem Hörer einen Ruhemoment in einer immer verrückter werdenden Welt an – so was brauchen wir jetzt mehr den je. Etwas Gesangdarbietungen, die vermutlich wieder, wie wohl bei allen gesungenen Parts der Platte von Miriam Osterrieder stammen, gibt es übrigens auch noch bei „Starpower“ zu hören.
05.12.25
Temple Fang – Lifted from the Wind (2025)
Einfach mal spontan eine aktuelle Platte einer mir unbekannten Band vom Stickman Records Label geholt und nach der jeweiligen Länge der Songs zu urteilen könnten das auch wieder alles Prog-Psych-Post-Rock-Stücke sein. Bin gespannt in welche Richtung es bei Temple Fang dann wirklich oder meistens geht. Die Band stammt aus Amsterdam und macht Rock, der nach den 70ern klingt, aber das mit härteren Tönen mischt.
Mehr nach Post-Rock hört sich der Anfang des Stücks „The River“ an – erinnert an Explosions in the Sky und Elder – rockt aber auch ziemlich wuchtig und über Produktion und die Fähigkeiten der vier Musiker der Band gibt es nichts auszusetzen. Als der Gesang einsetzt und der Klang der Stimme von Dennis Duijnhouwer mich an die Hard- und Progrocker von „Rush“ erinnert wird der Song doch zuhörends rockiger. Und die Beschreibung „Prog mit der Wucht von Monster Magnet“, die ich irgendwo gelesen habe – passt da doch wirklich. Das Plattenseitenlange Stück – wechselt nach acht Minuten den Stil – und dann kommt ein Part, der schon an Pink Floyd erinnert und mir sehr gut gefällt. Also Fans von guter klassischer, vom Progrock beeinflusster, aber auch härterer Rockmusik sind bei Temple Fang genau richtig. Kurz vor Schluss bekommt der Song noch einen atmosphärisch starken Epilog verpasst.
Also mit dem Song haben mich „Temple Fang“ schon mal für sich gewonnen.
„Once“, mit über einundzwanzig Minuten noch etwas länger als das erste Stück, beginnt mit kräftigen Trommelspiel, dann setzen ebenso kräftig die Gitarren gespielt von Jevin de Groot und Ivy van der Veer ein. Dies geschieht in noch gemächlichen, aber wirkungsvoller Art. Was ich schon mal gut finde an den Progrock von Temple Fan ist das melodiöse und eher gradlinige an der Musik. Progrock beginnt mich immer dann zu nerven, wenn es zu experimentell wird, wenn Rockmusik versucht mit Jazz und Klassik zu konkurrieren – meist finde ich diese Versuche dann doch zu anstrengend. Rockmusik soll mich mitnehmen und das Stück „Once“ macht dies auf ganz großartige Weise. Vor allen das Schlagzeug gespielt von Daan Wopereis, aber auch der Rest der Band schaffen es nun mich endgültig und noch während des Hörens des erst zweiten Songs mich zu begeistern. „Once“ ist aber auch eher starker Postrock als Prog. Aber bei Bands wie Elder, Motorpsycho und eben Temple Fang (und anderen Bands des Stickman Records Labels) verschmelzen ja Psych-, Prog- und Postrock eher oft zu eins. Für mich ist das einfach gute Rockmusik. Und in der zweiten Hälfte rockt der Song dann auch nochmal so richtig – und wird zu einer Knallernummer.
Weil das alles so lange Stücke sind - höre ich die CD auch nicht durch, sondern in Einzelteile mit etwas Pause dazwischen. Dadurch wird das Hören nicht langweilig – was aber auch wohl beim Durchhören nicht der Fall wäre, da der Rock von Temple Fang einfach atmosphärisch Dicht ist und die Rhythmen und Musik einen gut mitnehmen – funktioniert auch bei „Harvest Angel“ sehr gut.
Ein schnellerer Schlagzeugrhythmus eröffnet recht rockig das mal etwas kürzere (7.25) Stück „The Radiant“ – welches dann noch mehr an Tempo zulegt und richtig gut rockt. Gute klassische Rockmusik.
Zum Abschluss noch ein fünfzehn Minuten langes Stück: „Josephine“ – Fängt als Rockballade an und gewinnt dann (wie zu erwarten) doch wieder gehörig am Kraft und Tempo. Klassischer Rock wunderbar in die Gegenwart katapultiert. Denn der Sound von Temple Fang reißt einfach mit.
Sehr gute Entdeckung. Klassische Rockmusik – zwischen Kraut-, Post- und Progrock. Und dabei immer unterhaltsam, nie verkopft und kompliziert – alles Richtig gemacht.


04.12.25
Johnny Cash – Unchained (1996)
Die American Recordings produziert von Rick Rubin sind ein großes Musikereignis und damit findet die lange Karriere von Johnny Cash, die fast in den achtziger Jahren zum erliegen kam, einen wirklich krönenden Abschluss. War das erste Album der Reihe noch fast ein reines Solowerk nur mit Stimme und Gitarre, so wird Johnny Cash bei den Aufnahmen von „Unchained“ von Tom Petty und seinen Heartbreakers begleitet. Außerdem fanden sich zu den Aufnahmen Gastmusiker wie Flea, Mick Fleetwood und Lindsay Buckingham ein.
Bis auf drei Songs, die von Johnny Cash selbst sind, besteht das Album aus Cover-Nummern. Die meisten Songs und das spricht für die Songauswahl, klingen so, als seien sie für Johnny Cash gemacht und sind von diesem spätestens nach diesem Album nicht mehr zu trennen.
Den Anfang macht „Rowboat“ (im Original von Beck). Leicht verspielter Country, vielleicht etwas zu verträumt – so könnte man den Song beschreiben. Aber eigentlich kein wirklich besonders guter Start ins Album.
„Sea of Heartbreak“ (im Original von Don Gibson) ist da mehr mein Ding. Weil das eben so funktioniert, wie ich mir einen guten Johnny Cash-Song vorstelle. Eingängig, mitnehmend und zaubert dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht.
„Rusty Cages“ (im Original von Soundgarden). Hammer-Cover-Version – Song und Musiker verschmelzen und profitieren von einander. Super! Und es rockt auf diese ganz eigene Art.
„The One Rose (that´s left in my Heart)“ (im Original von Jimmy Rodgers). Da säuselt der alte Mann der Country Musik ein sanftes Liedchen ins Gesicht. Irgendwie süß.
Mit „Country Boy“ wird Tempo aufgenommen und es wird gerockt und Rock´n´Roll gespielt, als ob es kein halten gäbe. Sorgt für Abwechslung.
„Memories are made of This“ (im Original von Dean Martin). Der Song wird von Johnny Cash auch so gespielt, als ob dieser seit Ewigkeiten zu ihm gehört.
„Spiritual“ (im Original von Spain). Das ist einfach ganz ganz groß und eine super Song. Ich muss vielleicht auch der Band „Spain“ nochmal eine zweite Chance geben – ich hatte mal ein Album der Band durchgehört und konnte damit leider nicht viel anfangen – vielleicht ist das mal jetzt einen zweiten Versuch wert.
„The Kneeling Drunkard´s Plea (im Original von den Carter Sisters). Da Johnny Cash ja mit June Carter von den Carter Sisters (Family) verheiratet war, ist das natürlich sehr passend und wohl auch kein Zufall das Cash gerade diesen Song ausgewählt hat.
„Southern Accents“ (im Original von Tom Petty & The Heartbreakers) – der Song dürfte dann der Begleitband kein Problem bereitet haben.
Mit „Mean Eyed Cat“ wird das Tempo nach den zwei wunderschönen Balladen wieder angehoben und einfach mal ein guter Country-Blues rausgehausen.
Aber die beeindruckenden Songs des Albums sind eindeutig die zurückgenommenen ruhigen Stücke – da nimmt einen fast jeder Song mit – das ist einfach diese Emotionalität, die da auf dem Hörer rüber schwappt – auch bei „Meet me in Heaven“.
„I never picked Cotton“ (Im Original von Roy Clarke) – solche Songs funktionieren aber natürlich auch. Country-Folk, der einfach Spaß macht und einem mit dem Refrain auf jeden Fall einfängt.
„Unchained“ (im Original von Jude Johnston). Das Titelstück ist auch eines dieser ruhigen Nummern, das aber ein wenig mehr als die anderen kitschig geraten ist – mag am Einsatz der Streicher liegen.
„I ve been Everywhere“ (im Original von Lucky Starr). Den Song liebe ich. Da geht man zum Abschluss der Platte gerne mit Johnny Cash auf Reise.
Großes Album eines großen Künstlers.
02.12.25
Clueso - Weit weg (2006)
Von seinen Anfängen als Rap-Sänger entfernt sich Clueso mit dem dritten Album noch etwas mehr, als er dies schon mit seinem zweiten Album getan hatten. Die Songs sind eher im Bereich „deutschsprachiger Pop“ angelegt – was ja nicht schlimm ist, solange es gut gemacht ist und bei Clueso stimmen meist die Zutaten von gut gespielter Musik bis zu guten Texten.
Und musikalisch bietet das Intro von „Frische Luft“ schon so einiges, das ist gut und geht dann in einem leichten Popsong über und aber so ganz ohne Rap geht es in den Songs von Clueso dann doch nicht – aber eben auf die sympathische Art und die sympathischen Rapper sind mir immer lieber als all die Rüpel-Gangster-Rapper/innen, die da rumschwieren und mit denen ich nichts, aber so gar nichts, anfangen kann.
Funk-Rock gibt es bei „sterblich“ zu hören – im Intro – danach wird auch der Song zum Popstück. Und will bei mir trotz recht viel Abwechslungsreichtum nicht so ganz funktionieren.
Das leicht akustisch gehaltene „Mach´s gut“ ist dagegen so ganz meins. So schön lässig – so entspannend. Ganz schön.
Näher am Reggae-Dub ist dann „Bleib hier“ und das funktioniert bei Clueso auch sehr gut. Das Titelstück „Weit weg“ zusammen mit den New Telephatics ist recht kurz geraten und dann doch eine leichte Rap-Nummer – aber auch tiefen entspannt.
Da der Titel „Weit weg“ ja schon etwas Hoffnung auf Urlaubsgefühle macht – bietet das Album davon recht viel. Das Album ist einfach ein Urlaub für die Seele und die Ohren, weil doch Stücke wie „Viel gesehen“ einen einfach aus dem Hier und Jetzt für eine Songlänge raushauen und einen ein Urlaubsgefühl schenken.
Aber leichte Melancholie gibt es auch: „Winter Sommer“. Sehr kurz: „ey tino!“ (Zwischenspiel). Pop-Ballade kann Clueso auch sehr gut: „Überall bist Du“.
Zusammen mit Max Herre: „Da wohnt so ´n Typ“. Obwohl der Song wieder mal ganz rockig dahier kommt, ist er wieder nicht ganz meins. Irgendwie komme ich aber auch nie mit dem Gesang von Max Herre klar. Seine Frau Joy Denalane höre ich dagegen beim Singen sehr gerne zu.
Indie-Rock geht sogar auch: „Hirn ein“. Gekonnt, aber auch nicht so ganz meins. Da das Album mit siebzehn Stücken auch sehr viel bietet, finde ich es aber gut, dass der Musikstil öfters mal gewechselt wird – langweilig wird es einem beim Hören nicht.
Mal fast durchgerapt: „Crash“. Aber auch die heute vielleicht nicht mehr so ganz junge Jugendsprache haut mich dann doch aus den Song raus.
Nochmal was sanftes: „Schwer“. Gelungener Hit der Platte: „Chicago“ – obwohl das Thema Drogensucht thematisiert wird.
Mit Immo wird „Morgen Gestern“ zum gekonnten Funk-Pop-Stück. Da ist fast der ganze Abwechslungsreichtum der Platte nochmal in einen Song gepackt und man kann sich da auch sehr gut vorstellen, wie viel Spaß da ein Livekonzert machen muss.
Und bei „Mein Bestes“ merkt man, und dies nicht zum erstes Mal, wie gut das Album auch produziert ist und irgendwie erinnert das was Clueso da macht auch an den Gesang von Henning May und das ist auch nicht das erstes Mal das mich das Album an AnnenMayKantereit erinnert. Musikalisch zwar nicht ganz gleich, aber im Geiste sicherlich nicht ganz weit von einander entfernt.
Zum Ende wird ein Song einfach mal rausgehauen und locker gerockt: „Out of Space“.
Für mich ist Clueso eines der Glanzlichter im deutschsprachigen Pop. Da er Popmusik macht, die Seele hat und Spaß macht und musikalisch und textlich eben auch einiges bietet – einfach gesagt: „Gute Musik!“.
Nach etwas Stille gibt es nach „Out of Space“ noch einen kleinen Funk-Pop-Song (Hidden Track).


01.12.25
Buffalo Tom – Birdbrain (1988)
Wie schon beim Debütalbum wirkt J.Mascis bei den Aufnahmen als Co-Produzent mit und im Titelstück „Birdbrain“ zu Anfang der Platte, ist er auch mit einem Gitarrensolo als Musiker beteiligt.
Titeltrack „Birdbrain“ ist ein guter schneller Rocksong, der direkt ins Ohr geht. Sanfter Alternative-Rock: „Skeleton Key“. Klingt wie die Mischung von R.E.M. und der Stimmung vom ersten Pearl Jam-Album „Ten“. Ob die Band aus Seattle sich da was abgeschaut hat? Ist schon eine richtige frühe Grunge-Nummer (obwohl der ja erst drei Jahre später erfunden wurde).
Aber so manche Grunge-Vorlage bietet das Album. „Caress“ klingt als wäre das ein Stück von Post-Grunge-Band „Bush“. Nur eben nicht so glatt gebügelt. Das Album haut mich jetzt schon wieder um.
Rauer ungeschliffener Alternative-Rock, auch mal etwas punkiger: „Guy who is me“. Danach wird wieder sanfter, aber nicht leise gerockt: „Enemy“. Als Collage-Rock wurde das damals auch bezeichnet – dazu zählten Bands wie R.E.M., Dinosaur jr. und andere. Und ich mag das, was ich auf dem Album bekomme, damit mag ich wohl auch jede Phase der Band – diese Frühphase, die bekannte Phase mit dem Nachfolge Album „Let me come over“ und die späte Phase mit Platten wie „Quiet and Peace“. Das Trio, bestehend aus Bill Janovitz, Chris Colbourn und Tom Maginnis, macht nämlich einfach guten emotionalen und melodiösen amerikanischen Alternative-Rock und das mag ich. Und so mag ich „Crawl“ und noch mehr das rockige „Fortune Teller“.
Wieder sehr nach Grunge klingend: „Baby“ – so klingen auch die Songs auf dem von mir geliebten „Temple of the Dog“-Album.
Und auch wenn es bei Buffalo Tom mal mehr nach Punkrock klingt, gefällt mir das auch richtig gut – weil es eben immer auch gut rockt: „Directive“.
„Bleeding Heart“ klingt dann schon so, wie sich die Band dann auf „Let me come down“ zumeist anhört – auf jeden Fall dann, wenn sie im Tempo etwas zulegen.
Als Bonus auf CD gibt es noch zwei live-acoustic Tracks: „Heaven“ und „Reason Why“ – da hört man dann, dass die Band auch als Singer/Songwriter-Folk-Trio gut funktionieren können.
Sehr gutes Album – die Buffalo Tom-Discographie hätte ich schon früher mal beginnen sollen durchzuhören,
27.11.25
Ryuichi Sakamoto – Merry Christmas Mr. Lawrence_Soundtrack from the Motion Pichture (1983)
Dies ist die erste Filmmusik, die Ryuichi Sakamoto komponiert hat – es handelt sich dabei um achtzehn kleinere Instrumentalstücke und dem Song „Forbidden Colours“ gesungen von David Sylvian und wohl gerade „Forbidden Colours“ ist wohl der Hauptgrund, dieses Vinyl zu besitzen – obwohl ich ihm sogar auch als Maxi-Single habe.
Wie bei vielen Filmen hat auch die Musik dieses Films ein Grundthema, das oft in verschieden, manchmal aber auch nur leicht verändert öfters im Film eine Verwendung findet. So ist das Titel-Thema „Merry Christmas, Mr Lawrence“ eine instrumentale Fassung von „Forbidden Colours“. Der Film ist – wie viele Wissen mit David Bowie prominent besetzt und auch Ryuichi Sakamoto spielt im Film eine wichtige Hauptrolle. Als Schauspieler ist Sakamoto danach aber weniger oft noch zu sehen gewesen, als es bei David Bowie der Fall war.
Die Songminiaturen dieser Filmmusik gehen oft ohne Pause ineinander über – ohne dabei auch manchmal den Titel zu wechseln – so wechseln diese dabei oft die Stimmung und das Musikgewand, dabei wechseln sich Streicher mit Synthesizerklängen, elektronischen Trommeln und Orchestersound ab – genau wie es das Tempo und die Art tut. Das ist Abwechslungsreich – macht es aber sehr schwierig die Musik den einzelnen Songtiteln zuzuordnen – was ich dann auch ganz falsch angefangen hatte und jetzt einfach lassen werde – denn eigentlich werden beim Hören aus sieben kurze Filmmusikstücke dann plötzlich vierzehn draus.
Das erste Stück der zweiten Plattenseite benutzt leicht verlangsamt das Titelthema noch einmal. Natürlich ist auch Filmmusik immer ein Helfer dazu Stimmung zu verstärken und Stücke wie „Dismissed!“ verdeutlichen vom Ton her, was an Spannung und Bedrohung im Film zu erleben ist. Das Gleiche gilt auch für das Stück „Assembly“. Ganz kurzes düster gehaltenes Zwischenspiel, gefolgt von melodiöseren und wirklich guten Passagen des Soundtrack, auch wenn hier ein Thema, das auch in der zweiten Hälfte der ersten Plattenseite nochmal wiederholt wird: „Sowing the Seed“.
Ähnlich nicht nur vom Titel, sondern auch von der Stimmung her, ist „The Seed“ ist dann noch mal ein Highlight gegen Ende der zweiten Seite, auf das dann „Forbidden Colours“ folgt, ein Song für die Ewigkeit.
Abwechslungsreicher Soundtrack mit vielen kleinen Songminiaturen und man hört schon, dass Ryuichi vom Popmusiker immer mehr zu einem echten Komponisten wird. Ein Grenzgänger und diese Art von Musiker sind mir mit die liebsten.


24.11.25
Marianne Faithfull – Marianne Faithfull (1965)
Das ist das zweite Album der Sängerin und ist eine Mischung aus Chansons (in englischer Sprache), Schlagerpop, früher Pop und sogar Klassische Musik. Die Songs stammen von bekannten Musikern wie Jackie DeShannon, Lennon & McCartney, Jagger/Richard/Loog Oldham.
Das Album ist mehrmals veröffentlicht worden, teils mit unterschiedlicher Songreihenfolge oder mit noch ein paar hinzugefügten Songs. Ich orientiere mich an das Remaster von 2025. Marianne Faithfull hatte 1965 noch zwei weitere Alben veröffentlicht. Zuvor die Platte „Come my Way“ und nach dieser zweiten noch das Album „Go away from my World“.
Die bekanntesten Stücke wie „Down Town“, „Plaisir D´Amour“ fallen beim Durchhören der vierzehn kurzen Stücke am meisten auf.
Aber es gibt auch ein paar nette Überraschungen wie das etwas folkige „Time takes Time“ und das flotte „Can´t you hear my Heart beat“.
Die meisten Stücke rauschen so vorbei und sind eben bloß von zarter Stimme gesungene kleine Sixties-Popsongs.
Aber auch das im Kammermusik gehaltene „Paris Belle“ bleibt im Ohr hängen – weil es was eigenes hat. Zuckersüß und auch sehr nett: „They never will leave you“. Kann aber auch einfach sein, dass ich mich nach zehn Liedern schon in diesen Sixtiessound eingegroovt habe.
Typischer können die Sechziger gar nicht klingen wie beim Stück „In my Time of Sorrow“ – da hört man aber schon am Sound, das es nicht zur originalen Veröffentlichung der Plattegehörte.
Schlager/Rock: „I´m a Loser“ – netter Abschluss der Veröffentlichung.
Kein Album, dass noch lange nach dem Hören nachwirken wird. Nicht unbedingt was für meine Sammlung. Aber als kleine musikalische Geschichtsstunde ganz nett anzuhören.
23.11.25
The Belair Lip Bombs – Again (2025)
Indierock aus Australien. Sängerin und Gitarristin der Band Maisie Everett und ihre Band bestehend aus Mike Bradvica (Gitarre), Jimmy Draugthon (Bass), Daniel Davlin (Drums) und Studiogastmusiker/Co-Produzent Nao Anzai (Keyboards und Violine) scheinen mit ihrer zweiten Platte das Zeug dazu zu haben, ganz groß rauszukommen. Denn der Indierock der Band nimmt einen mit und ist so gut geraten, dass er sich von den vielen anderen Bands, die die gleiche Art von Musik machen doch abhebt.
Direkt Eingangsstück „Again and Again“ macht mit kräftigen Gitarrenriffs keine Gefangene sondern reißt mich einfach direkt mit – doch statt Garagenrock geht der Song dann mit leichter Indie- und Alternative-Rock-Note weiter. Super und schon bin ich Fan und da ich die Platte erstmal nur streame – weil sie Platte des Monats im Uncut-Magazin ist – wurde sie dann auch direkt mit dem Debüt-Album zusammen bestellt. Solche Überreaktionen habe ich manchmal, wenn mir was richtig gefällt und das was ich da gerade höre gefällt mir.
Leichter gerockt, etwas popig und allgemein tauglich, dabei aber immer noch sehr gut: „Don´t let them tell you (It´s fair)“.
Das sind einfach sehr tolle Melodien und so rockig – richtig gut: „Another World“ muss live eine Riesennummer sein. So richtig gut.
Wieder leichtgängiger, aber trotzdem tanzbar: „Cinema“ – auch meins. Indie-Pop-Rock.
Jack White hat die Australier ins LineUp seines Lables Third Man Records aufgenommen und so wurde das erste Album „Lush Life“ und dieses zweite Album direkt international vermarktet.
Trotzdem, und das ist ja auch ein Jack White Markenzeichen, klingt alles noch schön handgemacht ohne dabei was an Anziehungskraft zu verlieren. Bei The Belair Lip Bombs“ macht es auch die Mischung aus Powerpop, Rock, Indie – alles drin. Alle dürfen die Band lieben.
Songs wie „Hey You“ gibt es viele – funktionieren aber auch oft. Gute Gitarren-Soundwände, die aber mitreißen und dann ein eingängiger Refrain. Mehr braucht man halt nicht für einen Hit. Auf Spotify schon über eine Millionen mal gestreamt. Manchmal kommt es mir beim wiederholten Hören der Stücke so vor, als hören sich die Songs der Belair Lip Bombs so an, als würden Indierocker wie „Kings of Leon“ auf „Taylor Swift“ stoßen und genau das erklärt glaube ich die starke Anziehungskraft der Songs.
Alles gut, was ich da höre und schön abwechslungsreich. Bin wieder mal verliebt – und ich habe auch so eine Platte jetzt gebraucht – weil ich doch beim Hören letzte Zeit in so einen Automatismus geraten bin und ein wenig zweifelte und dachte nach über 600 durchgehörten Platten doch vielleicht mal eine Pause einlegen zu müssen und es etwas langsamer laufen zu lassen. Aber mit solch guter Musik macht das Ganze wieder einen Sinn und viel Spaß. Auch toll: „If you´ve got the Time“. Sehr lässig, fast 70er-Rock.
Leichter schöner Rock: „Smiling“. Fast eine Ballade „Burning Up“. Und mit „Price of a Man“ geht das Album dann auch schon leider zu Ende. Aber es gibt ja noch ein Debüt-Album. Schöne Entdeckung, zur richtigen Zeit. Und mal so richtig gut!


19.11.25
Blancmange – Mange Tout (1984)
Beim zweiten Album darf das Synth-Pop-Duo bestehend aus Neil Arthur und Stephen Luscombe bei der Produktion mehr wagen und so gibt es zahlreiche Gastmusiker auf dem Album zu hören (darunter David Rhodes an der Gitarre), so dass das Album schon nach ein wenig mehr kling als reiner Synth-Pop – aber bei Stücken wie „Blind Vision“ ist der Sound der Anfänge noch erhalten geblieben.
Ich bin gespannt, ob ich neben den Hits „Don´t tell me“ und „Blind Vision“ noch weitere gute Stücke finden werde.
„Don´t tell me“ ist mein Lieblingssong der Band, da mag ich sogar die Maxi-Fassung immer noch sehr gerne. Der Song ist einfach gut. Und hat die 80er gut überlebt.
Melancholisch, düsterer Synth-Pop-Song: „Game above my Head“. „Blind Vision“ bleibt eine der bekanntesten Stücke von Blancmange – hat aber nicht so gut wie „Don´t tell me“ die Zeit überdauert – weil der Song schon ein wenig zu viel wieder nach 80er klingt und eigentlich auch als Song mich nicht mehr so überzeugt, wie er es getan hat, als er damals herauskam.
Mit kleinem Orchester aufgenommen: „Time became the Tide“ – besticht auch mehr wegen der Kammermusik, als dadurch, dass es ein allzu guter Song wäre – weil er doch etwas zu sehr auf Drama und Pathos aus ist.
Die Synth-Elektric-Disco-Nummer „That´s Love that it is“. Ist auch nicht meins. Aus irgendeinen Grund will vieles auf dem Album grade für mich nicht funktionieren. Irgendwie erreicht mich die Musik nicht. Hoffe bei der zweiten Seite des Albums noch auf was Gutes zu stoßen oder wenigstens auf Musik die mich irgendwie mit nimmt.
Auch dass zwar stark produzierte und recht ausgeklügelte Synth-Pop-Stück „Murder“ – erreicht mich nicht. Das ist ja echt komisch – dass ich auf viele Songs so gut anspringe – so viele Songs gut finde – aber manchmal da sitze und beim Hören sich bei mir nichts regt – diese Musik lässt mich unbewegt zurück – fast schon zum Verzweifeln.
A Capella und als leichter Gospel kommt dann „See the Train“ doch als kleine Überraschung zur rechten Zeit daher.
Auch „All things are nice“ als fast reiner Elektronik-Dance-Musik-Song, mit ein paar Samples verziert, funktioniert auch noch ganz gut. Es ist also doch nicht alles schlecht auf diesem Album.
„My Baby“ gefällt mir dafür wieder so überhaupt gar nicht. Finde ich fast schrecklich.
Und als es nicht hätte schrecklicher werden können, covern sie dann noch am Ende Abba: „The Day before you came“.
Nein – kein gutes Album. Aber „Don´t tell me“ bleibt für mich ein Song für die Ewigkeit.
18.11.25
Ásgeir – Afterglow (2017)
Ásgeir Trausti ist ein isländischer Musiker, der meist melancholischen Indie-Pop macht (seine Alben bringt er zumeist in zweisprachigen Varianten heraus (isländisch/englisch). „Afterglow“ ist sein zweites Album.
Pianomusik eröffnet das Album, dazu singt Ásgeir mit hoher Stimme, so dass er ein wenig nach Anohni kling – der Song entwickelt sich dann fast zu einer orchestralen Hymne, um dann im leichten Indie-Pop-Stil weiter zu gleiten. So verbindet Asgeir Drama und Leichtigkeit in einem Song – es mag ein wenig an Ecken und Kanten bei dieser Art von Musik fehlen – gekonnt ist das aber schon.
Schöne elektronische Soundideen eröffnen das zweite Stück „Unbound“ - das zu hören macht Spaß, obwohl das eindeutig Popmusik ist – aber eben richtig gut gemachte.
„Stardust“ funktioniert dann auch ohne Melancholie, das ist dann wohl schon isländische Fröhlichkeit, was der Song da versprüht. Aber ich mag, dass das Album recht abwechslungsreich daher kommt und nicht nur aus melancholischen Pop-Balladen besteht.
Der Pop von Ásgeir ist vielleicht nicht als überragend zu bezeichnen, dazu ist er dann doch wieder zu sehr auf ein größeres Mainstream-Publikum aus – aber für mich ist das Musik, die gut den Alltag verschönern. Musik zum unter der Decke hocken – es sich gemütlich machen – abschalten und gut ist – da funktionieren Songs wie „Here Comes the Wave in“ ausgezeichnet und bringen sogar etwas Schwung in den Alltag.
Sehr sakral und erhaben: „Underneath it“ und da klingt die Musik wieder wie der leicht verpopte Bruder von Anohni. Kurz (auch ruhig): „Nothing“ – aber auch etwas überflüssig – weil der Song nichts Neues zur Platte beiträgt.
Da ist „I know you know“ als guten Popsong wieder viel mehr mein Fall.
Wäre jetzt seltsam, wenn ein Song wie „Dreaming“ nicht verträumt klingen würde, von daher klingt er halt verträumt - was ja bei Ásgeir eine Grundstimmung zu sein scheint. Aber solche Songs bieten sich für viele Filme an, als Soundtrack genutzt zu werden. Und der Instrumentalteil, wieder fast orchestral klingend – ist ganz beachtlich.
Feiertagsmusik – etwas kitschig geraten: „New Day“. Das ist schon fast zu schön – wie er das macht – aber um diese Wirkung zu erzielen braucht Ásgeir nicht viel – da reicht seine sanft klingende hohe Stimme und ein bisschen klassisch klingende Popmusik und das kann der Isländer eben halt auch richtig gut.
„Fennir Yfir“ – Soundtrackmusik könnte Ásgeir wirklich ohne Probleme abliefern, da funktionieren Songs wie dieser genau richtig.Und das ist auch ein Song der ein wenig mehr ist und zusammen mit „Unbound“ und „I know you know“ die Highlights dieses Albums bietet.
Am Ende nochmal sakraler Pop: „Hold“ (davon gibt es auf dem Album wirklich viel zu hören.
Es gibt noch eine Bonus-CD mit den Alternativversionen von „Afterglow“ und „Unbound“, sowie die Cover-Version des Pixies-Songs „Where is my Mind?“ und der unveröffentlichte Song „Trust“.
Die Alternativversion von „Afterglow“ ziehe ich der Originalversion vor – weil sie weniger orchestral geraten ist und als sanfter Popsong mit guten Sound-Ideen sehr gut funktioniert.
Dagegen ist die Alternativversion von „Unbound“ dann leider zu glatt geraten und da finde ich die schlaue reguläre Variante dann doch viel besser.
Aus „Where is my Mind?“ macht Ásgeir – was ganz Sanftes. Gelingt ihm aber weniger gut, wie bei seiner Version vom Nirvana Stück „Heart Sharped Box“ auf dem ersten Album. Aber ist mal was anderes.
„Hold“ ist eine sanfte Akustiknummer. Und fast nur von einer Gitarre begleitet – da klingt er dann fast schon mehr nach das was Bon Iver und andere Folkpop-Bands heute so abliefern.
So als zurückhaltende Popmusik mag ich das was Ásgeir macht wirklich gerne – es würde mich aber interessieren, wie der Mann klingen würde, wenn er nicht alles bei seinen Platten selber machen würde und sich fast vollkommen auf elektronische Sounds verlässt – sondern wenn er mal eine Platte mit Band machen würde. Und so „minimal“ ausgestattet habe ich ihm damals auch beim Traumzeit-Festival vor vielen Jahren mal gesehen und da war der Funke zu mir, damals aber auch direkt übergesprungen.


17.11.25
Bløf – Oktober (2008)
Die Band „Bløf“ zog sich nach Irland zurück um im „Pickering House“ neue Musik aufzunehmen, dabei entstanden die Alben „Oktober“ und „April“. Im Jahr 2023 wurden diese zusammen mit der Liveaufnahmen der „Pickering Session“ neu auf Vinyl als „Dreier Vinyl-Ausgabe“ herausgebracht. Und so höre ich jetzt „Oktober“ als LP 1 von 3.
Herbstlich ruhig, leicht melancholisch, dann aber doch noch ganz melodiös werdend: „Oktober“. Der ruhige Singer/Songwriter-Pop-Modus wird auch bei „Eilanden“ beibehalten. Aber das können Bløf ja auch sehr gut. Schließlich haben sie mich ja mit „Dansen an See“ zum Fan gemacht. Das besondere an allen Songs der Alben „Oktober“ und „April“ ist, dass sie Liveaufnehmen sind, die ohne Overdubs verwendet wurden.
Auch eine ruhige gefühlvolle Pop-Ballade: „Van veraf was het zu mool“. Das ist die bisher schönste Nummer des Albums – wunderschön.
Doch etwas leicht rockiger: „Wrj geloven nergens in“. Wieder ruhiger und fast schon ein Blues: „Liefdesbrief“.
Die Platte ist ein Sofaalbum, um sich unter die Decke zu verkriechen. Rockballaden in schönster Bløf-Qualität – so auch „Labrador“. Und teilweise im Jazzsound-Gewand.
Anfänglich ein Pianoballade: „Donkerrood“ - schön gespielt, wenn die anderen Instrumente nach und nach dazu kommen. Sehr schöne Nummer. Davon gibt’s auf dem Album reichlich. Ganz viel zum zusammen Kuscheln.
Ganz großartig – fast schon Indie-Pop-Ballade: „Hoe lang blijf je binnen“. Einfach ganz schöne Lieder: „Adem in“ und nochmal besonders schön „Kouder dan ijs“. Bei all den Stücken merkt man auch einfach wie gut die Musiker dieser Band geworden sind – sie lieben es „live“ zu spielen und das hört man.
Alles Musik fürs Herz: „Vallende Engel“ - von der Party-Pop-Musik des Debüt ist das schon sehr weit entfernt. Und das gute ist – trotz vieler Rock-Pop-Balladen ist das niemals kitschig, sondern einfach gut. Das ist nicht nur meine liebste niederländische Band – sondern mittlerweile eine meiner Lieblingsbands.
Der passende Titel zur Platte „Zo mooi, zo mooi“ („So schön, so schön“). Da kann ich nichts hinzufügen.
Matt Berninger – Serpentine Prison (2021)
Der The National Sänger bringt ein Soloalbum heraus. Für ihm etwas ungünstig, fällt diese Herausbringung in die Coronazeit und das stürzt den Musiker auch in eine persönliche Krise, die die Arbeit am nächsten The National Album erschwert. Doch kommen wir jetzt zum Inhalt dieses Debüt.
Sanfter Singer/Songwriter-Musik leicht verhallt, so dass es auch nach Indie-Pop klingt – so ist der Stil der ruhigen Nummern „My Eyes are T-Shirts“ und „Distant Axis“. Das ist schön anzuhören und nimmt einen mit – ist aber auch etwas einfach geraten – aber in einer intimen Live-Umgebung wäre das sicherlich sehr schön zu hören gewesen – wenn eben nicht Corona das Konzerterlebnis zum Erliegen gebracht hätte. Von daher verstehe ich schon, warum Matt Berninger in eine Krise geriet.
Der sanfte Grundton wird auch bei „One more second“ beibehalten. Das ist schon schön – aber es fehlt mir immer noch etwas, dass mich richtig kickt. Ich will die Produktion nicht als zu glattgebügelt bezeichnen – aber es klingt halt nach viel was man im Radio hört. Man wippt auch beim Refrain mit, aber es ragt nicht aus der Menge heraus. Der gleiche Song von einem Robbie Robertson gespielt, hätte einfach mehr Blues oder Rock und etwas mehr Kanten.
Bei „Loved so little“ klingt es vom Gesang ein wenig so, als versucht Berninger Nick Cave zu kopieren – und der Song klingt ein wenig dann auch als wäre er von einem Daniel Lanois produziert und das gefällt mir dann viel besser. Das passt mehr zum The National-Frontmann – erster beachtenswerter Song der Platte. Produziert wurde das Album von „Booker T. Jones“ - den man von „Booker T & the Mc´s“ kennt.
Der etwas atmosphärische Sound – hält auch „Silver Springs“ zusammen – schönes Duett mit Gail Ann Dorsey – die bekannt als Bassistin in den Bands von David Bowie und Lenny Kravitz wurde.
Das akustisch gehaltene „Oh Dearie“ ist wunderschön – man musste wohl nur die ersten etwas „glatten“ Songs als Hörer hinter sich bringen, um dann doch mit der Platte Freundschaft zu schließen.
Rocken will Berninger solo aber wohl nicht – lieber füllt er mit ruhigen Singer/Songwriter-Balladen das Album – aber das funktioniert: „Take me out of Town“.
Und live hätte das Material der Platte mich „umarmt“. Ein wenig mit dem letzten Leslie Feist-Album ist das zu vergleichen. Ein Musiker konzentriert und zelebriert das Wesentliche der Musik – Emotionalität auf den Hörer zu übertragen.
Laut – will es einfach nicht werden. Ganz ruhig und zurückhaltend auch „Collar of your Shirt“ - unterlegt mit Streichern und sanften Saitenspiel (wundervoll gespielt).
Getragen von einem Piano und Berningers wie immer toller Gesang – ich mag seine Stimme ja gerne und natürlich wieder ganz ruhig: „All for Nothing“. Das dann mit Streichern und Blasinstrumenten, doch mal zwischendurch mal etwas laut wird.
Titelstück „Serpentine Prison“ setzt den Schlusspunkt des regulären Albums – und auch der will nicht überraschen, sondern hält Stil der zuvor gehörten Songs bei – aber wie gut die Songs dann doch produziert sind (abgesehen von den Stücken eins bis drei) werde ich dieses Album in sehr guter Erinnerung halten und als Einzelstücke in einer Playlist können diese Songs dann noch einmal richtig Glanzpunkte setzen. Freue mich da auf das Wiederhören von so manchen der Songs.
Aber es gibt noch sechs Bonusstücke – es ist also auch noch nicht zu Ende gehört.
Und das etwas mit flotten Gitarre gespielte „European Son“ macht richtig Spaß – auch weil es dann doch etwas Abwechslung durch mehr Fröhlichkeit bringt – der ist schon wirklich klasse – verdammt – jetzt muss ich mir das Album wegen der Bonusstücke noch mal holen.
Wunderschöne soulige Piano-Blues-Nummer: „Then you can tell me goodbye“. Delux-Version als Download ist gerade gekauft.
Die Songs hätten schon als Teil des reguläre Album etwas stark den Ton geändert – aber wäre eigentlich nicht schlimm gewesen – weil die Qualität einfach gut ist – als sanfter Root-Folk-Song funktioniert „In spite of me“ nämlich auch sehr gut. Passt dann wieder zum auch schon erwähnten Robbie Robertson und erinnert leicht auch an Bob Dylan.
Und dann wird doch mal im Retro-Stil gerockt – dass klingt dann auch ganz schwer nach Booker T and the MCs. Da wird dem Produzenten mit einer guten Cover-Version gehuldigt, den Booker mit Eddie Floyd 1968 herausgebracht hat: „Big Bird“.
Dann aber doch noch was sanftes wieder hinten dran: „Let it be“. Am Ende ist dann „The End“ zu hören, dass sein The National-Bandmitglied Benjamin Lanz allein geschrieben hat. Bei allen anderen Stücken (außer „Big Bird“) war Matt Berninger Co-Autor. Und bei Benjamin Lanz und den ständigen Einsatz von Blasinstrumenten bei dem Album fällt mir wieder ein, dass ich auch mal mehr von „Beirut“ hören muss – da ist Lanz nämlich auch Stammmusiker.
Etwas schwer tat ich mich zu Anfang mit dem Album, dann hat es mich aber ab Stück Nummer Vier gepackt und bin jetzt ziemlich begeistert – aber die „Deluxe Ausgabe“ ist tatsächlich noch mal um einiges besser als das „reguläre“ Album – weil die Bonusstücke einfach alles Highlights sind.


12.11.25
Bronski Beat – The Age of Consent (1984/Remaster + Bonusmaterial 1996)
Der Synthpop dieses Albums, der von der einzigartigen Stimme von Jimmy Sommerville veredelt wird und von drei Musikern gespielt wird, die offen mit ihrer Homosexualität umgehen, hat bis heute einen bleibenden Eindruck in der Popmusik hinterlassen. Songs wie „Why“, „Smalltown Boy“ und „It ain´t nessarity so“ lassen sich nicht mehr aus dem Kanon der modernen Popmusik wegdenken – Songs für die Ewigkeit, die den Bandnamen „Bronski Beat“ bis ins Jetzt im Gedächtnis der Hörer halten.
Es ist ein typischer Song der 80er, das hört man – aber er funktioniert, wie andere Songs eben auch immer noch richtig gut. Auch weil das Stück so ein ganz typischer Disco-Song ist, der dazu noch textlich der homosexuellen Community auf den Leib geschrieben ist – aber er funktioniert eben auch einfach als Tanzflächenhit – dabei ist der Text eigentlich ernsthaft und setzt sich mit den Anschuldigungen, die ein homosexueller Mensch ausgesetzt ist, auseinander – der Song heißt „Why?“. „It ain´t nessarity so“ ist immer einer meiner Lieblingssongs der Band gewesen und auch so ein Song den ich als sehr wertvoll betrachte. Der hat schon Jazzstandartgröße. Der Song stammt im Original aus der Oper „Porgy and Bess“. Mit dem, bei diesem Song unter anderem an der Klarinette zu hörenden Musiker, Richard Coles gründete Jimmy Sommerville nach seinem Austritt bei „Bronski Beats“ das Projekt „The Communards“.
„Screaming“ ist dann der erste Song, der mich, weil ich ihm bisher nicht kannte, sehr positiv mit seiner spannenden Atmosphäre und den Sounds überrascht. Sehr guter düsterer Synth-Pop-Song. Gleiches gilt für „No More War“. Ich muss auch die Soundtüftler Steve Bronski und Larry Steinbachek und Produzent Mike Thorne loben, weil die CD und die Musik klingen einfach sehr gut.
Soulig, mit Blues versetzt „Love and Money“. Funktioniert immer: „Smalltown Boy“. Eine kleine „Big Spender“ Variante: „Heatwave“ - auch sehr pfiffig.
Ein guter Song ist auch „Junk“. So langsam glaub ich, dass „Why“ tatsächlich eher einer der schwächeren Songs des Albums ist. So ganz ersichtlich wird die Frage beim lesen der CD-Beilage nicht, wer da bei „Junk“ neben Jimmy Sommerville mitsingt – oder ob das tatsächlich Jimmy Sommerville ist – der da mal nicht mit hoher Falcettstimme singt.
Durchwegs hörenswertes Album – nicht nur die Singles sind gut – auch der Rest gefällt mir überaus gut – denn auch „Need a Man Blues“ funktioniert gut – und vielen der Songs haben sicherlich viele andere Songs gleicher Art beeinflusst – da höre man nur was Bands wie Gossip machen.
„I feel Love“ ist auch schon so was wie ein Klassiker – gerade die Remixversion mit Marc Allmond ist viel gespielt und gehört worden.
Danach folgen noch als Bonusmaterial Remix-Versionen von „I Feel Love“, „Hundreds and Thousands“, und die Sücke „Memories“ und „Puit D´Amour“.
Für ein überraschend gutes Album.
07.11.25
Maire Brennan – Perfect Time (1998)
Maire Brennan, auch geschrieben Moya Brennan und Máire Ni Bhraonáin ist Mitglied der bekannten irischen Folk- and New Age-Band „Clanned“. Wie ihre Schwester Eithne (Enya) bewegt sie sich seit 1992 auf Solopfaden und bringt eigene Veröffentlichungen heraus. Ich bin durch einen Song auf dem Sampler „Common Grounds“ auf sie aufmerksam geworden und habe erst jetzt durch Wikipedia erfahren, dass sie bei Clanned mit macht – hätte ich vielleicht herausgefunden, wenn ich das Album „Legend“ von Clanned mir mal genauer angeschaut hätte – da ich dieses Soundtrackalbum zur Serie „Robin Hood“ schon sehr sehr lange in meiner Sammlung habe.
Das Stück „The Big Rock“ fällt ein wenig über den Hörer her, weil es einfach „direkt“ ohne langes Intro mit seinen etwas hochproduzierten Folk-Pop über mich herfällt. Der Song eignet sich sicherlich perfekt als Abspannmusik für jeden modernen Fantasyfilm – ist mir aber gerade durch den Chorgesangsteil doch zu kitschig und zu sehr erinnert es mich direkt an die wenigen Songs, die ich von Enya kenne.
Sanfter beginnt das Titelstück „Perfect Time“. Kalkulierter Entspannungs-Folk-Pop. Da hatte eher drauf gesetzt, dass das Album mal nicht nach „Clanned“ klingt, sondern etwas mehr nach ursprünglichen irischen Folk.
So ist das eher eine Platte, die man im Winter- oder an einem Feiertag auflegen kann, um unter der Bettdecke oder auf dem Sofa sitzend und Tee schlürfend als Hintergrundmusik gespielt zu werden – der Song „The Light on the Hill“ hat schon stark was von einem Hit von Celine Dion – also ganz großer Kitsch – hat aber durchaus Hit-Qualität.
Sehr sakral: „Na Páistí“.
So viel Schönklang im kitschigen Folk-Pop-Gewand ist dann schon irgendwie so aneinander greiht etwas zu viel für mich. Als Einzelsongs mag da so mancher Song weniger unangenehm auffallen – doch so in der Reihe gehört, finde ich „Heal the Land“ einfach sehr uninteressant. Und beim nächsten Song frage ich mich dann ob ich das Hören nicht ganz abbrechen soll – überwältigender – aber so ganz ohne Seele gespielte – Folkkitsch – nur auf einfache Emotionalität setzend und für dem Mainstreamhörergeschmack wohlfallend serviert – so schön ist „Song of David“ - dass einen schon fast schlecht wird.
Ich mache es jetzt kurz „Our World“ ist die nächste Nummer im Celine Dion-Style.
„Doon Well“ macht Hoffnung das wenigstens doch noch ein Song auf diesem Album funktioniert und tatsächlich ist diese sanfte Instrumentalnummer ganz schön geraten. Zwar auch genauso kitschig wie der Rest – aber eben mit mehr Zurückhaltung gespielt.
Auch musikalisch etwas besser geraten ist „Grá Dé“ - eher leichter Folkrock als Folkpop. Zum Abschluss gibt es danach dann noch eine instrumentale Version von „The Big rock“.
Bis auf „Doon Well“ und „Grá Dé“ werde ich nichts von der CD behalten – das ist einfach ein zu wohlgefällig geratenes Album. Und ich mag ja gerade zur Zeit den alternativen Folk und da ist dieses Album ein Gegenentwurf zu. Wer aber Enya, Celine Dion und Hans Zimmer mag – wird bestens von Maire Brennan bedient.


04.11.25
Brandy – Two Eleven (2012)
Dies ist das sechste Album von Brandy Norwood – das Genre R&B wird auf dem Album mit Soul, Rap und Pop von einer großen Menge an Produzenten geschickt gemischt. Dadurch entstand ein Album mit zahlreichen Songs, die großes Hit-Potenzial besitzen und es schaffte es auf Platz 2 der Billborad 200 Charts.
Nach einem kurzen Intro, das schon recht atmosphärisch Großes erwarten lässt, folgt mit „Wildest Dreams“ erst mal ein leicht melancholischer Popsong, bei dem aber schon nicht an aufwendigen Effekten gespart wird, der trotzdem erst mal „nur“ nach typischen amerikanischen R&B und Soul klingt, bei dem Brandy mit leicht rauer Stimme singt.
„So sick“ mit seinen sanften Beats, den verspielten Vocals mag ich da mehr – der nimmt mich wie ein guter Pop-Song mit.
Durch die Rhythmuseffekte wird „Slower“ zusammen mit den Gesangsarrangments zu einem guten Song.
Popballade: „No such thing as too late“. Harmlos, aber eingängig. Bisher ist das Album eher zurückhaltend was das Tempo angeht. Gefühlvolles, mit Beats versetzt.
Effektfeuerwerk, aber immer noch recht chillig und die Gesangsparts bleiben stark: „Let me go“. Das ist schon ein Knaller.
Melancholisch angelegte Ballade mit TripHopBeats: „Whitout you“. Bei „Put it Down“ wird Chris Brown gefeatured – Singletauglich – aber auch hier alles mit eher langsamen Beats, die geschickt mit verschiedenen Stimmungen spielen.
Das ist wirklich von der Atmosphäre her ein spannendes R&B/Soul-Album, weil es sich an vielen Stellen vom Mainstream-Pop-Soul durch starke Arrangements und eben eine zwar nicht düstere, aber auch nicht durch Partystimmung auszeichnet. Damit kann man dann auch Hörer wie mich, der nur selten beim charttauglichen R&B aufhorcht, für sich gewinnen.
Und so funktioniert auch „Headley Breathing“ und „Do you know what you have“ sehr gut.
Pop-Ballade: „Scared of Beautiful“ - auch sehr schön.
Die meisten Songs sind schon recht „Smooth“ - geschmeidig, sanft, ohne all zu schnell zu sein. Dafür mit Gefühl und mit Leidenschaft vorgetragen – dies gilt auch für „Wish your love away“.
„Paint this House“ fügt sich ebenso in diesen unaufgeregten, aber schön effektvoll gehaltenen Stil fort. Aber da wir jetzt am Ende des regulären Albums auch bei Stück Nummer dreizehn angekommen sind – reicht es eigentlich dann auch.
Aber ich habe die Deluxe-Edition und deshalb folgen noch drei weitere Stücke und das Outro.
Und da ist aber „Can you hear me now“ kein Stück, das ich missen möchte – sondern ein echtes Highlight der CD. Das ist von der Stimmung, die dieser Song ausstrahlt, einfach zu gut – das hat Spannung und eine fast hypnotische Sogwirkung. Mag ich sehr.
„Music“ ist dann aber vielleicht doch eine Soul-Ballade zu viel. Daran habe ich mich längst satt gehört.
Nochmal wegen der guten Gesangsarrangements und den doch sehr peppigen Sound und dem Abwechslungsreichtum bietet „What you Need“ einen guten Abschluss vor dem kurzen „Outro“.
Da sind schon viele gute Stücke drauf – auch der gesamt elektronisch gehaltene Sound dieses R&B mag ich hier. Wäre aber auch interessant gewesen, so einige Stücke von einer Band mal vorgespielt zu bekommen. Auf ein richtiges Nachfolgealbum musste man dann lange warten – aber die Musikerin ist halt auch als Schauspielerin und Jurymitglied in zahlreichen TV-Produktionen aktiv und ab und zu hat sie sich auch mal in der Zeit auf die Bühne begeben – einzelne Songs heraus gebraucht und dann folgte auf ihrem eigenen Label im Jahre 2020 das Album „B7“. Da sollte ich wohl auch mal rein hören.
30.10.25
Kate Bush – The Red Shoes (1993)
Nach „Hounds of Love“ habe ich noch sehr oft das BestOff-Album „The Whole Story“ gehört. Aber die LPs, die darauf folgten, habe ich eher selten bis gar nicht gehört. Daher ist „The Red Shoes“ jetzt eine Neuentdeckung für mich. An diesem siebten Studioalbum hat Kate Bush von 1990 bis 1993 gearbeitet. Es ist ihr erstes „digital“ produziertes Album, was sie im Nachhinein bereut hatte, so dass mehre Songs für das Album „Director´s Cut“ neu aufgenommen wurden und es wurde auch mit Hilfe der Analogmasterbänder in einer neuen Abmischung wiederveröffentlicht.
Das Album basiert auf den Film „The Red Shoes“ von Michael Powell und auf die Geschichte von Hans Christian Andersen. Kate Bush realisierte einen Kurzfilm mit Namen „The Line, The Cross and the Curve“ in dem sechs Songs des Albums zu hören sind.
„Rubberband Girl“ klingt halt für einen Kate Bush-Song etwas ungewöhnlich, weil er mehr wie ein Song von Prince klingt, der auf dem Album auch noch selbst zu hören sein wird – aber der Song macht mir jede Menge Spaß – wohl auch weil ich so einen Song jetzt mal überhaupt nicht erwartet hätte.
Bei „And so is Love“ wirkt Eric Clapton an der Gitarre mit – da klingt sie musikalisch wie Peter Gabriel und dagegen habe ich jetzt auch nichts. Weil das eine wunderbare Art-Pop-Ballade ist.
Vielleicht dann doch ein wenig zu fröhlich (klingt nach Samba und afrikanischer Musik) für einen Kate Bush-Song und da fällt es mir auch auf, dass die Musik ein wenig zu flach klingt und alles zu einem Einheitsbrei verschmilzt. „Eat the Musik“ - vielleicht schön als Single gedacht – aber der Song passt irgendwie einfach nicht hinein in das Werk von Kate Bush. Aber Kate Bush traut sich auf dem Album einiges.
Dann doch lieber wieder sanfte Pianoklänge und Streicher, dazu sanfter Gesang: „Moments of Pleasure“. Die anspruchsvollen Balladen funktionieren sehr gut, so auch: „The Son, of Solomon“. Das Gospel-Feeling bei dem Song finde ich sehr stark.
„Lily“ - Art-Rock – in dem Stil hat auch Peter Gabriel nach der „So“ viele seiner Songs gestaltet, da merkt man wie sehr die beiden Musiker in ihrer Art Musik zu machen, miteinander verbunden sind.
Es gibt immer die Passagen bei Kate Bush in denen sie irische Folkmusik neu definiert und dies macht sie bei „Red Shoes“ erneut und man wünschte sich, sie würde dies öfters tun. Weil da passt alles absolut zusammen.
„Top of the City“ - Art-Pop-Rock und in einer Klasse mit dem Spätwerk von Joni Mitchell. Da merke ich, wie diese ganzen mit großen Anspruch arbeitenden Musiker/innen für mich eine ganz eigenes Genre definieren. Es sind Künstler wie Kate Bush, Peter Gabriel, David Byrne, Laurie Anderson und andere die aus Rock und Pop einfach mehr zu wissen machen, ohne dabei ein reines Kunstwerks entstehen zu lassen – sondern einfach herausragende Musik.
„Constellation of the Heart“ - im Soul-Pop-Genre – das ist zwar wie bei „Rubberband Girl“ ungewöhnlich für eine Musikerin wie Kate Bush aber es ist nicht schlecht. Funktioniert aber etwas weniger gut als bei „Rubberband Girl“. Auch bei dem Song glaub ich wieder rauszuhören, was Kate Bush am Sound der Platte missfällt – und erinnert einen daran, wie gut ihr Meisterwerk „Hounds of Love“ klingt.
Gleiches gilt wieder für das Art-Rock-Stück „Big Stripey Lie“ - das klingt bei einem Peter Gabriel einfach besser, ist aber die gleiche Art von Song.
Bei „Why should I love you?“ wirkt dann tatsächlich wirklich Prince mit. Und tatsächlich drückt er auch diesen Song seinen Sound auf. Ist schon irgendwie lustig das Kate Bush anscheinend so beeindruckt von der Musik von Prince war. Aber bei dem Song macht die Kombination einfach wieder ganz viel Spaß.
Abschluss mit anspruchsvoller Ballade: „You´re the One“ - Gary Brooker von Procol Harum ist an Orgel tatsächlich herauszuhören.
Die größte Überraschung des Albums ist halt, dass Kate Bush ein Prince-Fan zu sein scheint, was zu zwei außergewöhnlichen, aber auch guten Songs führt, ansonsten sehr viele Songs, die in der Art wieder mit der von Peter Gabriel viel gemein haben. Und für mich ist das Material sehr viel ansprechender als das was ich vom Vorgängeralbum „The Sensual World“ in Erinnerung habe – aber vielleicht sollte ich auch dieses erst einmal nochmal durchhören bevor ich hier so was schreibe.


27.10.25
Bruce Cockburn – Big Circumstance (1989)
Bruce Cockburn – Big Circumstance (1989)
Der Kanadier Bruce Cockburn bringt schon seit 1970 Platten heraus („Big Circumstance“ ist Album Nummer Sechzehn) und hat sich eine treue Fangemeinde erspielt, obwohl ihm nicht gerade oft Hits oder Charterfolge gelungen sind. Aber seine Qualität im Bereich moderne Folkmusik mit leichten Rockeinschlag machte ihm trotzdem bekannt und 1980 hatte er mit „Dancing in the Dragon´s Jaws“ in den USA einen größeren Erfolg zu verbuchen (Platz 20 der Billboard Charts). Ich selbst habe ihm erst richtig durch den Song „If a Tree falls“ kennengelernt und mir dann dieses Album gekauft, auf dem dieser Titel zu finden ist und das Album auch eröffnet. Neben Songs über den Erhalt von Wäldern und Umwelt im Allgemeinen, werden auch andere politische Themen von Cockburn aufgegriffen, der eben ein politisch sehr aktiver Musiker ist und Haltung zeigt.
„If a Tree falls“ eröffnet wie geschrieben das Album, bis auf den Refrain singt Cockburn bei dem Song mehr in einer Art Sprechgesang. Aber es ist die Botschaft, die der Song hat und die einnehmenden Melodien, die sie trägt, die den Song zu einem kleinen Hit macht. Der Mitsingrefrain und an der Rockmelodie des Songs, die an J.J. Cale und den Dire Straits erinnert funktionieren da einfach wirklich gut. Immer noch fängt mich diese Kombination sofort ein. Und das E-Gitarrenspiel ist wirklich bei dem Song ganz großartig.
Im Country-Folk-Style: „Shipwrecked at the Stable Door“. Musikalisch besser, eher Art-Folk: „Gospel of Bondage“.
Sehr schöne Americana-Folk-Ballade: „Don´t feel your Touch“. Immer wieder tauchen bei dem Album sehr anspruchsvolle Kompositionen auf, die an die 80er Jahre Alben von Joni Mitchell erinnern – so ein Art-Rock-Stück ist auch „Tibetan Side of Town“. Musikalisch auf sehr hohen Niveau.
Von der musikalischen Seite ist auch „Understanding Nothing“ wirklich gut – der „gesprochene Teil“ stört mich aber ein wenig – durchwegs gesungen hätte mir persönlich das Stück besser gefallen.
Kritischer Rocksong: „Where the Death Squad Lives“. - sehr schwungvoll. Mit starken Blues-Einschlag: „Radium Rain“ - ist aber etwas lang geraten (9.26).
Sanfter Rock: „Pags of Love“ - auch da ist eine Blues-Note drin – aber durch den Einsatz der Akustikgitarre passt das sehr gut zum Song.
Toller Song – weil er einen direkt mit seinen guten Gitarrensound für sich einnimmt: „The Gift“.
Durchaus ungewöhnlich – zum Abschluss ein melancholischer Country-Rock-Song mit Klezmer Musik verwoben: „Anything can Happen“ - aber der Refrain haut mich aus dem Stück immer raus.
Anspruchsvolles Rockalbum. Gut gemacht. Und seit vielen Jahren in meiner Sammlung.
24.10.25
Lyle Lovett – Joshua judges Ruth (1992)
Da mir das Vorgängeralbum „and his large Band“ ja beim Wiederhören wieder sehr gut gefallen hat, freue ich mich auch auf das Wiederhören von diesem direkten Nachfolgealbum. Die Mischung aus Country, Soul, Jazz, Swing, Gospel und Blues ist nach meiner Erinnerung auch weiterhin vorhanden und natürlich gibt es auch eine Ballade mit „She´s already made up her Mind“ die wieder für mich ein Song für die Ewigkeit ist. Unvergessen und fest verankert in meiner Musikliebe. Der Rest des Albums hat sich aber überhaupt nicht in mein Hirn eingebrannt, so wird das Wiederhören auch zu einem erneuten richtigen Hören. Freue mich darauf.
Was schon erstaunlich ist, dass das alles Originalsongs von Lovett sind, denn direkt „I´ve been to Memphis“ klingt eigentlich wie ein „Standard“ - ein Song der seit Jahrzehnten von den unterschiedlichsten Musikern gespielt wird und das beweist direkt, was für ein großartiger Songautor Lyle Lovett ist. Klassikermaterial liefert der Texaner am laufenden Band ab. Und es swingt bei dem Song ohne Ende.
Siebenundzwanzig Musiker haben Lovett bei den Aufnahmen unterstützt, darunter als Backgroundsängerinnen Ricky Lee Jones und Emmylou Harris.
Es folgt der Gospel „Church“ und auch dieser fängt mich ein und ist einfach großartig. Und wie gut ist das musiziert und produziert. Das macht so viel Freude zu hören. Und ich schäme mich fast, dass ich diese CD so lange nicht mehr gehört habe und frage mich – warum?
Und der Gospelgesang von Francine Reed – zwar nur kurz solo zu hören – einfach toll. Reed gehört zur Stammbesetzung der Large Band.
Danach wird es ruhiger und ganz ganz schön – die Ballade für die Ewigkeit „She´s already made up her Mind“. So schön.
Ebenfalls wunderbarer ruhiger Song: „North Dakota“ - mir Rickie Lee Jones.
Blues-Rock: „You´re been so good up to now“. Mit leichten Swing versetzter ruhiger Blues: „All my Love is gone“. Gospel und Folk: „Since the last Time“. Diese flotte und super gespielte Gospel-Nummer ist genauso ein Knaller wie zuvor „Church“. Macht einfach total Spaß das zu hören.
Blues und Country kongenial zusammengefügt: „Blatimore“ - mit Leo Kottke an der Akustikgitarre. Country-Ballade: „Family Reserve“.
Sehr kitschiger Countrysong: „She´s leaving me because she really wants to“. Erinnert stark an den Klassiker „Stand by your Man“.
Americana-Ballade: „Flyswatter/Ice water Blues (Monty Trenckmann´s Blues)“. Auch ganz schön.
Flotter Endpunkt der CD: „She makes me feel good“.
Lyle Lovett ist ein Ausnahmekünstler, der das Beste aus der traditionellen amerikanischen Musik für sich vereinnahmt und in wunderbar zeitlose Songs verpackt.


21.10.24
Pearl Jam – Yield (1998)
Album Nummer Fünf und wieder produziert von Brandon O´Brien. Wenn ich mir die Titelliste anschaue erinnere ich mich noch am besten an die Songs „Wishlist“ (den mag ich sehr) und die erste Single-Auskopplung „Do the Evolution“ (der mir damals etwas zu aggressiv geraten war und nicht ganz so meins ist). Beide Songs zeigen aber gut auf, wie aus der Grunge-Band nun eine Rockband mit Balladen und Punkrockstücken geworden ist.
Die Band lebt von ihrer Vielfältigkeit und erreicht damit auch ein vielfältiges Publikum, die eine mögen dann halt mehr die eine Art von Songs, während die andere die andere Art vorzieht oder einfach alles mag was die Band um Eddie Vedder zu bietet.
Punkrock: „Brain of J“. Die Band bestand bei der Platte aus der Stammbesetzung Eddie Vedder (Gesang, Gitarre), Jeff Ament (Bass), Stone Gossard (Gitarre), Mike MacCready (Gitarre) und dem Schlagzeuger Jack Irons (Red Hot Chili Peppers).
Mehr Alternative-Rock und so gefallen sie mir persönlich besser: „Faithful“. Oft habe ich die CD nicht im Player gehabt – denn an Songs wie „Faithful“ und „No Way“ fehlt mir jegliche Erinnerung. Dabei sind beides gute Pearl Jam-Rocksongs.
Mit „Given to Fly“ und „Wishlist“ bekommt die Platte dann einen etwas sanfteren Teil verpasst – aber „Given to Fly“ verfügt auch über einen guten rockigen Part und „Wishlist“ einer der Songs der Band, die lange in Erinnerung bleiben und immer wieder gerne gehört werden. Auch „Pilate“ fügt sich in der Reihe von Songs mit „sanfteren Songanteilen“ sehr schön ein und überrascht und begeistert mich. Den Song hatte ich auch überhaupt nicht mehr in Erinnerung und finde ihm jetzt gerade sehr gut.
Wieder mehr wild und im Punkmodus: „Do the Evolution“ - der Song hat zwar einen wirklich recht guten kürzenTeil, aber als Ganzes funktioniert er für mich nicht.
Zwischenspiel „Untitled“. Guter Rocksong: „MFC“. Americana: „Low Light“ - wunderschön.
Und ich weiß schon warum Pearl Jam zu meinen absoluten Lieblingsbands gehören, eben weil sie Musik macht, wie für mich gemacht. Geerdet, rockend, mitnehmend, manchmal auch höchst emotional und manchmal einfach nur wunderbar losgerockt – und immer eindeutig als Pearl Jam zu erkennen. Was ihre Art anbelangt neu Vinylausgaben ihrer aktuellen Platte zu für mich viel zu hoch angesetzten Preisen zu verkaufen oder die Höhe ihrer Konzertticketpreise – damit haben sie mich etwas als absoluten Fan verloren – aber wie gesagt – erdiger Rock – mit dem gewissen etwas und immer noch verankert im Alternative- und Punkrock – das finde ich immer noch gut.
Und so gefällt mir „In Hidding“ auch sehr gut und ich sehe mal „Push me, pull me“ nur als Zwischenspiel an (aber überflüssig eigentlich) und lass mir den Rausschmeißer „All those Yesterdays“ gerne gefallen – wäre früher einer dieser typischen B-Seiten-Songs der Band gewesen. Oder ein Song den sie nur als „Single“ ihren Fanclub-Mitgliedern zukommen lassen würde (davon habe ich auch eine). Nach einer Pause, wird noch ein wenig locker herum musizier – ein wenig Jazz improvisiert.
Gutes Album. Mit doch vielen guten Songs, die ich viel zu selten gehört habe. Das ändert sich hoffentlich jetzt ein wenig.
20.10.25
Wir sind Helden – Von hier an Blind (2005)
Das zweite und weil es ein paar meiner liebsten Songs der Helden zum Inhalt hat, auch mein Lieblingsalbum der Band. Direkt der Anfang mit „Wenn es passiert“ und „Echolot“ (auch live immer zusammen gespielt und ganz genial), dann das wunderschöne „Elefant für dich“, die Singles „Von hier an blind“ und „Nur ein Wort“ all das zusammen ergibt ein Lieblingsalbum jener Zeit.
Der einfach gute „Indie-Pop“ den die Helden hier dem Hörer anbieten, ist sehr sehr gut – natürlich hat das auch zuvor schon die Hamburger Schule auf ähnliche Art vorgemacht, aber ich glaube wirklich, dass ich erst „Wir sind Helden“ hörte und Fan von wurde und danach erst Kettcar und Tomte folgten. Zuvor auch mal kurz Blumfeld gehört – aber da wurde mir die Musik bei den späteren Alben zu seicht und natürlich auch schon Die Sterne und Tocotronic – aber damals eher Einzelstücke als Platten oder ganze CDs. Dann ähneln Wir sind Helden doch eher schon den lockeren Sound von Die Braut haut ins Auge.
Heute sieht das teilweise ganz anders aus. – Und vor allem Kettcar und Thess Uhlmann höre ich mehr als alle anderen hier genannten regelmäßig (meist mit Songs in der Playlist), liegt aber einfach daran, dass sie immer noch aktiv sind. Ansonsten sind es bei mir noch AnnenMayKantereit (sofort verliebt in das Trio beim ersten Clubkonzert im Druckluft, Oberhausen). Bosse – weil „Dein Hurra“ einfach ein großes Lied ist. Sportfreunde Stiller – weil „Applaus Applaus“ so was wie unsere Familienhymne ist. Und ein paar andere – die ich jetzt aber nicht zur Musikgattung Indie-Pop zählen würde – auch ein paar der hier genannten, waren nie wirklich Indie, haben für mich aber einen Indiecharme. Meine ersten deutschsprachigen Lieblinge waren Herbert Grönemeyer, Wolf Maahn und Bap, Westernhagen, Purple Schulz und Rio Reiser . Heute zähle ich noch Hannes Wittmer, Wolfgang Müller, Philip Poisel mit dazu.
So, jetzt zur Platte – wie geschrieben, ich liebe „Wenn es passiert“ und „Echolot“. Zwei wunderbare Indie-Pop-Songs – einnehmend, mitnehmend und einfach ein wenig besser als viele andere Musikstücke ähnlicher Art. Da stimmt ganz ganz viel und vielleicht bei „Echolot“ noch ein bisschen mehr als bei „Wenn es passiert“. Aber beide Songs bieten für mich immer ganz großes Kino und sind Songs für die Ewigkeit.
Und wenn die beiden Songs direkt ein wenig melancholisch daherkommen, dann ist „Von hier an blind“ schon noch ein wenig mehr zum Abfeiern und Tanzen geeignet. Premium Pop.
Aber wie beim ersten Album gibt es auch auf diesen Album Songs, die nicht ganz so meins sind. „Zuhälter“ ist vielleicht dann doch auch wieder zu nah an der Neuen Deutschen Welle dran.
Aber danach „Ein Elefant für mich“ - einfach ganz großartig – das Stück verursacht bei mir Gänsehaut und nimmt mich emotional mit. Mit dem Song treffen mich die Helden direkt ins Herz.
Wundervolle Melancholie: „Darf ich das behalten“. Songs wie „Wütend genug“ - die auch sehr gut funktionieren, sind einfach Opfer, der zuvor gehörten richtig guten Songs – die den Hörer einfach schon alles geben, was er braucht, um mit einem Album glücklich zu sein. Songs wie „Wütend genug“ sind gute Songs, die von anderen guten Songs des Albums auf dem sie sind, einfach in den Hintergrund und ins Vergessen gedrängt werden – aber beim späten Wiederhörer der Platte, werden sie neu entdeckt und hoffentlich nicht wieder ganz so schnell vergessen, wie man sie neuentdeckt hat – es wäre diesen Songs zu wünschen.
Etwas aggressiver kommt „Geht auseinander“ daher – aber dann auch wieder wie „Zuhälter“ ein Song, der glaub ich vielleicht „live“ für Stimmung sorgt, aber so auf Platte mir zu ungestüm und auch zu gewollt daherkommt.
Songs wie „Geht auseinander“ und „Zieh Dir was an“ konnten einfach „Die Braut haut ins Auge“ besser als die Helden. So ein wenig lockerer Punk-Pop.
„Gekommen um zu bleiben“ hat Charme, dieser Old-School-Jazzpop ist nett – aber doch auch ein wenig zu aufdringlich.
Aber da ist ja noch der Radiohit „Nur ein Wort“ und den mag ich auch bei jedem Hören, den zu hören werde ich nicht müde, den mag ich. Soundtrack of my Life seit 20 Jahre.
Auch ganz süß und wunderbar: „Ich werde mein Leben lang üben, dich so zu lieben, so wie ich dich lieben will, wenn Du gehst“. Gleiches gilt für: „Bist Du nicht müde“.
Ich mag die leicht melancholischen Indie-Pop-Perlen der Band und die zwei Single-Hits auf dieser Platte und ich liebe diese Songs dann immer noch wie damals und werde sie auch in der Zukunft noch lieben. Lieblingssongs und Lieblingsplatte der Helden.


17.10.25
Braid – No Coast (2014)
Das vierte Album der EMO-Band, um den Musiker Bob Nana, der die Band schon aufgegeben hatte, um sich mehr um sein Projekt „Hey Mercedes“ kümmern zu können. Doch zum Glück gab es dann doch noch eine Reunion und so entstand dieses sehr gute EMO-Album. Emotionaler Alternativerock, der so richtig viel Spaß macht. Nach dieser Platte wurde es aber wieder ruhiger um die Band, aber ein Rerelease des Vorgängeralbums „Frame and Canvas“ machte Hoffnung auf mehr Aktivität. Es bleibt spannend.
Aber höre ich mir doch erstmal „No Coast“ in Ruhe einmal an. Kenne das Album, oder die besser geschrieben die Songs davon, eigentlich nur als Einzelstücke in der Playlist (hatte viel zu lange, fast ausschließlich eine längere Zeit lang so Musik gehört. Dann aber entschieden mal wieder Platten durchzuhören und daraus entstand dann auch kurze Zeit später „Power of Song“.)
Gute, leicht rockende E-Gitarren und eben der harmonisch emotionalen EMO-Core Sound bietet dieses Album auf jeden Fall – man höre nur das Eröffnungsstück „Bang“. Da stimmt für mich einfach alles – EMO ist ja auch immer ziemlich nah dran am Post- und Alternativerock – und das hört man auch bei dem Song und ich finde auch den Stimmungswechsel im Song (bei einer Länge von nur 03.20 Min) ganz toll.
Solche Musik ist einfach mehr meine Art von Rock-Musik – die volle Härte brauche ich meist nichts – ich will tanzen, Emotionen, mitgehen und dies geht auch bei „East End Hollows“ - also wer Jimmy Eat World, GetUp Kids und Co liebt - liebt „Braid“ - mit den GetUp Kids haben sie sich auch schon Singles geteilt.
„East End Hollows“ ist echt ein Genreknaller – sooooo gut.
Und Titelstück „No Coast“ macht da genau weiter – die Platte ist echt riesig und es ist schade, dass es bisher das letzte richtige Studioalbum der Band ist.
Das Album rockt einfach gut – jeder Song hat wirklich etwas, das ihm etwas besonders macht – das sind so gute Melodie-Ideen, toll gespielte Instrumente und trotzdem klingt es nicht zu glatt poliert – großes EMO-Kino für die Ohren: „Damages!““
Macht alles totale Freude beim Hören. Auch Punkrock-Freunde können dem Album sicherlich viel abgewinnen. Und Fans von Weezer und und und.
Und es hört einfach nicht auf – zum Glück – so gut: „Pre Evergreen“, „Put some Wings on the Kids“, „Lux“.
Für mich ist das wirklich ein perfektes Rockalbum und ich erkläre es hiermit zu einem „Lieblingsalbum“ und ich war mir vor dem Hören des Albums dessen Qualität auch bewusst, weil die meisten Songs mir schon bekannt waren – aber am Stück habe ich das Album glaube ich auch erst heute gehört. Und ich finde Songs wie „Doing yourself in“ - einfach groß. Emocore ist aber auch wirklich ein Genre für mich – da gibt es kaum was, dass ich nicht mag - außer der Screamo-Anteil ist doch zu groß geraten (was tatsächlich beim Frühwerk von „Braid“ ein zugeben sehr kleines Problem für mich ist). Aber dieses Album entschädigt das voll und ganz. Ist jetzt neben der „Clarity“ von Jimmy Eat World – mein liebstes Emocore-Album ever. Hört es euch bitte an – ist super. Denn auch „Climber new Entry“ ändert daran nichts. „Light Crisis“ ändert daran auch nichts und schon gar nicht das fulminante „This is not a Revolution“.
Emocore auf höchsten Niveau. Ganz großartig. Bestnote. Für Immer!
13.10.25
Radiohead - King of Limbs (2011)
Das ist das achte Album der experimentalen Alternativerocker. In meiner Erinnerung hatte ich das Album, genau wie kurz vor dem Wiederhören der drei letzten Vorgängeralben, als etwas mehr als nur „anstrengend“ in Erinnerung und als teils zu elektronisch – da wurde mir damals zu wenig gerockt. Also mal hören, ob ich das jetzt auch ganz anders empfinde und die absolute Begeisterung, die mich bei Hören der Radiohead-Alben bis hier hin überkommen hat, weiter anhält.
Experimenteller teils elektronisch klingender Psych-Rock: „Bloom“. Das ist schon leicht überfordernd – weil einfach eine Tonebene mit Klängen zu viel über den Song hängt. Aber als moderner Psychrock funktioniert es – weil es dann eben doch wieder von der Band und ihrem Stammproduzenten Nigel Godrich einfach zu gut gemacht ist.
„Morning Mr Magpie“ ist mehr meins – weil das wieder vom Sound einfach auch etwas rockt – ich den Gitarren/Bass-Rhythmus direkt verfalle. So liebe ich Radiohead. Gleiches gilt für „Little by Little“ - das ist einfach Radiohead: Mysteriös, melancholisch, anders – aber so gut – weil es alle Spielarten von Alternative- bis Progrock grandios für sich vereinnahmt.
Ein wenig zu wenig Song, mehr ein verlängertes Zwischenspiel ist „Feral“ - das ist so eine Mischung aus Trip Hop und Dub – aber auf Radiohead-Art.
Toll ist dann wieder der Mix aus experimentellen Klängen und Song bei „Lotus Flower“ - das ist einfach wieder zu gut.
Eine Klavierballade gibt’s auch: „Codex“. Fast schon ein „leichter“ Song und im Bereich experimenteller Folk: „Give up the Ghost“.
Man kann aber nicht nur dem Stück am Ende „Separator“ vorwerfen, dass Radiohead dem Hörer nichts mehr neues anbietet – sie bewegen sich mit dem recht kurzen Album auf alten Pfaden – dies gekonnt und deshalb finde ich das auch gut so – weil auch das Album mit Songs wie „Morning Mr Magpie“, „Little by Little“ und „Lotus Flower“ hat, die einfach nur gut sind – aber bei dem Album ist der Spannungsbogen jetzt ein wenig schlichter als bei den Alben zuvor.


11.10.25
Small Faces – Small Faces (1966)
Wie so viele Bands aus dieser Zeit, die sich musikalisch zwischen Rock´n´Roll und R&B bewegte, haben auch die Small Faces relativ wenige Alben heraus gebracht – aber deutliche Spuren damit hinterlassen – gerade weil sie genau wie zum Beispiel die „Yardbirds“ sich stetig weiter entwickelten und der Rockmusik auf die Sprünge halfen.
Die Band bestand aus Steve Marriott (Sänger, Gitarrist, Songwriter), Ronnie Lane (Bass, Songwriter), Kenney Jones (Schlagzeug), Jimmy Winston (Keyboards).
„Shake“ von Sam Cooke eröffnet das Album und sofort hört man die Mischung aus Soul & Blues – der aber tatsächlich schon etwas sehr rockendes hat. Da steckt ziemlich viel Power in dem Song. Das ist dann schon mehr Stones als Beatles – obwohl mich die Stimme von Marriott mehr an die Beatles erinnert als an die Stones.
Noch rockiger ist „Come On Children“ - da sind wir dann schon fast bei Led Zeppelin angekommen und da überrascht mich die Band dann tatsächlich mit. Hätte ich jetzt nicht so rockend erwartet. Bin beeindruckt.
Also mit Rock´n´Roll hat die Musik wirklich wenig zu tun. Das ist Rock eindeutig und sehr schön gerockt bei „You better believe it“. Und auch da sind sie näher an Led Zeppelin dran als an den Bluesrock der Stones oder der Yardbirds.
„it´s too late“ rockt wie eine gute The Who-Nummer. Und Marriott singt auch wie der Prototyp eines klassischen Rocksängers.
Aber gefühlvolle Nummern gibt es auch, die dann trotzdem aber auch immer etwas rocken: „One Night Stand“. Und da schleicht sich dann doch auch etwas Rock`n`Roll mit ein. Seltsamer weise erinnert mich da der Gesang an die viel später erst aktiven „Fine Young Cannibals“.
Mitnehmender Soulrock: „What´cha gonna do about it“.Dies war auch die Debütsingle der Small Faces. In dem Stil geht es auch dann mit „Sorry She´s mine“ und da kommen sie den damaligen Hitsingles der Beatles sehr nah. Aber solche Singles waren sicherlich auch vom Plattenlabel gern gehört und herausgebracht.
Herausragend gut gespielt von der gesamten Rhythmusgruppe: „Own Up Time“ - ist zwar recht kurz. Aber das Instrumentalstück ist schon ein super Highlight.
Blues-Rock: „You Need Loving“ und da macht Marriott einem Robert Plant einfach große Konkurrenz. Wow – was für eine Rockröhre.
Bei Nummern wie „Don´t stop what you´re doing“ mischt sich dann wirklich schon etwas Psychodelic-Rock-Gelassenheit in den Rock mit hinein.
Einfach guter Rock: „E to D“. Und damit ist es wirklich widerlegt, dass die „Small Faces“ wirklich nur eine Rhythm & Blues mit Rock`n`Roll Elementen Band ist – wie ich zuerst gedacht hatte – für mich ist das eine sehr gute Rockband. Das Album ist damit eine gelungene und sehr gute Überraschung für mich und ich habe wieder etwas dazu gelernt.
Und mit „Sha-La-La-La-Lee“ geht die Platte dann doch noch mit mehr Rock`n`Roll-Vibe zu Ende. Das ist halt Single-Material.
09.10.25
Michel van Dyke – Reincarnated (1994)
Dies ist das dritte englischsprachige Album von Michel van Dyke, der mich mit der Single „She comes at the end of the Day“ überzeugt hatte, die Platte zu kaufen. Der sanft melancholische Singer/Songwriter-Pop mit ebenfalls leichter Indie-Musik-Note (aber bei einem Major-Label unter Vertrag zu der Zeit) dieser Platte ist bei zu einem ständigen Begleiter geworden – die Platte höre ich, zumindest in Einzelteile, also seit über 30 Jahre und finde sie immer noch richtig gut. Trotz dem Michel van Dyke mit dem Nachfolgealbum „Kozmetica“ (1996) und mit dem Song „Womanchild“ einen weiteren kleinen Hit verbuchen konnte, wechselte er danach vom englischen ins deutsche und und seine Musik verlegte er eher in die Schlagerpopecke. Erfolgreich schrieb er zuvor auch Songs für die Band „Echt“ - was vielleicht auch den Schritt zur Folge hatte, dass er selbst seitdem in deutscher Sprache seine Alben produziert.
Aber zurück zu einer Lieblingsplatte. „Reincarnated“ wurde von Midge Ure produziert. Den Ton (melancholicher Pop) setzt das Album direkt gekonnt mit „Maybe I should leave“ - der von den vielen guten Songs dieser Platte einer der besten ist. Wie bei den Alben von den Jeremy Days finden ich ja dass dieses Album einen Britpop-Sound hat – ohne halt von Engländern zu stammen. Aber klingt halt so – ich schreib ja auch wenn Engländer Krautrock machen – das das so klingt und Engländer sind ja keine Krauts. Aber sofort macht mir der Song wieder ganz viel Freude. Liebe ich.
Der Indie-Alternative-Sound, der der Platte nicht abzusprechen ist, hört man besonders bei Stücken wie „All I ever wanted“.
Tolle Single und toller Song: „She comes at the End of the Day“ - zur Recht einer der Hits von Michel van Dyke.
Schon wirklich im Sound von den Jeremy Days kommt „Success“ daher - aber auch der Song ist gut und rockt ein wenig mehr. Die Begleitband bestand aus Christophe Buse (Drums), Stefan Gade (Bass), Steffen Haeferlinger (Gitarre), Jan-Christoph Scheibe (Keyboards – Der heute der Chorleiter des St.Pauli-Seniorenchors „Heaven can Wait“ ist - die Doku“Heaven can wait“ zum Chor unbedingt gucken!!!!). Beim letzten Lied hört man Bernadette Hengst auch singen.
Sehr sehr melancholisch: „I won´t forget“ - aber gerade diese Art Songs der Platte bleiben lange in Erinnerung. Nochmal Indie-Sound gibt’s bei „Confusing“ und ich finde es wirklich sehr schön wie er diesen Indie-Touch für seine tollen Popsongs nutzt. Das klingt dann doch nach mehr.
Gut gefüllt ist auch dieses Album mit dreizehn Songs. Zur Halbzeit gibt’s mit „Juliet Forever“ ein Liebeslied, natürlich in dem fürs Album bestimmenden melancholischen Popstil.
Dann doch mal was mit mehr Pop und Pep und vielleicht auch der fröhlichste Song der Platte – bei einem Titel wie „Good Time“ kann wohl selbst ein Dauermelancholiker nicht melancholisch sein. Auch der Michel hat mal eine „Gute Zeit“ verdient – und der Hörer mit dem Song auch.
Das Album hat auch keinen so richtigen Durchhänger, auch das ganz schwungvoll geratene „Reincarnated“ nimmt einen für sich ein.
Auch so ein Lieblingsstück – einfach so schöönnnn: „If I could cry“. Herzzerreißend.
Schöner Song auch – so als Einzelstück – beim Durchhören der Platte ist er einer von Vielen: „When the Waves comes“.
Aber die ganzen sanften Stücke funktionieren einfach super, so auch „How to say goodbye“.
Ein doch oft von mir überhörter Song – aber auch so richtig gut und fein: „It´s a Crime“.
Wenn ein Album nie ganz zur Seite gelegt wird, und dies über einen Zeitraum von über dreizig Jahre, dann kann es ja nicht schlecht sein. Tolle Musik und „Soundtrack of my Live“ seit 1994.


08.10.25
Plan B – Intensified! (1991)
+ The Greenhouse Effect (1989)
Ich hatte „Plan B“ tatsächlich erst 1991/92 mit „Intensified!“ kennen gelernt (durch den Tipp eines Freundes (Grüße an Oliver), dabei war die Band um Gitarrist Johnny Haeusler schon seit 1984 aktiv und brachte vor diesem Album schon drei Alben heraus und spielte zusammen mit den Ärzten und war im Vorprogramm von The Clash, Ramones und Duran Duran zu sehen.
Ich habe das Album lange nicht gehört, hab es so als frühe Crossover-Musik in Erinnerung, die an die Red Hot Chilli Peppers erinnert, kann aber auch sein, dass ich Plan B, da im gleichen Topf stecke, wie die zu selben Zeit gehörten/entdeckten „Urban Dance Squard“. Also setzte ich bei dem Album alles auf Wiederentdecken und lasse mich mal überraschen.
„Grab it“ klingt nach einen Song von The Cult. Frontmann Johnny Haeusler beschreibt in Nachbetrachtung den Sound des Albums auch als sehr amerikanisch und etwas glatt. Aber der Song funktioniert als härtere Rocknummer, zu der man aber auch tanzen kann.
Hört man dagegen in dem zwei Jahre zuvor herausgebrachten Album „The Greenhouse Effect“ hinein, merkt man das, da zum GaragenRock mit ZZTop-Gitarren auch noch etwas von der Punkrauheit der frühen Tage (vor dem Vertrag mit einem Major-Label) zu spüren ist. Der erste Song von diesem Album „Devil´s Train“ verführt mich da jetzt direkt zum Weiterhören von „The Greenhosue Effekt“. Also machen wir hier im Text erst später mit „Intensified!“ weiter.
Tatsächlich klingt der Sound des Albums aber auch nicht weniger amerikanisch als bei „Grab it“. Dafür rockt die Band einfach eher im amerikanischen Rockstil als im britischen Punk und die Gitarrenarbeit von Hauesler ist wirklich sehr beeindruckend und das auch bei dem Stück „Run for Cover“.
Die Rockballade können Plan B aber auch ganz gekonnt: „Discontentment“ - kann es mit den guten Songs von Fury in the Slaughterhouse aufnehem und Plan B und Fury waren tatsächlich mit ihrem englischsprachigen Rock gute Ausnahmen für rockige Popmusik aus Deutschland in den frühen 9ßer – da gab es nicht so viel.
Zum Clash-like-Punkrock kommen Plan B dann doch noch mit „Beam me Up, Scotty“ und mit diesem lockeren, starken Partysong hatten sie nicht nur ihr Major-Label gefunden, sondern gewinnen auch mein Herz. So macht Rockmusik Spaß.
Und tatsächlich verändert sich der Sound des Albums und wird doch zunehmend eine Hommage an den britischen Punkrock – gut funktioniert auch „This is not a Movie“.
Sehr gut auch das temporeiche und einen vor sich hertreibende „Nothing comes for free“. Auch da hätten Fury-Fans sicher ihre Freude dran.
Dann zurück zum Garagen-Rock: „Mad World“. Auch ein guter Rocksong: „No More“. Und weil das mit den Rocksongs so gut funktioniert folgt mit „Stand Up“ der nächste – der sogar was von der Tanzflächentauglichkeit eines guten INXS-Songs hat. Und das ist schon eine Auszeichnung.
Ein wenig sanfter gerockt – aber auch gut - „The Day to be Jesus“. Eigentlich machen Plan B auch nichts groß verkehrt – ihre Rockmusik verbindet im Stil und Sound viele Einflüsse zu einem auch massentauglichen Mix guter Rockmusik, der sich zwischen Punk-Rock, ZZ Top, INXS und The Cult bewegt.
All das an Stilmix hört man auch gut bei „Coming Back for More“ heraus.
Punkrock-Rausschmeißer: „Class of 1989“.
Bei dem digitalen Remaster des Albums gibt es noch zwei Bonusstücke oben drauf: „It´s easy to condemn“ ist ein lockerer ordentlicher Rocksong. Punkrock-Abschluss #2 „Haven´t seen the World“.
Zurück zum eigentlichen Grund dieses Textes, das zwei Jahre später erschienene Album „Intensified!“. Ich hatte festgestellt das „Grab it“ ein wenig viel nach The Cult geklungen hat.
Ja, es klingt jetzt noch mehr nach dem tanzbaren Rock von INXS wenn man „Wake Up“ hört. Aber im Refrain klingt es auch immer noch nach „Fury in the Slaughterhouse. Rockmusik für ein größeres Publikum, wenn man es denn schafft, dieses zu erreichen.
Den Song „War Child“ mochte ich früher richtig gern – und hat auch heute auch noch was, als Versuch eines frühen Cross-Over-Songs klingt er aber etwas aus der Zeit gefallen. Da merkt man das 1991 eben auch schon 34 Jahre her ist.
Aber eine Softrockballade wie „Beggar and King“ bleibt zeitlos gut. Der Song ist wirklich schön – wer auch The Silencers mag, der mag den Song auf jeden Fall.
Wer Dan Reed Network (noch) kennt, weiß auch ein wenig wie der Sound der Platte klingt, aber der Refrain von „Couldn´t care less“ hat dann wieder die Qualität von den besseren Fury Songs – ich weiß, ich fange an mich zu wiederholen – aber das trifft einfach gut zu – und wer kennt sie nicht, die guten Songs von Fury in the Slaugtherhosue?
Damit ist die CD aber schon mal nach langen Jahren des Nichthörens schon mal in der Kategorie „kann man immer noch gut hören“ einzuordnen, denn da sind gute Songs drauf und ich habe dadurch ins Vorgängeralbum hineingehört, dass ich ja dann sehr mochte – also alles richtig gemacht.
Ja, der mit Funk garnierte Rock wird auf dem Album verstärkt eingesetzt – so auch bei „Drop Dead“ - das ist was für H-Blockx-Fans. Aber da auch leider die H-Blockx nicht mehr so ganz mein sind – Ausnahme der Song „Little Girl“ - ist das jetzt auch nichts für mich.
Aber dieser 90er-Rock kann auch gut funktionieren – denn das beweist „Like an Idian“ (da weiß ich jetzt aber nicht ob der Titel noch politisch korrekt ist, ist da mit jetzt wie ein Inder gemeint oder ein Indianer – und Indianer, dürfen ja nur noch Indianer selbst sein – ansonsten ist das ja kulturelle Aneignung – wir leben schon in verrückten Zeiten in denen man sich über sowas Gedanken macht, statt einfach dem Gegenüber respektvoll gegenüber zu treten, wer de/sie/es, auch immer sein mag – ich mach dass und komme damit gut zu recht, denke ich. Ich schweife ab).
Dann doch zu sehr auf amerikanischen Pop-Rock getrimmt:“Hypnotiize“ - wäre damals aber als Single gar nicht so schlecht angekommen.
Im Poprock-Stil geht es weiter mit „Half a Man“ - aber der Song macht wieder ziemliche Laune. Und noch besser gealtert ist ein weiterer alter Favorit der CD von mir – der etwas mal nicht ganz so rockende Song „Here Comes Jean“. Denn mit Akustikgitarre kann die Band eigentlich auch gut umgehen (aber Vorsicht, sie klingen dann wieder wie „Fury“.)
Danach wird noch mal etwas härter losgerockt – aber auch nur so in der Härte wie Bon Jovi so rocken. Aber der Song kommt über das Mittelmaß auch nicht hinaus – als Hörer ist man auch langsam gesättigt, weil das schon Stück Nummer Elf ist (von Vierzehn).
Noch ein weiterer echter Hit: „Stopped by Reality“. Der funktioniert einfach gut und nimmt einen immer von Anfang bis Ende mit. Geht immer (noch).
Ganz flott, ganz poprockig – sehr gut produziert „Soulfaker“ - so sollte man doch eine CD nicht vor ihrem Ende bewerten – immer erst mal alles hören.
Überraschend melancholischer Abgang mit „Bomb me Happy“. Aber der Song entwickelt sdann noch etwas Kraft und ist eigentlich ein sehr schöner Schlußpunkt für diese Platte.
Nicht gerade ein zeitloses Album von Plan B, aber den typischen MainstreamRockSound der 90er Jahre hatten sie schon direkt zu Anfang der 90er sehr gut raus (fast prophetisch). Und einige der Songs funktionieren noch überraschend gut. Hatte ich schlimmer erwartet und bin jetzt sehr positiv überrascht und werde die Platte auch brav wieder zurück ins Regal stellen und werde sie nicht wie ich befürchtet hatte, versuchen los zu werden.
05.10.25
The Tragically Hip - World Container (2006)
Nach dem die Band mit dem Wunschsong-BestOff-Album „Yer Favorites“ und der damit verbundenen Tour alte Fans zurückerobert und neue dazugewonnen hatten, gingen sie mit dem mehr im Heavy Metal-Bereich tätigen Bob Rock ins Studio, der zu den bekanntesten Produzenten Kanadas gehört und dessen wohl bekannteste Arbeit das „schwarze“ Album von Metallica ist.
Wie zuvor bei der Zusammenarbeit mit Hugh Padgham wurde die Arbeit an dem Album wieder dadurch gestört, dass Frontmann Gord Downie und Bob Rock viel zusammen besprachen, den Rest der Band aber dabei wieder etwas außen vorließen, tatsächlich sollte das Verhältnis in der Band bis zu Gord Downie´s Krebsdiagnose durch diese Art von Alleingängen des Frontmanns gestört bleiben – erst als es drauf ankam, war die Band wieder eine Einheit geworden.
Mit dem Album erreichten The Tragically Hip erneut Platinum Status in Kanada, aber die Platte kam nur auf Platz #2, der heimischen Charts.
Stadion-Rock, aber gekonnt: „Yer not the Ocean“. Kraftvoll und guter Rock und immer noch ist die Beschreibung R.E.M trifft auf Pearl Jam für den Sound der Band sehr passend – hört Euch nur „The lonely End of the Rink“ an. Der Song ist schon wieder ein richtiges Highlight und damit eines von vielen. In ganz kurzer Zeit ist die Band bei mir – nachdem ich mich intensiver mit ihr beschäftigt habe – zu einer meiner absoluten Lieblingsbands geworden – dies aber leider eben erst nach dem Tod von Gord Downie und der damit verbundenen Auflösung der Band. Aber die Musik der Band werde ich immer wieder hören – das nimmt einen ja niemand mehr.
Sehr schön und mal etwas sanfter gerockt, aber trotzdem mit sehr guten Drive nach Vorne: „In View“. Die Produktion von Bob Rock ist von Sound her sehr gut, nimmt der Band aber den alternativen Touch, es fehlt etwas Rauheit – aber das ist bei einem Song wie „In View“ totale Nebensache – weil er einfach so wie er ist gut funktioniert.
„Fly“ bewegt sich fast schon im Heartland-Rock-Stil, aber diesen hat die Band auch schon zuvor beackert – funktioniert mit seiner leichten Lockerheit aber auch wieder sehr gut – dieses Album bereitet mir wieder viel Freude beim Hören.
So ein richtiger Song – der ein wenig von Vorne bis Hinten für den Stil der Band steht, die sich seit nun zehn Alben immer treu geblieben ist: „Luv (Sic)“.
Da ist schon wirklich jeder Song „Single Material“ und es rockt einfach durchgehend und immer weiter, so auch bei „The Kids don´t get it“.
Und dann kommt sie doch – die Ballade, sogar mit Klavier: „Pretend“.
Danach wird weiter gerockt, gradlinig und gut: „Last Night I dreamed you didn´t love me“.
„The Drop-Off“ ist noch so ein unverwechselbarer Song – eindeutig „The Tragically Hip“ - energiegeladen und für einen Rocksong irgendwie was ganz besonderes.
Mal im etwas veränderten Grundton – dafür aber auch ein guter Song, der mal etwas für Abwechslung sorgt, bei all den zuvor gehörten gradlinigen Rocksongs – und trotzdem rockt der Song „Family Band“ eigentlich wie blöd. Und einzeln gehört, ist der Song sicherlich eine Riesennummer.
Und bei der abschließend Rockballade: „World Container“ könnte man glauben, haben Musiker wie Glen Hansard und Eddie Vedder für sich gedacht, den Song variieren wir unendlich oft und machen daraus zig eigene Songs – aber wie großartig ist das – ganz ganz großartig.
Tolle Platte. Vielleicht mit ein wenig zu wenig Abwechslung, dafür aber gefüllt mit guten, bis hin zu überragend gut funktionierenden Songs. Da ist man froh Fan von zu sein.


04.10.25
Motorpsycho –
8 soothing Songs for Ruth (1992)
Das zweite Studioalbum von Motorpsycho besteht aus den Songs der Mini-LP „Soothie“ und Stücke von der Single „3 Songs for Rut“. Musikalisch bewegt sich die Band bei dem Album noch wie beim Vorgänger auf Hardrock und Grunge-Pfaden, aber Prog- und Psychodelic-Elemente sind auch zu finden. Und mit „Lighthouse Girl“ und „Step Inside“ finden sich auch zwei schon längere Stücke auf der CD. Bin gespannt, ob mich diese Platte genauso begeistert wie „Lobotomizer“ zuvor.
Guter härterer, aber sehr melodischer Rock bietet „Have Fun“ - und macht auch beim Hören riesig Spaß. Können Motorpsycho bitte eine Tour machen, bei der sie nur Songs der ersten drei Platten spielen. Das wäre, glaube ich, ein Fest und jetzt weiß ich wieder, warum ich vom Auftritt im Zentrum Altenberg damals so begeistert war – weil sie da einfach super gerockt haben. Ihr Hippie-Psych-Rock ist zwar auch gut – aber mit der Energie solcher Rocksongs hauen sie einen einfach um.
Auch keine Gefangenen nimmt „Loaded“ - aber im Sound ist auch alles schon drin, was Motorpsycho auch heute noch machen – nur eben mit etwas mehr Aggressivität gespielt – aber vom Können an den Instrumenten und Songwriting begeistern sie auch schon mit ihrem Frühwerk.
Dann kommt „Lighthouse Girl“ und darin sind Elemente vom Alternative- und Post-Rock deutlich verarbeitet – aber auch in dem Stück wird gerockt als ob es kein Morgen gäbe (aber eben nicht durchgehend) und das fast zehn Minuten lange Stück enthält auch ein paar durchaus schöne sanfte Passagen – das ist eine ganze Wundertüte voller Motorpsycho-Sounds.
Melodiöser und wirklich schon eher im Grunge-Sektor als im Heavy Metal ist „Sister Confusion“ angelegt. Auch sehr gut.
Voll der Rock-Hammer und einfach genial: „The Wait“. Das ist die Art Motorpsycho-Song für die ich sie so sehr liebe – gerade „live“ gespielt.
Leichte Hippie-Klänge gibt es dann sogar zu Anfang von „Step Inside“, aber sehr kurz, denn eigentlich rockt der Songs einfach nur gnadenlos gut. Das Album reiht sich gerade bei mir einer Reihe mit dem „Temple of the Dog“ Album ein. Moderner Rock und einfach ganz großartig. Was Bent Sæther, Hans Magnus Ryan und Harkon Gébahart aber auch an den Instrumenten leisten ist schon ganz großes Rockkino. Einfach der helle Wahn.
Und zum Abschluss gibt es noch eine Rock-Version von „Califonia Dreamin´“ - als Fun-Zugabe macht dieser Rocker auch Spaß.
Mega-Album – freue mich jetzt schon auf das Wiederhören von „Demon Box“ und der „Mountain EP“.
02.10.25
Robbie Robertson – Sinematic (2019)
Das leider letzte Studioalbum des 2022 verstorbenen Musikers Robbie Robertson – der eine treibende Kraft bei „The Band“ war und mit dieser ein großes Stück Musikgeschichte geschrieben hat – man könnte schreiben, er hat das Americana-Genre miterfunden.
Nach dem The Band sich das erste mal aufgelöst hatte – dauerte es bis 1987 bis er sein erstes Soloalbum machte – hatte aber in der Zeit schon sich einen Namen als Filmmusik-Komponist gemacht, vor allem bei Filmen seines Freundes Martin Scorsese, der ja auch das letzte offizielle Livekonzert von „The Band“ als „The Last Waltz“ für die große Leinwand dokumentierte.
Und ich liebe sie alle, die frühen Platten von The Band mit Songklassiker wie „The Weight“ und „The Night they drove old Dixie down“ und vielen vielen mehr. Und auch dann die Solo-Alben – gerade „Storyville“ zähle ich als ein Lieblingsalbum – hat mich immer begeistert.
Sein letztes Album beginnt mit einem Duett, dass sich Robbie Robertson mit Van Morrison teilt.
Die Platten von Robbie Robertson sind alle ganz toll produziert und dafür zeigt sich Robbie Robertson selbst verantwortlich – seine Alben klingen immer etwas besser als der Durchschnitt und sicherlich hat er so einiges in den vielen Jahren in denen er Musik gemacht hat, von den Arbeitern an den Mischpult-Reglern abgeschaut. Der Sound seiner Alben ist immer was besonders und das macht viel von der Qualität seiner Songs aus.
Das Duett mit Van Morrison „I Hear you Paint Houses“ ist einfach mitnehmend, macht Spaß zu hören und diese zwei großen Musiker zusammen singen zu hören, macht einfach ganz viel Freude.
„Once were Brothers“ ist eine Hymne auf seine Zeit mit „The Band“. So hat er auch den dazu gehörenden Dokumentarfilm genannt (sehr sehr sehenswert). Und der Refrain geht einen einfach ans Herz. Und hat auch diese unglaubliche Qualität eines Ausnahmesongschreibers.
Klingt auch alles bei Robbie Robertson ein wenig so als hätte Daniel Lanois seine Finger mit im Spiel gehabt, aber das ist wohl zum größten Teil einfach eine Verbundenheit im Geiste der beiden kanadischen Ausnahmemusiker. Aber ein Rocksong wie „Dead End Kit“ klingt einfach nach mehr. Das ist einfach ganz stark geschrieben, gespielt und produziert und dafür liebe ich die Musik von Robbie Robertson seit vielen vielen Jahren.
Auch auf jeden Fall was für Peter Gabriel-Fans – oder einfach Freunde anspruchsvoller Rockmusik; „Hardwired“ ist toll und ich verstehe immer noch nicht warum das Album damals teils nur mittelmäßige Kritiken bekommen hat. Allein für die ersten drei Songs hätte das Album schon ein „überdurchschnittlich“ verdient.
Bei „Walk in Beauty Way“ singt Felicity Williams mit – ein ganz herzliche Rockballade – aber vielleicht ein Stückchen zu lang geraten. Aber auch diese klingt einfach gut.
„Let Love Reign“ - der Blues findet sich auch immer, vielleicht leicht versteckt, in der Musik von Robbie Robertson. Und so ist das ein guter Blues-Rock-Song.
„Shanghai Blues“ - es ist einfach gekonnt, was Robbie Robertson dem Hörer bietet – für mich funktioniert da jeder Song als anspruchsvoller ruhiger Rock.
„Wandering Souls“ bietet ein wundervolles kurzes instrumentales sanftes Zwischenspiel. Einfach nur schön.
Wunderbar mit Blues versetzten sanften Rock gibt es auf der Platte vielleicht etwas zu viel. Vielleicht klingen die Songs auch hintereinander weggehört etwas gleich. Aber in dieser tollen Qualität und mit soviel Liebe zum Detail und mit so viel Gefühl gespielt machen Songs wie „Street Serenade“ einfach mir viel Freude und als Einzelstück sind die Songs einfach herausragend.
Viel vom Sound des Albums erinnert mich auch an die zweiten Hälfte im Schaffen von Peter Gabriels, ich glaub auch, dass Gabriel-Fans ans Songs wie „The Shadow“ viel Freude haben werden – denn da ist die Produktion einfach unbeschreiblich gut.
Sanfter Rock: „Praying for Rain“. Abschluss mit „Remembrance“. Die Abspannmusik einer großen Musikerkarriere – denn der Plattentitel „Sinematic“ weißt ja darauf hin, welchen Einfluss Filme auf die Musik von Robbie Robertson hatten und als ein Schlusspunkt funktioniert auch dies bei diesem Album und diesen Musiker.
An Robbie Robertson lasse ich nichts ran kommen. Er war ein Gigant. Und wird von mir als solcher behandelt, aber nicht in dem ich ihm vergöttere, sondern sein Schaffen von Anfang bis Ende zu würdigen weiß und immer gerne hören werde. Denn es sind Musiker wie Robbie Robertson die aus einem Hörer einen Musiksüchtigen machen.


01.10.25
Joe Jackson – Look Sharp (1979)
Man muss ja immer bedenken, das Joe Jackson bei den Aufnahmen gerade mal 23 Jahre alt war und dafür ist das ein riesiges Album, denn mindestens „Fools in Love“ und „Is she really going out with him“ sind schon mal zwei „Songs für die Ewigkeit“ und „Sunday Papers“, „One more Time“ und „Baby Stick around“ sind Song, die man immer wieder gerne hört. Und dann ist das auch noch vom Sound her was besonderes – eine Mischung aus Jazzrock, Ska-Punk, New Wave, Singer/Songwriter, Soul und noch irgendwie immer etwas mehr – eine Mischung, die man eigentlich eher von einem reiferen Künstler erwartet. Aber genau diese Mischung aus „mit Pep, Können und Mitnehmend“ ist es halt, was mich seit gut mindestens 44 Jahren an dieser Musik und den Künstler Joe Jackson bindet. Denn mit „Steppin Out“ hat er mich zum Fan gemacht und da war ich gerade mal so 12/13 Jahre alt.
Mit dem sehr flotten „One more Time“ geht’s los. Der Song verbindet den New Wave von Blondie mit Rock und funktioniert richtig gut. Mit diesem Reggea-Ska-Rhythmus, dabei aber sehr poppig – macht „Sunday Papers“ einfach immer ein Riesenspaß.
Wenn man in der Situation steckt, dass das „richtige Mädchen“ mit dem „falschen Kerl“ weggeht, dann ist „Is she really going out with him“ einfach der passende Song und auch sonst einfach ein absolut gelungenes frühes Meisterwerk von Joe Jackson. Danke für diesen Song.
„Happy lovin Couples“ ist auch ganz nett, dass hat ein leichtes Rock´n´Roll-Feeling, aber eben mit New Wave-Bass gepaart und Graham Maybe (langjähriger Partner am Bass von Joe Jackson) macht da schon alles richtig. Der Sound des Albums hat auch so einiges gemein mit den frühen Police Alben – aber Songs wie „Throw it Away“ dann auch wieder gar nicht. Der paart dann zu sehr Rockmusik mit Rock´n´Roll.
Allein mit der Musik von Police, Fischer Z, Joe Jackson und etwas Punk von The Clash kann man schon so manche Nächte mit guter Musik füllen.
Und wenn man „Baby Stick around“ hört – der einfach immer Spaß macht und die Mischung aus New Wave und Rock´n´Roll perfektioniert – dann weiß man einfach was für ein fantastisches Debütalbum dass ist.
Ein wenig „West-Side-Stoy“ Feeling findet man im Titelstück „Look Sharp“ wieder. Ansonsten wieder mehr im „leichten“ Ska-Punk-Stil.
Klassiker „Fools in Love“ - Joe Jackson ist auch immer für eine anspruchsvolle Ballade – mit dem gewissen Etwas zu haben. Ganz großer Song.
„Do the Instant Mash“ ist nicht schlecht – aber fällt bei mir immer etwas durch – dabei ist auch da der Bassrhythmus ganz stark – aber unter so vielen guten Songs fällt der ein wenig durch – da ist, glaub ich, einfach´der Refrain nicht so wirklich meins.
„Pretty Girls“ springt den Hörer auch immer direkt an und das ist gut so – toller zeitloser New-Wave-Rock´n´Roll Mix. Joe Jackson ist glaube ich der Beweis, dass nicht nur die Punks wie die Ramones sich über den Rock´n´Roll einen eigenen Stil verpasst haben.
Ganz starkes Bassspiel – ansonsten schon in den Punkrock übergehend – dann aber wieder auch nicht, oder doch, egal – guter Abschluss auch mit „Got the Time“.
Das Album geht immer – eben der Mix ist einfach gut und das Album ist viel viel mehr als nur „New Wave“ und sehr gefüllt mit sehr vielen Songs, die immer noch sehr gut funktionieren. Klassiker.
26.09.25
Einstürzende Neubauten – Perpetuum Mobile (2004)
Ich kenne Stücke des Albums aus meiner Playlist schon lange, habe das Album aber nie durchgehört – fand aber die Musik im Gegensatz zu den der Anfänge der Neubauten überraschend Hörer-Freundlich. Das waren gute Songs und zur gleichen Zeit hatte ich damals das neue Album von Blixa Bargeld zusammen mit dem italienischen Filmkomponisten Theo Teardo „Still Smiling“ gehört, welches ich ebenfalls sehr gut fand – da war für mich Blixa Bargeld genauso zur gehobenen musikalischen Persönlichkeit gereift, wie es ein Nick Cave zuvor auch geschafft hat. Zwei Musiker – unverwechselbar – aber vereint in der Qualität wie sie Musik (zusammen) machen.
Von den Neubauten kenne ich aber auch nicht wirklich viel – mehr was von den frühen Stücken aus den Werkschausammlung(en) „Strategies Against Architecture I und II“ und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, davon hätte mir wirklich viel gefallen - ich glaub einfach, die frühen „Neubauten“ muss man gesehen „und“ gehört haben – nur „gehört“ funktioniert für mich nicht.
Obwohl, ich habe auch im Vorfeld kurz mal bei in die Alben „Haus der Lüge“ und der „Tabula Rasa“ reingehört und da finden sich ja auch schon neben den Industriealrock – auch schon Songs, die mehr Avantgarde und Kunst sind und sich für Hörer mit Anspruch durchaus eignen und da ich auch gerade anfange mich mit „Nine Inch Nails“ zu beschäftigen, passt da gerade wieder ganz viel zusammen und ich weiß, dass ich mehr von den Einstürzenden Neubauten noch hören werde. Man sollte eine Gruppe niemals ganz bewerten – bevor man nicht das Gesamtwerk kennt.
Art-Pop-Rock, ziemlich genial und großes Kino für die Ohren und das obwohl „Ich gehe jetzt“ sogar recht einfach gehalten ist – aber weil es die Neubauten sind und Blixa Bargeld am Mikrophon ist – klingt es einfach nach mehr. Und damit haben mich die „Neubauten“ dann doch als Hörer gewonnen.
Das Titelstück „Perpetuum Mobile“ funktioniert ein wenig als Bindeglied zwischen den „alten Neubauten“ und den Neubauten – die jetzt in Philharmonien als große Künstler auftreten dürfen. Aventgarde-Industrie-Art-Rock und trotz der Länge von fast vierzehn Minuten überhaupt nicht langweilig und die Sounds, die Klänge sind einfach groß – hat schon fast was von „Kraftwerk“ und erinnert schon recht an „Computerwelt“. Vielleicht erfinden die Neubauten da den Neuen Krautrock.
Eine Ballade: „Ein leichtes Säuseln“. Sehr gut mit Industrie-Percussion versetzt: „Selbstportrait mit Kater“. Theater-Rock – Brecht trifft Rock – Kunst. Also wenn man jemand Kulturintressierten die Einstürzenden Neubauten näher bringen will, dazu ist dieses Album einfach sehr zu empfählen.
Wahrscheinlich muss man beim Hören aber auch in der richtigen Stimmung dafür sein – denn ein paar der Songs habe ich zuvor auch mal aus meiner Playlist wieder entfernt (was aber eigentlich nichts heißt, weil ich mir da über die Jahre viele Regeln für ausgedacht habe – welcher Song in dieser verbleibt und welcher nicht und diese Regeln dann wieder verworfen und neue aufgestellt – ihr kennt das vieleicht) – dazu gehört auch das kunstvolle „Boreas“ - war mir vielleicht beim ersten Hören, doch ein wenig zu viel Kunst und zu wenig Song war. Grad mag ich es aber.
„Ein seltener Vogel“ war aber immer drin geblieben in der Playlist und dies vollkommen zu recht – welch ein großartiges Stück Art-Rock ist das doch. Da erhebt sich der Underground und wird zum großen Theater.
„Ozean und Brandung“ ist mir dann aber tatsächlich zu wenig Song und zu viel Klanginstallation. Als solche aber eigentlich nicht schlecht.
Aber dafür wieder richtig gut: „Paradiesseits“ - das verzaubert die Hörer.
Mal in englisch „Youme & Meyou“. Auch da stimmt das auf der ganzen Platte perfekte Soundkostüm.
Aber das wunderbare dabei ist, dass sich die Einstürzenden Neubauten nicht bei der Hochkultur einschmeichelt, sondern einfach mit ihrer Musik zur Kunst werden, ohne an Frechheit, Verspieltheit und Eigenwilligkeit zu verlieren – denn zum Beispiel „Der Weg ins Freie“ ist frech und gut.
Dagegen ist „Dear Friends (Around the Corner)“ dann wieder tauglich in jeglichen Kulturpalast gespielt zu werden.
Ein industrielles Glockenspiel erklingt zu Anfang des Stücks „Grundstück“ und beendet ein begeisterndes Hörerlebnis
„ Perpetuum Mobile“ ist großes Theater, ohne besonders kompliziert zu sein. Underground ist endgültig Hochkultur tauglich geworden und es macht so einen großen Spaß dies zu hören. Ganz toll.


22.09.25
The Clash – The Clash (1977)
Vorher habe ich nur ein The Clash – BestOff-Album gehabt und „London Calling“. Also ist dies jetzt wirklich mein erstes Mal, dass ich das erste The Clash Album höre (ich gebe hier auch zu, dass ich noch nie „Never Mind the Bolloks“ durchgehört habe – wird auch aber mal irgendwann mal passieren. Von den „Ramones“ habe ich immerhin mal ein BestOff-Album hier besprochen und das erste Album liegt auch irgendwann zum Hören auf dem Stapel.
Bin jetzt also gespannt, wie das erste Album ist, das Mick Jones, Joe Strummer, Paul Simonon, Terry Chimes und Topper Headon eingespielt haben und irgendwie ist es ihnen gelungen dies ohne Beeinflussung des Labels zu tun – was dem Label (CBS) zwar nicht gefallen hat, aber zugegeben wohl die richtige Entscheidung war – denn so klingt das Album, so wie The Clash auch live geklungen haben – also ist es ein sehr authentisches Rockalbum.
Was ein Punk-Song ausmacht, hört man bei „Janie Jones“. So klingt ein reiner Punk-Song. Den Rock einfach etwas rotziger und frecher und schön unkompliziert halten.
Aber The Clash machen das direkt am Anfang auch schon mit dem nötigen Abwechslungsreichtum und präsentieren einen Song wie „Remote Control“ trotzdem noch mit Witz und einer guten Musikalität. Da passiert was im Song und eigentlich rockt dieses Punk & Rock´n´Roll-Gemisch auch richtig gut. Und New Wave ist da auch schon drin – eigentlich hat der Song also alles, was in den nächsten sechs Jahren von Bedeutung ist.
Schon recht heavy klingen die Gitarren zu Anfang von „I´m so bored with the USA“ - aber auch der Song bekommt wieder den Punk-New Wave-Touch verpasst.
So richtiger „1-2-3- und direkt los Punk“ ist dann wieder „White Riot“. Der Song nimmt keine Gefangene.
Dagegen schon wieder im Stil-Mix-Modus und da ist in zwei Minuten musikalisch alles möglich: „Hate & War“. Und wegen solcher Songs sind sie einfach mehr als nur Punk für mich.
Stark gerockt: „What´s my Name“. Da ist harter Rock mit drin – aber eben nicht auf Heavy Metal Art und Weise sondern auf Alternative-Rock und Hardcore Art und Weise.
Die Materialfülle lässt „Deny“ erst mal wie ein runtergerockter Rocksong daherkommen, aber auch der hat was. Die Punkattitüde hat natürlich auch immer sowas tief ehrliches und authentisches – so vom Herzen herausgeschrien und herausgerotzt – ehrlicher geht Rock eigentlich nicht.
Und dann brennt London doch schon zum ersten Mal – abfeiern tun The Clash „London´s Burning“.
Weitere Punk-Song-Blaupause: „Career Oputunities“. Macht aber immer noch sehr viel Laune, das zu hören.
Auch gut und energiegeladen: „Cheat“. Ich war und werde vermutlich auch kein Pogo-Tänzer mehr, aber ich versteh warum man auf solche Songs so ausflippen kann – aber ich bin einfach kein Fan des „Herumschupsens“ - so nett das auch immer gemeint sein soll.
Noch ein Punk-Song: „Protex Blue“. Was die Band kann und warum ich sie so mag – dass hört man deutlich bei „Police & Thieves“ - musikalisch ist das so gut, das hat Drive, nimmt mit – ausgesprochen gut gespielt und klingt super, ist abwechslungsreich und macht total viel Spaß – dafür wollte ich Joe Strummer und Mick Jones als Songwriter loben – geht aber nicht, weil der Song im Original ein Reggae-Stück von Junior Murvin ist ,das von Lee „Scratch“ Perry produziert wurde. Aber die musikalische Bearbeitung durch the Clash macht diesen Song einfach zu so viel mehr, als er zuvor schon war.
Aber – auch die kurze Punksong-Prototypen machen danach wieder Spaß – so rockt nochmal gut: „48 Hours“ und am Ende kommt dann „GargageLand“ auch nochmal richtig gut.
Da hatten es aber alle nachfolgenden Punk-Bands dann auch direkt sehr schwer – den The Clash waren von Anfang viel mehr als nur eine gute Punk-Band – sie waren eine richtig gute Rockband – musikalisch vielfältig und wussten wohl ganz genau was sie taten. Und man hört die Genialität von „London Calling“ bei dem Album schon deutlich raus. Die Geburt einer Rock-Legende!
19.09.25
The Raincoats – The Raincoats (1979)
Nachdem sie „The Slits“ live erlebt hatten – wollten Gründungsmitglieder Ana da Silva und Gina Birch eine eigene Band haben und zusammen mit Ross Crighton und Nick Turner spielten sie ihr ersten Konzert als The Raincoats. Es folgten zahlreiche Umbesetzungen aber Ana da Silva und Gina Birch blieben dabei die Konstanten und nachdem sie von Rough Trade unter Vertrag genommen wurden und spielten zusammen mit Palmolive (The Slits) und der Violinistin Vicky Aspinal dieses Debüt Album ein.
„Fairytale in the Supermarket“ ist wieder so eine Nummer, die so sich anhört, als ob Sonic Youth und ganz viele andere Alternative Rock-Bands sich gesagt hatten, nachdem sie das Album gehört haben – so will ich auch Musik machen. Also so wie The Slits Vorbild-Funktion für The Raincoats haben – so sind The Raincoats sicherlich Vorbilder für eine ganze Reihe von Bands – gerade was Alternative-Rock-Girlgroups angeht.
Ganz ganz großartig nur: „No Side to Fall in“ - wie groß ist dass denn und wie oft kopiert. Super!
Und mit „Adventures close to Home“ geht es auch so weiter – verspielter Schrammelrock und eine Prise Psychfolk ist auch dabei.
Das ist schon Krautpunk was die Gruppe mit „Off Duty Trip“ anbietet – ich weiß „Kraut“ steht für „deutsch“ und das sind „The Raincoats“ nicht – aber es ist halt die beste Soundbeschreibung.
Hab die Band fast zeitgleich mit Pere Ubu kennengelernt und die gleiche verrückte Verspieltheit findet sich bei beiden Bands – ein wenig Punk-Anarchismus aber ohne die Aggression im Vordergrund zu haben: „Black and White“.
Und so klingt auch die Coverversion von „Lola“ - als ob der Song von einer Band in den 90er, die zu viel Nirvana gehört haben „Lola“ covern würden. Nur zu der Zeit der Aufnahme schreiben wir das Jahr 1979 und Nirvana-Frontmann Kurt Cobain wird irgendwann diese CD hören – wenn er als Jugendlicher mal wieder unglücklich war und ispäter ist er dafür mitverantwortlich, dass die Platte nochmal neuveröffentlicht wird.
Ist schon toll – wie ein Song wie „The Void“ doch Blaupause ist – für so viele Songs die danach gespielt werden. Ja, es ist schon vielleicht jeder Song, in etwa so wie ihm eine Band heute spielt, schon mal genau so vor vielen vielen Jahren gespielt worden – und deshalb muss ich aber nicht aufhören, solche Songs dann genauso gut zu finden. Den Spruch – „aber die „neuen“ Bands machen es doch nicht anders wie der oder die“ hat und wird für mich nie eine Gültigkeit haben – weil ich gute Songs einfach Liebe und es ist egal ob es das Original ist oder ein von einem anderen Song beeinflusster Song – Hauptsache ist: der Song ist gut!
Schön chaotisch und mit wunderbaren Instrumentalteil: „Life on the Line“ - kann mit frühen Talking Heads-Songs konkurrieren.
Bei „You´re a Milliion“ weiß, man dann doch ein wenig – warum sie auch dem Post-Punk zugeordnet werden – obwohl es da auch sehr nach Patti Smith klingt und somit auch nach PJ Harvey – die den Sound einige Zeit später wieder aufnimmt und weiterentwickeln wird. Auch dafür kann man diese Platte einfach nicht genug positiv bewerten.
„In Love“ ist fast sanft – aber dann doch wieder nicht und eben doch typisch für den Stil der Raincoats – aber der hat dann was von Lou Reed – und könnte als verrückte Hommage an The Velvet Underground durchgehen.
Wer frühen Alternative-Rock hören möchte – soll bitte diese Platte hören und einfach dankbar sein, dass manche Musikerinnen verrückt genügt sind, um Musik neu und ausgelassen in neue Bahnen zu lenken – ob es den „Raincoats“ damals bewusst war als sie diese Musik gemacht haben – ich glaube nicht – ist aber so.


18.09.25
Craig Cardiff – Great American White Trash Novel (1997)
Liebe auf den ersten Gitarrensaitenanschlag – da springt der Funke von Sekunde eins an direkt zu mir über – das ist Musik – ehrlich, gutes Handwerk und der Song „Stabalise“ nimmt mit und fängt mich ein. Manchmal findet man auf höchst seltsame Weise einen guten Song und wie ich ihm entdeckt habe, behalte ich erstmal für mich. Jetzt genieße ich das einfach.
Zur Zeit mag ich ja authentisch klingenden und handwerklich aber gut gespielte Folk/Singer/Songwriter-Musik und mit Craig Cardiff habe ich einen weiteren Musiker gefunden, der mir das bietet – wunderschön und einfach ist, was er da spielt und so wie es klingt, ist das auch alles live eingespielt – Song Nummer Zwei „Bellyful“ begeistert mich von Anfang bis Ende. Und wieder dieser Gedanke – soviel gute Musik und durch Zufall fällt sie mir in den Schoß und da will man doch nicht mit dem Entdecken wirklich aufhören. Geht doch nicht.
Sanft und fein: „Year of Funerals“. Craig Cardiff ist Kanadier und ein fleißiger Musiker – seit 1997 bringt er in regelmäßigen Abständen Studioalben, aber auch Live-Platten heraus. Er wird wie Bruce Cockburn auf True North Records veröffentlicht und weil ich mich fragte, da ich ja Cockburn und kanadische Musik(er/innen) ziemlich mag, welche Musiker so noch auf dem Label veröffentlicht sind und es sind einige – auf der Bandcamp-Seite von True Norht stößt man dann häufig auf Craig Cardiff und so kam ich dann dazu diese Platte zu hören – Der Weg war also über Cockburn, Record Label, auf Glück einen anderen Künstler des Labels anhören und verdammt viel Spaß und Freude damit haben – denn das Album ist so so gut. Denn auch der Song „Great American Trash Novel“ ist großartig – erinnert viel an die Musik von Nick Drake und Ryley Walker.
Meine Musik, ist das einfach, wunderschön: „Here there be Tigers“. Mit Cajun-Style-Musik legt die Platte an Tempo zu „Fisherking“.
Etwas im romantischen Country-Stil gibt’s auch: „Bullpen“. Dann aber wieder von Anfang bis Ende wunderschön: „Dancing with Pierre“. Craig Cardiff kann Singen und Songs schreiben – Punkt.
Mit „Everybody“ macht er Ryan Adams Konkurrenz und warum habe ich diesen Singer/Songwriter erst heute entdeckt? Und grandios auch der Abschluss der Platte mit „Memphis, TN“. Und er hat noch 22 weitere Alben veröffentlicht – hab ich ein Glück! Freunde guter Singer/Songwriter-Musik die immer noch nur Springsteen und Dylan hören, sag ich mal wieder – macht Eure Ohren für Künstler wie diesen auf – ihr werdet Euch wundern.
17.09.25
Yardbirds – Five Live Yardbirds (1964)
Das erste Yardbirds-Album ist direkt ein Livealbum. Zu der Zeit bestand die Band aus Keith Relf (Gesang & Harmonika), Eric Clapton (Gitarre), Jim McCarty (Schlagzeug), Cris Dreja (Rhythmusgitarre) und Paul Samwell-Smith (Bass). Rhythem & Blues wurde gespielt und damit rockten sie dann eher in die Richtung der Stones als die langsam immer populärer werdenden Beatles.
Die Aufnahmen aus dem berühmten Marquee Club beginnen mit „Too Much Monkey Buisness“ (Chuck Berry) und das ist noch handgemachter elektrischer Rock´n´Roll.
Mehr Blues-Rock gibt’s im Anschluss mit „I got Love if you want it“ (Slim Harpo). Der E-Gitarren-Sound finde ich ziemlich stark. Der Blues-Zug fährt weiter mit „Smokestack Lightning“ (Howlin´Wolf) und da merkt man schon, dass es ohne Blues auch keinen Rock gegeben hätte – denn der Rock entsteht aus dem Blues heraus und aus genau solchen Nummern und zwar so gespielt.
Wieder die Mischung aus Rock´n´Roll und Blues: „Good Morning Little Schoolgirl“. In gleicher Spielweise geht’s weiter mit „Respectable“ (Isley Brothers) - aber der Song hat was – das macht der mehrstimmige Gesang und der mitnehmende Rhythmus und hat auch den Schwung einer guten Beatles Nummer. Also dann doch nicht ganz so weit vom Stil der Pilzköpfe entfernt, wie gedacht.
„Five Long Years“ (Eddy Boyd) ist dann so ein richtiger Standard-Blues. Die Aufnahmequalität ist recht schwankend und lässt darauf schließen, dass die Aufnahmen auch bei unterschiedlichen Auftritten aufgenommen wurden – was aber falsch gedacht ist – da alle Aufnahmen vom 20. März 1964 stammen. Bo Didley´s „Pretty Girl“ ist echter Rhythm & Blues. „Louise“ stammt im Original von Johnny Lee Hooker und so setzt sich der Blues weiter fort.
Blues-Rock ohne Ende: „I´m a Man“ und so wie dieser Song rockt und funktioniert Blues-Rock seit vielen vielen Jahrzehnten richtig richtig gut. Und am Ende wird noch mal etwas Beat-Schwung aufgenommen und das Publikum stürmisch mit „Here´This“ verabschiedet – auch noch mal eine richtig fetzige Nummer – die einen super mitnimmt.
Sehr schönes Live-Album – so gefällt mir der Blues/Rock´n´Roll/Beat-Mix der frühen 60er doch mal richtig – Drei Songs bleiben dabei besonders hängen und das sind „Smokestack Lightning“, „Respectable“ & „Here´This“ - danach müsste jeder Besucher des Marquee Clubs verschwitzt aber glücklich gewesen sein.


16.09.25
Madonna – True Blue (1986)
Mit „Like a Virgin“ hat sich Madonna zum Pop-Star gemausert und nutzt dies auch dazu aus mehr bei ihren Plattenproduktionen mitzubestimmen und arbeitet nun lieber mit Produzenten zusammen,die sie aussucht – wofür sie auch ein Händchen hat – und produziert mit. So ist nun der „Into the Groove“ Co-Produzent Stephen Bray, sowie Patrick Leonard für den Sound und den Ton des Albums zuständig und eben Madonna, die nun auch bei den Songs als Co-Autorin fungiert. Inspiriert wurde das Album von ihrem damaligen Ehemann und Lebenspartner Sean Penn. Da ich „Live to tell“ immer mochte und immer noch mag – hat das Album bei mir jetzt schon einen richtig guten Song zu bieten und ich bin mir auch sicher, dass dieses Album mir doch wieder etwas besser gefallen wird als es „Like a Virgin“ beim Wiederhören getan hat. Bin trotzdem gespannt.
„Papa don´t preach“ ist auch immer noch eine ganz ordentliche Pop-Nummer. Gleiches gilt für „Open your Heart“. Das sind jetzt keine Nummern , die ich jetzt unbedingt in meiner Playlist oder jeden Tag hören brauche – aber als Hintergrund-Radio-Pop noch gut funktionieren und nicht weh tun. Und tatsächlich merkt man der Produktion an, die auch meilenweit von den doch recht einfachen Discopop-Sounds von Nile Rodgers Produktion des Vorgängeralbums entfernt ist – dass hat mehr Pep und klingt auch zeitloser – nicht so ganz mehr nach den frühen 80ern und legt fast schon fest, wie ein Pop-Album in den nächsten Jahren zu klingen hat.
Bei „White Heart“ gilt das gleiche wie bei den zwei zuvor gehörten Songs – tut auch nicht weh.
„Live to tell“ der auch wieder Filmmusik ist („Gegen jede Chance“ bei dem auch Sean Penn die Hauptrolle spielte und übrigens ein sehenswerter Film ist) finde ich ausgesprochen gut – der hat Gefühl und die Musik funktioniert wunderbar – wäre es nicht herrlich, wenn Madonna es endlich einsehen würde, dass sie nicht mehr Tanzen muss, sondern auf einen Hocker sitzend, von einer wunderbaren Liveband, vielleicht sogar kleinem Orchester begleitet, uns ihre Balladen in Ohr hauchen würde – das wäre ihrer würdig. Aber das ist eigentlich das erste musikalische Highlight von längeren Wert und Gültigkeit.
„Wheres the Party“ - auch nett, aber auch von der Zeit an Wertigkeit überholt und ein Song, der wohl dann doch noch mal so richtig nach 80er klingt.
Aber natürlich ein Song, der Live einfach super funktioniert – damit kann man die Halle mal so richtig aufheizen. Klingt auch ein wenig nach einer Lionel Richie-Nummer – so ein wenig „All Night Long“ für Arme.
Aber viel ist auch wirklich auf diesem Album nicht gut gealtert. „True Blue“ ist schon fast eine viel zu einfachere Nummer – Schlager meets Rock´n´Roll.
Aber bitte - „La Isla Bonita“ - der Sommersong – wird doch auch diesen Sommer noch funktionieren, oder? Aber auch da – irgendwie kann ich mich wirklich nicht mehr für diese Songs begeistern – die meisten haben die Zeit leider nicht überdauert.
Und im Rock´n`Roll-Power Pop-Gewand scheitert auch „Jimmy Jimmy“ weil er ganz fürchterlich ist. Schon beachtlich, was ich früher so gut fand, denn nach dem Kauf hatte ich das Album damals an manchen Tagen mehrmals laufen lassen. Da war ich wirklich ein ganz großer Madonna-Fan – hab sie auch noch für heute unvorstellbar schmales Geld in der Westfalenhalle Live gesehen – ich erinnere mich noch wie sie zu einer stark veränderten Fassung von „Like a Virgin“ auf ein Bett lag und von dort gesungen hat (sonst weiß ich davon auch nicht mehr viel mehr).
Auch viel schlechter gealtert, als ich dachte und ich weiß, dass es kein Fehler war, dass ich schon vor ca. 20 Jahren die CDs von „Like a Virgin“ und „True Blue“ abgegeben habe – da hatte ich wohl mit der Musik nichts mehr anfange können – die Ausnahme ist eben „Live to Tell“ - aber den habe ich sowohl noch als Maxi und als Single. Aber ich glaube schon, dass es noch Madonna-Alben gibt, die mir gefallen. Kommen auch noch dran.

15.09.25
Madonna – Like a Virgin (1984/1985 – Europäische Vinyl-Pressung mit „Into the Groove“)
Habe ich Single und Album wegen der jeweiligen Cover-Fotographie gekauft oder weil die Musik so toll ist? Ich verweigere die Aussage – aber ich habe „Material Girl“ und „Like a Virgin“ damals auch oft gehört – ich war da gerade 15 Jahre als es herauskam und das Nachfolge Album „True Blue“ war doch mal wirklich ein ganz tolles Pop-Album, oder? Hatte ich auch sofort bei Erscheinen gekauft und vielleicht sehr bald dazu mehr...
Musikalisch sagen wir mal – vielleicht auch weil diese Songs so oft gespielt und gehört wurden – hatte ich das Album schon gefühlte 30 Jahre nicht mehr auf dem Teller. Ich habe aber zwischenzeitlich öfters meine Madonna-Singles wieder gehört und da waren „Like a Virgin“ und „Into the Groove“ auch dabei – am besten hat mir aber „Live to tell“ wieder gefallen – ich mag ihre Balladen eigentlich ganz gerne und davon gibt es ja wenigstens auf diesem Album die Cover-Nummer „Love don´t live here anymore“. „Into the Groove“ gab es nie auf den US-Ausgaben von Vinyl und CD – aus rein rechtlichen Gründen, in Europa war der Song später einfach hinzugefügt worden.
Es kostet schon ein wenig Überwindung mit dem Hören anzufangen (bei den späteren Platten von Madonna (aber nicht die letzten) hätte ich damit weniger Probleme) – aber vielleicht macht es ja auch viel Spaß und das Album zählt zu den meistverkauftesten Alben überhaupt.
Pop und Konsum im leichten Disco-Rock´n´Roll, das ist der Song „Material Girl“ tanzbar von Nile Rodgers produziert – aber der Song hat sich wirklich selbst überholt – da hilft es auch nichts, das Song und das dazugehörige Video, in dem sich Madonna als neue Merylin Monroe feiern lässt, sicherlich zu den bekanntesten Videos der 80er gehört.
Weil zwar etwas harmloser, dafür aber auch etwas zurückhaltender und weniger aufdringlich. gefällt mir dagegen dann das von mir fast vergessene „Angel“ doch etwas besser – das ist mehr die Madonna, wie ich sie mag. Irgendwie klingt jetzt von Vinyl alles so – als ob sich mein Plattenspieler etwas zu schnell dreht – will der die Sache schnell zu Ende bringen? – oder dachten sich die Produzenten, dass die Songs schneller abgespielt tanzbarer sind und die Stimme besser klingt?
Ohne „Like a Virgin“ wäre sicherlich der Mythos um Madonna nie so groß geworden, wie er es damal wurde – es ist der Beginn einer riesigen Karriere – aber der Song ist so verdammt simpel – aber irgendwie singe ich im Kopf beim Refrain ganz kurz dann doch mit („hey!“) - gehört einfach irgendwie doch zu „meiner Musik“ - dagegen bin ich machtlos -. aber toll finde ich den Song wirklich nicht mehr.
Ich habe es bei Madonna auch immer wirklich mehr mit den ruhigen Nummern und verstehe auch nicht, warum sie Ihre Karriere nicht wie eine echte Diva beendet, in dem sie sich von guten Musikern begleitet live nur noch die tollen ruhigen Nummern (still sitzend oder stehend) für ihre Fans darbietet, statt ewig so zu tun – als könne sie noch mit den „Jungen“ mithalten – das macht es auch schwer noch Fan von ihr zu bleiben.
Die Mainstream-Radio-Nummern, die aber nicht als Single ausgesucht wurden, sind alle viel besser gealtert als die Hits – selbst „Over and over“ funktioniert noch einigermaßen als einfache Pop-Nummer. Und „Love don´t live here anymore“ ist tatsächlich der Höhepunkt der ersten Plattenseite.
Das muss aber doch viel an Madonnas Sexappeal gelegen haben, dass das Album auch von Jungs gekauft wurde – denn alle Songs sind für Jungsgeschmack ja eigentlich ziemlich uncool geraten. Balladen und Mainstream-Hits und trotzdem war „Madonna“ einfach, dass Postergirl der 80er – da weiß man dann aber auch, warum es eine Samantha Fox in die Charts schaffte – obwohl man die beiden Damen künstlerisch wirklich nicht miteinander vergleichen darf – aber das Marketing war nicht ganz unähnlich.
Man muss der Platte aber auch eine Kurzweiligkeit zugestehen – denn die erste Seite mit 20 Minuten Länge ging Ruckzuck vorbei.
Wohl auch weil die zweite Seite im Original keinen Singlehit mehr zu bieten hatte, wurde einfach „Into the Groove“ hinzugefügt und dieser Song, der eigentlich Filmmusik zum Film „Susan, verzweifelt gesucht“ war, eröffnet dann auch die zweite Plattenseite. Und von den Singles funktioniert dieser Song mit seinem 80er- und Disco-Charme wirklich noch am besten. Da stimmt der Groove bei „Into the Groove“.
Auch nett: „Dress you up“ - Pop-Song mit etwas Tanzflächentauglichkeit. Aber irgendwie ist die Produktion von Nile Rodgers auch zu glatt gebügelt und deshalb klingt es für meine Ohren einfach nach nicht mehr als Radiomusik.
Einen Song, der einfach „Shoo-Bee-Doo“ heißt, auf eine Platte zu pressen, ist schon mutig, oder nach den Singles war es einfach egal – was auf dieser noch landet. Der Song ist dann eine Ballade im Wiegenliedformat – wird aber noch etwas jazzig, soulig – und ist eigentlch besser als er vermuten ließ – aber weil ich mich an den Song überhaupt nicht mehr erinnern kann – wie so einiges der zuvor gehörten Songs – scheint diese Musik sich auch nicht mit dem Hirn so richtig verbinden zu wollen – auf jeden Fall mit dem Teil, der eben für Erinnerungen zuständig ist.
„Pretender“ kommt vom Groove her an „Into the Groove“ noch ran, aber ist vom Song her schwächer. „Into the Groove“ wurde auch als einziger Song nicht von Nile Rodgers sondern von Madonna und Steve Bray produziert.
Wie „Stay“ klangen unheimlich viele Songs in den 80ern – der Song ist dann einfach ein Paradebeispiel wie Pop in den 80ern klang.
Seite zwei bietet bis auf das hinzugefügte „Into the Groove“ eigentlich nur Single-B-Seiten-Material und das Ablum kann einfach eine kritische Auseinandersetzung überhaupt nicht mehr stand halten – aber es bleibt ein Megaseller – und ein kommerzieller musikalischer Meilenstein der 80er Jahre.
12.09.25
Propaganda - A Secret Wish (1985) – Vinyl Fassung
Da ich die CD ja schon hier verarbeitet habe versuche ich mich in einer kurz Version – da die Vinyl und CD-Fassungen der Songs aber tatsächlich auch Unterschiede aufweisen, fand ich dieses schnellere Wiederhören als mal nicht unnötig.
Außerdem hab ich im Wikipedia-Eintrag zum Album gelesen, das das Label, weil Trevor Horn an der Produktion von „Welcome to the Pleasure Dome“ gebunden war, er dem Tontechniker Stephen Lipson und der Band sehr viel an Ressourcen zur Verfügung stellte. So sind versteckt als Gastmusiker Steve Howe, David Sylvian, Steward Copland und Glenn Gregory mit dabei. Das finde ich schon eine ziemlich beeindruckende Gästeliste.
Nette Idee finde ich den ersten Titel „Dream within a Dream“ als Komponisten nur Edgar Allen Poe zu nennen. Und der Titel klingt jetzt auch von Vinyl wieder richtig gut, kommt mir mit zunehmender Dauer dann aber auch wieder mit ca. acht Minuten Länge als etwas zu lang geraten vor – weil auch dann musikalisch nicht mehr so wirklich viel passiert und nur das Grundthema leicht variiert wird – aber es klingt gut – richtig gut.
„The Murder of Love“ hat einen EBM-Rhythmus, der sich aber in ein Synth-Pop-Song wandelt – wenn auch mit etwas Düsternis, aber auch mit einem feinen Gitarrensolo garniert. Der Song kann mich aber auch wieder nicht so ganz einfangen – weil er dann doch irgendwie zu harmlos geraten ist.
„Jewel“ ist die wilde Fassung von dem darauf folgenden „Duel“ und klingt meiner Meinung nach auf Vinyl etwas besser als wie von CD – ein wirklich feiner Elektronik-Body-Punk-Song. Passt wie EBM ja auch zur musikalischen Heimat von Propaganda (Düsseldorf) und statt wie auf CD Claudia Brücken den Text einfach herausschreien zu lassen, bleibt er auf Vinyl auch Instrumental und endet dann leider nur etwas übertrieben in einem Soundgewitter.
„Duel“ mag ich schon immer als 80er Jahre Popsong – mehr ist der Song nicht – aber dafür ein guter seiner Art. - und der eine Instrumentalpart ist einfach wirklich sehr sehr gelungen bei dem Song. Und Ihr wisst welchen ich meine, wenn Ihr ihm hört.
„P-Machinery“ hat sich in den letzten Jahren zu meinem Lieblingslied der Band gemausert – perfekter Synthi-Pop-Song.
„Sorry for Laughing“ - nochmal mit EBM-Ausprägung und ist eher nicht so meins.
„Dr. Mabuse (First Life)“ ein Song, den es im typischen ZTT-Modus natürlich in einer großen Anzahl von Fassungen gibt. Vom Sound schon ganz typisch 80ziger Jahre – aber man hört am Hauptrhythmus, warum man dazu ordentlich Tanzen konnte. Und auf LP ist die Fassung noch von der Länge her auch gut zu ertragen und geht nicht vollkommen im Effektgewitter unter. Ein Hit.
„The Chase“ - ganz nett, aber ein Musikstück, das man nach dem Hören immer schnell wieder vergessen hat.
„The Last World“ - ist sowas wie der Abspann der Platte, aber atmosphärisch sehr gelungen.
Die Vinyl-Fassung gefällt mir sehr viel besser – gerade das „Jewel“ instrumental bleibt und auch „Dr. Mabuse“ nicht ausufernd in die Länge gezogen zu hören ist, sind eindeutige Plus-Punkte der Vinyl-Veröffentlichung. Weniger ist eben doch manchmal mehr.


11.09.25
Marching Band – Heart Juwel (2016)
Marching Band ist ein Indie-PopRock-Duo bestehend aus den schwedischen Musikern Eric Sunbring (Gitarre, Gesang) und Jacob Lind (Gitarre, Keyboards, Gesang) – bei Liveauftritten wurde das Duo durch die Musiker Benjamin Forsberg (Gesang, Gitarre), Ludvig Kennberg (Schlagzeug) und Gustav Nygren (Bass) unterstützt.
Ich kenne die Band schon einige Jahre und schätze ihren ganz eigenen Sound und die Leichtigkeit mit der sie IndieRock machen, der eine so ganz eigene Note hat – ich fand aber immer, dass der Bandname etwas unglücklich gewählt ist, da, wenn man bei Google „Marching Band“ eingibt, man natürlich mit vielen Treffern auf irgendwelche Blaskapellen hingewiesen wird und das gleiche, führt auch in anderen Suchfenstern zu ähnlichen Ergebnissen – da muss man die Suche schon mit ein paar Infos mehr füttern, um auf die Band zu stoßen.
Lange Zeit war dies ihr „letztes Album“ gewesen, doch 2024 ist ein Nachfolgealbum erschienen. Ich konnte „Heart Juwel“ nur als Japanimport auf CD bekommen, da das Album auch nur dort als CD veröffentlicht wurde. Auf diesem ist aber auch ein zwölftes Stück als Bonus für Japan mit enthalten. Ansonsten gab/gibt es das Album nur in digitaler Version via Bandcamp – dort ist grade auf dieser Art auch günstig die gesamte Diskographie der Band zu erwerben – was ich Leuten, die bisher nichts von der Band haben, sehr empfehlen kann.
Mit „Creator (And I Notice)“ beginnt das Album wie gewohnt mit ganz leichtgängigen (akustisch klingenden) Indie-Singer/Songwriter-Pop – irgendwo zwischen Beatles und den Birds und wieder sehr bezaubernd.
Vielleicht könnte man es Lagerfeuer-Pop nennen, was Marching Band machen – aber es ist einfach wunderbar – so wie der Song „Silver Screen“ absolut fesselnd ist und sogar das Zeug zum Radiohit entwickelt – weil er dann doch mit ziemlich viel Power gespielt wird. Erinnert mich auch an „Town of Saints“ (falls die hier überhaupt ein Leser kennt).
Den Indie-Sound haben sie aber auch drauf – aber so mit ganz eigener Note gespielt und auf dem Album machen sie es noch ein wenig perfekter, als auf ihren Vorgängeralben – auch ganz groß: „Cocoon“.
Sanfter; „Come on Baby“ - zuckersüß. Mischung aus Beach Boys und Kings of Convenience. Titelstück „Heart Jewel“ hat wieder mehr Power und einfach diesen sehr mitnehmenden Schwung – den ganz viele Stücke der Band gemein haben.
„The Days are surley over“ - etwas verträumter. Aber diese Gesangsharmonien sind einfach toll zu hören und was die Musik auch auszeichnet, ist dass in den Songs auch immer mal etwas sich verändern kann – da wird nicht von Vorne bis Hinten eine einzige Melodieidee durchgezogen, da werden mehrere Ideen abgearbeitet.
Und mir macht dieser unbeschwerte Sound der Band auch einfach Spaß zuzuhören – das ist so, als ob man einen Wohlfühlfilm gucken würde, nur eben in Form eines sehr guten Indie-Pop-Albums.
Hinzu kommt, dass die Musik zeitlos ist, ohne dabei Retro zu sein – weil es auch „frisch“ klingt – aber Vorbilder sind vielleicht rauszuhören, so wie bei „Are you gonna Sing“.
„Sing and play Guitar“ fängt mit Synthsounds an – da spielt man gegen den Titel an. Indie-Pop: „How was the Western“ - im hinteren Teil der Platte nehmen die elektronischen Sound mehr Platz ein – von daher wäre da Folktronica auch bei manchen Songs sicher eine passende Beschreibung.
Zum Abschluss nochmal was sanftes: „Useful Idiot“ und Powerfolk ganz am Ende: „Divorce Him“.
10.09.25
Simon & Garfunkel – Wednesday Morning, 3 A.M. (1964)
Das wohl bekannteste Duo der populären Musikgeschichte hat mit fünf Alben eine sehr übersichtliche Diskographie und so kann man die jetzt auch mal ganz schnell abarbeiten. Aber schon beeindruckend, dass sie nur sechs Jahre benötigten, um zum musikalische Dauerbrenner zu werden. Da die beiden aber zuvor schon als „Tom & Jerry“ Musik machten, dauerte ihre Teamarbeit tatsächlich aber länger.
„Wednesday Morning, 3 A.M.“ war zu Anfang nicht erfolgreich, erst im Zuge der Veröffentlichung des zweiten Albums „Sounds of Silence“ wurde auch dieses Album ein finanzieller Erfolg. Da wir uns noch im Rock´n´Roll-Zeitalter befinden, sind die Folk-Songs des Duo´s meist auch nicht länger als zwei Minuten, so hat man die zwölf Songs auch innerhalb einer halben Stunde schnell durchgehört. Bei der Folkmusik dieser Zeit, darf es einen nicht wundern, dass diese schon – weil er wahnsinnig schnell mit seinen Musikveröffentlichungen Erfolg hatte - durch den Sound von Bob Dylan mitbeeinflusst wurde, so ist auch mit „The Times they a-Changin“ direkt ein Klassiker als Covernummer zu finden. Fünf Songs sind aus der Feder von Paul Simon.
Mit Roots-Country-Rock´n`Roll-Folk startet das Album: „You can tell the World“. So leicht, so freundlich, aber auch schön arrangiert – die Markenzeichen des Duos sind auch schon in diesem Stück alle enthalten. Der klassische Countrymusik-Hörer schien den Produzenten des Albums wichtig zu sein – sehr lieblicher Roots-Song im Stil der Carter-Family (ja, ich hab die Dokureihe „Country Musik“ von Ken Burns gesehen) ist „Last Night I had the strangest Dream“.
Mit „Bleeker Street“ ist dann die erste Eigenkomposition von Paul Simon zu hören und das ist dann wirklich was anderes. Das ist Singer/Songwriter-Folk vom Feinsten und genau dafür lieben alle Simon & Garfunkel. Zeitlos, schön. Erste echte Highlightnummer. „Sparrows“ kommt einem Bob Dylan-Song sehr nahe – aber mir gefallen halt die Gesangsharmonien von Paul Simon & Art Garfunkel einfach viel viel lieber als die raue ungeschliffene Art des Landbewohner-Gesangs von Bob Dylan.
Durch die Kürze der Songs komme ich mit dem Schreiben beim Hören kaum hinterher und muss auch mal die Pausetaste ab und an drücken. „Benedictus“ - warum nicht auch mal ein Kirchenlied mit einbinden. Da lernt der Hörer auch was über Gesangsharmonien.
„The Sound of Silence“ - in dieser akustischen Fassung wurde der Song noch nicht zum Hit. Erst als der Produzent Tom Wilson den Song mit den Klänge einer zwölfseitigen E-Gitarre, eines E-Basses und Schlagzeug ergänzte und als Single neu auflegte – wurde der Song zum Hit und zum Titelstück des zweiten Albums. Diese „Bearbeitung“ erfolge ohne dem Wissen von Paul Simon und Art Garfunkel. Paul Simon befand sich da gerade in England, um dort ein Soloalbum aufzunehmen „The Paul Simon Songbook“ - viele der Songs darauf wurden später auf den weiteren Simon & Garfunkel Alben neu eingespielt.
In der akustischen Version klingt „The Sound of Silence“ aber viel weniger kitschig und ist somit jetzt meine bevorzugte Fassung.
Auch ein schöner Folk-Song: „He was my Brother“. Ein ganz typischer Simon & Garfunkel Song wird aus dem Traditonal „Peggy O“. Absolut schön.
Kitschiger Country-Folk-Roots-Traditional: „Go Tell it on the Mountain“. Da gefällt mir das sehr sanfte „The Sun is Burning“ doch sehr viel besser.
„The Times they are a-Changin“ - klingt ein wenig so, als würde eine kleine Gruppe Friedensaktivisten am Lagerfeuer den Song singen. So richtig Lust sich mit dem Song auseinanderzusetzen hatte da wohl keiner der an der Aufnahme beteiligten.
Der Titelsong „Wednesday Morning, 3 A.M.“ und da hört man nochmal alle Stärken des Duos in einem kurzen Song gepackt und da freut sich der Hörer dann schon auf das Hören der nächsten Platte.


05.09.25
Ocean Colour Scene – One from the Modern (1999)
Von dem Album „Moseley Shales“ war ich ja sehr begeistert, also habe ich noch eine weitere CD der Band aus Birmingham besorgt, die gerne englischen Rock spielt, der nach ihrem Förderer Paul Weller klingt – was ja nicht falsch sein kann.
„Profit in Peace“ ist vielleicht ein Titel, der gerade heutzutage mit seinem modern klingenden Klassikrock die Massen begeistern müsste. Peace and Rock! Und schon haben sie mich wieder – trotz vielleicht naiver – aber immer gültiger Songaussage! Und natürlich hat auch dieser Song, wieder den für die Band so typischen Weller-Touch – was ich aber toll finde – weil ich diesen Touch so sehr mag.
Ich mag die gradlinige Art dieses Britrocks aber auch so gern. „So Low“ klingt wie eine aufgeputschte Ballade von Travis – ganz charmant.
Mit „I am the News“ wird dann gut gerockt – das es nicht ganz wie von The Who klingt, dafür sorgt die Produktion von Brendan Lynch, der an den Effektreglern den Song noch ein wenig modernisiert – und den Sound sehr klar hält. Die Platte klingt auch einfach sehr gut.
Die Balladen sind schön geraten – da ich ja immer fand, dass es doch sehr viel mehr gibt aus England als nur „Blur“, „Pulp“ und diese Band eine namens „Oasis“. Und Songs im Paul Weller-Style, die aber einfach ganz schön gespielt sind und einen von Anfang bis Ende mitnehmen, so wie es „No one at All“ tut und dabei total Massenkompatibel sind, ohne sich aufzudrängen, begeistern mich einfach. Punkt.
Und so macht mir die Musik, dieser Band einfach ganz viel Spaß und ehrlich, ob die Texte jetzt „sinnvoll oder sinnlos“ sind – dies fällt bei mir im Hintergrund – bei englischsprachiger Musik steht bei mir einfach die Musik im Vordergrund und ich glaube das geht nicht nur mir so. Wer da genau auch die Texte analysiert haben möchte, muss sich da an andere Stelle drüber informieren.
So macht auch die Rockballade „Families“ Spaß. Richtig begeistert das rockige: „July“ (ganz tolle Nummer). Ich glaub, das ist wirklich auch keine Musik für ernsthafte Kulturkritiker, sondern Musik für jene, die einfach ganz viel Spaß an „guter“ Musik haben.
Die nächste Rockballade folgt: „Jane she got excavated“. Die Balladen haben auch die Oberhand auf dem Album, sind aber alle sehr gut geraten: „Emily Chambers“. Gut gerockt und Paul Weller sogar dann auch gewidmet „Soul Driver“. Dem Mentor wird damit gedankt und der Hörer dankt der Band für einen weiteren Knaller-Song.
Ballade in anspruchsvoller Soundumgebung eingebettet und auf eine Länge von sechs Minuten dargeboten: „The Waves“. „I won´t get grazed“ schließt das Album sogar mit einer weiteren Ballade ab.
Ehrlich gesagt mag das zwar alles sehr gradlinig, sehr nach Paul Weller, und zu viele Balladen drauf sein – aber für mich machte dieses Durchhören einfach wieder ganz viel Spaß – also macht ruhig weiter so Musik und bitte viele Nachahmer – und wenn das „altmodisch“ klingen soll – dann bin ich gerne mal altmodisch.
03.09.25
Charles Mingus – The Black Saint and the Sinner Lady (1963)
Mal ein wenig Geschichtsunterricht in Sachen Jazz. Charles Mingus spielt Kontrabass und Klavier. Unterstützt wird er bei den Aufnahmen durch Jerome Richardson, Dick Hafer, Rolf Ericson, Richard Williams, Quentin Jackson, Don Butterfield (Blasinstrumente), Jaki Byard (Klavier), Jay Berliner (Gitarre), Dannie Richmond (Schlagzeug). Das Album besteht aus drei Stücken mit um die sieben Minuten Länge und einem plattenseitenfüllenden Stück.
„Track A - Solo Dancer“ legt direkt nach kurzen Schlagzeugeinsatz mit einem relativ fetten Bläsersatz los und fängt dann an zu swingen, ohne dabei an Intensität zu verlieren. Wobei die Bläser ihren aggressiven Ton beibehalten, während die anderen Instrumente dem Stück versuchen mehr Tempo zu geben – so spielen die Bläser teilweise gegen den Rest der Band an und haben durch ihre Durchschlagskraft leichtes Spiel dabei, die Oberhand zu behalten. Aber es gibt auch einen sanfteren Part, bei dem die Bläser sich an den Hörern anzuschmiegen und einzuschmeicheln versuchen – dann kommt ein schöner Swingpart – der Bass von Monk darf gehört werden, weil er nur gegen eine einzelne Klarinette oder Altsax anspielen muss. Intensität erhöht sich wieder – aber spannend – wild, aber nicht so von den Bläsern dominierend wie am Anfang und dann ist das Stück auch plötzlich zu Ende.
Sanfter ist da der Verlauf bei „Track B - Duete Solo-Dancers“ - da wird zusammen getanzt, sich angelehnt und intimer vorgegangen. Aber da verändert sich auch wieder etwas nach einiger Zeit – der Song entwickelt sich zu einem immer wilder werdenden Tanz – langweilig wird einem bei diesem Jazz nicht. Aber wer es mehr auf Harmonie und sanfte Hinergrundmusik abgesehen hat, ist bei Charles Mingus falsch. Mingus ist nichts für einfache Gemüter – er verlangt etwas von seinem Hörer ab – es ist nicht nur Swing und Instrumentenbeherrschung, es ist auch wildes Spiel, und bei Mingus bekommt man davon eine ganze Menge – der Hörer wird aber auch auf die Wurzeln des Jazz immer wieder zurückgeholt – deshalb eignet er sich auch gut zum Einstieg für ein tieferes Verständnis der Jazzmusik. Weil dieser Jazz Neueinsteiger nicht gleich sofort verschreckt, sondern ihm auf eine höhere Stufe der Möglichkeiten des Jazz mitnimmt.
Gerade die Pianoanteile – als Intro auch für „Track C - Group Dancers“ genutzt, sind es, die den Hörer erst leicht einfängt, dann aber auch mit etwas neuem wieder konfrontiert. Und das Stück ist wirklich sehr gut geeignet für einen ersten Einblick in die Musik von Mingus.
Die Seite 2 besteht aus dem Medley „Mode D – Trio and Group Dancers, Mode E – Single solos and group Dances, Mode F – Group and Solo Dance“.
Charles Mingus bleibt dabei in seiner Rolle als Komponist und mit seinem Bass und Klavierspiel eher ein Musiker im Hintergrund,während der Bläsersatz doch immer am prägnantesten über die Stücke herrscht, nur ab und an, wenn die Sologitarre von Jay Berliner im spanischen Stil gezupft wird, und eindeutig der Tango gefeiert wird, hört die Dominanz der Bläser kurz auf. Zusammen erreichen alle Musiker eine großartige Intensität. Themen der A-Seite werden auch auf der B-Seite merklich wiederverwertet – weshalb auch die Spannung beim Hören etwas nachlässt. Auch dem Saxophon-Solo fehlt es etwas an Intensität oder ist mir vielleicht auch einfach nicht melodiös genug. So am Stück gespielt ist das dann für den etwas ungeübten Jazzhörer dann doch wieder etwas anstrengend.
Wenn die Musiker aber swingen, stimmt alles wieder – dann können auch alle Instrumentalisten zusammen sehr glänzen und dann macht die Musik doch wieder in der zweiten Hälfte des Medleys wieder Spaß.
So ist das schon ein gutes Album, wenn mal in das Werk eines der großen Altmeister der Jazzmusik hineinhören will.


31.08.25
The Nits – Tend (1979)
Es ist eigentlich das zweite Album der Band, aber das erste Album, das wie die Band heißt, wird von der Band als nicht gelungen bezeichnet und wurde nie wiederveröffentlicht. Damit ist der Einstieg in die Discografie dann mit dem zweiten Album „Tend“ gemacht. Der Stil der Platte wird als New Wave bezeichnet, da bin ich gespannt, da ich The Nits eher als Art-Pop-Rock bezeichnen würde.
Bubblegum (verspielter, kindischer)-Pop mit New Wave-Einschlag ist das Titelstück „Tent“. Also tatsächlich vom Stil her sowas wie Neue-Holländische-Welle – aber in englischer Sprache. Aber „A to B; C to D“ - ist da schon New Wave auf gehobenen Niveau und viel besser als das zuvor gehörte „Tend“.
Nette Pop-Nummer: „The Young Reporter“ - erinnert an Codley & Creme (10CC). Das wird ein sehr abwechslungsreiches Hörerlebnis glaub ich und bei achtzehn Titeln wird es da viel zu hören geben – die Stücke sind nicht besonders lang – aber es gibt dafür eben ein paar mehr.
„4 Ankles“ erinnert an die Nichternsthaftigkeit von Devo. „Hook of Holland“ - den Song würde ich mal als echtes „Nits“ Stück bezeichnen – mit dem Song hat die Band dann schon ihren Stil gefunden. Und ist wirklich ein echter Hinhörer. Prog-Pop könnte man den Stil der Nits auch nennen und genau so klingt „Frozen Fred“. Man muss bei dem Album auch dessen Alter beachten – da klangen die Synthesizer hat meist noch so - gerade die, die bezahlbar waren und dafür klarng der Sound von The Nits wirklich sehr ordentlich und konnte auf internationalen Niveau bestehen.
Die Band „The Nits“ bestand zu diesem Zeitpunkt aus Henk Hofstede (Keyboards, Lead Vocals),Rob Kloet (Drums, Vocals), Alex Roelofs (Bass, Vocals), Michiel Peters (Gitarre, Lead Vocals), Paul Telman (Techniker), Hans Schot (Logistik). Für das Songwriting waren zu gleiche Teilen Henk Hofstede und Michiel Peters verantwortlich.
„Ping Pong“ - Art-Pop-Electronic mit Rockeinschlag – gewagte Mischung – aber als Song ganz spannend. „Tutti Ragazzi“ schaffte es in den holländischen Charts auf Platz 22 und ist wieder so ein leicht fröhlicher Pop-Song im verspielten Rock´n´Roll/New Wave-Mix. Klingt irgendwie wie eine Nummer aus einem Musical – erinnert etwas an „Grease“ und das vielleicht auch nicht ganz unbeabsichtigt. Ebenfalls in der Richtung geht’s mit „Out of Suburbia“ weiter.
Außergewöhnlicher End70er-PopRock-Song: „Bungalow“ - weil es einfach so schön verspielt, aber gut ist und so gut funktioniert. New Wave: „1:30“ und auch unheimlich einschmeichelnd – mag ich sehr.
Verspielter Art-Pop: „Johnny Said: Silver“. „Who´s that Killer“ geht wieder mehr in die 10cc und Godley & Creme-Richtung. „Take a Piece“ ist ein super Rock-Pop-Song – könnte auch von „Abba“ sein, wenn „Abba“ mal irgendwann ein anspruchsvoller Act gewesen wären (ich mache mich mal unbeliebt).
„Tent“ (Reprise)“ und da gefällt mir der Song im Devo-Stil dann auch.
Zugaben (wohl der Band etwas zu Mainstreamig geratene Stücke): „Umbrella“ - Pop – mit Hit-Potenzial. „Some other Night“ - Kitsch-Schmacht-Pop“ - Aber „Harrow Accident“ ist nochmal richtig gut und auch eher Art-Rock als Pop.
Eine schöne Wundertüte an verspielten Bubblegum-Pop-Rock, New Wave , den die Nits mit sehr viel Leichtigkeit und Können ihre eigene Handschrift aufdrücken und was aus der Band später wird, hört man auch schon bei einigen Stücken gut raus. Mag ich sehr und der Wille die Nits-Discographe von Vorne bis Hinten Durchzuhören wird damit mit Freude fortgesetzt werden.

28.08.25
The Teardrops Explodes – Wilder (1981)
Die für mich sehr späte Entdeckung des Album „Kilimanjaro“ von The Teardrops Explodes hatte mich ja sehr begeistert. Die Mischung aus New Wave, Punk und Rock, die die Band um Julian Cope an den Tag legte, nahm mich mit, und dies über die gesamte Lauflänge des Albums. Da freut man sich dann auch sehr darauf, das zweite und vorerst letzte Album der Band zu hören – da sich die Band bei den Aufnahmesessions zum dritten Album zerstritt und Julian Cope darauf hin lieber solo weiter machte. Angeblich konnte er und David Balfie sich nicht auf eine gemeinsame musikalische Richtung einigen.
Aber immerhin gibt es noch dieses zweite Album und 1990 kam noch verspätet ein Album mit unveröffentlichen Material aus den Aufnahmesessions zwischen 1980 und 1982 heraus („Everybody wants to Shag....“)
Aber erstmal haben wir noch ein gut gefülltes Album names „Wilder“ vor uns. Das original Album hatte elf Titel, später kamen auf CD-Veröffentlichungen noch zahlreiche Titel hinzu, darunter auch Live-Aufnahmen. Diese werde ich mir aber bei anderer Gelegenheit zuwenden, wenn ich die sechs CDs der Werkschau „Culture Bunker – 1978-82“ mal durchhöre.
Der gute Sound von „Kilimanjaro“ wird vom ersten Stück „Bent out of Shape“ wieder aufgenommen – aber vom Gesangspart ist das das Stück softer, eher im Singer/Songwriter-Stil vorgetragen und trotz Eingängigkeit ist das Stück weniger auf coolness aus. New Wave in einer sanfteren Art.
Beim Stück „Colour fly Away“ sind es dann satte Bläser die dem Song ordentlich Schub geben lassen – aber auch da stellt sich der Gesang etwas quer und gibt dem Song wieder etwas sanftes mit. Es ist alles da, was alternative britische Musik ausmacht – aber Julian Cope verleiht sowohl dem Ska-Bläsern als auch dem New Wave-Bass etwas, dass man eher mit Musikern wie Elvis Costello oder Joe Jackson verbindet – das Ergebnis ist durchaus außergewöhnlich.
Das ist Art-Pop mit guten Soundideen von den Keyboards und Schlagryhtmen her und einfach ganz großartig und Spaß machend: „Seven Views of Jerusalem“. Ich glaub, da hat sich Sting oder Police im Gesamten was von abgeguckt – klingt sowohl nach Songs von der „Ghost in the Machine“ als auch nach Songs von der „Synchronicity“ und ich bin schon wider ganz begeistert von diesem Album.
Tatsächlich scheint Cope sich mit jedem Song weiter vom New Wave-Sounds des Vorgängeralbums zu trennen. Klingt dann bei „Pure Joy“ zwar noch nach XTC und Fun Boys Tree, aber die Synthesizer verschwinden immer mehr, so auch bei dem ebenfalls an die zwei gerade schon genannten Gruppen erinnerndes „Falling Down arround me“.
Mischung aus New Wave und New Romantics: „The Culture Bunker“. Ich mag auch einfach die Stimme von Julien Cope, der schon was hat von all den Indie-Rock-Gruppen der 2000er Jahre.
So was wie die Mischung aus Men at Work und Fischer Z: „Passionate Friend“. Alles gut auf dieser Platte – hätte ich wie das Vorgängeralbum auch schon vierzig Jahre früher entdecken können. Aber vielleicht braucht es für jede Platte auch die richtige Zeit.
Synthesizer-Wiegenlied: „Tiny Children“ - sehr sehr süß. Indie-Rocksong: „Like Leila Khaled said“. Bin schon verzaubert nur von den ersten Klängen von „....and the Fightting takes over“. Und man will gar nicht glauben was für ein äußerst verrückter und mit Drogen experimentierender und im Beziehungsstress lebender Charakter Julien Cope zu der Zeit dieser herausragenden Platten von „The Teardrops Explodes“ war. Aber vielleicht deshalb auch so ein guter Musiker – die Wesensbeschreibung ist ja, wenn man es platt und etwas oberflächlich betrachtet, eher fast Voraussetzung für einen Rockmusiker/in oder Frontman/woman.
Abschluss mit auch dem eher sanfte Psychpop-Stück „The Great Dominons“ und ich muss wohl auch noch die Zeit finden, mich durch die Diskografie von Julien Cope als Solokünstler zu hören. Es gibt immer was zu hören – aber so lange es auch gut ist und Spaß macht......

Sting - ...Nothing like the Sun (1987)
Das Wiederhören der ersten Soloplatte von Sting „The Dream of the Blue Turtles“ hatte mir doch etwas weniger Freude bereitet als ich dachte. Nur wenige Songs konnten mich noch wirklich überzeugen, so dass ich nun auf das Wiederhören dieser Platte relativ gespannt bin. Aber bei Betrachtung der Titelliste wäre ich überrascht, wenn es diesmal nicht mit mir und Sting wieder etwas besser funktionieren würde.
Gleich „The Lazarus Heart“ fängt mich ein – da ist der Fusion-Rock bestehend aus Rock-, Jazz- und Popelementen einfach stark. Und auch die Produktion der Platte klingt einfach immer noch toll. Das sind sehr warme und lebendige Klänge. Da nähert sich der Ex-Polizist der musikalischen Qualität einer „So“ von Peter Gabriel an, ohne diese zu kopieren. Mag auch an dem gemeinsamen Produzenten Hugh Padgahm liegen.
Sehr atmosphärisch: „Be still my Beating Heart“ - von solchen Songs hat ein Dave Matthews glaube ich sehr viel für sich heraus genommen. Die Mischung aus anspruchsvollen Rock, mit Jazz und Soul ist wirklich bei dem Album noch viel besser gelungen als auf Stings Vorgängeralbum – vielleicht musste er erst mit seiner „neuen“ Musik auf Tour gehen, um sich richtig einzugrooven.
Der erste von mindestens zwei Songs für die Ewigkeit: „Englishman in New York“. Unwiderstehlich.
So richtig will „History will teach us Nothing“ bei mir nie funktionieren – und das weil der Refrain des Songs, so wie er da gemacht ist, mich nervt. Dabei hat der Song ansonsten ein paar wirklich gute Ideen. Aber er ist einfach nicht meins.
Dafür sind dann aber „The Dance alone (Gueca Solo)“ und „Fragile“ einfach meisterhafte Stücke, die ich sehr liebe. Sanft, anmutig, mitnehmend.
Dazu im Gengensatz finde ich „We´ll be together“ einfach nur nervend – schon immer und immer noch.
Dafür wieder überraschend gut: „Straight to my Heart“ - Stings Stilmix klappt bei solchen Songs wirklich richtig gut – da mag ich die Worldmusik-Elemente – das Album hat ja neben den Jazz- und Reggaeelementen – einen starken südamerikanischen Touch – bekommen, der aber richtig gut zu den Songs passt.
Sehr jazzig – aber mal ganz gelungen (wenn doch kein echtes Highlight) – weil es nicht ganz so aufdringlich den Hörer direkt anspringt: „Rock Steady“. Lieber mag ich den Jazz etwas melancholischer wie bei „Sister Moon“. Das ist wirklich eine sehr schöne Nummer.
„Little Wings“ von Jimi Hendrix macht sich Sting auch sehr schön zu eigen – gefällt mir auch immer noch sehr gut. Netter Abschluss, die kleine Jazz-Ballade: „The Secret Marriage“.
Album Nummer Zwei kommt bei mir viel besser weg – als sein erstes – ich glaube, bei beiden Alben stören mich die Nummern, wenn er ein auf coolen Jazz-Musiker macht – Songs wie „We´ll be together“ oder „Rock Steady“ mögen live ganz gut funktionieren – auf Platte gepresst sind sie einfach nicht meins. Aber ansonsten sind auf dem Album wirklich sehr gute Stücke zu finden, die ich jetzt wieder gerne öfters höre – ich war ja mal von Mitte der 80er bis Ende der 90er ein ganz großer Sting-Fan. Dann hatten sich aber irgendwie unsere Wege getrennt – aber das muss ja auch nicht für immer sein.
21.08.25
Soft Cell - Non-Stop Erotic Cabaret (1981)
Recht flotte Elektro-Nummer und mehr im New Wave-Bereich als im Pop-Bereich: „Frustration“. Die Nummer macht Laune. Und ich merke gerade, dass ich Visage und Soft Cell ein wenig als ein und die selbe Band verortet hatte und weil mir das erste Visage-Album nicht gefallen hatte, war ich auch von der Aussicht dieses Album zu hören eher abgeschreckt – bei mir sind Visage mit „Fade to Gray“ und Soft Cell mit „Tainted Love“ aber auch als ewige One-Hit-Wonder abgestempelt. Und genau das großartige „Tainted Love“ folgt dann auch. Song für die Ewigkeit – keine Frage. Und am liebsten als lange Version im Mix mit „Where Did our Love go?“.
Und das Album ist dann wohl auch der Beweis – mit einem Drumcomputer, einem Synth-Klavier und einem Bass-Syntheseizer und Gesang kann man ordentlichen Minimal-Pop machen und auch „Seedy Films“, bei dem dann noch ein Blasinstrument den Sound ergänzt, ist eine sehr schöne Nummer. Bin grade vom Album sehr positiv überrascht.
„Youth“ hat sicherlich unzählige Düster-Popper zum Nachahmern gebracht und „Sex Dwarf“ bietet die Vorlage für die Electronic-Body-Music. Damit ist die erste Seite ein richtiger Volltreffer.
„Entertain me“ ist dann doch etwas zu euphorisch geraten – das ist dann doch etwas zu viel Lebensfreude und auch kein guter Song.
„Chips on my Shoulder“ ist auch eher Disco-Pop und auch damit bekommen sie mich nicht richtig. Aber die Nicht-Heteros, Diverse und wir Ihr Schätzchen alle genannt werden wollt, werden es alle abfeiern – und zwar ohne Ende. Let´s Party! Denn als Party-Song funktioniert die Nummer bestens.
Als Synth-Pop mag ich da „Babysitter“ wieder viel mehr, als die zwei Stücke zuvor. „Secret Life“ ist auch nicht ganz meins. Ist einfach von der Soundsauswahl ein wenig “zu-viel“ geraten.
Das Originalalbum endet mit dem süßen „Say Hello, Wave Goodbye“ - klingt fast wie eine OMD-Nummer. Sehr schön.
Richtig gutes frühes Synth-Pop-Album. Ein Wegbereiter noch dazu.


20.08.25
Moderat – Moderat (2009)
Moderat setzt sich zusammen aus dem Musiker Sascha Ring „Apparat“ und dem DJ-Duo Gernot Bronsert/Sebastian Szary „Modeselektor“. Das Projekt existierte schon für einige Zeit ab 2002, trennte sich aber und kam dann wieder zusammen und 2009 kam dann das erste Album heraus.
Treibende Beats, aber mit einen für Dancefloor-Electronic gewissen Anspruch – etwas mehr zu sein, als nur tanztauglich. Anspruchsvolle Elektronik ohne dabei gleich ins „zeitgenössische“ Genre zu gleiten. Also doch eben mehr Musik als Kunst. So beschreibe ich diese Art von Club-Elektronik wie sie Moderat machen und dies eben ausgesprochen gut und mit solcher Art von Musik beginnt das Album mit „A New Arrow“.
Rhythmus im Wirbel – auch was für Elektronica-Fans: „Rusty Nails“ - und hier wird dann auch gesungen. Die Vocals kommen hier von Sascha Ring. Damit ist Moderat auch kein rein instrumentales Projekt. Aber auch „Rusty Nails“ ist die Art von elektronischer Club-Musik wie ich sie sehr mag. Geht auf der Tanzfläche, genauso auch in der Lounge oder einfach per Kopfhörer ins Hirn gedröhnt.
Maschienen-Stampf-Elektronik: „Seamonkey“ - was für Kraftwerk-Fans. Beim Stück „Slow Match“ wird der Sänger Paul St. Hilaire gefeatured. Obwohl ich bei Moderat die elektronischen Klänge sehr liebe – es sind einfach gute Sounds und Rhythmus-Ideen – aber die Art der Gesangspassagen des Songs „Slow Match“ haut mich etwas raus – hätte mir rein instrumental gehalten besser gefallen.
„3 Minutes off“ bieten dann eine Ambient-Pause. Electronica-Feinkonst mit Big Beats eingschmuggelt: „Nasty Silence“. Ganz tolle Rhythmus-Sounds! Mit Delle aka Eased From Seed zusammen spielen Moderat „Sick with it“ und auch dieses Stück mit Gastmusiker fällt bei mir durch - Agro-Elektro-Pop ist nicht so meins.
„Porc #1“ ganz stark mit dem Gitarrensound und „Porc #2“ ist ebenfalls ein guter Elektro/Rock-Hybrid – deshalb funktioniert die Musik von „Moderat“ auch so gut bei vielen Zielgruppen und weil es einfach sehr gute Musik ist. Nur das Ende ist etwas verhunzt – aber auch nur ein wenig.
Vielleicht wirklich eine Hommage an Jean-Michel Jarre und deshalb mit französischen Titel – vielleicht aber auch nur weil es passend erschien: „Les grandes Marches“. Auf jeden Fall ein weiteres elektronische Highlight.
Kurz und etwas düster-melancholisch, dann aber aufhellend gehalten: „Berlin“. Nach langsamen Start – schön treibend: „No. 22“. Ansonsten eher Ambient- als Tanzmusik.
Mit etwas mehr Schlagkraft im Rhythmus: „Out of Sight“. Der Titel ist aber auch nicht sehr schnell geraten, dafür mit der Stimme von Sascha Ring versehen. Dessen sanfter Gesang passt ja ausgesprochen gut zur Musik von Moderat.
Ich habe es auch schon jeweils mit einer Platte von „Apparat“ und „Modeselektor“ versucht – da ist das Hörerlebnis aber leider nicht so stark gewesen wie bei dieser Teamarbeit – als Trio sind „Moderat“ einfach ein sehr gutes Elektro-Projekt irgendwo zwischen moderner Clubmusik und Nils Frahm.

16.08.25
The Notwist – 12 (1995)
Das erste Stück „Torture Day“ lässt insofern aufhorchen, weil die Band da ihren zukünftigen Stil dann gefunden hat. Vom Hardrock-Alternative-Rock-Gemisch entfernt, ist das ein Song, der mehr dem Indie-Rock zuzuschreiben ist, aber noch nur leicht mit kleineren elektronischen Effekten versetzt. Leider habe ich auch dieses Album viel zu lange nicht gehört – bin bei „The Notwist“ immer irgendwie bei der „Neon Golden“ und den Alben danach hängen geblieben – deshalb ist es auch gut, dass ich jetzt mal die ersten Platten wieder durchhöre – weil da verbergen sich ja eine Menge guter Songs, die ich bei Liveauftritten der Band immer abfeiere.
„My Phrasebook“ ist aber noch mal ein Stück Hartrock im Stil der ersten beiden Alben zu hören – also haben The Notwist den Sound doch noch nicht ganz abgelegt.
Danach folgt ein echtes Bandhighlight – sehr geliebt von mir – das Indierockstück „Puzzle“ - auch wenn sie mit dem Stück „live“ einmal mein Gehör nachhaltig geschädigt haben. Aber jetzt weiß ich wenigstens wieder den Titel von dem eigentlich gar nicht so lauten „Gehörkiller“. Und da zeigt sich auch, dass The Notwist keine Band ist, die davor zurückschreckt, ihr Frühwerk auch live noch zu spielen – als Trio gehen sie ja auch mit den „harten Sachen“ wieder auf Tour.
Und das ist auch gut so – denn Indie-Alternative-Rock können sie ja genauso gut – wie ihre multiinstrumentalen oder elektronischen Stücke. Und guter Alternative-Rock ist „M“ - da merkt man vielleicht ein wenig, dass die Platte auch zur Hochzeit des „Crossover-Genre“ herausgekommen ist. Zum Glück hat die Band aber ihren ganz eigenen Crossover-Mix gefunden, der weit weg ist von dem meist doch eher „Rap/Funk/Rock-Gemisch“ - den ich heute nicht mehr so toll finde, wie damals, als er aktuell war.
„Noah“ hat zu Anfang was von den Einstürzenden Neubauten – verwandelt sich dann aber in ein sanft melancholisches Post-Indie-Rock-Stück.
Indierock: „My Faults“. Natürlich durch den Gesang von Markus Acher – aber auch einfach durch ihren Sound – sind The Notwist mit solchen Songs einfach total unverwechselbar und man erkennt sie sofort wieder.
Sehr guter Song auch „The String“ - obwohl da der Gesang etwas zu sehr in den Hintergrund gefallen ist – aber von den Instrumenten her, hat der Song einen sehr guten Drive und nimmt einen mit und lässt einen auch nicht mehr los.
Es folgt ein kurzes Stück „Instr“ - bei dem The Notwist nochmal kurz den Heavy Metal und dem Schlagzeug huldigen.
Abschluss mit Titelstück „12“ - welches aber mit über sechs Minuten Länge auch kein kurzer Abschluss ist. Und das ist auch eine ganz feine Indie-Rock-Nummer.
Das Album ist auch das erste bei dem Martin Gretschmann (Console, Acid Pauli) für ein paar elektronische Töne sorgt – noch ist er aber nur Gast und noch kein festes Bandmitglied. Sein Wirken ist dann auch auf der Bonus-CD der limitierten Ausgabe zu hören – auf dem es einen Remix von „Torture Day“ unter dem Titel „Loup“ gibt, bei dem Cindy Dall als Sängerin zu hören ist. Das hört sich dann an wie ein Dub/TripHop/IndieRock-Gemisch – ganz ambitioniert – aber noch nicht ganz so gelungen, wie es später der Mix von Console/The Notwist ist. Und ich glaube, dass grade der gesäuselte Gesang ein Element ist – das für mich da nicht so ganz reinpassen will – außerdem passiert jetzt bei dem Remix nicht sehr viel – so dass er mir beim Hören auch als zu lang erscheint.
Als zweites enthält die Bonus-CD noch eine weitere Fassung von „12“ - die sich wenn überhaupt nur sehr wenig von der Originalfassung unterscheidet.

03.08.25
This is the Kit – Careful of your Keepers (2023)
Kate Stables ließ ihr sechstes Bandalbum von Gruff Rhys (Super Fury Animals) produzieren. Ich kenne bisher nur ihr Abum „Moonshine Freeze“, von dem ich aber sehr beeindruckt war, was dann zum Kauf dieses Albums geführt hat.
Direkt „Goodbye Bite“ beweist die Könnerschaft von This is the Kit der Folkmusik eine besondere Note zu verleihen – daraus ein wenig mehr zu machen und dabei trotzdem authentisch zu klingen – wie der schon anfänglich großartig gespielte Song sich dann immer mehr im Sound verbreitert, ist schon ganz großes Kino und dies auf diese sehr zärtliche Art und Weise. Wieder Musik die mir durch Mark und Bein geht – da kann es ja gar nicht mehr schlechter werden und ich bin jetzt noch mehr Fan.
Und auch „Inside Outside“ ist unvorstellbar gut gespielt – ich bin überwältigt von der Musik – das ist so gut, da fehlt mir das Vokabular für.
Vergleiche gibt es im Ansatz mit Feist, Mina Tindle, Sophie Auster – aber auf dem Niveau, auf dem sich auch der nächste Song „Take you to sleep“ befindet – sowas höre ich wirklich selten – weil sonst würde mich jedes Album so umhauen und das im Bereich der Folkmusik – aber es überragt einfach vieles, der Einsatz der Bläser ist so riesig – dass müsst ihr selber hören.
Da ist der im Ansatz einfache Song „More Change“ auch trotzdem keine Ausnahme, weil auch dieser einfach mit soviel Finesse gespielt und gesungen wird. Nur großer Beifall. Ich hab „This is the Kit“ mal im Vorprogramm von „The National“ gesehen – deshalb mir damals auch „Moonshine Freeze“ gekauft, aber dass Album stellt das bisher gekannte nochmal im Schatten und so wird der nächste Auftritt der Band, falls sie mal wieder in der Nähe kommen, ein Pflichttermin.
Alternative-Indie-Folk: „This is when the Sky gets big“. Schönheit in Musik gepackt: „Scabby Head and Legs“. Titelstück „Careful of your Keepers“ kann auch nur begeistern – das ist so gut und zeigt wie unkompliziert und anspruchsvolle Musik wieder sein kann. Diese großartig mit Sound gefüllten Stücke ragen auf überraschend einfach klingende Art über vieles hinaus und verdienen dieses vielleicht übereifrig geschriebene Lob mit jedem Wort.
Weil alles was ich auf dieser CD höre einfach nur begeistert. Und einen Folksong wie „Doomed or more Doomed“ so formvollendet hinzubekommen, ist total faszinierend, weil es einfach so sehr über vieles was an Musik da draußen ist, übertrumpft. Und Ihr wisst, ich höre viel Musik.
Nur zum Schwelgen: „Stuck in a Room“. Sanfter Rausschmeißer: „Dibs“.
Von Vorne bis Hinten überwältigt mich diese Platte. Kaum zu glauben, wie mich diese Musik begeistert – Meisterstück an dem sich die Folkmusik von jetzt an messen lassen muss – wird schwer zu toppen sein.
02.08.25
Tolyqyn – Silver Seed (2023)
Die Band um Bratsche-als-Bass-Spieler Roland Satterwhite eröffnet das neue Album mit einem tollen progressiven Popstück: „Bella Coola“ und begeistert mich. Da erkennt man den Sound der Band vom ersten Liveauftritt, den man erlebt hat, und dem Debütalbum wieder – aber der Song bietet aber auch gehobenen ProgRockQualität. Sehr stark. Und schon hat mich die Band wieder für sich begeistert.
Den verspielten Sound, abseits von Prog, den ich eher im Jazzbereich ansiedeln würde, hat die Platte aber auch noch drauf: „Puppetman“. Da hört man gleich wieder warum man diese Rhythmen-Sektion des Trios so mag und warum man die Band so schätzt. Weil, dass ist Musik, die einen mitnimmt, auch im Bereich Weltmusik funktioniert und mehr die Ohren öffnet, als es viele andere Bands und Musiker/innen machen. Tolyqyn ist tollkühn in dem was sie bieten und werden dafür von mir nur mit Lob belohnt.
Denn solch Musik bekomme ich auch viel zu wenig zu hören. Wie großartig und sicherlich nicht unbedacht mit afrikanisch klingenden Sounds ausgefüllt: „Goldmine“. Ganz stark auch dies.
Das Titelstück „Silver Seed“ in zwei Teilen gepackt – verbindet das zuvor Gehörte. Was Bands wie Bukahara, doch meist eher im Partymodus bieten, bietet Tolyqyn mit den gleichen schönen an Reggae erinnernden Rhythmen, aber eben mehr mit starken Einflüssen von Rock und Jazz und bei „Silver Seed“ hört man ihre ganze Meisterschaft darin.
„Given the Chance“ - sobald der Song seine Grundmelodie – oder den großartigen Rhythmus findet – macht das einfach so viel Spaß zu hören – ich liebe auch zugeben einfach Songs bei denen sich Schlagzeug und Bass nicht im Hintergrund verstecken müssen, sondern im Vordergrund eingesetzt werden. Aber auch die Arbeit von Gitarrist Tai Arditi sei gelobt und die beiden am Schlagwerk und Percussion sind die Musiker Rafat Mohamad & Peter Somos.
Mal etwas sanfter:“Tell me“. „Inside your Head“ hat dann wieder etwas mehr Schwung. Und zum Schluss feiern wir noch mit der Band den „Celebration Day“. Der Song ist aber trotz des Titels kein Partystück, sondern mehr ein anspruchsvoller Rocksong.
Mit Können und eben damit, dass sie nicht klingen wie jede andere Band, haben sich „Tolyqyn“ bei mir sehr schnell einen festen Platz unter meinen zugegeben vielen Musikfavoriten gesichert und ich hoffe auch mal wieder drauf, sie mal wieder abseits des Berliner Umfelds mal live zu erleben, denn dass ist wirklich ein Ereignis gewesen, dass ich gerne wiederholen möchte.

30.07.25
Hurray for the Riff Raff – Hurray for the Riff Raff (2011)
Was „Hurray for the Riff Raff“, die Band um Frontfrau Alynda Segarr machen, wollte ich schon lange mal wissen und hören. Jetzt mache ich das.
Musikalisch könnte „Meet me in the Morning“ der Unterbau für einen Tom Waits Song sein. Klavier, verträumt, leicht verzerrter Klang. Ist das nur ein Intro?
Lagerfeuer Folk, mit Banjo und Akkordeon, der dann etwas schwungvoller wird und dabei sehr nett klingt – wegen der Ehrlichkeit und der Authentizität: „Is that you?“ - schöne Alternativ Folk Nummer. Wenn das Album so bleibt, dann werde ich das sehr mögen und müsste mir dann doch auch die Platte kaufen (höre es gerade bei einem Musikstreamingdienst).
Und es scheint so zu bleiben. Alternativ-Roots-Country-Folk: „Slow Walk“. Das mag ich sehr – auch wenn es HiFi-Puristen natürlich zu Low-Fi klingen könnte. Aber das ist so schön! Da höre man nur das sanfte „Daniella“.
Wer seinen Roots-Folk unplugged, ehrlich und ohne Schnickschnack hören möchte, der möchte Songs wie „Take Me“ hören. Musik kann so schön sein und so simpel und trotzdem ohne Ende begeistern.
Und die Band schafft es sogar mit der rudimentären Instrumentierung, die sie nutzt, sehr schönen Folk-Rock zu machen – denn „Little Things“ ist noch intensiver als das zuvor gespielte.
Bei der Musik klingt das Banjo auch überhaupt nicht kitschig, sondern als wichtiger Teil – als Element eines Songs, egal ob ruhig wie bei „I know you“ oder bei den schnelleren Stücken. Gleiches gilt für das Akkordeon (Walter McClememts) und Schlagzeug (Yosi Perlstein). Aber manchmal braucht es auch nur ein oder zwei Instrumente, wie bei diesem und dem folgenden „Too Much of a good Thing“. Mich erinnert es an das sehr folkige und ruhige letzte Album von Leslie Feist und an die CD von Schauspielerin Julie Delpy (ja, die hat auch Musik gemacht). Bei „Too Much of a good Thing“ ist dann doch noch mal die ganze Band eingesetzt und sogar Trompete wird gespielt – natürlich auch dass sehr schön. Und was ist das ein herrlicher Song – erinnert dann sogar noch mehr an Feist.
Der schöne Folk setzt sich auch mit „Junebug Walz“ weiter fort. Und geht so weiter bis zum Schluss mit „Sali´s Song“ und selbst „Young Blood Blues“ am Ende der Platte ist schönster Folk und kein Blues.
Tolle Entdeckung. Für meine Begeisterung für akustischen und handgemachten Folk- und Rootsmusik ist das genau dass Richtige.Schön das die Band um Alynda Segarr noch viel mehr gemacht hat. Aber diese Perle von Folkalbum könnten sie gerne wieder neu auflegen, ist nämlich nicht so leicht zu bekommen. Nur im Gebrauchthandel und dass auch nicht so kostengünstig (hab aber trotzdem sofort eine bestellt)


27.07.25
Jim Capaldi – Oh how wie danced (1972)
Auf Jim Capaldi bin ich nicht wegen seiner Zugehörigkeit zur Band „Traffic“ gekommen – obwohl ich ja Steve Winwood sehr mag und so auch auf ihm hätte kommen können. Auf Jim Capaldi bin ich durch mein Hören von vierundzwanzig Singles im Dezember gekommen – dazu nehme ich als eine Art Single-Adventskalender blind vierundzwanzig Singles aus einer Bananenkiste (die ich mal gekauft hab) und höre dann Tag für Tag davon eine – das sind dann meine Adventssingles und vor zwei Jahren war da Jim Capaldi mit zwei Singles dabei und so bin ich auf ihm gestoßen und es wird mal Zeit sich mit ihm näher zu befassen.
Während „Traffic“ wegen gesundheitlicher Probleme von Steve Winwood pausierte, nahm Capaldi dieses erste Soloalbum auf – aber ein Stück „Open your Heart“ stammte aus der letzten Studiosesson von Traffic. Zusammen mit Chris Blackwell hat Capaldi das Album produziert, dabei haben zahlreiche Gastmusiker und die Bandkollegen von Traffic geholfen.
Sanfte Rock-Ballade: „Eve“- ganz ordentlicher Einstand, auch bisschen bluesig und soulig und geht nach hinten raus schön ab. Mit den sanftem Rock geht es auch mit „Big Thirst“ weiter – könnte eine Joe Cocker-Nummer sein oder hätte dieser auch wunderbar singen können – auch gut. Das ist jetzt alles typischer 70er Jahre Rock – an dem Sound der amerikanischen Westküste orientiert und vielleicht war deshalb Jim Capaldi auch mit seiner Platte in den USA erfolgreicher als in seiner englischen Heimat.
Country-Blues-Rock: „Love is all you can try“. Blues-Rock im Traffic-Style: “Last Day of Dawn“. Ich finde ja die Musik von Bands und deren Musiker mit und in denen Steve Winwood und Eric Clapton mitgespielt haben, klingt immer ähnlich – dass ist Musik, die es heute kaum noch schafft, sich in den Vordergrund der Popmusik mit zu spielen, aber von den Fans des Blues-Rock-Genres immer noch gefeiert werde, gerade dann wenn die alten Helden wieder auf Tour gehen – aber auch die junge Generation von Blues-Musikern kann durch die Erfolge der Stars des Genres immer noch mindestens auf der Bühne stehend punkten.
Die nächste gute Rock-Ballade folgt: „Don´t be a Hero“. Die Songs haben alle ihre Qualität, auch der sanfte: „Open your Heart“ - der mal „nur“ sanfter Rock ist und bei dem der Blues mal fast fehlt. Wie bei J. J. Cale zeichnet sich die Musik von Jim Capaldi durch eine gewisse Unaufdinglichkeit aus.
Die sanften Stücke behalten auf dem Album mit „How much can a Man really take“ die Oberhand, aber der Song bekommt dann doch einen angenehmen Rockschwung verpasst. Letztes Stück: „Anniversary Song“ - der fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil er sich wie eine Liveeinspielung anhört und glaub ich auch eine ist und damit ganz anders wie der Rest klingt.
Gutes Laid-Back-Rock-Blues-Album. Dem vielleicht der eine richtige Hit fehlt – aber Songs wie „Don´t be a Hero“ und „Big Thirst“ sind schon wirklich beachtlich. Wer bisher also auch nur Eric Clapton und Steve Windwood gehört hat – sollte vielleicht auch mal bei Jim Capaldi vorbeihören.
26.07.25
Primal Scream – Vanishing Point (1997)
Schottenrock in der Zeit vom Trainspotting-Hype. Das fünfte Album der schottischen Band wurde in drei Monaten aufgenommen und gemixt. Dazu hatte die Band eine transportfähige Studioeinrichtung genutzt.
„Burning Wheel“ fängt mit einer Geräuschkulisse an, dann kommt langsam eine erkennbare Melodie hinzu, die Instrumente werden gespielt und der Britrock wird noch relativ gemäßigt gespielt. Rock mit leichtem Rausch-Gefühl. Zum Band-LineUp kamen Bassist Gary Mounfield, der vorher bei den Stone Roses war und Schlagzeuger Paul Mulraney hinzu.
Sanfter Lounge-Garagen Rock bietet „Get Duffy“ und da fängt das Album dann an bei mir zu funktionieren. Produziert wurde das Album von Brendon Lynch und Andrew Weathall. Der Mix aus Rock und Elektronik ist sehr gelungen. „Kowalski“ rockt wieder mehr – klingt vom Sound ein wenig nach dem Radiohead-Alben ab der „OK Computer“. Und bin verwundert, dass die Band es lang ohne Vocals schafft zu arbeiten, dass Andrew Sherwood, den ich erst vor kurzen durch das erste Album der „New Age Steppers“ entdeckt hatte, von dem Album begeistert war und es neu gemixt hat, kann ich jetzt verstehen – da es jetzt schon sehr nach seinem Sound klingt. Dance/Dub/Rock.
Wunderschön sanfte Rocknummer: „Star“. „If they move kill ´em“ ist dagegen wieder mehr was für die Tanzfläche – was ist das jetzt schon für ein tolles Album und wieder Asche auf mein Haupt für die späte Entdeckung.
Ambient-Rock: „Out of the Void“. Bei der Musik macht es wirklich der Genre-Mix aus. Da ich den alten Crossover-Mix aus Rock und Rap mittlerweile etwas altbacken finde und mich dafür nicht mehr so begeistern kann, wie in der Zeit wo das noch Trend war – ich aber bis heute den „Crossover“ Begriff damit verbinde und deshalb fällt es schwer diesen Begriff auch für andere Genre-Mixe zu nutzen.
Der Dub-Anteil wird dann bei „Stuka“ noch größer, aber auf sehr melodiöse Art und Weise eingesetzt. Ich liebe die ganzen Sounds, die bei dem Album eingesetzt werden.
Rock ohne Firlefanz, einfach mal mit „normalen“ Rockeinsatz: „Medication“. Aber da ich mich an den Firlefanz gewöhnt hab und den ja gut fand, nehme ich den Song jetzt mal einfach so mit – klingt aber wie oft schon ähnlich gehört. Bei „Motorhead“ wird dann noch etwas härter gerockt. Sänger Bobbi Gillespie beschreibt das Album, als alternativen Soundtrack zum Film mit gleichen Namen wie das Album. So klingt dann wohl sein Meinung nach PsychrockHippieMusik in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. „Motorhead“ hat zwar viel Schwung, fällt bei mir aber irgendwie wegen der Hau-Drauf-Wirkung des Songs durch.
Bei „Trainspotting“ weiß man wohl auf was sich der Titel bezieht. Der Autor der Roman-Vorlage Irvine Welsh schrieb sogar das Drehbuch zum Videoclip der Songs „Kowalski“. Hier haben wir dann wirklich Hippie-Stimmung und Beats sehr gut vereint.
„Long Life“ schließt das Album noch mal mit Ambient-Rock ab (es gibt aber mittlerweile eine Expanded-Fassung mit mehr Songs.


11.07.25
Die Braut haut ins Auge – Was nehm ich mit? (1995)
Die Band, gegründet von Bernadette Hengst, Peta Devlin, Katja Böhm und Babara Haß (die aber schon bei der Produktion zu dieser zweiten Platte nicht mehr dabei war), waren halt eine Band, die es verstanden, schlauen, frechen, guten IndiePop zu machen, bevor es eben fünf Jahre später mit dem deutschsprachigen Pop mit „Wir sind Helden“ und anderen aufwärts ging. Wegbereiterinnen waren sie also und bedenkt man, dass die Band erst Schwierigkeiten hatte, ein Label zu finden – weiß man, wie Labelbosse auf eine reine Frauenband mit deutschsprachigen Texten noch bis Mitte der 90er Jahre reagiert haben. Ich liebe die Band, die meine Schwester für mich entdeckt hatte, vor allem wegen Lieder wie „Provisorisch“, „ist sie ein Magnet?“ und „Mein Platz“ - alles Songs, die ich schon beim ersten Hören sehr gemocht hatte und jetzt höre ich sie nach zugegeben viel zu langer Zeit endlich mal wieder – das wird sicherlich sehr schön werden. Und da frage ich mich – wie verschwinden Platten im Regal, obwohl man die Songs darauf so mag und werden über Jahre hinweg nicht mehr gehört – ein unbeantwortbares Rätsel – oder liegt es daran, dass es einfach zu viel Musik gibt – kann doch nicht sein, oder? Zu wenig Zeit um 1500 Platten gleichzeitig gern zu haben, kommt wohl noch dazu – ein Jammer....Unsterblichkeit doch gewünscht und aus dem einem richtigen Grund....
Der Pop von „Die Braut haut ins Auge“ zeichnet sich durch Stilvielfalt aus – so hat „Tandemsprung“ was von einer Surfrock-Nummer aus den 60er mit etwas Punkrock dabei. Ziemlich coole Mischung und gut gespielt dazu. Wer heute Zutage Cari Cari mag – müsste dass sogar auch mögen.
Der tolle PopRock der Band kommt dann bei „Greenwich Village“ zu Tage. Locker, mit Schwung, Rhythmus und ne Menge Spaß. So lieb ich die Band.
Und es folgt mein Lieblingssong der Band, den Spüre ich direkt wieder bis unter der Schädeldecke – muss ein Song für die Ewigkeit sein: „Provisorisch“. Super. Schön. Toll.
Der New Wave-Sound bei „Ist sie ein Magnet?“ auch einfach gut. Oh, verdammt – warum habe ich dass solange nicht gehört. Vielleicht um es jetzt wieder so verdammt richtig gut zu finden. Liebe es. Und ich hätte zum „Lieblingsplatte-Konzert“ nach Düsseldorf letztes Jahr gehen sollen. Verdammt.
Da macht mir jetzt aber auch jeder Song sehr viel Freude. Weil auch jeder Song eine eigene Note hat – so auch: „Was nehm ich mit (wenn es Krieg gibt)“. Ganz tolle Pop-Rock-Nummer und das mit deutschen Text.
Ich bin ja Bernadette Hengst auch als Solokünstlerin weiter gefolgt – aber dass hier macht noch einfach mehr Spaß – weil es doch viel rockiger ist und so gut funktioniert.
Und ein weiterer von vielen Knallern: „Nichts ist für immer“. Toll – mein Geist schlägt in meinem Körper gerade Purzelbäume. Bin geflasht.
Mal Downtempo: „Wenn es dann vorbei ist“. Pop-Punkrock in english: „Stop talking“ (auch gekonnt).
Und dann hat das Album mal zum Glück auch so viele Lieder – und es hört nicht auf gut zu bleiben: „Blaetter und Menschen“. Da passt aber auch alles immer zusammen, das ist gut von der Musik, gut produziert, mit guten Texten und macht einfach ganz viel Spaß beim Hören. Da kann ich ja nur loben, loben, loben.
Schöner Pop-Rock: „Mein Platz“. Und alles so mit Hirn gespielt – da kommt nichts doof oder dumm daher – da stimmt einfach ganz ganz viel. Da finde ich bisher nichts was nicht gut ist. Und das Album bleibt unterhaltsam und abwechslungsreich. „Liebe und Revolution“ ist fast schon ein Blues. „The say“ ist dann sogar ein kleiner Countrysong (und vielleicht dann doch ein kleiner Durchhänger). Darauf folgt dann aber wieder ein großartiger Song: „Mondtag“ (Titel ist schon allein gut!).
Sanft: „Gute Nacht“. Epilog: „Das war mein Leben“.
Tolle Platte – die liebe ich! (wieder und jetzt für immer).
09.07.25
Peter Murphy – Wild Birds 1985 - 1995 (2000)
Da ich „Cuts You Up“ immer mochte und mich so langsam auch durch die „Bauhaus“ Platten höre und diese gemocht werden – war es an der Zeit sich einen größeren Überblick über das weitere Solo Werk von Peter Murphy zu verschaffen. Dieses BestOff besteht aus Material von der ersten Hälfte der Solowerke von Peter Murphy – weil er seit 2001 wieder mehr aktiv ist und mit „Silver Shade“ dieses Jahr (2025), nach zehnjähriger Pause das elfte Album folgte. Diese Compilation enthält Songs der ersten fünf Alben.
Zu „Cuts you up“ habe ich unzählige Male getanzt – wer in den frühen 90ern im Music Circus Ruhr Donnerstags anwesend war, der hat mich zu dem Song Woche für Woche tanzen sehen. So ein schöner Indie-Pop-Song. Song für die Ewigkeit und stammt vom Album „Deep“ (1989). „Subway“ stammt vom Album „Cascade“ (1995) und ist eine gut gemachte melancholische Düsterballade, die aber auch nach langsamen Anfang etwas tanzbarer wird.
„The Scarlet Thing in you“ ist vom gleichen Album und da entdecke ich ja fast eine ganz neue Seite an Peter Murphy, weil er da einen schönen fast akustischen PopRock-Song spielt und der ist richtig gut. Den Stil hatte er aber auch schon früher drauf, wie „Indigo Eyes“ beweist – Album „Love Hysteria“ (1988). Von 1992 (Album „Holy Smoke“) und da klingt es bei den ersten Klängen fast wie bei einem alter David Sylvian Song: „Keep me from Harm“ - und der Song hat wirklich den Charme eines „Japan“ Songs. New Romantic in den 90ern. „Final Solution“ hat mal richtig Power – und da macht er ein wenig auf Iggy Pop/Lou Reed“ (vom Album „Should the World fail to fall apart“ von 1986 und damit das bisher älteste Stück der Songsammlung).
Stilvielfalt macht das BestOff schön abwechslungsreich. Peter Murphy hat wirklich viele Spielarten der Rockmusik drauf – Billy Idol-Fans könnten „Deep Ocean fast Sea“ mögen („Deep“, 1989). Ballade, sehr schön: „Strange Kind of Love“ („Deep“, 1989).
Die langsameren Nummern haben aber auch alle was, so ist auch „Hit Song“ ganz ganz fein – aber fast schon arg kitschig („Holy Smoke“, 1992).
Anspruchsvoller ist da „Huuvola“ („Cascade“, 1995) - Atmosphärisch – Mischung aus David Sylvian und Peter Gabriel.
Art-Pop: „All Night Long“ („Love Hysteria“, 1988). Das hat alles was – klingt zwar vieles wie schon oft von anderen auch gehört – aber da er das „auch“ gut macht – ist das nicht schlimm und ich glaube, ich muss mir da noch die Alben dann mal komplett anhören (es gibt zu viel gute Musik und es wird immer wieder (fast jeden Tag gefühlt) was entdeckt, was man noch hören muss – stöhn – aber es gibt Schlimmeres auf der Welt). So ist auch „Dragnet Drag“ ein feiner ruhiger Indie-Rock-Song mit gewissem Anspruch (ebenfalls „Love Hysteria“).
So ein richtiger feiner weiterer Hit – wieder im soften Rockstyle von „The Scarlet Thing in you“ ist „I´ll fall with your Knife“ („Cascade“, 1995)
Noch ein weiter New Romantic-Song „The sweetest Drop“ (Holy Smoke, 1992). Art-Prog-Düster-Rock: „Roll Call“ („Deep“, 1989). Zum Schluss: „Jemal (Version Two)“ ist auf dieser Songsammlung zum ersten mal veröffentlicht worden – nochmal Art-Rock mit ganz viel Anspruch.
Beeindruckend – was Peter Murphy da innerhalb von 10 Jahren alles an Platten gemacht hat – davon werde ich nach diesen Appetithäppchen wie geschrieben mal mehr von anhören müssen – ist auch schon bestellt. Hat mir dann wohl sehr gut gefallen...


03.07.25
Matthew Tavares and Leland Whitty – Visions (2020)
Die beiden Kanadier gehören zur HipHopJazz-Formation „BadBadNotGood“. Whitty spielt Alt-Saxophon und Tavares das Piano und bei einigen Stücken der Platte erhalten sie Unterstützung durch Julian Anderson-Bowes am Bass und Mathew Chalmers an den Drums. So auch beim ersten Stück „Through the Lookingglas“, welches ich als ein sehr schönes Stück klassischen Jazz empfinde, aber mit dem neuen Schwung und Sound einer neuen Generation von Musikern, wie ich ihm auch von Alabaster Deplume ja sehr zu schätzen weiß. Dieser erste Song ist eine großartig Soundwand, bestehend aus eben vier gut gespielten Instrumenten. Dabei aber nicht einschmeichelnd, sondern sich auch frei ausbreitend – aber mit der Intensität eines guten Songs.
Auf klassischen Jazzpfaden – ist da das zweite Stück „Woah“ unterwegs – ein freigespieltes Duell zwischen Klavier und Saxophon. Doch nach wilder Unbeherrschtheit kommt es zum Stillstand im Duell, das Klavier spielt leisere Töne und später steigt das Saxophon mit zarteren Klängen wieder mit ein. Das gefällt mir dann viel besser als der wilde Anfang – wildes Improvisieren ist beim Jazz nicht meins – die Noten dürfen ruhig geordnet fließen – ich brauche Melodien, oder wenigstens einen etwas gleichbleibenden Rhythmus, um mit Musik klar zu kommen.
Auf Stilvielfalt wird von den beiden Musikern gesetzt, denn „Blue“ hat so gar nichts wildes und ist ein sehr gemächliches und ruhiges Stück – zu den Instrumenten gesellt sich, wie auch schon beim ersten Stück etwas Gesang hinzu – aber nur in Form eines verträumten Chors (also ohne dass erkennbare Wörter gesungen würden). Das Stück bleibt aber nicht auf Dauer so ganz gemächlich wie zu Anfang, sondern gewinnt an Intensität und auch an Vielfältigkeit im Verlauf hinzu.
Besser gefällt mir aber dann das folgende Stück „Symbols of Transformation, Part 1“ - weil das wieder klarere Melodien und schöne Passagen bietet. Sehr guter Song. Danach folgt mit elf Minuten Länge das Stück „Visions of You“ - fängt als ruhige Jazzballade an – da ist gut zu hören, dass Leland Whitty nicht nur Saxophon sondern auch die Flute gut beherrscht. Der Song wechselt in der Intensität schön hin und her, schafft eine Traumatmosphäre ohne dabei zu verträumt zu wirken. Und bietet über die lange Lauflänge auch einiges an Abwechslung. Das Stück bekommt auch mit zunehmender Länge einen Bossanova-Charme verpasst.
Sanftes Klavierspiel eröffnet „Eyes“ und dabei bleibt es bei dem kurzen Stück auch. Sehr gut finde ich das Stück „Awakenings“ von seiner Grundmelodie her, die vom Saxophon und dem Schlagzeug dann abwechslungsreich überspielt wird.
Das Saxophon bestimmt von Anfang an den Ton bei „Heat of the Moon“ - aber das recht entspannt und ruhig und ohne wie so oft bei der Platte „frei“ gelassen zu werden. Schöne Downtempo-Nummer. Ich bin ja bei Jazz immer auf der Seite der Harmonien – glänzendes Instrumentenspiel in Schönheit verwandelt. Und das Prinzip von dem Wohlklang der Musik erfüllt auch „Black Magic“.
„Symbols of Transformations“ bekommt noch einen Part 2 und der ist wieder eher was für Fans des freieren Jazz – aber recht klassisch gespielt und man merkt da auch wieder die Könnerschaft an den Instrumenten und im weiteren Verlauf bekommt der Song noch etwas mehr an Atmosphäre verpasst – kurz darauf ist er aber auch schon zu Ende.
Letztes Stück: „Living Water Assembly“ wieder sehr ruhig angelegt. Saxophon und Klavier werden recht zärtlich und zurückhaltend gespielt und es entsteht eine eher melancholische Stimmung. Zur Mitte hin wird es dann richtig schwermütig und dann doch wieder etwas laut am Ende – aber alles in gemäßigter Art.
Ich hab das Album nicht in einem Rutsch durchgehört – mehrmals unterbrochen – damit ich nicht zu überfordert werde – da ich ja den Jazz lieber in harmonischer Art und Weise mag, finde ich oft, wenn es ins wildere Improvisieren und freien Spiel der Instrumente geht, es eher anstrengen – aber ich schätze schon immer wie gut die Jazzer ihre Instrumente spielen können und das hört man eben auch. Aber es sind auch immer wirklich genug Teile in der Musik dieser Platte, die mir gefallen und so hatte ich auch einiges aus dem Album für mich herausnehmen können. Aber klassischer Jazz, gerade wenn Saxophon und Trompete wild frei gelassen gespielt werden, dass ist nicht immer so meins. Halt wie es ein Albaster Deplume macht – so finde ich es von den aktuelleren Jazzern wirklich famos gemacht – aber die vier Musiker, die auf diesem Album zu hören sind, haben durchaus auch ihre Qualität.

01.07.25
The New Age Stepper – The New Age Steppers (1981)
The New Age Steppers waren ein Dub/Reggae-Projekt um den Produzenten Adrian Sherwood herum. Dub-Reggae ist jetzt nicht wirklich eine meiner bevorzugten Musikgenre aber um die Entwicklung der elektronischen Clubmusik und Genre wie TripHop besser verstehen zu können ist das Genre nicht unbedeutend oder geradezu wichtig. Die Dubszene ist ja auch eng mit der DJ-Kultur verbunden.
Entspannter Reggae mit Dub-Effekten bietet der erste Song „Fade Away“ - ist aber etwas düsterer gehalten als es bei reinen Reggae-Acts normal wäre. Da spielt der Einfluss von PostPunk-Musikern wohl eine entscheidene Rolle, die Adrian Sherwood bei der Produktion des Albums geholfen haben. Das hört man dann noch verstärkter bei „Radial Drill“. Und das macht das Album dann schon wieder sehr interessant für mich – klingt dann schon fast wie „Public Image Ltd“ in Instrumental.
Bei „State Assemby“ finde ich es sehr schön, wie sich der Reggae so langsam ausbreitet und der Song sich mit seinen Sounds weiter entwickelt. So gefällt mir dann Dub-Reggae doch mal richtig gut. Schon fast experimentell gehalten: „Crazy Dreams and High Ideals“.
Und es wird noch besser: „Abderhamane´s Demise“ ist vom Rhythmus schon ganz was feines und außergewöhnliches – für 1981 sind das ganz großartige Sounds, die da auf dem Hörer losgelassen werden. Kleiner Diamant.
Und das bleibt von der Qualität einfach ganz super – wie ich es nie vorher erwartet habe – was die Musiker da machen, ragt schon aus dem Dub-Reggae Feld sehr heraus und lässt sich wirklich besser als Dub-Post-Punk bezeichnen. Wer Post Punk mag sollte da auf jeden Fall mal reinhören: „Animal Spaße“.
Und nach dem ersten Stück dachte ich nur, dass das jetzt ein ganzes Album voller solider Dub-Reggae-Stücke wird – ist aber viel mehr als dass. Wundertüte.Was die Schlagwerk- und Rhythmus-Geräte-Sounds angeht ist das wirklich ein Riesenalbum.
Dann wechselt es doch mal wieder zum fast normalen Dub-Reggae. Das Album brauchte ja vielleicht auch Single-Material und als solches funktioniert „Love Forever“ sicherlich gut.
Das Original-Album endete mit „Private Army“ - welcher auch einfach Hammer ist. Weil es einfach anders ist. Weil es den Post Punk, den ich zur Zeit sehr liebe was neues gibt – und der elektronischen und dem Indierock zeigt, welche Grenzen es in der Zukunft noch zu sprengen gilt. Ganz groß.
Die Bonus-Tracks: „Izalize“ - von Langeweile ist da auch keine Spur – weil es einfach so gut im Mix ist und das hätte ich bei Dub-Reggae wirklich nicht erwartet – da dachte ich schon, dass ich da vielleicht auch mal eine Pause beim Hören einlegen müsste, damit mir nicht jeder Song zu gleich daherkäme – aber voll gefehlt. Wie gesagt – sehr gute Entdeckung und bei „Izalize“ geht es sogar schon leicht in den Jazzbereich.
Da merkt man auch wieder was im Mix- und Produktionsbereich schon alles an Effekten möglich war – und dass ist sicher auch ein Qualitätsmerkmal des Albums – es klingt überhaupt nicht alt und eigentlich auch so gut wie gar nicht nach 80er – es klingt frisch und innovativ. Man höre nur: „May I Version“. Ich weiß bei den Bonusstücken aber nicht – wie die für die Neuauflage des Albums aufgefrischt wurden – aber was soll´s – wenn es so oder so gut klingt.
Wirklich nicht mehr als ein scherzhaftes Bonusstück: „Avante Gadening“. Und mit „Singlove“ wird das Grundthema von „Love Forever“ nochmal verarbeitet. Diesmal aber mit männlichen Gesang.
Furioses Album. Sehr positive Überraschung.

21.06.25
Motorpsycho – Lobotomizer (1991)
Debütalbum. Das Trio bestand zu dem Zeitpunkt aus Bent Sæther (Gesang, Bass) und Hans Magnus „Snah“ Ryan (Gitarre, Gesang) sowie der Schlagzeuger Kjell Runar „Killer“ Jensen.
Zu Anfang waren Motorpsycho noch nicht ganz die Psychrock-Band, mit starken Progrock-Elementen, die die meisten Fans heute kennen. Zu Anfang waren Motorpsycho eine „laute“ Band – aber schon waren sie anders als andere Heavy Metal-Bands jener Zeit. Der kurze Titeltrack „Lobotomizer“ hat einen feinen Retrorock-Touch mit Geigen und Akustikgitarre. Fühlt sich dann doch wie Motorpsycho an.
Aber dann wird sehr heftig Heavy Metal betrieben: „Grinder“ - aber wenn dann der Gesang von Bent Sæther in den Song eingreift, wird der Heavy Metal auch sehr rockig. Auch da waren Motorpsycho schon nicht leicht einzuorden. Aber der Metal-Anteil ist schon recht groß – aber es fetzt großartig! Macht richtig Spaß!
Und wie großartig ist „Hoghwash“. Warum habe ich diese CD so lange im Regal versteckt? Mochte ich das früher etwas nicht? Kann doch gar nicht sein!
Wer auf guten Hardrock steht, muss „Hoghwash“ lieben – der Song macht einfach viel zu viel Spaß. Und wenn dann die Orgel auch noch mit in dem Song einsteigt – sind wir dann auch beim später oft von der Band zitierten Siebziger Rock angekommen – nur eben mit häftigen genialen Bassspiel von Bent Sæther – einfach verdammt gute Rockmusik. Und mit knapp über acht Minuten Länge haben wir da auch schon einen Song in für die Band typischer Länge. Aber davon gibt es auf dem Debüt auch noch zwei weitere
Mit schleppenden, aber scheppernden Schlagzeug: „Home of the Brave“ - dazu wird düster gerockt und irgendwie hat der Song etwas ganz eigenes und ist trotzdem Heavy Metal und eben noch ein bisschen mehr. Da sind Noiserock-Elemente mit eingewoben.
Und einen echten Rocksong-Knaller im Indierock-Stil zaubern die drei Norwegen dann auch noch hervor: „Frances“. Danach wieder ganz schwerer Rock: „Wasted“ - mit Blues-Einschlag. Kurze Akustik-Nummer: „Eternity“.
Zum Abschluss was Langes: „TFC“ fast Zwölf Minuten lang. Das Stück fängt fast wie eine Shoegazin-Nummer an, wird dann aber schnell heftig und ist aber doch eher was für Sonic Youth-Fans – wenn dann aber der Bass und der Gesang einsetzen, wechselt die Stimmung zum düsteren Bluesrock, um dann wieder aggressiv und heftig weiter zu rocken. Der Song ist wie das Album ein guter Mix und ich glaub, dieses Album ist mit der Zeit wirklich gewachsen – vielleicht braucht es einen „erfahrenen“ Hörer, um es zu verstehen.
20.06.25
Trixie Whitley – Lacuna (2019)
Trixie Whitley ist die Tochter von dem leider viel zu früh verstorbenen Musiker Chris Whitley, bei dessen Produktionen sie teilweise auch mit tätig war. Dies ist ihr bisher letztes Album, sie hat aber auch in der Formation Black Dub als Sängerin mitgemacht, die vor allem durch ihren Bandleader, den Produzenten Daniel Lanois, zu Bekanntheit kam. Durch das Black Dub Album bin ich auch auf Trixie Whitley erst richtig aufmerksam geworden und dies weckte dann auch den Wunsch mal ein Soloalbum von Ihr anzuhören.
Schon das Intro weckt Interesse – weil es schon nach mehr als Pop klingt – sondern wie eine Herausforderung und wenn dann „Heartbeat“ startet und man von hypnotischen Elektrosounds und einen gekonnten Soulvocal-Leistung mitgerissen wird – weiß man, die macht andere Musik als ihr Vater. Die macht gute modernen Pop-Soul mit Elektrobeats. Trixie Whitley war auch schon sehr jung als Resident-DJ erfolgreich.
Wer das Black Dub Album kennt – betritt mit dem Album auch wirklich kein ganz unbekanntes Terrain – auch „Long Time Coming“ beweist ein sehr gutes Gespür für mitreißende Melodien, der Song ist eine sehr gute Mischung aus Pop/Soul/Elektro und da stellt sich die Frage: „Warum hab ich das noch nie im Radio gehört“ - dass hat doch Hit-Potenzial.
Und ich stehe voll auf die Auswahl der Elektrosounds – so fängt mich auch „May Cannan“ sofort ein. Dass Trixie Whitley als DJ auch FreeJazz-Elemente in ihre Sets eingebaut hat – hört man bei „Dandy“ sehr gut raus und ihre Stimme ist einfach für diesen Soul/Elektro-Mix sehr gut gemacht. Bin gerade wirklich sehr beeindruckt – weil das mehr als gut ist und so gefällt mir Pop-Musik – es muss halt nur „richtig gemacht“ sein.
Und schlecht ist da bisher nichts – eher mitreißend – und gut ist auch wie die Stimmung wechselt - „Time“ hat sogar einen stärkeren Rockmusikdrive – da scheint dann doch was von der Musik ihres Vaters durch. Wirklich beeindruckend wie gekonnt mit Elektro-Klängen und Stimme hervorragende Songs von Trixie Whitley und ihrem Produzenten Little Shalimar abgeliefert werden – auch „Touch“ ist sehr stark.
Spannend zusammengefügt: „Bleak“. Und die Songs funktionieren bisher alle hervorragend.
Dann doch mal mit Gitarre und sogar im Americana-Stil – also doch in Verbundenheit mit dem Werk des Vaters: „Fishing for Stars“.
Sanfte Beats und stimmungsvolle Atmosphäre: „Dare to Imagine“. Letztes Lied - „The Hotter I burn“ - ich mag einfach diesen richtig guten Elektro/Soul-Mix. Von daher mag ich dieses Album sehr.


10.06.25
Peter Gabriel – So (1986/Vinyl ReRelease 2016)
Ich weiß gar nicht mehr in wie vielen Versionen ich dieses Album habe. Ist aber auch egal – ich höre die Songs des Albums seit der ersten Veröffentlichung so oft und immer wieder gerne, wie bei kaum einem anderen Album – ein absolutes Lieblingsalbum – eine Platte für die Ewigkeit und Peter Gabriel wurde spätestens mit dieser Platte zu einen meiner Lieblingsmusiker und auch live habe ich ihm mir oft angehört und gesehen.
Jeder Song hat was – die Stimmungen wechseln von Song zu Song – alles ist ist großartig produziert und vom ArtPopMeilensteinen wie „Red Rain“ und „Mercy Street“ bis hin zu den Hits „Sledgehammer“ und „Don´t give Up“ ist der Inhalt der Platte einfach herausragend.So viele Highlightsongs auf einem Album in solcher Qualität, die einen immer wieder packen – und sie machen immer noch beim Hören einen riesigen Spaß und fangen einfach nicht an mich zu langweilen.
„Red Rain“ eröffnet das Album mit Atmosphäre und Emotion, „Sledgehammer“ ladet zum Tanzen und Partymachen ein. „Don´t give Up“ - da spürt man die Liebe und Zuneigung und dass zueinander stehen in den Stimmen von Peter Gabriel und Kate Bush wie bei kaum einem anderen Duett. Und Peter Gabriel beweist sein Talent als Gospel-Sänger.
„That Voice again“ ist eins der eher unbekannteren Nummern des Albums. Der anfänglich etwas fröhlich und ausgelassene Rock-Song, wandelt sich zum anspruchsvollen Art-Rock-Stück und passt einfach klanglich und stimmungsvoll wirklich sehr gut zu den vom Stil her anderen Songs der Platte, weil einfach alles auf der Platte trotz Stilwechsel wie aus einem Guss klingt – Peter Gabriel und sein Produzententeam haben da sehr gut aufgepasst, dass die Songs alle vom Sound her eine Einheit bilden – und genau dies vermisse ich heutzutage bei so mancher Platte – da scheint man von einem Studio ins nächste gewechselt zu haben – hat mit verschiedenen Künstlern und Produzenten gearbeitet – und so klingt das auch – die Songs eines Albums bilden dann keine Einheit, sondern klingen genauso unterschiedlich wie ihre Produktionsweise(n) und driften vom Sound und der Stimmung einfach viel zu sehr auseinander. Ein gutes Album hört sich an wie eine fein und mit Finesse aneinander gereihte Einheit von Song.
Ein weiteres absolutes Highlight ist „Mercy Street“ - der Song hat so eine großartige Atmosphäre und schlägt mich immer wieder in seinen Bann. Da fällt auch der Detailreichtum des Klangs der Vinyl-Neuauflage sehr schön auf.
„Big Time“ hat mich früher immer etwas rausgehauen – war mit fast schon zu unsympathisch geraten – fast zu plump – weil alle anderen Songs zuvor so herausragend waren. Mittlerweile mag ich den Song wegen seiner Sounds und Ideen dann doch wieder ganz gerne hören. Aber er wird nie einer der Topsongs der Platte werden.
Fast-Instrumental: „We do what We´re Told (milgram´s 37)“ - erinnert noch vom Sound her am meisten an die Solo-Alben davor.
Auch immer wieder gut – der Song mit/von Laurie Anderson: „This is the Picture (Excellent Birds)“.
Und ich glaub das eigentlich immer nicht, dass „In Your Eyes“ auf der original Platte gar nicht mit drauf war – der gehört für mich einfach immer auf dieses Album dazu. Bei dem Song ist ja auch der World Music Anteil am größten und in den auf das Album folgenden Jahren wurde die Real World Studios ja auch zum großen Förderer der Weltmusik und haben die Musik von so manchen Musiker für westliche Hörer zugänglich gemacht.
Viele „Songs für die Ewigkeit“ und damit auch ein „Album für die Ewigkeit“ und ein Teil des Soundtracks meines Lebens.
18.06.25
Buffalo Tom – Quite and Peace (2018)
Nach siebenjähriger Pause bringen Buffalo Tom ihr neuntes Album heraus.
Die Rocktriobesetzung reicht einfach für nach Vorne gehende gute Rockmusik. Rock, ein wenig mit Punk und mehr als ein wenig mit Alternative-Rock versetzt, so gut ist „All be gone“ und der Song ist glaube ich auch was für Bob Mould/Sugar-Fans. Einfach feiner amerikanischer Alternative-Rock.
Sanfter, eigentlich schon Heartlandrock „Overtime“ - aber wie gut ist das denn? Riesig. Bei „Roman Cars“ wird wieder mehr gerockt. Beim Gesang wechseln sich Bill Janovitz und Chris Colbourn ab und an ab und dies macht die Musik von Buffallo Tom noch ein wenig abwechslungsreicher.
Sanfter und das können Buffalo Tom wirklich sehr gut – schon Singer/Songwriter-Musik: „Freckles“.
Die Songqualität ist großartig – aber irgendwie sind die Songs etwas ungeordnet aneinander gereiht. So ergibt sich irgendwie kein einheitlicher Grundton – aber ehrlich – da die Songs trotzdem so gut sind und das so super abwechslungsreich ist – stört mich das nur ganz mimimal.
Fast 70er-Rock: „CATVMOUSE“. Wieder im sanften Punk-Rock-Modus und das ist natürlich auch das was Buffalo Tom aus macht und was sie fantastisch können: „Lonely fast and Deep“. Sanfter Folkrock: „See high the Hemlock grows“.
Alle Farben der Rockmusik werden meisterlich gespielt und des macht so viel Spaß zu hören. Wie großartig sind Songs wie „In the Ice“. Muss schnell meine Wissenslücken, über dass was auf den anderen mir noch unbekannten Platten der Band drauf ist, schließen und wie gut ist es, dass diese Band immer noch Musik macht. Auch wenn es bis zum nächsten Album wieder sechs Jahre dauerte bis dieses heraus kam.
Buffalo Tom haben ihre Musik aber auch gekonnt in die Gegenwart übertragen – indem sie nicht Altes wiederholen, sondern einfach gute Songs spielen – und wie vielfältig sie dies machen ist wirklich sehr beeindruckend.
„Least That we can do“ ist einfach nochmal anders, als das zuvor Gehörte und auch wieder von der Qualtität überzeugt.
Heartland-Rock im John Hiatt-Style mit leichter Rock-Note und auch wieder einfach nur gut: „Slow Down“.
Cover-Nummer „The Only living Boy in New York“ - da wäre tatsächlich weniger zu machen mehr gewesen – aber als Abschlussnummer eine ganz schöne Idee. Nur nicht ganz so überzeugend gemacht – wie der fantastische Rest des Albums.


12.06.25
Philip Kroonenberg – Natural Causes (1995)
Manchmal ist es purer Zufall wie man einen seiner Lieblingsmusiker und dessen Musik kennenlernt. Ich war auf einem Konzert einer mir befreundeten Band namens „Catch 22“ in einer kleinen Veranstaltungshalle in Oberhausen (Eisenheim) – nach der Band spielte „Kroonenberg“ deren Schlagzeuger wohl bekannt geworden war, da er mit Sting schon was gemacht hatte. Weil der Gitarrist von Catch 22 wohl einen der Musiker von Kronnenberg als Lehrer an der Universität in Arnhem kannte – kam es wohl zu diesem Konzert. Und was soll ich sagen – die ganze Musik von „Kroonenberg“ hat mir sehr gut gefallen, die CD gekauft und auch immer wenn ich sie hörte total geliebt. Erst Jahre später dann wieder Platten von Philip Kroonenberg gekauft, ihm persönlich wieder nach Oberhausen für ein kleines Konzert gelockt und bin einfach ganz großer Fan von ihm – toller Songschreiber, toller Sänger, ganz schöne Musik. Also durch dieses Konzert ist meine Liebe zu dieser Platte entstanden. Hier soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass ich auch die einzige veröffentlichte Platte von „Catch 22“ noch immer sehr gern mag und die Projekte und Solosachen von Gitarrist/Sänger Georg Dybowski auch immer weiter verfolgt habe.
Aber nun kommen wir zur Platte „Natural Causes“ - aufgenommen hat Philip Kroonenberg sie mit den Musikern Bart-Jan Baartmans (elektrische Gitarre), Jan Hendriks (Bass- und akustische Gitarre), Louis Debij (Schlagzeug), Rens van der Zalm (Violine, Bandoline, Gitarre und Akkordeon).
Dies war das erste echte Soloalbum von Philip Kroonenberg, der zuvor mit den Gruppen „Freelance Band“ und nach deren Auflösung mit „Personnal“ ein Duo mit dem Sänger/Gitarristen Ad Vanderveen gebildet hatte.
Die Musik von Philip Kroonenberg wird als Roots, Singer/Songwriter-Folk und mit der von J.J.Cale verglichen. Für mich ist es noch irgendwie viel viel mehr – weil es so verdammt eingängige tolle Melodien sind und dadurch schon fast Pop-Song-Qualität erreichen und auch nun solo weniger dem Blues zuzuordnen ist (was ja bei J.J.Cale anders ist) dazu kommt noch diese tolle Stimme – also klingt es eher so als hätte Philip Kroonenberg es geschafft Folk mit der Eingängigkeit eines guten Cat Stevens Songs zu verbinden – auf jeden Fall funktioniert seine Musik mit Leichtigkeit und Finesse ausgestattete rSinger/Songwriter-Folkrock bei mir ganz toll. Deshalb werde ich hier auch nicht drum herum schreiben wie sehr ich dieses Album mag – dessen Song mich nun schon seit gut 30 Jahren begleiten – und irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass ich der einzige Mensch in meinem Umfeld bin, der dieses Album und den Musiker überhaupt kennt – was irgendwie auch immer wunderlich ist – aber das gibt’s auch immer wieder.
Und das mit Cat Stevens kommt wirklich nicht von ungefähr und bei „Midnight Express“ klingt es fast so, als würde dieser einen Harry Belavonte Song mit akustischen Pop-Rock-Elementen und etwas kitschig klingenden Mandolinen ausstatten, aber die Kraft der Melodie und des Gesangs sind einfach total mitreißend – PartyTime!. Und beim mit Tempo gespielten Endspurt des Songs, hört man, wie großartig die ganze Band ihre Instrumente beherrscht. Da ist nichts dem Zufall überlassen.
Wunderbar schön, sanft und ich weiß gar nicht wie ich diese Qualität genau beschreiben soll, die einen Song wie „Rocket“ auszeichnet. Das ist – sooooo furchtbar nett und so gut. Wenn Countrymusik so immer wäre – was würde ich das lieben. So gut und schön – wirklich.
Mit Blues-Rock kennt sich die Band aber doch auch aus und auch da vom ersten Takt an, bin ich immer von der Melodie und der Musik gefangen – und J.J. Cale und Dire Straits Fans kann ich diese Musik nur wärmsten empfehlen. Was die Rhythmusgruppe bei dem Song leiste ist schon ganz große Kunst.
Und der Spaß beim Hören hört nicht auf, denn mit „Up on the Roof again“ folgt der nächste Knaller. Das ist so gut und wer akustisch gespielten Rock mag, der muss das einfach lieben – ich liebe es.
Kraftvoll gerockt – aber immer noch voll akustisch: „Time and again“. Was die Band an mitreißenden Sound präsentiert ist schon wirklich sehr beachtenswert und begeistert.
Und das hört man bei jedem Song – was für eine wunderbare Hymne ist „Bring it out“. Mehr als nur gut!.
Macht mir alles Freude und Spaß beim Hören, auch die sanfte Stücke wie „Two wounded Souls“ werden so perfekt von der Musik getragen und diese Musik im Genre zwischen Country, Roots und amerikanischer Folkmusik ist auch wirklich nie kitschig – sondern immer stimmig. Und so wie bei „Straight from the Heart“ einfach nur wunderschön. Was für ein tolles Lied.
Und immer wieder dieser ganz fantastische akustischer Rock: „Wandering in the Dark“. Und selbst der Country-Rootsrock bekommt von Philip Kroonenberg immer eine extra Note aufgedrückt - „Party Zone“. Und den Cowboys spendet er auch noch einen eigenen Song: „Cowboy´s Dream“.
Der ausgebildete Psychotherapeut Philip Kroonenberg schreibt auch Country-Rock für die Psychoanalyse: „Love on analytic Lives“.
Nochmal akustischer Blues-Rock und wieder soooo gut: „The People were sending me a long Way“.
Und mit einem Liebeslied endet dieses mich immer wieder total begeisternde Album: „Give Room to Love“. Ja, ich liebe es!
05.06.25
The Tragically Hip - In Between Evolution (2004)
Neuntes Album der Kanadier. Produziert von Adam Kasper, der mit vielen Größen der Grunge- und Alternative-Rock Szene schon gearbeitet hat. Müsste eigentlich gut zum Sound von The Tragically Hip passen. Von den Themen ragt das Album vom Tod eines bekannten Eishockeyspielers bis zur Auseinandersetzung mit dem 2003 ausgelösten Irakkrieg.
Einfach runtergerockt – dafür ist die Band ja bekannt: „Heaven is a better Place today“. Und schnörkellosen Rock bietet auch „Summer´s Killing Us“ und da klingen sie wieder sehr wie Pearl Jam – den Dauervergleich kann ich bei jedem Album von „The Hip“ einwerfen – passt aber auch einfach zu gut.
Aufhorchen lässt „Gus: The Polar Bear from Central Park“ - da ist die Gitarrenarbeit riesig – erster mehr als nur guter Song der Platte. Ich weiß warum, es zwei „BestOff-Platten“ dieser Band gibt (die auch jeweils auch noch Doppelalben-Länge haben). Herausragende Songs findet man auf den Alben einfach immer eine ganze Menge. Rocksongs können sie einfach: „Vaccination Scar“.
Guter, etwas lockerer Rocksong: „It can´t be Nashville every Night“. Sanfter „New Orleans is beat“ - schon mit Countryrock-Einschlag.
Der nächste richtige Kracher ist „You´re Everywhere“ - das ist einfach gut – es ist Rock und es ist The Tragically Hip wie ich sie liebe. Kraftvoll, mitreißend.
Das ist schon ein eher Low-Fi-Album der Tragically Hip. Flotter, aber irgendwie freundlicher Garagen Rock: „Makeshift as we are“ - könnte komplett live eingespielt sein. Klingt auf jeden Fall so.
Vom Sound schon etwas ungewöhnlich – aber für den Song nicht ganz zum Vorteil: „Mean Streak“ - könnte tatsächlich anders abgemischt, sehr viel besser sein. Härter gerockt: „The Heart of the Melt“.
Wenn ein Song der Tragically Hip richtig funktioniert, merkt man das eigentlich immer direkt mit den ersten Takten des Songs, so wie bei „One Night in Copenhagen“. „Are we Family“ ist gut gerockt und „Goodnight Josephine“ funktioniert auch sehr gut.
Das Album hat vielleicht nicht ganz die Klasse der Alben davor, erinnert wieder etwas mehr an die einfach runtergerockten Alben ihrer Anfangszeit – aber das können The Tragically Hip halt. Aber von Sound her ist es mir etwas zu einfach gehalten.


04.04.25
Serafina Steer – The Moths are real (2013)
Serafina Steer ist ausgebildete Harfenistin, arbeitete vor diesem Studioalbum schon mit Jarvis Cocker zusammen, der dieses Album auch produziert hat. Ich bin auf Serafina Steer als treibende Kraft der Indie-Post-Punk-Band „Bas Jan“ aufmerksam geworden und wollte hören, wie sie vor ihrer Zeit bei Bas Jan geklungen hat.
Als Chamber-Indie-Singer/Songwriter-Folk würde ich die Musik einordnen. Sehr zurückhaltend und auch sparsam instrumentiert – tatsächlich mit Harfe/Stimme als Haupt-Instrument(e) und somit ganz anders als bei Bas Jan – aber ich mag es – weil der Anfangstrack „Night before Munity“ einfach gut als anspruchsvoller Indie-Folk-Song funktioniert.
Und sofort einnehmend ist dass ganz leicht daherkommende und sehr elegante „Machine Room“. In der Einfachheit und dem eher klein gehaltenen Gebrauch von Instrumenten können sich die Songs auch schön entfalten und das funktioniert sehr gut. Jarvis Cocker hätte ich bei solchen Songs nicht als Proudzent vermutet – aber vielleicht habe ich von dem Mann auch nur ein viel zu eingeschränktes Bild – muss ich mich vielleicht auch mal mehr mit befassen.
Folk, der schon teilweise ins Klassische geht und sehr elegant: „Ballad of Brick Lane“, Bisher gefällt mir das alles sehr gut und ist doch so anders als das was ich vorher von ihr kannte.
„Lady Fortune“, setzt den Sound der Songs zuvor weiter fort, dabei hat der Song aber eine schöne Indie-Pop-Note. Minimal Pop – könnte man das nennen. Aber ganz anders als es zum Beispiel The XX machen, zu denen die Beschreibung ja auch gut passen würde.
Durch den Harfeneinsatz wird die Musik das Folk-Feeling auch nicht los. Aber es sorgt auch dafür, dass die Musik nach mehr klingt, als den normalen Singerin/Songwriterin Indiesong – das erhöht ihm schon in Richtung „Zeitgenössische Musik“ (obwohl ich diesen Oberbegriff für Musik gar nicht mag – weil er überhaupt keinen Aufschluss gibt, wie die Musik klingt, sondern nur einen gewissen „Anspruch“ der Musik auferlegt. Nils Frahm, Hauschka und Co sind tolle Musiker und Komponisten – aber nur weil man sie nicht der typischen Klassischen Musik zuordnen will und kann – sind sie halt „nur“ Musik aus der Gegenwart. Ein Quatsch ist das. Intellektueller Humbug.
Das Serafina Steer eine tolle Komponistin ist, hört man sofort heraus bei „The Removal Man“ und dem zuvor gehörten „Skinny Dipping“.
Sehr melancholisch: „In a World of Love“. Schöner, weil ganz sanfter Singerin/Songwriterin-Song: „Has anyone ever liked you?“.
Toller Chamberfolk: „Island Odessy“. Folk, bei dem der Gesang die Hauptrolle spielt: „Alien Invasion“ und ganz beeindruckend, wie einfach es ist, eine dichte musikalische Atmosphäre zu schaffen.
Bei „Disco Compilation“ verbindet Serafina Steer dann doch mal ihren wunderbare Singerin/Songwriterin Qualität mit ein paar Discobeats – Singelmaterial – aber nicht schlecht platziert, weil durch den Song nochmal etwas Schwung gegen Ende der Platte hinzugefügt wird.
Sanfter Abschluss – fast schon in Wiegenlied-Form – der dann aber doch etwas mehr als nur ein einfaches Wiegenlied ist: „The Moth are real“.
Neben ihrer Arbeit mit Bas Jan darf Serafina Steer gerne weiter auch Musik wie diese machen – dieser Chamber-Folk mit leichten Indie-Touch gefällt mir auch sehr gut. Schönes, das einfach klingt, aber alles anderes ist als nur leichte Musikkost. Vielseitig ist diese Musikerin, die Harfe spielen kann, aber auch mit ihrer Band den Post Punk wiederbelebt. Und Vielseitigkeit mag ich – weil ich auch gerne vielseitig Musik höre. Alles ist möglich.
27.05.25
Lyle Lovett – Lyle Lovett and his large Band (1989)
Jazz in Big Band Qualität und dies dann gemischt mit Country-, Blues-, und Soul-Elementen – das ist die Gesamtbeschreibung dieses Albums. Dabei ist die Qualität der Songs sowohl bei den Eigenkompositionen als auch bei den Coverversionen sehr hoch angelegt. Zwar traf das Album im Gesamten bisher nie ganz bei mir auf Begeisterung – dafür machten es aber brillante Einzelstücke unmöglich Lyle Lovett und dessen Musik nicht zu mögen und weiter zu verfolgen. Manchmal reicht ein Song aus, um einen fürs Leben an einen Künstler zu binden . So ist das bei mir mit „Nobody knows me“ ergangen.
Bigband-Jazz mit dem Schwung einer Erkennungsmelodie für eine TV-Show (erinnert mich tatsächlich an die Musik vom „Aktuellen Sportstudio“) beginnt das Album mit dem instrumentalen „The Blues Walk“. Mit sehr viel Blues-Soul-Einschlag folgt dass meist gesprochene, aber im Refrain stark gesungene „Here I am“. Jazz, Soul, Blues alles zusammen und ganz großartig und elegant: „Crying Shame“ und „Good Intentions“. Mit ganz viel Gefühl: „I know you know“.
Von der Produktion her könnte man das Album als glattgebügelt bezeichnen, was ein großer Fehler wäre, da es einfach meisterliche und ganz detailreiche Aufnahmen sind. Und natürlich beherrschen alle beteiligte Musiker ihre Instrumente bis ins perfekte. Dem Zufall überlässt Lyle Lovett nichts – dadurch wird der Hörer bei seinen Platten immer mit größtmöglicher Qualität belohnt. Jetzt muss man nur noch die ursprünglichste und langlebigtste Form der amerikanischen Musik mögen, dann macht die Musik von Lyle Lovett einfach ganz viel Spaß und um so älter ich werde, um so mehr kann ich mit der Platte anfangen – weil, wenn man eigentlich mehr in anderen Musikgenre unterwegs ist – mag man viele dieser Songs als „ganz nett, aber nicht so ganz meins“ bezeichnen“ oder Musik für alte Leute und Country-Fans. Hört man das Album aber richtig: ist das nur perfekt gemachte Musik. „What do you do/The Glory of Love“ ist dafür ein sehr gutes Beispiel.
Schon sehr schön kitschiger Country: „I married her just because she looks like you“ - Ursprünglicher kann man Country-Musik kaum wiedergeben. Und da bleibt bei keinem Cowboy die Augen trocken. Und das verstärkt sich dann noch bei „Stand by your Man“.
Sehr schön und mit Gefühl und weniger Kitsch: „Which Way does that old Pony Run“. Solche Songs kann Lyle Lovett richtig gut.
Lovesong für die Ewigkeit – ganz riesig und soooo schön: „Nobody knows me“. Den Song spüre ich am ganzen Körper.
Auch sehr schön. „If you where to wake up“.
Und am Ende noch mal ein rausgehauen mit ganz viel Jazz und Soul-Feingefühl, dabei aber auch sehr kraftvoll im Ausdruck: „Once is enough“.
Ein Album, dass mir jetzt wirklich ganz viel Freude macht und in das ich wohl endlich hineingewachsen bin.


26.05.25
Fad Gadget – Gag (1984)
„Gag“ ist das vierte und letzte Album das Frank Tovey als Kunstfigur „Fad Gadget“ aufnahm. Trotz Anerkennung in der Elektronik- und New Wave-Szene war die Musik von Fad Gadget zwar schon fast Kult – aber der kommerzielle Erfolg war ausgeblieben.
Die Musik von Fad Gadget ist elektronische Musik mit düsteren New Wave gepaart. Damit konnte er ähnlich wie Anne Clark sowohl bei den Freunden elektronischer Musik als auch bei den Düster-Pop-Gothik-Fans punkten. Vielleicht würde man heute das alles auch einfach unter dem Post-Punk-Label führen und verkaufen.
An dem Album „Gag“ hätten aber auch Freunde der Einstürzenden Neubauten und von Nick Cave sicherlich ihre Freude. Denn der Song „Ideal World“ bietet düsteren Punkrock und elektronisch ist bei dem Sound auch höchstens was auf der Effektebene. Und der Song ist sehr gut gealtert – gleiches gilt natürlich für den Hit oder den bekanntesten Song der Platte „Collapsing New People“ - ist auch einer meiner „Songs für die Ewigkeit“ - darf wirklich in keiner Playlist fehlen. Bei dem Song haben in der Maxi-Version auch die Neubauten mitgewirkt.
„Sleep“ ist ein beeindruckendes Wiegenlied – und man wundert sich – warum der Song einen nicht schon seit Jahren begleitet. Aber Fad Gadget ist so ein typisches Opfer von guten Singles, die bei den Fans Kult sind und die man kennt, wie „Back to Nature“ und „Ricky´s Hand“ - aber den Rest kennt man irgendwie so gut wie gar nicht – auch das geht mir bei Anne Clark genauso. Dabei macht mir das Album gerade im gesamten wirklich Spaß. Daran ändert das auch im Synthpop angesiedelte „Stand Up“ nichts – toller Song. „Speak to Me“ hat was von den Songs von Heaven 17 und The Human League – die leider immer viel bekannter waren als Fad Gadget – warum das so war, lässt sich anhand der Qualität dieses Albums wirklich nicht mehr erschließen. Leider ist Frank Tovey dann ja auch recht früh verstorben und konnte es dann auch nicht mehr so richtig auskosten – als seine Musik verspätetet doch dann zum Kult wurden.
Nochmal etwas düsterer angelegt – aber immer mit frechen Augenzwinkern: „One Man´s Meat“ - tatsächlich versuchte Fad Gadget anscheinend das „düster Post-Punk“ Image etwas mehr durch charttaugliche Stücke aufzubessern – was der Qualität der Songs auch nicht schadet und vielleicht ist das Album deshalb für ein 80er Album auch recht gut gealtert.
Mal mit viel Anspruch und Ernsthaftigkeit versehen: „The Ring“ - das Abwechslungsreichtum auf dem Album ist ein weiterer großer Pluspunkt.
Bin wirklich total überrascht wie viel Spaß dieses Album macht und wie viel besser als so manche andere Platte mit ähnlicher Musik es mir heute gefällt. „Jump“ steht dafür gut Parte.
Die ganze Kreativität und verrückte Genialität von Frank Tovey aka Fad Gadget wird nochmal bei „Ad Nauseam“ klar – vielleicht hätte manchen sich zu ernst nehmende Musiker mal eine solche Verrücktheit ganz gut getan – der Song ist ein wenig wie „Dead Can Dance“ auf Speed. Und das macht richtig Spaß.
Ganz tolles Album – gut für mich neuentdeckt zu haben. Auch Fad Gadget ist einfach viel mehr als nur „Collapsing New People“.

12.05.25
Gary Numan – The Pleasure Principle (1979)
Das selbstproduzierte Solo-Debütalbum von Gary Numan, der (sehr) kurz zuvor mit „Replicas“ mit der Band Tubeway Army größere Erfolge feiern konnte.
Die Musik von Gary Numan ist schon so was wie eine Vorlage für Düster-Synth-Pop. Das instrumentale „Airlane“ lässt auch vermuten, dass Numan den Sound von „Replicas“ beibehält. Eingängige New Wave-Nummern bekommt er auch weiterhin gut hin, denn eine solche ist „Metal“. „Metal“ hat was vom Bassspiel her auch von den Song der Band Japan, ansonsten ist das Stück aber doch eher Post-Punk als New Romantic. Am Bass ist wie bei der Tubeway Army weiterhin Paul Gardiner zu hören. Zusammen mit der „Tubeway Army“ ist das Stück „Complex“ entstanden – ein eher ruhigere Post-Punk-Nummer, die aber eher positiv klingt – das ist auch der Unterschied zwischen den Post Punk von Bands wie Joy Devision - bei Numan klingt alles etwas mehr nach Rock und Pop und nie zu düster. Zwar hört man Stücken wie „Films“ ihr Alter an, trotzdem funktionieren sie noch sehr gut – liegt dran, dass Numan den Songs auch immer irgendwie eine leichte Pop-Note mitgibt. So wirkt die Musik weniger anstrengend und nimmt einen besser mit.
Interessante Nummer ist „Me.“ weil da mehr als nur eine Musikgenregrenze überschritten wird – fängt fast wie ein Prog-Rockstück an und wird dann zu beschwingten Synth-Rock-Nummer.
„Tracks“ ist eine großartige Nummer, die das ganze Synth-Pop/Rock-Spektrum nutzt. In den Song stecken alle Elementen der Synth-Pop-Ära der späten 70er und frühen 80er Jahre. Und alles gut auf den Punkt gebraucht. „Observer“ besitzt wieder diesen tanzbaren Pop-Post-Punk – das ist auch dass, was ich an der Musik von Gary Numan so richtig toll finde – New Wave in was besseres zu verwandeln – das einfach wie eine Einheit aus Elektronik und Rock klingt.
Und wieder mit diesem NewRomantic-Bass klingt auch „Conversation“ wieder nach mehr und macht mir wirklich sehr viel Spaß.
Und alles ist aus einem Guss und langweilt trotz immer ähnlichen Grundmuster nicht – dafür passiert auch innerhalb der Songs einfach genug, um den Hörer immer wieder aufzufangen und zu begeistern. „Cars“ ist sicherlich ein Klassiker des Albums. Die Arbeit vom Schlagzeuger Cedric Sharpley sollte auch gewürdigt werden – der leistet an den Drums bei dem Album auch eine herausragende Arbeit. Der Anfang von „Engineers“ ist ein gutes Beispiel dafür.
Das Bonusmaterial: „Random“ und „Oceans“ sind zwei instrumentale Stücke. „Asylum“ ist ein sehr düsteres Post-Punk-Stück und auch ohne Worte. Es folgen vier Live-Stücke: „Me! I disconnect from you“, „Bombers“, „Remember I was Vapour“ und „On Broadway“. Bei den Live-Stücken merkt man nochmal wie gut Numan zu dieser Zeit darin war Elemente aus Rock, Pop, Post-Punk zu verbinden – da erinnert wieder ganz viel an Japan und von der Schlagzeugarbeit auch an den Sound der frühen 80er Alben von Peter Gabriel – schon genial. Da wäre man gerne dabei gewesen. Und seine Fassung von „On Broadway“ ist schon was ganz eigenes.
08.05.25
Nap Eyes – Snapshot of a Beginner (2020)
Indie Rock aus Kanada – recht bodenständig und einfach nett sanft, unaufdringlich und zeitlos und sogar eingängig – mag ich: „So Tired“. Mag ich mal so richtig – meine Musik – das ist so nett, gut gespielt und diese Unaufgeregtheit, dabei aber nicht simpel – das macht Spaß. Da fällt mir der gute Plattentitel „Simple dosen´t mean easy“ ein – so ist das: „Primordeal Soup“. Und einfach nur gut: „Even through I can´t read your Mind“ - richtig guter Singer/Songwriter Rock. Richtig gute Entdeckung. Wird von Song zu Song auch immer besser: „Mark Zuckerberg“. Auch sanft und ruhig einfach gut: „Mysterie Calling“.
So richtig beschreiben, wie die Band klingt – obwohl mir das alles ganz vertraut ist – was die machen, fällt mir schwer – weil da alles drin ist was ich an Musik mag – Musik die einen starken Songwriter-Teil hat – aber auch als sanfter Rock sehr gut funktioniert. Und die Stimme von Nigel Chapman – leicht angeraut, aber gleichzeitig gefühlvoll ohne es zu übertreiben – das passt einfach zusammen. Eher sanft ist der Rock, aber in wirklich tolle Melodien gehüllt, die das Hören auch nicht langweilig machen. So ist „Fool tinking Ways“ auch wieder sehr sehr schön geraten – ohne lieblich zu sein – alles ist genau richtig. Bin verliebt.
Doch auch mal richtig gerockt: „If you were in Prison“. Mal länger geraten und wieder im leichten, etwas an Folk-, Psychrock erinnernd: „Real Thoughts“.
Ich glaub an den Stil von The Go-Betweens und Robert Forster erinnert es – aber fast mit noch mehr Leichtigkeit und Finesse gespielt.
Ich könnte auch schreiben, dass wenn die von mir vor kurzen gehörte CD von den Crash Test Dummies nicht von der Produktion so glatt poliert wäre – dann klingen auch Nap Eyes so ähnlich. Aber eben viel besser. Hört da nur mal den Song „Dark Link“ an. Gleiches gilt für „When I struck out on my own“.
Auch der etwas temporeichere Abschlusssong „Though I wish I could“ ist ganz fein. Tolle Platte, tolle Band.


05.05.25
The Tragically Hip – Phantom Power (1998)
(und die Alben davor...).
Ich hatte beschlossen, als ich diese CD als nächstes Hören wollte, mich etwas intensiver mit „The Tragically Hip“ zu beschäftigen. Seit ihrem Debütalbum sind sie Kanadas Nationalhelden und erzielen nationale Rekorde in Sachen Plattenverkäufe und Auszeichnungen für ihre Songs und Alben. Die Geschichte der Band endet frühzetig mit der Diagnose Hirntumor beim Frontmann Gord Downie. Nach der Diagnose wurde zwar noch die Tour für das dreizehnte Album der Band beendet und das letzte Konzert der Band wurde weltweit auf sämtlichen möglichen Plattformen übertragen – aber mit dem Tod vom Kopf der Band endete auch (fast) die Geschichte von „The tragically Hip“. Mir war The Tragically Hip durch den Song „Ahead by a Century“ - der Titelmusik zur Serie „Anne with a E“ aufgefallen – den Song konnte ich total gut leiden. Da wollte ich mehr von der Band hören und so hatte ich mir die fünfte Platte der Band gekauft, gehört und auch hier schon besprochen, weil da „Ahead by a Century“ drauf ist. Wer mehr über die Band erfahren möchte, empfehle ich die Dokuserie: The Tragically Hip: No Dress Rehersal – die auf Amazon Prime zu finden ist (ohne deutschen Ton). Aber bevor ich mir „Phantom Power anhören wollte – wollte ich auch mal die Anfänge der Band anhören.
Die Anfänge der Band bestehen aus ausgedehntes Touren durch Kanada, einen Manager zu finden, der Geld für eine EP und Video ausgibt, erste Tour durch die USA und dann der Plattenvertrag mit einem U.S.-Major-Label. Die EP (1987) heißt „The Tragically Hip“ und enthält acht Songs. Das erste Stück der EP „Small Town Bringdown“ hat was von R.E.M. und den Heartlandrock von Springsteen. Und in dieser Mischung geht es auch einfach weiter mit „Last American Exit“. Atmosphärisch zu Beginn: „Killing Time“. Dann wird das Stück aber doch rockig vom Sound her, aber nicht mehr so im Heartlandrock-Stil, eher fast klassischer 70er Rock mit etwas 80er Alternativrock gepaart. Die Nummer mag ich.
Gradliniger Rock: „Evelyn“. Die Musik von Tragically Hip war auf der EP ein wenig aus der Zeit gefallen – dafür klingt sie so schön gar nicht nach amerikanischen 80er Rock. Hat eher was von 70er Jahre und aufkommenden Alternativsound der frühen 80er Jahre.
Das setzt sich auch mit „Cemetery Sideroad“ fort. „I´Am a Werewolf, Baby“ war zu Anfang ein Livestandartstück der Band – da konnten sie es so richtig krachen lassen. Wenn man Sänger Gord Downie so singen hört, fällt es auch nicht schwer zu glauben, dass er mit Jim Morrison nicht nur wegen seines Aussehens verglichen wurde, obwohl er eine viel höhere Stimmlage hat, als es ein Jim Morrison.
Mit ein bisschen Rock´n´Roll-Einschlag, aber gleichzeitig auch was für Rocker: „Highway Girl“ - da weiß man auch warum sie gleichzeitig von Rockern als auch von Studenten gemocht wurden. Die Platte hat wirklich was von Rockbands, die von Typen mit Motorrädern und Lederjacken gemocht werden. Der „All Canadian Surf Club“ schließt die EP ab.
Zwei Jahre später (1989) folgte dann das erste „richtige“ Studioalbum: „Up to here“. Bemerkenswert ist, dass es Don Smith produziert hat, der zuvor schon mit Tom Petty, den Stones und anderen eher bekannten Musikern gearbeitet hat – er fand aber die Arbeit mit der jungen Band sehr gut – da die Band einfach sehr eingespielt war und wusste was sie tat und was sie wollten. Eigentlich musste er sie nur von der Leine lassen.
Das erste Stück „Blow at High Dough“ fängt fast wie ein Americana-Stück an, wechselt dann aber zum schon von der EP bekannten Rocksound. „I´ll believe in You (Or I´m leaving tonight)“ - einfach rocken – zwischen zeitlos und aus der Zeit gefallen – was den Songs zu gute kommt, ist, dass sie ihre einfache Rauheit haben und nicht von der Produktion auf Hochglanz poliert wurden – so ist das einfach gute Garagen-Rockmusik – ohne Schnörkel sondern wie Wolf Maahn sagen würde – direkt ins Blut gehend.
„New Orleans is sinking“ ist ein weiterer frühes Highlight der Band – das ist einfach ein sehr guter Rocksong.
Etwas mit mehr Gefühl und Emotion gespielt: „38 Years Old“. Da merkt man die Songwriter-Qualitäten zum ersten Mal so richtig.
Einfach weiter gerockt: „She didn´t know“. Schön ist der zweistimmig gesungene Refrain geraten. Obwohl die Band eigentlich alles hat was eine klassische Rockband auszeichnet, hat ihr Sound doch immer auch einen mal leichten, mal stärker ausgeprägten Indie- oder Alternative-Rock-Style. „She didn´t know“ könnte von der Musik auch eigentlich von „Pearl Jam“ sein (mit der Band werde sie ich nun öfters vergleichen in diesen Text)..
„Boots Or Hearts“ hat dann einen starken Country/Roots-Vibe. Ich mag es ja, wenn eine Platte auch etwas Abwechslung bietet. Hat auch was von Neil Young wenn The Tragically Hip rocken: „Everytime you go“. Weiterer Rocksongs: „When the Weight Comes Down“, „Trickle Down“. Bei den Songs fällt aber auf, dass sie auch manchmal recht Durchschnittliches abliefern – klingt ein wenig zu viel nach dem bereits bekannten. Wirklich starke Songs sind noch etwas selten zu finden auf diesem Debütalbum.
Wenn das Tempo etwas gesenkt wird – wieder etwas mehr Gefühl in die Songs gepackt wird, so wie bei „Another Midnight“ - das ist dann aber wieder ein weiterer richtig guter Song. Vielleicht hätte das Album auch einen stärken Alternativen-Touch bekommen, wenn es zwei Jahre später entstanden wäre – vielleicht waren dafür The Tragically Hip einfach zwei Jahre zu früh ihre ersten Erfolge am feiern. Vielleicht gibt ihnen auch einfach der Erfolg, den sie mit dem Album hatten recht.
Letzter Song - „Opiated“ - so ein schöner Wüstenrock-Song, der auch gefällt.
Zweites Album „Road Apples“ (1991) – bin gespannt ob da schon was jetzt eher nach typischen 90er Jahre Rock klingt, oder ob sie einfach ihren zeitlosen (daher eben schon oft in der Form gehörten) Garagen-Rock mit leichter Alternative-Rock-Note fortführen. Produziert wurde es wieder von Don Smith, diesmal im Studio von Daniel Lanois.
„Little Bones“ macht schon mal klar, dass sich die Band vom Sound und Style nichts groß verändert hat – auch hat Don Smith an den Reglern nichts groß am Klang geändert.
Handgemachter, schon etwas härterer Rock, so klingt „Little Bones“. Gut gerockt von der Gitarrenarbeit her: „Twist my Arm“. „Cordelia“ gefällt mir aber wieder richtig gut – da stimmt der Rock und auch die Stimmung – die etwas düsterer angelegt ist. Noch mehr auf Atmospähre getrimmt – und mit Blues-Rock-Touch – aber auch gut gemacht: „The Luxery“ - jetzt fängt das Album an mir richtig zu gefallen – auch wenn es zum Refrain hin wieder eher eine typische Rocknummer wird.
Danach geht’s im Countryrock-Style weiter: „Born in the Water“ - an solche Nummern hab ich mich jetzt langsam doch etwas satt gehört und da fängt dann meine aufgekommene Begeisterung wieder etwas an zu schwächeln.
„Long Time Running“ solider sanfter Roots-Rock, der mir mit fortlaufender Länge immer besser gefällt. „Bring it all Back“ - einfach zeitlose Rocknummer – die auch schon zwanzig Jahre zuvor hätte aufgenommen werden können. „Three Pistols“ hat wirklich den Drive wieder von einer Pearl Jam-Nummer – Eddie Vedder hätte ich gerne mal mit der Band performen gehört – dass hätte gut gepasst. Das Album hat mich aber jetzt auch wirklich überzeugt. Das ist wirklich gut gerockt und keinesfalls mehr Durchschnittsware. Nein, dass ist richtig gut – ehrlich performter Rock.
Und mit „Fight“ hauen die dann wirklich ein Knallerstück raus – da groovt man sich total schnell mit dem Rhythmus ein – sehr gut.
Wieder etwas routiniert und im bekannten Schema gerockt: „On the Verge“. Der Song hat aber schon einen guten nach vorne gehenden Drive.
Im Folk-Roots-Bereich: „Fiddler´s Green“ - ein Song der sich mit dem Tod innerhalb der eigenen Familie auseinandersetzt.
Sanft geht das Album mit dem etwas kürzeren „The Last of the Unplucked Gems“ zu Ende.
„Full Completely“ folgte schon ein Jahr später (1992). Diesmal in England produziert und von einem neuen Produzenten, Chris Tsangarides aufgenommen. Diesmal wurde die Band bei den Songaufnahmen auch nicht zusammen aufgenommen, sondern jedes Instrument und der Gesang einzeln. Außerdem beschloss Gord Downie nur noch eigene Texte zu singen.
„Courage (For Hugh McLennan)“ ist ein guter atmosphärischer Rocksong mit wieder stärkeren Alternative-Rock-Einschlag und ist einer der Hits der Platte (der Song ist ein gutes Beispiel dafür, dass Gord Downie nicht nur kanadische Themen verarbeitet, er versucht auch den Hörern kanadische Autoren näher zu bringen) . Dass Produzent Tsangarides zuvor mit den Concred Blonde und viel früher schon mit bekannten Größen der Heavy Metal-Szene gearbeitet hat – wirkt sich nicht in mehr Härte auf den Sound der Band aus, sondern eher in einem nicht mehr nach Garagenrock klingenden besseren Sound. Nun klingt der Rock von The Tragically Hip mehr nach dem Sound der frühen 90er.
So ist auch „Looking for a Place to happen“ ein guter Rock-Song, der mich an den Sound von „Live“ und ihrem Album „Throwing Copper“ erinnert. Qualitätvolle Rocksongs scheint die Platte auszuzeichnen, denn auch „At the Hundredth Meridan“ ist ein solcher. Und die Songs funktionieren alle richtig gut – macht Spaß zu hören. „Pigeon Camera“ wunderbarer Song – mal etwas sanfter, so ganz was für mich.
Flotter, könnte man als anspruchsvollen Garagenrock bezeichnen: „Lionized“. Mit dem Album ist die Band wirklich in der Gegenwart gelandet und löst sich vom klassischen Rocksound der 70er Jahre.
Schön von der Atmosphäre her, die im langsamen Intro aufgebaut wird: „Locked in a Tunk of a Car“. Auf dem Album wird trotz Heavy Metal-Produzent etwas zurückhaltender gerockt als auf den Vorgängeralben, was aber nicht schlecht ist, da die Songs auch im Mid-Tempo gut funktionieren, so auch „We´ll go too“. Das Songmaterial bleibt stark: „Fully Compeltly“ - tolles Titelstück.
Abwechslung bietet „Wheat Kings“, eine wunderschöne Akustikballade – die das Schicksal eines unschuldig eingesperrten Gefängnisinsassen beschreibt.
Danach wird es aber mal vom Rock her doch etwas aggressiver: „The Wherewithal“. Mit einen emotionalen ruhigeren Rockstück endet diese sehr gute Platte mit dem Song „Eldorado“.
Mit dem Album „Day For Night“ (1994) kehrt die Band wieder zurück ins Studio von Daniel Lanois und will wieder als Einheit Songs aufnehmen und produziert es diesmal auch mit Produzent Mark Howard zusammen. Außerdem nahmen sich „The Tragically Hip“ vor, bei dem Album etwas „Anderes“ zu machen.
Schon das Eröffnungsstück „Grace, too“ überrascht, durch einen wieder erdigen Sound – aber die Emotionalität des letzten Albums bleibt erhalten. Gefällt mir ausgesprochen gut. Musikalisch zeigt sich die Band gereift und dass sie mehr kann als nur „Rock´n´Roll“. Ich kann jetzt aber nicht sagen, dass das jetzt weniger eingängig wäre, als auf den Alben zuvor – es klingt nur reifer und nach mehr als nur Standart-Rock-Nummern und Single-Material (was natürlich die Chefetagen von Plattellabel aber sicherlich ganz anders sahen und in dem Fall auch zum Ausdruck gebracht haben: „Zwei gute Songs, der Rest ist Mist.“) Nach Mist klingt jetzt aber ein Stück wie „Greasy Jungle“ schon mal gar nicht – eher ist das ein verdammt guter Rocksong – meiner Meinung nach. An dem Sound des Vorgängeralbums erinnert „Yarwning Or Snarling“ sehr. Aber ich finde es gut, dass es nicht mehr ganz so, wie ein typisches 90er Jahre Rockalbum klingt. Eher zeitlos gut. Die Band wird mit jedem Album wirklich immer besser – ihren Höhepunkt scheinen sie noch nicht überschritten zu haben.
Rauer rocken können sie aber auch noch immer, das beweist „Fire in the Hole“, welcher von Thema her um ein Grubenunglück kreist. Auch intelligent gerockt: „So hard done by“. „Nautical Disaster“ ist auch ein ganz starker Song – da erinnern sie mich wieder stark an den Sound von „Live“ (Throwing Copper). Das sind aber alles gute Rocksongs – mal etwas aggressiver gespielt, mal im mittleren Tempo – aber alles rockt. Und so richtig stilverändernd ist das auch nicht – nur das Songwriting ist ausgefeilter und wird von Album zu Album immer besser. So ist auch „Thugs“ einfach ein guter Song, der vielleicht nur etwas düsterer klingt – als die früheren eher nach Vorne rockenden Stücke der Band. Noch etwas aggressiver dabei ist „Inevitabilty to Death“. Da merkt man vielleicht auch mal den Einfluss von frühen englischen Punkbands, deren Songs sie zu Anfang ihres Musikerdaseins gehört und gecovert haben und wenn sie etwas düsterer rocken klingen sie dann auch wieder wie Pearl Jam.
Nur was sie von den Gruppen Live und Pearl Jam gut unterscheiden lässt, ist die Art wie Gord Downie singt – denn er klingt schon wirklich anders als Eddie Vedder und Ed Kowalczyk und wenn man The Tragically Hip nicht kennt, muss man sich an seine Stimme vielleicht auch ein wenig gewöhnen.
Wunderschön - die Akustikballade „Scared“. Dann doch ein nach Vorne rockendes Stück: „An Inch an Hour“. Wieder emotionaler, düsterer: „Emergency“.
Zwischenmeldung: Hatte zu diesem Zeitpunkt auch die vierteilige Banddoku „The Tragically Hip: No Dress Rehersal“ zu Ende geschaut und die letzte Folge, in der es zumeist über die Hirntumor-Diagnose bei Gord Downie und die Folgen, die daraus entstehen, geht, hat mich emotional tief getroffen und von daher bin ich schon an dieser Stelle ein Fan auf Lebzeiten von „The Hip“ und auch wenn in der Doku über die Platten nach der „Phantom Power“ nicht mehr ganz so gut gesprochen wird, wie über die ersten sechs Alben (auch von der Band, da die Plattenverkäufe einbrachen und die Hallen sich bei Liveauftritte nicht mehr so schnell füllten) – werde ich auch die weiteren Alben gerne hören und mir meine eigene Meinung darüber bilden – Käuferzahlen haben für mich noch nie bestimmt – ob etwas gut oder schlecht ist. Aber auch das Bandgefüge war nach der „Phantom Power“ etwas aus den Fugen geraten und die anderen gleichberechtigten Mitglieder der Band, die da wären Rob Baker (Gitarre), Gord Sinclair (Bass, Hintergrundgesang), Johnny Fay (Schlagzeug) und Paul Langolis (Gitarre, Hintergrundgesang) mussten zunehmend ihre Kämpfe mit ihren dominanten Frontmann austragen – doch diese Kämpfe kamen zum Stillstand nach der Hirntumordiagnose und danach brachte The Tragically Hip ihre Bandgeschichte fulminant und emotional zu Ende. Doch soweit sind wir jetzt noch nicht – noch lange nicht – es fehlen sogar noch von der „Day of Night“ zwei Songs, die ich noch nicht gehört habe.
„Titanic Terrarium“ - sanfter Song. Am Ende wird nochmal gut gerockt: „Impossibilium“.
Zwei Jahre später folgte „Trouble in the Henhouse“ (1996) aufgenommen in New Orleans und im eigenen Studio der Band in ihrer Heimatstadt Kingston.
Das Ziel der Band war es mit dem Album auch eine größere Vielfalt den Hörern anzubieten, um so gleichermaßen neue Hörer zu generieren, aber auch die alten nicht zu verschrecken - aber mit dem Rocken dabei auch nicht aufzuhören. Und direkt mit dem Eingangsstück „Gift Shop“ schafft man so was – emotionaler Rock. Und das ist auch die Kunst der Band – ihre Platten bieten immer was für die frühen Fans, aber die Band entwickelt sich weiter und probiert immer mal was aus und hält das Material auf ihren Platten damit sehr spannend. Die Entwicklung im Sound der Band von der ersten Platte bis hier hin ist schon sehr beachtlich und es bleibt dadurch spannend diese Platten zu hören – selbst in kurzer Abfolge – und es wird einen dabei nicht langweilig.
Etwas im Alternativ-Rock-Style rocken können sie auch immer noch: „Springtime in Vienna“. Danach folgt ihr Übersong „Ahead by a Century“ - welcher zur unoffiziellen zweiten Nationalhymne Kanadas wurde – das ist aber auch einfach ein ganz großer Song für die Ewigkeit – sanfter Folkrock – wunderschön und der mehrstimmige Gesang total großartig und emotional mitreißend. Lieblingsstück.
Auch mit den Stücken „Don´t wake Daddy“ und „Flamenco“ zeigt die Band, dass sie auch sanft rocken kann und diese Stücke machen auch wirklich viel Freude, besonders „Flamenco“ gefällt mir nochmal richtig gut.
Rocken können sie aber auch immer noch: „700 Foot Ceiling“. „Butts Wigglin“ ist fast schon so was wie eine Indie-Rock-Nummer – schon eine für die Band sehr ungewöhnliche Nummer. Ruhiger gerockt: „Apartment Song“ - von der Stimme hab ich Gord Downie immer viel älter geschätzt als er tatsächlich war – aber seine Stimme hat immer so einen Klang – als ob da jemand singt, der schon eine Menge gelebt hat.
Gut gerockt, mit Alternative-Rock-Sound: „Coconut Cream“ - Das Album ist wirklich noch mal sehr viel abwechslungsreicher als die Vorgängeralben.
Wieder etwas ruhiger, aber nicht weniger gut: „Let´t stay Engaged“. Gleiches gilt für „Sherpa“. Gute Alternative-Rocknummer am Ende: „Put it Off“
Und nun komme ich zum Ausgangspunkt und damit auch erstmal zum Endpunkt dieser doch längeren und für mich jetzt schon als sehr bereichernde Beschäftigung mit der Musik von The Tragically Hip - zur Platte „Phantom Power“ (1998).
Von ihrem Rocksongs her, habe ich ja zuvor schon The Tragically Hip mit Pearl Jam verglichen und diese Ähnlichkeit ist noch stärker ausgeprägt bei diesem Album. Einfach guter Rock – aber mit der Klasse einer seit langen gut eingespielten Band gespielt. Rock – der nicht mehr in der Vergangenheit verankert ist, sondern in der Gegenwart lebt – so klingt „Poets“. Da ich ja Pearl Jam auch sehr mag, ist das für mich auch gar kein Problem – eher im Gegenteil – denn ein Song wie „Something On“ macht einfach nur Spaß. Und so geht es einfach weiter – sehr guter treibender hausgemachter Rock:“Save the Planet“. Der etwas ruhigere aber auch richtig gute Song „Bobcaygeon“ folgt - wunderschön und ganz toll. Obwohl ich das etwas ambitioniertere Vorgängeralbum ja sehr mag – finde ich diese geerdete Musik von „The Hip“ wirklich super. Und wieder bin ich total überrascht – jedes Album bietet bis hier hin wirklich immer was Neues – langweilig wird es mit der Band nicht.
Ganz groß auch „Thompson Girl“ - Akustikrock formvollendet. Super. Klassischer Rocksong mit einem Hauch von Alternative-Rock wie er auch von Neil Young and Crazy Horse sein könnte: „Membership“. Und so geht’s mit „Fireworks“ weiter und auch hier klingt es wieder sehr nach dem Pearl Jam Sound. Gleiches gilt für „Vapour Trails“. Ruhiger wird’s mit „The Rules“. Etwas mehr an die Songs von „Trouble in the Henhouse“ erinnernd: „Chagrin Falls“. Alles gute Songs auf der Platte - „Escape is at Hand for the Travellin´Man“. „Emperor Pinguin“ beendet das Album, klingt dabei wieder wie....aber wie gesagt, dass ist scheiß egal, weil es so einfach total funktioniert und einen Riesenspaß macht. Tolles Album. Freue mich auf die weiteren sechs Alben der Band. Fan von!
05.05.25
Die Sterne – Wichtig (1993) – Vinyl Wiederveröffentlichung von 2023 inklusive der EP „Fickt das System“.
Da ich gerne die chronologische Reihenfolge einhalte, beginne ich mit Seite 4 der Wiederveröffentlichung, die die EP „Fickt das System“ beinhaltet.
Das Titelstück der EP und ersten Veröffentlichung von Die Sterne ist dass was man als Indie-Disco-Rock mit Punkallüren bezeichnen kann. Und natürlich auch als deutschen Alternativ-Rock der „Hamburger Schule“. Dieser Indie-Rock-Sound setzt auch „Unkonzentriert“ fort, mit vielleicht noch etwas mehr New Wave-Ansätzen dabei. Bei der Gründung bestand die Band aus Frank Spielker (Gesang, Gitarre), Thomas Wenzel (Bass), Frank Will (Keyboard) und Christoph Leich (Schlagzeug).
Mit Jazz/Funk-Ansatz und der macht richtig Spaß: „Alles wird Teurer“. Da rockt aber Spielker auch richtig gut an der Gitarre. Die Band machte wirklich direkt zu Anfang eigentlich richtig guten intelligenten Crossover und das hat sich bis heute nicht geändert.
Auch als Funk/Rock-Hybrid funktioniert „Anfang verpasst“.
Das Aha-Erlebnis hat man bei Die Sterne, weil hier freche deutsche Texte auf einen guten Mix aus Rock- und Discomusik trifft, so dass man eigentlich von einer Weiterentwicklung der Neuen Deutschen Welle (vielleicht auch Wiederbelebung) sprechen könnte. Ich hab zu der Zeit meist noch Wolf Maahn, Herbert Grönemeyer und BAP, Westernhaben gehört – wenn es um deutschsprachige Musik ging – natürlich nicht nur diese drei, aber diese auf jeden Fall.
So richtig mag ich dann den ersten Song des Debütablums „Wichtig“: „Mach die Tür zu, es zieht“. - weil das Rock ist, der einfach totalen Spaß macht. New Wave ist nicht tot – es leben „Die Sterne“. Funk und ich finde die Bassarbeit bei „Die Sterne“ bis heute einfach fantastisch: „Telekom“.
Verärgerter Rock – vielleicht sogar schon Punk: „Baustoffhandel, 1. Stock“. Aber für Punk ist die Rhythmusgruppe schon fast wieder zu rockig, klingt da schon wieder eher nach 70er Rock. Mit Post-Punk-Feeling (zu intelligent um Pop oder zu Rock zu sein): „In Klammern“. Mich würde mal interessieren was so die Lieblingsplatten von Frank Spielker sind.
Der Disco-Funk/Rock-Mix genial in Musik gepresst: „Wichtig“. Und dann folgt (nochmal) „Anfang verpasst“ (weil den kennen wir ja schon von der EP).
„Rockmühle“ - rockt wieder richtig gut. Ich mag einfach den Sound und die Musik sehr, die Die Sterne machen. Da kann man sich immer so schön im Rhythmus der Musik verlieren. Natürlich hätte es der Texter Spielker auch gerne, wenn ich seine Texte loben würde, aber die sind jetzt gerade beim Hören etwas Nebensache.
Indie-Rock wieder mit Punk versetzt (ist dass dann schon wieder Post-Punk?): „Alles oder Niemand“. Rocksong: „Sowieso drin“. Vielleicht sind für Die Sterne auch einfach Punksongs zu einfach konstruiert, so dass sie ihre Texte, doch dann lieber in raffinierte Rockmusik packen. Finde ich eine gute Idee.
Aber „Sowieso drin“ wird dann wirklich noch zum reinen Punkrock – wenn auch nicht für ganz so lang.
Auch eher Punk: „Jenseits von Eden“. Kurz: „Meine Oma“. „Idiotensport“ wieder frecher ausgefeilter Rock. „Unter Geier“ ist der Opus der Platte mit einer Länge von über elf Minuten. Da kommt dann sogar noch instrumentaler Krautrock zum Mix dazu.
Am Ende „Hier“ - Mit orientalischen Touch gespielter Rock und da es um Inländer/Ausländer geht – passt das.
Ich mag die musikalische Vielfalt der Sterne und dass der Bass die Musik nicht nur unterstützt, sondern auch treibende Kraft in den Songs sein darf. Und ich mag wenn Intelligenz auf Musik trifft. Mag ich!


04.05.25
J.J. Cale – Collected (2006)
Die Songsammlung auf drei CDs bietet eine Werkschau des Musikers J.J. Cale und mir einen ersten größeren Einblick über sein musikalisches Schaffen. Zum Kauf angeregt hat mich die Beschreibung, dass die Songs von Philip Kroonenberg oft mit der Musik von J.J. Cale verglichen wird. Es scheint mir aber, dass J.J. Cale viel mehr als mein liebster holländischer Songschreiber und Gitarrenspieler dem Blues zugeneigt war – Philip Kroonenberg ist da eher im Stil dem Folkrock und Americana-Sound näher.
Die Songsammlung bietet das Werk in chronologischer Form, so stammen die ersten Songs alle vom Debütalbum „Naturally“ (1972). Von „After Midnight“ sind sicherlich eher die zahlreichen Coverversionen bekannt – als das sanfte Blues-Rock Original. „Crazy Mama“ kommt tatsächlich im Country Rock-Style einen Ry Cooder daher und dann ist das doch alles näher an der Musik von Philip Kroonenberg als die Songtitel vermuten ließen, bei denen ich eher mit Eric Clapton-Style Blues-Rock gerechnet hätte. Im gleichen Stil „Call me the Breeze“ - aber mit ein wenig mehr Tempo und etwas Rock´n´Roll-Drive. Sanft beginnt „Magnolia“ und bleibt es auch – schöne Ballade, aber der Gesang versteckt sich ein wenig zu sehr in der Abmischung hinter den Instrumenten.
„Crying Eyes“ erinnert mich an Stücke von The Band. Sehr nett. Die ganze Platte hat so was total entspannendes „chilliger Südstatten-Rock“. Auch diese Art zurückhaltender Rock muss man sich erst einmal trauen zu produzieren. Für seinen „Laid Back“ Sound – war J.J. Cale auch bekannt.
„Lies“ stammt vom zweiten Album „Really“ (1972) – und da hört sich der gesamte Sound – eher nach Rock aus L.A. an. Bei der zurückhaltenden Art der Songs kann man kaum glauben wie viel Personal bei den Aufnahmen beteiligt war. Bei „Lies“ waren 31 Musiker an der Platte beteiligt.
„I´ll kiss the World goodbye“ - vom Sound klingt das Stück dann doch wieder mehr nach der Musik von Clapton und Steve Winwood. „If your ever in Oklahoma“ - Countrystyle-Rock mit Fidel. Sanfter Blues „Changes“. Bei so viel Understatement und auch bei der Kürze der Songs rauschen die Songs nur so am Hörer vorbei. Langweilig ist das nicht – aber man hat auch nicht das Gefühl, dass sich die Songs jetzt beim ersten Hören irgendwo im Hirn lange hängen bleiben.
1974 erschien das Album „Okie“. „Crying“ hat einen schön außergewöhnlichen Rhythmus – da ist Reggae, Blues aber auch fast schon was drin, was zu der Zeit noch nicht richtig erfunden war drin: „New Wave“ - damit ein sehr außergewöhnliches und bemerkenswertes Stück.
Den Clapton-Stil sehr nahe: „Cajun Moon“ - da hört man schon viel von den späteren Hit „Cocaine“ heraus. „Okie“ ist eine sanfte instrumental Nummer. Country-Rock im Nashville-Stil: „Anway the Wind Blows“.
Mit „Cocaine“ ist der Hörer auch beim 1976 erschienenen Album „Troubadour“ angelangt – der Song ist so bekannt – da schreib ich mal einfach nichts zu, außer: Song für die Ewigkeit. „Traveling Light“ kenne ich aber auch irgendwie (hat vielleicht auch sein Freund Eric Clapton gecovert) – auch ein guter Song. Wieder so was von entspannt: „Hey Baby“. Wie viel sich Clapton bei Cale abgeguckt hat – und sich nicht nur bei dessen Songs bedient hat – fragt man fragt sich beim Hören dieser Songs immer mehr – aber vielleicht hat Cale auch einfach was von seinem erfolgreichen Freund abgeschaut.
Wundervoll: „Cherry“ - so was gutes in dieser Art bekommt man vielleicht auch nur noch von einem Ry Cooder sonst zu hören und auch Cooder hat mit Cale ganz viel gemeinsam. Das macht Spaß zu hören und ist richtig gut und schön: „You got Something“.
Und mit „I´ll make Love to you anythime“ sind wir im Jahre 1979 angelangt und bei dem Album „5“. Während um ihm herum „Disco“ und „Punk“ aufkam, machte J.J. Cale einfach weiter - „I´ll make love to you anytime“ hat dieses „Cocaine“ Feeling und so hat sich in seinem Stil nicht viel verändert. Er macht einfach sein Ding (was auch sein ganzes Leben sein Mantra war – und das ist etwas, was mir sehr an J.J. Cale gefällt – er hat sein Ding gemacht und sich irgendwie immer aus der Maschinerie der Musikindustrie raus halten können – die Freiheit hat er sich mit „After Midnight“ und „Cocaine“ einfach erspielt gehabt. Ich mag seine Musik immer mehr – das sind einfach sehr gute Stücke und sie grooven von Album zu Album immer besser. „Don´t cry Sister“ - ist richtig gut – so in etwas im Groove von „I shot the Sheriff“. Kleiner Diamant. CD 2 von 3 ist nun erreicht. Und langweilig wird’s nicht – weil J.J. Cale sich auch immer mal in anderen musikalischen Gefilden ausprobiert – so veredelt sein Sound ein ganzes Orchester: „Sensitive Kind“. Und auch ein Mark Knopfler wird sicherlich seine Dosis J.J. Cale gehört haben – da bin ich mir auch ziemlich sicher.
Da ist wirklich mal mehr Blues drin – und dann klingt er auch gleich wieder wie Clapton: „Thirteen Days“. Ballade: „Mona“.
Mit „Carry On“ sind wir im Jahr 1981 angekommen und dem Album „Shades“.
Sanfter Country Rock und wieder schön im Dire Straits-Modus und den Song kannte ich auch: „ Carry On“. Der Nashville-Sound ist auf dem Album stark, ebenso die zahlreichen Gastmusiker auf dem Album wie Jim Keltner, Leon Russel. „Mama don´t“ = CountryRock. Wirklich was für Mark Knopfler-Fans . Mit einem tollen Instrumentalpart. Guter Rock/Blues: „If you leave her“.
Ein Jahr und ein Album später, vom Album „Grasshopper“ (1982): „City Girls“ - der fällt etwas arg kitschig aus. „Don´t wait“ ist da schon wieder rockiger. Die Produktion bei dem Album ist recht aufwendig, die Songs recht kurz geraten. So auch „Downtown L.A.“, der lässig, fast jazzig daher kommt (das passt dann wirklich zu der Musik von Philip Kroonenberg. „Devil in Disguise“ - mit Pep gespielter Countryrock. Das letzte Stück von der „Grasshopper“ ist das Titelstück selbst – mit Congas versetzter Instrumentalsong – bemerkenswert.
Die Songs vom Album „#8“ aus dem Jahr 1983 starten mit „Money Talks“ - guter Rock, mit leichten Bluesansatz. Und ich wiederhole – wer Dire Straits mag – wird das sehr mögen. Gleiches gilt für „Hard Times“. „Teardrops in my Tequila“ - so schön kann der Mix aus Country und Blues sein – genial. Garagen-Blues-Rock: „Trouble in the City“.
Auszeit bis 1989. Dann erschien „Travel Log“. Davon ist auf der CD „Change your Mind“ - Ein Americana-Song der wirklich genauso von Philip Kroonenberg gespielt werden könnte (also der Vergleich ist damit endgültig positiv gerechtfertigt)) – ebenso „Lady Luck“ - auch ganz großartig – solche Songs kann ich wirklich immer hören – das ist gut, unaufgeregt – aber richtig gut – vor allem richtig gut gespielt.
Von den weiteren Alben von J.J. Cale befinden sich danach nur noch ein paar wenige Stücke in der Songsammlung. Von „Number Ten“ (1992) gibt es „Lonesome Train“ zu hören und das ist auch wieder total entspannter Rock. „Jailer“ ist wieder richtig gut – da werde ich auch nicht drum herum kommen, mir wohl noch ein paar der Platten von J.J. Cale nachzukaufen – denn da wird es sicherlich noch so einige gute Songs für mich zu entdecken geben.
Aus dem Album „Closer to you“ (1994) ist nur der Song „Borrowed Time“ enthalten – der auch die zweite CD abschließt und auch richtig gut und eine großartig gespielter und komponierter Song ist – außergewöhnlich.
„Low Down“ stammt vom Album „Guitar Man“ (1996) – schöne Country Rock-Nummer – man könnte auch J.J. Cale den Meister des sanften Country.Blues nennen. „Guitar Man“ - Wüsten-Rock auf J.J. Cale Art und Weise. Auch da wieder: Wer die Musik von Mark Knopfer liebt wird J.J. Cale auch lieben.
„Stone River“ stammt vom Album „From Tulsa and Back“ (2004) – Erdiger klingt das Spätwerk – aber J.J. Cale schafft es immer noch einem Genre, das eigentlich nicht so viel an Abwechslung bietet, immer wieder gute Songs zuzufügen. Und „Stone River“ ist sicherlich einer davon. Gleiches gilt für das wunderbare „The Problem“. Ganz großartig. Tolle Americana/Roots-Nummer.
Die Nächsten Songs stammen von der Songsammlung „Anywhere the Wind blows“ (1997). „Midnight in Memphis“ ist eine Blues-Rock-Nummer – bei der das Gitarrenspiel von J.J. Cale mal den Instrumentalsong ausfüllen kann. Aber auch da ist J.J. Cale wieder der Mann, der sich nicht gerne in den Vordergrund spielt und lässt seinen Mitmusikern auch ganz viel Raum. „Woke Up this Morning“ - was soll man noch nach so vielen Songs zur Qualität dieser Musik schreiben – bei diesen Song ist der Gesangspart nur etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt – aber sehr gut gespielt (wieder).
Weitere gute instrumentale West-Küsten-Rock-Nummer: „Durango“. „Things ain´t Simple“ - sanfter Roots-Rock.
Erster Live-Song der CD: „Wish I had me a Dollar“ - da klingt er wieder nach Ry Cooder – entspannter „laid back“ Rock. „Santa Cruz“ ist dann die letzte Studioaufnahme auf den Album, danach folgen nur noch Livestücke, die meisten davon stammen von der „2 Meter Session“ - damit ein weiteres Mal eine Verbindung nach „Holland“ – da die „2 Meter Sessions“ fürs Niederländische Radio produziert werden.
Die Live gespielten Songs sind: „Cocaine“ (vielleicht schon etwas zu lässig gespielt), „After Midnight“ (die Fassung ist aber unwiderstehlich), „Call me the Breeze“, Travelin´Light“, „Tijuana“, „Hold On“, „Rose in the Garden“, „After Midnight (ein weiteres Mal)“, „Ride me High“, „Devil in Disguise“.
Wer sich von dieser 3-CD-Collection nicht überzeugen lässt, ein J.J. Cale Fan zu werden, den kann ich auch nicht helfen – ich bin jetzt einer.

21.04.25
Kate Bush – Hounds of Love (1985)
Meilenstein – eins meiner absoluten Lieblingsalben der 80er Jahre, zusammen mit der „So“ von Peter Gabriel sicherlich das Beste was man an anspruchsvoller Popmusik damals zu hören bekommen konnte (natürlich ist das übertrieben ausgedrückt – aber so fühlt es sich auch heute noch – nach vierzig Jahren für mich an - „Hounds of Love“ und „So“ stellen für mich schon ein wenig sowas wie ein kleiner „Heiliger Gral“ meines Musikhörerlebens da – da kommt nichts ran (außer der „Graceland“ von Paul Simon, „White City Fighting“ von Pete Townsend, der zweiten Platte der Rainbirds usw...“).
Die Platte ist in zwei Teile aufgeteilt: Die erste Seite ist mit „Hounds of Love“ übertitelt und bietet einzelne Songs darunter auch die Singles „Running up the Hill“ und „Cloudbusting“. Die zweite Seite „The Ninth Wave“ ist dagegen als ein langer abwechslungsreicher Songzyklus angelegt – bestehend aus sieben Einzelteilen.
Neben Kate Bush waren an dem Album achtzehn Musiker beteiligt – die Produktion hat Kate Bush selbst übernommen.
Direkt „Running up the Hill (A Deal with God)“ ist einfach großartig und nimmt einen von Anfang bis Ende mit – Folk & Art-Pop in bester Form und die Gesangsparts sind großartig zusammengefügt. Die gesamten unterschiedlichen musikalischen Texturen und Stimmungswechsel – die eingesetzten Sounds überwältigen mich immer wieder und den Song hab ich wirklich oft gehört – Meisterstück – krieg grade beim Hören wieder Gänsehaut.
Übersprudelnd und fast euphorisch „Hound of Love“ und auch da – wie sich das Schlagzeug und die Streicher zusammenfügen und den Song vorantreiben – großartig. Und ich mag den Backgroundgesang in dem Stücken total – weil sie wie ein Instrument eingesetzt sind. Und die Energie die Kate Bush in ihren Gesang versprüht, greift einfach auf mich als Hörer über.
Folk-Pop wird bei Kate Bush einfach zur Kunst gemacht und trotzdem ist das vor allem fantastische Musik: „Big Sky“. Das ist wirklich Musik die mich total glücklich macht – perfekt und einnehmend zugleich. Lieblingsalben sind schon was ganz tolles.
„Mother stands for Comfort“ nimmt das Tempo raus und man kann sich in das Bassspiel und die Melodie fallen lassen – erinnert an die besseren Songs von Japan und David Sylvian. Da hört man den deutschen Eberhard Weber am Bass.
Besser geht’s nicht: „Cloudbusting“ - wieder so ein Track den ich liebe, der mich mitnimmt, der nachhallt und mit fortschreitenden Dauer mich immer wieder mit seinen unterschiedlichen Parts begeistert – die Streicher/Schlagzeug-Kombinationen sind einfach nur göttlich. Und dann der Choreinsatz – nur überwältigend. Solch einen Song muss man genießen – nicht nebenbei weghören.
Die zweite Seite mit den aus sieben Teilen bestehenden Stück „The Ninth Wave“ - sprengt die Grenzen zwischen Klassik, zeitgenössischer Musik und Pop Rock. Sanft geht es los mit „Dream of Sheep“ und auch da zeigt sich die Liebe der Irin zur traditionellen Musik ihrer Heimat.
Der zweite Part: „Under Ice“ ist bedrohlich gestaltet – da zieht Gefahr auf und eine Bedrohung nimmt Form an.
Bei „Waking the Witch“ wird man von eingespielten Dialogpassagen und einem sanften Klavierspiel eingefangen – dann wird es hektisch – und plötzlich hören wir in einen Post-Punk-Prog-Rock-Mix, wie man diese sonst eigentlich nur von Peter Gabriel her kennt, wie die Bedrohung weiter ansteigt. Am Ende ein Hubschrauben den wir von Pink Floyds „The Wall“ her kennen.
Danach wieder wunderschöner Pop-Folk und wieder der tolle Doublebass von Eberhard Weber: „Watching you without me“ - ein weiterer Höhepunkt des Albums – lieb ich total. Was Kate Bush aus den Fairlight Synthesizer an Klängen herauszuaubert ist auf dem ganzen Album auch total beachtlich. Da bekommt man einen Eindruck wie gut synthetische Klänge genutzt werden können ohne Musik gleich den Stempel „elektronische Musik“ aufzudrücken.
Und auch hier wird die tolle kunstvolle Art der Produktion sehr deutlich.
Der nächste Part „Jig of Life“ ist dann ein echtes wildes Folkstück.
Dem Finale nähert sich der Hörer mit „Hello Earth“ - hier wird es erhaben – gefühlvoll – sakral – dann dramatisch – dann wieder sakral - doch alles bewegt sich auf ein wunderschönes Finale zu.
Bei „The Morning Fog“ ist es dann das Gitarrenspiel von John Williams im Zusammenspiel mit dem schon mehrmals erwähnten Doublebass – da ist übrigens der klassische Gitarrist John Williams gemeint und nicht der Filmkomponist mit gleichen Namen – das mich immer wieder begeistert.
Das Album hat einfach soviel an dem ich mich begeistern kann und deshalb begeistert es mich auch immer immer wieder. Da kann ich nicht aus dem Schwärmen herauskommen. Einfach „meine“ Musik.

16.04.25
Boys in Trouble – Boys in Trouble (1988)
Das Duo Boys in Trouble bestand aus den grandiosen Basspieler und Sänger Konrad Mathieu und Schlagzeuger Gigi Sessenhauser. Der Sound der Band bewegte sich geschickt zwischen Rock und Pop, New Wave, – erinnerte ein wenig an Police (wegen der Instrumente) hatte aber immer auch etwas eigenes. Sie haben noch ein zweites Album gemacht, danach war leider Schluss, was ich sehr schade finde, weil ich die Stimme von Konrad Mathieu sehr mag – der spielt seit Auflösung der Band bei M. Walking on the Water nur noch den Bass.
Das Duo war glaube ich einfach ein paar Jahre zu früh am Werk – denn ein Song wie „Strange Games“ - der ein absolut großartiger Indie-Pop-Rock-Song ist – hätte eigentlich der Band zu einer großen Bekanntheit verhelfen „müssen“ - aber nicht immer sind gute Bands auch kommerziell erfolgreich. Verdient hätten sie es und „Strange Games“ würde sich auch heute noch sehr gut im Radio machen. Und das Bassspiel von Mathieu ist einfach klasse und singen kann er auch.
„Value and Times“ ist auch einfach als sanft popiger Song einfach schön – dabei hat er noch ein ganz leichtes New Wave-Feeling. Auch einfach ein wunderbarer Song und ich weiß warum ich nie aufgehört habe, dieses Duo zu mögen. Die machten einfach „gute Musik“.
Diese Debüt-Platte ist mit 15 Stücken gut gefüllt. Bands neueren Datums – besser gesagt aktuelle Bands wie Tolyqyn machen auch heute keine andere Musik als wie es die Boys in Trouble mit „100 Miles“ machen. Experimentierfreudiger Genre/Mix-das trifft Rock/Pop/Jazz/Weltmusik schön aufeinander. Ich glaub ich mag die Platte gerade noch mehr als früher.
Nur gut ist das und das macht mir gerade wieder richtig viel Freude und ein Song wie „Ups - Downs“ trägt dazu seinen Teil bei.
Schlagzeugarbeit in richtig gut und da erinnern sie dann tatsächlich an The Police bei „4:30“.
Etwas rockiger am Anfang – dann aber eher verträumt, schon fast im Jazz-Modus: „Harmony“. Auch da ist die Qualität von Gigi Sessenhauser am Schlagzeug gut zu hören. Die waren als Musiker schon sehr gut – einmal hab ich sie auch mal live gesehen – beim „Bochum Total“ - so 89 oder 90 muss das gewesen sein.
Ein weiterer meiner ewigen Lieblingssongs der Band: „Row the Boat“ - etwas atmosphärischer, aber sehr guter „anderer“ Rocksong.
Ganz großartig auch „Say Yes, say No“. Tolle Rock-Pop-Nummer. Die Platte klingt auch sehr gut – das ist sehr schön produziert.
Bisher kein schlechter Song – auch „What I Need“ mag ich sehr. Ich glaub Fans von Fury in the Slaughterhouse müssten den Song was abgewinnen können. Von deren Leichtigkeit von Fury, sich zwischen Pop und Rock problemlos zu bewegen, davon haben die Boys in Trouble auch ganz viel in ihrer Musik.
Song Nummer Zehn „Endless Road“ ist nicht ganz so meins. Dafür ist dann „So many Times“ wieder richtig gut – das ist einfach ein toller Pop-Rock-Song. Und wenn man denkt, es kann nicht mehr besser werden, dann überzeugt einen das geniale „So many Times“ vom Gegenteil.
Ein wenig wieder mehr im Art-Rock-Sektor: „Love Never Ends“ - die Art Songs hat wirklich im Lauf der Zeit was dazugewonnen. Früher mochte ich das nicht so sehr – heute mag ich es sehr.
„I´m running through“ - noch mal etwas flippiger – fast schon im Funk-Crossover-Style. Danach noch das sehr kurze Abschlussstück: „The Werk“.
Absolut eine Freude, dieses Wiederhören – könnt ihr Euch auch alle ganz günstig nachkaufen und selbst genießen, da die CD und LP aus Zweiter Hand sehr günstig zu haben ist. Und ich freue mich schon auf das Wiederhören des zweiten Albums – da sind auch ein paar Lieblingsstücke drauf und eine sehr gute Coverversion von „New England“
15.04.25
Elvis Costello – Spike (1989)
Das zwölfte Album von Elvis Costello – der Mann haut auch gerne ein Album nach dem anderen heraus – was vielleicht deshalb auch zu solch großen Qualitätsunterschieden oder Richtungswechsel führt – bei mir, der sich jetzt eigentlich wirklich kein Urteil über das Gesamtwerk von Elvis Costello erlauben kann, da ich viel zu wenig daraus kenne, ist das mit den Alben von Elvis Costello so – entweder finde ich es richtig gut oder ich bin total enttäuscht. So mochte ich „Spike“ immer, aber das nachfolgende Album „Mighty like a Rose“ fand ich sehr enttäuschend – nur „The Other Side of Summer“ fand ich da erträglich und kam noch an die Qualität der Songs von der „Spike“ heran. Auch der Versuch es mit einem älteres Album „Goodbye cruel World“ zu versuchen scheiterte. Erst Jahre später, als Costello das Album „The River in Reverse“ das er mit Allen Toussaint 2006 aufgenommen hat und seine Beteiligung an den „The New Basement Tapes“ (2014) ließen mein Interesse an ihm wieder steigen. Letztes Jahr höre ich dann „Punch a Clock“ (1983) und das fand ich dann auch gut. Also da gibt es wirklich wohl noch viel zu Entdecken für mich – aber die Songs vom Album „Spike“ gehören seit Jahren zu meinen ständigen Begleitern.
„Spike“ war das erste Costello Album das er für Warner produziert hat und Warner verwöhnte Costello mit einem hohen Budget. Vier Musikstudios wurden angemietet und alle mit unterschiedlichen Musikern besetzt – die Zahl prominenter Musiker ist groß und auch auf diesem Album ist Paul McCartney am Bass zu hören und zwei Songs – darunter die Hitsingle des Albums „Veronica“ - wurden von McCartney mitkomponiert. Chrissie Hynde ist als Harmoniesängerin dabei, Jim Keltner und Jerry Marotta unter anderem an den Drums zu hören. Allen Toussaint am Piano, bei der Irland-Session waren unter anderen Christy Moore und Davy Spillane mit dabei und fast jeder der über dreizig Musiker, die an dem Album mitgearbeitet haben, verfügen über einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Spannend finde ich, dass die Platte trotzdem wie aus einem Guss klingt. Dafür sind auch die Co-Produzenten T Bone Burnett und Kevin Killen mitverantwortlich.
Direkt „This Town“ macht Spaß – es ist ein schöner Mix aus Singer/Songwriter und anspruchsvoller Rock. Ein kunstvoller Blues: „Let him Dangle“ und die Soundkulisse erinnert hier und auf der ganzen Platte eigentlich auch immer ein wenig an den Sound einer Tom Waits-Platte. Singer/Songwriter-Rock den man sich am besten in einem verrauchten kleinen Club auf kleiner Bühne gespielt vorstellt. Aber auch dies ist ein sehr guter Song. Gleiches gilt für das ebenfalls großartige „Deep Dark truthful Mirror“ - das sind einfach alles sehr sehr gute Stücke und von außerordentlicher Qualität, da sie Anspruch und Hörspaß sehr gut verbinden. Was ich an Costello auch schätze, ist seine Qualität als Sänger – man hört ihm immer raus – ein Elvis Costello verwechselt man nicht und man erkennt ihm immer sofort – und dies zusammen mit der Qualität seiner „guten“ Stücke setzt ihm bei mir immer mit einem Joe Jackson auf eine Stufe. Irgendwie passen diese beiden Ausnahmemusiker für mich immer gut zusammen – obwohl sie glaube ich nie was zusammen gemacht haben.
„Veronica“ ist einfach total einnehmend, funktioniert immer und damit kriegt Costello jede(n) rum. Und ja es klingt natürlich auch wie eine Paul McCartney-Nummer. Die beiden hatten bei der Arbeit an dem McCartney Album „Flowers in the Dirt“ zusammen zwölf Songs komponiert und diese dann auf verschiedene Alben platziert – mal ein Song auf dem Album von dem einen, mal zwei auf dem von dem anderen usw.
Fast wie eine Nummer aus der Zeit, als Filme noch keine Farbe hatte, klingend und mit ganz viel eigenen Charme: „God´s Comic“ - auch eine ganz riesige Nummer. Ach, ich liebe dieses Album – einfach unzählige gute Songs drauf.
Jazzrock: „Chewing Gum“. Wunderschöne Folk-Ballade: „Tramp the Dirt Down“ - und Costello singt darin gegen die Thatcher-Ära an. Instrumentaler Jazz im New Orleans-Style „Stalin Malone“. Sanft: „Satellite“. Schöner Folk-Rock´n´Roll: „Pads, Paws and Claws“.
Wenn man hören will, wie diese Platte im Gesamten klingt, dann muss nur „Miss Macbeth“ hören – da bringt Costello alle Stilelemente des Albums auf grandiose Weise zusammen. Da ist soviel drin – das ist schon eine Meisterleistung.
Wunderschöne Folk-Nummer: „Any King´s Shilling“. Blues-Rock auf Costello-Art: „Coal-Train Robberes“. Melancholisch Akustikballade am Ende: „Last Boat Leaving“.
Immer noch ein ganz und gar zeitlos gutes Album. Bleibt ein Lieblingsalbum.

06.04.25
Radiohead – Hail to the Thief (2003)
Album Nummer Sechs. Mit einem meiner absoluten Lieblingssongs. Bis auf den einen Song ist vom Album bei mir im Kopf nicht viel hängen geblieben, deshalb lohnt sich auch da ein Wiederhören. Es ist ja auch schlimm, dass man manche Alben durch jahrelanges Playlisthören fast nie am Stück durchgehört hat – so geht es mir bei vielen Alben nach 2000 – ein Jammer. Aber das hab ich ja seit einiger Zeit geändert und das ist gut so – sonst gäbe es ja all meine Texte nicht und die brauche ich allein für mich selbst, denn wer kann bei soviel Musik schon den Überblick behalten oder auch nur eine neuentdeckte Band nicht wieder schnell vergessen? Macht Notizen – das Hirn ist nicht perfekt. Meins schon gar nicht.
Im schon fast für Radiohead typischen melancholischen Indie-Art-Rockgewand beginnt das Album auf bekannten Pfaden mit „2+2=5“. Aber schön das sie dabei auch wieder richtig rockig klingen und ich glaub, deshalb ist mir das ganze Album eigentlich auch in meiner verschwommenen Erinnerung gut in Erinnerung geblieben.
„Sit down. Stand Up.“ - super. Ich mag ja wenn es so klingt, als ob Radiohead Musik für einen Arthouse-Film machen. Atmosphäre, kunstvolle Produktion und eine trotzdem mitreißende Musik. Und das stimmt bei dem Song wieder. Den werde ich ab jetzt in Erinnerung behalten. Und in Sachen einzigartig gutes Soundkostüm machen Radiohead sowieso immer gute Arbeit.
Sanfte Melancholie: „Sail to the Moon“. Wenn sie wollten könnten Radiohead auch einfach eine verdammt gute Progrock-Gruppe sein – da würden sie alle Mitbewerber von Thron stürzen. Wer da noch glaubt Steven Wilson wäre ein guter Songtüftler – der hat Radiohead noch nie richtig gehört.
Bei „Backdrifts“ merkt man aber auch das Radiohead irgendwie seit „Kit A“ auf der Stelle treten. Das ist auch gar nicht schlimm, weil die Songs ja trotzdem alle ihre Qualität haben und als Einzelstück ist „Backrifts“ was besonderes. Aber diese doch langsam immer gleichbleibenden Sound-Ideen hinterlassen dann doch, wenn man ihr Werk schnell hintereinander hört, das Gefühl von auf der Stelle treten. Das passiert aber natürlich vielen Bands und es ist auch nicht schlimm, da die Fans, dann ja wissen was sie mit jeder neuen Platte kriegen – solange halt auch die Qualität beibehalten wird. Und diese Qualität kann man Radiohead bei diesem Album auf jeden Fall nicht absprechen. Bisher hat das Album auch keine Ausfälle – also Songs, die nur wie Kunststücke oder Zwischenspiele funktionieren.
Echter Gitarrensound begrüßt einen bei „Go to Sleep“ und wirklich – das ist eine wirklich gute Alternative-Rock-Nummer und macht auf ihre einfache Art wieder richtig Spaß – da erinnert man sich doch wieder an die alten Zeiten der Band.
Und das Album macht immer mehr Spaß, weil da doch wieder mehr Rockband-Ambitionen zu hören sind – so mag ich auch „Where I End and you Beginn“ sehr.
Tragischer Gospel im Radiohead-Style: „We suck your Blood“ - das ist schon eine echte Gothic-Ballade – aber ohne auch Gothic- oder Düsterrock zu sein – dafür ähnelt es dann doch eher klassische zeitgenössische Musik zu sehr und hat mit dem ganzen Lack und Leder/wir verkleiden uns-Ding nichts zu tun. Düsterere Kammermusik.
„The Gloaming“ arbeitet mit Glitches und Sounds der elektronischen Musik – davon habe ich ja seit drei Alben viel mehr erwartet, aber vielleicht hatte ich das auch zu sehr mit den anderen Nebenprojekten und Thom Yokes Soloarbeiten in Verbindung gebracht. Aber das ist so ein Stück – und meiner Meinung nach klingen solche Stücke von Thom Yorke doch alle gleich. Düster, melancholisch – ist der Mann niemals glücklich?
Danach folgt aber ein weiterer Song mit Drums und Bass und Rockgitarre: „There There“ - auch den mag ich. Auch die Arthouse-Rock-Stücke von Radiohead sind sich auch immer etwas ähnlich – aber sie sind dafür auch immer gut. So gut. Und im späteren Verlauf des Songs rocken die so richtig gut.
Kurzes: „I will“ - kann man vielleicht als modernen Canterbury-Folk verstehen. Aber ist schon irgendwie trotz der Kürze auch anstrengend.
Danach mein absoluter Highlightsong – von Anfang bis Ende einfach einfach nur spannend, mitreißend und großartig: „A Punch at the Wedding“. Song für die Ewigkeit.
„Myxomatosis“ - ungestümer Elektro-Rock-Song. Nicht ganz so meins - hat aber glaube ich als Einzelstück auch seinen Wert.
Sanft (natürlich auch melancholisch) „Scatterbrain“. Am Ende: „A Wolf at the Door“. Psychrock mit Indierock gepaart – das können in dieser Klasse auch nur Radiohead.
Wirklich sehr gutes Radiohead-Album und auch besser als die beiden Vorgängeralbum „Kid A“ und „Amnesiac“ weil es einfach mehr Highlights bietet – weil es wieder mehr gute Songs hat – trotzdem verliert die Band dabei nichts von ihrem Anspruch mehr zu sein als die typische Rockband von nebenan. Art-Rock – aber glücklicherweise diesmal mit mehr Rock als Art(Kunst).

05.04.25
Antony and the Johnsons – Thank you for your Love (2010)
Exzellenter anspruchsvoller Indie-Chamberpop mit ganz viel Gospel und Soul-Einfluss, der wie immer bei Antony (später Anohni and the Johnsons) stark von der prägenden Gesangsart von Anohni Hegarty geprägt ist. Bei dieser EP mit fünf Songs – kann man als Fan der Band nichts falsch machen.
Leicht melancholisch, aber wunderbar träumerisch und irgendwie strahlt die Musik von Antony and the Johnsons immer ganz viel Hoffnung aus – und davon können wir ja gerade in diesen Zeiten ganz viel gebrauchen. Mein persönliches Highlight der EP ist dass total süße und schöne: „Pressing On“ - das ist ein ganz besonders Stück Musik. Und wenn Antony and the Johnsons „Imagine“ covern – einfach nur Wow!


03.04.25
Pearl Jam - Vs. (1993)
Okay, dem Punkrock nähern sich Pearl Jam nicht erst ein Jahr später mit „Spin the black Circle“ an. Auch „Go“ hat davon schon ordentlich was. Schön ungestüm. So mag ich meinen Rock. Dabei aber auch noch melodiös, spannend und wuchtig – toller Song, toller Einstig – und es ist so weit vom Sound vom Vorgängeralbum „Ten“ entfernt, dass man nur verblüfft, aber total begeistert, diesen Einstig ins zweite Album der Lieblingsband, die sich mit „Alive“ und „Jeremy“ für alle Ewigkeit einen Platz an vorderer Stelle meiner Ewigkeitsbestenliste gesichert haben, genießt.
Und wuchtig und gut geht’s direkt mit „Animal“ weiter. Sie sind härter und aggressiver geworden – aber der Sound der Band ist so gut geworden, dass man dass einfach nur genießt. Und so wird es über einen großen Teil dieses Albums immer weiter gehen. So viele Songs – die man immer und immer wieder gerne hört – kommen da noch. Ein Wahnsinnsalbum – immer noch.
Wer mag den Song „Daughter“ nicht? Keiner - gut, denn sonst stimmt was mit Dir nicht. Ein absolutes Lieblingslied von mir ist dieser wunderbar eher akustisch klingende Song. Musik für mich gemacht. Nur für mich. Gefolgt wird dieses Meisterwerk von einem tollen Rocksong: „Glorified G“. Was liebe ich dieses Album? – wie viel Spaß macht das immer noch? – da vergesse ich auch mal für einen Moment gestiegene, für mich unbezahlbare Ticketpreise – und das eher ernüchternde zuletzt erschienene Album, für dass die Jungs vom Pearl Jam und ihr Manager und Label auf Vinyl gepresst bis zu 50€ und mehr bei Erscheinen haben wollten (die CD war auch nicht günstig) und das bei einer Band, die mal für faire Ticketpreise gekämpft hat.
Natürlich lenkt auch „Dissident“ von solch Gedanken ab – auch ganz groß. Gefolgt von „W.M.A.“ das mich mit dem Schlagzeugspiel immer umhaut und begeistert. Danach wird es nochmal richtig heftig und wild (aber auch das ist gut): „Blood“. Auf dass das grandiose „Rear View Mirror“ folgt. Alles toller Rock – alles total gut, zeitlos – Songs für die Ewigkeit – einer nach dem anderen. Mit den Songs kriegen Pearl Jam mich immer.
Ein wenig funky geht’s auch – aber auch mit ganz viel Rock gemischt: „Rats“ (den Song unterschlägt man gerne, wenn man an das Album denkt – dabei ist der auch richtig gut – aber es sind vielleicht einfach zu viele gute Songs drauf.
Eine weitere Singer/Songwriter-Ballade folgt: „Elderly Woman behind a Counter in a small Town“. Dieser Song zusammen mit „Daughter“ und „Crazy Mary“ (vom „Sweet Relief - Sampler“) konnte ich immer und immer wieder hören. Eigentlich bin ich von meinen musikalischen Anfängen her, ja einer, der eher dem akustischen und folkigen Liedgut zugetan war – geht ja auch nicht anders, wenn „Maybe“ von Thom Pace meine erste Single war.
Dies ist auch ein Text der niederrheinischen Abschweifungen. Aber auch bald ist diese Lobhudelei zu Ende. „Leash“ erinnert am meisten noch an den Sound von „Ten“ und hat auch eher das Zeug zu einer Single-B-Seite. Auch wirklich nicht schlecht. Sanft im Abgang ist das Album dann auch noch: „Indifference“. - für mich ist dieses Album und bleibt es auch – genau wie „Ten“, der „Singles“ Soundtrack und das „Tempel of the Dog“ Album ein absoluter Höhepunkt – viel mehr Begeisterung für Musik, als für diese kann man kaum verspüren und somit ist diese Musik auch Teil meines persönliche Soundtracks.
18.3.25
PJ Harvey – Stories from the City, Stories from the Sea (2000)
Album Nummer Fünf von PJ Harvey, das sie mit ihren beiden Produzenten Rob Ellis und Mick Harvey eingespielt und produziert hat. Bei vier Stücken ist auch Thom Yorke mit dabei, unter anderen als Sänger beim Stück „This Mess we´re in“. Dies finde ich einen lustigen Zufall, da ich ja gerade mich durch die Radiohead-Discographie höre. Harvey selbst meinte, das Album sollte weniger extrem ausfallen als die Vorgänger und sieht es als ihr „Pop-Album“, auch wenn es von den meisten wohl nicht als Pop-Album eingeordnet wird. Mal hören, wie viel Pop in dem Album steckt.
Den Rock mit Gitarren kann PJ Harvey gut. Und direkt mit „No Exit“ rockt sie richtig gut los und diesmal sogar eher klassisch und nicht ganz im Stil der frühen Patti Smith, obwohl ganz trennen lassen sich die beiden Musikerinnen trotz des Altersunterschied nicht. Das Raue und auch immer am Punk orientierte, haben beide einfach gemein. Und so richtig nach Patti klingt PJ Harvey dann doch wieder bei „Good Fortune“ und das ist auch gut so – da der Song richtig gut ist. Der hat dann sogar wirklich etwas Pop-Feeling.
„A Place called Home“ – der Song ist auch richtig gut – anspruchsvoller Rocksong, toll produziert. Toll auch „One Line“ - atmosphärischer Song – der die Rockgitarren mal etwas zurückhaltender einsetzt. Bisher bin ich von der Platte vollauf begeistert.
Bei „Beautiful Feeling“ hört man den Thom Yorke Einfluss direkt raus – was spannend, gleichzeitig auch gut ist. Im nachfolgenden Song „The Mess we´re in“ - ist das dann noch verstärkt. Ein musikalisches Traumpaar würde ich mal sagen, denn was für ein toller Song ist das?
Akustik-Singerin/Songwriterin-Folk: „You said Something“. Flotter Rock: „Kamikaze“.Noch härterer Rock: „This is Love“. Rock in Zart/Bitter: „Horses in my Dreams“.
Bei „We Float“ stimmt wieder die Mischung aus raue düster Stimmung und anspruchsvoller Songgestaltung. Das klingt dann auch ein wenig nach Nick Cave. Und plötzlich, beim Stimmungswechsel des Songs singt Polly Jean Harvey fast mal euphorisch liebevoll. Auch das kann sie, wenn sie möchte. Vielschichtiger wird es ja noch auf den späteren Alben.

06.03.25
The Smile – A Light for attracting Attention (2022)
Als Trio formieren sich die schon bei Radiohead zusammen spielenden Musiker Thome Yorke (Vocals, Bass, Guitar, Keys), Jonny Greenwood (Bass, Guitar, Keys) mit Tom Skinner (Drums) neu und erfinden sich als genreübergreifende Rockband ein bischen neu. Und das finde ich gut. Weil mich von den letzten Arbeiten von Yorke egal ob solo oder mit Radiohead nur noch „Hail to the Thief“ richtig begeistern konnte und ich den Elektro-ART-Rock-Stil der meisten späteren Songs irgendwann langweilig oder satt war (was sich aber jüngst geändert hat, wie Ihr später auf dieser Webseite noch lesen werdet) – es klang alles irgendwie gleich für mich. Da mochte ich dann am Ende eigentlich die zwei ersten eher Indie-Rock-Alben von Radiohead doch am allerliebsten, obwohl ich noch in den 2000er Jahren sicherlich einer der ganz großen Radiohead-Fans war – aber Zeit vergeht und Vorlieben ändern sich.
Da fand ich den Schritt zum eher rockenden Trio natürlich interessant und freute mich drauf.
Hör aber – weil schon lange nicht mehr gehört – auch mal die „Kid A“ und „Okay Computer“ bald nochmal neu – vielleicht mag ich das dann jetzt ja doch auch wieder mehr als gedacht. Mal hören. Aber erst – das Debüt von „The Smile“.
Dabei machen „The Smile“ es Radiohead-Fans mit „The Same“ den Umstieg in das neue Projekt sehr einfach – weil es einfach wie ein Radiohead-Song von den letzten Alben klingt. Von Rock ist da noch nicht viel zu hören. Eher wieder elektronische Klänge und melancholisch gesungene Texte. Doch nichts neu bei Thome Yorke und Co? Oder ist der Song nur als langgezogenes Intro gedacht?
Hey! Bei Song-Nummer Zwei „The Opposite“ fühlt man sich ja direkt viel wohler – fast fühlt man sich in die frühen 2000er versetzt. Experimenteller Indie-Rock war da gerade in. Wer war dafür nochmal mitverantwortlich? Stimmt: Radiohead. Aber was soll es. „The Opposite“ ist das Beste, das ich seit langen von „Radiohead“ - Verzeihung – von den Musikern der Band gehört hab. Wer düsteren Indie-Art-Rock mag – mag den Song.
Rockgitarren dann auch zu genüge bei „You will never work on Televison again“ - und da bin ich ja ganz Fan – Yorke singt wie früher und der Rest ist gut gerockt – ich fang an das Album schon jetzt zu lieben. Ich hab „mein“ Radiohead zurück – auch wenn sie sich jetzt anders nennen und nur ein Trio sind. Endlich macht mir ihre Musik wieder Spaß.
Es folgt dann aber mit „Pana-Vision“ eine deutliche Tempodrosselung, aber das Piano schafft es mit seinen Klängen, den Song besser zu machen – als er anfänglich klingt – aber ein wenig ist das dann doch wieder der Rückfall in den Art-Rock, der ein Stück zu viel Kunst ist und zu wenig Song. Das hat was – ist aber gegenüber „The Opposite“ kein Stück an das man sich lange erinnern wird, oder das die Rückbesinnung auf Spaß machenden Indierock wie „You will never work on Television again“ fördert.
Genau so großartig wie „The Opposite“ ist „The Smoke“ direkt mit der Basssequenz am Anfang. Damit werde ich musikalisch direkt wieder etwas über 20 Jahre zurück versetzt als die Alben „Think Tank“ von Blur und eben „Hail the Thief“ von Radiohead mich begeisterten. Wer diese Alben liebt, wird die Musik von „The Smile“ lieben. Auf jeden Fall ist „The Smoke“ was ganz Gutes.
Orgelklänge, sanfte Trommeln und es klingt schon fast wie bei Sigur Ros was dann mit dem Titel „Speech Bubles“ folgt, dann auch etwas an die Musik von Alt-j erinnert, die aber sicherlich sich bei ihren Sound was von Radiohead, Blur und anderen Indiebands abgeguckt haben. Aber auch so sanft, geben „The Smile“ eine gute Figur ab.
Das ist schon richtig gut, was die machen – der etwas experimentelle Rock klappt gut: „Thin Thing“ - das ist mit Anspruch gemacht, und keinen Falls einfache Popmusik – nimmt mich aber mit den Rockrhythmen wieder richtig mit. Art-Rock, so wie er richtig gemacht ist. Das Gegenteil von zu viel Kunst im Song ist, wenn Du Dich in den Rhythmus des Songs verlieren und eintauchen kannst und dies ist bei „ThinThing“ absolut möglich. Und ich frag mich, warum ich da nicht beim Konzert im Köln letztes Jahr dabei war (manchmal bin ich doof).
Wieder sanfter: „Open the Floodgates“. Und auch dieser sanfte Indie-Pop-Song, der dann auch was für Efterklang-Fans ist, ist sehr gelungen. Es gibt ja Leute, die das dann schon als Prog-Rock bezeichnen. „Free in Knowledge“ behält den sanften Ton bei und ladet schon fast ein wenig zum Träumen ein – Thom Yorke versucht so schön wie nur möglich zu singen – ein Traum – Yorke und Greenwood machen wirklich wieder Musik für mich – das ist auch ein Traum. So langsam wird die Platte aber wirklich ziemlich Retro – das hat schon viel vom Canterbury-Rock was man da bei „A Hairdryer“ zu hören kann (aber da haben sie auch schon gerne sich mit Radiohead bei einigen Songs bedient). Psychodelic-Rock here you come. Krautrock können sie auch: „Waving a white Flag“ (und kommt mir jetzt nicht wieder damit, dass die keine Deutschen sind und deshalb auch keinen Krautrock machen können – „von deutschen Elektro- & Rockbands der 70er geprägte Musik“ klingt doch auch blöd.
Nochmal richtig gut – weil der Rhythmus einen sofort mitzieht: „We don´t know what Tomorrow brings“. Nochmal wieder sanfter, aber nicht schlechter, das letzte Stück der Platte: „Skrting on the Surfache“.
Das hat viel Spaß gemacht und ist der von mir erhoffte Wandel. „Radiohead“ war mal gut, „The Smile“ ist grade besser. Und gut ist das es schon eine Live-CD und zwei weitere Platten gibt – da fällt ein Lächeln am Ende der Platte nicht schwer.


28.02.25
Jason Isbell and the 400 Unit - Reunions (2020)
Bei meinem letzten Text hatte ich über Jason Isbell ja vermutet, dass er in Deutschland zu wenig Fans hätte und hier auch wohl nur sehr selten bis gar nicht auftreten würde. Gestern (4.2.25) war ich dann bei einem Solo-Acustic-Konzert von Jason Isbell in der Kölner Kulturkirche. So kann man sich täuschen. Und was ist der Mann doch für ein begnadeter Songwriter, Gitarrist und Sänger. Bald kommt auch sein nächstes Album ohne die 400 Unit heraus und ich höre jetzt erst mal das Album „Reunions“ in Ruhe an.
Seele hatte die Musik von Jason Isbell immer schon und schon wirklich recht soulig kommt das erste Stück des Albums daher und ist schon fast NeoSoul: „What´ve I done to help“ - überraschend, aber auch wieder ein richtig guter Song. Den Soultouch hat der Song auch sicherlich Co-Autor Michael Kiwanuka mit zu verdanken. Die restlichen Songs sind aber allein aus der Feder von Isbell. Und das alles wieder so gut klingt ist zum wiederholten Male Produzent Dave Cobb zu verdanken.
Mit „Dreamsicle“ sind wir wieder im bekannten Americana-Stil – und wie immer schafft Isbell da eine schöne Ballade nach der anderen rauszuhauen. Das kann er und er schafft es sogar, es so gut zu machen, dass man sich als Fan und Hörer dabei noch nicht mal langweilt – die Songs sind einfach zu gut dafür. So auch „Dreamsicle“. Sehr sanft, melancholisch – fast schon traurig: „Only Children“. Rockiger sind da die Klänge bei „Overseas“.
Der Anfang könnte auch von den Dire Straits sein – das ist einer dieser ganz tollen Stücken im Repertoire von Isbell – sowas wie ein Instant-Lieblingslied: „Running with our eyes Closed“. Ganz tolles Stück.
Im Heartland-Rock-Stil: „River“. Im Rockmodus nochmal und der Song ist auch wieder riesig: „Be Afraid“. Weitere Ballade: „St. Peter´s Autograph“. Folkig, aber nach hinten raus auch noch mal richtig rockiger: „It gets Easier“. Country Ballade am Ende: „Letting you go“.
Im Americana-Bereich ist Jasson Isbell sicherlich eine gesetzte Größe und seine Alben sind auf jeden Fall immer sehr gut produziert und von einem Künstler, der wirklich viel von sich in seine Kunst einfließen lässt und das hört man. Sicherlich ist „Reunions“ nicht besser als das Meisterwerk „Southeastern“ - aber das ist ein Problem, dass auch andere Künstler/innen haben – die mal ein echtes Stück Musikgeschichte geschaffen haben. Daran arbeitet man sich dann weiter ab, aber lebt auch von dem Kredit, den man für diese Leistung von den Fans bekommt – die bleiben einen dann meist nämlich einfach treu.

20.2.25
Moaning – Uneasy Laughter (2020)
Der Sound des Eingangsstücks „Ego“ hat viel Indiecharme und es hat was vom Sound des 80er Jahre PostPunks und rockt dabei aber auch richtig gut. Deshalb bleib ich auch sehr interessiert und höre gerne weiter. Moaning sind ein Trio bestehen aus Sean Solomon (Gesang, Gitare), Pascal Stevenson (Bass, Synths), Andrew MacKelvie (Drums). Beim Sub-Pop-Label ist das Trio untergekommen, was ja schon mal eine gute Adresse für modernen Alternativrock ist und den modernen Alternativrock von Moaning höre ich gerne – da sie den Sound des 80er Jahre Alternativrocks kongenial ins Jetzt übertragen: „Make it stop“ ist schon ein sehr toller Song – erinnert an viele gute Songs der Post-Punk-, Düsterrock-Ära und ist einfach richtig gut.
Bei „Stranger“ kommen Fans von Joy Division auf jeden Fall auf ihre Kosten. „Running“ auch einfach ein Paradestück für guten Indierock mit PostPunk-Touch. Wirklich sehr gute Entdeckung. Shoegaze-Elemente gibt es auch zu hören: „Connect the Dots“. Noch mal wirklich im Retro-Indierock-Modus und es wird gesungen wie bei Joy Division: „Fall in Love“. Auch die weiteren Songs funktionieren richtig gut: „Coincidence or Fate“, „What seperate us“. Egal ob man Fan von The Twilight Sad, Joy Devision oder The Cure ist – für diese sollten die Songs von Moaning wirklich was sein – sie erfinden nichts neu – fügen dem Genre aber neue sehr gute Stücke hinzu und das ein ganzes Album lang – und sie langweilen dabei kein Stück. Funktioniert alles: „Keep Out“ und auch das etwas softe „Saving Face“. Kurzer knackiger Rausschmeißer am Ende: „Say Something“.
Wer atmosphärischen Alternativ-Indie-Rock mit viel 80er Jahre Charme hören möchte, der liegt bei „Moaning“ total richtig. Feine Neuentdeckung.
15.02.25
Shelby Lynne – Shelby Lynne (2020)
Oh – manchmal ist es vielleicht gut – wenn man nie den so ganz ganz großen Durchbruch hat – mit dem, was man am Anfang macht – sonst wäre Shelby Lynne immer eine einfache Nashville-Country-Musikerin geblieben und dann hätte sie nicht immer nach neuen Wegen suchen müssen, um sich ständig neu zu erfinden und um so mit einem fünften Album – als beste Newcomerin ausgezeichnet zu werden – aber auch das ist schon viele Jahre her und immer ging es in der Kariere von Shelby Lynne auf und ab – aber irgendwie hat sie sich mittlerweile bei den Kritikern zu einen echten Liebling gemausert und gilt als ausgesprochen gute Singer/Songwriterin und dies beweist sie auch am Anfang dieses Albums mit „ Strange Things“, um danach mit einem echten Soul-Stück zu begeistern: „I got you“. Gefolgt wird dieses von einen wunderschön sanften Song: „Love is coming“. Und schon mit den drei Songs bin ich begeistert und damit hat sie mich dann doch auch endlich rumgekriegt – bisher hatte ich nur vereinzelte Songs von ihr in meiner Playlist – meist von Zeitschriftenbeilagen-CDs. Die ließen mich zwar aufhorchen, aber nie den Schritt zum Albumkauf machen. Das hat sich geändert.
Schöner Roots-Folk: „Weather“. Anmutig, sanft, melancholisch: „Revolving broken Heart“. Und die Mischung aus Singer/Songwriter-Roots-Folk und Soul ist schon was ganz besonderes und funktioniert großartig. Noch mehr im Soul-Modus: „Off my Mind“. Wieder im Genre-Mix-Modus und dies auch mit ganz viel Soul: „Don´t even belive in Love“. Das amerikanische Songbook wird mit dieser Platte einfach mal vergrößert. Schön akustisch: „My Mind´s Riot“.
Am Piano oder davon begleitet – mit Blues in der Stimme: „Here I am“. Die Songs haben alle das Potential als zeitlose Standards sich in die Musikgeschichte einzureihen. Eine große Künstlerin, die hartnäckig an sich gearbeitet hat und wohl nie den Glauben an sich verloren hat. Ein Song wie „The Equation“ ist immer ein Geschenk von einer Künstlerin an das Publikum. Danke dafür. Mit sanften Soul „Lovefear“ endet dieses großartige Album, das wirklich in meiner Sammlung gehört und dort einen guten Platz bekommt.

14.02.25
Spaceman Spiff - ….und im Fenster immer noch weiter (2011)
Das ist das zweite Album von Hannes Wittmer, das er noch als Spaceman Spiff herausgebracht hat. Geholfen haben ihm dabei Felix Weigt (Bass), Jonny König (Schlagzeug), Anne DeWolff (Streichinstrumente).
Schöner akustischer Sound, zu wunderbar aneinandergereihten Worte und dies mit viel Gefühl vorgetragen und es hat auch einen feinen Indie-Pop-Charme und so funktionieren die Songs von Spaceman Spiff und direkt am Anfang dieser CD der Song „Strassen“ ganz ganz toll. Und wer hat schon Textpassagen wie „Ich allein gegen die Ampelmänchen“?
Singer-Songwriter-Song „Treibsand“ folgt. Eine Ode an die Stadt: „Hamburg“. Ein Song für den Neuen in der Stadt, der merkt dass Freiheit auch „allein sein“ bedeutet. Für die schönen sanften Momente im Leben macht Hannes Wittmer immer wieder ganz tolle Songs und einer davon ist „Zeit zu bleiben“. Da lächelt und baumelt die Seele. Und es sind nicht nur die Texte, es liegt auch an der Qualität der Musik. Feiner Singer/Songwriter-Song: „Scherenhaenden“
„Photonenkanonen“ ist zwar wunderbar melancholisch – aber hat im Refrain auch was von einen „Haindling-Song“. Akustisch, sanft, schön: „Schwarz Weiss“ und hat auch was von einer The Notwist-Song-Miniatur. „Elefanten“ hat etwas mehr Schwung – bleibt aber trotzdem ganz groß von der Songqualität her. Das ist schon richtig richtig gut. Aber die sanften Stücke, die man auch von seinen Konzerten her kennt, überwiegen auf der Platte, einer davon ist auch „Irgendwo ist immer Woanders“. Leider schafft Hannes Wittmer es in den letzten Jahren immer in meinen Konzertumkreis zu kommen, wenn ich im Urlaub fahr – dass muss sich auch mal wieder ändern.
„Schnee“ - hat diese Textzeilen, die mich als Hörer total begeistern und ihm zum Liebling aller Germanistik-Studenten/innen machen. Die meisten Songs sind recht kurz – so drei Minuten – mal mehr, mal weniger, aber „Ab Heute immer jetzt“ ist mit 6.41 lang geraten und dann auch das Epos der Platte.
Mit „Tee“ geht dieses Werk zu Ende.
Ob Hannes Wittmer oder Spaceman Spiff – die Musik ist die gleiche. Und sie fängt mich immer ein und begeistert mich – vielleicht nicht Musik für Nebenbei – sondern Musik die gehört werden will. Musik die beweist, das Musik nicht laut sein muss – Hauptsache sie erreicht den Hörer und nimmt ihm mit.


02.02.25
Larkin Poe – Kin (2014)
Keine Gefangene nehmen – einfach zuschlagen. Die Schwestern Rebecca und Megan Lovell spielen Roots-Rock, gemischt mit Blues und Southen Rock. Das nimmt den Hörer sofort mit. Wer Cari Cari mag, wird den Eröffnungssong „Jailbreak“ lieben und gleiches gilt für den Riff und die Rhythmusarbeit bei „Don´t“ - obwohl der Song doch eigentlich auch was herzliches im Refrain hat, ist das schon echter Killer-Rock. Gute Riffs, mitnehmende Melodien – da kommt eine Vielzahl von Hörergruppen auf ihre Kosten.
Im Indie-Rockbereich – weil sehr viel sanfter als die Songs zuvor – aber genauso gut funktionierend: „Stubborn Love“.
Modernisierter Roots-Rook – weil es einfach nach etwas mehr klingt – als der „erdige Sound“ der White Stripes – es dabei aber nicht übertreibt, sondern einfach nur die Möglichkeiten des Genres erweitert und deshalb sehr gut ist: „Dandelion“.
Im Lagerfeuermodus beginnt „Crown of Fire“ und auch hier ist das musikalisch alles sehr gut aufgelöst. Das ist toller Folkrock – und es klingt einfach gut.
Toll produziertes Album von Chris Seefried und Damien Lews, die bei ihrer Arbeit alles richtig machen.
Und es wird auch nicht langweilig – weil die beiden Schwestern einfach immer wieder überraschen. „Elephant“ hat einen unglaublichen R&B und Soul-Vibe – da weiß man warum Beyonce auch mal ein Country-Album machen wollte – weil auch die Mischung einfach gut klappt. Nur waren Larkin Poe damit schon 10 Jahre vorher am Start. Auch eher Popmusik ist „High Horse“. Die ganze Produktion schreit danach – ein Charterfolg zu werden – aber das durchaus verdient. Und irgendwie ist zwar der Indie-Spirit der noch am Anfang der Platte zu spüren war – einem höheren Ziel in der Mitte des Albums gewichen – aber der Killer-Rock-Pop funktioniert einfach sehr gut: „Sugar High“.
Dann zaubern die Schwestern aber mit „Jesse“ wieder einen echten Songdiamanten hervor – bei dem man direkt nach den ersten Takten weiß – das mag ich jetzt aber sehr – aber leider verspielen die Schwestern den Anfangsbonus des Songs im Refrain – der dann doch wieder zu simpel und allbekannten Mustern folgt. Schade. Hätte was besonderes werden können. Am Ende dann doch kein Diamant – aber trotz des Refrains auch kein wirklich schlechter Song.
Guter souliger Rocksong – der schon was von einer James-Bond-Titelsong hat: „Banks of Allatoona“. Stadionrock-Hyme: „We intervine“. Kurze zarte Klavierballade als Rausschmeißer am Schluss: „Overarchiver“.
Larkin Poe können alles – Roots Rock, Pop – und dies alles richtig gut. Vielleicht doch mal eine Konzertkarte sichern? Zur Zeit (2.2.25) sind die Schwestern gerade auch ganz aktuell mit ihrer neuen Platte in den Schlagzeilen und letztes Jahr haben sie sogar schon ihren ersten Grammy eingesammelt. Nach dem Debütalbum sag ich mal, dass sie sich das verdient haben.

31.01.25
Shout out Louds – Howl Howl Gaff Gaff (2003/2005)
Das Album wurde erst 2003 im skandinavischen Bereich veröffentlicht und mit Songs der vorher veröffentlichten EP´s dann international leicht verändert 2005 herausgebracht. Shout out Louds bestehen aus Adam Olenius (Gesang), Ted Malmros (Bass), Carl von Arbin (Gitarre). Zu diesen stießen noch Eric Edman (Schlagzeug) und an den Keyboards Bebban Sternborg.
Das Markenzeichen von Shout out Louds wird direkt mit deren ersten Song „The Comeback“ klar: tanzbarer Party-Indie-Pop-Rock. Schöne Indiegitarren gepaart mit wuchtigen Drums, mitnehmenden Bassrhythmus und dem zwar immer etwas melancholisch klingenden Gesang von Adam Olenius, der aber trotzdem nicht verhindern kann, dass man auf den Songs nicht wunderbar abtanzen kann.
Drums, Bass, Keyboardspiel – und ein wenig klingt es wirklich so, als wären Shout out Louds die Tanzkapellen-Variante von The Cure bei „Very Loud“.
Mit ihren Indie-Charme bekommen Shout out Louds es auch hin, alte und neue Hörer immer wieder für sich einzunehmen – denn ihr Sound ist zeitlos und trotzdem im Indie-Sektor verwurzelt.
Etwas folkig klingen sie kurz am Anfang bei „Oh, Sweetheart“ doch schwenkt das schnell im Rock´n´Roll-Indie um. Bei ihren Debüt klingen die Shout out Louds auch noch etwas erdiger – als bei ihren späteren Platten – die trotzdem natürlich gut sind – aber durchgedachter klingen.
Die Verbindung mit Indie- und Sixtiespop können sie auch: „A Track and a Train“. Da ist der Co-Gesang von Bebban Sternborg dann auch sehr passend.
„Go Sadness“ fängt sehr ruhig an und hält die Stimmung von optimistischer Traurigkeit bis zum Ende durch.
Danach kommt aber noch der absolute Partytrack der Band und auch ein Höhepunkt jedes Konzerts der Band: „Please Please Please“ - Indie-Pop-Excellence! Auch richtig flott: „100“ - macht auch Spaß!. Indie-Rock: „There´s Nothing“. Noch mal Indie-Party-Modus: „Hurry Up Let´s go“. Nicht minder Indie-Party: „Shut your Eyes“ - da weiß man auch woher die gute Stimmung und der Spaß bei Festival-Auftritten der Band her kommt.
Am Ende: „Seagull“ - schöner verspielter Indiesong – der Song hat ein kurzes Stück Stille nach ca 5 Min – geht dann aber doch noch etwas weiter – und ich mag die Flöten in dem Stück ja so gern.
Tolles Debüt einer immer noch tollen Band.

29.01.25
Joan as a Policewoman – Damned Devotion (2018)
Es ist ein wundervoller Crossover von Rock, Pop, Soul, Funk und Jazz den Joan Wasser als Joan as a Policewoman auf dieser Platte entfaltet. So ein wenig möchte ich immer diese Musik als eine Mischung aus Fest trifft Prince nennen – obwohl es der Musik nicht wirklich ganz gerecht wird – aber irgendwie trotzdem passt – weniger als Feist ist sie sicherlich einem Singerin/Songwriterin-Indie-Sound behaftet und auch ist sie weniger verspielt. Mit Prince teilt sie auf jeden Fall das Können Rock und Pop mit Soul einzigartig zu vermischen. Und eigentlich funktionieren so die Songs dieser Platte und sie funktionieren richtig gut – erst das ruhige „Wonderful“, dann die Single „Warning Bell“, gefolgt von dem dann doch mehr an Feist erinnernde „Tell me“ (den Song mag ich mal richtig gern).
Im Disco-Funk-Style-Rock folgt „Steed (for Jean Genet)“. Was die doch zum Glück höchst unterschiedlichen Songs zusammenhält – ist die Art der Produktion und die Instrumentierung – alles klingt wie aus einem Guss. Titelstück „Damned Devotion“- ist etwas sanfter, aber auch gleichzeitig sehr verführerisch, soulig und einnehmend.
Noch ein Lieblingsstück – das Jazz/Rock-Stück „The Silence“ - das ist so gut gespielt, konstruiert und spannend, mitreißend – mag ich sehr. So intelligent, schlau und einzigartig kann sich Rockmusik anfühlen und eben gleichzeitig super mitnehmend sein. Die meisten verheben sich daran – da ist es dann meist Kunst – aber nur selten auch ein guter Song – bei Joan Wasser klappt das perfekt.
Selbst die ruhige Ballade „Valid Jagger“ klingt bei Joan as a Policewoman immer nach viel mehr – das liegt an der Rhythmusinstrumentierung und weil auch dieses Stück einfach toll gespielt und produziert ist. Das ist wirklich überdurchschnittlich gut.
Warum ich sie dann doch immer mit Feist zusammenbringe höre ich wieder bei „Rely on“ heraus. Obwohl es bei Joan Wasser halt nicht ganz so in Leichtigkeit gehüllt ist, ist das trotzdem die Liebe aus Pop und Rock was anderes zu machen - dem den eigenen Stempel aufzudrücken.
Ganz starker Song – den ich immer und immer wieder hören kann - ist auch „What was it like“ - so großartig – und warum hört man Taylor Swift-Null/Acht/Fünfzehn-Pop ständig im Radio – und nicht mehr Songs mit dieser Klasse? Wer bildet Musikredakteure aus? Warum teilt die Welt nicht meinen Geschmack – ach egal – dann höre halt nur ich diese tolle Musik immer und immer wieder. Meisterinnenwerk!
Es ist auch die Meisterinnenschaft dieses Albums – das Joan Wasser es schafft – sich einen ganz eigenen Sound anzueignen – es gibt so viele Songs auf dem Album, die dafür sorgen, dass immer wenn Du diese hörst, Du sie ganz klar als ein Joan as a Policewoman-Song identifizierst – auf den Songs der Platte liegt einfach eine ganz eigene Qualität und ein eigener Sound – der ist gerade bei „Talk about it later“ ganz prägend. Die Platte hat einfach über die gesamte Länge ein ganz eigenes Soundkostüm und das macht die Musik darauf auch so faszinierend – selbst der Neo-Soul bei „Silly me“ hat eine ganz eigene Note. Sanfte Power – so wie bei „I don´t Mind“ - steht vielleicht ganz gut für dieses großartige Album. Ganz ganz großartig.

04.01.25
Feist – Metals (2011)
Nach einer längeren kreativen Pause meldete sich Leslie Feist mit diesem Album zurück. Aus leichtfüssigen Indie-Pop wird bei Feist immer mehr anspruchsvoller Art-Rock/Pop – als Songwriterin hat sie sich perfektioniert und beweist dies direkt mit dem tollen „The Bad in Each Other“.
Als Solo-Nummer wäre das eine gute Folk-Nummer. Mit Band und Studiosound ist das einfach ganz großartige Musik. Und ein ganz toller Song um den Hörer direkt mit dem ersten Song einfach umzuhauen.
„Graveyard“ ist ruhiger, melancholischer, wird im Verlauf aber auch teilweise schön schwungvoll. In dem Stil anspruchsvollen melancholischen Singer/Siongwriterin-Musik geht’s auch mit „Caught a long Wind“ weiter. Das macht sie auch richtig gut – und sie vollendet diesen Schritt zur fast reinen Singerin/Songwriterin dann ja auch mit ihrem bisher letzten Album „Multitudes“.
Blues-IndiePop – das kann sie auch: „How come you never go there“. Vergleichen kann ich sie – obwohl die beiden Frauen und Künstlerinnen nicht auf dem ersten Blick so viel gemein haben, beim genaueren Hinhören aber eben doch am meisten mit „Joan as the Police Woman“ - wohl auch deshalb mag ich die Musik von Leslie Feist und Joan Wasser so sehr – weil beide es so gut machen und ihr Publikum niemals langweilen.
Art-Rock: „A Commotion“ - auch richtig gut. Sehr geliebt von mir das wieder ruhigere „The Circle married the Line“. Das Album ist wirklich mit all den Songs sehr herausragend. Indie-Folk: „Bittersweet Melodies“. Das ist auch einfach nur gut – und ich höre das wieder alles mit totaler Begeisterung (merkt man dem Text bisher auch gar nicht an).
Gekonnt und meisterinnenhaft geht’s auch weiter – Downtemporock-Folk: „Anti-Pioneer“. Art-Rock: „Undiscovered First“ - und dieser sogar mal teilweise mit Härte gespielt. Danach geht’s wieder zurück zum sanft schönen Singerinnen/Songwriterinnen-Liedgut: „Cicadas and Gulls“. Folk: „Comfort Me“. Und ich frag mich grade, warum nicht Folkmusiker lieber so klingen wollen, wie Leslie Feist auf diesem Album – und stattdessen dem sich anbidernen PopFolk von Dessner/Bon Iver nacheifern – totales Unverständnis dafür – aber das ist wohl einfach dem kommerziellen Erfolg von Ed Sheeran, Bon Iver geschuldet. Eigentlich weißt Feist hier den Weg – wie zeitloser Singer/Songwriter-Folk geht.
Und am Ende beglückt Feist den Hörer noch mit dem wunderschönen Absacker „Get it wrong, get it right“. Was für eine Meisterinenleistung dieses Album doch ist – und nicht nur wegen diesem Album und wegen eines unvergesslich tollen Livekonzerts werde ich die Musik von Leslie Feist zu den ganz großen Werken der Musik zählen. Musik wie gemacht für mich.
29.10.24
Billy Bragg – Life´s a Riot with Spy vs. Spy + Between the Wars (1983/85)
Musiker und Links-Aktivist Billy Bragg schaffte den Durchbruch und den Einstieg in die englischen Charts mit diesem Album, dass sieben Tracks mit einer Lauflänge von knapp über 15 Minuten enthält. Die Songs funktionieren als Solo gespielte Protest-Songs (solo electric) sehr gut und ganz besonders „A New England“ ist einer der Songs für die Ewigkeit (und wurde sehr oft gecovert). Diese Veröffentlichung enthält auch die EP „Between the Wars“ mit vier Songs.
Als klassischer Folk-Singer/Songwriter-Song – aber eben britisch und nicht amerikanisch - funktioniert der Song „Milkman of Human Kindness“ direkt am Anfang sehr gut. Mit einen „The Clash“-Touch: „To have and not to have“. Und mit der Mischung aus Folk und Solo-Punk-Rock geht’s auch bei „Richard“ weiter.
Der Hit: „A New England“ - einfach ein super Song. Und da merkt man, wie auch beim Rest der Platte, dass ein guter Song einfach funktioniert, weil er gut ist und den Hörer was mitgibt. Eine aufgemotzte Produktion, ein audiophiles Klangerlebnis kann einen Song vielleicht unterstützen – aber im Grunde muss dieser in seiner einfachst gespielten Art funktionieren, um richtig zu sein und zum Song für die Ewigkeit zu werden. (Ich glaub „Tubula Bells“ in einer Acapeller-Version wäre der Knaller).
Da alle Songs recht kurz sind, rasen diese an einem vorbei – aber „The Man with the Iron Mask“ entschleunigt das Album. Und ist wunderschön. Sehr schön auch das schwungvolle: „The Busy Girl Busy Beauty“. Gleiches gilt für „Lovers Town Revisited“. Damit wäre das eigentliche Debütalbum auch schon beendet – aber es folgen ja noch die Songs der „Between the Wars“ EP.
Hierbei handelt es sich verstärkt um Arbeitersongs. Es beginnt mit „Between the Wars“ und danach folgt mein zweiter Lieblingssong der CD „Which Side are you on?“. Der Song ist nochmal richtig mitnehmend und packt mich jedes Mal. Singer/Songwriter-Folk: „The World turned upside down“. Wundervoller Abschluss des wohl besten „Solo Electric-Album“ aller Zeiten: „It Says here“.

19.10.24
Dead Guitars – Shelter (2015)
Nachdem ich die Band „Twelve Drummers Drumming“ erfolgreich für mich wiederentdeckt habe, wollte ich wissen, was die Bandmitglieder danach noch gemacht haben. Zwei Mitglieder von Twelve Drummers Drumming in den Personen Peter Brough und Ralf Assem gründeten zusammen mit dem Sänger Carlo van Putten die Band Dead Guitars. „Shelter“ ist das letzte Album der Band und danach machten sie in den Formationen „White Rose Transmission“ und „Wide“ weiter Musik.
Das erste Stück „Heaven Seven“ ist schon mal richtig gut und dürfte Fans von Bands wie Marillion, aber auch alte New Wave-Fans ganz glücklich machen. Schöner eingängiger Rock, klingt für einen Indie-Rock-Akt, dessen meisten Fans in Mönchengladbach beheimatet sind, schon richtig fett produziert und braucht sich vor internationalen Akts nicht zu verstecken – tolle Nummer.
Song Nummer zwei klingt wie eine Mischung aus Editors (bevor sie zu elektronisch wurden) und den Jeremy Days – also ist das von der Mischung richtig meins: „Happy Sad“.
Was für Progrock-Fans: „Half Light/Hangout in Heaven“. Es folgt die Rock-Ballade: „I surrender“. „Bullet Proof“ kommt als leichte Indie-Rock-Nummer daher – etwas für Fans harmonischen Alternativrocks in der Tradition von Teenage Fanclub.
Da die Songs nicht nur richtig gut, sondern auch noch recht abwechslungsreich sind – die Dead Guitars sammeln hier eine ganze Reihe Pluspunkte bei mir und ich werde ganz sicher nachhören, was für Musik auch „Wide“ und „White Rose Transmission“ machen – versprochen.
Gegenüber dem leichten Track „Bullet Proof“ bewegt sich „Mona Lisa“ eher im düsteren Post-Punk-Modus. Mit den ganzen Stilwechsel macht die Band wirklich Musik für Viele. Bei „Wooden Head“ klingen die Gitarren wieder freundlicher und die Musik ist wieder gehobener Indie-Rock. Man darf bei der Band einfach nicht vergessen, dass da Jahrzehnte an Erfahrung als Musiker versammelt sind und das hört man meiner Meinung nach auch.
Mit soften Prog-Rock-Charme: „Mandy´s House“. Danach wird bei „Love Rules“ nochmal fester gerockt – auch irgendwie proglastig – aber die Nummer ist mal nicht ganz so Meins. Da gefällt mir das sanft melancholische „Traffic Lane“ zum Abschluss doch wieder viel besser.
Nachdem schon das Wiederentdecken der „Twelve Drummer Drumming“ mit deren zweiten Album viel Spaß machte, ist auch die Weiterentwicklung von einigen der Bandmitglieder als „Dead Guitars“ als durchaus beeindruckend zu bezeichnen. So macht „Musik nachforschen“ richtig Spaß. Wirklich gute Platte. Tipp.

11.10.24
Chris Whitley – Living with the Law (1991)
Auch ein Lieblingsalbum bei dem es auch der Mix macht. Rock, Blues, Roots, Americana – mit ungewöhnlicher Stimme gesungen und vom großartigen Gitarrenspiel geprägt, führt die Musik in die Wüste Nordamerikas, in kleine Städte oder im Nichts gelegenen Gefängnissen, in einer Landschaft mit unendlich scheinenden Horizont, aber auch in eine Welt in der der dort Lebende, schnell ins Abseits geraten kann. Eine Welt der trügerischen Freiheit.
Die Musik dazu ist aber alles anderes als verzweifelnd klingend – die Musik ist grandios und das Album besteht aus einer Unmenge an musikalischer Highlights.
Man merkt dem Titeltrack „Living with the Law“ schon an, dass er im Studio von Daniel Lanois aufgenommen wurde, klingt es doch schon ein wenig nach dem Sound von „The Joshua Tree“ von U2 und auch der Gesang erinnert ein wenig (ja, ein wenig) an Bono. Auf jeden Fall ist der Track ein guter softer Rocksong und damit gewinnt man den Hörer direkt am Anfang der Platte. Und mit „Big Sky Country“ (ein weiterer Song für die Ewigkeit) steigert sich die Begeisterung auch noch – toller Song, den Bono sicherlich auch gern gesungen hätte.
Der Blues-Rock kommt dann bei „Kick the Stones“ richtig zur Geltung und da hört man auch das brillante Gitarrenspiel von Chris Whitley richtig gut.
Roots und Americana vermischt mit Blues-Rock treffen beim Stück „Make the Dirt Stick“ sehr genial aufeinander.
„Poison Girl“ ist mal ein für Chris Whitley Verhältnisse recht euphorischer Rocksong. Den Song „Dust Radio“ mag ich auch sehr gern. So klingt amerikanischer Roots-Rock für mich perfekt. Das Schlagzeugspiel von Roland Jones finde ich auf der gesamten Platte auch sehr gut.
Ein weiterer sehr guter Blues-Rock-Song: „Phone Call from Leavenworth“.
Nur gute Songs, dabei geht dann schon fast ein Song wie „I forgot you every Day“ unter, der auf jeder anderen Platte ein Highlight wäre.
Richtig stark auch der Rhythmus bei „Long Way Arround“ - einfach nur gut! Darauf folgt mit „Look what Love has done“ direkt noch ein etwas sanfterer Highlight. Und nochmal richtig schöner Rocksong am Ende: „Bordertown“.
So klingt für mich amerikanische Roots-Rockmusik – man weiß wo die Musik herkommt und man weiß wo die Geschichten, von denen die Songs handeln spielen. Und im Chris Whitley haben diese Geschichten einen großartigen Erzähler gefunden. Da ist es wirklich traurig, dass der Musiker im Alter von 45 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben ist – aber da er nach dem Debüt nie aufgehört hat weitere Alben zu machen – hat er immerhin der Nachwelt sechzehn Alben hinterlassen.


10.10.24
Rage against the Machine – Rage against the Machine (1992)
Der Mix stimmt bei diesem Album so richtig. Aggression und Härte gepackt in wütenden Sprechgesang und harten Gitarrenriffs. Trotz dieser Crossover-Wirkung ist für mich das Album von Rage against the Machine einfach ein geniales Heavy-Rockalbum, dass 1992 die Strömungen der härteren Rockgangarten dieser Zeit einfach in einem grandiosen Mix mit Rapgesang packte und in ganz tolle Songs packte. Zu „Bombtrack“, „Wake Up“ und „Killing in the Name off“ konnte man seine Aggressionen freien Lauf lassen, dazu Headbangen und gleichzeitig voll drauf abtanzen. Mein Nacken leidet heute noch unter meinen Ausdruckstanz der 90er Jahre. Aber was habe ich diese Musik geliebt abzufeiern und ich mache dies heute auch noch bei jedem Hören dieser genialen Tracks. Die sind wie ganz wenige Stücke des Crossover-Genre nämlich gut gealtert, funktionieren immer und immer wieder und deshalb ist auch dieses Album ein Lieblingsalbum.
Mit „Bombtrack“ und „Killing in the Name“ kommen direkt zwei der populärsten Tracks der Band am Anfang und das hat Wucht, Kraft, Power – tolle Gitarrenriffs und dazu zorniger Gesang im Rap-Punk-Style. Und „Killing in the Name“ ist einfach immer ein Hammerteil von Song. Ganz Groß und ein Song für die Ewigkeit. „Take the Power Back“ mit Funkbass am Anfang, der aber schnell wieder von den harten Gitarrenriffs abgelöst wird. Gegen Ende wird es fast kurz mal ruhig - aber am Ende übernimmt wieder die Aggressivität – der Protestsong-Stil von Rage against the Machine will einfach nicht leise funktionieren. „Settle for Nothing“ führt die zornige Spielweise des Albums auf zwar etwas langsamere Art fort, wirkt dadurch aber noch etwas dramatischer und bedrohlicher. Dagegen ist dann „Bullets in the Head“ wieder rhythmischer, mit mehr Rapgrooves, dass am Ende dann aber wieder mit einen Metallsound aufwartet. Neben den beiden ersten Stücken sicherlich das mit bekannteste der Platte. „Know your Enemy“ hat auch einen verdammt guten Sound und macht die Metalheads glücklich – mitgeholfen hat bei dem Titel Tool-Frontmann Maynard James Keenan. Zu den bekannteren Stücken zählt dann aber auch noch das nachfolgende „Wake Up“ - woran man auch erkennt, dass das Album voller Highlights ist. Und den Sound mögen Metal-Fans genauso wie Alternative-Rock und Rap-Fans und wie auf der Rückseite des Covers ja drauf steht, ist alles ohne Samples, Keyboards und Synthesizer musiziert und gerade bei „Wake Up“ ist der Sound schon recht göttlich. Noch so ein Song für die Ewigkeit.
So richtig schwache Tracks gibt es auch nicht – dazu ist die gesamte Rhythmusgruppe bestehend aus Tim Commerford (Bass), Tom Morello (Gitarre) und Brad Wilk einfach zu gut und natürlich trägt auch Polit-Aktivist und Sänger Zack de la Rocha seinen Teil mit seinen Lyrics und Gesang dazu bei.
Obwohl mich Teile von „Township Rebelion“ (der Rap-Part) dann mal doch eher nervt als gefällt, ist der Metalteil dann wieder so gut, dass ich auch den Song nicht aus der Playlist rausschmeißen möchte – aber wenn man einen schwächeren Titel auf dem Album finden möchte, dann ist dieser es. Mächtiges Heavymetalgitarrenmbrett nochmal direkt zu Anfang von „Freedom“ - Rage against the Machine haben echt da einen verdammt großartigen Sound kreiert und an dem und an den Songs auf idiesem Debüt-Album haben sie sich auch danach eigentlich immer die Zähne ausgebissen – denn dieses Hammeralbum zu toppen ist fast unmöglich.

09.10.24
LCD Soundsystem – American Dream (2017)
2010 spielte das LCD Soundsystem um Mastermind James Murphy ihr letztes Konzert – daraus resultiert auch die großartige Doku „Shut Up and Play the Hits“. Sieben Jahre später folgt mit „American Dream“ doch noch ein weiteres Album.
Die Musik ist Elektro-Punk gemischt mit Disco und sogar Ambient-Elementen. Murphy hat auch schon mal eine ideale Musik zu Joggen gemacht. Beim LCD Soundsystem kommt es meist darauf an, mit der Musik auch mächtig Dampf ablassen zu können.
Sanfter Synth-Pop gibt’s zu Anfang mit „Oh Baby“. Das ist jetzt zwar nichts zum Dampf ablassen dafür schöne elektronische Popmusik.
Tempo und Rhythmus verstärkt sich deutlich bei „Other Voices“ und sofort merke ich warum ich LCD Soundsystem so schätze. Das mit den treibenden fetten Beats und Sounds hat Murphy und Mitstreiter einfach total gut drauf und dazu passt die Art vom Sprechgesang der Marke „LCD Soundsystem“ einfach auch sehr gut. Hinzu kommt ausgefeilte Produktion und Songdesign wie man sie sonst vielleicht nur vom Duo Eno/Byrne kennt. Und dadurch klingt es wiederum wie ein Update zu dem was die Talking Heads noch ganz zu Anfang gemacht hatten – tanzbaren Funkrock.
Den Elektro-Sound mit analogen „echten“ Instrumenten (auch da kann man sich zwar heute nie sicher sein, dass die Sounds, die man hört, echt sind oder nur Samples – aber ich gehe mal davon aus, dass ich hier wenigstens am Anfang einen echten Bass höre, wenn nicht, dann klingt das wenigstes so) zu paaren – das schafft das LCD Soundsystem auch auf Studioalben so gut, wie es andere Elektro-Acts nur machen, wenn sie live auftreten. Und der Bass am Anfang nimmt einen mit in diesen ausdrucksstarken Art-Pop/Rock-Song namens „I used to“. Ganz tolle Nummer.
Den Funk-Einsatz gibt’s auch bei „Change Yr Mind“. Es ist Großes was die Rhythmus-Gruppe da leistet und direkt bin ich wieder an David Byrne, Talking Heads, Brian Eno erinnert – aber auf sehr sehr positive Weise.
„Now do you Sleep“ ist eher atmosphärischer und wieder anspruchsvoller. Nur noch auf schweißtreibende Party-Beats ist das LCD Soundsystem nicht mehr angewiesen, was ich auch recht gut finde.
Dancefloor-Musik: „Tonite“. Auch tanzbar und an die alten Stücke der Band erinnernd, dabei aber um einiges rockiger: „Call the Police“. Synth-Pop Ballade: „American Dream“. Da merkt man aber, dass Murphy manche seiner Songs leider etwas zu sehr in die Länge zieht.
Auch so eine richtige typische LCD-Soundsystem-Nummer: „Emotional Haircut“.
Bei „Black Screen“ klingt es wieder weniger nach Dance-Punk sondern nach Synth-Pop. Schöne ruhige Nummer.
Meinetwegen muss auch dieses Album nicht das letzte von James Murphy oder dem LCD Soundsystem sein. Die sind einfach zu gut, um nicht mehr weiter zu machen.

Robert Downey jr – The Futurist (2004)
Eine Lobhudelei.
Spätestens seit Robert Downey jr. ein Comback in der Serie „Alley McBeal“ feierte, musste man zugeben, dass der Mann durchaus als Sänger einiges drauf hat. Da freute ich mich dann direkt auf ein Soloablum und dies ganz zu recht. Wer die Pop-Balladen von Sting mag, der wird die Pop-Balladen von Robert Downey jr. lieben. Denn die Musik nimmt einen direkt mit und ist mehr als nur gefällig, sondern richtig gut. Leider spürte Robert Downey jr für seine musikalischen Bemühungen, die ihm angeblich viel Kraft gekostet haben, zu wenig Gegenliebe, so dass es wohl bei diesen einem Album bleiben wird, was wirklich schade ist. Elf schöne Stücke Musik bleiben aber für immer meins und die meisten davon auch in meiner Playlist. Ich mag dieses Album wirklich sehr sehr gerne. Die meisten Songs hat Robert Downey jr. selbst oder als Co-Autor geschrieben. Ausnahmen sind „Smile“ von Charlie Chaplin, „Your Move“ von Jon Anderson, welches hier mit Textfragmenten von „Give Peace a Chance“ von Lennon, McCartney dageboten wird. Ob er es schlau gemacht hat, dass er das Album unter dem „Sony Classical“ Label veröffentlicht hatte, soll jeder für sich selbst entscheiden. „Jazz“ wäre vielleicht passender – obwohl es halt alles Pop-Balladen (aber auf hohen Niveau), teilweise mit Jazzeinschlag sind. Als Musiker konnte er unter anderen Vinni Colaluta, Charlie Haden und Jon Anderson ins Studio holen.
Direkt bei „Man like Me“ springt der Funke direkt über. Es ist Downey´s wirklich tolle Stimme, das Piano, die Streicher – großartig. Und es klingt schon wirklich wie die ruhigen guten Songs von Sting, was er da musiziert – aber wie gesagt auf ebenbürtigen Niveau und das ist das Außergewöhnliche an der Platte. Die Musik ist toll arrangiert und gespielt. Auch „Broken“ ist total toll. Nicht nur Sting sondern auch Brian Adams-Fans müssten ein Song wie „Kimberly Glide“ lieben und nach dem Hören sagen: „ Ja, für einen singenden Schauspieler ist der richtig richtig gut“.
Es ist wirklich alles richtig gut was er da macht und ich bin auch zum wiederholten Mal von Songs wie „The Futurist“ und den anderen begeistert. Das ist schöne Musik und es sind wirklich sehr gute Songs. Ich wiederhole mich. Tschuldigung.
So geht’s dann in gleicher guter weise mit „Little Clownz“, „5:30“ weiter und der Song „Your Move“ ist ja schon von Yes was ganz besonderes und den Song schafft auch Robert Downey jr nicht zu verhunzen.
Ganz ruhige Pianoballade: „Details“. „Hannah“ ist auch gut und nur weil die Songs am Anfang alle so stark und halt alle recht sanft und ruhig gespielt sind, denkt man am Anfang des Stücks, dass es jetzt doch langsam mit den schönen Balladen mal ein Ende haben muss, aber „Hannah“ überzeugt am Ende doch mit seinem Arrangement auf ganzer Länge – das ist nicht nur ein guter Song, dass ist ein weiterer sehr guter Song. Piano-Jazz: „Smile“.
Ganz tolles Album und ich mag es immer wieder gerne. So schade, dass es Robert Downey jr. kein weiteres Album gemacht hat. Herr Robert Downey jr., sie sollten da noch mal in sich gehen. Sie sind doch jetzt auch 20 Jahre älter geworden. Da juckt es doch in den Fingern, sich mal wieder ans Klavier zu setzen, oder? Bitte.

04.10.24
Efterklang – Things we have in Common (2024)
Für Efterklang breche ich sogar meinen selbst auferlegten Kaufstop von physikalischen Tonträgern und schon sehr kurz nach Erscheinen wird das Album der drei Dänen gehört. Sie waren 2010 meine erste Traumzeit-Festival Entdeckung und seitdem folge ich der Band und besuche jedes Konzert, das in meiner Reichweite stattfindet. 2025 spielen sie sogar direkt in meiner Heimatstadt (!).
Sie selbst halten ihr neues Werk für eins ihrer besten – den Platz hält bei mir immer noch das „Magic Chairs“ Album (so ist das halt – die Musik, mit der man eine Band lieben gelernt hat, bleibt halt meist die, die Mann am meisten hört. Als Pre-Order-Käufer, habe ich auch ein signiertes Bandfoto in Albengröße bekommen – bei ein paar dieser Alben hat die Band auch noch „Goodies“ verschenkt, so konnte man sogar vom Sänger bekocht werden, wenn man Glück hat.
Sanfte Folktronica-Musik ist eigentlich das Markenzeichen von Efterklang geworden – also die Mischung aus symphonisch, akustisch, aber auch elektronischen Indie-Folk-Pop - und genau danach klingt zu Anfang das Stück „Balancing Stones“. Erinnert mich an die frühen Stücke der Band.
Mit sehr hoher Stimme singt danach Sänger Casper Clausen den wunderbaren Indie-Popsong: „Plant“. Bei dem Stück hört man wieder, wie zeitlos die Song von Efterklang sind.
Das akustisch klingende „Getting Reminders“ ist wunderbarer moderner Folk und klingt geleichzeit wie ein Vampire Weekend-Song.
Big Beats & Sounds, trotzdem nicht wirklich düsterer (das können die drei Dänen nicht) – dafür eben mal etwas lauter gerockt und gespielt: „Ambulance“.
Einen nach Bon Iver klingenden Song haben sie dann auch. Vom mich stets nervenden Stimmverzerrer (Autotune) abgesehen ist aber „Leave it all Behind“ ein ganz feiner Song (aber das mit der Stimmverzerrung darf bei mir nur Jonas David machen, weil der dies auch von Anfang an für sich benutzt hat – ansonsten finde ich den Trend ja sehr lässtig). Damit ist das Material schon mal auf Seite 1 recht abwechslungsreich geworden. Und das ist schon mal ein schöner Unterschied zu so mancher zwar sehr schönen Efterklang-Platte, auf denen die Songs aber in der Studiofassung immer alle ziemlich ähnlich waren. Weshalb die Band „live“ für mich auch immer besser war, als von Platte – aber ich hab jede Platte von Efterklang und höre die auch sehr gern – Jammern auf hohen Niveau. Zurück zur aktuellen Platte und mal hören, ob auch Seite Zwei abwechslungsreich bleibt.
Mit Chorgesang arbeiten Efterklang auch immer gern. So auch zu Anfang von „Animated Heart“. Sanfter Indie-Pop bietet dieser Song, sowie die folgenden Stücke „Shelf Break“. Ein ganz großer Song ist der sanfte und bezaubernde „Sentiment“. Da hört man, wie gut die aktuellen Songs von Coldplay sein könnten, wenn diese nicht so verdammt auf Hit getrimmt wären.
Sanfte Indie-Pop, das bietet Efterklang immer auf sehr guten Niveau und auch die neun Song von „Things we have in common“ halten dieses problemlos. Aber so gut wie „Magic Chairs“ ist auch dieses Album wieder nicht – aber es macht eine menge Freude und die Songs werden sicherlich in der Playlist reifer und reifer werden. Und im Januar höre und sehe ich die Band wieder und die Vorfreude ist seit der Terminbekanntgabe schon riesig. Immer wieder hören: Efterklang.
02.10.24
Bombay Bicycle Club – Everything Else has gone Wrong (2020)
Dem Indie-Pop des Bombay Bicycle Club bin ich bei der letzten Ausgabe des Traumzeit-Festivals erlegen, bei der sie als Freitag-Headliner aufgetreten waren. Sanfter Indie-Pop, mitreißend und wunderschön – anti-aggressiv und einfach voller schöner Melodien und Songs, dass ist Bombay Bicycle Club um die Gründungsmitglieder Jack Steadman, Jamie McColl, Ed Nash und Suren de Saram.
Abwechslungsreich, mitnehmender, wunderbar gespielter Indie-Pop, der sowohl zum Zuhören als auch zum Tanzen geeignet ist. So funktionieren und lassen sich eigentlich alle Songs der CD beschreiben.
Das Titelstück „Everything Else has gone Wrong“ ist da ein schöner Beispielsong dafür, wie gut die Band ist und eignet sich hervorragend als Hörprobe um einen Endruck für den Sound der Band zu bekommen. Den ganz leichten Ethno-Einschlag, der auch im Namen der Band sich wiederfindet, scheint immer mal durch – stets aber angepasst an den Pop-Charme der Songs.
Das Durchhören wird dem Hörer auch einfach gemacht, da das Material durchwegs abwechslungsreich ist. Ein Lieblingssong der Platte auszumachen ist ebenfalls ganz schwer, weil alle Songs ihren eigenen Charme und Qualität haben.
Ein Song aber, der mich schon live total mitgenommen hat, und auch vonPlatte mich wieder sofort zum Tanzen bringt, ist der dann doch etwas herausragende Song „Eat, Sleep, Wake (Nothing But you)“ - Toller Song. So wie die Songs vom Bombay Bicycle Club wünsche ich mir den Everyday-Pop dieser Welt. Wenn wir mehr Songs wie diese hören, würde die Welt dadurch ein wenig leichter und entspannter und freudiger und freundlicher sein – dann hätte wir als Weltgemeinschaft einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ich glaub ja schon, dass die richtige Musik die Welt ein wenig besser machen könnte und das ist dann doch nicht die Protest- und Widerstandsmusik, schon gar nicht der Gangster-Rap – aber auch auch nicht der Pop von Swift und Sheeran. Das ist Musik wie diese. Einfach mal runterkommen, durchatmen, Spaß haben und die Umwelt und die Menschen um dich herum mit einem Lächeln belohnen, dass diese Songs den Hörern ins Gesicht meißeln. Wenn wir uns dann alle gemeinsam anlächeln, was soll dann noch in dieser Welt schief gehen. Hightime - because the Music is so good.

15.09.24
Beth Gibbons – Lives outgrown (2024)
Ich liebe ja den Song „Tom the Model“ von dem Album, das Beth Gibbons mit Rustin Man (Paul Webb) aufgenommen hat. Über ihre Alben mit Portishead kann ich gerade gar nicht so viel schreiben, denn die muss ich mir erst mal (wieder) richtig anhören, – da habe ich nur noch den Song „Glory Box“ in Erinnerung. Aber da seit Erscheinen von „Tom the Model“ zweiundzwanzig Jahre vergangen sind (unglaublich wie die Zeit vergeht),war ich doch interessiert, was für Musik Beth Gibbons jetzt Solo macht.
Nach Paul Webb hilft ihr ein weiteres ehemaliges Talk Talk Mitglied bei diesem Album, denn neben James Ford, der am meisten zur Musik beiträgt, ist diesmal Lee Harris, der Schlagzeuger von Talk Talk mit dabei.
Der Musikstil des Album wird als Chamber Pop bezeichnet, für mich ist das eher eine Mischung aus (Psych) Folk- und Art-Rock und die Musik ist auf jeden Fall was für Fans des „Out of Season“ Albums und für Fans der letzten beiden Talk Talk-Platten. Ein gute Beschreibung wäre auch: als hätten sich Talk Talk und Kate Bush für ein Album zusammengetan. Und bei all der Kunstfertigkeit, der sensiblen Kammermusik-Instrumentierung sind die Songs aber überhaupt nicht schwer oder abgefahren unhörbar kunstvoll, sondern nehmen mich als Hörer mit und fangen mich ein und entführen mich für die Lauflänge des Albums aus der Wirklichkeit und bleiben dabei trotzdem echte Songs. Genau so ein Album ist dass und ein wirklich Gutes dazu.
Und welch großartiger Beginn bietet der Folk-Rock-Song: „Tell me who you are today“. Da stimmt alles und der Song zieht den Hörer in eine andere musikalische Welt. Mit nur etwas ausgefallener Instrumentierung schafft es Beth Gibbons bei „Floating on a Moment“ dann auch, mit der Kunstfertig einer Kate Bush gleichzuziehen. Auch das ist ein wahnsinnig guter Song. Geisterhafter Folk-Rock, dabei aber hauchzart und mysteriös.
Mystery-Orchestral-Folk: „Burden of Life“. Der erinnert mich sehr an das Material vom „Out of Season“ Album (aber auch dass, muss ich mal zur Erinnerungsauffrischung bei Gelegenheit wieder mal anhören – zu viel zu hören – viel zu wenig Lebenszeit).
Auch Prog-Rock-Fans müssten bei einem Stück wie „Lost Changes“ in Verzückung geraten. Das Album und die Musik ist absolut aus der Zeit gefallen und dürfte sich von daher für lange lange Zeit als haltbar und hörbar erweisen. Der Begriff „zeitlos“ ist für ein Album wie dieses erfunden worden.
Etwas treibender und aggressiver wird die Musik dann sogar doch mal mit dem Song „Rewind“. Wer die Musik von „Dead can Dance“ und Ähnliches mag, müsste diese Musik auch mit Begeisterung in Beschlag nehmen. Bin nur begeistert – so gut Anspruch, Kunst, Musik zusammenzubringen ist schon absolut ein Kunststück. Und ich finde auch bei dem Song „Reaching out“ keine Schwachstellen. Progressiv Folk: „For Sale“. Der Ethno-Touch so mancher Dead can Dance Songs ist auch bei „Beyond the Sun“ zu hören. Nochmal ruhiger melancholischer schöner Folk gibt’s zum Ende mit „Whispering Love“.
Diese Platte ist große Kunst und bietet ganz tolle Musik.

10.09.24
The Bobby Lees – Beauty Pageant (2018)
Zehn Songs in weniger als 18 Minuten – damit wird es wohl ein kurzes Kennenlernen der Band aus Woodstock, New York. „Limosine“ ist direkt nach vorn dreschender Rock im Lo-Fi-Garagen Rock-Style, dafür aber wuchtig im Tempo und Stil. Song zwei „Ragged Way“ ist ne Punk Rock-Nummer. Dagegen ist „Radiator“ schon fast eine New Wave-Nummer im Style der frühen „Blondie“ Platten, die aber zwischen drin auch mächtig rockt. Der Song macht mir wieder richtig Spaß. Der Blondie-Touch, der Nummer zuvor, bleibt auch bei „Lunchbox“ erhalten und der kräftige Rocksound auch. Das Album fängt richtig an Spaß zu machen: „Lose it alright“. Mit „Bobby Lee“ kommt noch was Blues-Rock in den Mix – und der schroffe Sound der Platte macht richtig Laune, denn er klingt soviel ehrlicher wie die hochgepuschten Glanzproduktionen von so mancher gar nicht mehr dadurch glänzenden Rockbands. Garagen Rock im ZZ Top-Style „Deem`em Dead“ und „Mad Moth“. Kurze Instrumental-Rock-Nummer: „Disappear“. Und dann ist auch schon mit „Jitterbug Perfume“ - der wir eine „White Stripe“ Nummer klingt Schluss. Das hat verdammt viel Spaß gemacht. Bin auf die weiteren zwei Alben, die es schon gibt sehr gespannt.


31.08.24
Neil Finn & Friends - Live at St. James - 7 Worlds Collide (2001)
An fünf Abenden trat Neil Finn mit „Freunden“ für wohltätige Zwecke auf. Die Freunde waren Lisa Germano, Johnny Marr, Eddie Vedder, Tim Finn, Sebastian Steinberg (Soul Coughing), Phil Selway und Ed O´Brian (Radiohead) und Betchadupa (die Band seines Sohnes Liam).
„Anytime“ ist ein Stück von Neil Finns zweiten Soloalbum „One Nil“ - eine teils sanfte, teil rockige Singer/Songwriter-Nummer. „Take a Walk“ ist für dieses Album geschrieben und mit Sänger Eddie Vedder klingt es sogar wie eine Pearl Jam-Nummer. Ein etwas ruhiger, leicht melancholischer Rocksong.
Auch vom Album „One Nil“, welches wie dieses Livealbum 2001 erschienen ist, stammt die ruhige Singer/Songwriter-Nummer „The Climber“. Vom ersten Solo-Album „Try Whistling this“ kommt der Song „Loose Tongue“ und ist Rocknummer, mit aber für Neil Finn typischen sanften melancholischen Songzutaten und ein paar überraschenden Melodiewechsel.
Dann ist Johnny Maars Stück „Down on the Corner“ dran. Den Song mag ich total gerne – gerade wegen den Gitarren am Anfang und den schönen Britpop Gesangsharmonien – besser geht eine Brit-Pop-Genre-Nummer nicht. Danach folgt direkt ein Smiths-Klassiker: „There is a Light that never goes out“ - gesungen von Neil Finn (und der Song klingt in dieser Livefassung unglaublich schön (Gänsehaut)).
Das auch sehr sanftschöne „Paper Doll“ stammt von Lisa Germano, welches sie auch selbst singt. Der Song ist in einer Studiofassung auf ihrer Platte „Concentrated“ zu finden. Ein weiterer Song von der „One Nil“ ist „Turn and Run“. Das ist typischer schöner Singer/Songwriter-Folk von Neil Finn.
Danach spielen die Brüder Neil und Timm Finn zwei Songs zusammen: „Angel Heap“ stammt vom Finn Brothers-Album „Finn“ und ist auch eine ganz wunderbare Folk-Nummer. Das melancholisch und etwas traurig düstere (und dadurch sehr schöne) „Edible Flowers“ ist ein Song aus der Zeit mit „Split Enz“ - das war die Band, in der die Brüder Finn zusammen vor Crowded House spielten und mit der sie ihre Musikerkarriere begonnen hatten. Die Band gab es von 1975 bis 1984. Ein weiterer Song von Split Enz ist „Stuff and Nonsense“,welcher sogar mal von Belinda Carlisle gecovert wurde. Hier wird er von Eddie Vedder und Tim Finn gesungen und das nur von einem Piano begleitet – auch ganz wunderschön. Diese Platte steckt voller Highlights!
Richtig punkig konnten Split Enz auch sein und mit Eddie Vedder wird „I see Red“ ein richtig toller Punkrock-Song.
Danach wird’s auch ganz gut weiter gerockt mit einem weiteren Song vom „Try Whistling this“ Album: „She have her way“.
Eine Peal Jam-Nummer folgt mit „Parting Ways“ - eine eigentlich eher ruhige Nummer, mit aber kräftigen Gitarreneinsatz.
Zum Abschluss gibt’s noch die beiden Crowded House Überhits „Weather with you“ (in einer überragend guten Live-Fassung) und „Don´t dream it´s over“ - sowie, dazwischen noch ein harmonisch, süßes Stück Musik vom Finn Brothers-Album „Paradise (whereever you are)“. Der Song ist schon fast was zum Schunkeln.

03.08.24
Philip Kroonenberg - Wherever you are (2024)
Americana oder Roots oder einfach Singer/Songwriter – das ist die wunderschöne Musik von Philip Kroonenberg, in den Niederlanden/Holland war er mal mit der „Freelance Band“ etwas bekannter geworden, seit Anfang der 90er ist er Solo oder mal als Triomitglied unterwegs – bei Liveauftritten hat er meist ein, zwei tolle Musiker als Unterstützung dabei und auch seine beiden Töchter unterstützen ihm ab und an auf der Bühne.
Seine Lieder sind meist kleine Alltagsbeschreibungen – aber es ist immer meist sein Alltag und sein Umfeld über das es in den Songs geht – das macht er fabelhaft, weil in wunderschönen und mitnehmenden Melodien gepackt – nicht immer klingt da eine eigentlich traurige Begebenheit, dann auch traurig.
Und ich kenne bisher (und ich kenne viel von ihm) kein einziges schlechtes Lied von ihm.
Wie geschrieben sind es persönliche Dinge, von denen er singt – das vorletzte Album handelte von der Krebserkrankung seiner Ehefrau und über das was diese Krankheit mit sich bringt. Sitzen im Krankenhaus, warten, weiterleben.
Sein letztes Album hat der auch als Psychotherapeut tätige Musiker – The Therapist – betitelt gehabt. Sein neuestes Album hat den Tod seiner Ehefrau und das Leben danach zum Thema.
Vielleicht mit Traurigkeit geschrieben, aber die Selbsttherapie funktioniert bei Philip Kroonenberg halt über die Musik und das er, der nie so recht bekannt wurde, noch weiter Musik macht und auch noch gerne live auftritt, ist dann ein Glücksfall für alle die seine Songs so mögen.
Seine musikalischen Alltagserfahrungen sind diesmal alle recht kurz geraten – die Songs sind meist nicht länger als drei Minuten. Aber wir wissen ja alle, das die Länge überhaupt nichts über die Qualität aussagt.
Und direkt die ersten Klänge hohlen einen rein in diese unglaublich feine Mischung aus Singer/Songwriter-Folk, Roots und Americana (und jetzt bitte keine Diskussion wieder, dass ein Holländer kein Americana machen kann, weil er kein Amerikaner ist (so ein quatsch)). „Again“ einfach total schön. Und bei ihm klingt die Beschreibung vom Wiederauftreten de Krebserkrankung seiner Frau, wie ein irische Folksong. Und bei ihm passt dass.
Auch wenn man denkt Songs wie „Final Flowers“ schon tausend mal gehört zu haben - „Final Flowers“ ist dann einer der besten dieser tausend Songs. Schon bekomme ich die erste Gänsehaut – wie mich diese Musik anspricht. Und wenn man bedenkt, aus welcher Situation heraus die Songs einstanden sind – dann hat der Sänger seinen Optimismus doch irgendwie nie verloren. Und ja, die Songs handeln ab da vom Umgang nach dem Tode eines geliebten Menschen und den darauf folgenden Neuanfang. Aber die Musik, die leichten Melodien – das ist einfach ganz ganz toll. Wer da nicht mitgeht, hat auch kein Herz und versteht erst recht nichts von guter Musik. Und auch wenn der Grundton bei den Songs gleich bleibt und vielleicht auch an andere Aufnahmen von Philipp Kroonenberg erinnern – egal, total egal – ein Song wie „Quietness“ möchte man nicht missen und dies gilt auch für die folgenden Songs. Er findet auch immer neue Worte und Melodien für seine Trauerverarbeitung und alle klingen nicht verkitscht, sondern einfach wie Beschreibungen des Ist-Zustands. „Angel“, „To you“, „The Wrong Door“ und „Act as if“. - Die Songs der ersten Plattenseite handeln vom unmittelbaren Verlust und von der Liebe zum verstorbenen Menschen. Musikalisch bestehen, die Songs meist aus Gitarre, Gesang und Background (sehr schön gesungen von einer seiner Töchter), Bass gespielt von Reyer Zwart.
Die Songs auf Seite 2 sind dann Betrachtungen aus der Zeit danach.
„Day by Day“ - und die Freude, die diese Songs in mir auslösen, will einfach kein Ende nehmen. So schön. „Today“, „Broken Down“, „Goodbye“ (mal mehr Roots/Americana als Folk), „Alone“ - Pure Songschönheit, „Wherever you are“, „New Life“,
Immer noch kann er keinen schlechten Song schreiben. Bin wirklich absoluter Fan von ihm.

30.07.24
Joe Strummer – 001 (2018) (Auf Spotify vorgehört – direkt den Download dann gekauft und die CD wird auch noch geholt. Die Luxusbox ist zum Glück schon total vergriffen – sonst hätte ich mich da wohl auch kaum zurückhalten können.)
Werkschau des Schaffens und des Nachlasses abseits von The Clash auf 2 CDs. Für die Zusammenstellung sind Strummers Witwe Lucinda Tait und der Produzent Robert Gordon McHarg III verantwortlich gesehen. Für die Neuveröffentlichung wurden die Tracks von Peter J. Moore remastert (und da dabei hat er eine tolle Arbeit geleistet – weil für ein Compilation-Album klingt das Meiste wie aus einem Guss – und das ist leider bei solchen Alben nicht immer der Fall.
Mit den 101ers fabriziert er echten Rock ´n´ Roll – was zu seiner Stimme sehr gut passt. So klingt „Letsagetabitarockin´“ sehr rock´n´rolig und „Keys to your Hart“ ist eine schöne Beat-Rock ´n´ Roll-Nummer-Nummer, die nach hinten raus immer mehr Spaß macht. Tolle Entdeckung.
Mit „Love Kills“ sind wir dann schon in den 80ern angelangt. Sehr kantige Poprock-Nummer. Zu finden war das Stück auf dem „Sid und Nancy“ Soundtrack. Wirklich starke Nummer. Weiter Soundtrack-Nummern folgen. Der Südstaaten-Folk-Song: „Tenessee Rain“ stammt aus dem Film „Walker“ - auch sehr schön. Wie abwechslungsreich sein Werk ist, weiß man ja schon als „Clash“-Hörer. „Trash City“ - PunkRock-Nummer – wunderbar – aus dem Film „Permanent Record“.
„15 Brigarde“ war eine Single B-Seite und ist eine Übersetzung eines traditionellen Lieder aus der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges. Ethno-Rock mit politischer Botschaft.
„Ride the Donkey“ stammt von seinem Soloalbum „Earthquake Weather“. Schöne Reggae-Nummer. Persönliche Randnotiz: Aus unerklärlichen Gründen war das Album „Earhquake Weahter“ das erste Album mit Musik von Joe Strummer in meiner Sammlung. Kurz danach – nachdem die Discobesuche immer mehr zunahmen – gab es aber auch schon die ersten Clash-Songs auf Vinyl bei mir zu hören.
„Burning Lights“ stammt aus den Soundtrack des Films „I hired a contract Killer“ - eine Solo-Rock-Ballade im Billy Bragg-Stil.
Mit den Pogues hat er unter den Namen „The Astro-Physicicans“ den Song „Afro-Cuban-Be-Bop“ aufgenommen. Schöne Folk-Nummer. Das Material dieser Zusammenstellung ist bis dahin schon mal echt umwerfend. Bin wirklich ziemlich hingerissen und meine Hochachtung vor Joe Strummer wächst mit jedem Song weiter.
„Sandpapers“ ist mit den Mescaleros zusammen aufgenommen. Da ist auch eine schöne Ethno-Note in einer süß/leichten Pop-Rock-Nummer gepackt.
Unglaubliche gute Songs ohne Ende: „Generation“ - stammt von einem Compilation-Album: „Generations 1: A Punk Look at Human Rights“ - statt Punk ist das ein Stück wunderbarer Art-Pop. „it´s a rocking World“ stammt von dem Album „Chef Aid: The South Park Album“. Rock `n´Roll – auf Joe Strummer-Art ist das dann. Ein weiters Stück mit den Mescaleros folgt „Yalla Yalla“ - egal in welchen Stil er Musik macht – er machte dies richtig gut. Dieser feine Elektropop—Nummer ist ja einfach unglaublich. Bin ich begeistert – ja ich bin. Mann, hab ich einen Spaß mit solcher Musik – ist Irre das der Zauber immer und immer wieder funktioniert – wenn der Song gut ist und einen einfach nur mitreist und man das lächeln einen aus dem Gesicht meißeln müsste. Und es ist wirklich unglaublich das ich (fast) all diese Songs gerade zum ersten Mal höre. Was man nicht so alles selbst als aufmerksamer Musikhörer doch immer verpasst. Süßer als Honig: „X-Ray Style“. „Johnny Appleseed“ und „Minstrel Boy“ - Folk-Nummern wie es besser nicht geht.
Und es bleibt zum Nienderknien gut: „Redemption Song“ - zusammen mit Johnny Cash (bei dem merkt man dann, wie sich die Stimme von Joe Strummer plötzlich gewandelt hat – oder liegt das am Stil der American Recordings-Produktionsweise?). Nein – das mit der Stimme ist auch bei „Over the Border“ mit Jimmy Cliff aufgenommen deutlich zu hören. Den Abschluss der ersten CD machen noch zwei weitere Songs mit den Mescaleros: „Coma Girl“ und „Silver & Gold/Before I grow old“ die nach dem Tod von Joe Strummer im Jahre 2003 noch posthum veröffentlicht wurden. Und das war erste die erste CD und wie gut war die denn?
Eine weitere CD mit 12 weiteren bisher unveröffentlichten Songs folgt noch.
Die zweite CD beginnt mit einer Demo-Version des Songs „ Letsagetabitarockin“ (Lagefeuer Rock ´n´ Roll). „Czechoslovak Song/Where Is England“ ist eine unveröffentlichte Version von „This ist England“. Weiteres unveröffentlichtes Songmaterial folgt mit „Pooring Rain“, „Blues on the River“, „Crying on 23rd“, „2 Bullets“. Von der Produktions- und Soundqualität ist das dann alles oder zum größten Teil im Demo-Aufnahmen-Modus – aber „einfach“ ist ja nicht unbedingt schlechter – hat bei „Pouring Rain“ zum Beispiel eine Livequalität. Bei „Blues on the River“ klingt Strummer wirklich wie Johnny Cash. „Crying on 23rd“ ein Garagenrock-Blues. „2 Bullets“ ist ein Stück vom „Sid und Nancy“ Soundtrack – ich schätze mal, dass Strummer da nur den Song geschrieben und „Pearl Habour“ ihm gespielt hat.
Darauf folgen Stücke aus dem Filmsoundtrack des Films „When Pigs Fly“. „When Pigs Fly“, „Pouring Rain“, „Rose of Erin“. Seine Liebe zur Countrymusic ist auch bei diesen Stücken herauszuhören (aber irgendwie klingt „When Pigs Fly“ auch fast wie ein Beatles-Song.“Pouring Rain“ in der fröhlichen Folk-Fassung gefällt mir richtig gut. „Rose of Erin“ (sanfter Rock ´n´ Roll mit Folk-Elementen). Den Abschluss der ersten Werkschau machen zwei Song, die Strummer wohl kurz vor seinem Tode noch aufgenommen hat: „The Cool Impossible“ (ist eine Jazzrocknummer), „London is burning“ - Strummer im Rockmodus (und als Singleauskopplung war das eine gute Wahl!) . Unveröffentlichte Soundtrackarbeit, die er mit Mick Jones gemacht hat: „U.S. North“ (eine symphonische Hymne zum Abschluss – wie passend).
Musthave – und ich bin wirklich neidisch auf Leute, die diese Songs schon viel viel länger kennen.
29.07.24
New Order – Low-Life (1985)
Das dritte Album der Band, auf dem sie noch mit Songs wie „Love Vigilantes“ sehr schönen Indie machen. Ab nach der „Substance“ (wir können Tanzmusik-Compilation) werden sie dann mit Songs wie „True Faith“ ja meist doch eher zur EuroDance-Electro-Pop-Band. Obwohl vereinzelnd auch bei den späteren Alben der alte Indie-Charme noch beschwört wird. Aber sagen wir mal das das Kapitel „Von Joy Devision zur Indiegröße“ ist damit abgeschlossen.
Dafür machen Songs wie „Love Vigilantes“ nochmal richtig viel Spaß. Und „Perfect Kiss“ ist in jeder Fassung mein absolutes New Order-Lieblingslied.
Das alte SecondHand erworbene Vinyl schreit aber gerade bei diesem Songs auch danach, gegen einen Neuerwerb ausgetauscht zu werden.Trotzdem ist das ein Riesenstück (immer und immer wieder) – hab davon auch die Maxisingle in alter und neuer Pressung.
Bei Songs wie „This Time of Night“ ist die Kombination von Synthesizermusik und Indiesound noch sehr harmonisch und gut gelungen. Und zu fröhlich und nach Partymusik klingt der Song erst recht nicht, dafür aber richtig gut.
„Sunrise“ ist nochmal eine riesige Indierocknummer.
Sehr leise beginnt die zweite Seite. Doch die Lautstärke des Stücks „Elegia“ steigert sich nach und nach – der Song strahlt was Sakrales aus. Bei „Sooner than you think“ hört man schon am Anfang Zutaten von „Blue Monday“ heraus. Aber auch der Song ist noch eine schöne Indie-Pop-Nummer mit etwas Euphorie versetzt. Bei „Sub-Culture“ hört man dann (leider) wohin die Reise in Zukunft hingehen wird – Willkommen im EuroDanceZeitalter.
Warum aber auch Indiestar bleiben – wenn man die Welt erobern kann? Das mit der Euphorie ist noch größer bei „Face Up“ zu hören. Dabei hört man auch, dass Sänger Bernard Sumner nie ein richtig guter Sänger werden wird. Aber er scheint eine Menge Spaß beim Singen des Refrain zu haben – man hört die Leidenschaft und das ist mehr Wert als den richtigen Ton zu treffen.


21.07.24
AnnenMayKantereit - AnnenMay Kantereit (2013)
Das erste und noch selbst herausgebrachte Album des Trios, direkt gekauft nach ihrem Auftritt im Druckluft, bei dem ich sie das erste mal hörte und erlebt hatte. Ihr Auftritt hatte mich als damals über 40jährigen so mitgerissen, dass ich am Merchstand beim Kauf der CD dem Sänger Henning May sagte, dass ich „verliebt sei“. Und so was sag ich nicht leichthin. Aber mit ihrer Musik, den ehrlichen ungestümen Auftreten, der Stimme von Henning May gewannen sie nicht nur mich durch ihre Liveauftritte für sich. Bei jedem schnell folgenden weiteren Konzertbesuch wuchs die Fangemeide und leider können sie mit ihren Fans jetzt schon große Hallen und Stadien füllen, was irgendwie zu ihrer handgemachten, meist akustischen Musik nicht passt, da diese doch viel besser in einem intimeren Atmosphäre passt. Aber so ist das nun mal und auch dieses erste live eingespielte Album ist immer noch ihr bestes – weil es einfach diese urtümliche Lebendigkeit dieses Trios am besten wiedergibt – oder es ist so – weil es genau die Songs sind, die mich das mit dem „verliebt sein“ haben sagen lassen und die ich immer noch, selbst nach dem hundertsten Mal immer noch liebe. Und mal wieder englischsprachige Traditionals wie „James“ und dem wunderschönen „Leavin!“ sollten sie auch mal wieder auf ihren Platten haben. Aber trotz dieser Kritik an die erfolgreich gewordenen Musiker, mag ich sie immer noch. Alber live will ich sie einfach nicht mehr in großen Hallen erleben wollen. Dann höre ich lieber zum einhunderterstenmal diese CD. Aber für diese gebührt ihnen immer ein großes Dank.
Schon der Gesang und die Aufnahme der Instrumente bei „Wohin Du gehst“ hat einfach mehr Authentizität als beim offiziellen ersten Studioalbum „Alles Nix Konkrtes“ (die Hansastudios haben einfach nicht den Charme des Longericher Bahndams (!)) und der und die weiteren Song nehmen einen mit durch sihren Folksongcharme und der Text und da haben wir ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Band, der Text spricht sowohl Altersgenosseninnen der Band an, als auch Menschen, die sich vielleicht als Vollerwachsen bezeichnen. Und die älteren Zuhörer werden noch durch die Gesangsleistung bei den englischen Titeln wie „James“ und „What he wanted“ angesprochen und eingefangen. Wie ein so junger Mann, eine so verlebte Stimme haben kann – ist nicht nur Frage, sondern einfach etwas total Mitreißendes. Der schon genannte zeitlose Folkrockcharme der Songs erledigt den Rest.
Auf der Straße wurden die Songs getestet und schienen schon dort Begeisterung bei dem Vorbeigehenden und Stehengebliebenen ausgelöst zu haben. So funktioniert jedes Stück der CD. Egal ob „Jeden Morgen“, „Schon krass“, das Antiliebeslied „Mir wäre lieber Du weinst“. Natürlich gibt es die herausragenden „Barfuß am Klavier“ und „Oft gefragt“ - die auch fürs Mainstreamradio gut genug gewesen sind. Christopfer Annen, Henning May, Severin Kantereit auf der Höhe ihrer Kunst und dabei standen sie da eigentlich ganz am Anfang ihrer Karriere.
Und der Abend im Druckluft sollte auch noch fantastisch bleiben, weil danach durfte ich auch zum ersten Mal die fabelhafte Kat Frankie zum ersten Mal live erleben. Legendäre Live-Abende gibt es halt nur in den kleinen Location, glaubt mir dass.
12.06.24
Someday Jacob – It might take a While (2015)
Somday Jacob kommen aus dem Umfeld von Bremen – Songschreiber/Gitarrist Jörn Schlüter, Uli Kringer an der Gitarre, Martin Denzin am Schlagzeug und Manuel Steinhoff hatten mich durch das Hören eines Songs auf einem Sampler zum Kauf gleich zwei ihrer CDs verführt. Bevor ich diese hören konnte traten sie vor zwei Wochen in Duisburg im Steinbruch auf und da wurde ich ein Fan der Band. Ganz tolles Songwriting, ganz toll gespielt – wahnsinnig gutes Konzert – sie spielten dort nach US-70er Jahre Rock klingende Songs, die obwohl nach Vergangenheit klingen, in der Gegenwart glänzen. Nach dem Konzert direkt versucht noch die restlichen Veröffentlichungen zu bekommen – ihr Erstling „Morning comes“ war aber nur als Download zu kriegen – da spielen sie feinen sanften Indie-Folk-Rock Songs.
Bei Haldern Pop haben sie dann „It might take a While“ veröffentlicht. Direkt „Daily Bread“ hat dieses feine Folk-Rockfeeling wie man es in den 70ern von Fleetwood Mac, Crosby, Stills and Nash, Neil Young und anderen kannte, nur das es vielleicht ein wenig sanfter klingt, wenigstens solange bis im Song richtig an den E-Gitarren gearbeitet wird. Aber dieses Feeling von Rock, Weite, Amerika, Folk breitet sich direkt mit diesem Song schön aus. Das ist nicht gekonnt nachgemacht, sondern gekonnt weitergesponnen und selbstgemacht und das mit Herz und Seele.
Dieses Rezept wird dann auch einfach beibehalten – weil es auch so richtig gut funktioniert. Dabei gefällt mir die Musik sogar, und das möge man mir verzeihen, bei Someday Jacob teilweise noch besser als bei denen auf dessen Spuren sie so gekonnt wandern. Die machen einfach gute Musik daraus. So funktioniert der Song „Trade it all in“ auch richtig gut. So mancher Rockfan mag dann einen Song wie „Between me and you“ etwas weichgespült finden, aber schon die Stimme von Jörn Schlüter ist halt einfach eher geschaffen für zarte, sanfte Momente. Eine röhrende Rockfrontsau wird er nicht werden – eher kommt er wie der nette bodenständige Songschreiber und wie bei „Useless Light“ als Poet daher. „The Sun the Moon and the Stars“ erinnert an einen Song von Calexico und bleibt mit seinem Refrain lange in Erinnerung. Den Vergleich mit Neil Young müssen Someday Jacob ertragen, da so mancher Song an diesen erinnert, so auch „Glory Boys“. „Room with a View“ ist ein sanfter Song. Durch dieses 70er Rock-Feeling, das auch bei „Home Run“ großartig neu verarbeitet wird, unterscheiden sich die Musik von Someday Jacob auch angenehm von aktuellen anderen Folk-Rock-Bands und Singer/Songwritern sehr angenehm, die eher versuchen den Bon Iver/Mumford and Sons–Sound zutreffen.
Der wunderschöne Song „Rain“ haben Someday Jacob auf diesen Album nochmal neu veröffentlicht (der war auch schon in einer kürzeren Version auf „Morning Comes“ drauf). Ein ganz tolles Lied – ein sofortiger neuer Lieblingsong, den ich nicht mehr missen will.
„Long distance call“ - ganz süßer und herziger Folk-Song. Mit solchen Songs wird man als Hörer und Livepublikum eingefangen und wie gut ist das.
„All you weary Heats“ - okay das klingt dann doch etwas mehr nach Mumford and Suns“ beendet dieses Album, das ich immer wieder sehr sehr gerne hören werde und zwei weitere Alben sind auf dieses noch gefolgt und darauf freue ich mich jetzt auch schon wieder sehr.
